Interkulturelle Buchneuheiten Liste 35


Die vorhergehenden Listen können noch allesamt im Archiv unter wormsverlag.wordpress.com abgerufen werden.

LWL-Industriemuseum (Hg.): Wanderarbeit
Mensch – Mobilität – Migration.
Historische und moderne Arbeitswelten

160 S., farbig illustr., Pb., Klartext Verlag 2013 14,95 EUR
Menschen nehmen viel für ihren Beruf in Kauf: Berufspendler fahren zwischen Wohnort und Arbeitsplatz hin und her, Saisonarbeiter sind über Wochen und Monate von ihren Familien getrennt. Wanderschäfer zogen mit ihren Tieren immer zur nächsten Weidefläche weiter, Ziegler machten sich während der Kampagne von Frühjahr bis Herbst auf den Weg in die Fremde. Alle haben eines gemeinsam: Sie wandern, um ihre Berufe ausüben zu können, um überleben zu können und weil sie in der Heimat nicht genug Arbeit finden. Das Phänomen der Arbeitsmigration hat es seit jeher in der Geschichte gegeben. Die Situation hat sich in der Gegenwart nur geringfügig verändert. Die Gründe dafür sind vielfältig: Neben wirtschaftlicher Not, Armut, Karriere oder der Lust auf Abenteuer spielt heute auch die Globalisisierung des Arbeitsmarktes eine große Rolle. Das Buch geht den Ursachen der Arbeitswanderung, ihren Folgen und den Veränderungen in den letzten Jahrhunderten nach und setzt sie in einen historischen und in einen aktuellen Zusammenhang.

Rudolf Tempsch: Aus den böhmischen Ländern ins skandinavische Volksheim. Sudentendeutsche Auswanderung nach Schweden 1938 – 1955
352 S., geb. Wallstein 2013 (erscheint September) 34,90 EUR
Zwischen Flucht- und Arbeitsmigration: sudetendeutsche Flüchtlinge in Schweden. Nach dem Münchner Abkommen 1938 fanden viele verfolgte sudetendeutsche Sozialdemokraten und Kommunisten Zuflucht in Skandinavien, insbesondere in Schweden. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Vertreibung der Deutschen aus der Tscheseslowakei versore nicht nur die meisten der Flüchtlinge ihre Option auf Rückkehr. Bis Mitte der 1950er Jahre folgten ihnen nun weitere sudetendeutsche Immigranten. Rudolf Tempsch zeigt am Beispiel der insgesamt etwa 5000 nach Schweden geflohenen Sudetendeutschen zum einen wie politiche Flüchtlinge während des Kriegs empfangen wurden und wie sie sich an die schwedische Gesellschaft anpassten, zum anderen aber auch, wie nach dem Krieg die ersten Arbeitsmigranten angeworben und aufgenommen wurden. Die Aufnahme der Sudetendeutschen in Schweden stellt ein besonderes erfolgreiches Beispiel für die Integration von Migranten in die Gesellschaft des skandinavischen Landes dar, das von den regierenden Sozialdemokraten in diesen Jahren im Sinne ihres Ideals eines wohlfahrtstaatlichen “Volksheimes” gestante wurde.

Regina Hartung, Katty Nöllenburg, Özlem Deveci (Hrsg.)
Interkulturelles Lernen – Ein Praxisbuch

208 S., debus Pädagogik 2013 24,80 EUR
Die Schule ist ein Ort der Vielfalt und soll allen Schülern und Schülerinnen in ihrer Unterschiedlichkeit gerecht werden. Interkulturelle Kompetenzen sind im schulischen Kontext obligatorisch geworden. Dieses Buch stellt konkrete Projekte vor, die sich in Unterricht und Schule leicht integrieren lassen. Darüber hinaus werden Praxisbeispiele und Empfehlungen zur gelungenen Zusammenarbeit Schule / Elternhaus und zur interkulturellen Schulentwicklung präsentiert. Es ist damit eine Fundgrube von Praktikern für Praktiker. Aus dem Inhalt: Interkultureller Fachunterricht, Interkultureller Sprachunterricht, Interkulturelle Projekte, Zusammenarbeit mit Eltern im interkulturellen Kontext, Interkulturelle Öffnung der Schule, Konzepte zur Schulentwicklung, Materialhinweise, Literaturempfehlungen, nützliche Links

Alfred Holzbrecher (Hrsg.)
Interkulturelle Schule – Eine Entwicklungsaufgabe

416 S., debus Pädagogik 39,80 EUR
Die kulturelle Vielfalt der Schule in einer globalisierten Welt als gesellschaftliche Realität anzuerkennen und als Herausforderung für die Entwicklung des eigenen Unterrichts und der Schule zu begreifen, gehört zu den aktuellen Aufgaben von Lehrern und Lehrerinnen. Sie finden in diesem handlungsorientierten Praxisbuch vielfältige Anregungen, die helfen, den Unterricht mit Interkulturalität als didaktischem Prinzip und als Querschnittsperspektive zu bereichern und den gesellschaftlichen Realitäten anzupassen. Aus dem Inhalt: Globalisierung, Kultur, Werte, BürgerGesellschaft, Diversität in den Lebenswelten, Kommunikation und Sprache, Unterrichtsentwicklung, Schulentwicklung, Entwicklung von Lehrerprofessionalität

Veronika Fischer, Monika Springer, Ionna Zacharaki (Hrsg.)
Interkulturelle Kompetenz
Fortbildung – Transfer – Organisationsentwicklung

272 S., debus Pädagogik 19,80 EUR
Dieses Buch ist das Standartwerk zum Thema. Es wird gezeigt, wie Fähigkeiten entwickelt werden können, das berufliche Handeln vor dem Hintergrund der Einwanderungssituation zu reflektieren und interkulturelles Wissen quasi als Interpretationsfolie für professionelles Handeln zu nutzen ist. Dies ist nicht selbstverständlich, sondern muss zunächst durch Fortbildungen und besondere didaktische Konzeptionen erarbeitet werden. Unter den drei Aspekten: Fortbildung – Transfer – Organisationsentwicklung, wird interkulturelle Kompetenz in diesem Buch thematisiert. Entsprechend gliedert sich die Veröffentlichung in drei größere inhaltliche Blöcke, von denen das erste das Thema der Fortbildung und Transfer des Gelernten in die Praxis, der zweite verschiedene pädagogische Handlungsfelder und der dritte Fragen der Organisationsentwicklung anspricht. Aus dem Inhalt: Gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Fortbildung: Anforderungsprofil, Zertifikationskurse, Assessment-Center interkulturell, Pädagogische Handlungsfelder: Kompetenz in der Beratung, Interkulturelle Gruppenarbeit, Interkulturelle Sensibilisierung und Kontaktarbeit, Transfer und Organisationsentwicklung: Organisationsentwicklung, Interkulturelle Orientierung.

Ionna Zacharaki, Thomas Eppenstein, Michael Krummacher (Hrsg.)
Praxishandbuch Interkulturelle Kompetenz
Vermitteln , Vertiefen, Umsetzen

176 S., debus Pädagogik 19,80 EUR
Theorie und Praxis für die Aus- und Weiterbildung. Die Gestaltung von Integration und interkulturellem Zusammenleben ist eine Herausforderung für Politik, Zivilgesellschaft, soziale und pädagogische Berufe und Einrichtungen. Das Buch erklärt, was „Interkulturelle Kompetenz“ konkret bedeutet und wie sie in der Praxis umgesetzt werden kann. Das Buch besticht durch den interdisziplinären Bezug der Fachbeiträge sowie durch die erfolgreiche Erprobung im „Zertifikatskurs: Basisqualifikation Interkulturelle Kompetenz für Soziale Berufe“. Aus dem Inhalt: Interkulturelle Kompetenz als Bildungsaufgabe, Migration Integration und Recht, Migrations- und Integrationspolitik, Werteorientierung und Normenkonflikte, Religionen und Toleranz, Kommunikation, Umsetzung der interkulturellen Ansätze am Beispiel des Zertifikatkurses „Interkulturelle Kompetenz für soziale Berufe“

Christa Kaletsch: Demokratie-Training in der Einwanderergesellschaft
Aktive Schülervertretung für Schüler, Lehrer und Eltern

240 S., debus Pädagogik 14,80 EUR
Mit diesem Praxisbuch erhalten Multiplikatoren ein Schule und außerschulischer Bildung Anregungen, wie Interesse an demokratischen Prozessen geweckt und eine stärkere Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ermöglicht werden kann. Ein sensibler Blick auf Entscheidungsfindungsprozesse und ein deutliches Votum für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention bilden den Kern des Trainingskonzepts.

Opferperspektive e.V. (Hrsg.): Rassistische Diskriminierung und rechte Gewalt
An der Seite der Betroffenen beraten, informieren, intervenieren

300 S., Westfälisches Dampfboot 2013 19,90 EUR
Vor 15 Jahren wurden nicht nur in verschiedenen Medien weite Teile Brandenburgs als von Neonazis kontrollierte no-go-areas angesehen. Zu diesem Zeitpunkt nahm die Opferperspektive e.V. ihre Arbeit auf. Seitdem unterstützt und berät sie nicht nur Angehörige rechter Gewalt, sondern sie interveniert auf politischer Ebene und versucht so, rechte Dominanz in Städten und Dörfern aufzubrechen, mit dem Ziel, die Perspektive der Betroffenen sichtbar zu machen und eine Solidarisierung zu initiieren. In dem Buch reflektieren MitarbeiterInnen, Betroffene, KooperationspartnerInnen, ExpertInnen und Aktivistinnen, wie sich neben den unterschiedlichen Facetten der Beratungspraxis neue Arbeitsschwerpunkte im Verein entwickelt haben. Die Entwicklungslinien der extremen Rechten und ihrer Organisierung werden ebenso beleuchtet wie die Entstehung des sog. Brandenburger Wegs und der damit einhergehenden Unterstützung zivilgesellschaftlicher Strukturen.

Tobias Pieper: Die Gegenwart der Lager
Zur Mikrophysik der Herrschaft in der deutschen Flüchtlingspolitik

425 S., (2.Auflage); Westfälisches Dampfboot 2013 34,90 EUR
Von der Analyse des Sozialraums Lager aus der Perspektive seiner BewohnerInnen ausgehend fragt Tobias Pieper in seiner Forschungsarbeit auf der Grundlage von raumtheoretischen und sicherheitstechnologischen Überlegungen nach der politischen, ideologischen wie ökonomischen Funktion der Lagerunterbringung von Asylsuchenden und rollt diese in ihren historischen Dimensionen auf. Damit gelingt ihm ein wichtiger Beitrag zur kritischen Aufarbeitung deutscher Flüchtlingspolitik.

Neva Löw: Wir leben hier und wir bleiben hier!
Die Sans Papiers im Kampf um ihre Rechte

170 S., Westfälisches Dampfboot 2013 (erscheint Oktober) 19,90 EUR
Wie kämpfen illegalisierte Migrant_innen um ihre Rechte? Mitte der neunziger Jahre besetzte in Paris eine Gruppe San Papiers eine Kirche, um für legale Aufenthaltstitel zu kämpfen. Mehr als ein Jahrzehnt später streikten mehr als sechstausend illegalisierte Migrant_innen, unterstützt durch die Gewerkschaft CGT, in mehreren Betrieben und verschiedenen Sektoren. Welche Effekte der Ermächtigung erleben die Kämpfenden dabei? An welche Grenzen und Widerstände stoßen Sans Papiers-Bewegungen? Welche Konsequenzen haben die eingegangenen Bündnisse? Und welche politischen Effekte haben die Kämpfe illegalisierter Migrant_innen? Neva Löw beschäftigt sich in ihrer Studie mit Möglichkeiten der Organisierung illegalisierter Migrant_innen im postfordistischen Migrationsregime. Anhand qualitativer Interviews analysiert sie zwei Widerstandspraxen und setzt sie zueinander in Bezug. Durch die Untersuchung der Ideologien der Bewegungen, deren Strategien und Taktiken sowie der eingegangenen Bündnispolitiken rückt sie Migrant_innen ohne Aufenthaltsgenehmigung in Frankreich ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Blätter für deutsche und internationale Politik 9`13
130 S., Blätter Verlag 2013 9,50 EUR
u.a.: Die neue Flüchtlingsbewegung, Gezi oder: Das Imperium der Angst ist zerstört (Taksim-Platz Istanbul), Ägypten: Mythos Militärdemokratie,

Francoise Hauser: Fünfzig Mal Mund auf in Belgien
120 S., TB, Dryas 2013 (erscheint September) 10,95 EUR
Im Ausland ist Belgien vor allem für Bier, Pommes und Pralinen bekannt. Doch das kleine Nachbarland hat so viel mehr zu bieten: Wie wäre es mit Cuberdon-Bonbons? Einem „Maschinengewehr“ zu Mittag? Oder hätten Sie gewusst, dass Rosenkohl und Chicoree echte Belgier sind? Mal deftig, mal raffiniert, aber immer üppig überrascht die belgische Küche hier und da mit ungewohnten Kombinationen: Kirschen zu den Frikadellen und Apfel-Birnenkraut-Soße zu den Pommes schmecken besser, als es die meisten Deutschen glauben. In diesem Sinne: Eet smakelig beziehungsweise bon appetit! Die Journalistin Francoise Hauser und ihr Sohn Elias – ein bekennender Fan der belgischen Fritten – haben sich zusammen auf die Reise gemacht und sich durch ein kleines Land mit großer Küche geschlemmt.

Thomas Laubach (Hg.): Kann man Gott beleidigen?
Zur aktuellen Blasphemie-Debatte

244 S., Pb., Herder 2013 (erscheint September) 12,99 EUR
Das Thema Blasphemie hat explosionsartig an Bedeutung gewonnen. Vom „Punk-Gebet“ in einer orthodoxen Kirche über Mohammed-Karikaturen bis zum Papst auf dem Cover einer Satire-Zeitschrift. Während die einen auf die Meinungsfreiheit pochen, sehen viele Gläubige den Tatbestand der Blasphemie erfüllt. Können Gott und Glauben überhaupt beleidigt werden? Deckt die Meinungsfreiheit jede Äußerung ab? Braucht Religion den Schutz durch den Staat?

Thomas Bauer, Berthold Höcker, Walter Homolka, Klaus Mertes:
Religion und Homosexualität – Aktuelle Positionen

64 S., Pb., Wallstein 2013 (erscheint Oktober) 9,90 EUR
Wie stehen die monotheistischen Weltreligionen zu Homosexualität? Vier Perspektiven auf gleichgeschlechtliche Liebe in Katholizismus, Protestantismus, Judentum und Islam. In den monotheistischen Hauptreligionen der Welt ist die sexuelle Lust am eigenen Geschlecht mindestens umstritten, meistens wird sie abgelehnt und unter Strafe gestellt. Bis auf ausdrücklich liberale Lesarten wird dabei Sexualität immer auf einen einzigen Aspekt beschränkt: die Fortpflanzung. In den verschiedenen Theologien, den Auslegungen der jeweils Heiligen Schriften, gibt es jedoch Deutungsmaterial, das die Liebe zwischen Menschen gleichen Geschlechts aufgreift und von ihr erzählt – aber in den volksfrommen Lebensweisen bleibt man konservativen, traditionellen Verständnissen verhaftet: Homosexuelles gilt wahlweise als Sünde, Krankheit, gar Perversion. Wer schwul oder lesbisch lebt, hat es schwer, gleichwertiger Teil eines dieser Glaubenssysteme zu sein. Allein liberale Gruppen von Judentum und Protestantismus integrieren nichtheterosexuelle Beziehungen aktiv in ihr Gemeindeleben. Wenigstens in den europäischen, nordamerikanischen oder ozeanisch-industriellen Ländern werden mehr und mehr theologische Leseweisen kultiviert, die die strikt heteronormative Interpretation unterlaufen, und sie damit historisierend revidieren. Der Band versammelt vier Lesarten religiöser Schriften und Überlieferungen, die den aktuellen Diskurs der Debatten um Homosexualität und Religion widerspiegeln.

Georg Bier (Hg.): Der Kirchenaustritt
Rechtliches Problem und pastorale Herausforderung

288 S., Pb., Herder 2013 14,99 EUR
Kann man nach staatlichem Recht aus der katholischen Kirche „austreten“ und trotzdem weiter zur Glaubensgemeinschaft gehören? Die neu entfachte Debatte führen Experten aus Theologie und Rechtswissenschaft fort. Sie erörtern religionssoziologische, dogmatische, pastorale und kirchenrechtliche Aspekte, fragen nach der Situation in Österreich, der Schweiz sowie in den evangelischen Landeskirchen und entwerfen so ein facettenreiches Bild des Kirchenaustritts.

Gerd Lüdemann: Der echte Jesus
Seine historischen Taten und Worte. Ein Lesebuch

100 S., zu Klampen 2013 (erscheint Oktober) 9,80 EUR
Jesus von Nazareth ist für das christliche Abendland die zentrale Person. Über ihn sind Bibliotheken zusammengeschrieben worden. Die meisten Jesus-Bücher sind jedoch wertlos, da sie naiv den geglaubten Christus für den historischen Jesus ausgeben. Inzwischen ist sich die internationale kritische Forschung darüber einig, dass die meisten Worte Jesu nachträgliche Zuschreibungen und das Gross seiner Taten Projektionen sind. In seinem großen analytischen Werk „Jesus nach 2000 Jahren“ legte Gerd Lüdemann vor mehr als einem Jahrzehnt den Stand der exegetischen Forschung zugrunde und fand nur wenige verbürgte Jesustaten und –worte in den Evangelien. Er präsentiert nun diese Minderheit der echten Taten und Worte Jesu in seinem neuen, handlichen Buch, das sich auf einen breiten wissenschaftlichen Konsens berufen kann, und hofft, auf diese Weise dem Mann aus Nazareth historisch näher zu kommen.

Kathrin Ueltschi / Jens Oldenburg: Verborgene Feste
Wie religiöse Gemeinschaften in der Schweiz ihre Feste feiern

280 S., geb, farb. Abb., rüffer & rub 2013 (erscheint November) 38,40 EUR
Feste sind in allen Religionen Ausdruck tiefer Verbundenheit mit dem Glauben, sei es bei Christen, Muslimen, Hindus, Aleviten oder Bahai. Jeder religiöse Mensch verbindet mit ihnen tiefe emotionale Erlebnisse. Die Journalistin Kathrin Ueltschi und der Fotograf Jens Oldenburg begleiteten zwölf verschiedene Religionsgemeinschaften in der Schweiz bei ihren Festen. Entstanden sind Bilder von intimen Momenten, religiösen Ritualen oder von farbenprächtigen Prozessionen. „Verborgene Feste“ zeigt eindrückliche Fotos und legt vielgestaltige Texte vor, die unbekannte und überraschende Einblicke in andere Kulturen ermöglichen.

Atac / Fanizadeh / Kraler /Manzenreiter (Hg.)
Migration und Entwicklung. Neue Perspektiven

280 S., Pb., ProMedia 2013 24,90 EUR
Im Zentrum des Bandes steht die Verschränkung der beiden Themen Migration und Entwicklung. Die Bedeutung von MigrantInnen für ihre Herkunftsländer war seit den 1960er Jahren immer wieder Gegenstand von Debatten. Im deutschsprachigen Raum lässt eine Bestandsaufnahme des Themenkomplexes noch auf sich warten. Die Lücke soll das vorliegende Buch füllen: als übersichtliche Einführung bei gleichzeitiger theoretischer und empirischer Vielfalt. Damit soll es sowohl für das wissenschaftliche Fachpublikum und Studierende als auch für EntscheidungsträgerInnen in der Entwicklungszusammenarbeit von Relevanz sein. Der Zusammenhang von Migration und Entwicklung wirft die fundamentale Frage auf, was unter „Entwicklung“ zu verstehen ist. Wie lassen sich Vorstellungen von MigrantInnen als dynamische Akteure der wirtschaftlichen Globalisierung mit menschenrechtsbasierten Vorstellungen vereinbaren? Sind der Nationalstaat bzw. als national verfasst gedachte Gesellschaften überhaupt sinnvolle Bezugsgrößen, um die Entwicklungsaspekte von Migration zu problematisieren? Unterscheidet sich internationale Migration von Binnenmigration in ihren Entwicklungsaspekten? Und wie wirkt sich Migration auf (Un-)Gleichheitsverhältnisse in lokaler, nationaler und globaler Dimension aus? „Migration und Entwicklung“ ist nicht nur zu einem zentralen entwicklungspolitischen Thema avanciert, sondern auch zunehmend wichtig im Kontext migrationspolitischer Diskussionen, zumal auf europäischer Ebene. Aber lässt sich eine auf Kontrolle ausgerichtete Migrationspolitik und ein von starken wirtschaftlichen Interessen geleitetes „Migrationsmanagement“ mit dem Anspruch auf sozialen und regionalen Ausgleich und der Überwindung globaler Ungleichheit verbinden? Oder dient das Aufgreifen von Entwicklungsaspekten von Seiten der Einwanderungsstaaten lediglich dazu, die „dunkle Seite“ der Migrationspolitik, die im Aufbau von Grenzregimen mit technisch aufwendigen Überwachungen und einer ausgefeilten Praxis von Abschiebungen besteht, zu kaschieren? Der Band will Antworten auf diese Fragekomplexe liefern.

C. Schuenke / B. Struzyk (Hg.): Fremde Heimat – Texte aus dem Exil
320 S., geb., Matthes & Seitz 2013 24,90 EUR
„Fremde Heimat“ versammelt zwanzig Autoren aus fremden Ländern, die Zuflucht in Deutschland gefunden haben und denen eines gemeinsam ist: Sie haben die Freiheit des Wortes benutzt zur Verteidigung des Lebens, das ihnen wichtig ist. Entstanden ist nicht nur eine Sammlung von Texten aus dem Exil, sondern gleichsam eine Weltkarte der Verfolgung des Wortes und der Vertreibung derer, die es sich nicht verbieten lassen, aber auch ein Atlas ihrer Hoffnung und ihrer Zuversicht.

Herta Müller: Immer derselbe Schnee und immer derselbe Onkel
4 CD, 3 Std. 40 Min., Hörbuch Hamburg 2013 19,99 EUR
Was es heißt, unter den Bedrohungen der Ceausescu-Dikatatur unr ihrer entsetztlichen, bis heute nachwirkenden „Securitate“ zu leben und zu schreiben, das vermittelt Herta Müller in ihrer (hier selbst gesprochenen) Reden und Aufsätzen. Sie reichen von der Klagenfurter Rede zur Literatur aus dem Jahr 2004 bis zur Stockholmer Vorlesung anlässlich des Literatur-Nobelpreises im Jahr 2009. Auf Platz 2 der hr2-Hörbuch-Bestenliste.

Zmicier Vishniou: Das Brennesselhaus
300 S., geb., Luxbooks 2013 (erscheint Herbst) 22,80 EUR
Safa Burschtyn, der seit seiner Geburt auf dem elterlichen Sofa die Welt „kopfüber entdeckte und deshalb Schriftsteller wurde“, verdient sich seinen Lebensunterhalt mit dem Malen pseudostalinistischer Ölgemälde. Er lebt in Minsk, bis Seltsames geschieht: Ein Handwerker gräbt einen Tunnel durch seine Wohnung, seine Freundin Natascha entführt ihn in die mythischen Sümpfe der weißrussischen Sprache, die Kaktusmafia lässt den Gemüsegarten der Großeltern zuwuchern, ein gelber Gartenzwerg überwacht Safa gleich einem Angehörigen des Geheimdienstes – ob real oder virtuell, jede dieser Gestalten unternimmt den Versuch, Safa davon abzuhalten, seinen Roman zu schreiben. Safa landet schließlich im Künstlerhaus „Tacheles“ in Berlin inmitten von Freaks, Performern, Kunsthändlern, Literaturagenten und schrägen Typen. Geheime Drahtzieherin und literarische Metaebene des Romans ist eine schräge weißrussische Großmutter, die in wandelbarer Gestalt als Literaturkritikerin oder Lebensberaterin mit moralischen Ansprüchen das Geschehene kommentiert und vorantreibt. Eine surreale, hochkomische und überaus unterhaltsame Tour de Force durch die weißrussische Seele, eine wundersame Reise für Safa, ein großer Roman! Ein Must-Have für alle Fans der slawischen Literatur vom wichtigsten Erzähler des modernen Weißrusslands.

DJ Stalingrad: Exodus
128 S., Pb., Matthes & Seitz Berlin 2013 14,90 EUR
Im Rausch der Gefahr – Ein Roman aus dem Untergrund. „Exodus“ ist der authentische Entwicklungsroman eines Aussteigers am Rand der Gesellschaft. Allgegenwärtiges Elend, absolute Perspektivlosigkeit und Wut prägen von Kindheit an die Umgebung des Erzählers. Er antwortet darauf mit roher Gewalt: Keine Schlägerei, kein Straßenkampf ist ihm zu blutig oder zu sinnlos, er hängt weder am Leben noch glaubt er an irgendwelche Werte. Doch mit diesem drastischen, ungeheuer intensiven Buch, das zunächst in Samsidat erschien, findet er eine Sprache für den Krieg an der Peripherie der Großstädte. Schreibend macht sich Piotr Silaev, alias DJ Stalingrad, Angehöriger der roten Skinheadsezne, Anarchist und Antifaschist mit philologischer Hochschulbildung, auf die Suche nach einer höheren Wahrheit, die uns alle angeht. DJ Stalingrad (Piotr Silaev) wurde 1985 in Moskau geboren. Er war an etlichen militanten antifaschistischen Aktionen in Moskau beteiligt. Ende 2008 reiste er unter Verhaftungsandrohung nach Griechenland, wo er unter Pseudonym „Exodus“ schrieb. Im Sommer 2010 war er erneut gezwungen, Russland zu verlassen, da er im Zusammenhang mit der Organisation von Aktionen in Chimki auf der landesweiten Fahndungsliste landete. Gegenwärtig lebt er in Spanien, Auslieferungsanträge wurden bislang abgelehnt.

Rolf Holsfeld (Hg.): Johannes Lepsius – Eine deutsche Ausnahme
Der Völkermord an den Armeniern, Humanitarismus und Menschenrechte

304 S., Pb., Wallstein 2013 (erscheint September) 29,90 EUR
Über den couragierten Dokumentaristen des Genozids an den Armeniern. Der evangelische Theologe Johannes Lepsius (1858 – 1926) gründete im späten 19.Jahrhundert das Armenische Hilfswerk, später Flüchtlingsheime und Waisenhäuser. Sein „Bericht über die Lage des armenischen Volkes in der Türkei“ (1916/16) wurde 1916 von der deutschen Zensur verboten. Dennoch konnte er mit seiner Sammlung wichtiger diplomatischer Aktenstücke „Deutschland und Armenien 1914 – 1918“ (1918) eine breite Aufmerksamkeit für den Völkermord erzielen. Internationale Expertinnen und Experten untersuchen das Leben des „Schutzengels der Armenier“.

Sabine Mangold-Will: Begrenzte Freundschaft
Deutschland und die Türkei 1918 – 1933

528 S., geb., Wallstein 2013 42,00 EUR
Die deutsch-türkischen Beziehungen in der Weimarer Republik und die Abwehr der unbegrenzten Moderne. Der Erste Weltkrieg gilt in der Öffentlichkeit vielfach noch immer als die Geburtsstunde der deutsch-türkischen „Waffenbrüderschaft“ und einer Freundschaft ohne Hintergedanken. Doch warum endete dieser Mythos mit der gemeinsamen Niederlage 1918 nicht, sondern wurde vielmehr gerade in den Jahren danach erst eigentlich geschaffen? Sabine Mangold-Will beschreibt die deutsch-türkischen Beziehungen zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland in ihrer internationalen wie transnationalen Dimension zwischen Diplomatie, Vereinswesen, interessierten Gesellschaftskreisen, Bildungspolitik und Sport. Dabei fragt die Autorin insbesondere nach den wechselseitigen Interessen einer von beiden Seiten formulierten angeblich ungebrochenen und zweckfreien Freundschaft. Die Erklärung dafür findet sich in einem gemeinsamen Kampf gegen das System der Pariser Friedensordnung und der Abwehr einer beschleunigten Verwestlichung. So lässt sich für die Jahre 1918 bis 1933 lediglich von einer begrenzten Freundschaft sprechen, deren Inszenierung in Deutschland wie in der Türkei dem geteilten Kampf gegen eine unbegrenzte Moderne galt.

Sabahattin Ali: Die Madonna im Pelzmantel
260 S., geb., Dörlemann 2013 (erscheint August) 18,90 EUR
In Ankara kennt man Raif Efendi als duldsamen Mann, der weder die Eskapaden seiner Töchter noch die Verleumdungen am Arbeitsplatz meistert. Kaum jemand ahnt, wer sich hinter der Maske stummen Gleichmuts verbirgt. Ein eng beschriebenes Schulheft lüftet endlich sein Geheimnis. Die Aufzeichnungen führen in das Berlin der zwanziger Jahre. Arbeiter und Bohemiens heben in miefigen Absteigen die Gläser auf eine ungewisse Zukunft, und eine geheimnisvolle junge Malerin – die „Madonna im Pelzmantel“ – kreuzt wie zufällig Raifs Wege. Als er sie eines Abends in einem Nachtlokal wieder trifft, weiß er, dass ihrer beider Schicksal untrennbar verwoben ist. Eine hinreißend deutsch-türkische Liebesgeschichte und eine Ode an das Berlin der wilden Zwanziger. Sabahattin Ali wurde 1907 in Gümülcine geboren. Nach seinem Studium in Berlin und Potsdam lehrte er in der Türkei Deutsch. Ali musste zeitlebens gegen die staatliche Zensur kämpfen, 1932 wurde er wegen eines Satire-Gedichts über Atatürk für ein Jahr inhaftiert. 1944 gab er in Istanbul das Satire-Blatt „Markopasa“ heraus. Am 2.April 1948 wurde Ali auf der Flucht ins Exil an der bulgarischen Grenze ermordet. Bis heute ist ungeklärt, ob er einem Raubmord oder einem politischen Anschlag zum Opfer fiel.

Yasar Kemal: Auch die Vögel sind fort
130 S., geb., Unions Verlag 2013 12,95 EUR
Zum 90.Geburtstag am 6.Oktober 2013: Yasar Kemals (Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels) bewegender Istanbul-Roman. Jeden Herbst gehen die Vögel in Schwärmen auf einem Strand vor Istanbul nieder. Seit den Tagen des alten Byzanz will es die Sitte, dass die Städter sie vor den Moscheen, Kirchen und Synagogen kaufen und wieder freilassen. Sie sollen an der Pforte des Paradieses Fürbitte leisten. Als aber drei Gassenjungen ihre vollgestopften Käfige auf Istanbuls Plätze tragen, ernten sie nur Spott und Hohn. Man beschimpft, verjagt die Jungen und hetzt die Polizei auf sie. Mit knurrenden Mägen, leeren Taschen, enttäuscht und erniedrigt, kehren sie an den Strand zurück. Yasar Kemals Istanbul ist eine farbige, brodelnde Welt. Spitzbuben und Tagträumer, Gestrandete und Gescheiterte leben an den Rändern einer Stadt, die gleichgültig und hektisch geworden ist.

Celil Oker: Schnee am Bosporus
Remzi Ünals erster Fall

160 S., TB, Neuausgabe, Unionsverlag 2013 10,95 EUR
In seinen besseren Tagen war Remzi Ünal Pilot bei der Luftwaffe und bei Turkish Airlines. Seit er dort rausgeflogen ist, sorgt sein Job als Privatdetektiv fürs nötige Kleingeld. Das ist aber ein Beruf, den es in der Türkei noch gar nicht so richtig gibt. Dass er bei seinem ersten großen Fall nicht nur einen ausgerissenen Studenten finden soll, wird ihm schmerzhaft klar, als er über eine Leiche stolpert und plötzlich seine Aikido-Kenntnisse dringend braucht.

Ab September: Die Istanbul-Krimis von Remzi Ünal zum Sonderpreis von 25,00 EUR. Vier Einzelbände im Paket, 896 S.,: Schnee am Bosporus; Foul am Bosporus; Letzter Akt am Bosporus; Dunkle Geschäfte am Bosporus. Remzi Ünal erforscht die verborgenen Seiten Istanbuls.

Burco Dogramici: Fotografieren und Forschen
Wissenschaftliche Expeditionen mit der Kamera im türkischen Exil nach 1933

240 S., 173 Abb., geb., Jonas Verlag 2013 (erscheint Oktober) 30,00 EUR
Burcu Dogramici widmet sich der Tätigkeit deutscher Wissenschaftler in der Türkei in den 1930er Jahren und untersucht, wie sie die damals neuen Kleinbildkameras für ihre Forschungsvorhaben einsetzten. Die Kinderärzte Albert und Erna Eckstein waren wie die Zoologen Curt und Leonore Kosswig, der Architekt Gustav Oelsner, der Indologe Walter Ruben und der Alt-Philologe Georg Rohde vor den Nationalsozialisten in die Türkei geflohen. Auch der Komponist Paul Hindemith wirkte ab 1935 für mehrere Jahre als Berater der türkischen Regierung. Mit ihren Fotoapparaten erkundeten sie das ihnen fremde Land, widmeten sich Baukultur, Kulturgeschichte, Landschaften und Menschen. In ihren Fotografien manifestieren sich spezifische Interessen, die wissenschaftliche Fragestellungen berühren. Besonders der Pädiater Eckstein hinterließ ein eindrucksvolles Oeuvre mit außergewöhnlichen Aufnahmen anatolischer Frauen und Kinder, denen er in seinen poliklinischen Sprechstunden begegnete. Die Biologin Leonore Kosswig interessierte sich für die örtlichen Lebensweisen und kunsthandwerklichen Traditionen; als eine der ersten weiblichen Forschungsreisenden war sie in der ländlichen Türkei unterwegs. Die eindrucksvollen Aufnahmen der Türkei-Emigranten werden nun erstmals ausführlich publiziert. Das Buch artikuliert die These, dass die Motivation zur Auseinandersetzung mit der Türkei auf ein Assimilierungsbedürfnis zurückging, das mit einem wissenschaftlichen wie fotografischen Interesse korrespondierte: Fotografie als zentrales und sehr persönliches Medium der Welt- und Wissensaneignung in der Emigration.

Pinar Selek: Frau im Exil
80 S., Pb., Orlanda Verlag 2013 8,00 EUR
Pinar Selek wurde am 24.Januar 2013 in Abwesenheit in Istanbul zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe unter verschärften Bedingungen verurteilt. Aktuell befindet sich die Soziologin, politische Aktivistin und Autorin im französischen Exil. Im Orlanda Verlag erschienen ihr Roman „Halbierte Hoffnungen“ (2011) und das Sachbuch „Zum Mann gehätschelt. Zum Mann gedrillt“ (2010). Hier blickt sie auf eine Geschichte von fünfzehn Jahre juristischer Willkür zurück, der sie bis heute ausgesetzt ist. Sie erzählt, was es bedeutet, im Exil zu leben, ohne Freunde und Familie und auch weit weg von der Heimat zu sein, nach der sie sich sehnt. Auf sehr berührende Weise beschreibt Pinar Selek, wie es sich anfühlt, nicht mehr selbst bestimmen zu können, wo man leben will. Ergänzt wird Seleks Standortbestimmung durch einen Text von Karin Karakash. Die armenische Schriftstellerin ist wiederum seit fast fünfzehn Jahren mit Pinar Selek befreundet, hat deren Odyssee aus der Türkei mitverfolgt und unterstützt sie und ihre Familie.

Ebru Tasdemir: Koffer Eltern – Zwischen Heimat und Arbeitsplatz
200 S., Pb., Orlanda Verlag 2013 (erscheint September) 18,00 EUR
Ebru Tasdemir im Jahre des Anwerbestopps für Gastarbeiter geboren und mit dem berüchtigten „Koffer auf dem Schrank“ in Berlin aufgewachsen lebt immer noch gern in Berlin. „Koffer Eltern. Zwischen Heimat und Arbeitsplatz“ spricht ein Thema an, das in vielen (türkisch-deutschen) Familien bisher tabuisiert oder zumindest nicht ausreichend besprochen und ausgesöhnt wurde. Kinder, die bei Verwandten zurückgelassen werden; Eltern und Kinder, die sich nur in den Ferien sehen; das Pendeln zwischen zwei Orten, das die Betroffenen nirgendwo ankommen und einen wichtigen Teils des eigenen Lebens stets vermissen lässt – dies und vieles mehr sind Nebenwirkungen der Arbeitsmigration, die ein Teil unseres modernen Lebens geworden ist. Während in dem 2011 erschienenen Buch „Generation Koffer“ einige der „Kinder“ der so genannten Gastarbeiter_innen ihre Geschichte erzählen, kommen in diesem Band auch die Väter und Mütter mit ihrer Perspektive zu Wort, so dass ein Dialog zwischen den Generationen stattfindet. Die Autorin Ebru Tasdemir, suchte deutschlandweit betroffene Menschen auf und kam mit ihnen ins Gespräch. Ihr Buch liefert einen wichtigen Beitrag zur Migrationsgeschichte, in der dieser Aspekt noch immer kaum beleuchtet wurde.

Imad Mustafa: Der politische Islam
Zwischen Muslimbrüdern, Hamas und Hizbollah

240 S., Pb., Promedia 2013 17,90 EUR
Täglich in den Medien verbreitete Begriffe wie „Fundamentalisten“, „Extremisten“ oder „Terroristen“ assoziieren den Islam mit irrationalen Formen von Gewalt- und Herrschaftsausübung. Das vorliegende Buch lässt die Protagonisten der islamischen Welt selbst zu Wort kommen, deren Stimmen nach dem „Arabischen Frühling“ lauter und vernehmbarer geworden sind. Imad Mustafa stellt die bekanntesten politischen islamischen Bewegungen und Denker in einen historischen und gesellschaftlichen Kontext, in dem er ihre programmatischen Schriften und Reden übersetzt und kritisch analysiert. Er tritt damit zugleich den Nachweis an, dass es sich bei den vorgestellten Gruppen aus dem Nahen Osten und Nordafrika um genuin politische Organisationen handelt. Ausgehend von den historischen Ursprüngen des modernen politischen Islams im 19.Jahrhundert zeichnet der Autor die Entwicklung bis zum heutigen Tag nach. Eine zentrale Quelle der aktuellen Hochblüte islamischer Politik ortet er im Denken arabischer Intellektueller gegen Ende des Osmanischen Reiches. Von Beirut, Kairo und Damaskus aus setzten sie sich mit den Folgen einer lang andauernden, als erniedrigend empfundenen Fremdherrschaft auseinander. Der Ruf nach einer Änderung der sozialen und politischen Verhältnisse sowie nach national-religiöser Erneuerung schallte schon damals durch die gesamte arabische Welt. Er bildete die Grundlage für fas alle aktuellen islamischen Bewegungen. Anhand ihrer politischen, religiösen, ideologischen, ökonomischen sowie sozialen Standpunkte werden bekannte Organisationen miteinander verglichen. Für westliche Medienkonsumenten wird dabei eine erstaunliche Vielfalt offenbar. Damit wird das gängige Vorurteil entkräftet, der Islam und die islamischen Bewegungen würden einen einheitlichen Block bilden. Der Autor weist nach, wie differenziert das Spektrum politisch-islamischen Denkens ist und widerspricht damit dem herkömmlichen Bild eines monolithischen islamischen Fundamentalismus.

Hadayatullah Hübsch: Der muslimische Witz
180 S., geb., Patmos 2013 (erscheint September) 14,99 EUR
Der Islam kennt Humor und Muslime können lächeln! Dieses Buch tritt den Beweis an. Zum ersten Mal erscheint eine umfangreiche muslimische Witzesammlung, zusammengetragen aus vielen Ländern und verschiedenen Zeiten.

Maulana Rumi: Sei Sonne, sonst bleibst du Fledermaus
384 S., geb., Marix Verlag 2013 (erscheint September) 10,00 EUR
Maulana Dschelaluddin Rumi (1207 – 1273), Sufi-Mystiker, ekstatischer Dichter des islamischen Mittelalters, Drehwirbeltänzer, vielfach als „größter pantheistischer Poet des Planeten“ bezeichnet, hinterließ ein riesiges, bodenloses Werk aus 60.000 inspirierten Versen. Der bisher in deutschsprachigen Auswahlausgaben betonte Rumi zeigt ihn eher als frommen Gottesmann; hier werden nun Seiten an ihm hervorgehoben, für die er bisher weniger bekannt war: der bizarre Humorist, der grübelnde Philosoph, der verblüffende Metaphernschmied mit unorthodoxen, freizügigen, deftigen und archaischen Zügen, der Parabelerzähler, dessen weltumspannendes Epos „Mathnawi“ ein Sammelbecken tiefsinniger Geschichten bietet.

Christa Chorherr: Im Schatten des Halbmonds
Christenverfolgung in islamischen Ländern

228 S., zahlr. Abb., geb., Styra premium 2013 24,99 EUR
Es ist eine unbequeme Wahrheit: Die Übergriffe auf Christen haben weltweit ein nie gekanntes Ausmaß erlebt. Geschätzte 100 Millionen Menschen in über 50 Ländern werden bedrängt, diskriminiert und verfolgt, weil sie sich zum christlichen Glauben bekennen – und die Welt schweigt. Besonders in den Staaten des Arabischen Frühlings hat sich die Situation verschärft, Extremisten sind auf dem Vormarsch, und Scharia und Toleranz gegenüber Andersgläubigen vertragen sich nicht. Welchen Schikanen, Repressalien und welcher Willkür sind christliche Minderheiten in islamischen Ländern heute ausgesetzt? Wie konnte es dazu kommen, dass aus einem christlichen Territorium – indem letztlich auch die Wiege des Christentums stand – ein islamisches wurde? Wie soll, wie kann es weitergehen ? Das Buch beleuchtet die Geschichte der Christenverfolgung von der islamischen Expansion im 7.Jahrhundert bis heute, zeigt historische Fakten und Hintergründe auf und fragt nach Ursache und Wirkung der aktuellen Situation: komplex, packend und informativ.

Ibn Battuta: Reisen ans Ende der Welt
Durch Afrika und Asien 1325 – 1353

320 S., geb., Edition Erdmann 2013 24,00 EUR
Fasziniert von der Welt legt der Araber Ibn Battuta, wie noch kein Mensch vor ihm, in etwa 27 Jahren rund 120.000 km zurück und sprengt damit den Rahmen seines ursprünglichen Vorhabens von seiner Geburtsstadt Tanger aus nach Mekka zu pilgern. Mit Schiffen, Kutschen und auf Kamelen unternimmt er eine Reise durch die gesamte islamische Welt und darüber hinaus – damit erweitert er die traditionellen Gebiete arabischer Geographen. Im Auftrag des Sultans von Marokko hält der größte Weltreisende des Mittelalters seine Erlebnisse in diesem eindrucksvollen Reisebericht fest. Battuta liefert landes- und volkskundliche Betrachtungen sowie Verzeichnisse von Reiserouten und hinterlässt der historischen und ethnologischen Forschung damit reiche Quellen des Mittelalters. Ibn Battuta wurde 1304 in Tanger geboren und 1368 oder 1377. Er bereiste und beschrieb im 14.Jahrhundert weite Teile der Welt. Bekannt wurden seine Aufzeichnungen in Europa erst im 19.Jahrhundert. Sie sind ein überzeugender Beleg für die kulturelle und wissenschaftliche Führungsrolle der Araber im Mittelalter.

Raja Alem: Das Halsband der Tauben
600 S., geb., Unionsverlag 2013 26,95 EUR
In einer Gasse in Mekkas Altstadt wird eine unbekannte Tote gefunden, nackt, mit entstelltem Gesicht. Die Bewohner sind in Aufruhr, und allmählich kommen verborgene Geheimnisse an den Tag: verbotene Liebesbeziehungen, Familientragödien, aber auch zwielichtige Geschäfte inmitten dieser aufgewühlten Stadt, in der religiöse Tradition und brutale Spekulation aufeinanderprallen. Inspektor Nasser wird mit der Untersuchung beauftragt. Er taucht ein die Lebensgeschichten von zwei vermissten Frauen, die an den Hindernissen ihrer Umgebung zerbrochen sind. Bald stößt er auf bedrohliche Mächte: Korruption und Immobilienprojekte bedrohen die alte, ehrwürdige, heilige Stadt Mekka. Raja Alems Mekka ist Ort der Gegensätze: aufrichtig und bestechlich, reich und arm, sündig und rein. Geschichte, Gegenwart und Fantasie vereinigen sich zum Lebensbild einer Stadt, die so in der Literatur noch nie beschrieben wurde.

Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau
365 S., Pb., Lenos 2013 12,50 EUR
Roman aus Ägypten. Die Armen wohnen oben, auf dem Dach, in kleinen Kabüffchen, die ursprünglich als Abstellkammern konzipiert waren. In den Stockwerken darunter geht es kaum weniger knapp zu. Dort hat ein durch die Revolution von 1952 teilenteigneter Grundbesitzer sein Büro mitsamt Liebesnest, ein Chefredakteur seine Wohnung, ein Neureicher das Domizil für seine Zweitfrau und haben viele Ungenannte ihr ganz normales Zuhause. Auf vielfältige Weise verweben sich die Leben der Bewohner. Das Haus wird zum Mikrokosmos für Ägypten. Alaa al-Aswanis Roman stellt vieles dar, was es in Ägypten gibt, worüber aber nicht häufig – und eigentlich nie in dieser Direktheit – gesprochen wird. Da kommt der junge Mann nicht an die Polizeischule, weil sein Vater nur Türhüter ist. Da hält sich der wohlhabende Journalist einen armen Oberägypter als Bettgenossen. Da predigt der eine Geistliche für die Regierungspolitik, der andere für den Terror. Da bereichern sich manche schamlos mit den zweifelhaftesten Geschäften. Da wird das junge Mädchen, das für seine Familie sorgen muss, von allen Arbeitgebern systematisch belästigt. Da träumt der ehemalige Aristokrat von vorrevolutionären, besseren Zeiten. Da wird im Bereich der Politik geschmiert, geschnüffelt und gefoltert. Das wird eben das tägliche Leben Ägyptens gezeigt.

Chalid al-Chamissi: Arche Noah
407 S., geb., Lenos 2013 22,50 EUR
Roman aus Ägypten. In seinem neuen Roman erzählt der Bestsellerautor Chalid al-Chamissi die ineinander verwobenen Schicksale von Menschen, die mangels Perspektiven aus Ägypten emigriert sind oder dies vorhaben. Ein junger diplomierter Jurist findet keine seiner Qualifikationen an angemessener Stelle und sucht sein Glück mit einer Scheinheirat mit einer Amerikanerin. Seine Exverlobte wird unterdessen von ihren Eltern genötigt, einen Ägypter zu heiraten, der in New Jersey ein Resteraunt betreibt. Dessen Koch, der nach eine Odyssee durch Südamerika illegal in die USA gelangt ist, tritt in die Dienste eines zwielichtigen ägyptischen Geschäftsmanns, dessen Sohn in London ein ausschweifendes Leben führt. Da sind außerdem der Philosophieprofessor an einer britischen Universität; dessen Cousin, der beim Versuch, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen, beinahe ertrinkt; ein junger Nubier aus Assuan; ein gewiefter Menschenschmuggler; eine koptische Ärztin; eine Prostituirte. Ein Platz auf der Arche Noah ist ihre Chance für ein besseres Leben.

Nagib Machfus: Anfang und Ende
380 S., TB, (Neuausgabe) Unionsverlag 2013 12,95 EUR
Eines morgens werden die beiden Söhne aus der Schule gerufen: Der Vater ist tot. Etwas Geld im Portemonnaie, einen untadeligen Ruf und eine lächerliche Pension – mehr hat er ihnen nicht hinterlassen. Wie soll die Mutter ihre vier Kinder in Ehren hochbringen? Als der älteste Sohn als Rauschgifthändler verhaftet und die Tochter mit einem Liebhaber in einer Absteige aufgegriffen wird, liegt für die ganze Familie der Schein ehrbaren Lebens in Trümmern. Nagib Machfus (1911 – 2006) gilt als „Vater des ägyptischen Romans“. Sein Lebenswerk umfasst mehr als vierzig Romane, Kurzgeschichten und Novellen. 1988 erhielt er als bisher einziger arabischer Autor den Nobelpreis für Literatur.

Habib Selmi: Die Frauen von al-Bassatin
210 S., geb., Lenos 2013 (erscheint September) 19,90 EUR
Roman aus Tunesien. Taufik lebt seit langem als Lehrer in Paris, in seine tunesische Heimat kommt er nur noch selten. Umso größer ist die Freude seinen Bruders Ibrahim, als er sich bei ihm und dessen Familie für drei Wochen einquartiert. Aufmerksam und mit dem charakteristischen Blick eines Migranten, der zwischen zwei Kulturen lebt, registriert Taufik, was sich in den letzten Jahren verändert hat: Ibrahims Frau Jussra ist tiefreligiös geworden, ihr Sohn Wail begleitet seinen Vater mit Begeisterung zum Freitagsgebet in die Moschee. Argwöhnisch beäugen sie ihre Nachbarin Naima, die als Geschiedene Männerbesuche empfängt. Taufik beginnt sich für die geheimnisvolle Frau zu interessieren und stellt ihr nach. In Tunis begegnet man Migranten wie ihm mit einer Mischung aus Bewunderung und Misstrauen. Allzu oft so klagt man, protzten die Exiltunesier hier mit ihren großen Autos, während sie in Frankreich nur die Drecksarbeit erledigten. Zugleich träumen nicht wenige Einheimische davon, auf irgendeinem Weg selbst nach Europa zu gelangen und dort ihr Glück zu suchen. Habib Selmi schaut in seinem Roman von außen auf die tunesische Gesellschaft und die sich verändernde Bedeutung der Religion im Leben der Menschen. Er enthält sich aber eines Urteils und überlässt es dem Leser, der Leserin, eigene Schlüsse zu ziehen.

Wolfgang Gehrcke / Christiane Reymann (Hg.)
Syrien – Wie man einen säkularen Staat zerstört
und eine Gesellschaft islamisiert

187 S., Papyrossa 2013 9,90 EUR
Längst ist in Syrien der anfangs friedliche Protest in einen von außen geschürten und finanzierten bewaffneten Aufstand übergegangen, der einem demokratischen Wandel die Luft abwürgt. Medial und politisch werden im Westen nur jene Kräfte wahrgenommen, die den gewaltsamen Sturz von Baschar al-Assad betreiben. Andere Stimmen finden kein Gehör. Ebenso wenig wird die Frage erörtert, wie und unter welchen Bedingungen festgestellt werden kann, was eine Mehrheit der Syrer will. Das vorliegende Buch skizziert Wege zur Beendigung der Gewalt und zu Verhandlungslösungen. Namhafte syrische Regierungskritiker beleuchten aus eigener Erfahrung Aufgaben und Chancen gewaltfreier demokratischer Opposition. Autorinnen und Autoren aus Ägypten, Libanon und Deutschland ordnen den Syrienkonflikt in die Geschichte des Nahen und Mittleren Ostens und untersuchen seinen Stellenwert in der Politik der USA, der NATO, der Bundesrepublik, Israels und der aufstrebenden Regionalmacht Türkei.

Oliver Kontny: Iranian Voices – Republik der Verrückten
Hörbuch-CD, 56 Min., Buchfunk 14,90 EUR
Gesprochen von Jasmin Tabatabai und anderen. Eine geniale Idee: Oliver Kontny kombinierte „Leila und Madschun“, das persische Epos aus dem 13.Jahrhundert, mit Dokumenten aus dem Iran des 21.Jahrhunderts. So entstand mit postmigrantischen Sprecherinnen und Sprechern und Soundscapes von Marc Sinan ein aufregendes Hörspiel, das das gesellschaftliche Nebeneinander exzessiver Parties, strenger Sittenpolizei und brutaler Gewalt zum Thema hat. Das Hörbuch steht in der hr2-Hörbuch-Bestenliste ganz oben.

Hubertus von Thielmann: Schwarzer Sturm
414 S., Pb., weissbooks.w 2013 (erscheint Herbst) 17,90 EUR
Roman. Teheran 1979/80. Die Fanatiker um Ayatollah Khomeini haben die Macht an sich gerissen. Im Klima äußerster Gefahr versucht Cyril, die europäische Firma, für die er arbeitet, durch die Wirren zu bringen. Doch nicht nur die Firma ist bedroht, auch seine Frau Elena, sein Sohn und Tarik, sein alter Vater. Der träumt nachts vom „Schwarzen Sturm“, dem Sturm der Persischen Salzwüste, dem keiner entrinnen kann. Die Lage in den Straßen wird von Tag zu Tag bedrohlicher, bald geht es nur noch um Leben und Tod. „Der schwarze Sturm“ ist ein Thriller, ein spannungsgeladener Roman, geschrieben von einem, der damals in Teheran gelebt und den Wahnsinn des Fundamentalismus hautnah miterlebt hat.

Lamya Kaddor / Michael Rubinstein: So fremd und doch so nah
Juden und Muslime in Deutschland

184 S., geb., Patmos 2013 17,99 EUR
Ein authentischer und konstruktiver Beitrag zur Integrationsdebatte

Eva Lezzi: „Liebe ist meine Religion!“
Eros und Ehe zwischen Juden und Christen in der Literatur des 19.Jahrhundert

448 S., geb., Wallstein 2013 (erscheint Oktober) 29,90 EUR
Liebesbeziehungen zwischen Juden und Christen. Eine umfassende kultur- und literaturwissenschaftliche Analyse. Eheliche Verbindungen, Liebesbeziehungen und erotische Verhältnisse zwischen Juden und Christen finden sich in der deutschsprachigen Literatur des 19.Jahrhunderts in ganz unterschiedlichen Formen: Von der Faszination und erotischen Verführungskraft des exotischen Fremden bis hin zur verzweifelten, in den Selbstmord treibenden vergeblichen Liebe, von der kalkulierten Vernunftehe aus ökonomischen Gründen bis hin zum radikalen Bruch mit dem Herkunftsmilieu durch Flucht des Liebespaars. Auf der Grundlage von 80 Prosatexten und außerliterarischen Diskursen analysiert Eva Lezzi die im 19.Jahrhundert vorherrschenden Konzepte von Liebe und Ehe, Geschlecht und Religion, aber auch Fremden und Eigenem. Dabei berücksichtigt sie nicht nur hochkanonische Texte (Goethe, Raabe, Fontane) und weitverbreitete Unterhaltungsliteratur von jüdischen wie nichtjüdischen Autorinnen und Autoren, sondern entdeckt auch kaum bekannte Publikationen. Besondere Aufmerksamkeit widmet sie den historischen Kontroversen um die Emanzipation des Individuums, der Juden und der Frau. Dabei setzt sich die Autorin mit Focault und Luhmann auseinander und verbindet eine grundlegende Diskursanalyse mit sorgfältigem „close reading“.

Karl Schlögel / Karl-Konrad Tschaepe (Hg.):
Die Russische Revolution und das Schicksal der russischen Juden
Eine Debatte in Berlin 1922/23

650 S., geb., Matthes & Seitz 2013 (erscheint Oktober) 49,90 EUR
Unter den Flüchtlingen, die sich Anfang der 20er Jahre vor Revolution und Bürgerkrieg nach Berlin gerettet hatten, fanden sich Vertreter aller sozialen Schichten, ethnischen und religiösen Gruppen. Berlin wurde so zum exterritorialen Ort, an dem leidenschaftlich über die Ursachen der Russischen Revolution und über die Perspektiven des Kampfs gegen den Bolschewismus gestritten wurde. Eine der heftigsten Debatten drehte sich um die Frage, welche Haltung die russischen Juden im Exil einnehmen sollten gegenüber Juden als Repräsentanten der Sowjetmacht. „Die russische Revolution und das Schicksal der russischen Juden“ versammelt die wichtigsten Stellungsnahmen und Kritiken dieser innerjüdischen Selbstverständigung. Die Texte haben auch nach einem Jahrhundert totalitärer Gewalt und eines mörderischen Antisemitismus nichts von ihrem Ernst und ihrer Kraft eingebüßt.

Lou Bohlen: Politik der Erinnerung. Die umstrittene Erinnerungskultur der russischsprachigen Migranten in Israel 1989 – 2000
576 S., geb., Wallstein 2013 (erscheint Oktober) 59,90 EUR
Israel erlebte zwischen 1989 und 2000 seine vorerst letzte große jüdische Einwanderungswelle: Mehr als eine Million russischsprachiger Menschen kamen, um als Staatsbürger zu bleiben. Ihre alte Heimat, die Sowjetunion, war im Untergang begriffen, die Nachfolgestaaten unsicher. Aus dieser Masseneinwanderung erwuchs eine Bevölkerungsrevolution, die sich wesentlich auf die Erinnerungs- und Geschichtskultur der israelischen Gesellschaft auswirkte. Denn die Neubürger, in Israel als Diaspora-Einwanderer einer großen „Heimkehrbewegung“ betrachtet, waren nicht bereit, sich fraglos den damit verbundenen Normen und Erwartungen zu unterwerfen. Lou Bohlen untersucht, wie der bislang geltende jüdisch-israelische Konsens, Judentum als Norm und der Holocaust als zentraler Bezugspunkt der Erinnerung, in den Diskursen der russischsprachigen Neubürger zum umstrittenen Terrain wird. Daraus entsteht eine spannungsreiche Konfliktgeschichte über konkurrierende Erinnerungen und Gedächtnisnarrative in Israel und ihren jeweiligen politischen Funktionalisierungen.

David Nirenberg: „Jüdisch“ als politisches Konzept
Eine Kritik der politischen Theologie

80 S., Pb., Wallstein 2013 (erscheint Oktober) 9,90 EUR
David Nirenberg, international renommierter Spezialist für die Beziehungen der jüdischen, christlichen und islamischen Kulturen in der Geschichte, konzentriert sich in diesem Essay auf die Denkfigur des „Jüdischen“ als ein durchgängiges politisches Konzept der abendländischen Geschichte. Im Vordergrund steht nicht das Judentum als historische und gelebte Religion, sondern das Attribut „jüdisch“ als Figur des christlichen Denkens. Ohne diese ideengeschichtlichen Traditionen zu kennen, lassen sich weder die politische Theologie Carl Schmitts verstehen noch die Bilder des Judentums, die Schmitts Theorie hervorbrachte. Auf seiner intellektuellen Reise zeigt Nirenberg an frühchristlichen, mittelalterlichen und modernen Beispielen, wie „Judentum“ und „jüdisch“ als Vokabeln der politischen Sprache Bedeutung gewonnen haben. So war „jüdisch“ in der christlichen Regierungslehre Inbegriff der gefährlichen Attraktion von weltlicher Macht. Karl Marx bezeichnete die Judenemanzipation „in ihrer letzten Konsequenz“ als „Emanzipation der Menschheit vom Judentum“. Die Beständigkeit und die Verwendungsweisen der Denkfigur des „Jüdischen“ sind nach Nirenberg Anlass für ein grundsätzliches Nachdenken über Ideen-, Begriffs- und Diskursgeschichte.

Martha B. Helfer: Das unerhörte Wort
Antisemitismus in Literatur und Kultur

256 S., geb., Wallstein 2013 (erscheint Oktober) 26,90 EUR
Eine radikale Neuinterpretation kanonischer literarischer Werke des 18. Und 19.Jahrhunderts. Den in Struktur und Form nachweisbaren Antisemitismus von Texten wie Schillers „Die Sendung Moses“, Achim v. Arnims „Isabella von Ägypten“, Annette von Droste-Hülshoffs „Judenbuche“ hat die Germanistik zumeist ausgeblendet. Marta B. Helfer legt in diesen und weiteren ausgewählten Werken des 18. und 19.Jahrhunderts eine latent antisemitische Bedeutungsschicht frei. Auch wenn antisemitische Einstellungen einiger der untersuchten Autoren bereits thematisiert wurden, gelten die meisten noch immer als unpolitisch oder philosemitisch. „Das unerhörte Wort“ widerlegt diese Zuschreibung nicht, macht sie aber als unangemessene Vereinfachung kenntlich. Helferts textnahe Lektüren sind eingebettet in eine Darstellung des geistesgeschichtlichen Kontexts, der von der Debatte um die Judenfrage geprägt ist: Zwischen 1749 und 1850 führte das intellektuelle Deutschland hitzige Diskussionen über die Emanzipation der Juden. Sie werfen ein neues Licht auf wichtige Werke der Aufklärung, des Sturm und Drang, der Klassik, der Romantik, des Biedermeier und des Realismus. Der hier nachgewiesene latente Antisemitismus kann nun nicht länger ignoriert werden.

Sybille Steinbacher (Hg.): Transit US-Zone
Überlebende des Holocaust im Bayern der Nachkriegszeit

215 S., Pb., Wallstein 2013 (erscheint November) 20,00 EUR
Unter den Millionen von Displaced Persons (DP), die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland, vor allem in der US-Zone aufhielten, waren in großer Zahl Juden aus Osteuropa. Viele waren von den nationalsozialistischen Besatzern zur Zwangsarbeit ins Reich verschleppt worden, andere hatten ihre Staaten verlassen, weil jüdisches Leben dort nahezu vollständig vernichtet war und Antisemitismus weiterhin grassierte. Mit ihrem Alltag, ihren Lebensbedingungen und ihrer sozialen Realität in den DP-Camps beschäftigt sich der vorliegende Band aus gesellschafts- und kulturgeschichtlicher Perspektive. Untergebracht in DP-Camps, saßen die Überlebenden oft über Jahre fest, bis sie endlich in Übersee, Palästina oder anderswo eine Existenz aufbauen konnten.

Anatevka
36 S., geb., Kindermann Verlag 2013 16,90 EUR
„Wenn ich einmal reich wär`… digge, digge, deidel, diedel, dum!“ Jeder Musical Fan kennt und liebt ihn, den etwas dickköpfigen, aber herzensguten Milchmann Tevje, der mit seiner Frau und fünf Töchtern im jüdischen Dorf Anatevka lebt. Tradition geht dort über alles, bis Tevjes Töchter erwachsen werden und lieber ihrem eigenen Herzen folgen… Der Text wurde kindgerecht aufbereitet und lädt mit den Bildern kleine Leser auf eine fantasievolle und lehrreiche Entdeckungsreise ein. Ab 7 Jahre

Der Sohar – Das heilige Buch der Kabbala
in der Übersetzung von Ernst Müller

344 S., geb., Marix Verlag 2013 (erscheint September) 20,00 EUR
Kabbala bedeutet „Tradition“ und bezeichnet mystische Überlieferungen, die seit dem Mittelalter in einer Vielzahl von Schriften, meist Bibelkommentare oder Erklärungen zum „Buch der Schöpfung“, die religiöse Welt des Judentums inspirierten. Das wichtigste Werk, das in weiten Kreisen geradezu kanonische Geltung bekam, wurde unter dem Titel „Das Buch des Glanzes (Sohar)“ gedruckt. Er stellt eine Sammlung von Lehren dar, die der Tora eine mystische Dimension geben: Gott offenbart sich selbst in einer für den frommen Menschen zugänglichen Gestalt und bleibt mit ihm, seinem Handeln, seiner Geschichte und der Welt, in der wir leben, in wechselseitiger Verbindung. Ernst Müller, ab 1911 Bibliothekar der jüdischen Gemeinde in Wien und Anhänger von Rudolf Steiners Anthroposophie, übersetzte einen beachtlichen Teil des Sohar zum ersten Mal in die deutsche Sprache und ordnete die Texte in thematische Einheiten neu.

Claus-Steffen Mahnkopf: Deutschland oder Jerusalem
Das kurze Leben der Francesca Albertini

320 S., geb., Abb., zu Klampen 2013 24,90 EUR
Am 27.März 2011 starb mit nur 36 Jahren die jüdische Religionsphilosophin Francesca Yardenit Albertini, gebürtige Römerin, empathische Wahldeutsche, Grenzgängerin zwischen Italien, Deutschland, den USA und Israel, eine leidenschaftliche Forscherin und Hochschullehrerin. „Eine Begabung, wie sie nur einmal in einem halben Jahrhundert anzutreffen ist“, so der Religionsphilosoph Bernhard Casper. Mit großer Kenntnis der Sprachen, dem Renaissance-Ideal einer klassischen Bildung verpflichtet und tief verwurzelt in der aufklärerischen Moderne kämpfte sie für die Idee eines neuen Verhältnisses zwischen Deutschen und Juden und für eine deutsch-jüdische Aussöhnung jenseits der Schuldfrage. Ihr Blick richtete sich auf jene Stärken des Judentums, die es als Träger einer kritischen Modernität auszeichnen könnten. Die Ehe mit dem deutschen Avantgardekomponisten und Autor Claus-Steffen Mahnkopf begründete eine besondere, nicht nur intellektuelle Symbiose, in der jeder beim jeweils Anderen seinen eigenen Lebensentwurf erkannte. In großer Offenheit zeichnet Mahnkopf das berührende Portrait seiner Frau.

Peter Ullrich: Deutsche, Linke und der Nahostkonflikt
Politik im Antisemitismus- und Erinnerungsdiskurs

208 S., geb., Wallstein 2013 (erscheint Oktober) 19,90 EUR
Immer wieder wird in Deutschland kontrovers diskutiert, ob, wann und warum israelkritische Positionen zum Nahostkonflikt nur kaschierter Antisemitismus seien. Peter Ullrich beleuchtet neue Perspektiven: Einerseits haben Lernprozesse der vergangenen Jahrzehnte dazu geführt, dass die linke Nahostdebatte in Deutschland heute komplexer und ausgewogener ist denn je. Andererseits bleiben doch die Gefahren für eine universalistische linke Position erkennbar. Immer wieder droht der Umschlag ins Partikulare, sei es in Form von Antisemitismus, Rassismus, Islamfeindlichkeit oder extremer Überidentifikation mit Konfliktakteuren. Aus wissenssoziologischer und diskursanalytischer Perspektive untersucht der Autor verschiedene Aspekte des deutschen Blicks auf den Nahostkonflikt.

Sumaya Farhat-Naser: Im Schatten des Feigenbaums
200 S., geb., Lenos 2013 (erscheint September) 19,90 EUR
„Unser Land wird uns systematisch weggenommen“: Ihre politisch brisante Aussage über israelischen Landraub im palästinensischen Westjordanland belegt Sumaya Farhat-Naser in ihrem neuen Buch überzeugend und gibt damit Einblick in eine Realität der Verdrängung, die in Europa kaum wahrgenommen wird. Die palästinensische Erfolgsautorin („Thymian und Steine“) beschreibt, wie aggressiv israelische Siedler die einheimische Bevölkerung drangsalieren, Weinberge, Olivenhaine und Felder zerstören, Ländereien und Wasserquellen rauben – alles unter dem Schutz der israelischen Armee. Wie ein roter Faden ziehen sich die Einschränkungen und Widrigkeiten des Alltags unter Militärbesatzung durch Farhat-Nasers Aufzeichnungen. Auch geht sie auf Hoffnungen und Ängste ein, die der Umbruch in der übrigen arabischen Welt weckt, und berichtet über ihre Friedensarbeit in Schulen und Frauengruppen, aber auch über Momente des Glücks im eigenen Weinberg oder im Familienkreis. Enttäuscht äußert sie sich hingegen über die verbreitete Neigung, berechtigte Kritik an Israel kleinzureden.

Kathryn Stocket: Gute Geister (The Help)
608 S., btb, 9,99 EUR
Der Roman zum Film “The Help” über den Kampf farbiger Haushaltshilfen und Kinderbetreuerinnen gegen den Rassismus in Amerika diesen Sommer erneut auf der Spiegel Online Bestseller-Liste.

Lyonel Trouillot: Straße der verlorenen Schritte
160 S., geb., Liebeskind 2013 16,90 EUR
Eine alte Bordellbesitzerin, die mit ansehen muss, wie Hass und Gewalt das Leben ihrer Mädchen zerstören. Ein Taxifahrer, der zwischen die Fronten gerät und alles verliert, was er besitzt. Und ein Intellektueller, der vergeblich in der Liebe einen Ausweg sucht. Lyonel Troillot lässt drei Menschen von einer Nacht erzählen, als Haiti zur Hölle auf Erden wurde. Port-au-Prince. Das Gerücht verbreitet sich wie Windeseile. „Geht nicht nach draußen“, heißt es, „heute Nacht passiert etwas“. Langsam wird es dunkel, der Strom fällt aus. An Stromstörungen hat man sich längst gewöhnt – ebenso daran, Wut und Hunger hinunterzuschlucken. Die Anhänger der Opposition wollen mit Gewalt an die Macht, doch es besteht Gefahr, dass die Miliz des Diktators unter der Bevölkerung ein Blutbad anrichtet. Auf der Suche nach einem letzten Kunden irrt ein Taxifahrer durch die Straßen der Hauptstadt. Zur selben Zeit flüchtet ein junger Mann mit seiner Arbeitskollegin in das Haus eines Freundes, der hoch oben auf einem Hügel über der Stadt wohnt. Es soll ihre erste gemeinsame Nacht werden. Währenddessen steht die Besitzerin des größten Bordells der Stadt am Fenster und betrachtet sorgenvoll die Szenerie. Sie spürt, dass bald schon Blut fließen wird. Lyonel Troullots Debütroman „Straße der verlorenen Schritte“ hat auch heute, fünfzehn Jahre nach seinem Erscheinen in Frankreich, nichts von seiner Kraft eingebüßt. In seiner mitreißenden, poetischen Sprache schildert Lyonel Trouillot die Ereignisse einer einzigen Nacht, in der sich das tragische Schicksal eines ganzen Landes offenbart. Denn wer Hass sät, wird Sturm ernten.

Edwidge Danticat: Der verlorene Vater
240 S., TB, Unionsverlag 2013 (September) 12,95 EUR
Zwischen Folter und Vergebung: Eine Tochter entdeckt die Wahrheit. Eigentlich wollte sie bei ihrer Reise in den Süden der USA ihrem Vater näher kommen und sich bedanken für all die Anregungen, die er ihr schenkte. Doch dann entdeckt die junge Künstlerin, dass ihr Vater keineswegs ein Opfer der Diktatur in Haiti war, sondern ein Folterer, der das Leben unzähliger Menschen zerstörte. Alles, worauf sie ihr Leben baute, bricht nun zusammen. Wie kann Vergebung gefunden werden ?

Leonardo Padura: Der Schwanz der Schlange
180 S., TB, Unionsverlag 2013 10,95 EUR
Ein außergewöhnlicher Mordfall führt Mario Conde in die geheimnisvolle Welt von Havannas Barrio Chino. Ein alter Chinese baumelt tot in seinem Kämmerchen, mit zwei in die Haut geritzten Pfeilen und einem abgeschnittenen kleinen Finger. Ein religiöser Ritualmord mit Santeria-Hintergrund? Oder steckt doch eine interne Abrechnung dahinter? Da Teniente Conde seiner attraktiven chinesisch-stämmigen Kollegin, der unwiderstehlichen Patricia Chion, nichts abschlagen kann, kümmert er sich selbst um diesen Fall. In den geheimnisvollen Zirkeln der chinesischen Gemeinde stößt Mario Conde auf mysteriöse Zusammenhänge und obskure Machenschaften und immer wieder auf Geschichten von Entwurzelung und Einsamkeit.

Carl Nixon: Settlers Creek
320 S., geb., Weidle Verlag 2013 (erscheint Herbst) 23,00 EUR
Box Saxton ist ein erfolgreicher Bauunternehmer und Immobilienmakler in Christchurch, bis die Finanzkrise ihm den Boden unter den Füßen wegreißt. Er muss sein Haus mit Meerblick verlassen und sich in einer nicht gerade erstklassigen Gegend einmieten. Die teure Privatschule für seine beiden Kinder lässt sich nicht länger finanzieren. Sein 19jähriger Sohn Mark wird mit diesen Veränderungen nicht fertig und nimmt sich das Leben. Box, der nun als einfacher Bauarbeiter weit entfernt arbeitet, fliegt sofort nach Hause, um bei seiner Frau Liz und Tochter Heather zu sein und die Beisetzung im Familiengrab vorzubereiten. Doch da taucht Marks leiblicher Vater auf, Tipene, ein Maori, der die Mutter des Jungen bald nach der Geburt verlassen hat. Mark hatte nie eine Verbindung zu ihm. Nach dem Gesetz der Maori muss ein Familienmitglied in der Grabstelle der Ahnen beigesetzt werden, und dieser Tradition will Tipene folgen. Box und seine Frau weigern sich, den Leichnam des Jungen herauszugeben, deshalb stiehlt Tipene ihn, wobei er das neuseeländische Recht auf seiner Seite hat. Box verfolgt ihn in seinem alten Pickup, um die Leiche seines Sohnes zurückzubekommen. Carl Nixon beschreibt in seinem spannenden Roman sehr genau die Auswirkungen der Finanzkrise, ebenso den unlösbaren Konflikt zwischen zwei verschiedenen Formen der spirituellen Bindung an das eigene Land.

June Jordan: Abschiedskuss für Gott. Gedichte
180 S., Pb., Weidle Verlag 2013 (erscheint Herbst) 19,00 EUR
engl./ deutsch. „Poetry for the poeple“ – so hieß das Projekt, das June Jordan 1991 (als Professorin) in Berkeley ins Leben rief und das bis heute besteht. Poetry for the people bedeutete für sie eine Lyrik, die fern aller Selbstbezüglichkeit, im Leser Aufmerksamkeit und Anteilnahme weckt. June Jordan, das Kind jamaikanischer Einwanderer, das bereits mit sieben Jahren zu schreiben begann, war ganz aus ihrer Poesie heraus Hochschullehrerin und politische Aktivistin, Afro-Amerikanerin und Feministin. Das „damn black devil child“, wie der strenge Vater sie nannte, ging mit unbeirrbaren Mut durch alle Bereiche des amerikanischen Lebens. Sie hat mit ihren Versen der Theorie der Gender Studies eine Melodie gegeben und mit ihrem Vertrauen auf die universell emanzipatorische Kraft von Lyrik die Nachfolge Walt Whitmans angetreten. June Jordan (1936 – 2002) ist in den USA eine der anerkanntesten Autorinnen ihrer Generation. Vom Jahr 1969 bis zu ihrem Tod publizierte sie 28 Bücher, darunter Lyrik, Essays und Werke für Kinder. „Abschiedskuss für Gott“ aus dem Jahr 1997 zeichnet sich durch seine Vielfalt aus: sehr lange und sehr kurze Stücke, traditionelle und experimentelle Texte; philosophische Gedichte und religionskritische Lyrik, Liebesgedichte und politische Texte, die explizit die US-Außenpolitik und die Gewalt als Machtmittel der „westlichen“ kritisieren. Gemeinsam ist allen die Stimme des Selbstbewusstseins, eines grundsätzlichen intellektuellen, politischen und auch lyrischen Widerstands gegen jede Form von Unterdrückung.

Nelson Mandela: Meine Waffe ist das Wort
Kösel 2013 15,99 EUR
Das Gesicht der Freiheit: „Ich werde für alle Menschen mit Gewissen ein Mahnmal sein, weil ich sie daran erinnere, wie lang es gedauert hat, bevor sie sich erhoben und sagten: Es ist genug jetzt! Die Unterdrückung abzuschütteln ist eine der edelsten Aufgaben der Menschheit, das Höchste, was sich ein freier Mensch erhoffen kann. Die beste Waffe ist es, sich gemeinsam hinzusetzen und zu reden. Wir müssen Vergangenes vergeben und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Würde der Opfer wieder hergestellt, ihr Leid entsprechend gewürdigt wird“.

In Koli Jean Bofane: Sinusbögen überm Kongo
400 S., geb., Horlemann 2013 (erscheint Oktober) 19,90 EUR
Celio lebt in Kinshasa und arbeitet hart, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Freunde nennen ihn Celio Mathematik, denn seine ganze Liebe gilt dieser Disziplin. Vor dem schwierigen Alltag flüchtet er in der Welt der Theoreme und Axiome. Mit Hilfe eines alten Schulbuches hat er sich eine eigene Formelwelt ausgedacht, mit der er die komplexe Situation im Kongo zu erklären versucht, das Chaos regeln und die turbulente und undurchsichtige Gegenwart berechenbarer machen will. Da wird der Diktator eines obskuren Büros, das im Auftrag des Präsidenten mit diffizilen Themen befasst ist, auf ihn aufmerksam. Celios Bemühungen, das gesellschaftliche Ungleichgewicht in eine Balance und die institutionalisierte Wirrnis in eine geregelte Bahn zu lenken, haftet natürlich etwas Komisches an, die sich auch im Stil Bofanas niederschläft. Bildreich und voller Melodie schildert er den Rhythmus des Alltags auf den Straßen Kinshasas. Assoziationen deutschsprachiger Leser mit Grimmelshausen „Simplicius Simplizissmus“ sind wahrscheinlich.

Christopher Mlazi: Wegrennen mit Mutter
180 S., geb., Horlemann 2013 (erscheint Oktober) 16,90 EUR
Simbabwe, kurz nach der Unabhängigkeit Anfang der 1980er Jahre: Gemeinsam mit ihrer Mutter, ihrer Tante und ihrem kleinen Cousin flieht die 14jährige Rudo vor dem Gukurahundi genannten und von der jungen Regierung um Mugabe angeordneten Genozid an den Ndebele. Die vier sind die einzigen Überlebenden der einstigen Großfamilie, denen Shona und Ndebele angehören. Auf ihrer Flucht werden sie wiederholt Zeugen des gewaltigen Vorgehens der Regierungstruppen und treffen auf weitere Flüchtende. Warum ihre Familien und ihre Nachbarn im Matabeland gefangen, gefoltert und getötet werden, können sie sich lange Zeit nicht erklären. Aus der Sicht Rudos erzählt, kommt der Roman in einem ruhigen, undramatischen und visuellen Stil daher, der weder vom Grauen voyeuristisch profitieren noch damit die Leserschaft gleichsam erschlagen will, sondern zuletzt dem Glauben an Humanität und menschliche Versöhnung Bahn bricht.

Maryse Conde: Wie Spreu im Wind
600 S., TB, Unionsverlag 2013 (September) 14,95 EUR
Falsche Götter, falsche Helden, Glaubenskrieg und Zerfall – der Roman des alten Mali. Im Jahr 1861 nimmt die muslimische Armee von El-Hadj Omar die Stadt Segu ein. Die Bewohner müssen nun dem „einzig wahren Gott“ huldigen, die animistischen Traditionen werden unterdrückt. Zur gleichen Zeit dringt von Westen die Kolonialmacht Frankreich mit einem Söldnerheer immer weiter ins Innere Afrikas vor, die Christianisierung beginnt. Wie schon ihre Väter werden die Traores Opfer der Wirren und Machtkämpfe ihrer Zeit, geraten sie und ihre Frauen in verschiedene religiöse und politische Lager. Mit der alten Ordnung zerbricht auch die Familie. In ihrem historischen Roman aus dem alten Afrika erzählt Maryse Conde von den Segu, der einst mächtigen Stadt der Bambara am Niger, und vom Schicksal der Familie Traore. Noch einmal beschwört sie jene prächtige, geheimnisvolle Welt herauf, die in Afrika untergegangen ist.

Ellen Banda-Aaku: Patchwork
220 S., geb., Afrika Wunderhorn 2013 (erscheint November) 24,80 EUR
Lusaka, 1978: Die unehelich geborene Pumpkin ist bereits als 9-jähriges Mädchen gezwungen, ein Netz aus Lügen zu erfinden, um die Fassade einer intakten Familie aufrechtzuerhalten. Ihr Vater, ein reicher Geschäftsmann, lebt an einem anderen Ort mit einer anderen Familie. Ihre Mutter, nach außen hin eine der elegantesten Frauen des Viertels, ist Alkoholikerin. Ihre Großmutter, Besitzerin einer Bar, hasst den Vater zumindest augenscheinlich so sehr, wie ihn die Mutter liebt. Als die Fassade zu bröckeln beginnt und Pumpkins Vater den Alkoholismus der Mutter entdeckt, nimmt er das Mädchen mit zu seiner Familie, einem Ort, an dem sie Verachtung und Ausgrenzung erwarten. Die Unsicherheiten der Kindheit lassen Pumpkin selbst als erwachsene Frau, mittlerweile Architektin und ebenfalls Mutter, nicht los und stellen ihr eigentlich intaktes Leben auf eine harte Probe. Der Roman erzählt von drei Generationen Frauen und deren Leben, Lieben und Entbehrungen im nachkolonialen Sambia. Ein Netz aus Liebe, Eifersucht, Hass und menschliche Schwäche entfaltet sich vor dem Hintergrund sozialer Umwälzungen und eines Krieges, der aus dem Nachbarland Rhodesien herüberschwappt. Es geht um politische Ambitionen und die Rollenbilder, die immer noch unsere Gesellschaft tragen und darum, wie nah Liebe und Hass sich eigentlich sind. Ellen Banda-Aaku, geboren 1965 in England, wuchs in Sambia und anderen afrikanischen Ländern auf und studierte öffentliche Verwaltung an der Universität Lusaka. Für Patchwork erhielt sie 2010 den Penguin Prize for African Writing und war 2012 auf der Shortlist des Commonwealth Book Prize. Sie lebt heute in London.

Mary Henrietta Kingsley: Reisen in Westafrika
Durch Französisch-Kongo, Corisco und Kamerun

384 S., geb., Edition Erdmann 2013 (erscheint September) 24,00 EUR
Der Klassiker in neuer Übersetzung! Mary Kingsley war keine gewöhnliche Reisende. Als ein Krokodil versucht, in ihren Einbaum zu klettern, zieht sie ihm einen Schlag mit dem Paddel über den Kopf. Während der Regenzeit besteigt sie den 4095 Meter hohen Kamerunberg, was sie zur ersten Frau auf seinem Gipfel macht. Bis zum Kinn im Wasser watet sie durch Sümpfe. Sie stürzt in eine Fallgruppe voller spitzer Pfähle, und dank ihrer guten Entscheidung, entgegen dem Rat ihrer Freunde aus England, auch in Afrika keine Männerkleidung zu tragen, klettert sie unverletzt wieder heraus. Die hier versammelten Berichte handeln von der zweiten Westafrikareise 1894/1895 der britischen, heute als Nationalheldin gefeierten, Entdeckerin und Schriftstellerin. Mit großem anthropologischen Interesse beschäftigt sich Kingsley intensiv mit dem Leben der westafrikanischen Völker. Sie revolutioniert das Bild des „primitiven Schwarzen“, tritt gegen den Sklavenhandel und für die Rechte der afrikanischen Ureinwohner ein. Mary Henrietta Kingsley wurde 1862 in London geboren und starb 1900 in Südafrika an Typhus. Ihr Vater hatte als Arzt und medizinischer Betreuer reicher Aristokraten weite Reisen unternommen. Sie selbst jedoch war bis zum Tod ihrer Eltern nie irgendwohin gereist, sondern blieb zu Hause und versorgte ihre kranke Mutter. Einzig in Büchern ging sie auf Reisen, las sehr viel über Afrika und wusste eine Menge über den Kontinent, ohne je dort gewesen zu sein. Dann, als Mary Kingsley dreißig Jahre alt war, starben beide Eltern. 18 Monate später stach sie Richtung Afrika in See.

Hermann von Wissmann: Im Inneren Afrikas
Die Erforschung des Kasai

400 S., geb., Edition Erdmann 2013 24,00 EUR
Im Auftrag des belgischen Königs Leopold II. tritt Hermann von Wissmann 1883 seine zweite Afrikareise an, bei er den Verlauf des Kasai und die Zuflüsse am Kongo erkunden soll. Vom Lulua aus, einem Nebenfluss des Kasai, wo Wissmann die Station Luluaburg gründet, startet er mit seinen Trägern und Eingeborenen des Baschilange-Volkes auf selbstgebauten Kanus die Erkundung des Kasai. Der undurchsichtige Verlauf des reißenden Flusses, sowie Kämpfe mit Eingeborenen stellen nur einen Teil der Schwierigkeiten dar, mit denen die Expedition zu kämpfen hat. 1885 gelangt man schließlich wieder an die Küste und hat wichtige Ergebnisse vorzuweisen: die Zugehörigkeit des Kasai zum Kongogebiet, Klarheit üver den Verlauf einiger Kongonebenflüsse und die Eröffnung neuer Binnenschifffahrtswege. Hermann von Wissmann wurde 1853 in Frankfurt an der Oder als Sohn eines Regierungsrats geboren. Er schlug eine Offizierslaufbahn ein, lernte bald den Afrikaforscher Paul Pogge kennen und bestritt 1880, begeistert von dessen Erzählungen, als Begleiter seine erste Afrika-Expedition. Seitdem bereiste er mehrmals das Inland Afrikas, um bislang unerforschte Gebiete zu erkunden. Von 1895 – 1896 war er Gouverneur von Deutsch-Ostafrika. Wissmann kam 1905 bei einem Jagdunfall in der Steiermark ums Leben.

Brasilien ist Gastland der Frankfurter Buchmesse 2013

Christian Heeb / Karin Hanta: Brasilien
224 S., geb. mit Schutzumschlag und Schmuckschuber, 350 Abb., 1 Karte
Stürtz 2013 49,95 EUR
„Wer Brasilien wirklich zu erleben weiß, der hat Schönheit genug für ein halbes Leben“, urteilte der Autor Stefan Zweig. Und tatsächlich bietet das größte Land Lateinamerikas eine unvergleichliche landschaftliche Vielfalt: Traumhafte Palmenstrände liegen an den langen Küsten, im Landesinneren lockt der Regenwald mit seiner einzigartigen Flora und Fauna. Steppen im Nordosten des Landes, das Pantanal als größtes Sumpfgebiet der Erde und das legendäre Amazonasgebiet bieten faszinierende Eindrücke. In vielen Städten hat sich die Architektur der Kolonialzeit erhalten, der Barock zeugt von dem Reichtum Brasiliens zum Zeitpunkt der Goldfunde. Die alte indianische Kunsttradition bringt Werke von fremder Schönheit hervor, Kirchen und Klöster sind mit Azulejos, Kachelmalereien, geschmückt. Tiefe Religiosität drücken die berühmten Skulpturen von Alejadinho aus. Futuristisch erscheinen die bewegten Betonformen der durchgeplanten Hauptstadt Brasilia, während Rio de Janeiro besonders für seinen ausgefallenen Karneval bekannt ist, der aber auch andernorts intensiv gefeiert wird. Bei Samba-Rhythmen und beim Fußballspielen begegnet man der puren Lebensfreude der Brasilianer, die gerne Tag und Nacht feiern.

Marcal Aquino: Flieh. Und nimm die Dame mit.
285 S., TB, Unionsverlag 2013 (erscheint September) 12,95 EUR
Eine Recherche über Prostitution führt den Journalisten Cauby in eine düstere Goldgräberstadt, wo er Zeuge der zunehmenden Spannungen zwischen Arbeitern und der Bergwerksgesellschaft wird. Er verfällt der doppelgesichtigen Lavinia, die manchmal verängstigt und verletzlich wirkt, dann wieder ihre verführerischen Reize ausspielt. Zudem ist sie verheiratet – mit einem viel älteren, sehr beliebten Prediger. Cauby will sich von ihr trennen, da wird der Prediger ermordet. Der Verdacht fällt auf Cauby, und damit beginnt eine Tragödie.

Fabio Moon / Gabriel Bà: Daytripper
260 S., geb., Vertigo 2013 (erscheint September) 24,99 EUR
Welches sind die wichtigsten Tage Ihres Lebens? Dies ist die Geschichte von Bràs de Ollivia Domingos, Spross eines weltberühmten brasilianischen Autors. Er träumt davon, selbst Schriftsteller zu werden, und wartet auf den Tag, an dem sein Leben endlich beginnt. Aber würde er es überhaupt bemerken? Eine Graphic Novel, die in den leisesten Momenten die großen Fragen des Lebens stellt. Passend zum Gastland Brasilien der Frankfurter Buchmesse erscheint die brasilianische Graphic Novel Daytripper in Deutschland: Gewinner des Eisner Award für die beste abgeschlossene Serie in 2011.

Alle Neuerscheinungen zu Brasilien in deutscher Übersetzung können Sie auf der Zusammenstellung Brasilien-Neuerscheinungen der Frankfurter Buchmesse als PDF einsehen und auch herunterladen…. http://www.buchmesse.de/ehrengast

Ute Köster / Phuong Le Trong / Christina Grein: Handbuch Myanmar
Gesellschaft – Politik – Wirtschaft – Kultur – Entwicklung

400 S., Pb., Horlemann 2013 (erscheint Oktober) 19,90 EUR
Myanmar, einst als das „Goldene Land“ gerühmt, öffnet sich nach jahrelanger Isolation und rückt gegenwärtig in den globalen Blickpunkt. Vor dem Hintergrund des spannungsvollen und vielschichtigen Wandels will das „Handbuch Myanmar“ fundierte Informationen bieten, die sowohl zum tieferen Verständnis als auch zur besseren Orientierung bei der Beschäftigung mit der Komplexität des Landes beitragen. Lange verborgene Potentiale werden sichtbar. Aus den Widersprüchen zwischen einem bislang repressiven Staat und dem zivilgesellschaftlichen Engagement, zwischen internen Konflikten und kulturellem Reichtum, zwischen Traditionen und dem Wunsch nach Modernität entwickeln sich spannende und ungeahnt dynamische Kräfte. Mit einem breiten Spektrum an Interpretationen der aktuellen Entwicklungen bauen kompetente Autoren und Autorinnen dem Leser Brücken zu eigenen Einblicken und neuen Erkenntnissen.

Christopher G. Moore: Nana Plaza
320 S., TB, (Neuausgabe) Unionsverlag 2013 12,95 EUR
In Bangkok sterben zu viele amerikanische Touristen mit der Nadel im Arm: Drogenopfer oder Opfer eines Verbrechens? Ein amerikanischer Anwalt braucht für seine Bangkokvisite einen Bodyguard. Vincent Calvino nimmt den Job für viel Geld an, zusammen mit Jessada Santisak, einem beurlaubten Thai-Polizisten aus Los Angeles. Die beiden finden sich wieder in der Welt des Cybersex-Business.

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Alle Titel können Sie überall im Buchhandel wie auch unter folgender Adresse erwerben:

Worms Verlag
Abt. Onlineshop
Kultur- und Veranstaltungs GmbH,
Von Steuben Str.5, 67549 Worms
Berthold Röth Tel. 06241-2000-314
e-mail: berthold.roeth@kvg-worms.de

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Eine Antwort to “Interkulturelle Buchneuheiten Liste 35”

  1. wormsverlag Says:

    Vielen Dank! , Ieva Ambrasaite Ngahan , Integrationsberaterin, KUNZ Institut, Rüdesheim/Nahe

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