Liste 5 der Buchneuheiten Avantgarde – Underground – Trash


Die vorhergehenden Listen können noch allesamt im Archiv unter wormsverlag.wordpress.com abgerufen werden.

Klaus Theweleit: Buch der Königstöchter
Das Pocahontas-Projekt / Buch 2:
Königstöchter. Von Göttermännern und Menschenfrauen

Ca. 700 S., Pb., Stroemfeld 2013 38,00 EUR
Am Anfang war die Einwanderung. Am Anfang von was? Am Anfang von dem, was wir heute »Europa« nennen. So ca. 2000 Jahre v. u. Z. (-2000) wandern verstärkt und in mehreren »Wellen« Indogermanen von Nordosten her in die Gebiete ein, die wir heute als »Griechenland« kennen. Die hießen nicht immer so. Wie deren vorgriechische Bewohner sich nannten, wissen wir nicht. Sie schrieben nicht; sie wurden ausgelöscht; oder den Einwandernden assimiliert. Alle Namen, die wir heute haben, sind die der siegreichen Neuankömmlinge; Namen der Kolonisatoren, der »Griechen« eben (die auch noch nicht schrieben als sie eintrafen). Die »Griechen« entwickelten dabei eine besondere Kunst der Erzählung (bzw. des Gesangs); Formen, die wir heute als »Mythos« bezeichnen. Erste Funktion dieser Mythos-Erzählungen war es, die eigenen (Un)Taten zu verschönern; auf deutsch (bzw. griechisch): die eigenen Taten der Landnahme als Taten von Göttern und Titanen zu besingen – ein Dreh, aus dem Worte wie »Genie« und »genial« sich gebären ließen. Der historisch-alte Grieche fühlt sich als göttlich (so wie heute jeder durchschnittliche Amerikaner). (Und jeder durchschnittliche eurasiatische I-pod-Besitzer wahrscheinlich auch. I-pod = I-god). Zur Landname braucht man Medien (nicht nur das Pferd, auf dem Mann reitet). Das Medium, das »die Griechen« wählen, ist der Körper von Königstöchtern; Töchtern der einheimischen Lokalherrscher, die von den Göttern der Griechen (insbesondere Zeus, Poseidon, Apoll) beschlafen (= vergewaltigt) werden. Die kolchische Königstochter Medea, die Ostfrau vom Ende des Schwarzen Meers, mytho-historisch etwa anzusetzen um -1400, die dem seefahrenden Griechen Jason (= Götterabkömmling), in den sie sich »verliebt«, das Goldene Vließ ausliefert, ist schon eine Spätfigur dieses Prozesses.Die Schrift-Heroen Hesiod und Homer stehen nicht – wie heutige Medienlegende will – am Anfang einer neuen Großkultur (der unseren); sie bilden zunächst einmal einen Endpunkt: sie schreiben auf (mit der neuen Medientechnologie des griechischen Vokalalphabets), was in den 1000 Jahren, die hinter ihnen liegen, griechische Einwanderer sich ausgedacht, erzählt bzw. gesungen haben: bis hin zu ihnen nur mündlich kolportierte, weitergegebene und variierte Geschichten von Göttern, die Menschenfrauen beschlafen, Königstöchter, welche ihnen Kinder zu gebären haben: die sog. Heroen; Perseus, Theseus, Herakles usw.; letzterer z. B. ist der Sohn, den Gottvater Zeus in die Königstochter Alkmene pflanzt in der berühmten thebanischen Nacht, in der es den Ehemann Amphitryon in zweifacher Ausfertigung gibt. So wie Zeus (als Schwan) die schöne Helena in die Königstochter Leda pflanzt, aus deren Schönheit dann der Trojanische Krieg erwächst (wo durch den Fall Troias das nördliche heutige Kleinasien unter griechisch kolonisiertes Gelände fällt). All dies ist Stoff der singenden Griechen spätestens seit der sog. Palastkultur; Kultur von Mykene (ab etwa -1600). Buch der Königstöchter zeichnet den Weg der griechischen Landnahme über die Körper von ca. 30 geschwängerten Königstöchtern nach, deren Vaterkönige (infolge dieser »Schwängerungen ohne Ehemann«) ihre Töchter großenteils verstoßen und (infolge der sich anschließenden »mythologischen« Auseinandersetzungen) ihr Land – an die einwandernden Griechen – verlieren. Eben so, wie der »Indianer-König« Powhatan in Virginia, Nordamerika, sein Land an die englischen Einwanderer verliert, nachdem seine Tochter Pocahontas (mythologisch exakt nach Medea-Modell die Retterin des Kolonisten John Smith) in die Hände der englischen Götter geraten war; so wie der reale Prozeß bei normaler Einwanderung und Landnahme eben verläuft: die einheimischen Männer werden erschlagen, die Frauen vergewaltigt. Manchmal entsteht eine neue Mischbevölkerung wie in Mexiko: die Chicanas/Chicanos, la raza; (positiv konnotiert); eingeleitet über die mythohistorische Kazikentochter La Malinche, der es gelingt, an der Seite des Conquistadors Cortés eine feurige Kämpferin für die Sache der Spanier (und Christin) zu werden; die Sache der Götter, nachdem ihre eigene Kultur sie zur Sklavin degradiert hatte. Am Anfang war die Einwanderung: auch von dem, was heute »Amerika« heißt. Da muß die Landnahme nicht erst entschlüsselt werden. Sie liegt auf der Hand bzw. in amerikanischer Erde in Form gebleichter Knochen sog. Indianer bzw. auf dem Grund des Atlantischen Ozeans als breite Straße afrikanischer Knochen – wie Amiri Baraka schreibt – (und zwar in Gedichtform schreibt, als poetisch-historischer Tiefseetaucher, dem– mit allem Jazz der Welt im Ohr, mit aller black music,das aufgebrezelte Geschwätz von »kein Gedicht mehr nach Auschwitz« so egal ist, wie der jüdische Anspruch auf das Recht der historisch beispiellosen Vernichtung in der Shoah durch die deutschen Nazis). »Shoah« ist ein Permanentfaktum wenn nicht der »Menschheitskultur «, dann zumindest der Geschichte der eurasiatischen Populationen, der glorreichen Ackerbauern- und Siedlergeschichte. Ich wäre nicht unbedingt so stolz wie die heutige Türkei es ist auf ihre Erstkultivierung der Äcker und Seßhaftwerdung umherziehender Sammler und Jäger im sog. Fruchtbaren Halbmond ca 10.000 Jahre v. u. Z.: auf die Erfindung der Wiege also des Kriegs als Zivilisierungsmittel; die Erfindung von Mord und Totschlag; die Erfindung des Leichenhaufens als permanenter Einrichtung vorm Palast des Herrschers. Eine Erfindung, in der es den »Gegensatz« von Orient und Okzident übrigens nicht gibt; ca. 9000 Jahre lang nicht gibt, bis einwandernde Indogermanen aus Zentralasien, sich selbst so nennende »Griechen« mit ihrem Gewaltherrscher Zeus auf dem Panier (dem ersten weltbekannten Groß-Arier), diesen Graben zu graben und dann zu zementieren beginnen (mit Eisenwaffen, Schiffbau, schicken Säulentempeln und phonetischer Alphabetschrift.*). Differenzierungen: Medea – die sich in den Kolonisator »verliebt« – gibt es (schon in der antiken Literatur) – in vielen Wendungen. Nicht immer ist sie die, als die sie heute (eher moritatenmäßig) den Stadttheatern geläufig ist: die Mutter mit dem Messer. Beim Autor des »Argonautenepos « Apollonius v. Rhodos (um -250) gelangt sie heil als Ehefrau des griechischen Vließräubers Jason in dessen Heimatstadt Iolkos in Thessalien; und das Epos endet, bevor sie überhaupt ihr erstes Kind gebiert. Solche Wendungen der Geschichten haben immer ihren politischen Hintergrund im jeweiligen Herrschaftsgebilde, in welchem die Autoren schreiben, sowie in ihrer eigenen Interessenlage (und ihren poetischen Qualitäten selbstverständlich). Medea bei Euripides in Athen ist eine andere als bei Apollonius im hellenistischen Alexandrien, bei Ovid im augusteischen Rom oder bei Seneca unter Nero.Besonders kraß ist das zu studieren am Fall der mythohistorischen phönizischen Königstochter Dido, später Königin von Karthago. In ihrer Figur (in der literarischen Denunziation ihrer Figur) handelt der römische
Hofschriftsteller Vergil sowohl die militärische Vernichtung der Stadt Karthago (-141) als gerechtfertigt ab; wie auch den gerade eben vom Römer Octavian erzwungenen Selbstmord der nordafrikanischen Königin Kleopatra nach ihrem fehlgeschlagenen Versuch, in einer einzigen neuen Dynastie zu vereinigen: fehlgeschlagen zunächst mit Gaius Julius Cäsar und dann mit dem Feldherrn Marcus Antonius. Der erste wird ermordet (sein Sohn mit Kleopatra namens Kaisar war als Thronfolger vorgesehen), der zweite wird besiegt vom späteren Augustus. Vergil besingt den Sieger Augustus in seiner Aeneis, macht böse Hexen aus Dido/Kleopatra und verschafft Rom eine neue historische Genealogie (= geboren aus den Aschen des nur durch griechischen Betrug besiegten Troja). Auf diese Weise sind »mythische« und politische »Realgeschichte « unentwegt miteinander verzahnt. Buch der
Königstöchter folgt der Spur der kolonisierenden Landnahme von den Körpern der frühen gottgeschwängerten prä-griechischen Königstöchter – die in den Bildern der großen Renaissancemaler und der späteren europäischen Malerei nicht ohne Grund eine furiose Auferstehung erleben – über die Asiatin Medea, die phönizisch/karthagische Dido, zur mexikanischen Malinche, zur nordamerikanischen Pocahontas (und einigen weiteren) bis hin zu James Camerons 3D-Film Avatar (2009). Auch Cameron (Landnehmer im Bereich digitaler Film erfindungen) erobert sein technologisches Neuland und entfaltet seine »Utopie« einer neuen WeltallÖkologie über den Körper einer (halb göttlichen, halb animalischen, computeranimierten) Häuptlingstochter, Pocahontas 2010.

Peter Geimer: Derrida ist nicht zuhause
Begegnungen mit Abwesenden

256 S., geb., Philo Fine Arts 2013 20,00 EUR
Was eigentlich sieht der bildungsbeflissene Urlauber, wenn er bei der Besichtigung von Albert Einsteins Berner Arbeitszimmer belehrt wird, genau hier sei die Spezielle Relativitätstheorie entwickelt worden? Warum vertieft sich der Leser in eine Sondernummer über die „Dekonstruktion der Philosophie“ in ein Foto, das nicht Jacques Derrida, sondern seine Pfeifensammlung zeigt? Und ist der Herr, der zufällig neben Derrida saß, als dieser in einem der Cafes von Montparnasse portraitiert wurde, jetzt Teil der Philosophiegeschichte? „Reliquien, Reste, Zeugs“ bezeichnet der renommierte Literaturkritiker und Philosoph Peter Geimer neben seinen Abhandlungen zu Wissenschafts- und Bildgeschichte als Schwerpunkte seiner Forschung. Seine jetzt vorgelegte Portraitsammlung entspinnt sich in einem kunstvoll gewobenen Netz aus wechselseitigen Bezügen zwischen realen Orten, rätselhaften Gegenständen und historischen Persönlichkeiten. So offenbart sich die Faszination intellektueller Stars als Phänomen und zugleich Paradoxon: Denn Star ist nur, wer noch da gesucht wird, wo er längst nicht mehr ist. Peter Geimers „Begegnungen mit Abwesenden“ sind eindrückliche Portraits, u.a. von William Turner, Martin Heidegger, Marcel Proust – und natürlich Jacques Derrida.

Christian Y. Schmidt: Wir sind die Wahnsinnigen
Joschka Fischer und seine Frankfurter Gang

400 S., Verbrecher Verlag 2013 18,00 EUR
Er war Straßenkämpfer, Oppositionsführer, Außenminister und Vizekanzler. Er war lange Zeit der beliebteste Politiker Deutschlands. Doch der Aufstieg des Joschka Fischer hat sich anders vollzogen, als dieser es darstellt. Wie wurde der Linksradikale zum Staatsdenker und schließlich zum Unternehmer in eigener Sache? Christian Y. Schmidt zeigt, wie Fischer und seine Gang es geschafft haben, aus der Sponti-Szene heraus wichtige Posten in Frankfurt am Main und Hessen zu erobern – und wie sie dabei ihre früheren Ideen und Ideale verleugneten. Auch 15 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen ist diese biografische Studie noch immer aktuell – und liegt endlich wieder in erweiterter Neuausgabe vor. Christian Y. Schmidt, 1956 geboren, war bis 1996 Redakteur des Satiremagazins Titanic. Seitdem arbeitet er als freier Autor und ist Senior Consultant der Zentralen Intelligenz Agentur sowie Rotationskommunist. 2008 erschien das Reisebuch »Allein unter 1,3 Milliarden«, 2009 der China-Crashkurs »Bliefe von dlüben« und 2010 die autobiografische Skizze »Zum ersten Mal tot«. 2011 erschien im Verbrecher Verlag »Im Jahr des Tigerochsen«, 2013 folgte »Im Jahr des Hasendrachen«.

Peter O. Chotjewitz: Mein Freund Klaus
576 S., geb., Neuausgabe, Verbrecher Verlag 2013 (im Oktober) 32,00 EUR
Der Brisanz des Materials entspricht die Radikalität der literarischen Mittel. In diesem Roman liegen die Fakten auf dem Tisch. Kühn im Aufbau schreibt Chotjewitz über seinen Freund Klaus Croissant, der als Strafverteidiger schikaniert, als angeblicher Drahtzieher des internationalen Terrorismus verfolgt und nach der Annexion der DDR durch die Bundesrepublik 1990 wegen staatsfeindlicher Agententätigkeit abermals verurteilt wurde. Penibel recherchiert, detailgetreu und kühl erzählt, steht der Roman in einer Linie mit Chotjewitz skandalösem Romanfragment über die RAF aus dem Jahr 1978 „Die Herren des Morgengrauens“.

David Graeber: Direkte Aktion
450 S., Pb., Edition Nautilus 2013 (erscheint im März) 24,00 EUR
Der Occupy-Aktivist und Ethnologe David Graeber legt hier ein Standartwerk vor. Er beschreibt was Direkte Aktion ist und wie sie funktioniert. Entstanden ist ein vielfältiger, spannender und höchst lesenswerter Jetzt-schon-Klassiker über zivilgesellschaftliches Engagement und die Grundlagen der Basisbewegungen.

Dario Fo, Gianroberto Casaleggio, Beppe Grillo
5 Sterne – Über Demokratie, Italien und die Zukunft Europas

192 S., Pb., Tropen 2013 (erscheint am 21.Juni) 14,95 EUR
In den ersten zwei Wochen im italienischen Original wurde es bereits 50 000 mal verkauft und schoss sofort in die Top Ten der dortigen Bestsellerliste. Es ist eine Abrechnung und zugleich ein Manifest für ein ganz anderes Europa. „Wir erleben eine historische Veränderung – der Kultur, der Politik, der Wirtschaft. Dieser Bewegung geht es nicht darum, irgendwelche Allianzen zu diskutieren. Es geht darum, dass die Bürger selbst Teil des Staats werden.“ (Beppo Grillo). Alles über die 5-Sterne-Bewegung Beppo Grillos und den politischen Wandel Europas. Drei Intellektuelle, die Italien nachhaltig prägen, machen Europa und dem Rest der Welt ein beispielloses Phänomen verständlich. Sie schlagen neue Wege der direkten Demokratie für Italien, Europa und der Welt im digitalen Zeitalter vor: provozierend, ironisch, kreativ und konstruktiv. Italien muss endlich die Hydra der Korruption besiegen. Es braucht ein Wirtschaftssystem, das den Menschen und nicht den Banken dient. Dario Fo, Grillo und Casaleggio fordern die italienische Gesellschaft und die europäischen Demokratien heraus. Sie wollen die Spielregeln ändern: nicht irgendwann, sondern jetzt! Politik darf sich nicht mehr in Machtspielen erschöpfen. Politik muss es den Bürgern wieder ermöglichen, authentisch und verantwortungsbewusst aktiv zu werden. Auf einem imaginären Spaziergang von Athen nach Piräus rufen die drei Autoren die erste Demokratie in Athen und ihre Bedeutung für uns in Erinnerung. Sie diskutieren Vorschläge, beschreiben ihr Programm und blicken nach vorn auf die Herausforderungen der Zukunft. Es werden Fragen zu Arbeitsmarkt, Euro, Einwanderung, Steuern und Demokratie überraschend, witzig, originell und konstruktiv beantwortet. Dario Fo, geboren 1926, Nobelpreisträger für Literatur im Jahr 1997, engagiert sich für eine Kultur des sozialen Engagements. Seine Theaterstücke werden in Italien und dem Ausland erfolgreich aufgeführt, seine Werke in viele Sprachen übersetzt. Fo ist mit der Schauspielerin und politischen Aktivistin Franca Rama verheiratet. Gianroberto Casaleggio, geboren 1954 in Mailand, war Geschäftsführer bei Olivetti. Er gründete den Internetdienst Webegg. Heute ist er Unternehmer und besitzt eine Agentur, die den Internetauftritt Grillos betreut. Beppe Grillo, geboren 1948 in Genua, erfolgreicher Komiker und Schauspieler, sowie einer der weltweit beliebtesten Blogger. 2007 gründeten Casaleggio und Grillo ihre politische „5-Sterne-Bewegung“, die sie seither im Internet auf- und ausbauten. In Italien und in der ganzen Welt genießt ihr Blog große Aufmerksamkeit und hohes Ansehen.

Julian Assange: Cypher Punks
200 S., Pb., Campus 2013 16,99 EUR
Dieses Buch ist eine Kampfansage. Sie stammt von einem der Freiheitskämpfer des Internetzeitalters: Julian Assange – US-Staatsfeind Nr.1 und weltweit gesuchter Netzwerkaktivist. Das Internet ist eine riesige Spionagemaschine, sagt Assange. Alles, was wir hier übertragen, wird gespeichert und ausgewertet. Regierungen weltweit greifen nach der Netzkontrolle. Ihre Komplizen, Unternehmen wie Google, Facebook, PayPal und Co, sind längst in das Geschäft mit den Daten eingestiefen und verkaufen sie meistbietend. User aller Länder vereinigt euch und schlagt zurück fordert der Mitbegründer von WikiLeaks.

Adam Wilson: Flatscreen
352 S., geb., Metrolit 2013 21,99 EUR
Jedes Zeitalter hat seine eigenen Antihelden. Heute sitzen sie vor Flachbildschirmen und führen im Netz eine bedeutungslose Schattenexistenz. Adam Wilson zeichnet in seinem Roman den Cyberloser schonungslos und doch liebevoll. Sein Bademantel ist das Gegen(kleidungs)stück zum Superheldenkostüm. Das rote, gelbe, knallbunte Cape von Superman und Co. Ist ein Zeichen für die Energie und Geschwindigkeit der Kämpfer für das Gute. Männer aber, die sich außerhalb der Nasszelle oder des Spa in einem Bademantel blicken lassen, gelten spätestens seit „The Big Lebowski“ als Verlierer und Slacker, denen es zu anstrengend ist, ein Versprechen einzuhalten oder morgens eine Hose anzuziehen. Eliah Schwartz, 20 Jahre / Body Mass Index 25+ / Kontostand: (-), ist so ein Typ, der oft im überdimensionierten Frottee-Airbag durch die Vorstadt radelt und ein ranziges Phlegma ausstrahlt. Eli nimmt zu viele Drogen, kennt zu wenige Menschen und ist mit den Figuren auf Flachbildschirm per Du, den Soap-Opera-Aphoristikern und Facebook-Feinden. Wer denkt, dass die Story vom Verlierer im Bademantel seid dem Dude (Jeff Bridges!) auserzählt ist, muss „Flatcreen“ lesen.

Friedrich Glauser: Dada und andere Erinnerungen aus seinem Leben
128 S., geb., Limmat Verlag 24,50 EUR

Friedrich Glauser
160 S., mit Fotos, Limmat Verlag 32,00 EUR
Erinnerungen von Emmy Ball-Hennings, J. R. von Salis, Berthe Bendel, Hulda Messmer, Ernst Messmer, Martha Meyer-Messmer, Martha Ringier, Josef Halperin, Friedrich Witz u.a.

Hannes Binder: Glauser
Sieben gezeichnete Geschichten von, zu, mit und um Friedrich Glauser
560 S., geb., Limmat Verlag 68,00 EUR
„Im dicken Wunderwerk sind Romane und Geschichten versammelt, aber auch frei flottierende Bildergeschichten nach Glauser-Motiven wie „Wachtmeister Studer im Tessin“, „Glausers Fieber“ oder „Dada“. Gerade letztere ist ein atemberaubender Bilderbogen von höchster Kunstfertigkeit. Dada geht hier in den Surrealismus über.“ (Strapazin)

Friedrich Glauser: Kif
Friedrich Glauser liest seine Erzählung „Kif“
Digitales Hör- und Lesebuch, 10 S., 15 Min., Limmat Verlag 6,00 EUR
Lesen Sie „Kif“ und lassen Sie sich die Erzählung gleichzeitig von Friedrich Glauser vorlesen! Im beigefügten Tondokument – der einzigen Originalaufnahme mit Friedrich Glausers Stimme aus dem Jahr 1937 – liest der Autor seine im selben Jahr entstandene Erzählung über seine erste Erfahrung mit Haschisch vor.

Franz Jung: Das Trottelbuch
96 S., geb., Edition Nautilus 2013 (erschienen 9.Januar) 14,00 EUR
Zum 50.Todestag von Franz Jung am 21.Januar 2013 sein skandalöses Buch als Sonderausgabe. Als vor 100 Jahren das Trottelbuch erschien, war das ein fulminantes Debüt eines Autors, der später zu einer Legende wurde. Ein „junger Wilder“, der in München und Berlin in der literarischen Subkultur verkehrte, provozierte die bürgerlichen Vorstellungen zutiefst. In einem Cafehaus sitzen ein paar junge Männer, trinken und lesen sich ihre Texte vor. Heftig, abgehackt und assoziativ hält die Künstlerboheme mit ihren Saufgelagen und ihrer Wut auf Gutbürgerliche Einzug in die Literatur. Der Zerfall der bürgerlichen Identitäten, der Geschlechterrollen, die Befreiung der Sexualität – der Einbruch der Moderne in die psychologische Verfasstheit finden sich in der Figur des „Trottels“ wieder, der willensschwach, dämonisch und barbarisch auftritt und zutiefst einsam bleibt. Franz Jung hatte in Leipzig, Jena und Breslau Volkswirtschaft, Jura, Kunst und Theologie studiert und war 1911 nach München gezogen. Hier war er in engen Kontakt mit Erich Mühsam und der Münchner Boheme. 1913 zog er nach Berlin und gehörte dort zum Kreis der Künstler, aus denen die Dada-Bewegung entstand. Jung führte ein abenteuerliches Leben als Roman- und Theaterautor, Herumtreiber und revolutionärer Aktivist.

Erich Mühsam: Tagebücher
Band 5 / 1915 – 1916

320 S., geb., Verbrecher Verlag 2013 (erscheint November) 28,00 EUR
Das Jahr 1916. Ein Ende des Weltkriegs ist nicht abzusehen. Mühsam ist in München zur Untätigkeit verdammt. Seine Meinung darf er nicht öffentlich sagen, es ist einsam um ihn geworden. Also verfolgt er die Berichte von den vielen Fronten und macht sich sein eigenes Bild. Zerstörung, millionenfaches Leid, die Triumpfe der Militärtechnik mit U-Boot Krieg, Giftgas und die Bombardierung wehrloser Städte quälen ihn. Auch der Völkermord an den Armeniern, von der deutschen Politik gebilligt, beschäftigt ihn, doch es bleibt ihm nur, das Ausmaß für die Nachwelt fassbar zu machen. Nur die militärische Niederlage Deutschlands kann Europa retten, begreift er nun. Verzweifelt forscht er nach Möglichkeiten, die Wahrheit zu verbreiten, Widerstand und Revolte zu schüren. Doch seine Suche nach Verbündeten bei Schriftstellern wie Heinrich Mann oder bei linken Sozialdemokraten wie Karl Liebknecht führt nicht weit. Im Herbst 1916 endlich kommt es zu Protesten in München. Beginnt der Aufstand der Massen gegen den Krieg? Mühsam fasst neuen Mut und bereitet sich auf seine historische Rolle vor. Erich Mühsam, 1878 in Berlin geboren, war Dichter und politischer Publizist. Er war maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt, wo er zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt wurde. 1933 wurde er verhaftet und am 10.Juli 1934 im KZ Oranienburg ermordet.

Ju Innerhofer: Die Bar – Eine Erzählung
224 S., geb., Metrolit 2013 16,99 EUR
Was New York in den letzten Jahrzehnten war, ist Berlin heute: Magnet für Hedonisten weltweit. Einer der Gründe: nirgends sonst wird so hart gefeiert. Innenaufnahmen des Exzesses. Die Autorin Innerhofer kennt das Berliner Nachtleben. Vom Ausgehen – und weil sie in einigen der wichtigsten Clubs der Stadt gearbeitet hat. Sie weiß um die Freiheiten der Nacht, den Exzess, die Gemeinschaft. Der Club als Heterotopie – als Ort, an dem die draußen geltenden Gesetze suspendiert sind. Innerhofer weiß auch, wie man sich nach zwei Tagen Selbstauflösung fühlt und wie ein Club riecht, wenn alle Gäste gegangen sind. Nun hat sie einen Roman geschrieben, der all dieses Wissen verdichtet: „Die Bar“. In 30 Jahren wird er dieselbe kopfschüttelnde Ehrfurcht auslösen, mit der wir heute auf den Wahnsinn von Woodstock zurückblicken.

Yok: Punkrocktarif
Mit dem Taxi durch die extreme Mitte

154 S., Gegen-Kultur Verlag 2012 10,00 EUR
Der Autor ist eine Autonomen-Legende, Punkrocker, früher bekannt als Quetschenpaua, Sänger der „Tod- und Mordschlag“ und „Revolte Springen“ – seine Lieder waren Hymnen der Bewegung. Nun hat er lesenswerte Taxifahrten-Berichte aus Berlin verfasst. Lesenswerte Lektüre.

Colin MacInnes: Absolute Beginners
320 S., geb., Metrolit 2013 19,99 EUR
In diesem bereits 1959 erschienen Buch wird die Urszene der britischen Jugendbewegung beschrieben: den Split in Teddy Boys und Mods. Die Jugendkultur der Teddy-Boys, elegant gekleidete Rockabilly-Fans, wurde langsam durch die Roller-fahrenden Mods abgelöst. Die Mods übernahmen von den Teds den Hang zu schmal geschnittenen Anzügen und guten Schuhen, hörten aber Jazz und Soul. Ihr Mode- und Musikgeschmack unterschied sie von ihren großen Gegnern, den Lederjacken-tragenden Rockern, die mit den Teds die Vorliebe für Rock `n`Roll teilten. Aus diesen beiden britischen Subkulturen entwickelte sich ein Gutteil jener Jugendbewegungen, die Großbritannien – und weite Teile des Westens – in den folgenden Jahrzehnten prägen sollten.

Frank Schäfer: Metal Störies
Der heißeste Scheiß auf Gottes großer Festplatte

144 S., geb., Metrolit 2013 16,99 EUR
Heavy Metal gilt vielen als zu brachial im Sound, zu simpel in den Texten und zu albern in der Inszenierung der meist langhaarigen Musiker. Wie ignorant dieser Langweiler-Konsens ist, zeigt das Buch „Metal Störies“. Darin erzählt der Autor, 1966 geboren, vom Aufwachsen in der westdeutschen Provinz, vom ersten Golf mit übersteuerter Musikanlage, wilden Festivalerfahrungen, Luftgitarrengeschwadern – und der Rolle, die Death Metal bei der Bewältigung von Liebeskummer spielen kann. Wer das liest, dem wächst Heavy Metal nicht nur zwangsläufig ans Herz. Man versteht auch, worum es dieser Musik und ihren Fans geht.

Max Dax, Anne Waak (Hrsg.)
Spex – Das Buch. 33 1/3 Jahre Pop

480 S., geb., Metrolit 2013 28,00 EUR
Die Zeitschrift Spex als bloße Musikzeitschrift abzutun, wäre eine Untertreibung. In dem Magazin wurde und wird der bessere, weil spannendere Kulturjournalismus geprobt, der die großen Thesen nicht fürchtet und sich gerne auch im Ton vergreift. Spex war nach den Hippies das Sprachrohr der nächsten Generation, der Punk- und New Wave-Bewegung. Jedoch ging es nie nur um Musikstile. Bis heute spiegelt sich in Spex die Avantgarde gesellschaftlicher Entwicklungen. Oder besser, eine Art Monitor, auf dem sich bunt und grell abspielt, was sich im Rest der Gesellschaft erst langsam und diffus formt. Das lesen zu können, zu deuten und zu bewerten, war und ist die Kompetenz der Spex.

Peter Hook: Unknown Pleasures
Die Joy-Division-Story
320 S., geb., Metrolit 2013 21,99 EUR
Der Autor war Bassist der Band Joy Division und veröffentlicht nach dreißig Jahren nun deren Geschichte. Der 23jährige Sänger der Band, Ian Curtis, hatte sich 1980 das Leben genommen. Die beiden einzigen Studioalben haben die Popmusik bis heute geprägt. Zwei Filme gibt es inzwischen über die Band. Immer noch laufen die großen Songs wie „Love will tear us apeart“ oder „Transmission“. Peter Hook, der mit den anderen Bandmitgliedern später als „New Order“ weitermachte, schreibt authentisch über die damalige Zeit und das lohnt auch heute noch zu lesen.

Alen Mescovic: Ukulele Jam
352 S., geb., Metrolit 2013 21,99 EUR
Hier setzt ein junger Bosnier seinen Erlebnissen im jugoslawischen Bruderkrieg die Unbeschwertheit und den Willen zur unversehrten Jugend entgegen: Mit viel Witz und unaufdringlicher Klugheit – und dem Sound der 90er. Ein smartes Stück Popliteratur unter Granatenbeschuss.

Thomas Meinecke: Analog – Kolumnen
120 S., Pb., Verbrecher Verlag 2013 (erscheint Oktober) 14,00 EUR
Thomas Meinecke erzählt von seinem Dasein als DJ, der Entstehung von Plattensammlungen, ersten Erfahrungen mit dem, was angesagt ist, und natürlich von Musik: über Musiker und Musikerinnen, Platten und Labels, Clubs und ein Lebensgefühl. Meinecke schildert, wie Techno und House die Menschen in London, Berlin, Schmalkalden, Bahia oder New York miteinander verbinden. „Analog“ versammelt die Kolumnen Meineckes aus dem Magazin Groove der Jahre 2007 bis 2013. Jeder Kolumne ist eine farbige Zeichnung von Michaela Malian zur Seite gestellt. Meinecke ist Schriftsteller, Musiker und DJ und 1980 Begründer der Band F.S.K. (Freiwillige Soziale Selbstkontrolle), die bis heute in fast gleicher Besetzung auftritt. Er hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Hörspiele veröffentlicht und dafür zahlreiche Preise erhalten.

Bettina Vibhuti Uzler: Party am Abgrund
Meine Nomadenjahre im Drogen- und Technorausch

Eine Aussteigerin erzählt
288 S., Pb., Eden Books 2013 12,95 EUR
Die Autorin verliert sich im Nomadendasein in der Technoszene bist ein spiritueller Meister ihr zurück ins Leben hilft. Die Techno- und Ravekultur erfreut sich seit einigen Jahren wieder wachsender Beliebtheit. Anhänger der Szene sehnen sich nach einem Kick im Alltag, wünschen sich Abwechslung und Euphorie. Insbesondere bei jungen Menschen wird das Bedürfnis nach einem Aussteigerleben immer größer. Viele der Technobegeisterten greifen dabei regelmäßig zu verbotenen Substanzen, um ihre Körper in Extremzustände zu versetzen. Das Buch gibt einen ungeschminkten Einblick in die Drogen- und Technoszene und zeichnet das packende Portrait einer Subkultur. Mit 23 Jahren wird Bettina Vibhuti Uzler als Drogenkurierin erwischt und landet im französischen Frauenknast. Nach ihrer Freilassung wird sie Teil der Freetekno-Bewegung, reist durch Europa und organisiert illegale Partys. In der Technoszene findet sie ein Zuhause. Doch auf die Ekstase folgt der Absturz: Bettina lebt ohne Dach über dem Kopf und verliert sich im Drogenrausch. Ein spiritueller Meister hilft ihr schließlich, aus der Szene auszusteigen. In ihrem Buch erzählt sie fesselnd von ihren waghalsigen Höhenflügen, ihrem Absturz und ihrem Weg ins neue Leben. Heute arbeitet sie als Therapeutin in eigener Praxis am Institut für Beziehungsdynamik in Berlin. Ein mitreißender Bericht einer jungen Frau auf Sinnsuche und ein gewagtes Portrait der Drogen- und Technoszene aus der Perspektive einer Aussteigerin.

Pussy Riot ! Ein Punk Gebet Für Freiheit
144 S., Edition Nautilus 2012 9,90 EUR
Pussy Riot ist ein feministisches Kunst-Performance-Kollektiv aus Moskau. Gegründet 2011, machen sie öffentliche Performance-Auftritte als Angriff auf die russische Politik. Im Februar 2012 wurden drei Mitglieder der Gruppe verhaftet, nachdem sie in der Christi-Erlöserkirche in Moskau in bunten Strumpfmasken mit einem „Punk-Gebet für Freiheit“ gegen Putin protestiert hatten. Maria Aljochina, Nadescha Tolokonnikowa und Jekaterina Samuzewitsch wurden zu feministischen Ikonen, ihre Verhaftung und die Gerichtsverhandlung wurden von Aktivisten und Künstlern in der ganzen Welt solidarisch begleitet und sie waren auch nominiert für den „Preis für das Unerschrockene Wort“ der Lutherstädte durch die Stadt Wittenberg. Trotz der Unterstützung und der Medienaufmerksamkeit in Russland und im Ausland wurden sie im August 2012 schuldig gesprochen und zu zwei Jahren Haft im Straflager wegen „Rowdytum aus religiös motiviertem Hass“verurteilt.

Yoko Ono: Half-A-Wind Show
208 S., geb., Prestel 2013 39,95 EUR
Yoko Ono ist eine der einflussreichsten Künstlerinnen unserer Zeit. Die anlässlich ihres 80.Geburtstags erscheinende Publikation präsentiert eine charakteristische Auswahl der letzten 60 Jahre ihres Schaffens und beleuchtet so die mediale Vielfalt im Werk der Künstlerin sowie die zentralen Themen ihr 0Euvres. Besondere Aufmerksamkeit liegt auf den Arbeiten aus den 1960er- und 70er-Jahren, ihrem Einfluss auf Fluxus-Bewegung, Konzepts- und Performance-Kunst, Environments, Film und Musik sowie ihrem Einsatz für den Frieden. Dies ist die erste Werkübersicht zu Yoko Ono in deutscher Sprache.

tender to all gender – A compilation by Hugs & Kisses magazine
TRIKONT CD US-0448
Peaches / Light Asylum / Junior Senior / Tubbe / Lesbians On Ecstasy / Scream Club / Scott Matthew / Kumbia Queers / Hungry Hearts / Kids on TV / Bernadette LaHengst / Hard Ton Disco Queen / Crazy Bitch In A Cave / Rae Spoon / Sookee / Princessin Hans
Fragwürdig, seltsam, leicht verrückt – wer sich die ursprüngliche Bedeutung des englischen Wortes „queer“ ansieht, stößt auf viele Übersetzungen. Nur wenige davon waren sonderlich schmeichelhaft als damit vor einigen Jahren noch vornehmlich Homosexuelle bezeichnet, genauer: beschimpft wurden. Heute hat queer nicht nur für all jene, die sich selbst so bezeichnen, einen durchweg positiven Klang. Queer, das steht längst für selbstbewusste Normabweichung und Vielfalt, für Eigensinn und sexuelle Emanzipation. Nun aber muss man die Bedeutung von queer abermals erweitern: queer steht auch für musikalische Bandbreite. Denn das nicht kommerzielle Szenemagazin „Hugs and Kisses“, das seit fünf Jahren alle 6 Monate erscheint, hat den Sound ihrer Freund_innen, ihrer Szene, ihrer Partys auf einem bemerkenswerten Sampler kompiliert. Er heißt wie das Motto der Zeitschrift – tender to all gender – und zeigt das ganze Spektrum jener Musik auf, die im queeren Kosmos gehört, geliebt und gelebt wird. Auf dem Sampler haben sich die unterschiedlichsten Künstler_innen zusammengefunden: bekannte Namen und Newcomer, Undergroundstars und Tanzflächengrößen, Trashvirtuosen und Chartskompatible. Ihr Umfang reicht dabei weit über das hinaus, was seit Discozeiten unter „irgendwie anders als heterosexuell“ geprägten Klängen verstanden wird: Vom nostalgisch aufgepeppten HipHop-Funk Can I Get Get Get des dänischen Popduos Junior Senior als Auftakt bis zu Princessin Hans’ theatralischen Gypsyrock Passive Aggressive Romantic Obsessive Richtung Finale, vom federleichten Eurodance In Your Face der norwegischen Performance-Gruppe Hungry Hearts bis zur elektronischen Politkparole Free Pussy Riot der kanadischen Exilberlinerin Peaches.
Daneben steht der getragene technoide New Wave des Berlin-Münchner Elektroduos Tubbe (5 Minute Love), Kumbia Queers fröhlich verspielter Balkan-Housepop Tiro Al Blanco, Unterbrochen von Elektroclash der populären Sorte – zum Beispiel von den kanadischen Kids on TV und dem New Yorker Neo-Indiewave-Duo Light Asylum. Tender to all gender versammelt also eine Menge dessen, was das Herz mit größerem Hang zu digitalen als analogen Klängen begehrt: deutschsprachigen Breakbeat-Rap der Feministin „Quing of Berlin“ namens Sookee oder Crazy Bitch In A Caves operettenhaft androgyne New Disco Dance All Night aus Wien. Partyorientierte Technonummern wie Party Time von Scream Club, natürlich hochpolitische Mitdenklieder à la Ein Mädchen namens Gerd von der Popaktivistin Bernadette La Hengst. Die Zusammenstellung ist bei aller tanzbaren Elektroniklastigkeit ebenso umfassend wie abwechslungsreich und dabei ziemlich emblematisch fürs Lebensgefühl des independent Undergrounds. Was sie allerdings nicht ist und nicht sein will, ist eine Antwort auf die Frage: was ist queere, geschweige denn homosexuelle Musik? tender to all gender liefert weder Definitionen noch Schubladen – nicht mal eine Orientierungshilfe. Die 16 wohlsortierten Stücke zeigen bloß auf, welche Möglichkeiten es gibt, sich jenseits der heteronormativen Wirklichkeit Gehör zu verschaffen. Das Geschlechterverhältnis aktiv durchbrechen tun höchstens die Künstler_innen und dahinter; ein wie auch immer geartetes Selbstbewusstsein queerer Musik formt sich am Ende erst im Ohr des Publikums. „Es geht uns schließlich nicht um Gleichmacherei“, sagt Christiane Stephan, Herausgeberin der Hugs and Kisses. Statt alle über einen Kamm zu scheren, will ihr Magazin samt Compilation lieber „alle möglichen Geschlechter in ihren Unterschieden feiern“. Sie nennt das „Identität als Prozess“. Musik ist da nur der Schlüssel ins Universum der Andersartigkeit, die tender to all gender feiert, als gebe es ein Morgen. Und sei es mit den Mitteln des Pop.

Kate Bornstein: Ein schädlicher Einfluss – Mein mutiges Leben
Die wahre Geschichte eines netten jüdischen Knaben, der bei Scientology landete und zwölf Jahre später zu der hinreißenden Lady wurde, die sie heute ist
352 S., Pb., Eden Books 2013 14,95 EUR
„ich wurde als Mann geboren, und meine Unterlagen sagen jetzt, ich sei eine Frau – aber ich bezeichne mich nicht als Frau, und ich weiß, dass ich kein Mann bin“ (Kate Bornstein). Allein in Deutschland vermerkt das Transsexuellengesetz derzeit 11.514 betroffene Personen, nach Schätzungen kann jedoch von ca. hundertsiebzigtausend Fällen ausgegangen werden. Das Buch stellt den authentischen Bericht einer Betroffenen dar und schildert eindringlich die Suche nach der eigenen Identität. Gleichzeitig bietet es einen Blick hinter die Kulissen der umstrittenen Organisation Scientology. Al Bornstein durchlebt eine behütete Kindheit. Doch schon früh hat er das Gefühl, im falschen Körper zu stecken. Mit Anfang zwanzig überzeugen ihn Scientologen, dass Körper lediglich die Hüllen geschlechtsloser Seelen sind. Er tritt der Sekte bei und bleibt zwölf Jahre lang ein ranghohes Mitglied. Als er erfährt, dass die von ihm akquirierten Spendengelder veruntreut werden, fällt er vom Glauben ab. Al verlässt die Sekte und macht sich mutig auf den Weg, sein eigenes Schicksal zu ergründen. Er wird zu Kate Bornstein, die heute in New York lebt und eine glückliche Beziehung mit einer Frau führt. Kate Bornstein ist eine in der Szene bekannte Transgender-Aktivistin, die bereits mehrere erfolgreiche Bücher veröffentlicht hat. Die ungewöhnlichste Autobiografie des Jahres verbindet mit der Suche nach sexueller, spiritueller und sozialer Identität mehrere hochrelevante Themen.

Ernst Horst: Die Nackten und die Tobenden
FKK – Wie der freie Körper zum deutschen Kult wurde

320 S., Blessing 2013 29,99 EUR
Nacktkultur, Nudismus, Freikörperkultur: FKK ist das gemeinsame textilfreie Schwimmen, Sonnenbaden und Ballspielen in der freien Natur. Der FAZ-Mitarbeiter Ernst Horst schreibt über die heroische Epoche des deutschen FKK zwischen 1949 und 1970 als Gegenbewegung im Wirtschaftswunderland. Reichlich illustriert mit schönen nostalgischen, pittoresken, manchmal exzentrischen Abbildungen aus FKK-Zeitschriften.

Clarisse Thorn: Fiese Kerle?
Unterwegs mit Aufreißern. Ein hautnahes Experiment

352 S., Pb., Eden Books 2013 9,95 EUR
Liebe, Sex, Männlichkeit: Wie Aufreißer ticken – und warum Frauen auf sie reinfallen. Pick-Up-Artists haben es sich zum Ziel gesetzt, ihre Verführungskünste zu perfektionieren, um so eine möglichst große Anzahl an Frauen ins Bett zu bekommen. In den USA bereits seit einigen Jahren eine florierende Subkultur, zählt mittlerweile auch die größte deutsche Aufreißer-Community an die hundertausend Mitglieder. Der bekannteste Pick-Up-Artist ist wohl die Kultfigur Barney Stinson aus der TV-Serie „How I Met Your Mother“. Das Buch bietet einen Blick hinter die Kulissen der Aufreißerszene und begleitet Pick-Up-Artists auf ihren Streifzügen. Die junge Autorin Clarisse Thorn ist in diese Szene eingetaucht, um zu verstehen, wie diese Männer ticken. Hautnah erzählt sie von ihren Erlebnissen in der Aufreißerszene und beleuchtet die Schattenseiten dieser Subkultur. Auch ihr eigenes Liebesleben nimmt Clarisse Thorn unter die Lupe und analysiert es mithilfe der Konzepte, die in der Pick-Up-Szene populär sind. Die ausgeklügelten Taktiken der Pick-Up-Artists helfen ihr dabei, neue Erkenntnisse über zwischenmenschliche Beziehungen und das Flirtverhalten von Männern und Frauen zu gewinnen. Clarisse Thorn ist eine feministische Autorin, die SM praktiziert und bereits mehrere Bücher veröffentlicht hat. Auf ihrem Blog schreibt sie über Feminismus, BDSM und Polyamorie. Sie lebt in San Francisco. Aufreißen als Volkssport ist ein Trendthema! Humorvoller Blick einer jungen Feministin auf die umstrittene Szene mit überraschenden Erkenntnissen.

Michael Diers, Lars Blunck, Hans Ulrich Obrist (Hg.)
Das Interview – Formen und Foren des Künstlergesprächs

344 S., geb., Philo Fine Arts 2013 22,00 EUR
Interviews mit Künstlern haben im Kunstbetrieb seit jeher einen hohen Stellenwert. Was darin an künstlerischen Selbstaussagen zusammengetragen wird, dem kommt der Status einer autoritativen Quelle zu, auf die man sich als Zeugnis beruft. Substituiert also das Interview die Kritik in der Kunstkritik oder entlastet die Kunstgeschichte von der Bürde es Interpretierens? Oder ist es hilfreiches, gar notwendiges Instrument im Diskursfeld der Kunst? Der aufschlussreiche Sammelband geht auf eine internationale Tagung an der Hochschule für Bildende Kunst Hamburg zurück. Er befragt das Künstlerinterview aus verschiedenen Perspektiven nach seinen Potentialen und Problematiken, indem er dessen Traditionen und Funktionen ebenso beleuchtet wie seine Formate, seinen Status und Modus. Zur Sprache kommen auch künstlerische Strategien von Andy Warhol bis Anri Sala, die sich des Interviews als Dispositiv bedienen. Mit Beiträgen von Oskar Bätschmann, Lars Blunck, Matteo Buioni, Hubertus Butin, Michael Diers, Julia Gelshorn, Isabelle Graw, Hans Ulrich Obrist, Peter Schneemann, Gregor Stemmrich und Philip Ursprung.

Sabine Scholl: Mein Alphabet der Männer
224 S., geb. mit Lederimitat, Metrolit 2013 16,99 EUR
Herausgeberin Scholl präsentiert Männer von A – Z in kaum seitenlangen Geschichten auf ihren Status als Lustlieferant. Die Erzählerin erwartet von den Männern weder Unterhaltszahlungen noch emotionale Geborgenheit, sondern einfach nur guten, aufregenden Sex. Scholl versöhnt Eleganz und Pornografie, Feminismus und Erotik. Ein Titel gegen die Lustfeindlichkeit des deutschen Alice-Schwarzer-Feminismus.

Peter Nau: Irgendwo in Berlin – Ostwestlicher Filmdivan
96 S., Pb., Verbrecher Verlag 2013 (erscheint im Juli) 12,00 EUR
Der große Filmkritiker Peter Nau schreibt über Berlinfilme – und damit über die Stadt, über ihr Antlitz im Film und über ihre Veränderung. Er beschreibt das bei Film aus Ost und West, und so auch wie dich Stadtteile sich selber sahen und wie sie sich gegenseitig. Der Band schließt mit dem Aufsatz über „Das Altern des Jungen Deutschen Films“.

Maike Albath: Rom, Träume?
Morante, Moravia Pasolini, Gadda und die Zeit der Dolce Vita

280 S., geb., Berendorf (erscheint August 2013) 25,00 EUR
Mit die schönsten Seiten in der italienischen Nachkriegsgeschichte wurden in Rom zur Zeit des Dolce Vita geschrieben. Während Fellini seine Filme dreht, in denen neben Marcello Mastroianni auch ein gewisser Paparazzo auftrat, drängelten sich Hollywoodschauspieler auf der für Amerikaner ebenso schicken wie billigen Via Veneto. Die Kulturlandschaft jener Zeit wurde aber geprägt von den Freunden um Elsa Morante, Alberto Moravia, Carlo Emilio Gadda, Ennio Flaiano und Pier Paolo Pasolini. Sich mischten sich mit polarisierender Stimme in das politische und kulturelle Geschehen. Mit ihren Büchern und heiß umstrittenen Filmen schrieben sie ein bis heute unvergängliches Kapitel italienischer Kulturgeschichte. Und sie deuteten eine Entwicklung, die Italien nicht loslässt: der viel zu rasante Aufstieg der Medienlandschaft. Maike Albath, geboren 1966 in Braunschweig, lebt in Berlin. Sie ist Literaturkritikerin, hat mehrere Jahre in Turin und Padua gelebt und ist eine der profiliertesten Kennerinnen der italienischen Gegenwartskultur. Ihre Arbeit wurde 2003 mit dem Adolf-Kerr-Preis für Literaturkritik belohnt. 2010 erschien im Berenberg Verlag „Der Geist von Turin. Pavese, Ginzburg, Einaudi und die Wiedergeburt Italiens nach 1943“, ein Buch, das Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung) „so elegant, wie unaufdringlich“ fand.

Tom Folson: Dennis Hopper . Die Biografie
geb. , mit Abb., Blessing 2013 22,99 EUR
Das große Leben eines rebellischen Künstlers. Dennis Hopper konnte seine Autobiografie nicht vollenden: Für dieses Buch standen Bestsellerautor Tom Folsom Hoppers beste Freunde, seine Weggefährten und Widersacher zur Verfügung.

Hans Schmid: Frankenstein Bd.1 (1818 – 1931)
ca. 560 S., ca. 120 Fotos, geb., beleville verlag 48.00 EUR
Hans Schmid: Frankenstein Bd. 2 (1931 – 2013)
ca. 560 S., ca. 120 Fotos, geb., beleville verlag 48,00 EUR
Eine Literatur-, Film- und Familiengeschichte in zwei Bänden
Erscheint in den nächsten 18 Monaten
Als Mary Shelley 1818 „Frankenstein“ veröffentlichte und damit eine der großen Mythen der Populärkultur begründete, war der Roman so aktuell und politisch so brisant, dass sie ihn 1831 für eine Neuauflage umschreiben musste. Das Buch entstand im Zentrum der skandalumwittertsten Familien des 19.Jahrhunderts und ist zugleich das Produkt einer Zeit, in der sich die moderne Medizin entwickelte und der menschliche Körper zur Ware wurde, in der die Armut zum Verbrechen erklärt wurde und sich die Medien erstmals für das Phänomen des Serienmords interessierten. Das alles und noch viel mehr ist in „Frankenstein“ enthalten. Trotzdem wäre der Roman in Vergessenheit geraten, und seine Autorin würden wir nur noch als die Witwe eines berühmten Dichters kennen, wenn es nicht die unautorisierten Bearbeitungen für die Theaterbühne gegeben hätte, die den Stoff erst populär machten und dem Mythos das uns vertraute Gesicht gaben. Die Geschichte von Frankenstein im Film beginnt mit Thomas Alva Edison, dem Vater der Glühbirne, führt hinein in einen der legendären, mit der Erfindung des elektrischen Stuhls endenden Wirtschaftskriege des ausgehenden 19.Jahrhunderts und erreichte zur Zeit der Weltwirtschaftskrise einen ersten künstlerischen Höhepunkt. Die beiden Frankenstein-Filme von James Whale, die Boris Karloff zum Star machten, erzählen von Tabuthemen wie körperlichen und seelischen Verstümmelungen bei Kriegsteilnehmern, Arbeitslosigkeit und einer kriminalisierten Sexualität. Sie begründen eine Tradition des subversiven Horrorfilms in Amerika und entstanden paradoxerweise in den Universal Studios, deren Gründer, der deutsche Immigrant Carl Laemmle, die Firma als Familienunternehmen führte und am liebsten nur Filme für die ganze Familie gemacht hätte, mit Hunden und kleinen Kindern. Ein Familienunternehmen mit interessanter Psychodynamik war auch die Firma Hammer, die den Horrorfilm mit rotem Blut auf halbnackten Busen revolutionierte, Zensoren die Schamesröte ins Gesicht trieb und so erfolgreich Gewalt mit Sex kombinierte, dass sie mit dem „Queens Award to Industry“ ausgezeichnet wurde. Die Hammer schenkte dem Genre mit Peter Cushing und Christopher Lee zwei seiner größten Stars, machte Frankenstein zu seinem eigenen Monster und leitete mit dieser Grenzverwischung eine neue Phase ein, in der sich der Horrorfilm so modernisierte, dass er, obwohl oft totgesagt, bis heute sehr lebendig geblieben ist und weiter seine subversive Wirkung entfalten kann. „Frankenstein“ spürt der skizzierten Entwicklung nach, schreibt sie fort in die Gegenwart und berichtet außerdem über alles, was Sie schon immer über Frankenstein wissen wollten, aber bisher nie zu fragen wagten: Vom Liebesleben der Mary Shelley und vom Monster verschleppte Jungfrauen als Heiligenbild bis zum Geschlechtsteil von Elvis Presley und zur Gallenblase von Andy Warhol. Aufwendigst recherchiert und reichhaltigst bebildert: Das definitive, das ultimative Werk zu Frankenstein und seinen Geschöpfen.

James M. Cain: Abserviert
272 S., geb., Metrolit 2013 19,99 EUR
Niemand konnte die Figur der Femme fatale so beschreiben wie der 1977 verstorbene Schriftsteller James M. Cain. Seine Hard-Boiled-Krimis „Mildred Pierce“ und „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ gehören längst zum Kanon der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Das nun sein bislang verschollen geglaubter letzter Roman erscheint ist eine literarische Sensation. Caine, der Schöpfer des Krimi Noir, galt zu seinen Lebzeiten vielen als einer der wichtigsten Autoren der USA – Camus hielt ihn für den begnadetsten überhaupt. Oft wiederkehrendes Motiv seiner Romane sind Dreieckskonstellationen, in denen eine Femme Fatale zwei Männer um den Verstand bringt, in der Habgier, Hass und falsch verstandene Liebe das Übelste der Menschen nach außen kehrt. Und so ist die Joan in diesem Roman nicht nur eine alleinerziehende Mutter, die nach einer gescheiterten Ehe auf sich alleine gestellt ist und alles für das Wohl ihres Kindes zu tun bereit ist. Sondern sie ist auch die kalt berechnende, um ihre sexuelle Anziehungskraft wissende Frau, die einen vermögenden, alten Mann heiratet und gleichzeitig eine Affäre mit einem jungen, attraktiven Träumer beginnt und bedingungslos ihren Weg geht. Cains Sinn für die menschlichen Abgründe und der lakonische Stil, mit dem er den tiefen Fall seiner Figuren beschreibt, machen „Abserviert“ zu einem späten, posthumen Meisterwerk. Neun Jahre lang hat der Lektor Charles Ardai aus verschiedenen Quellen und Manuskripten Cains letzten Roman zusammengefügt und es hat sich gelohnt.

Antonio Callado: Der Tote im See
Leben und Verschwinden des Colonel Fawcett im brasilianischen Regenwald
144 S., geb., Berenberg (erscheint August 2013) 20,00 EUR
Warum machten sich Anfang der fünfziger Jahre ein paar Journalisten auf den Weg in den brasilianischen Regenwald, um einen Engländer zu suchen, der dort dreißig Jahre zuvor auf der Suche nach einer verschwundenen Stadt verschollen war? Und wieso geht das heute noch jemanden an? Die Antwort liefert diese abenteuerliche Reportage aus der Zeit, als sich Brasilien vom Provinzgigant in einen Protagonisten modernster Entwicklung zu verwandeln begann. Im Auftrag eines publicityhungrigen Medienmoguls besuchte Callado jene indigenen Brasilianer, die damals noch gar nicht wussten, dass sie Brasilianer waren und nichts dabei fanden, jemanden verschwinden zu lassen. Was die Reporter bei ihrer Suche nach Percy Fawcett – dem Vorbild für Steven Spielbergs Indiana Jones – entdeckten, daraus entstand dieses in Brasilien bis heute legendäres Buch. Antonio Callado, geboren 1917, arbeitete während des Zweiten Weltkriegs in London für die BBC, schrieb später für alle wichtigen Zeitungen in Brasilien, berichtete über den Vietnam-Krieg und veröffentlichte Theaterstücke und Romane (darunter „Quarup“, sein bekanntester Roman, der auch auf Deutsch erschienen ist). Als er 1997 in Rio de Janeiro starb, war er einer berühmtesten Journalisten des Landes und ist es geblieben.

Altaf Tyrewala: Das Ministerium der verletzten Gefühle. Gedicht
96 S., Pb., Berenberg 2013 englisch /deutsch 19,00 EUR
„Diese Stadt, diese Stadt“ – ratlos und empört, fasziniert und entsetzt sieht man mit Alta Tyrewala auf seine Heimat Mumbai und die 18 Millionen Menschen, die hier tagtäglich versuchen, sich ein Leben im Chaos zu erkämpfen. Und oft genug verlieren. Der Teeverkäufer Ganesh zum Beispiel, dessen Straßenstand einer Bushaltestelle Platz machen muss und der sogar beim Selbstmord noch Pech hat. Oder Bhanu, eine Dalit, die in einer Hütte neben dem Luxushochhaus ihres Herrn verreckt. Tyrewala lässt sie in seinem zornigen Langgedicht atemlos vorüberziehen und schafft ein einzigartiges Panoptikum des Lebens in einer entfesselten Metropole unter den Bedingungen des globalisierten Kapitalismus; ein einem Land, das sämtliche Widersprüche dieser schönen neuen Welt auf sich vereinigt. Ein „Waste Land“ für unsere Zeit. Altaf Tyrewala, geboren 1977 in Mumbai, Indien, studierte Betriebswirtschaft in New York City und lebt seit 1999 wieder in Mumbai. 2006 erschien sein erster Roman „Kein Gott in Sicht“ in deutscher Übersetzung (Suhrkamp). 2011 war er Gast des Berliner Künstlerprogramms DAAD.

COMICS

Derf Backderf: Mein Freund Dahmer
224 S., Pb., Metrolit 2013 22,99 EUR
Jeffrey Dahmer, genannt das „Milwaukee-Monster“, ermordete zwischen 1978 und 1991 in den USA siebzehn junge Männer. Er verstümmelte die Leichen, löste sie in Säure auf, verspeiste sie zum Teil. 1994 erschlug ihn ein Mitgefangener im Gefängnis. Derf Beckderf ist einer der wichtigsten Comickünstler der USA. Er ist Träger des Robert F. Kennedy Journalism Award und wurde zweimal für den Eisner Award nominiert. Backderf war Klassenkamerad von Jeffrey Dahmer und vielleicht sein einziger Freund. Wer seine Geschichte liest, entdeckt hinter dem „Milwaukee-Monster“ den Menschen Jeffrey Dahmer.

Danielle de Piccotto: We are gypsies now – Der Weg ins Ungewisse
240 S., Pb., Metrolit 2013 22,90 EUR
Die amerikanische Künstlerin Danielle de Piccotto, Mitgründerin der Love-Parade und Ehefrau von Alexander Hacke, dem Bassisten der „Einstürzenden Neubauten“, beschreibt in dieser Graphic Novel wie sie beide zusammen auf dem Sofa nur noch amerikanische TV-Serien sahen und dann eine Entscheidung treffen mussten. Sie entschließen sich, Haus und Haushalt aufzugeben, nicht mehr als Spielfigur den Regeln zu folgen, sondern die Dinge in die eigene Hand zu nehmen. Sie verkaufen das Haus, lösen die langfristigen Verträge, gehen zuerst für ein Filmprojekt nach Wien und anschließend mit den „Einstürzenden Neubauten“ auf eine ausgedehnte Europa-Tournee. „On the Road“ ist jeder Tag surreal, irgendwie magisch. Der Comic ist ein Leitfaden der Minimalismus-Bewegung geworden.

Alle Titel können Sie überall im Buchhandel wie auch unter folgender Adresse erwerben:

Worms Verlag
Abt. Onlineshop
Kultur- und Veranstaltungs GmbH,
Von Steuben Str.5, 67549 Worms
Berthold Röth Tel. 06241-2000-314
e-mail: berthold.roeth@kvg-worms.de

Eine Antwort to “Liste 5 der Buchneuheiten Avantgarde – Underground – Trash”

  1. Liste 7 Buchneuheiten Underground, Trash, Avantgarde | Wormsverlag's Blog Says:

    […] Klaus Theweleit: Buch der Königstöchter Das Pocahontas-Projekt / Buch 2: Königstöchter. Von Göttermännern und Menschenfrauen Ca. 700 S., Pb., Stroemfeld 2013 38,00 EUR Detaillierte Beschreibung in unserer Liste 5, abzurufen unter https://wormsverlag.wordpress.com/2013/05/21/liste-5-der-buchneuheiten-avantgarde-underground-trash/ […]

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