Archive for Mai 2013

Liste 6 der Buchneuheiten Avantgarde Trash Underground

Mai 29, 2013

Paul Werner: Polanski
320 S., Fotos, geb., Langen Müller 2013 (erscheint Juli) 22,99 EUR

Zu seinem 80.Geburtstag am 18.August 2013: Jeder seiner Filme ist ein Ereignis, von „Das Messer im Wasser“ (1962) über „Rosemaries Baby“ und „Chinatown“ bis zu „Der Gott des Gemetzels“. Für „Der Pianist“ erhielt er sogar den Oscar. Als Getriebener, geprägt von traumatischen Ereignissen von der Kindheit bis heute, erforschte er in seinen Filmen die menschlichen Abgründe. Polanskis Leben schwankt zwischen höchsten Auszeichnungen und Skandalen: Er ist seit Jahrzehnten Thema in der Presse. Paul Werner verbindet hier dieses kontroverse Leben und das Schaffen des Kultregisseurs zu einer faszinierenden Biografie.

Thomas Koebner: Roman Polanski. Der Blick des Verfolgten. Eine Biografie
280 S., Fotos,, geb., Reclam 2013 (erscheint im Juli) 24,95 EUR

Eine Würdigung des großen Regisseurs zum 80.Geburtstag am 18.August 2013. Biografie und Gesamtdarstellung seines Werks in einem. Filme von Roman Polanski haben selten ein Happy End, aber sie baden nicht in Lust an der Katastrophe. Irgendein Teufel steckt am Ende doch den Kopf aus der Hölle, das Böse fährt selbst in die Vampirkomödie mit dem ahnungslosen Professor Abronsius in die Welt hinaus, was Menschen angetan wird, das lässt sich nicht rückgängig machen. Die Konstellation von Verfolger und Verfolgten, Macht und Ohnmacht prägt alle großen Filme des Regisseurs, und eines bleibt immer gleich: Polanski sieht die Welt durch die Augen der Opfer, der Unschuldigen, der jedenfalls an den Katastrophen nicht schuldigen. Gerade weil Polanski seine eigenen Kindheitserfahrungen stark verfremdet, von Masken verhüllt in sein Werk hat einfließen lassen, rundet es sich doch aufs Ganze gesehen inzwischen zu einer Art „großen Konfession“. Kaum einem Künstler seiner Generation ist so viel Ruhm und Glück zuteil – und keinem sind in seinem Leben so tiefe Wunden geschlagen worden. Die große Biografie zum 80.Geburtstag nimmt die wechselvolle Lebenserfahrung und das vielgestaltige Werk zusammen in seinen Blick und lässt es sich wechselseitig erklären.

Peter Nau: Irgendwo in Berlin – Ostwestlicher Filmdivan
96 S., Pb., Verbrecher Verlag 2013 (erscheint im Juli) 12,00 EUR

Der große Filmkritiker Peter Nau schreibt über Berlinfilme – und damit über die Stadt, über ihr Antlitz im Film und über ihre Veränderung. Er beschreibt das bei Film aus Ost und West, und so auch wie dich Stadtteile sich selber sahen und wie sie sich gegenseitig. Der Band schließt mit dem Aufsatz über „Das Altern des Jungen Deutschen Films“.

Dietmar Dath & Swantje Karich: Lichtmächte
Kino – Museum – Galerie – Öffentlichkeit
256 S., Pb., diaphanes 2013 (erscheint September) 19,95 EUR

Ein Crashkurs in visueller Mündigkeit. Bilder, wohin man schaut – an der Wand wie in der Hand. Das Visuelle ist in Bewegung: Zwischen Massen-, Sammler- oder Bildungsgut verschieben sich die Grenzen. Das Kino lernt mit digitalen Produktions- und Verbreitungsbedingungen zu leben. Die Bildende Kunst sieht ihren Anspruch auf Autonomie von ökonomischen, ästhetischen und politischen Schocks erschüttert. Die gängige Kritik daran hat viele Namen: „Simulation“, „Kulturindustrie“, „Spektakel“. Wer so redet, spaltet die Welt: Auf der einen Seite stehen die Bilder, auf der anderen die kritischen Köpfe. Aber kritische Unschuld gibt es nicht. Wer das leugnet, versperrt den Weg zur visuellen Mündigkeit. Gerade aber sie kann andere Bilder denken als die herrschenden. Mal essayistisch, mal in Dialogform steckt „Lichtmächte“ entlang von Filmkritik, Kunstkritik, Kunstgeschichte und politischer Analyse die Probierfelder für ein aufmerksames, neues Sehen ab. „Gesellschaft ist, wenn Leute wissen, wie man anderen beim Schauen zuschaut“.

Tanja Langer: Der Maler Munch
224 S., mit Bildtafeln, geb., Langen Müller 2013 (erscheint Juli) 18,00 EUR

Eine literarische Biografie zum 150.Geburtstag von Edvard Munch im Dezember 2013. Es sind die Extreme, denen sich der große Maler Edvard Munch Zeit seines Lebens ausgesetzt hat. Tanja Langer schreibt hier keine klassische Biografie, sondern eine literarische Annäherung, ausgehend von seinen Bildern. Entstanden ist das spannende Portrait eines Menschen, der sich getrieben fühlte, sich selbst in eine Nervenheilanstalt einwies, grandiose Kunstwerke schuf und heute von der jungen Künstlergeneration wiederentdeckt wird. Die intensive Hassliebe zu Tulla Larsen, die Auseinandersetzung mit Fotografie, Munchs Ringen um Freiheit und Unabhängigkeit als Künstler, seine rastlosen Reisen von Paris, Berlin, Warnemünde über Kopenhagen bis Ekely – man wird Munchs Bilder mit ganz anderen Augen sehen.

Hans Dieter Huber: Edvard Munch. Tanz des Lebens. Eine Biografie
260 S., Abb., geb., Reclam 2013 (erscheint im November) 22,95 EUR

Edvard Munch war seiner Zeit weit voraus. Während er zu Lebzeiten mit seinen Gemälden Stürme der Entrüstung entfesselte, strömen die Menschen heute in seine Ausstellungen, werden Werke für Millionenbeträge international gehandelt. Der norwegische Künstler brach mit vielen tradierten Regeln der Malerei und malte nicht nur, was er erlebte, fühlte und erlitt, sondern entwickelte seine Gemälde sehr geplant und genau. Damit beeinflusste er vorauswirkend die Kunst des 20.Jahrhundert. Hans Dieter Huber wirft in dieser Monographie Schlaglichter auf den sprichwörtlich modernen Künstler Munch: Das Leben selbst, die Freunde und die Medien sind die Koordinaten, die für die Bestimmung des Menschen und Künstlers Munch entscheidend sind. „Eine Biografie über Edvard Munch zu schreiben, ist wie eine Bildinterpretation. Die Lebenswelt des Malers wird neu interpretiert“, sagt Hans Dieter Huber.

Olaf Peters: Otto Dix. Der unerschrockene Blick. Eine Biografie
260 S., Abb., geb., Reclam 2013 (erscheint September) 22,95 EUR

Otto Dix (1891 – 1969) prägte wie kaum ein anderer Maler das Gesicht der Weimarer Republik. Seine Bilder der Neuen Sachlichkeit wirken wie Ikonen einer so schillernden wie bedrückenden Zeit. Im Nationalsozialismus als „entartet“ geächtet, lebte er zurückgezogen am Bodensee und wandte sich unverfänglichen, z.T. christlichen Themen und der Landschaft zu. Nach 1945 setzte er seine Karriere trotz der vorherrschenden Abstraktion fort, erfuhr in beiden deutschen Staaten Anerkennung, ließ sich aber von keiner Strömung und Kulturpolitik vereinnahmen. Eine neue, kompakte Darstellung von Leben und Werk des Künstlers ist längst überfällig, gibt es doch seit Anfang der 90er Jahre keine neue, dem Forschungsstand berücksichtigende Gesamtdarstellung in dieser Form mehr. Olaf Peters verarbeitet zeitgenössische Quellen und Publikationen sowie den privaten Nachlass des Künstlers. Er stellt die Dix-Rezeption und die künstlerischen Strategien des Malers dar und ihm gelingt eine neue Analyse von Hauptwerken. Das Ergebnis ist eine fundierte, epochenübergreifende Gesamtdarstellung des von Brüchen gekennzeichneten Lebenswerks.

Karla Bilang: Frauen im „STURM“. Künstlerinnen der Moderne
220 S., zahlr. Abb., geb., Aviva 2013 (erscheint August) 19,90 EUR

Seit 1910 machte die legendäre Zeitschrift DER STURM von Herwarth Walden Berlin zu einem Zentrum der internationalen Avantgarde. Ab 1912 zeigte Walden die STURM-Ausstellungen in Berlin und in vielen europäischen Städten. Am 20.September 1913 eröffnete er den Ersten Deutschen Herbstsalon, an dem zahlreiche Künstlerinnen und Künstler teilnahmen. Der STURM verstand sich als Sammelbecken und Netzwerk der Moderne vom Expressionismus bis zur konstruktiven Kunst und zum Bauhaus-Design. In der Zeitschrift waren neben Grafik und Malerei auch Bühnenbilder und Figurinen des avantgardistischen Theaters, Künstlermanifeste und –essays vertreten. War die klassische Moderne eine männliche Erfindung, wie ein Blick in die Kunstgeschichtsschreibung glauben macht? Nach den Ausstellungen und den Publikationen des STURM waren am Durchbruch der Moderne wesentlich mehr Künstlerinnen beteiligt, als heute bekannt ist. Karla Bilang portraitiert die wichtigsten berühmten und wiederzuentdeckenden Künstlerinnen aus dem STURM und zeigt ein Panorama der weiblichen Avantgarde von Den Haag bis Stockholm, von Moskau bis Paris, von München bis New York, von Warschau bis Weimar, von Belgrad bis Berlin.

Das Hannover des Kurt Schwitters
48 S., Pb., zahlr. Abb., Edition A B Fischer 2013 (erscheint September) 12,00 EUR

Kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs zeigte der in Hannover geborene und lebende Werbegrafiker Kurt Schwitters in der Galerie „Der Sturm“ erste Bilder einer von ihm ins Leben gerufenen Kunstrichtung. Im Streit mit den Dadaisten der Hauptstadt hatte deren Wortführer Richard Huelsenbeck Schwitters als den „Caspar David Friedrich der dadaistischen Revolution“ bezeichnet. Doch der hatte sich durch eine so abwertende Äußerung nicht von seinem Konzept abbringen lassen und seine Idee weiterentwickelt. In einer seiner neuesten Collagen aus diversen Fundstücken hatte Schwitters auch den Fetzen eines Schriftstücks verklebt, auf dem das Wort „Kommerz“ gestanden hatte. Nun wurde die zweite Silbe nicht nur zum Teil eines Kunstwerks, sondern zum Namensgeber eines „dadaistischen Gesamtweltbildes“: MERZ. Schwitters stand in den kommenden Jahren für moderne graphische Entwürfe, die er vor allem für heimische Unternehmen wie die Keksfabrik Bahlsen oder für Pelikan-Tinte ausführte. Durch seine künstlerische Arbeit, die er parallel zum Broterwerb betrieb, gelangte er selbst bald zu internationalem Ruf, wie die Firmen seiner Heimatstadt. In einschlägigen Werken zur Kunstgeschichte der 1920er Jahre wird die Stadt Hannover vor allem durch Kurt Schwitters Wirken in einer Reihe mit den Zentren der dadaistischen Bewegung in Zürich, Berlin und Paris genannt. Hier in Hannover klebte eines Tages ein Plakat mit Schwitters wohl bekanntestem Gedicht „An Anna Blume“ an den Litfaßsäulen und sorgte für öffentliche Diskussionen. Hier entstand in seinem Atelier MERZbau, eine begehbare Skulptur, die über Jahre weiter ausgebaut wurde und schließlich durch mehrere Räume der Wohnung der Familie wucherte. Und hier hatte Kurt Schwitters seine eigenen literarischen Werke in Varietes und vor Publikum in seinem Atelier vorgetragen. Unter zunehmenden Druck ging er im Jahr 1937 ins Exil, denn die Nationalsozialisten hatten seine Kunst als „entartet“ geächtet. Zunächst lebte er in Norwegen, später in England, wo er 1948 verarmt starb. Seine Wohnung und der darin enthaltende MERZbau sind noch im Krieg zerstört worden, doch in Hannover sind noch zahlreiche Orte mit seinem Namen verbunden, die hier in Wort und Bild vorgestellt werden sollen.

Kai Schlüter (Hg.):
Günter Grass: Das Milch-Märchen – Frühe Werbearbeiten
48 S., mit DVD, geb., Ch. Links Verlag 2013 (erscheint Oktober) 49,90 EUR

Neu zu entdecken: Günter Grass als Werbetexter. 1952 treffen sich zwei deutsche Kunststudenten zufällig in Paris: Günter Grass und Karl Oppermann. In Berlin sehen sie sich wieder und studieren gemeinsam an der Hochschule für bildende Künste. Sie zeichnen und malen, Grass bildhauert. Beide schreiben Gedichte. Sie tauschen sich aus, werden Freunde. Als Oppermann 1955 Reklamechef der Meierei C. Bolle wird, beschäftigt er Grass als Werbetexter. Der ist mittellos, ohne Brotberuf und muss eine Familie ernähren. Grass textet eine Broschüre zum 75.Firmenjubiläum, schreibt das Treatment für einen Kinowerbespot und weitere Milchwerbung, die allerdings unveröffentlicht bleibt. Kai Schlüter trägt die veröffentlichten und unveröffentlichten Werbetexte von Grass zusammen, in denen dessen Talent schon aufblitzt. Die Arbeiten dokumentieren die Lebenssituation des Studenten in den 1950er Jahren; in einem beigefügten Interview erinnert sich Grass an die Zeit. Auf der DVD der historische Kinowerbefilm, Interviews und Lesungen von Grass.

Christiane Rösinger: Berlin – Baku
Meine Reise zum Eurovision Song Contest
224 S., geb., Fischer 2013 16,99 EUR

Christiane Rösinger, Liedermacherin und kritische Anhängerin des Eurovision Song Contest, fährt im Mai 2012 von Berlin nach Baku. Ohne Orientierungssinn und geographische Kenntnisse, aber mit einer seelenstarken Mitmusikerin und einem auf dem Gebrauchtwagenmarkt eilig erworbenen Fahrzeug. Sie begegnet bulgarischen Männern, die ihr Leben lang auf Ziegen starren, harrt aus im »einsamsten Frühstückssaal der Welt« und überschreitet in der Türkei die Cappuccinogrenze. Sie lernt, professionelle Auslandsdeutsche von Deutschen im Ausland zu unterscheiden, wird in Tiflis zum Bestandteil der Deutschen Woche und tritt endlich, nach 4800 staubigen Kilometern, auch in Aserbaidschan auf – weit weg vom offiziellen Sponsorenspektakel.

Fritz Egner: Mein Leben zwischen Rhythm & Blues
280 S., geb., mit Abb., Langen Müller 2013 (erscheint September) 22,99 EUR

Eine persönliche Reise durch vier Jahrzehnte Musikgeschichte. Er besitzt über 20.000 CDs und 25.000 Platten. Seit vier Jahrzehnten Fritz Egner auf Du und Du mit den Größten der Musikgeschichte. Angefangen hat alles mit einem Job als Studiotechniker bei AFN, der den Musikgeschmack einer ganzen Generation prägte. Bei Warner Brothers lernte er das Business hinter den Kulissen kennen. Und er traf sie alle, Stars wie James Brown, Prince, Diana Ross, Lionel Richie… Nun schreibt Fritz über „seine Musik“ – zum ersten Mal und mit der mitreißenden Begeisterung, für die seine Fans ihn lieben. Egner ist bekannt als Radio- und Fernsehmoderator. Mit „Fritz & Hits“ oder „Pop nach 8“ ist er einer der Stimmen Bayerns. Für ARD, ZDF und Sat.1 präsentierte er unvergessliche Sendungen wie „Dingsda“ oder „Die versteckte Kamera“.

Peter Hook: Unknown Pleasures
Die Joy-Division-Story
320 S., geb., Metrolit 2013 21,99 EUR

Der Autor war Bassist der Band Joy Division und veröffentlicht nach dreißig Jahren nun deren tragische Geschichte. Sie galten als eine der essentiellsten Post-Punk-Bands. Der 23jährige Sänger der Band, Ian Curtis, hatte sich 1980 das Leben genommen. Der Rest der Band machte weiter als New Order. Die beiden einzigen Studioalben von Joy Division haben die Popmusik bis heute geprägt. Zwei Filme gibt es inzwischen über die Band. Immer noch laufen die großen Songs wie „Love will tear us apeart“ oder „Transmission“. Peter Hook, der mit den anderen Bandmitgliedern später als „New Order“ weitermachte, schreibt authentisch über die damalige Zeit und das lohnt auch heute noch zu lesen.

Peter Kemper: The Beatles
220 S., Universal-Bibliothek Reclam 2013 (erscheint Juli) 5,00 EUR

Acht Jahre genügten, um Popgeschichte zu schreiben: 1962 feierten die vier Pilzköpfe aus Liverpool mit „Love me do“ ihren ersten großen Erfolg, 1970 hatten sie sich derartig zerstritten, dass die wohl einflussreichste Band der Popgeschichte sich auflöste. Die unvergessliche Zeit dazwischen erweckt Peter Kemper zu neuem Leben. Ergänzt wurde der Band für diese zweite Auflage u.a. um Forschungen zur Frühzeit in Liverpool und Hamburg oder die Rolle Yoko Onos – etwa bei missglückten Reunion-Versuchen. Das (auch posthume) musikalische Nachleben jedes einzelnen der Fab Four wird bis in die Gegenwart nachgezeichnet.

John Taylor: Gefährlich gute Grooves – Liebe, Tod & Duran Duran
416 S., zahlreiche Privatfotos von John Tayler, geb., Hannibal 2013 29,99 EUR

Für seine Band Duran Duran hat John Taylor einige der größten Songs unserer Zeit geschrieben, von der Disko-Debüt-Single „Planet Earth“ über die Musik für den „James Bond“-Film „Im Angesicht des Todes“ und den Klassiker „Wild Boys“ bis zu ihrem letzten Nr.-1-Album „All You Need is Now“. Duran Duran haben immer schon Musik gemacht, die direkt in die Beine geht. Dabei gehören die Stars des New Wave zu den Protagonisten der „New Romantic“-Welle Anfang der 1980er Jahre. John Taylor wurde in den Leserumfragen der Teeniemagazine auf der ganzen Welt in den 1980er-Jahren zum „Sexiest Male Popstar Alive“ gewählt.Zum ersten Mal erzählt John Taylor selbst die unglaubliche Geschichte seiner Band, die Geschichte von Träumen, die wahr wurden, aber auch von Alkohol, Drogen und den vielen Schattenseite des Show-Business. Als schüchterner kleiner Junge war er nicht gerade prädestiniert für eine Karriere als Popstar und geriet sogar in Panik, wenn Mädchen in seiner Nähe auftauchten. Aber als Nigel John Taylor seinen ersten Vornamen wegließ, zur Bassgitarre griff und mit seinem Freund Nick Rhodes die Band Duran Duran aufbaute, da änderte sich sein Leben gewaltig. Roger Taylor, dann Andy Taylor (beide nicht mit ihm verwandt) und zuletzt Sänger Simon Le Bon vervollständigten die Band. Gemeinsam erlebten sie eine atemberaubende Erfolgsgeschichte, und Poster mit ihren Fotos hingen plötzlich in den Zimmern von Millionen Teenies weltweit. John Taylor ist Bassist und Gründungsmitglied von Duran Duran. Bis heute hat die Band mehr als 80 Millionen Tonträger verkauft und wurde dafür mit sechs „Lifetime Achievement Awards“ belohnt, darunter BRIT- und MTV-Awards. Ihr aktuelles Album „All You Need is Now“ notierte in 15 Ländern auf Platz 1. John Taylor spielte dazu u.a. mit Musikern von Chic, den Sex Pistols und Guns N‘ Roses. Er lebt mit seiner Frau und den drei Kindern abwechselnd in Wiltshire/England und Los Angeles.

Micha-El Goehre: Höllenglöcken
280 S., Pb., Satyr Verlag 2013 (erscheint August) 14,90 EUR

Mit „Jungsmusik“ (Satyr Verlag 2011, 14,90 EUR), dem ersten Band der Trilogie um eine Clique Heavy-Metal-Fans, landete Goehre einen bei Publikum und Musikpresse viel beachteten Hit. Nun folgt Band 2, mit der die Coming-of-Age-Saga in die nächste Runde geht. Torben macht seiner Freundin aus Versehen einen Heiratsantrag. Doch ein echter Metaller macht keine Rückzieher. Bloß: Wie feiert man eine Metal-Hochzeit? Ist kirchliches Heiraten true? Und wohin fährt man in die Flitterwochen? Auf ein Festival? Während sich der Rest der Clique mit eigenen Problemen herumschlägt und der sympathisch-tumbe Sven seinen ersten Zombiefilm plant, schlägt das fiese Monster Schicksal härter zu als der Drummer von Cannibal Corpse, und die Clique muss sich der Erkenntnis stellen, dass Höllenglocken nicht nur bei AC/DC erklingen…

Thomas Meinecke: Analog – Kolumnen
120 S., Pb., Verbrecher Verlag 2013 (erscheint Oktober) 14,00 EUR

Thomas Meinecke erzählt von seinem Dasein als DJ, der Entstehung von Plattensammlungen, ersten Erfahrungen mit dem, was angesagt ist, und natürlich von Musik: über Musiker und Musikerinnen, Platten und Labels, Clubs und ein Lebensgefühl. Meinecke schildert, wie Techno und House die Menschen in London, Berlin, Schmalkalden, Bahia oder New York miteinander verbinden. „Analog“ versammelt die Kolumnen Meineckes aus dem Magazin Groove der Jahre 2007 bis 2013. Jeder Kolumne ist eine farbige Zeichnung von Michaela Malian zur Seite gestellt. Meinecke ist Schriftsteller, Musiker und DJ und 1980 Begründer der Band F.S.K. (Freiwillige Soziale Selbstkontrolle), die bis heute in fast gleicher Besetzung auftritt. Er hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Hörspiele veröffentlicht und dafür zahlreiche Preise erhalten.

Susanne Gretter (Hg.): Berlin bei Nacht. Neue Geschichten
264 S., Suhrkamp 2013 7,99 EUR

Durch den Kiez schleicht Nacht für Nacht ein weißer Fuchs. Ein Flaneur spaziert mit einem Müllbeutel in der Hand durch Mitte. Ein Nachtschwärmer sucht vergeblich nach den altvertrauten Orten. Jemand nimmt ein nächtliches Bad in der Spree. Ein anderer wirft einen Blick aus dem Fenster auf das Treiben in der Kastanienallee. In Friedrichshain heißt es: Schlange stehen, um ins Berghain zu gehen. Am Türsteher vorbei. Am Spreeufer setzt die Party-Taliban ihre Waffe ein: dröhnende Musik. Zwei D-Janes flirten mit dem Publikum. Flüchtige Glücksmomente. Tanzflächenglück. Eine Freundschaft schließen, die es ans Tageslicht schafft. Beim Spätkauf die Nacht ausklingen lassen. Und mit den Frühschichtlern in der S-Bahn sitzen. Berlin bei Nacht hat viele Gesichter. Ist nicht nur Kulisse, Bühne, Laufsteg, Tanz- oder Projektionsfläche, sondern verführerische und schmeichelnde Animateurin. Berlin und die Nacht, das beste Duo aller Zeiten. Davon erzählen neue Geschichten hellwacher Autorinnen und Autoren, Szenegänger und Kenner dieser Stadt. Mit Erzählungen von Imran Ayata, Bernd Begemann, Nora Bossong, Ann Cotten, Jens Friebe, Annett Gröschner, Anna Katharina Hahn, Gregor Hens, Dirk Knipphals, Bernadette La Hengst, Inka Parei, Angela Richter, Kathrin Schmidt, Claudius Seidl, Robert Stadlober, Jörg Sundermeier, Jenni Zylka und anderen.

Inger-Maria Mahlke: Rechnung offen
288 S., geb., Berlin Verlag 2013 19,99 EUR

»Inger-Maria Mahlke erzählt ebenso unbarmherzig wie liebevoll.« Thomas Hettche
Ein Panoptikum prekärer Existenzen bevölkert das Mietshaus im jüngst aufstrebenden Neukölln, und jeder hat hier eine Rechnung offen – mit den anderen, sich selbst und dem Leben: In ihrem neuen Roman erschafft die vielfach ausgezeichnete Autorin Inger-Maria Mahlke eine abgründige, denkwürdige Welt. Mit präzisem Blick für Feinheiten und Zwischenräume und großem Witz seziert sie eine Gesellschaft vor den tiefgreifenden Veränderungen unserer Zeit. Berlin-Neukölln: Dass der kaufsüchtige Claas Jansen eine leerstehende Wohnung im eigenen Mietshaus beziehen muss, hat weit mehr Gründe als die Bankenkrise. Und nicht nur er sieht sein früheres Leben in einem rasanten Abwärtsstrudel verschwinden. Am Scheidepunkt zwischen Kiezwirklichkeit und hipper Großstadt geht es um nicht minder Existenzielles. Jeder hat hier eine Rechnung offen: die afrikanischen Dealer, die ihre Schlepperkosten abarbeiten, die alzheimerkranke Alte und der Hochstapler, die Kurzzeit-Domina, ihr achtjähriger Sohn und andere Gestalten – eine globalisierte Notgemeinschaft. Sensibel, radikal und mit ganz eigenem Ton entwirft Inger-Maria Mahlke weit mehr als ein diagnostisches Zeitbild – eine große Parabel über die Abgründe des Lebens am Rande unserer gentrifizierten Welt. Inger-Maria Mahlke, geboren 1977 in Hamburg, wuchs in Lübeck auf, studierte Rechtswissenschaften an der FU Berlin und arbeitete am Lehrstuhl für Kriminologie. Preisträgerin des 17. Open Mike 2009 sowie des ersten Debütpreises des HarbourFront-Literaturfestivals 2010 für ihren Roman »Silberfischchen«. 2012 Ernst-Willner-Preis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt. Sie lebt in Berlin.

Klaus Beer: Route 66. Die Legende lebt
152 S., 139 Fotos, zwei farbige Karten, terra magica 2013
mit DVD-Farbfilm (92 Min.) und Top-Song „Get your Kicks on Route 66“
Der Bestseller in einer neuen Auflage erscheint September 19,99 EUR

Eine Hommage an die alte USA, gespickt mit großartigen Fotos. Klaus Beer hat mehrmals die 2448 Meilen von Chicago nach Los Angeles – quer durch drei Zeitzonen und acht Bundesstaaten – bereist, um den Mythos der legendären Route 66 aufzuspüren. In seinen Bildern fängt er aber nicht nur die Easy-Rider-Romantik mit alten Zapfsäulen und Blechschildern, Harley-Davidsons und Straßenkreuzern mit Heckflossen ein, sondern auch typisch amerikanische Szenerien: Die Häuserschluchten von Chicago, den Grand Canyon, Westerntowns und Indiandersiedlungen, Wüste und Naturwunder.

Christoph W. Bauer: In einer Bar unter dem Meer
220 S., geb., Haymon Verlag 2013 (erscheint August) 19,90 EUR

Erzählungen krachend wie ein Punksong, sanft wie ein Blick aufs Meer. Der Dichter mit dem Schlapphut, der Lehrer mit dem pissgelben Fahrrad, der Künstler in der pikanten Pose – die Figuren in diesen Erzählungen mögen auf den ersten Blick verschroben wirken. Dabei sind sie vertrauter, als einem lieb ist: Sie trauern verpassten Chancen nach, verrennen sich in Träume, sind unglücklich in ihren Berufen, sprechen von Treue und wandern von einem Bett ins andere, geben sich kühl und erfahren, im nächsten Moment innig und schmachtend. Temporeich und direkt sind Bauers Geschichten, und oft von einer bestechenden Komik. Sie sprechen an, was wir alle kennen: Einsamkeit, Sehnsucht, Liebe und Verlust. Und sind erzählt mit allen Instrumenten der Fantasie, des Punks und der Poesie.

Texte zur Theorie des Pop
400 S., Universal-Bibliothek Reclam 2013 (erscheint September) 8,80 EUR

Die Anthologie versammelt kanonische wissenschaftliche Texte der vergangenen 50 Jahre sowie journalistische Beiträge und theoretische Reflexionen von Pop-Akteuren selbst. Sie bietet einen Überblick über zentrale Positionen der internationalen und interdisziplinären Poptheorie: exemplarische Beispiele aus Deutschland, Großbritannien, Italien und den USA ebenso wie unterschiedlicher Fachdisziplinen. Die Anordnung der ausgewählten Texte folgt der Chronologie ihrer Erstveröffentlichung, um historische Entwicklungen nachvollziehbar zu machen. Knappe Einführungen in die einzelnen Texte zeigen zentrale Aspekte auf, ordnen sie in ihre Entstehungskontexte ein und verweisen auf Diskussionszusammenhänge und Rezeptionslinien.

Joachim Bessing: Untitled
304 S., geb., Kiepenheuer & Witsch 2013 19,99 EUR

Die Liebe in den Zeiten moderner Kommunikationstechnologie. Er ist Leiter des Stilressorts einer großen deutschen Wochenzeitung, sie eine Philosophin. Bei einem gemeinsamen Bekannten begegnen sie sich am Bücherregal, entdecken ihre gemeinsame Liebe zum antiken Philosophen Plotin – und dann ist nichts mehr, wie es war, nur sie leider immer noch verheiratet.Joachim Bessing schreibt in seinem zweiten Roman über die Liebe. Wie man da reingerät, was einen dort hält, warum man nicht mehr rauskommt. Sein Held, der all der Schauen, Events und Reiserei längst überdrüssig ist, will eigentlich endlich seinen Roman mit dem Titel »Der Mann, der bei der Welt am Sonntag Joachim Bessing war« zu Ende schreiben. Stattdessen stürzt er sich in die größte Liebe seines Lebens, die aber fast ausschließlich in E-Mails, SMS und Bildnachrichten stattfindet. Intensiver geht es kaum, komplizierter mit Sicherheit nicht, denn sie liebt ihn auch, will aber auf keinen Fall ihren Mann verlassen. Und so entwickelt sich der Reiz des Geheimnisses schnell zum Fluch. Mit diesem Roman ist Joachim Bessing ganz nah dran an der Gegenwart. Wie körperlich kann und muss Liebe noch sein, wie innig kann man sich mitteilen, wie nah kann man sich kommen? »Untitled« zeigt, wie es geht und trotzdem nicht klappt. Joachim Bessing, geboren am 26. Juni 1971, Autor mehrerer Bücher. »Untitled« ist sein zweiter Roman. Er lebt in Addis Abeba.

Selim Özdogan: DZ
344 S., geb., Haymon Verlag 2013 (erscheint August) 22,90 EUR

Die Geschichte zweier Brüder, eine Geschichte zweier Welten. Um seiner Mutter ihren letzten Wunsch zu erfüllen, macht sich Ziggy auf die Suche nach seinem Bruder Damian. Vor Jahren hat Damian Europa mit seinen strikten Gesetzen und Überwachungssystemen verlassen und eine Heimat in der DZ gefunden, einem Land, das unter der tropischen Sonne Südostasiens ein Leben in Freiheit und grenzenlosen Zugang zu Drogen verspricht. Während Ziggy in eine Welt von Chatrooms und Onlinecommunities einer modernen Drogenszene eintaucht, um dort eine Spur von Damian zu finden, stößt sein Bruder in der DZ auf eine neuartige Substanz, die den Geist für ungekannte Wahrnehmungen und Einsichten öffnet. Rasch erkennt Damian die Macht und die Gefährlichkeit dieser Substanz und beschließt, in den Untergrund abzutauchen. In seinem großen neuen Roman erzählt Selim Özdogan von der schönen neuen Drogenwelt des Internets, der Suche nach dem Glück und brüchigen Utopien. Er nimmt seine Leser mit auf eine atemberaubende Reise, die hinter unsere Horizonte führt.

Mariola Brillowska: Hausverbot
320 S., geb., Langen Müller 2013 (erscheint Juli) 19,99 EUR

Poesie meets Trash: Ein radikales Romandebüt. Überall, wo Lola erscheint, bekommt sie Hausverbot. 1981 verlässt die Zwanzigjährige ihre Heimat Polen , landet in Hamburg, bewohnt leerstehende Häuser, wird Ladendiebin und zettelt Schlägereien in Clubs an. Hausverbot. Nächste Tür. Auch die Kunstszene, wo sie Fuß zu fassen sucht, empfängt die Drama-Queen nicht mit offenen Armen. Aber sie weiß sich zu wehren und feiert gegen das Scheitern an, mit Chuzpe und Fantasie. Ein radikales Romandebüt, in dem es zur Sache geht: Irrwitzig, schonungslos, durchgeknallt.

Christoph Höhtker: Die schreckliche Wirklichkeit des Lebens an meiner Seite
248 S., geb., Berlin Verlag 2013 17,99 EUR

Ein hitzeflirrender Genfer Sommer, die japanische Kellnerin Mari mit den grünen Wunderpillen und eine Dienstreise in heikler Mission in Begleitung der allseits vergötterten Kollegin Céline – mehr braucht es nicht, um Frank Stremmer, vom Leben gelangweilter PR-Mann bei Suisse Forex, in andere Sphären zu katapultieren. Genf im Hochsommer 2008, neun entscheidende Tage im Leben von Frank Stremmer: Seine Freundin Marion hat sich für unbestimmte Zeit zurück nach Deutschland verabschiedet. Und Paul Carragher, sein vollalkoholisierter englischer Vorgesetzter, heckt einen dilettantischen Plan aus, um seinen Job und nicht zuletzt auch den von Stremmer zu retten. Doch der sonnt sich lieber mit der japanischen Kellnerin Mari an abgelegenen Stränden des Genfer Sees und gerät auf bunt schillernde Trips. Und neben Mari gibt es noch Céline, Stremmers extrem attraktive Kollegin. Sie begleitet ihn auf eine verhängnisvolle Dienstreise in geheimer Mission, denn Carraghers Plan zur Rettung in letzter Sekunde geht nicht nur schief – er gerät zur Farce. Christoph Höhtker, geboren 1967 in Bielefeld, studierte Soziologie, war Taxifahrer, Journalist, Werbetexter und Sprachlehrer. Er lebt und arbeitet seit 2004 in Genf.

Kim Young-ha: Der Sterbehelfer
288 S., Pb., konkursbuch Verlag Claudia Gehrke 2013 9,99 EUR

Seyon ist eine junge Frau aus Seoul, hübsch, verwöhnt und gelangweilt. Willenlos lässt sie sich treiben, wechselt ohne Anteilnahme von einem Liebhaber zum nächsten. Für sie, die nicht einmal dem Sex große Lust abzugewinnen vermag, hat einzig das Sterben noch einen gewissen Reiz. Der Erzähler, der uns Seyons Geschichte berichtet, hat zu ihr ein ganz besonderes Verhältnis, hat er sich doch darauf spezialisiert, lebensmüden Menschen den Selbstmord zu arrangieren. Kaum sind sie tot, wechselt er vom Sterbeassistenten zum Schriftsteller. Was er in den vorbereitenden Gesprächen erfahren hat, macht er sich jetzt zunutze und lässt die in den Tod Gegangenen als Protagonisten seiner Geschichten wieder auferstehen. Seyons Geschichte setzt sich an die Stelle von Seyons wirklichem Leben, über das der Autor nun in eigener Regie verfügt. Sein Denken, Handeln und Empfinden ist durch das Artifizielle geprägt. Eines Tages begegnet ihm in Mimi eine Frau, die ihn ganz besonders fasziniert. Diese Performance-Künstlerin hält die Frage nach Schein und Sein allein schon durch ihren Beruf ständig wach. Und seine Tätigkeit stellt dem Sterben als kreatürlichem Zu-Ende-Gehen den artifiziellen Akt des Sich-Tötens gegenüber. Die Kunst – das Geplante, willentlich Gestaltende – feiert über das vom Schicksal Gebende einen zweifelhaften Triumph. Der Roman ist ganz auf den Gegensatz Kunst und Wirklichkeit zugeschnitten. Er spielt das Thema auf verschiedenen Ebenen virtuos durch. Für diesen Roman, sein provokantes Debüt, erhielt Young-ha den koreanischen Literaturpreis für moderne Literatur. Seine Lesungen sind besucht wie Popkonzerte.

Daniel de Roulet: Kamikaze Mozart
280 S., geb., Limmat Verlag 2013 (erscheint im September) 31,80 EUR

Eine kleine Kriegsmusik: „So wurde uns die Geschichte der Atombombe noch nie erzählt“ (Aux Arts). Fumika, japanische Musikstudentin in Berkeley, verliebt sich in den Schweizer Physiker Wolfgang, der im Team von Robert Oppenheimer an der Atombombe baut. In Japan hat ihre Familie für sie einen Mann bestimmt, den sie noch nie gesehen hat und der Kamikaze-Anwärter bei der Luftwaffe ist. Nach dem Überfall der Japaner auf Pearl Harbour wird Fumika mit den anderen 130.000 „feindlichen Elementen“ interniert. In der Wüste von Santa Fe, wo die Internierten beim Bau von Wolfgangs Reaktor eingesetzt werden, sehen sie sich wieder. Wolfgang hat sich inzwischen ganz in den Dienst der „Bombe gegen die Nazis“ gestellt, und die Liebe zu einer „Feindin“ bringt ihn jetzt in Schwierigkeiten. „Kamikaze Mozart“ ist ein virtuoser Roman über das Wettrennen um die Atombombe: von Lise Meitners Entdeckung der Atomspaltung über den nicht mehr kriegsnotwendigen Abwurf der Atombome bis zur Kernschmelze in Lucens 1969, in der die Schweizer Träume von der „Bombe“ untergingen.

James Agee: Der Tramp und die Bombe
Der Film, den Chaplin nie drehte
208 S., Pb., diaphanes 2013 (erscheint September) 16,95 EUR

Idee zu einem Film und literarisches Meisterwerk zugleich: lyrisch, funkelnd, von unerhörter Präzision. Eine Atombombe explodiert über New York. Die entsetzlichen Auswirkungen hat niemand vorhergesehen: Kein menschliches Leben hat überlebt. Mit Ausnahme des Tramp. Durch die menschenleere Wüstenei eines post-apokalyptischen New York wankt Charlie Chaplin in seiner Paraderolle als Vagabund, dem nur sein tiefschwarzer Humor geblieben ist. Und er stößt auf weitere Überlebende: eine junge Frau, ein Neugeborenes – und ein Grüppchen Wissenschaftler, die sich inmitten der Ruinen eine Basis für ihre neue Weltordnung eingerichtet haben…. 1947 wendet sich James Agee an den von ihm hochverehrten Charlie Chaplin mit diesem Filmprojekt. Eine dunkle, hochkomplexe und dichte Geschichte, packend, bitter und bildgeschwängert. So drastisch wie unbeirrt manifestieren sich darin kollektive Ängste und der Wille zur ätzenden politischen Parodie gegen die antikommunistische Furor der McCarthy-Ära, dem Chaplin selbst ausgesetzt war. Nie realisiert und erst vor kurzem wiederentdeckt, entfaltet sich ein erstaunlicher Text auf der Schwelle zwischen Film und Literatur, zwischen Drehbuch, poetischer Novelle und politischer Satire. James Agee (1909 – 1955) war Dichter, Schriftsteller, Journalist und Drehbuchautor.

Friedrich Glauser: Der Chinese
Wachtmeister Studers dritter Fall
CD Live-Aufnahme über 6 Stunden, Limmat 2013 28,50 EUR

erscheint im September
Pründisberg: eine Armenanstalt, eine Gartenbauschule und eine Dorfwirtschaft. Aber auch zwei Tote. Denn die Taschentücher der Anna Hungerlott, die an Darmgrippe gestorben sein soll, weisen Arsenspuren auf. Und der Chinese liegt mit einem Schuss mitten durchs Herz im Novembernebel. Wachtmeister Studer beobachtet. Dass die Armenhäusler dünne Kohlsuppe löffeln, während der Armenvater erlesenen Wein trinkt, hat nichts mit den Morden zu tun, oder doch? Die Armenanstalt enthüllt mehr und mehr Züge eines korrupten Herrschaftssystems. Im selbstgerechten Zirkel der Aufsichtskommission fühlen sich zwei Mörder sicher… Die Lesung wurde im Auftrag des SYNDIKATS, Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur, anlässlich der Criminale 2013 in Bern, Burgdorf, Solothurn und Thun organisiert. Es lesen 27 bekannte Autoren.

Friedrich Glauser: Der Hellseherkorporal
und andere Geschichten aus der Fremdenlegion
140 S., Limmat 2013 (erscheint im September) 22,80 EUR

Zwei Jahre verbrachte Friedrich Glauser 1921 – 1923 in der Fremdenlegion. An diese Zeit erinnert der große Legionsroman „Gourrama“, aber auch in zahlreichen Erzählungen und Kurzgeschichten hat Friedrich Glauser seine Erlebnisse als Korporal der Fremdenlegion verarbeitet. Am Rand der Sahara stationiert, wurde Glausers Einheit nicht in kriegerische Konflikte verwickelt, die kleine Männerkolonie war mehrheitlich mit sich selbst beschäftigt, der Hierarchie, dem Mangel an Geld, Alkohol und anderen Genüssen, dem Überfluss an Arbeit und langer Weile. Es ist ein kleiner Kosmos von europäischen Männern mit bunten Lebensläufen inmitten arabischer Dörfer und Städtchen.

Gary Dexter: Der Marodeur von Oxford
304 S., Pb. , diaphanes 2013 (erscheint September) 16,95 EUR

Henry St. Liver ist in Gebieten unterwegs, die sein Kollege Sherlock Holmes nie betreten würde. London, 1892. Henry St. Liver und Olive Salter haben mit jeder Menge mysteriöser Ereignisse und beunruhigender Vorfälle zu tun: Exhibitionistische Adlige, diebische Nonnen, verschwundene Ritualgegenstände, marodierende Wesen unklarer Spezies und reichlich seltsame Gourmets bevölkern eine rätselhafte Welt, gegen die sich die simplen Verbrecherjagden der Kollegen Sherlock Holmes und Dr. Watson durchsichtig und eindimensional ausnehmen… St. Liver und Salter treiben sich in den unwahrscheinlichsten Gegenden der Psychopathia sexualis herum. Oscar Wilde hat ebenso seinen Gastauftritt wie Edgar Rampoe, der Erfinder der japanischen Kriminalliteratur. Very sophisticated, sehr witzig, manchmal schön geschmacklos und sprachlich ausgefuchst. „Penser Pulp“ für skeptische Freudianer, Conan Doylisten und Iwan-Bloch-Fans. Ein einziges Lesevergnügen.

Jerome Charyn: Unter dem Auge Gottes
256 S., Pb., diaphanes 2013 (erscheint September) 16,95 EUR

Good news: Isaac Sidel ist wieder da! Seit 1974 steigt der Cop aus der Bronx umso höher, je krimineller und mörderischer er agiert und je besser er als Mensch ist. Er ist inzwischen Vizepräsident der Vereinigten Staaten und muss dennoch New York City vor dem Zugriff gieriger Politicos beschützen. Mit Hilfe von Verbindungen, die tief in die Geschichte der jüdischen Mafia zurückreichen – und auch wenn er dazu raus muss aus dem Big Apple und dem mythischen Hotel Astonia. Ausgerechnet nach Texas. Jerome Charyn „ist einer unserer wagemutigsten Schriftsteller“, weiß die New York Times schon lange. In seinem breiten Oeuvre nehmen die Sidel-Romane einen wichtigen Platz ein und gehören zu den Großereignissen der zeitgenössischen Literatur. Sie sind harte Kriminalliteratur, urbane Mythomanien, metropole Visionen, realistische Alpträume und bewusstseinsverändernde Literatur.

David G. L. Weiss: Macht
420 S., geb., Langen Müller 2013 (erscheint August) 19,99 EUR

Klassentreffen sehen anders aus. Der grausige Selbstmord eines Schulfreundes ist eine böse Nachricht für Josephine Mahler, Dozentin für Ethnologie in Frankfurt. Die Rückkehr nach Wien wird für sie zur Konfrontation mit der Vergangenheit. Gemeinsam mit ihrer Jugendliebe, schlittert sie in tödliche Verstrickungen. Eine codierte Nachricht, ein silberner Ring mit Totenkopf, ein mittelalterliches Manuskript und ein berühmtes Gemälde führen zu der elitären Studentenverbindung Skull and Bones nach Yale. Als Mahler und Szombathy bei ihren Nachforschungen auch noch auf die Men in Black und den Terror von 9/11 stoßen und endlich verstehen, womit sie es in Wahrheit zu tun haben, ist es bereits zu spät.

Damir Karakas: Ein herrlicher Ort für das Unglück
280 S., geb., Dittrich 2013 (erscheint September) 19,80 EUR

Karakas schreibt über Menschen aus Osteuropa, die in den Westen stürmen, um ihre Träume zu verwirklichen, und deren Träume sich, dort angekommen, sehr oft in Alpträume verwandeln. Von der Mehrheit der Franzosen als Landstreicher und Penner verachtet und in Paris nicht akzeptiert, erzählt der Autor in seinem autobiografischen Roman von seinem „französischen Traum“, den er vergeblich zu verwirklichen sucht. Im Roman schildert er Paris aus der Sicht des Außenseiters. Paris erscheint als finsteres Loch, in dem sich die Einwanderer einander ähneln. Ein Leben in unerträglichen Wohnverhältnissen, Gelegenheitsjobs am Rande der Legalität. Straßenkünstler werden von der Polizei verfolgt. Der Leser erlebt Straßen und Ecken von Paris, berühmte Touristenziele, die als „Arbeitsplatz“ der Straßenkünstler einen ganz anderen Einblick gewähren. Der Balkan, dessen Armut der Held entflieht, holt ihn in Gestalt von Kriminellen ein. Als er es ablehnt, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen, muss er um sein Leben fürchten. Gleichzeitig macht der Protagonist eine Ausbildung an der Universität, besucht die faszinierenden Bibliotheken und Museen, führt intensive Gespräche mit anderen Künstlern. Aber Paris erlebt er als eine fremdenfeindliche Stadt, in der die Einflüsse der herrschenden Politiker und auch die rechtsextreme Partei Front National von Le Pen tiefe Spuren hinterlassen haben. Die Emigranten sind unerwünscht, vor allem, wenn sie aus Ländern stammen, die keine EU-Mitglieder sind. Bei einer Razzia wird der Protagonist von der Polizei abgeführt und grundlos inhaftiert. Die Untersuchungshaft verbringt er in apokalyptischen Katakomben, in denen einst, während der Revolution, die Insassen auf die Guillotine warteten. Trotz legaler Reisepapiere folgt nach einem Prozess die Abschiebung in sein Heimatland.

Lisa Kränzler: Nachhinein
292 S., geb., Verbrecher Verlag 2013 22,00 EUR

»Nachhinein« erzählt von der Entwicklung zweier Mädchen und ihrer sich verändernden Freundschaft. Zwischen ihnen gibt es einen wesentlichen Unterschied: Die eine wird behütet, geliebt, entschuldigt, darf sogar rebellisch sein, die andere hingegen ist arm, wird angegriffen und in ihrer Familie missbraucht. Aus diesem Grund ändert sich bald auch die Beziehung der Mädchen zueinander, die zunehmend von Liebe, Eifersucht und erwachender Sexualität, von Machtspielen und Grausamkeit geprägt wird. Bis die Ereignisse außer Kontrolle geraten … Im Juli 2012 erhielt Lisa Kränzler den 3sat-Preis beim Klagenfurter Bachmann-Wettbewerb für einen Auszug aus diesem Roman. »Ein sehr intensiver und durchkonstruierter Text, dabei aber nicht spröde – hier wird der Leser wieder seinen eigenen Kindheitserfahrungen ausgesetzt«, meinte Juror Paul Jandl.

Elisabeth Pfister: Wenn Frauen Verbrecher lieben
200 S., Pb., Ch. Links Verlag 2013 (erscheint September) 16,90 EUR

Warum bekommen Serienmörder waschkörbeweise Liebesbriefe? Auf Internetseiten suchen inhaftierte Männer Bekanntschaft mit Frauen – und erhalten zahlreiche Zuschriften. Nicht selten läuten später sogar die Hochzeitsglocken in der Gefängniskapelle. Es sind verurteilte Mörder, Totschläger oder auch Sexualverbrecher, in die sich Frauen verlieben. Elisabeth Pfister geht diesem Phänomen nach und fragt, wer diese Frauen sind, was sie antreibt. Ihre Motive scheinen so rätselhaft wie abgründig. Finden sie keinen Mann auf dem „freien Markt“? Leiden sie an einem Helfersyndrom? Oder suchen sie manchmal unbewusst die Wiederholung früherer Gewalt- und Missbrauchserfahrungen? Die Faszination der Gewalt, der diese Frauen erliegen, hat unterschiedliche Wurzeln und Hintergründe. Pfister strebt keine repräsentative Studie an, sondern versucht, anhand von authentischen, teils hochdramatischen und tragischen Schicksalen Antworten auf diese Fragen zu finden.

Mein heimliches Auge. Das Jahrbuch der Erotik XXVIII
320 S., Pb., konkursbuch Verlag Claudia Gehrke 2013 15,50 EUR

Erscheint im Oktober. Das Jahrbuch versammelt seit mehr als drei Jahrzehnten Originalbeiträge mit erotischen Bildern und Texten: Malerei, Kunst- und Privatfotografie, historische Fundstücke, Kurzgeschichten, Poetisches, Sachtexte, biografische Gespräche und dokumentarische Berichte aus dem Leben. Zart, hart, heiter, unterhaltsam, zum Nachdenken anregend, tragisch, leidenschaftlich, erregend und romantisch. Ein facettenreicher Einblick hinter die Oberfläche des nur scheinbaren „Anything Goes“. Das große Thema Liebe, Lust und Erotik, „multisexuell“ und schubladenübergreifend. „Frisch, authentisch und aktuell. Eine Wundertüte“ (HZ). „Dieses Buch wird Ihnen Schlemmeraugen machen… Einen nachdenklichen Beitrag über das Verstehen der Geschlechter versprechen dabei die ungeschürzten Dialoge.“ (Thüringer Allgemeine), „Frech und ohne Harmoniesüchtelei“ (Stuttgarter Zeitung).

Yigal Blumenberg / Wolfgang Hegener (Hrsg.)
Die „unheimliche“ Beschneidung.
Aufklärung und die Wiederkehr des Verdrängten
160 S., Pb., Brandes & Apsel 2013 (erscheint September) 15,90 EUR

Fünf Autoren aus den Bereichen Kultur- und Erziehungswissenschaften, Judaistik und Psychoanalyse gehen den Fragen und Argumenten nach, die in der Debatte um die Beschneidung von männlichen Säuglingen in der jüdischen Tradition eine zentrale Rolle spielen. Sie wollen aber auch eine offenkundige Wissenslücke schließen, die sich deutlich bemerkbar gemacht hat. Ein genuin aufklärerisches Werk! Wenn auch mittlerweile der Gesetzgeber die medizinisch nicht indizierte Beschneidung legalisiert hat, so darf vermutet werden, dass diese Debatte in der deutschen Gesellschaft noch kein Ende gefunden hat. Es spricht Vieles dafür, dass in dieser hitzigen Auseinandersetzung Geschichte wiederkehrt und mit dem Hinweis auf die sog. „Auschwitzkeule“ oder dem Vorwurf einer (sexuellen) Traumatisierung zurückgewiesen wird. Nicht selten entsteht der Eindruck, dass viele Diskutanten eher mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind und nicht den konkreten Dialog mit Juden (aber auch mit Muslimen) suchen. Die Autoren versuchen, u.a. auf diese Fragen Antworten zu formulieren: Wie hat sich die Tradition christlicher Stereotype über die jüdische Tradition entwickelt? Was ist jüdische Tradition? Ist sie Ausdruck einer überkommenen patriarchalen Religion?

Fedor von Zobeltitz (Hg.): Till Eulenspiegel
192 S., zahlr. Abb., reprint Verlag Leipzig 2013 (erscheint August) 24,90 EUR

Trotz eifriger Bemühungen von Germanisten und Historikern ist die Urheberschaft des Volksbuches nie endgültig geklärt worden. Aber das hat der Beliebtheit der Eulenspiegel-Geschichten keinen Abbruch getan. Schon die frühen Drucke des Volksbuches waren mit kleinen Holzschnitten verziert worden. Diese Tradition nimmt die 1924 erschienene Neuausgabe wieder auf. Die ganzseitigen Holzschnitte Bruno Goldschmitts überhöhen nicht nur die Eulenspiegeleien des beliebten Schalknarren auf sympathisch groteske Weise, sondern dokumentieren auch den hohen Rang der Buchillustration des frühen 20.Jahrhunderts.

Charles Dickens: Der Weihnachtsabend
128 S., illustriert, reprint Verlag Leipzig 2013 (erscheint August) 19,90 EUR

Hier liegt die wohl bekannteste Erzählung von Charles Dickens nun in einer bibliophilen Neuausgabe (neu gesetzt nach der Ausgabe Zürich 1918) vor. Die klassischen Illustrationen von Arthur Rackham geben der Geschichte eine ganz eigene Interpretation. Neu gesetzt, trägt die Ausgabe auch modernen Lesegewohnheiten Rechnung, so ist das Werk auch für den heutigen Leser geeignet. Das ideale Weihnachtsgeschenk!

Charles Dickens: Der Weihnachtsabend
160 S., illustriert, geb., Reclam 2013 (erscheint September) 12,00 EUR

Die Erzählung über den geizigen alten Scrooge, der in der Weihnachtsnacht Besuch vom Geist seines verstorbenen Teilhabers und von drei weiteren Geistern erhält und danach sein Leben ändert, gehört zu Dickens beliebtesten Werken. Die Erstausgabe erschien 1943 mit den Illustrationen von John Leech, danach haben, bis heute, weitere Künstler sich von der Geschichte inspirieren lassen. Zu den schönsten Illustrationen gehören die von Arthur Rackham, 1915 erschienen, die in dieser durchgehend vierfarbigen Ausgabe vollständig wiedergegeben sind.

Heinrich Heine: Elementargeister
120 S., Universal-Bibliothek Reclam 2013 (erscheint September) 4,00 EUR

Als eine Art Antwort auf das berühmte Deutschland-Buch der Madame de Stael konzipierte Heinrich Heine ein dreiteiliges Projekt über deutsche Literatur („Die romantische Schule“, UB 9831), deutsche Philosophie („Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, UB 2254) und über deutsche Mythologie und Volksglauben – dieser dritte Teil erhielt in der selbstständigen Publikation in Deutschland den Titel „Elementargeister“. Heine versucht hier, den interessierten Franzosen deutsche Sagen und Geistergeschichten näherzubringen, von Elfen, Nixen, Zwergen und Teufeln, und schließlich von marmornen Jungfrauen und Frau Venus selbst: das Buch schließt mit Heines Version der Tannhäuser-Sage.

Edgar Allen Poe: Der Rabe
64 S., illustriert, geb., reprint Verlag Leipzig 2013 (erscheint August) 16,90 EUR

Mit grandiosen Illustrationen und ergänzt um Poes Essay „Die Philosophie dichterischen Schaffens“ bietet diese zweisprachige Ausgabe die wohl vollkommenste Form, das Gedicht „Der Rabe“ von Edgar Allen Poe zu publizieren. Englisches Original und deutsche Übersetzung folgen Strophe für Strophe direkt aufeinander, unmittelbar begleitet von den unnachahmlichen Zeichnungen des Meisters der Buchillustration Gustave Dorè.

Andrew Miller: Friedhof der Unschuldigen
6 CDs, 450 Min., Audiobuch Verlag 2013 (erscheint August) 22,95 EUR

Paris 1785: Der junge Ingenieur Jean-Baptiste Baratte erhält von höchster Stelle einen Auftrag: Er soll den Friedhof der Unschuldigen demolieren, dessen Gestank die Stadtbewohner quält. Barette, fortschrittsgläubig und Anhänger Voltaires, engagiert einen Trupp aus Flandern. Die unheimlichen Arbeitstiere sollen die Skelette ausgraben und fortschaffen. Auf dem Friedhof schließt Baratte Freundschaft mit dem weltgewandten Organisten einer leer stehenden Kirche, durch den er Zugang zur zwielichtigen Schattenwelt von Paris erhält. Dort lernt er das Mädchen Heloise kennen und verliebt sich in sie. Und er trifft auf den freundlichen Arzt Guillotin, der den Friedhof anläßlich desStudiums menschlicher Verwesung aufsucht. Unterdessen künden bedrohliche Ereignisse von einer aufziehenden Gefahr.

Svestislav Basara: Die Verschwörung der Fahrradfahrer
464 S., geb., Dittrich 2014 (erscheint März 2014) 22,80 EUR

„Die Verschwörung der Fahrradfahrer“ ist ein jugoslawischer Kultroman, der im Original vor zwanzig Jahren erschien. Die Geschichte beginnt im staubigen Keller einer Bibliothek in der serbischen Provinz und führt den Leser durch das fantastische Labyrinth einer fiktiven Dokumentation über eine uralte Bruderschaft. Diese geheimnisvolle Organisation – ein mystischer Orden der Fahrradfahrer – leitet, kraft ihrer Beherrschung der Zukunft, die Geschicke der Menschheit. Die Fahrradfahrer treffen sich im Traum, in einer frei schwebenden durchsichtigen Kathedrale, wo sie auch Anweisungen von Ordensmitgliedern aus der Zukunft empfangen. Ebenso satirisch wie phantasievoll lässt der Autor eine Fülle exzentrischer Figuren auftauchen, erfundene und historische Gestalten – von Karl dem Grässlichen über Freud, Nietzsche, Sherlock Holmes bis hin zu Stalin. Basara bedient sich ihrer, um die Einheit von Raum und Zeit in Frage zu stellen, und außerdem die These zu beweisen, dass Geschichte nie objektiv erzählt wird, sondern von jedem, wie es ihm passt.

George Orwell: 1984
Ungekürzte Lesung über 744 Min. (13 Std.) auf 2mp3-CDS
Der Klassiker erstmals als Lesung , Hörbuch Hamburg 2013 19,99 EUR

Orwells Roman über die Zerstörung des Menschen durch eine perfekte Staatsmaschinerie ist längst zu einer scheinbar nicht mehr erklärungsbedürftigen Metapher für totalitäte Verhältnisse geworden. Mit atemberaubender Unerbittlichkeit zeichnet der Autor das erschreckende Bild eines Staates, der seine Bürger ständig überwacht und nicht nur ihr Denken, sondern auch die Vergangenheit manipuliert. Der literarische Erfolg von „1984“ verdankt sich einem beklemmenden Wirklichkeitsbezug, dem sich der Hörer nicht entziehen kann.

Christian Blees: Der Kaiser von Dallas
Die einzige Wahrheit über den Mord an John F. Kennedy (Hörspiel)
1 CD, 54 Min., Audiobuch Verlag 2013 (erscheint September) 14,95 EUR

Hörspiel-Parodie mit großartigen Sprechern und vielen Originalstimmen. Endlich aufgeklärt – ganz neue Erkenntnisse! 1963 wird John F. Kennedy heimtückisch ermordet. An der Alleintäterschaft von Lee Harvey Oswald gibt es bald Zweifel. War die Mafia beteiligt? Oder politische Konkurrenten? Im Jahr 2002 stößt der Journalist Christian Blees auf mysteriöse Tonbänder in englischer Sprache. Diese haben offenbar etwas mit dem Anschlag zu tun. Seine Recherchen führen Blees rund um den Erdball und schließlich zurück nach Deutschland. Hier trifft er einen ehemaligen Stasi-Mann, der behauptet, JFK ermordet zu haben.

Michael Ende: Momo
7 CDs, ungekürzte Lesung, Silberfisch 2013 (erscheint im September) 19,99 EUR

Zum 40jährigen Jubiläum die ungekürzte Lesung: Momo lebt am Rande einer Großstadt in den Ruinen eines Amphitheaters. Sie besitzt nichts als das, was sie findet oder was man ihr schenkt, und eine außergewöhnliche Gabe: Sie hat immer Zeit und ist eine wunderbare Zuhörerin. Eines Tages treten die grauen Herren auf den Plan. Sie haben es auf die kostbare Lebenszeit der Menschen abgesehen. Momo ist die Einzige, die ihnen noch Einhalt gebieten kann. Gert Heidenreich entführt den Hörer mit seiner warmen, dunklen Erzählstimme in Momos Welt.

Michael Ende: Momo. Das Hörspiel
3 CDs, Silberfisch 2013 (erscheint im September) 14,99 EUR

Zum Jubiläum auch die Hörspiel-Inszenierung des WDR mit Starbesetzung Rufus Beck, Karin Anselm, Peter Fricke u.v.a.

Max Kruse: Urmel saust durch die Zeit
3 CDs, Silberfisch 2013 (erscheint im September) 14,99 EUR

Sensationell: Max Kruse hat ein neues Urmel-Abenteuer geschrieben. Top-Sprecher Rufus Beck. Das Urmel ist abenteuerlustig wie eh und je. Versehentlich katapultiert sich das ewig neugierige Urmel in die Vergangenheit. Zum Glück sind Tim, Wawa und Ping dabei. Aber die Reise ist alles andere als harmlos! Vom Ufer der Ursuppe geht es über die Entwicklung des ersten Lebens und die Dinosaurier in die erste Siedlung der Menschen. Der Professor versucht, sie in die Gegenwart zurückzuholen – aber ob ihm das ohne Panne gelingt? Stimmzauberer Rufus Beck gibt Urmel und seinen sprachwitzigen Freunden fantastische Stimmen auf preisgekröntem Niveau.

Carl Djerassi: Der Schattensammler. Die allerletzte Autobiografie
544 S., geb., Haymon Verlag 2013 (erscheint August) 24,90 EUR

Die große Autobiografie der „Mutter der Pille“ Carl Djerassi. Die eindrucksvolle Lebensgeschichte eines der größten Chemiker und bedeutendsten Kunstsammler und –mäzene unserer Zeit gibt einen tiefen Einblick in sein ereignisreiches Leben: Geboren und aufgewachsen in Wien, musste seine Familie, als er 15 war, aufgrund ihrer jüdischen Herkunft zunächst nach Bulgarien und später in die USA flüchten. Mit der Entwicklung der Pille hat Djerassi die Gesellschaft grundlegend verändert, seine Ergebnisse zur Synthese von Cortison waren entscheidend für die weitere Forschung. Schonungslos offen lässt der nun knapp 90jährige sein Leben Revue passieren. Er erzählt von den wichtigsten Stationen seines beruflichen Werdegangs, seiner Leidenschaft für Kunst und Literatur sowie den prägenden Erfahrungen seines Lebens.

Erich Mühsam: Tagebücher
Band 5 / 1915 – 1916
320 S., geb., Verbrecher Verlag 2013 (erscheint November) 28,00 EUR

Das Jahr 1916. Ein Ende des Weltkriegs ist nicht abzusehen. Mühsam ist in München zur Untätigkeit verdammt. Seine Meinung darf er nicht öffentlich sagen, es ist einsam um ihn geworden. Also verfolgt er die Berichte von den vielen Fronten und macht sich sein eigenes Bild. Zerstörung, millionenfaches Leid, die Triumpfe der Militärtechnik mit U-Boot Krieg, Giftgas und die Bombardierung wehrloser Städte quälen ihn. Auch der Völkermord an den Armeniern, von der deutschen Politik gebilligt, beschäftigt ihn, doch es bleibt ihm nur, das Ausmaß für die Nachwelt fassbar zu machen. Nur die militärische Niederlage Deutschlands kann Europa retten, begreift er nun. Verzweifelt forscht er nach Möglichkeiten, die Wahrheit zu verbreiten, Widerstand und Revolte zu schüren. Doch seine Suche nach Verbündeten bei Schriftstellern wie Heinrich Mann oder bei linken Sozialdemokraten wie Karl Liebknecht führt nicht weit. Im Herbst 1916 endlich kommt es zu Protesten in München. Beginnt der Aufstand der Massen gegen den Krieg? Mühsam fasst neuen Mut und bereitet sich auf seine historische Rolle vor. Erich Mühsam, 1878 in Berlin geboren, war Dichter und politischer Publizist. Er war maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt, wo er zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt wurde. 1933 wurde er verhaftet und am 10.Juli 1934 im KZ Oranienburg ermordet.

Michael Meyen, Anke Fiedler: Wer jung ist, liest die „Junge Welt“
Die Geschichte der auflagenstärksten DDR-Zeitung
240 S., Abb., Ch. Links Verlag 2013 (erscheint September) 29,90 EUR

Die Geschichte der erfolgreichen Jugend-Zeitung der DDR. Aufstieg und Fall einer Zeitung, die einst eine Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren erzielte. So funktionierte die „Bild-Zeitung des Ostens“. Die Macher von damals und heute kommen zu Wort. „Warum hat die DDR eigentlich keine Bild-Zeitung?“, fragt ein Besucher aus dem Westen einen Genossen. „Na, wir haben doch die Junge Welt!“. Beim „Neuen Deutschland“ waren sie neidisch, wenn die Parteiführer das „bessere Zentralorgan“ lobten, und die Leser sich auf Mittwoch freuten, wenn es in der Rubrik „Unter vier Augen“ Partner- und Sexualtipps gab, und auf Montag, wenn gute Fußballreportagen im Blatt waren. Unerbittlich wurde aber auch hier der Feind bekämpft, ob kritische Filmemacher oder Mahnwächter in einer Kirche. Michael Meyen und Anke Fiedler haben die „Junge Welt“ noch einmal gelesen, 20 Jahre nachdem die Auflage von anderthalb Millionen Exemplaren täglich auf ein paar Tausend schrumpfte. Sie haben mit den Machern von einst und heute gesprochen, in den Archiven von Partei, FDJ und Staatssicherheit gegraben und dabei die Geschichte einer Zeitung zutage gefördert, die wie kein anderes Blatt für das Wachsen und Vergehen der DDR steht.

Peter O. Chotjewitz: Mein Freund Klaus
576 S., geb., Neuausgabe, Verbrecher Verlag 2013 (im Oktober) 32,00 EUR

Der Brisanz des Materials entspricht die Radikalität der literarischen Mittel. In diesem Roman liegen die Fakten auf dem Tisch. Kühn im Aufbau schreibt Chotjewitz über seinen Freund Klaus Croissant, der als Strafverteidiger schikaniert, als angeblicher Drahtzieher des internationalen Terrorismus verfolgt und nach der Annexion der DDR durch die Bundesrepublik 1990 wegen staatsfeindlicher Agententätigkeit abermals verurteilt wurde. Penibel recherchiert, detailgetreu und kühl erzählt, steht der Roman in einer Linie mit Chotjewitz skandalösem Romanfragment über die RAF aus dem Jahr 1978 „Die Herren des Morgengrauens“.

Dario Fo, Gianroberto Casaleggio, Beppe Grillo
5 Sterne – Über Demokratie, Italien und die Zukunft Europas
192 S., Pb., Tropen 2013 (erscheint am 21.Juni) 14,95 EUR

In den ersten zwei Wochen im italienischen Original wurde es bereits 50 000 mal verkauft und schoss sofort in die Top Ten der dortigen Bestsellerliste. Es ist eine Abrechnung und zugleich ein Manifest für ein ganz anderes Europa. „Wir erleben eine historische Veränderung – der Kultur, der Politik, der Wirtschaft. Dieser Bewegung geht es nicht darum, irgendwelche Allianzen zu diskutieren. Es geht darum, dass die Bürger selbst Teil des Staats werden.“ (Beppo Grillo). Alles über die 5-Sterne-Bewegung Beppo Grillos und den politischen Wandel Europas. Drei Intellektuelle, die Italien nachhaltig prägen, machen Europa und dem Rest der Welt ein beispielloses Phänomen verständlich. Sie schlagen neue Wege der direkten Demokratie für Italien, Europa und der Welt im digitalen Zeitalter vor: provozierend, ironisch, kreativ und konstruktiv. Italien muss endlich die Hydra der Korruption besiegen. Es braucht ein Wirtschaftssystem, das den Menschen und nicht den Banken dient. Dario Fo, Grillo und Casaleggio fordern die italienische Gesellschaft und die europäischen Demokratien heraus. Sie wollen die Spielregeln ändern: nicht irgendwann, sondern jetzt! Politik darf sich nicht mehr in Machtspielen erschöpfen. Politik muss es den Bürgern wieder ermöglichen, authentisch und verantwortungsbewusst aktiv zu werden. Auf einem imaginären Spaziergang von Athen nach Piräus rufen die drei Autoren die erste Demokratie in Athen und ihre Bedeutung für uns in Erinnerung. Sie diskutieren Vorschläge, beschreiben ihr Programm und blicken nach vorn auf die Herausforderungen der Zukunft. Es werden Fragen zu Arbeitsmarkt, Euro, Einwanderung, Steuern und Demokratie überraschend, witzig, originell und konstruktiv beantwortet. Dario Fo, geboren 1926, Nobelpreisträger für Literatur im Jahr 1997, engagiert sich für eine Kultur des sozialen Engagements. Seine Theaterstücke werden in Italien und dem Ausland erfolgreich aufgeführt, seine Werke in viele Sprachen übersetzt. Fo ist mit der Schauspielerin und politischen Aktivistin Franca Rama verheiratet. Gianroberto Casaleggio, geboren 1954 in Mailand, war Geschäftsführer bei Olivetti. Er gründete den Internetdienst Webegg. Heute ist er Unternehmer und besitzt eine Agentur, die den Internetauftritt Grillos betreut. Beppe Grillo, geboren 1948 in Genua, erfolgreicher Komiker und Schauspieler, sowie einer der weltweit beliebtesten Blogger. 2007 gründeten Casaleggio und Grillo ihre politische „5-Sterne-Bewegung“, die sie seither im Internet auf- und ausbauten. In Italien und in der ganzen Welt genießt ihr Blog große Aufmerksamkeit und hohes Ansehen.

Mark Fisher: Kapitalistischer Realismus ohne Alternative?
Eine Flugschrift 120 S., VSA Verlag 12,80 EUR

Es ist einfacher geworden, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus. Gerade kulturelle Fiktionen, die ein Wissen davon, dass Dinge anders sein könnten, lange in sich trugen, scheinen dieses verloren zu haben. In diesem äußerst anregenden Essay umkreist Mark Fisher die Wirkmächtigkeit, die dem Kapitalismus trotz seiner offensichtlichen Schwächen innewohnt. Die Überlegungen zur aktuellen kulturellen Malaise erweitert er zu einer Kritik am postfordistischen Arbeitsregime. Seine Untersuchungsfelder findet der Autor vor allem in zeitgenössischer Populärkultur wie Filmen (Children of Men, Heat, Der Pate), Musik (Gangsta Rap) und Literatur (Ursula Le Guin, James Ellroy, David Peace). Darüber hinaus nimmt er – aus seiner Lehrtätigkeit in einer Weiterbildungseinrichtung zwischen Sekundarstufe und Universität schöpfend – Formen heutiger Adoleszenzkultur in den Blick, in der er Angst, Zynismus und depressive Hedonie regieren sieht. Mark Fisher ist Kulturjournalist für The Wire, frieze, Sight & Sound und den New Statesman sowie für seinen eigenen Blog k-punk. Er ist außerdem Dozent für Philosophie am City Literary Institute London und Visiting Fellow am Centre for Cultural Studies, Goldsmiths, University of London.

Die Konsensfabrik. Noam Chomsky und die Medien
Teil 1: Gedankenkontrolle in einer demokratischen Gesellschaft
Teil 2: Widerspruch anregen!
Ein Film von Mark Achbar und Peter Wintonick
DVD, Farbe, 167 Min, engl. mit deutschen Untertiteln
Absolut Medien 2013 (erscheint August) 14,90 EUR

„Es ist die Verantwortung der Intellektuellen, die Lüge als solche zu entlarven und durch die Wahrheit zu ersetzen“ (Noam Chomsky). Die Massenmedien sind für gesellschaftliche Eliten von entscheidender Bedeutung. Noam Chomsky zeigt auf, wie die „vierte Gewalt im Staat“ in der täglichen Berichterstattung den in Wirtschaft und Politik dominierenden Gruppen zur Legitimation ihrer Macht verhilft. Diesen Prozess nennt er „die Herstellung des Konsens“. Die Flut der Informationssendungen reduziert sich auf eine sich ständig wiederholende Präsentation etablierter Standpunkte. So werden viele Menschen zur unkritischen Akzeptanz der herrschenden Meinung manipuliert. Chomsky will den Betrachter ermutigen, sich als „intellektuelle Selbstverteidigung“ dieser systematischen Desinformation zu entziehen. Weltweit auf Festivals ausgezeichnet, erscheint dieser Klassiker hierzulande erstmals auf DVD.

Wolfgang Sternstein: „Atomkraft – nein danke!“
Der lange Weg zum Ausstieg – Die Geschichte der Anti-Atomkraft-Bewegung
224 S., Pb., Fotos, Brandes & Apsel 2013 (erscheint Oktober) 19,90 EUR

Der Streit um die Atomkraft gehört zu den bedeutendsten innenpolitischen Ereignisse der deutschen Nachkriegspolitik. Whyl, Brokdorf, Wackersdorf und Gorleben haben sich tief ins Gedächtnis der Menschen eingeprägt. Sternsteins Buch über die Anti-Atomkraftproteste spiegelt das kollektive Gedächtnis einer erfolgreichen Bürgerbewegung wider. Mit der Laufzeitverlängerung im Herbst 2010 schien der Kampf gegen die Atomindustrie verloren. Doch nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima kam mit dem Beschluss zum Atomausstieg die endgültige Wende. Diese Energiewende gründet nicht zuletzt in der engagierten Bürgerbewegung gegen die Atomkraftwerke, die vor vierzig Jahren am Oberrhein ihren Anfang nahm. Dabei wird deutlich, wie viel Kreativität, Geduld, Mut und Opferbereitschaft Bürgerinnen und Bürger in diesen umweltpolitischen Kampf eingebracht haben und welchen unerwarteten Konflikten sie gegenüberstanden, die sie lösen mussten. Sternstein beschreibt die Ereignisse aus der Perspektive eines teilnehmenden kritischen Beobachters, um Mut zu machen, sich in Bürgerinitiativen und sozialen Bewegungen zu engagieren und auf gewaltfreiem Wege Lösungen zu finden.

Christoph Narholz: Die Politik des Schönen
307 S., Pb., Edition Suhrkamp 2012 16,00 EUR

In „Die Politik des Schönen“ unternimmt Christoph Narholz nichts geringeres als den Versuch, Kant als den eminent gegenwärtigen Begründer einer Theorie des Glücks zu verstehen. Kernstück seiner Analyse ist eine Neuinterpretation des berüchtigten kategorischen Imperativs, die jede rigoristische Lesart zurückweist. So ist es Narholz möglich, über eine libertäre, von den gängigen Mustern abweichende Rekonstruktion der kantischen Anthropologie und Psychologie die sperrige Transzendentalphilosophie völlig neu zu beleuchten: als ethische Erkenntnistheorie, die im Vernunftbegriff des Glücks aus der Postulatenlehre am Ende auf eine empirische Theologie zielt. Die konstruktivistisch modernisierte Transzendentalphilosophie erlaubt eine Ethik, welche vom orthodoxen Kant den Universalismus, von Marx die Empörungsbereitschaft, von Sloterdijk und Nietzsche die Feier und psychologische Aufklärung übernommen hat – von allen das Beste.

Henry David Thoreau: Vom Wandern
80 S., Universal-Bibliothek Reclam 2013 (erscheint Juli) 5,00 EUR

„Alles Gute ist wild und frei!“ Thoreaus berühmter Essay gilt in seiner zivilisationskritischen Haltung als eine der wichtigsten Gründungsurkunden auch und besonders für den Naturschutz: Eingängig schildert er seine Schwierigkeiten mit der Verstädterung bzw. der Abstumpfung der Nicht-Landbevölkerung und entwirft mit Witz und zuweilen sogar bissigem Humor ein Gegenbild.

Jocho Yamamoto: Die Lebensweise eines Samurai. Aus dem „Hagakure“
96 S., Universal-Bibliothek Reclam 2013 (Erscheint Juli) 5,00 EUR

Das „Hagakure“, eine der wichtigsten Quellen zur Alltagsgeschichte in Japan, gibt Handlungsanweisungen, wie sich ein Samurai korrekt zu verhalten hat – eine wichtige Angelegenheit in Zeiten des Friedens und des damit verbundenen Ansehensverlust durch Arbeitslosigkeit. Erst im 20.Jahrhundert wurde der Text zum Klassiker. Max Seinsch stellt, fußend auf seiner Gesamtausgabe der ersten zwei Bücher in der Reclam Bibliothek, die wichtigsten Stellen in einer kleinen Leseausgabe zusammen.

COMICS

Robert Crumb: Mister Nostalgia
92 S., geb., Reprodukt 2013 (erscheint November) 29,00 EUR

Mister Nostalgia, der dritte Band einer bibliophilen Robert-Crumb-Edition, zelebriert die Schönheit einer nahezu vergessenen Kunstform: In den 16 Geschichten des Buchs widmet sich Robert Crumb seiner großen Leidenschaft, dem Country Blues. Er huldigt den musikalischen Helden der 1920er Jahre, Charley Patton oder Blind Lemon Jefferson; der Musik des einfachen Volks, in der sich für ihn die wahre Seele Amerikas manifestierte. In meisterhaften Zeichnungen setzt Robert Crumb den Bluesmen ein ungeschöntes, persönlich geprägtes Denkmal, erzählt von ihrem Alltag, ihrer Einsamkeit, der Zerrissenheit zwischen Sex und Religion, Blues und Gospel.

David Zane Mairowitz & Robert Crumb: KAFKA
176 S., Pb., Reprodukt 17,00 EUR

In ihrem Sachcomic KAFKA haben David Zane Mairowitz und Robert Crumb höchst anschaulich all das zusammengetragen, was Sie über Franz Kafka wissen sollten: von seiner Kindheit bis zum posthumanen Kafka-Kult; über die Konflikte, die der Schriftsteller mit sich selbst und anderen, allen voran mit seinemVater, auszutragen hatte. Immer wieder geht es um Kafkas Zerissenheit vor dem Hintergrund seiner deutsch-tschechischen Nationalität und der jüdischen Kultur. Die Stationen von Kafkas Leben werden ergänzt durch Briefe und Auszügen aus seinen Romanen und Kurzgeschichten. Die Biografie mit den Zeichnungen von Robert Crumb ist mittlerweile selbst ein Klassiker. Lange vergriffen, legt Reprodukt das Buch nun neu überarbeitet vor.

Julie Birmant und Clement Oubrerie: Pablo 2 – Apollinaire
88 S., Pb., Reprodukt 2013 (erscheint September) 20,00 EUR

Zweiter von insgesamt vier Bänden über den bekanntesten Maler der Welt. Der Pariser Montmarte, 1905: der junge Katalane Pablo Picasso macht moderne Kunst, doch noch zeigt die Welt seinem Werk die kalte Schulter. Als der brotlose Künstler zu allem Überfluss von seiner Muse Fernande Olivier verlassen wird, entwerfen der Dichter Max Jacob und Guillame Apollinaire einen aberwitzigen Plan, ihren Freund Pablo wieder aufzurichten. Und dann ist da Gertrude Stein, die nun in Pablos Leben tritt, eine schrullige Amerikanerin, die seine Kunst nicht nur erkennt, sondern auch kauft….

Bestelladresse:
Alle Titel können Sie überall im Buchhandel wie auch unter folgender Adresse erwerben:

Worms Verlag
Abt. Onlineshop
Kultur- und Veranstaltungs GmbH,
Von Steuben Str.5, 67549 Worms
Berthold Röth Tel. 06241-2000-314
e-mail: berthold.roeth@kvg-worms.de

Interkulturelle Buchneuheiten Liste 33

Mai 29, 2013

Die vorhergehenden Listen können noch allesamt im Archiv unter wormsverlag.wordpress.com abgerufen werden.

Rita Kuczynski: Was glaubst du eigentlich?
Weltsicht ohne Religion
180 S., Pb., Ch. Links Verlag 2013 (erscheint September) 16,90 EUR

Woran glauben die, die nicht an Gott glauben? Etwa 35 % der Menschen in Deutschland sind konfessionslos. Dennoch leben Menschen ohne Religion nicht orientierungslos in dieser Welt, nur weil sie keinen Gott als letzte Instanz haben. Sie lösen ihre Gewissensentscheidungen, beantworten ihre Fragen nach den „letzten Dingen“ auf eigene Weise. Deutschland ist also längst in einer Phase der Säkularisierung angekommen, in der verschiedene Grundüberzeugungen in einer weit gespannten Vielfalt nebeneinander bestehen. Dennoch spielen die Lebensansichten der Bekenntnislosen außerhalb der Statistik nahezu keine Rolle. In den Medien kommen sie kaum vor. 80 Nichtreligiöse aus Ost- und Westdeutschland haben Rita Kuczynski erzählt, woran sie denn glauben, da sie nicht an Gott glauben. Die Autorin gibt aufschlussreiche Einblicke, worin sie den Sinn ihres Lebens sehen, was das Maß ist, an dem sie ihre Werte bilden, wie sie Trost finden und welche Vorstellungen sie vom Sterben und einem Weiterleben nach dem Tod haben.

Philip Athans: Jeder kann Papst
Wie gründe ich eine Religion – in fünf Schritten
240 S., geb., Eden Books 2013 (erscheint im Juni) 12,95 EUR

Ein unterhaltsamer und informativer Ratgeber für Glücksritter, die den schnellen Weg zum Reichtum suchen. Wer träumt nicht davon, von zahlreichen Menschen angehimmelt zu werden und ein Leben in Reichtum und Überfluss zu führen? Das Gründen einer eigenen Religion kann einem gleich beide Wünsche erfüllen – solange man die eigene Glaubensrichtung gut durchdacht hat und sie erfolgreich zu verkaufen weiß. Das Buch stellt eine humorvolle und lehrreiche Starthilfe zur Gründung der eigenen Religion dar und hilft den angehenden Gurus unter uns, die schwierigsten Hürden auf dem Weg zum religiösen Oberhaupt mit Leichtigkeit zu meistern. Mit einem Augenzwinkern erklärt Philip Athans in diesem Geschenkbuch, was es bei der Gründung der eigenen Religion zu beachten gilt. Er hilft bei der Konzeption der neuen Glaubensrichtung und gibt hilfreiche Tipps, wie man es schafft, die eigene Religion möglichst bekannt zu machen und eine breite Anhängerschaft zu gewinnen. Ganz nebenbei vermittelt das Buch darüberhinaus theologisches Grundwissen in einer unterhaltsam aufbereiteten Form.

Rocco A. Errico: Die Mysterien der Schöpfung
Die Schöpfungsgeschichte der Genesis aus aramäischer Sicht
160 S., Pb., Verlag H. J. Maurer 2013 16,90 EUR

Ein neuer frischer Blick auf die biblische Schöpfungsgeschichte, Undogmatisch, auf dem Wissen um die Kultur und die Sprache des antiken Nahen Ostens basierend. Inspirierend, überkonfessionell und in seiner Art einzigartig auf dem deutschen Buchmarkt. Die Mysterien der Schöpfung bietet einen ganz neuen und frischen Blick auf die Schöpfungsgeschichte, wie sie in der Genesis des Alten Testaments aufgezeichnet ist. Dr. Rocco Errico arbeitet hierzu mit seiner eigenen Übersetzung des Bibeltexts aus dem aramäischen Peschitta-Manuskript. Dieses ist durch seine Unverfälschtheit und seine Direktheit der Sprache ein einzigartiges Dokument. Die frühe mesopotamische Welt mit ihrer alten nahöstlichen Kultur, ihrer Götterwelt und ihren mystischen Vorstellungen ist der Hintergrund für die biblische Schöpfungsgeschichte. Von dieser alten Welt eine Vorstellung zu bekommen ist die Voraussetzung dafür, diesen Schöpfungsmythos besser begreifen zu können. Dieses Buch ist kein Vers-für-Vers-Kommentar zu Genesis I und es beabsichtigt keine religiös-dogmatische Annäherung an den Text. Auch will Dr. Errico kein bestimmtes konfessionelles Glaubenssystem vertreten. Er will vielmehr helfen aufzuklären, was in der Schöpfungsgeschichte bis heute falsch verstanden wird. Dazu präsentiert der Autor nicht nur Erkenntnisse aus der Bibelforschung, sondern auch aktuelles Wissen aus der Quantenphysik, um seinen eigenen einfachen und inspirierenden Zugang zu den historischen Fakten zu eröffnen. Dr. Rocco A. Errico ist einer der wichtigsten Aramäisch-Gelehrten unserer Zeit. Sein Spezialgebiet ist die Auslegung der Bibel vor dem Hintergrund der antiken semitischen Kultur und der aramäischen Sprache. Seit über 40 Jahren ist er ein begabter Redner, der seine Zuhörer fasziniert und inspiriert, wenn er in ihrem Geist die Welt der Bibel zum Leben erweckt. Er lebt in Atlanta/Georgia, wo er Geistliche ausbildet und Bücher schreibt.

Roland Herpich / Andreas Goetze (Hg.): Toleranz statt Wahrheit?
Herausforderung interreligiöser Dialog
Berliner Reihe für Ökumene, Mission und Dialog, Band 1
256 S., Pb., Wichern Verlag 2013, (erscheint August) 14,95 EUR

Toleranz ist kompliiziert: Wie gehe ich mit denen um, die etwas anderes glauben als ich? Die Beiträge des Bandes bieten jüdische, christliche und muslimische Perspektiven auf die Frage, wie und ob der Wahrheitsanspruch mit Toleranz zusammengeht. Gibt es eine „spirituelle Toleranz“? Was meinen wir, wenn wir von Mission oder interreligiösem Dialog sprechen? Warum soll man überhaupt einen interreligiösen Dialog führen? Der Focus dieses Bandes liegt auf Berlin, der europäischen Stadt mit den meisten Religionsgemeinschaften, und auf neuen spirituellen Zugängen zum Islam.

Marianne Suhr: Wir sind angekommen. Interviews mit Eingewanderten
144 S., Pb., be.bra Wissenschaft Verlag 2013 16,95 EUR

Migration und damit einhergehende Probleme sind jahrhundertealte Phänomene. Gerade die Geschichte Berlins kann nicht losgelöst von der Einwanderung verschiedenster Bevölkerungsgruppen seit der Gründung der Stadt betrachtet werden. Marianne Suhr versammelt in ihrer empirischen Studie 25 Interviews mit Menschen, die nach Deutschland eingewandert sind, zurzeit in Berlin leben und von sich sagen: „Wir sind angekommen“.

Mariola Brillowska: Hausverbot
320 S., geb., Langen Müller 2013 (erscheint Juli) 19,99 EUR

Poesie meets Trash: Ein radikales Romandebüt. Überall, wo Lola erscheint, bekommt sie Hausverbot. 1981 verlässt die Zwanzigjährige ihre Heimat Polen , landet in Hamburg, bewohnt leerstehende Häuser, wird Ladendiebin und zettelt Schlägereien in Clubs an. Hausverbot. Nächste Tür. Auch die Kunstszene, wo sie Fuß zu fassen sucht, empfängt die Drama-Queen nicht mit offenen Armen. Aber sie weiß sich zu wehren und feiert gegen das Scheitern an, mit Chuzpe und Fantasie. Ein radikales Romadebüt, in dem es zur Sache geht: Irrwitzig, schonungslos, durchgeknallt.

Norbert Mappes-Niediek: Arme Roma, böse Zigeuner
Was an den Vorurteilen über die Zuwanderung stimmt
208 S., Pb., Ch. Links Verlag 16,90 EUR

Dieses Buch erschien im letzten Jahr genau im richtigen Moment, als der verstärkte Zuzug von Roma aus Serbien und Montenegro nach Deutschland – speziell ins Ruhrgebiet – einsetzte, und kurz vor der Eröffnung des Berliner Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas und wurde somit ein Erfolgstitel des Links-Verlages, der gleich in die 2.Auflage gehen konnte. Warum kommen die Roma in Osteuropa aus ihrem Elend nicht heraus? Sind sie arm, weil sie diskriminiert werden, oder werden sie diskriminiert, weil sie arm sind? Sind sie arbeitsscheu, kriminell und womöglich dümmer als andere? So wird oft gefragt, wenn auch meistens hinter vorgehaltener Hand. Und die Antwort kennt man natürlich: „Typisch Roma.“ Der langjährige Balkan-Korrespondent Mappes-Niedieck unternimmt einen Faktencheck und kommt zu überraschenden Befunden. Zugleich kritisiert er die europäische Roma-Politik und die von ihr beförderte „Gypsy industry“ fundamental und zeigt alternative Wege auf.

Elisabeth Kaestli: 7 Brüder, 7 Schwestern
Eine kosovarische Familie in der Welt
200 S., farbige Fotos, Limmat 2013 (erscheint im November) 29,50 EUR

Die 14 Geschwister Reka wurden in einem Bergdorf im Kosovo geboren. Armut und politische Unterdrückung zerstreuten sie nach und nach in alle Winde, über die Schweiz und Deutschland bis Kanada. Heute treffen sie sich wieder Sommer für Sommer am großen Gartentisch in Kacanik, dem Städtchen, in dem die Familie ab 1979 wohnte und wo noch zwei Brüder leben. Es ist der Ort der Träume der Emigrierten, der Mittelpunkt des weitgespannten Familiennetzes. Die Geschwister Reka erzählen vom kargen ländlichen Leben in den 1960er Jahren, vom zähen Willen für eine bessere Zukunft, von Emigration und Flucht, von Solidarität, Fremdsein und Dazugehören. Es ist die Chronik einer Großfamilie aus dem Dorf, die zu einer Weltfamilie wurde und die sich ihre Herzlichkeit und den starken Zusammenhalt bewahrt hat.

Timon Perabo, Jeton Neziraj: Sehnsucht im Koffer
Geschichten der Migration zwischen Kosovo und Deutschland
224 S., Pb., be.bra Wissenschaftverlag 2013 19,95 EUR

Das Buch versammelt autobiografische Geschichten von Menschen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten aus dem Kosovo nach Deutschland kamen, die hier ein neues Zuhause gefunden haben oder zurückgekehrt sind. Jeton Neziraj und Timon Perabo haben sie notiert – aus einem kosovarischen und einem deutschen Blickwinkel auf das Thema Migration.

Damir Karakas: Ein herrlicher Ort für das Unglück
280 S., geb., Dittrich 2013 (erscheint September) 19,80 EUR

Karakas schreibt über Menschen aus Osteuropa, die in den Westen stürmen, um ihre Träume zu verwirklichen, und deren Träume sich, dort angekommen, sehr oft in Alpträume verwandeln. Von der Mehrheit der Franzosen als Landstreicher und Penner verachtet und in Paris nicht akzeptiert, erzählt der Autor in seinem autobiografischen Roman von seinem „französischen Traum“, den er vergeblich zu verwirklichen sucht. Im Roman schildert er Paris aus der Sicht des Außenseiters. Paris erscheint als finsteres Loch, in dem sich die Einwanderer einander ähneln. Ein Leben in unerträglichen Wohnverhältnissen, Gelegenheitsjobs am Rande der Legalität. Straßenkünstler werden von der Polizei verfolgt. Der Leser erlebt Straßen und Ecken von Paris, berühmte Touristenziele, die als „Arbeitsplatz“ der Straßenkünstler einen ganz anderen Einblick gewähren. Der Balkan, dessen Armut der Held entflieht, holt ihn in Gestalt von Kriminellen ein. Als er es ablehnt, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen, muss er um sein Leben fürchten. Gleichzeitig macht der Protagonist eine Ausbildung an der Universität, besucht die faszinierenden Bibliotheken und Museen, führt intensive Gespräche mit anderen Künstlern. Aber Paris erlebt er als eine fremdenfeindliche Stadt, in der die Einflüsse der herrschenden Politiker und auch die rechtsextreme Partei Front National von Le Pen tiefe Spuren hinterlassen haben. Die Emigranten sind unerwünscht, vor allem, wenn sie aus Ländern stammen, die keine EU-Mitglieder sind. Bei einer Razzia wird der Protagonist von der Polizei abgeführt und grundlos inhaftiert. Die Untersuchungshaft verbringt er in apokalyptischen Katakomben, in denen einst, während der Revolution, die Insassen auf die Guillotine warteten. Trotz legaler Reisepapiere folgt nach einem Prozess die Abschiebung in sein Heimatland.

Zlatko Pakovic: Die gemeinsame Asche
120 S., geb., Dittrich 2013 (erscheint September) 14,80 EUR

Der Roman erzählt über vier Generationen die Geschichte einer Familie. Ein Lebensweg von Serbien in die australische Emigration und wieder zurück in ein Belgrad, das sich – wie in einer futuristischen Vision – während ihrer Abwesenheit in eine kosmopolitische Weltstadt entwickelt hat. Hauptfiguren sind Igor, Ljudmila und Aurora: Der Sohn, der im Laufe des Romans Vater und Großvater wird, die Emigrantentochter und das Enkelkind, das in serbisch-australischer Ehe zur Welt kommt. Es ist ein Roman der Reifungsprozesse, der Beziehungen zwischen Eltern und Kindern. Ein Roman über das Erinnern – und das Vergessen. Pakovic erzählt seine Geschichte in kurzen Bildern und mit sehr reduzierten Erzählaussagen. Die Qualität des Romans liegt in der feinen poetischen Suggestivität seiner Sprache.

Svestislav Basara: Die Verschwörung der Fahrradfahrer
464 S., geb., Dittrich 2014 (erscheint März 2014) 22,80 EUR

„Die Verschwörung der Fahrradfahrer“ ist ein jugoslawischer Kultroman, der im Original vor zwanzig Jahren erschien. Die Geschichte beginnt im staubigen Keller einer Bibliothek in der serbischen Provinz und führt den Leser durch das fantastische Labyrinth einer fiktiven Dokumentation über eine uralte Bruderschaft. Diese geheimnisvolle Organisation – ein mystischer Orden der Fahrradfahrer – leitet, kraft ihrer Beherrschung der Zukunft, die Geschicke der Menschheit. Die Fahrradfahrer treffen sich im Traum, in einer frei schwebenden durchsichtigen Kathedrale, wo sie auch Anweisungen von Ordensmitgliedern aus der Zukunft empfangen. Ebenso satirisch wie phantasievoll lässt der Autor eine Fülle exzentrischer Figuren auftauchen, erfundene und historische Gestalten – von Karl dem Grässlichen über Freud, Nietzsche, Sherlock Holmes bis hin zu Stalin. Basara bedient sich ihrer, um die Einheit von Raum und Zeit in Frage zu stellen, und außerdem die These zu beweisen, dass Geschichte nie objektiv erzählt wird, sondern von jedem, wie es ihm passt.

Manfred Quiring: Der vergessene Völkermord
Sotschi und die Tragödie der Tscherkessen
200 S,, Abb., Pb., Ch. Links Verlag 2013 (Erscheint Oktober) 16,90 EUR

Wenn Wladimir Putin im Februar 2014 die Olympischen Winterspiele in Sotschi eröffnet, wird er weiterhin beharrlich über das Schicksal der Volksgruppe schweigen, deren letzte Hauptstadt Sotschi war und auf deren letzen Schlachtfeldern nun Sportwettkämpfe stattfinden: die Tscherkessen. Im 19.Jahrhundert wurden sie nach mehreren Jahrzehnten russischer Eroberungsversuche zu Hunderttausenden aus ihrer angestammten Heimat im Kaukasus in die Türkei und Nahost vertrieben oder ermordet. Ihre letzten Siedlungsgebiete befanden sich zwischen Kaukasus und Schwarzem Meer. Manfred Quiring erzählt die Geschichte dieses Volkes und wirft einen Blick auf die aktuelle Situation der Tscherkessen, von denen viele wieder in den Kaukasus zurückkehren möchten, was russische Behörden verhindern. Er schildert den Kampf der Tscherkessen um Anerkennung und gegen das Vergessen ihrer Vertreibung und Ermordung. Mit einem Vorwort des Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir, dessen tscherkessische Vorfahren im 19.Jahrhundert aus dem Kaukasus in die Türkei vertrieben wurden. Erste Darstellung auf dem deutschen Markt zu diesem brisanten Thema. Sotschi ist Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2014 und Spielstätte bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018. Durch populären Stil ideal geeignet für die politische Bildungsarbeit.

Selim Özdogan: DZ
344 S., geb., Haymon Verlag 2013 (erscheint August) 22,90 EUR

Die Geschichte zweier Brüder, eine Geschichte zweier Welten. Um seiner Mutter ihren letzten Wunsch zu erfüllen, macht sich Ziggy auf die Suche nach seinem Bruder Damian. Vor Jahren hat Damian Europa mit seinen strikten Gesetzen und Überwachungssystemen verlassen und eine Heimat in der DZ gefunden, einem Land, das unter der tropischen Sonne Südostasiens ein Leben in Freiheit und grenzenlosen Zugang zu Drogen verspricht. Während Ziggy in eine Welt von Chatrooms und Onlinecommunities einer modernen Drogenszene eintaucht, um dort eine Spur von Damian zu finden, stößt sein Bruder in der DZ auf eine neuartige Substanz, die den Geist für ungekannte Wahrnehmungen und Einsichten öffnet. Rasch erkennt Damian die Macht und die Gefährlichkeit dieser Substanz und beschließt, in den Untergrund abzutauchen. In seinem großen neuen Roman erzählt Selim Özdogan von der schönen neuen Drogenwelt des Internets, der Suche nach dem Glück und brüchigen Utopien. Er nimmt seine Leser mit auf eine atemberaubende Reise, die hinter unsere Horizonte führt.

Blätter für deutsche und internationale Politik 4/13
130 S., Blätter Verlag 2013 9,50 EUR

u.a. „Deutsche auf Widerruf“ (Optionspflicht), Grillos Italien – Patt aus Protest, Islamismus oder neuer Aufbruch? Tunesien zwei Jahre nach der Revolution

Blätter für deutsche und internationale Politik 5/13
130 S., Blätter Verlag 2013 9,50 EUR

u.a. Auf dem rechten Auge blind: Wo steckt der Antisemitismus, Schweden: Migration für Markt und Menschenrechte, Syrien und die iranisch-israelische Koalition, Gegen das teure Leben: Afrika steht auf, Oslo ist tot: Wie weiter, Israel?, Transformation tut Not: 12 Jahre Weltsozialforum, Der argentinische Papst: Zur Ambivalenz von Kirche und Macht in Lateinamerika

Materialdienst. Zeitschrift für Religions- und Weltanschauungsfragen 4/13
Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen 3,00 EUR

u.a. Streitfall islamische Theologie in Deutschland – Mouhanad Khorchides Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ und die Folgen, Wie hält es der Staat mit der Religion? – Herausforderungen in einer multireligiösen Gesellschaft,

Materialdienst. Zeitschrift für Religions- und Weltanschauungsfragen 5/13
Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen 3,00 EUR

u.a. Friedensrichter, Streitschlichter, Schariagerichtshöfe – Ist die Rolle der Vermittler auf den säkularen Rechtsstaat übertragbar?, Ein Segen vom Haar des Propheten – der islamische Verein für wohltägige Projekte,

Friedrich Glauser: Der Hellseherkorporal
und andere Geschichten aus der Fremdenlegion
140 S., Limmat 2013 (erscheint im September) 22,80 EUR

Zwei Jahre verbrachte Friedrich Glauser 1921 – 1923 in der Fremdenlegion. An diese Zeit erinnert der große Legionsroman „Gourrama“, aber auch in zahlreichen Erzählungen und Kurzgeschichten hat Friedrich Glauser seine Erlebnisse als Korporal der Fremdenlegion verarbeitet. Am Rand der Sahara stationiert, wurde Glausers Einheit nicht in kriegerische Konflikte verwickelt, die kleine Männerkolonie war mehrheitlich mit sich selbst beschäftigt, der Hierarchie, dem Mangel an Geld, Alkohol und anderen Genüssen, dem Überfluss an Arbeit und langer Weile. Es ist ein kleiner Kosmos von europäischen Männern mit bunten Lebensläufen inmitten arabischer Dörfer und Städtchen.

Walter Posch: Iran am Scheideweg
Zwischen Revolution und islamischem Populismus
200 S., Pb., Dietz Verlag 2013 (erscheint Oktober) 18,90 EUR

Wie gefährlich ist der Iran wirklich? Wohin steuert der Iran? Wer hat das Sagen im Land? Wird es eine Annäherung an die USA geben? Der Iran ist keine religiöse Diktatur, er ist das Land des islamischen Populismus, wo liberale und konservativ-nationale Schiiten um die politische Vorherrschaft ringen. Der Iran ist „jung“ und reich an Öl und Bodenschätzen. Und er ist das Land der Parallelkulturen und Parallelgesellschaften, mit gebildeter, nach Westen orientierter Stadtbevölkerung und Millionen armer, rückständiger Landbewohner. Walter Posch, Iranexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, nimmt die Innenpolitik der Jahre 2007 – 2012 in den Blick, er untersucht die Wahlen, fragt nach den sozialen und kulturellen Verwerfungen unter Ahmadinedschad und den Verbindungen zwischen der iranischen Atom- und Außenpolitik, die trotz verbaler Muskelspiele militärisch immer sehr moderat war. Bis heute hat noch keine iranische Regierung einen Krieg begonnen, und auch der Blick nach Westen scheint nicht so sehr von Stolz und Verachtung, sondern dem Wunsch nach Anerkennung bestimmt zu sein.

Marianne Elliott: Mit dem Herzen einer Kriegerin
Mut und Mitgefühl in Afghanistan
380 S., Pb., Aurum 2013 (erscheint im September) 19,95 EUR

Die bewegende Geschichte einer mutigen Frau. Wie Yoga im täglichen Leben und bei großen Herausforderungen hilft. „Ein tolles Buch; eine Art „Eat,Pray,Love“ in Afghanistan, bei dem es um Leben und Tod geht“ (Susan Pilver, US-amerikanische Bestsellerautorin).
„Alles wird gut gehen, Marianne“, versichert mir mein Chef. „Solange niemand Amanullah Khan umbringt, hast du nichts zu befürchten.“ Um 9 Uhr am Sonntagmorgen macht er sich auf den Weg. Um die Mittagszeit ist Amanullah Khan tot. Im Jahr 2006 arbeitet die neuseeländische Anwältin Marianne Elliott als Menschenrechtsbeauftragte für die Vereinten Nationen in Afghanistan. Kurze Zeit nach ihrer Ankunft, als sie die alleinige Verantwortung für das UN-Büro in Herat übernimmt, wird einer der Stammesfürsten ermordet. Elliott berichtet über ihre Erfahrungen in einem der gefährlichsten Krisengebiete der Welt und darüber, was es heißt, unter großer Belastung sein Herz und seinen Verstand zusammenzuhalten. Es ist die ehrliche und bewegende Geschichte einer Frau, die für Frieden und Gerechtigkeit ihr Leben aufs Spiel setzt. Marianne Elliott aus Neuseeland ist Autorin, Menschenrechtsaktivistin und Yogalehrerin. Nach mehreren verantwortungsvollen Tätigkeiten für die UN unterrichtet sie heute vor allem Yoga und schreibt einen erfolgreichen Blog (www.marianne-elliott.com).

Irene Allenfeld: Der Kipod. Geschichten von Damals
180 S., Pb., Aviva 2013 (erscheint August) 14,90 EUR

Die lose miteinander verbundenen episodenhaften Erzählungen beginnen in der Kindheit der Protogonistin Ruth in der NS-Zeit und führen mit Unterbrechungen bis zum Sechs-Tage-Krieg 1967 in Israel. In den autobiografisch gefärbten Episoden geht es um Zugehörigkeit und Fremdheit, um Konflikte zwischen Siegern und Besiegten und um ein immerwährendes Zwischen-den-Stühlen-Sitzen der Protagonistin Ruth. Ruth wächst im Berlin der Dreißiger Jahre auf. Wegen der jüdischen Wurzeln des bereits als Kind getauften Vaters muss die völlig assimilierte deutsch-jüdische Familie Verfolgung durch die Nationalsozialisten fürchten. Die Kinder lernen, die jüdische Abstammung ihres Vaters nicht zu erwähnen. Nach dem Krieg kommt Ruth unter anderem mit einer Kinderverschickung nach Norwegen und erfährt später als Au-Pair-Mädchen in Paris, mit welchen Vorurteilen das französische Bürgertum lebt. Auf ihren Reisen nach Jerusalem sucht sie das Judentum und entdeckt gleichzeitig das Schicksal der Palästinenser. Sie erkennt bald, wie unentwirrbar der Konflikt zwischen diesen beiden Völkern ist, mit denen sie die große Liebe zum Land Israel teilt. Eindrucksvolle Kehrtwendungen und nicht ohne Stacheln – „Kipod“ bedeutet auf Hebräisch Igel. Geschichten von Damals, aber nicht von gestern.

Yigal Blumenberg / Wolfgang Hegener (Hrsg.)
Die „unheimliche“ Beschneidung.
Aufklärung und die Wiederkehr des Verdrängten
160 S., Pb., Brandes & Apsel 2013 (erscheint September) 15,90 EUR

Fünf Autoren aus den Bereichen Kultur- und Erziehungswissenschaften, Judaistik und Psychoanalyse gehen den Fragen und Argumenten nach, die in der Debatte um die Beschneidung von männlichen Säuglingen in der jüdischen Tradition eine zentrale Rolle spielen. Sie wollen aber auch eine offenkundige Wissenslücke schließen, die sich deutlich bemerkbar gemacht hat. Ein genuin aufklärerisches Werk! Wenn auch mittlerweile der Gesetzgeber die medizinisch nicht indizierte Beschneidung legalisiert hat, so darf vermutet werden, dass diese Debatte in der deutschen Gesellschaft noch kein Ende gefunden hat. Es spricht Vieles dafür, dass in dieser hitzigen Auseinandersetzung Geschichte wiederkehrt und mit dem Hinweis auf die sog. „Auschwitzkeule“ oder dem Vorwurf einer (sexuellen) Traumatisierung zurückgewiesen wird. Nicht selten entsteht der Eindruck, dass viele Diskutanten eher mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind und nicht den konkreten Dialog mit Juden (aber auch mit Muslimen) suchen. Die Autoren versuchen, u.a. auf diese Fragen Antworten zu formulieren: Wie hat sich die Tradition christlicher Stereotype über die jüdische Tradition entwickelt? Was ist jüdische Tradition? Ist sie Ausdruck einer überkommenen patriarchalen Religion?

Terra Incognita? Der Treffpunkt schwarzer Frauen
250 S., Fotos, geb., Limmat 2013 (erscheint Dezember) 34,00 EUR

sichtbar – unsichtbar – Schwarze Frauen in der Schweiz. Im Jahr 1993 wurde der Treffpunkt Schwarzer Frauen in Zürich gegründet. Die Aktivistinnen engagierten sich in konkreter frauenpolitischer Arbeit, berieten Migrantinnen, unterstützten schweizerische Institutionen und bekämpften rechtliche und gesellschaftliche Diskriminierung Schwarzer Frauern. 1997 wurde ihnen der erste Förderpreis der Stadt Zürich für die Gleichstellung verliehen. Die Beratungsarbeit des Treffpunkts hat vielen Schwarzen Frauen in den letzten zwanzig Jahren ihre Integration in die schweizerische Gesellschaft erleichtert – und tut dies immer noch. „Es gibt über 519 Millionen 870 Tausend Schwarze Frauen auf diesem Planeten. Mehr oder weniger. Es gibt sie auf allen sieben Kontinenten, in fast jedem Land. Also egal, wohin wir gehen, eine von uns war schon dort.“ (Sandra Sharp, 1993). In der Schweiz wurden Schwarze Frauen lange nicht zur Kenntnis genommen, sondern allenfalls neugierig beäugt. Fehlende Wertschätzung erzeugte Verunsicherung und Isolation, Isolation wiederum Abhängigkeit von Ehemännern und Arbeitgebern. Die Eröffnung des Treffpunkts Schwarzer Frauen 1993 in Zürich sollte dies entscheidend ändern. Der Treffpunkt feiert dieses Jahr sein zwanzigjähriges Bestehen. Das Buch dokumentiert die Arbeit der Aktivistinnen und beleuchtet die Geschichte und Situation Schwarzer Frauen in der Schweiz. Thematische Artikel, Portraits und Gespräche zeichnen ein facettenreiches Bild ihrer Lebenswelten.

Ines Neubauer: Prostitution in Bamako, Mali
Akteurinnen zwischen Geld und Moral
144 S., Pb., Brandes & Apsel 2013 (erscheint September) 17,90 EUR

Ein differenziertes Bild jenseits gängiger Klischees auf die Prostitution in Malis Hauptstadt Bamako. Ines Neubauer kommt zu einem Schluss, der weit verbreiteten Auffassungen widerspricht: Sie beschreibt eine, wenn auch keineswegs konfliktlose, Einbindung der Prostitution in eine afrikanische Stadtgesellschaft und weniger deren Ausgrenzung und Unterdrückung. Menschenhandel, Sklaverei, Armut, Unterdrückung und sexuelle Ausbeutung der Frau in patriarchalen Gesellschaften. Das sind die mit Prostitution in Afrika überlicherweise verbundenen Assoziationen. So unbestritten das alles, oft in erschreckenden Dimensionen, existiert, bleibt doch die Frage, ob das unhinterfragt zu verallgemeinern ist. Ines Neubauer war vor Ort in Bamako und ist dem nachgegangen. Sie hat mit Prostituierten gesprochen, ihren Kunden, Polizisten und Vertretern von NGOs und auch mit unbeteiligten Bürgern. Herausgekommen ist ein facettenreiches Bild: Prostitution ist in Bamako kein gesellschaftlich scharf um- und abgegrenzter Beruf, sondern in das soziale Netz der Stadt verwoben, in dem Prostituierte eher informell aktiv sind und kaum von Zuhältern drangsaliert oder rechtlichen Zwängen unterworfen werden.

Andrea Jeska: SIMBABWE – Agonie oder Aufbruch?
180 S., Pb., Brandes & Apsel 2013 (erscheint August) 19,90 EUR

Wie konnte es soweit kommen, dass Simbabwe nach der kolonialen Befreiung zu einem unfreien Staat mit einer kleptokratischen Nomenklatura wurde? Die Journalistin Andrea Jeska kennt das Land gut, sie lässt Farmer und Politiker, Anwälte, Frauenrechtlerinnen und Priester zu Wort kommen. Simbabwe ist nicht Mugabe, und seine Macht ist brüchig. Hinter den Kulissen findet längst eine Entwicklung ohne ihn statt. Seit mehr als 20 Jahren liegt Simbabwe in zivilisatorischen Trümmern. Die einstige Kornkammer des südlichen Afrikas ist ein Armenhaus, Menschenrechte werden missachtet, Lebenserwartung und Alphabetisierungsrate sind geschrumpft, die Wirtschaftskraft ist flügellahm. Aufstieg und Untergang hängen am Staatspräsidenten Robert Mugabe. Einst Befreier von weißer Herrschaft, ist er längst der Unterdrücker seines Volkes. Doch auch in diesen Zeiten der kollektiven Angst beweisen die Menschen Courage und Fantasie. Simbabwe liegt geostrategisch im Zentrum internationalen Begehrens. Ausländische Investoren stehen bereit, angelockt von Gold und Diamanten, Platin und Kupfer. Unter einer neuen Regierung könnte Simbabwe ein Modellland für gerechte Landaufteilung werden. Von der gegenwärtigen Umverteilung von Ackerflächen profitieren die Kleinbauern.

Galsan Tschinag: Houguvaj
Schamanengesänge für Himmel und Erde
60 Min, CD, Aurum 2013 14,95 EUR

Gedichte und Gesänge des mehrfach ausgezeichneten Bestsellerautors. Authentische Klänge einer ursprünglichen Kultur. Die Originalstimme des großen Schamanen. Galsang Tschinag ist Herz und Rückgrat seines Volkes und Wanderer zwischen Ost und West, der Nomaden- und der Fortschrittswelt, ist Dichter, Häuptling, Schamane. Die Tuwa-Nomaden pflegen einen achtsamen Umgang mit der Erde und all ihren Geschöpfen. Die tiefe Anerkennung der Erde wird zur Dankbarkeit und spirituellen Haltung. Galsan Tschinag, eigentlich Irgit Schynykbajoglu Dschurukuwaa, wurde 1943 in der Mongolei als Sohn tuwinischer Nomaden geboren, mit 4 Jahren begann seine Ausbildung zum Schamanen. 1962 studierte er ein Leipzig Germanistik. Von ihm sind 30 Bücher in deutscher Sprache erschienen. Galsan Tschinag lebt in Ulan Bator / Mongolei und bei den Tuwa-Nomaden des Hochaltai.

Christoph Moeskes (Hg.): Nordkorea – Einblicke in ein rätselhaftes Land
200 S., farbige Abb., Pb., Ch. Links Verlag 2013 (erscheint Oktober) 19,90 EUR

Nordkorea gilt als rätselhaftes Land. Es bedroht die Nachbarn mit der Atombombe, kann seine Bevölkerung nicht ausreichend ernähren und betreibt geheime Straflager. Gleichzeitig wird das Bild einer heilen Welt vermittelt, huldigen Staat und Einwohner dem gerade amtierenden Führer wie einer Gottheit – nach Kim Il Sung und seinem Sohn Kim Jong Il nun dessen Sohn Kim Jong Un. Schrill die Aufmärsche, bis zu 20 Meter hoch die Statuen, beängstigend präzise die Massengymnastik. Trotz der vorsichtigen Öffnung scheint die Demokratische Volksrepublik noch immer wie von einem anderen Stern. Die 3., aktualisierte und vollständig überarbeite Auflage dieses Bandes versammelt Berichte von 20 Autoren – Journalisten, Wissenschaftler, Mitarbeiter von Hilfswerken, Künstler und Touristen -, die ein überraschend facettenreiches Bild von der Lebenswirklichkeit Nordkoreas zeichnen.

Daniel de Roulet: Kamikaze Mozart
280 S., geb., Limmat Verlag 2013 (erscheint im September) 31,80 EUR

Eine kleine Kriegsmusik: „So wurde uns die Geschichte der Atombombe noch nie erzählt“ (Aux Arts). Fumika, japanische Musikstudentin in Berkeley, verliebt sich in den Schweizer Physiker Wolfgang, der im Team von Robert Oppenheimer an der Atombombe baut. In Japan hat ihre Familie für sie einen Mann bestimmt, den sie noch nie gesehen hat und der Kamikaze-Anwärter bei der Luftwaffe ist. Nach dem Überfall der Japaner auf Pearl Harbour wird Fumika mit den anderen 130.000 „feindlichen Elementen“ interniert. In der Wüste von Santa Fe, wo die Internierten beim Bau von Wolfgangs Reaktor eingesetzt werden, sehen sie sich wieder. Wolfgang hat sich inzwischen ganz in den Dienst der „Bombe gegen die Nazis“ gestellt, und die Liebe zu einer „Feindin“ bringt ihn jetzt in Schwierigkeiten. „Kamikaze Mozart“ ist ein virtuoser Roman über das Wettrennen um die Atombombe: von Lise Meitners Entdeckung der Atomspaltung über den nicht mehr kriegsnotwendigen Abwurf der Atombome bis zur Kernschmelze in Lucens 1969, in der die Schweizer Träume von der „Bombe“ untergingen.

Alfonsina Storni: Cuca
Erzählungen, Kolumnen, Provokationen
240 S., geb., Limmat Verlag 2013 (erscheint Oktober) 29,90 EUR

Zum 75.Todestag am 25.Oktober 2013 erstmals auf Deutsch: Prosa von Alfonsina Storni. Das Lied „Alfonsina y el mar“ ging mit Mercedes Sosa um die Welt, doch wer kennt Alfonsina Storni, eine der Wegbereiterinnen der lateinamerikanischen Literatur in Argentinien? Dieser Band legt erstmals Erzählungen, Kolumnen, Essays, Aphorismen und Gedichte auf Deutsch vor, die für Stornis Selbstverständnis, ihre Tessiner Herkunft und ihr Naturverständnis bedeutsam sind, darunter auch einige Neuentdeckungen. Rund 20 Jahre lang schrieb Alfonsina Storni für argentinische Wochenzeitschriften und Zeitungen, so auch in der wichtigsten Tageszeitung „La Nacion“. Darin erforschte sie die Goldenen Zwanziger Jahre in Buenos Aires, sie beobachtete die Menschen im Großstadtdschungel, die Frauen, die Männer, beim Flanieren, beim Shopping, beim Tango, aber vor allem bei der Arbeit. Sie schrieb kämpferisch, aber leicht und mit einer unnachahmlichen Ironie über die Geschlechterverhältnisse. Auch ihre Erzählungen sind spielerische Experimente und nähern sich teilweise dem Surrealismus an.

BRASILIEN
Gastland der Frankfurter Buchmesse 2013 und Gastgeber der Fußball-WM 2014 sowie der Olympischen Sommerspiele 2016

Jens Glüsing: Brasilien – Ein Länderportrait
200 S., Pb., Ch. Links Verlag 2013 (erscheint Oktober) 16,90 EUR

Geschrieben von Spiegel-Korrespondent Jens Glüsing, der seit über 20 Jahren in Brasilien lebt. „Brasilien ist kein Land für Anfänger“, hat der große Bossa Nova – Komponist Antonio Carlos Jobim („The Girl from Ipanema“) einmal gesagt. Es blickt mehr nach innen als nach außen, es ist sich selbst genug. Den Europäern diente Brasilien immer als Projektionsraum ihrer eigenen Sehnsüchte und Ängste. Heute ist das größte Land Lateinamerikas ein aufkommender Wirtschaftsgigant und rückt in den nächsten Jahren als Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und der Olympischen Spiele 2016 in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Jens Glüsing entwirft sein Brasilienbild einerseits aus der Sicht eines Korrespondenten – also mit dem Blick nach außen; gleichzeitig versucht er das Land von innen zu verstehen – aus der Sicht eines Deutschen, der seit über zwanzig Jahren dort lebt. Glüsing kennt fast alle Winkel dieses Riesenlandes und schildert seine sehr persönlichen Eindrücke in Reportageform. Ein Buch für Touristen und für solche, die gekommen sind, um zu bleiben.

Stefan Zweig: Brasilien. Land der Zukunft
4 CDs, 320 Min., Audiobuch Verlag 2013 (erscheint September) 19,95 EUR

Lesung in Auszügen. Stefan Zweig reiste in den 30er Jahren mehrfach nach Südamerika, begeisterte sich für Kultur und Lebensart der Brasilianer und schrieb einen Klassiker der Reiseliteratur: „Brasilien. Land der Zukunft“. In brillantem Stil erzählt er anschaulich von portugiesischen Abenteurern, begeisterten Missionaren und gierigen Goldgräbern. Später geht es dann um Kaiser, Kaffee und Kautschuk. Die Schattenseite der Entwicklung: Sklaverei. Doch als Zweig in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts Rio besucht, lernt er eine tolerante Gesellschaft kennen, die ihm, dem in Europa Verfolgten, Hoffnung für die Zukunft gibt.

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Alle Titel können Sie überall im Buchhandel wie auch unter folgender Adresse erwerben:

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Von Steuben Str.5, 67549 Worms
Berthold Röth Tel. 06241-2000-314
e-mail: berthold.roeth@kvg-worms.de

Liste 5 der Buchneuheiten Avantgarde – Underground – Trash

Mai 21, 2013

Die vorhergehenden Listen können noch allesamt im Archiv unter wormsverlag.wordpress.com abgerufen werden.

Klaus Theweleit: Buch der Königstöchter
Das Pocahontas-Projekt / Buch 2:
Königstöchter. Von Göttermännern und Menschenfrauen

Ca. 700 S., Pb., Stroemfeld 2013 38,00 EUR
Am Anfang war die Einwanderung. Am Anfang von was? Am Anfang von dem, was wir heute »Europa« nennen. So ca. 2000 Jahre v. u. Z. (-2000) wandern verstärkt und in mehreren »Wellen« Indogermanen von Nordosten her in die Gebiete ein, die wir heute als »Griechenland« kennen. Die hießen nicht immer so. Wie deren vorgriechische Bewohner sich nannten, wissen wir nicht. Sie schrieben nicht; sie wurden ausgelöscht; oder den Einwandernden assimiliert. Alle Namen, die wir heute haben, sind die der siegreichen Neuankömmlinge; Namen der Kolonisatoren, der »Griechen« eben (die auch noch nicht schrieben als sie eintrafen). Die »Griechen« entwickelten dabei eine besondere Kunst der Erzählung (bzw. des Gesangs); Formen, die wir heute als »Mythos« bezeichnen. Erste Funktion dieser Mythos-Erzählungen war es, die eigenen (Un)Taten zu verschönern; auf deutsch (bzw. griechisch): die eigenen Taten der Landnahme als Taten von Göttern und Titanen zu besingen – ein Dreh, aus dem Worte wie »Genie« und »genial« sich gebären ließen. Der historisch-alte Grieche fühlt sich als göttlich (so wie heute jeder durchschnittliche Amerikaner). (Und jeder durchschnittliche eurasiatische I-pod-Besitzer wahrscheinlich auch. I-pod = I-god). Zur Landname braucht man Medien (nicht nur das Pferd, auf dem Mann reitet). Das Medium, das »die Griechen« wählen, ist der Körper von Königstöchtern; Töchtern der einheimischen Lokalherrscher, die von den Göttern der Griechen (insbesondere Zeus, Poseidon, Apoll) beschlafen (= vergewaltigt) werden. Die kolchische Königstochter Medea, die Ostfrau vom Ende des Schwarzen Meers, mytho-historisch etwa anzusetzen um -1400, die dem seefahrenden Griechen Jason (= Götterabkömmling), in den sie sich »verliebt«, das Goldene Vließ ausliefert, ist schon eine Spätfigur dieses Prozesses.Die Schrift-Heroen Hesiod und Homer stehen nicht – wie heutige Medienlegende will – am Anfang einer neuen Großkultur (der unseren); sie bilden zunächst einmal einen Endpunkt: sie schreiben auf (mit der neuen Medientechnologie des griechischen Vokalalphabets), was in den 1000 Jahren, die hinter ihnen liegen, griechische Einwanderer sich ausgedacht, erzählt bzw. gesungen haben: bis hin zu ihnen nur mündlich kolportierte, weitergegebene und variierte Geschichten von Göttern, die Menschenfrauen beschlafen, Königstöchter, welche ihnen Kinder zu gebären haben: die sog. Heroen; Perseus, Theseus, Herakles usw.; letzterer z. B. ist der Sohn, den Gottvater Zeus in die Königstochter Alkmene pflanzt in der berühmten thebanischen Nacht, in der es den Ehemann Amphitryon in zweifacher Ausfertigung gibt. So wie Zeus (als Schwan) die schöne Helena in die Königstochter Leda pflanzt, aus deren Schönheit dann der Trojanische Krieg erwächst (wo durch den Fall Troias das nördliche heutige Kleinasien unter griechisch kolonisiertes Gelände fällt). All dies ist Stoff der singenden Griechen spätestens seit der sog. Palastkultur; Kultur von Mykene (ab etwa -1600). Buch der Königstöchter zeichnet den Weg der griechischen Landnahme über die Körper von ca. 30 geschwängerten Königstöchtern nach, deren Vaterkönige (infolge dieser »Schwängerungen ohne Ehemann«) ihre Töchter großenteils verstoßen und (infolge der sich anschließenden »mythologischen« Auseinandersetzungen) ihr Land – an die einwandernden Griechen – verlieren. Eben so, wie der »Indianer-König« Powhatan in Virginia, Nordamerika, sein Land an die englischen Einwanderer verliert, nachdem seine Tochter Pocahontas (mythologisch exakt nach Medea-Modell die Retterin des Kolonisten John Smith) in die Hände der englischen Götter geraten war; so wie der reale Prozeß bei normaler Einwanderung und Landnahme eben verläuft: die einheimischen Männer werden erschlagen, die Frauen vergewaltigt. Manchmal entsteht eine neue Mischbevölkerung wie in Mexiko: die Chicanas/Chicanos, la raza; (positiv konnotiert); eingeleitet über die mythohistorische Kazikentochter La Malinche, der es gelingt, an der Seite des Conquistadors Cortés eine feurige Kämpferin für die Sache der Spanier (und Christin) zu werden; die Sache der Götter, nachdem ihre eigene Kultur sie zur Sklavin degradiert hatte. Am Anfang war die Einwanderung: auch von dem, was heute »Amerika« heißt. Da muß die Landnahme nicht erst entschlüsselt werden. Sie liegt auf der Hand bzw. in amerikanischer Erde in Form gebleichter Knochen sog. Indianer bzw. auf dem Grund des Atlantischen Ozeans als breite Straße afrikanischer Knochen – wie Amiri Baraka schreibt – (und zwar in Gedichtform schreibt, als poetisch-historischer Tiefseetaucher, dem– mit allem Jazz der Welt im Ohr, mit aller black music,das aufgebrezelte Geschwätz von »kein Gedicht mehr nach Auschwitz« so egal ist, wie der jüdische Anspruch auf das Recht der historisch beispiellosen Vernichtung in der Shoah durch die deutschen Nazis). »Shoah« ist ein Permanentfaktum wenn nicht der »Menschheitskultur «, dann zumindest der Geschichte der eurasiatischen Populationen, der glorreichen Ackerbauern- und Siedlergeschichte. Ich wäre nicht unbedingt so stolz wie die heutige Türkei es ist auf ihre Erstkultivierung der Äcker und Seßhaftwerdung umherziehender Sammler und Jäger im sog. Fruchtbaren Halbmond ca 10.000 Jahre v. u. Z.: auf die Erfindung der Wiege also des Kriegs als Zivilisierungsmittel; die Erfindung von Mord und Totschlag; die Erfindung des Leichenhaufens als permanenter Einrichtung vorm Palast des Herrschers. Eine Erfindung, in der es den »Gegensatz« von Orient und Okzident übrigens nicht gibt; ca. 9000 Jahre lang nicht gibt, bis einwandernde Indogermanen aus Zentralasien, sich selbst so nennende »Griechen« mit ihrem Gewaltherrscher Zeus auf dem Panier (dem ersten weltbekannten Groß-Arier), diesen Graben zu graben und dann zu zementieren beginnen (mit Eisenwaffen, Schiffbau, schicken Säulentempeln und phonetischer Alphabetschrift.*). Differenzierungen: Medea – die sich in den Kolonisator »verliebt« – gibt es (schon in der antiken Literatur) – in vielen Wendungen. Nicht immer ist sie die, als die sie heute (eher moritatenmäßig) den Stadttheatern geläufig ist: die Mutter mit dem Messer. Beim Autor des »Argonautenepos « Apollonius v. Rhodos (um -250) gelangt sie heil als Ehefrau des griechischen Vließräubers Jason in dessen Heimatstadt Iolkos in Thessalien; und das Epos endet, bevor sie überhaupt ihr erstes Kind gebiert. Solche Wendungen der Geschichten haben immer ihren politischen Hintergrund im jeweiligen Herrschaftsgebilde, in welchem die Autoren schreiben, sowie in ihrer eigenen Interessenlage (und ihren poetischen Qualitäten selbstverständlich). Medea bei Euripides in Athen ist eine andere als bei Apollonius im hellenistischen Alexandrien, bei Ovid im augusteischen Rom oder bei Seneca unter Nero.Besonders kraß ist das zu studieren am Fall der mythohistorischen phönizischen Königstochter Dido, später Königin von Karthago. In ihrer Figur (in der literarischen Denunziation ihrer Figur) handelt der römische
Hofschriftsteller Vergil sowohl die militärische Vernichtung der Stadt Karthago (-141) als gerechtfertigt ab; wie auch den gerade eben vom Römer Octavian erzwungenen Selbstmord der nordafrikanischen Königin Kleopatra nach ihrem fehlgeschlagenen Versuch, in einer einzigen neuen Dynastie zu vereinigen: fehlgeschlagen zunächst mit Gaius Julius Cäsar und dann mit dem Feldherrn Marcus Antonius. Der erste wird ermordet (sein Sohn mit Kleopatra namens Kaisar war als Thronfolger vorgesehen), der zweite wird besiegt vom späteren Augustus. Vergil besingt den Sieger Augustus in seiner Aeneis, macht böse Hexen aus Dido/Kleopatra und verschafft Rom eine neue historische Genealogie (= geboren aus den Aschen des nur durch griechischen Betrug besiegten Troja). Auf diese Weise sind »mythische« und politische »Realgeschichte « unentwegt miteinander verzahnt. Buch der
Königstöchter folgt der Spur der kolonisierenden Landnahme von den Körpern der frühen gottgeschwängerten prä-griechischen Königstöchter – die in den Bildern der großen Renaissancemaler und der späteren europäischen Malerei nicht ohne Grund eine furiose Auferstehung erleben – über die Asiatin Medea, die phönizisch/karthagische Dido, zur mexikanischen Malinche, zur nordamerikanischen Pocahontas (und einigen weiteren) bis hin zu James Camerons 3D-Film Avatar (2009). Auch Cameron (Landnehmer im Bereich digitaler Film erfindungen) erobert sein technologisches Neuland und entfaltet seine »Utopie« einer neuen WeltallÖkologie über den Körper einer (halb göttlichen, halb animalischen, computeranimierten) Häuptlingstochter, Pocahontas 2010.

Peter Geimer: Derrida ist nicht zuhause
Begegnungen mit Abwesenden

256 S., geb., Philo Fine Arts 2013 20,00 EUR
Was eigentlich sieht der bildungsbeflissene Urlauber, wenn er bei der Besichtigung von Albert Einsteins Berner Arbeitszimmer belehrt wird, genau hier sei die Spezielle Relativitätstheorie entwickelt worden? Warum vertieft sich der Leser in eine Sondernummer über die „Dekonstruktion der Philosophie“ in ein Foto, das nicht Jacques Derrida, sondern seine Pfeifensammlung zeigt? Und ist der Herr, der zufällig neben Derrida saß, als dieser in einem der Cafes von Montparnasse portraitiert wurde, jetzt Teil der Philosophiegeschichte? „Reliquien, Reste, Zeugs“ bezeichnet der renommierte Literaturkritiker und Philosoph Peter Geimer neben seinen Abhandlungen zu Wissenschafts- und Bildgeschichte als Schwerpunkte seiner Forschung. Seine jetzt vorgelegte Portraitsammlung entspinnt sich in einem kunstvoll gewobenen Netz aus wechselseitigen Bezügen zwischen realen Orten, rätselhaften Gegenständen und historischen Persönlichkeiten. So offenbart sich die Faszination intellektueller Stars als Phänomen und zugleich Paradoxon: Denn Star ist nur, wer noch da gesucht wird, wo er längst nicht mehr ist. Peter Geimers „Begegnungen mit Abwesenden“ sind eindrückliche Portraits, u.a. von William Turner, Martin Heidegger, Marcel Proust – und natürlich Jacques Derrida.

Christian Y. Schmidt: Wir sind die Wahnsinnigen
Joschka Fischer und seine Frankfurter Gang

400 S., Verbrecher Verlag 2013 18,00 EUR
Er war Straßenkämpfer, Oppositionsführer, Außenminister und Vizekanzler. Er war lange Zeit der beliebteste Politiker Deutschlands. Doch der Aufstieg des Joschka Fischer hat sich anders vollzogen, als dieser es darstellt. Wie wurde der Linksradikale zum Staatsdenker und schließlich zum Unternehmer in eigener Sache? Christian Y. Schmidt zeigt, wie Fischer und seine Gang es geschafft haben, aus der Sponti-Szene heraus wichtige Posten in Frankfurt am Main und Hessen zu erobern – und wie sie dabei ihre früheren Ideen und Ideale verleugneten. Auch 15 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen ist diese biografische Studie noch immer aktuell – und liegt endlich wieder in erweiterter Neuausgabe vor. Christian Y. Schmidt, 1956 geboren, war bis 1996 Redakteur des Satiremagazins Titanic. Seitdem arbeitet er als freier Autor und ist Senior Consultant der Zentralen Intelligenz Agentur sowie Rotationskommunist. 2008 erschien das Reisebuch »Allein unter 1,3 Milliarden«, 2009 der China-Crashkurs »Bliefe von dlüben« und 2010 die autobiografische Skizze »Zum ersten Mal tot«. 2011 erschien im Verbrecher Verlag »Im Jahr des Tigerochsen«, 2013 folgte »Im Jahr des Hasendrachen«.

Peter O. Chotjewitz: Mein Freund Klaus
576 S., geb., Neuausgabe, Verbrecher Verlag 2013 (im Oktober) 32,00 EUR
Der Brisanz des Materials entspricht die Radikalität der literarischen Mittel. In diesem Roman liegen die Fakten auf dem Tisch. Kühn im Aufbau schreibt Chotjewitz über seinen Freund Klaus Croissant, der als Strafverteidiger schikaniert, als angeblicher Drahtzieher des internationalen Terrorismus verfolgt und nach der Annexion der DDR durch die Bundesrepublik 1990 wegen staatsfeindlicher Agententätigkeit abermals verurteilt wurde. Penibel recherchiert, detailgetreu und kühl erzählt, steht der Roman in einer Linie mit Chotjewitz skandalösem Romanfragment über die RAF aus dem Jahr 1978 „Die Herren des Morgengrauens“.

David Graeber: Direkte Aktion
450 S., Pb., Edition Nautilus 2013 (erscheint im März) 24,00 EUR
Der Occupy-Aktivist und Ethnologe David Graeber legt hier ein Standartwerk vor. Er beschreibt was Direkte Aktion ist und wie sie funktioniert. Entstanden ist ein vielfältiger, spannender und höchst lesenswerter Jetzt-schon-Klassiker über zivilgesellschaftliches Engagement und die Grundlagen der Basisbewegungen.

Dario Fo, Gianroberto Casaleggio, Beppe Grillo
5 Sterne – Über Demokratie, Italien und die Zukunft Europas

192 S., Pb., Tropen 2013 (erscheint am 21.Juni) 14,95 EUR
In den ersten zwei Wochen im italienischen Original wurde es bereits 50 000 mal verkauft und schoss sofort in die Top Ten der dortigen Bestsellerliste. Es ist eine Abrechnung und zugleich ein Manifest für ein ganz anderes Europa. „Wir erleben eine historische Veränderung – der Kultur, der Politik, der Wirtschaft. Dieser Bewegung geht es nicht darum, irgendwelche Allianzen zu diskutieren. Es geht darum, dass die Bürger selbst Teil des Staats werden.“ (Beppo Grillo). Alles über die 5-Sterne-Bewegung Beppo Grillos und den politischen Wandel Europas. Drei Intellektuelle, die Italien nachhaltig prägen, machen Europa und dem Rest der Welt ein beispielloses Phänomen verständlich. Sie schlagen neue Wege der direkten Demokratie für Italien, Europa und der Welt im digitalen Zeitalter vor: provozierend, ironisch, kreativ und konstruktiv. Italien muss endlich die Hydra der Korruption besiegen. Es braucht ein Wirtschaftssystem, das den Menschen und nicht den Banken dient. Dario Fo, Grillo und Casaleggio fordern die italienische Gesellschaft und die europäischen Demokratien heraus. Sie wollen die Spielregeln ändern: nicht irgendwann, sondern jetzt! Politik darf sich nicht mehr in Machtspielen erschöpfen. Politik muss es den Bürgern wieder ermöglichen, authentisch und verantwortungsbewusst aktiv zu werden. Auf einem imaginären Spaziergang von Athen nach Piräus rufen die drei Autoren die erste Demokratie in Athen und ihre Bedeutung für uns in Erinnerung. Sie diskutieren Vorschläge, beschreiben ihr Programm und blicken nach vorn auf die Herausforderungen der Zukunft. Es werden Fragen zu Arbeitsmarkt, Euro, Einwanderung, Steuern und Demokratie überraschend, witzig, originell und konstruktiv beantwortet. Dario Fo, geboren 1926, Nobelpreisträger für Literatur im Jahr 1997, engagiert sich für eine Kultur des sozialen Engagements. Seine Theaterstücke werden in Italien und dem Ausland erfolgreich aufgeführt, seine Werke in viele Sprachen übersetzt. Fo ist mit der Schauspielerin und politischen Aktivistin Franca Rama verheiratet. Gianroberto Casaleggio, geboren 1954 in Mailand, war Geschäftsführer bei Olivetti. Er gründete den Internetdienst Webegg. Heute ist er Unternehmer und besitzt eine Agentur, die den Internetauftritt Grillos betreut. Beppe Grillo, geboren 1948 in Genua, erfolgreicher Komiker und Schauspieler, sowie einer der weltweit beliebtesten Blogger. 2007 gründeten Casaleggio und Grillo ihre politische „5-Sterne-Bewegung“, die sie seither im Internet auf- und ausbauten. In Italien und in der ganzen Welt genießt ihr Blog große Aufmerksamkeit und hohes Ansehen.

Julian Assange: Cypher Punks
200 S., Pb., Campus 2013 16,99 EUR
Dieses Buch ist eine Kampfansage. Sie stammt von einem der Freiheitskämpfer des Internetzeitalters: Julian Assange – US-Staatsfeind Nr.1 und weltweit gesuchter Netzwerkaktivist. Das Internet ist eine riesige Spionagemaschine, sagt Assange. Alles, was wir hier übertragen, wird gespeichert und ausgewertet. Regierungen weltweit greifen nach der Netzkontrolle. Ihre Komplizen, Unternehmen wie Google, Facebook, PayPal und Co, sind längst in das Geschäft mit den Daten eingestiefen und verkaufen sie meistbietend. User aller Länder vereinigt euch und schlagt zurück fordert der Mitbegründer von WikiLeaks.

Adam Wilson: Flatscreen
352 S., geb., Metrolit 2013 21,99 EUR
Jedes Zeitalter hat seine eigenen Antihelden. Heute sitzen sie vor Flachbildschirmen und führen im Netz eine bedeutungslose Schattenexistenz. Adam Wilson zeichnet in seinem Roman den Cyberloser schonungslos und doch liebevoll. Sein Bademantel ist das Gegen(kleidungs)stück zum Superheldenkostüm. Das rote, gelbe, knallbunte Cape von Superman und Co. Ist ein Zeichen für die Energie und Geschwindigkeit der Kämpfer für das Gute. Männer aber, die sich außerhalb der Nasszelle oder des Spa in einem Bademantel blicken lassen, gelten spätestens seit „The Big Lebowski“ als Verlierer und Slacker, denen es zu anstrengend ist, ein Versprechen einzuhalten oder morgens eine Hose anzuziehen. Eliah Schwartz, 20 Jahre / Body Mass Index 25+ / Kontostand: (-), ist so ein Typ, der oft im überdimensionierten Frottee-Airbag durch die Vorstadt radelt und ein ranziges Phlegma ausstrahlt. Eli nimmt zu viele Drogen, kennt zu wenige Menschen und ist mit den Figuren auf Flachbildschirm per Du, den Soap-Opera-Aphoristikern und Facebook-Feinden. Wer denkt, dass die Story vom Verlierer im Bademantel seid dem Dude (Jeff Bridges!) auserzählt ist, muss „Flatcreen“ lesen.

Friedrich Glauser: Dada und andere Erinnerungen aus seinem Leben
128 S., geb., Limmat Verlag 24,50 EUR

Friedrich Glauser
160 S., mit Fotos, Limmat Verlag 32,00 EUR
Erinnerungen von Emmy Ball-Hennings, J. R. von Salis, Berthe Bendel, Hulda Messmer, Ernst Messmer, Martha Meyer-Messmer, Martha Ringier, Josef Halperin, Friedrich Witz u.a.

Hannes Binder: Glauser
Sieben gezeichnete Geschichten von, zu, mit und um Friedrich Glauser
560 S., geb., Limmat Verlag 68,00 EUR
„Im dicken Wunderwerk sind Romane und Geschichten versammelt, aber auch frei flottierende Bildergeschichten nach Glauser-Motiven wie „Wachtmeister Studer im Tessin“, „Glausers Fieber“ oder „Dada“. Gerade letztere ist ein atemberaubender Bilderbogen von höchster Kunstfertigkeit. Dada geht hier in den Surrealismus über.“ (Strapazin)

Friedrich Glauser: Kif
Friedrich Glauser liest seine Erzählung „Kif“
Digitales Hör- und Lesebuch, 10 S., 15 Min., Limmat Verlag 6,00 EUR
Lesen Sie „Kif“ und lassen Sie sich die Erzählung gleichzeitig von Friedrich Glauser vorlesen! Im beigefügten Tondokument – der einzigen Originalaufnahme mit Friedrich Glausers Stimme aus dem Jahr 1937 – liest der Autor seine im selben Jahr entstandene Erzählung über seine erste Erfahrung mit Haschisch vor.

Franz Jung: Das Trottelbuch
96 S., geb., Edition Nautilus 2013 (erschienen 9.Januar) 14,00 EUR
Zum 50.Todestag von Franz Jung am 21.Januar 2013 sein skandalöses Buch als Sonderausgabe. Als vor 100 Jahren das Trottelbuch erschien, war das ein fulminantes Debüt eines Autors, der später zu einer Legende wurde. Ein „junger Wilder“, der in München und Berlin in der literarischen Subkultur verkehrte, provozierte die bürgerlichen Vorstellungen zutiefst. In einem Cafehaus sitzen ein paar junge Männer, trinken und lesen sich ihre Texte vor. Heftig, abgehackt und assoziativ hält die Künstlerboheme mit ihren Saufgelagen und ihrer Wut auf Gutbürgerliche Einzug in die Literatur. Der Zerfall der bürgerlichen Identitäten, der Geschlechterrollen, die Befreiung der Sexualität – der Einbruch der Moderne in die psychologische Verfasstheit finden sich in der Figur des „Trottels“ wieder, der willensschwach, dämonisch und barbarisch auftritt und zutiefst einsam bleibt. Franz Jung hatte in Leipzig, Jena und Breslau Volkswirtschaft, Jura, Kunst und Theologie studiert und war 1911 nach München gezogen. Hier war er in engen Kontakt mit Erich Mühsam und der Münchner Boheme. 1913 zog er nach Berlin und gehörte dort zum Kreis der Künstler, aus denen die Dada-Bewegung entstand. Jung führte ein abenteuerliches Leben als Roman- und Theaterautor, Herumtreiber und revolutionärer Aktivist.

Erich Mühsam: Tagebücher
Band 5 / 1915 – 1916

320 S., geb., Verbrecher Verlag 2013 (erscheint November) 28,00 EUR
Das Jahr 1916. Ein Ende des Weltkriegs ist nicht abzusehen. Mühsam ist in München zur Untätigkeit verdammt. Seine Meinung darf er nicht öffentlich sagen, es ist einsam um ihn geworden. Also verfolgt er die Berichte von den vielen Fronten und macht sich sein eigenes Bild. Zerstörung, millionenfaches Leid, die Triumpfe der Militärtechnik mit U-Boot Krieg, Giftgas und die Bombardierung wehrloser Städte quälen ihn. Auch der Völkermord an den Armeniern, von der deutschen Politik gebilligt, beschäftigt ihn, doch es bleibt ihm nur, das Ausmaß für die Nachwelt fassbar zu machen. Nur die militärische Niederlage Deutschlands kann Europa retten, begreift er nun. Verzweifelt forscht er nach Möglichkeiten, die Wahrheit zu verbreiten, Widerstand und Revolte zu schüren. Doch seine Suche nach Verbündeten bei Schriftstellern wie Heinrich Mann oder bei linken Sozialdemokraten wie Karl Liebknecht führt nicht weit. Im Herbst 1916 endlich kommt es zu Protesten in München. Beginnt der Aufstand der Massen gegen den Krieg? Mühsam fasst neuen Mut und bereitet sich auf seine historische Rolle vor. Erich Mühsam, 1878 in Berlin geboren, war Dichter und politischer Publizist. Er war maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt, wo er zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt wurde. 1933 wurde er verhaftet und am 10.Juli 1934 im KZ Oranienburg ermordet.

Ju Innerhofer: Die Bar – Eine Erzählung
224 S., geb., Metrolit 2013 16,99 EUR
Was New York in den letzten Jahrzehnten war, ist Berlin heute: Magnet für Hedonisten weltweit. Einer der Gründe: nirgends sonst wird so hart gefeiert. Innenaufnahmen des Exzesses. Die Autorin Innerhofer kennt das Berliner Nachtleben. Vom Ausgehen – und weil sie in einigen der wichtigsten Clubs der Stadt gearbeitet hat. Sie weiß um die Freiheiten der Nacht, den Exzess, die Gemeinschaft. Der Club als Heterotopie – als Ort, an dem die draußen geltenden Gesetze suspendiert sind. Innerhofer weiß auch, wie man sich nach zwei Tagen Selbstauflösung fühlt und wie ein Club riecht, wenn alle Gäste gegangen sind. Nun hat sie einen Roman geschrieben, der all dieses Wissen verdichtet: „Die Bar“. In 30 Jahren wird er dieselbe kopfschüttelnde Ehrfurcht auslösen, mit der wir heute auf den Wahnsinn von Woodstock zurückblicken.

Yok: Punkrocktarif
Mit dem Taxi durch die extreme Mitte

154 S., Gegen-Kultur Verlag 2012 10,00 EUR
Der Autor ist eine Autonomen-Legende, Punkrocker, früher bekannt als Quetschenpaua, Sänger der „Tod- und Mordschlag“ und „Revolte Springen“ – seine Lieder waren Hymnen der Bewegung. Nun hat er lesenswerte Taxifahrten-Berichte aus Berlin verfasst. Lesenswerte Lektüre.

Colin MacInnes: Absolute Beginners
320 S., geb., Metrolit 2013 19,99 EUR
In diesem bereits 1959 erschienen Buch wird die Urszene der britischen Jugendbewegung beschrieben: den Split in Teddy Boys und Mods. Die Jugendkultur der Teddy-Boys, elegant gekleidete Rockabilly-Fans, wurde langsam durch die Roller-fahrenden Mods abgelöst. Die Mods übernahmen von den Teds den Hang zu schmal geschnittenen Anzügen und guten Schuhen, hörten aber Jazz und Soul. Ihr Mode- und Musikgeschmack unterschied sie von ihren großen Gegnern, den Lederjacken-tragenden Rockern, die mit den Teds die Vorliebe für Rock `n`Roll teilten. Aus diesen beiden britischen Subkulturen entwickelte sich ein Gutteil jener Jugendbewegungen, die Großbritannien – und weite Teile des Westens – in den folgenden Jahrzehnten prägen sollten.

Frank Schäfer: Metal Störies
Der heißeste Scheiß auf Gottes großer Festplatte

144 S., geb., Metrolit 2013 16,99 EUR
Heavy Metal gilt vielen als zu brachial im Sound, zu simpel in den Texten und zu albern in der Inszenierung der meist langhaarigen Musiker. Wie ignorant dieser Langweiler-Konsens ist, zeigt das Buch „Metal Störies“. Darin erzählt der Autor, 1966 geboren, vom Aufwachsen in der westdeutschen Provinz, vom ersten Golf mit übersteuerter Musikanlage, wilden Festivalerfahrungen, Luftgitarrengeschwadern – und der Rolle, die Death Metal bei der Bewältigung von Liebeskummer spielen kann. Wer das liest, dem wächst Heavy Metal nicht nur zwangsläufig ans Herz. Man versteht auch, worum es dieser Musik und ihren Fans geht.

Max Dax, Anne Waak (Hrsg.)
Spex – Das Buch. 33 1/3 Jahre Pop

480 S., geb., Metrolit 2013 28,00 EUR
Die Zeitschrift Spex als bloße Musikzeitschrift abzutun, wäre eine Untertreibung. In dem Magazin wurde und wird der bessere, weil spannendere Kulturjournalismus geprobt, der die großen Thesen nicht fürchtet und sich gerne auch im Ton vergreift. Spex war nach den Hippies das Sprachrohr der nächsten Generation, der Punk- und New Wave-Bewegung. Jedoch ging es nie nur um Musikstile. Bis heute spiegelt sich in Spex die Avantgarde gesellschaftlicher Entwicklungen. Oder besser, eine Art Monitor, auf dem sich bunt und grell abspielt, was sich im Rest der Gesellschaft erst langsam und diffus formt. Das lesen zu können, zu deuten und zu bewerten, war und ist die Kompetenz der Spex.

Peter Hook: Unknown Pleasures
Die Joy-Division-Story
320 S., geb., Metrolit 2013 21,99 EUR
Der Autor war Bassist der Band Joy Division und veröffentlicht nach dreißig Jahren nun deren Geschichte. Der 23jährige Sänger der Band, Ian Curtis, hatte sich 1980 das Leben genommen. Die beiden einzigen Studioalben haben die Popmusik bis heute geprägt. Zwei Filme gibt es inzwischen über die Band. Immer noch laufen die großen Songs wie „Love will tear us apeart“ oder „Transmission“. Peter Hook, der mit den anderen Bandmitgliedern später als „New Order“ weitermachte, schreibt authentisch über die damalige Zeit und das lohnt auch heute noch zu lesen.

Alen Mescovic: Ukulele Jam
352 S., geb., Metrolit 2013 21,99 EUR
Hier setzt ein junger Bosnier seinen Erlebnissen im jugoslawischen Bruderkrieg die Unbeschwertheit und den Willen zur unversehrten Jugend entgegen: Mit viel Witz und unaufdringlicher Klugheit – und dem Sound der 90er. Ein smartes Stück Popliteratur unter Granatenbeschuss.

Thomas Meinecke: Analog – Kolumnen
120 S., Pb., Verbrecher Verlag 2013 (erscheint Oktober) 14,00 EUR
Thomas Meinecke erzählt von seinem Dasein als DJ, der Entstehung von Plattensammlungen, ersten Erfahrungen mit dem, was angesagt ist, und natürlich von Musik: über Musiker und Musikerinnen, Platten und Labels, Clubs und ein Lebensgefühl. Meinecke schildert, wie Techno und House die Menschen in London, Berlin, Schmalkalden, Bahia oder New York miteinander verbinden. „Analog“ versammelt die Kolumnen Meineckes aus dem Magazin Groove der Jahre 2007 bis 2013. Jeder Kolumne ist eine farbige Zeichnung von Michaela Malian zur Seite gestellt. Meinecke ist Schriftsteller, Musiker und DJ und 1980 Begründer der Band F.S.K. (Freiwillige Soziale Selbstkontrolle), die bis heute in fast gleicher Besetzung auftritt. Er hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Hörspiele veröffentlicht und dafür zahlreiche Preise erhalten.

Bettina Vibhuti Uzler: Party am Abgrund
Meine Nomadenjahre im Drogen- und Technorausch

Eine Aussteigerin erzählt
288 S., Pb., Eden Books 2013 12,95 EUR
Die Autorin verliert sich im Nomadendasein in der Technoszene bist ein spiritueller Meister ihr zurück ins Leben hilft. Die Techno- und Ravekultur erfreut sich seit einigen Jahren wieder wachsender Beliebtheit. Anhänger der Szene sehnen sich nach einem Kick im Alltag, wünschen sich Abwechslung und Euphorie. Insbesondere bei jungen Menschen wird das Bedürfnis nach einem Aussteigerleben immer größer. Viele der Technobegeisterten greifen dabei regelmäßig zu verbotenen Substanzen, um ihre Körper in Extremzustände zu versetzen. Das Buch gibt einen ungeschminkten Einblick in die Drogen- und Technoszene und zeichnet das packende Portrait einer Subkultur. Mit 23 Jahren wird Bettina Vibhuti Uzler als Drogenkurierin erwischt und landet im französischen Frauenknast. Nach ihrer Freilassung wird sie Teil der Freetekno-Bewegung, reist durch Europa und organisiert illegale Partys. In der Technoszene findet sie ein Zuhause. Doch auf die Ekstase folgt der Absturz: Bettina lebt ohne Dach über dem Kopf und verliert sich im Drogenrausch. Ein spiritueller Meister hilft ihr schließlich, aus der Szene auszusteigen. In ihrem Buch erzählt sie fesselnd von ihren waghalsigen Höhenflügen, ihrem Absturz und ihrem Weg ins neue Leben. Heute arbeitet sie als Therapeutin in eigener Praxis am Institut für Beziehungsdynamik in Berlin. Ein mitreißender Bericht einer jungen Frau auf Sinnsuche und ein gewagtes Portrait der Drogen- und Technoszene aus der Perspektive einer Aussteigerin.

Pussy Riot ! Ein Punk Gebet Für Freiheit
144 S., Edition Nautilus 2012 9,90 EUR
Pussy Riot ist ein feministisches Kunst-Performance-Kollektiv aus Moskau. Gegründet 2011, machen sie öffentliche Performance-Auftritte als Angriff auf die russische Politik. Im Februar 2012 wurden drei Mitglieder der Gruppe verhaftet, nachdem sie in der Christi-Erlöserkirche in Moskau in bunten Strumpfmasken mit einem „Punk-Gebet für Freiheit“ gegen Putin protestiert hatten. Maria Aljochina, Nadescha Tolokonnikowa und Jekaterina Samuzewitsch wurden zu feministischen Ikonen, ihre Verhaftung und die Gerichtsverhandlung wurden von Aktivisten und Künstlern in der ganzen Welt solidarisch begleitet und sie waren auch nominiert für den „Preis für das Unerschrockene Wort“ der Lutherstädte durch die Stadt Wittenberg. Trotz der Unterstützung und der Medienaufmerksamkeit in Russland und im Ausland wurden sie im August 2012 schuldig gesprochen und zu zwei Jahren Haft im Straflager wegen „Rowdytum aus religiös motiviertem Hass“verurteilt.

Yoko Ono: Half-A-Wind Show
208 S., geb., Prestel 2013 39,95 EUR
Yoko Ono ist eine der einflussreichsten Künstlerinnen unserer Zeit. Die anlässlich ihres 80.Geburtstags erscheinende Publikation präsentiert eine charakteristische Auswahl der letzten 60 Jahre ihres Schaffens und beleuchtet so die mediale Vielfalt im Werk der Künstlerin sowie die zentralen Themen ihr 0Euvres. Besondere Aufmerksamkeit liegt auf den Arbeiten aus den 1960er- und 70er-Jahren, ihrem Einfluss auf Fluxus-Bewegung, Konzepts- und Performance-Kunst, Environments, Film und Musik sowie ihrem Einsatz für den Frieden. Dies ist die erste Werkübersicht zu Yoko Ono in deutscher Sprache.

tender to all gender – A compilation by Hugs & Kisses magazine
TRIKONT CD US-0448
Peaches / Light Asylum / Junior Senior / Tubbe / Lesbians On Ecstasy / Scream Club / Scott Matthew / Kumbia Queers / Hungry Hearts / Kids on TV / Bernadette LaHengst / Hard Ton Disco Queen / Crazy Bitch In A Cave / Rae Spoon / Sookee / Princessin Hans
Fragwürdig, seltsam, leicht verrückt – wer sich die ursprüngliche Bedeutung des englischen Wortes „queer“ ansieht, stößt auf viele Übersetzungen. Nur wenige davon waren sonderlich schmeichelhaft als damit vor einigen Jahren noch vornehmlich Homosexuelle bezeichnet, genauer: beschimpft wurden. Heute hat queer nicht nur für all jene, die sich selbst so bezeichnen, einen durchweg positiven Klang. Queer, das steht längst für selbstbewusste Normabweichung und Vielfalt, für Eigensinn und sexuelle Emanzipation. Nun aber muss man die Bedeutung von queer abermals erweitern: queer steht auch für musikalische Bandbreite. Denn das nicht kommerzielle Szenemagazin „Hugs and Kisses“, das seit fünf Jahren alle 6 Monate erscheint, hat den Sound ihrer Freund_innen, ihrer Szene, ihrer Partys auf einem bemerkenswerten Sampler kompiliert. Er heißt wie das Motto der Zeitschrift – tender to all gender – und zeigt das ganze Spektrum jener Musik auf, die im queeren Kosmos gehört, geliebt und gelebt wird. Auf dem Sampler haben sich die unterschiedlichsten Künstler_innen zusammengefunden: bekannte Namen und Newcomer, Undergroundstars und Tanzflächengrößen, Trashvirtuosen und Chartskompatible. Ihr Umfang reicht dabei weit über das hinaus, was seit Discozeiten unter „irgendwie anders als heterosexuell“ geprägten Klängen verstanden wird: Vom nostalgisch aufgepeppten HipHop-Funk Can I Get Get Get des dänischen Popduos Junior Senior als Auftakt bis zu Princessin Hans’ theatralischen Gypsyrock Passive Aggressive Romantic Obsessive Richtung Finale, vom federleichten Eurodance In Your Face der norwegischen Performance-Gruppe Hungry Hearts bis zur elektronischen Politkparole Free Pussy Riot der kanadischen Exilberlinerin Peaches.
Daneben steht der getragene technoide New Wave des Berlin-Münchner Elektroduos Tubbe (5 Minute Love), Kumbia Queers fröhlich verspielter Balkan-Housepop Tiro Al Blanco, Unterbrochen von Elektroclash der populären Sorte – zum Beispiel von den kanadischen Kids on TV und dem New Yorker Neo-Indiewave-Duo Light Asylum. Tender to all gender versammelt also eine Menge dessen, was das Herz mit größerem Hang zu digitalen als analogen Klängen begehrt: deutschsprachigen Breakbeat-Rap der Feministin „Quing of Berlin“ namens Sookee oder Crazy Bitch In A Caves operettenhaft androgyne New Disco Dance All Night aus Wien. Partyorientierte Technonummern wie Party Time von Scream Club, natürlich hochpolitische Mitdenklieder à la Ein Mädchen namens Gerd von der Popaktivistin Bernadette La Hengst. Die Zusammenstellung ist bei aller tanzbaren Elektroniklastigkeit ebenso umfassend wie abwechslungsreich und dabei ziemlich emblematisch fürs Lebensgefühl des independent Undergrounds. Was sie allerdings nicht ist und nicht sein will, ist eine Antwort auf die Frage: was ist queere, geschweige denn homosexuelle Musik? tender to all gender liefert weder Definitionen noch Schubladen – nicht mal eine Orientierungshilfe. Die 16 wohlsortierten Stücke zeigen bloß auf, welche Möglichkeiten es gibt, sich jenseits der heteronormativen Wirklichkeit Gehör zu verschaffen. Das Geschlechterverhältnis aktiv durchbrechen tun höchstens die Künstler_innen und dahinter; ein wie auch immer geartetes Selbstbewusstsein queerer Musik formt sich am Ende erst im Ohr des Publikums. „Es geht uns schließlich nicht um Gleichmacherei“, sagt Christiane Stephan, Herausgeberin der Hugs and Kisses. Statt alle über einen Kamm zu scheren, will ihr Magazin samt Compilation lieber „alle möglichen Geschlechter in ihren Unterschieden feiern“. Sie nennt das „Identität als Prozess“. Musik ist da nur der Schlüssel ins Universum der Andersartigkeit, die tender to all gender feiert, als gebe es ein Morgen. Und sei es mit den Mitteln des Pop.

Kate Bornstein: Ein schädlicher Einfluss – Mein mutiges Leben
Die wahre Geschichte eines netten jüdischen Knaben, der bei Scientology landete und zwölf Jahre später zu der hinreißenden Lady wurde, die sie heute ist
352 S., Pb., Eden Books 2013 14,95 EUR
„ich wurde als Mann geboren, und meine Unterlagen sagen jetzt, ich sei eine Frau – aber ich bezeichne mich nicht als Frau, und ich weiß, dass ich kein Mann bin“ (Kate Bornstein). Allein in Deutschland vermerkt das Transsexuellengesetz derzeit 11.514 betroffene Personen, nach Schätzungen kann jedoch von ca. hundertsiebzigtausend Fällen ausgegangen werden. Das Buch stellt den authentischen Bericht einer Betroffenen dar und schildert eindringlich die Suche nach der eigenen Identität. Gleichzeitig bietet es einen Blick hinter die Kulissen der umstrittenen Organisation Scientology. Al Bornstein durchlebt eine behütete Kindheit. Doch schon früh hat er das Gefühl, im falschen Körper zu stecken. Mit Anfang zwanzig überzeugen ihn Scientologen, dass Körper lediglich die Hüllen geschlechtsloser Seelen sind. Er tritt der Sekte bei und bleibt zwölf Jahre lang ein ranghohes Mitglied. Als er erfährt, dass die von ihm akquirierten Spendengelder veruntreut werden, fällt er vom Glauben ab. Al verlässt die Sekte und macht sich mutig auf den Weg, sein eigenes Schicksal zu ergründen. Er wird zu Kate Bornstein, die heute in New York lebt und eine glückliche Beziehung mit einer Frau führt. Kate Bornstein ist eine in der Szene bekannte Transgender-Aktivistin, die bereits mehrere erfolgreiche Bücher veröffentlicht hat. Die ungewöhnlichste Autobiografie des Jahres verbindet mit der Suche nach sexueller, spiritueller und sozialer Identität mehrere hochrelevante Themen.

Ernst Horst: Die Nackten und die Tobenden
FKK – Wie der freie Körper zum deutschen Kult wurde

320 S., Blessing 2013 29,99 EUR
Nacktkultur, Nudismus, Freikörperkultur: FKK ist das gemeinsame textilfreie Schwimmen, Sonnenbaden und Ballspielen in der freien Natur. Der FAZ-Mitarbeiter Ernst Horst schreibt über die heroische Epoche des deutschen FKK zwischen 1949 und 1970 als Gegenbewegung im Wirtschaftswunderland. Reichlich illustriert mit schönen nostalgischen, pittoresken, manchmal exzentrischen Abbildungen aus FKK-Zeitschriften.

Clarisse Thorn: Fiese Kerle?
Unterwegs mit Aufreißern. Ein hautnahes Experiment

352 S., Pb., Eden Books 2013 9,95 EUR
Liebe, Sex, Männlichkeit: Wie Aufreißer ticken – und warum Frauen auf sie reinfallen. Pick-Up-Artists haben es sich zum Ziel gesetzt, ihre Verführungskünste zu perfektionieren, um so eine möglichst große Anzahl an Frauen ins Bett zu bekommen. In den USA bereits seit einigen Jahren eine florierende Subkultur, zählt mittlerweile auch die größte deutsche Aufreißer-Community an die hundertausend Mitglieder. Der bekannteste Pick-Up-Artist ist wohl die Kultfigur Barney Stinson aus der TV-Serie „How I Met Your Mother“. Das Buch bietet einen Blick hinter die Kulissen der Aufreißerszene und begleitet Pick-Up-Artists auf ihren Streifzügen. Die junge Autorin Clarisse Thorn ist in diese Szene eingetaucht, um zu verstehen, wie diese Männer ticken. Hautnah erzählt sie von ihren Erlebnissen in der Aufreißerszene und beleuchtet die Schattenseiten dieser Subkultur. Auch ihr eigenes Liebesleben nimmt Clarisse Thorn unter die Lupe und analysiert es mithilfe der Konzepte, die in der Pick-Up-Szene populär sind. Die ausgeklügelten Taktiken der Pick-Up-Artists helfen ihr dabei, neue Erkenntnisse über zwischenmenschliche Beziehungen und das Flirtverhalten von Männern und Frauen zu gewinnen. Clarisse Thorn ist eine feministische Autorin, die SM praktiziert und bereits mehrere Bücher veröffentlicht hat. Auf ihrem Blog schreibt sie über Feminismus, BDSM und Polyamorie. Sie lebt in San Francisco. Aufreißen als Volkssport ist ein Trendthema! Humorvoller Blick einer jungen Feministin auf die umstrittene Szene mit überraschenden Erkenntnissen.

Michael Diers, Lars Blunck, Hans Ulrich Obrist (Hg.)
Das Interview – Formen und Foren des Künstlergesprächs

344 S., geb., Philo Fine Arts 2013 22,00 EUR
Interviews mit Künstlern haben im Kunstbetrieb seit jeher einen hohen Stellenwert. Was darin an künstlerischen Selbstaussagen zusammengetragen wird, dem kommt der Status einer autoritativen Quelle zu, auf die man sich als Zeugnis beruft. Substituiert also das Interview die Kritik in der Kunstkritik oder entlastet die Kunstgeschichte von der Bürde es Interpretierens? Oder ist es hilfreiches, gar notwendiges Instrument im Diskursfeld der Kunst? Der aufschlussreiche Sammelband geht auf eine internationale Tagung an der Hochschule für Bildende Kunst Hamburg zurück. Er befragt das Künstlerinterview aus verschiedenen Perspektiven nach seinen Potentialen und Problematiken, indem er dessen Traditionen und Funktionen ebenso beleuchtet wie seine Formate, seinen Status und Modus. Zur Sprache kommen auch künstlerische Strategien von Andy Warhol bis Anri Sala, die sich des Interviews als Dispositiv bedienen. Mit Beiträgen von Oskar Bätschmann, Lars Blunck, Matteo Buioni, Hubertus Butin, Michael Diers, Julia Gelshorn, Isabelle Graw, Hans Ulrich Obrist, Peter Schneemann, Gregor Stemmrich und Philip Ursprung.

Sabine Scholl: Mein Alphabet der Männer
224 S., geb. mit Lederimitat, Metrolit 2013 16,99 EUR
Herausgeberin Scholl präsentiert Männer von A – Z in kaum seitenlangen Geschichten auf ihren Status als Lustlieferant. Die Erzählerin erwartet von den Männern weder Unterhaltszahlungen noch emotionale Geborgenheit, sondern einfach nur guten, aufregenden Sex. Scholl versöhnt Eleganz und Pornografie, Feminismus und Erotik. Ein Titel gegen die Lustfeindlichkeit des deutschen Alice-Schwarzer-Feminismus.

Peter Nau: Irgendwo in Berlin – Ostwestlicher Filmdivan
96 S., Pb., Verbrecher Verlag 2013 (erscheint im Juli) 12,00 EUR
Der große Filmkritiker Peter Nau schreibt über Berlinfilme – und damit über die Stadt, über ihr Antlitz im Film und über ihre Veränderung. Er beschreibt das bei Film aus Ost und West, und so auch wie dich Stadtteile sich selber sahen und wie sie sich gegenseitig. Der Band schließt mit dem Aufsatz über „Das Altern des Jungen Deutschen Films“.

Maike Albath: Rom, Träume?
Morante, Moravia Pasolini, Gadda und die Zeit der Dolce Vita

280 S., geb., Berendorf (erscheint August 2013) 25,00 EUR
Mit die schönsten Seiten in der italienischen Nachkriegsgeschichte wurden in Rom zur Zeit des Dolce Vita geschrieben. Während Fellini seine Filme dreht, in denen neben Marcello Mastroianni auch ein gewisser Paparazzo auftrat, drängelten sich Hollywoodschauspieler auf der für Amerikaner ebenso schicken wie billigen Via Veneto. Die Kulturlandschaft jener Zeit wurde aber geprägt von den Freunden um Elsa Morante, Alberto Moravia, Carlo Emilio Gadda, Ennio Flaiano und Pier Paolo Pasolini. Sich mischten sich mit polarisierender Stimme in das politische und kulturelle Geschehen. Mit ihren Büchern und heiß umstrittenen Filmen schrieben sie ein bis heute unvergängliches Kapitel italienischer Kulturgeschichte. Und sie deuteten eine Entwicklung, die Italien nicht loslässt: der viel zu rasante Aufstieg der Medienlandschaft. Maike Albath, geboren 1966 in Braunschweig, lebt in Berlin. Sie ist Literaturkritikerin, hat mehrere Jahre in Turin und Padua gelebt und ist eine der profiliertesten Kennerinnen der italienischen Gegenwartskultur. Ihre Arbeit wurde 2003 mit dem Adolf-Kerr-Preis für Literaturkritik belohnt. 2010 erschien im Berenberg Verlag „Der Geist von Turin. Pavese, Ginzburg, Einaudi und die Wiedergeburt Italiens nach 1943“, ein Buch, das Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung) „so elegant, wie unaufdringlich“ fand.

Tom Folson: Dennis Hopper . Die Biografie
geb. , mit Abb., Blessing 2013 22,99 EUR
Das große Leben eines rebellischen Künstlers. Dennis Hopper konnte seine Autobiografie nicht vollenden: Für dieses Buch standen Bestsellerautor Tom Folsom Hoppers beste Freunde, seine Weggefährten und Widersacher zur Verfügung.

Hans Schmid: Frankenstein Bd.1 (1818 – 1931)
ca. 560 S., ca. 120 Fotos, geb., beleville verlag 48.00 EUR
Hans Schmid: Frankenstein Bd. 2 (1931 – 2013)
ca. 560 S., ca. 120 Fotos, geb., beleville verlag 48,00 EUR
Eine Literatur-, Film- und Familiengeschichte in zwei Bänden
Erscheint in den nächsten 18 Monaten
Als Mary Shelley 1818 „Frankenstein“ veröffentlichte und damit eine der großen Mythen der Populärkultur begründete, war der Roman so aktuell und politisch so brisant, dass sie ihn 1831 für eine Neuauflage umschreiben musste. Das Buch entstand im Zentrum der skandalumwittertsten Familien des 19.Jahrhunderts und ist zugleich das Produkt einer Zeit, in der sich die moderne Medizin entwickelte und der menschliche Körper zur Ware wurde, in der die Armut zum Verbrechen erklärt wurde und sich die Medien erstmals für das Phänomen des Serienmords interessierten. Das alles und noch viel mehr ist in „Frankenstein“ enthalten. Trotzdem wäre der Roman in Vergessenheit geraten, und seine Autorin würden wir nur noch als die Witwe eines berühmten Dichters kennen, wenn es nicht die unautorisierten Bearbeitungen für die Theaterbühne gegeben hätte, die den Stoff erst populär machten und dem Mythos das uns vertraute Gesicht gaben. Die Geschichte von Frankenstein im Film beginnt mit Thomas Alva Edison, dem Vater der Glühbirne, führt hinein in einen der legendären, mit der Erfindung des elektrischen Stuhls endenden Wirtschaftskriege des ausgehenden 19.Jahrhunderts und erreichte zur Zeit der Weltwirtschaftskrise einen ersten künstlerischen Höhepunkt. Die beiden Frankenstein-Filme von James Whale, die Boris Karloff zum Star machten, erzählen von Tabuthemen wie körperlichen und seelischen Verstümmelungen bei Kriegsteilnehmern, Arbeitslosigkeit und einer kriminalisierten Sexualität. Sie begründen eine Tradition des subversiven Horrorfilms in Amerika und entstanden paradoxerweise in den Universal Studios, deren Gründer, der deutsche Immigrant Carl Laemmle, die Firma als Familienunternehmen führte und am liebsten nur Filme für die ganze Familie gemacht hätte, mit Hunden und kleinen Kindern. Ein Familienunternehmen mit interessanter Psychodynamik war auch die Firma Hammer, die den Horrorfilm mit rotem Blut auf halbnackten Busen revolutionierte, Zensoren die Schamesröte ins Gesicht trieb und so erfolgreich Gewalt mit Sex kombinierte, dass sie mit dem „Queens Award to Industry“ ausgezeichnet wurde. Die Hammer schenkte dem Genre mit Peter Cushing und Christopher Lee zwei seiner größten Stars, machte Frankenstein zu seinem eigenen Monster und leitete mit dieser Grenzverwischung eine neue Phase ein, in der sich der Horrorfilm so modernisierte, dass er, obwohl oft totgesagt, bis heute sehr lebendig geblieben ist und weiter seine subversive Wirkung entfalten kann. „Frankenstein“ spürt der skizzierten Entwicklung nach, schreibt sie fort in die Gegenwart und berichtet außerdem über alles, was Sie schon immer über Frankenstein wissen wollten, aber bisher nie zu fragen wagten: Vom Liebesleben der Mary Shelley und vom Monster verschleppte Jungfrauen als Heiligenbild bis zum Geschlechtsteil von Elvis Presley und zur Gallenblase von Andy Warhol. Aufwendigst recherchiert und reichhaltigst bebildert: Das definitive, das ultimative Werk zu Frankenstein und seinen Geschöpfen.

James M. Cain: Abserviert
272 S., geb., Metrolit 2013 19,99 EUR
Niemand konnte die Figur der Femme fatale so beschreiben wie der 1977 verstorbene Schriftsteller James M. Cain. Seine Hard-Boiled-Krimis „Mildred Pierce“ und „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ gehören längst zum Kanon der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Das nun sein bislang verschollen geglaubter letzter Roman erscheint ist eine literarische Sensation. Caine, der Schöpfer des Krimi Noir, galt zu seinen Lebzeiten vielen als einer der wichtigsten Autoren der USA – Camus hielt ihn für den begnadetsten überhaupt. Oft wiederkehrendes Motiv seiner Romane sind Dreieckskonstellationen, in denen eine Femme Fatale zwei Männer um den Verstand bringt, in der Habgier, Hass und falsch verstandene Liebe das Übelste der Menschen nach außen kehrt. Und so ist die Joan in diesem Roman nicht nur eine alleinerziehende Mutter, die nach einer gescheiterten Ehe auf sich alleine gestellt ist und alles für das Wohl ihres Kindes zu tun bereit ist. Sondern sie ist auch die kalt berechnende, um ihre sexuelle Anziehungskraft wissende Frau, die einen vermögenden, alten Mann heiratet und gleichzeitig eine Affäre mit einem jungen, attraktiven Träumer beginnt und bedingungslos ihren Weg geht. Cains Sinn für die menschlichen Abgründe und der lakonische Stil, mit dem er den tiefen Fall seiner Figuren beschreibt, machen „Abserviert“ zu einem späten, posthumen Meisterwerk. Neun Jahre lang hat der Lektor Charles Ardai aus verschiedenen Quellen und Manuskripten Cains letzten Roman zusammengefügt und es hat sich gelohnt.

Antonio Callado: Der Tote im See
Leben und Verschwinden des Colonel Fawcett im brasilianischen Regenwald
144 S., geb., Berenberg (erscheint August 2013) 20,00 EUR
Warum machten sich Anfang der fünfziger Jahre ein paar Journalisten auf den Weg in den brasilianischen Regenwald, um einen Engländer zu suchen, der dort dreißig Jahre zuvor auf der Suche nach einer verschwundenen Stadt verschollen war? Und wieso geht das heute noch jemanden an? Die Antwort liefert diese abenteuerliche Reportage aus der Zeit, als sich Brasilien vom Provinzgigant in einen Protagonisten modernster Entwicklung zu verwandeln begann. Im Auftrag eines publicityhungrigen Medienmoguls besuchte Callado jene indigenen Brasilianer, die damals noch gar nicht wussten, dass sie Brasilianer waren und nichts dabei fanden, jemanden verschwinden zu lassen. Was die Reporter bei ihrer Suche nach Percy Fawcett – dem Vorbild für Steven Spielbergs Indiana Jones – entdeckten, daraus entstand dieses in Brasilien bis heute legendäres Buch. Antonio Callado, geboren 1917, arbeitete während des Zweiten Weltkriegs in London für die BBC, schrieb später für alle wichtigen Zeitungen in Brasilien, berichtete über den Vietnam-Krieg und veröffentlichte Theaterstücke und Romane (darunter „Quarup“, sein bekanntester Roman, der auch auf Deutsch erschienen ist). Als er 1997 in Rio de Janeiro starb, war er einer berühmtesten Journalisten des Landes und ist es geblieben.

Altaf Tyrewala: Das Ministerium der verletzten Gefühle. Gedicht
96 S., Pb., Berenberg 2013 englisch /deutsch 19,00 EUR
„Diese Stadt, diese Stadt“ – ratlos und empört, fasziniert und entsetzt sieht man mit Alta Tyrewala auf seine Heimat Mumbai und die 18 Millionen Menschen, die hier tagtäglich versuchen, sich ein Leben im Chaos zu erkämpfen. Und oft genug verlieren. Der Teeverkäufer Ganesh zum Beispiel, dessen Straßenstand einer Bushaltestelle Platz machen muss und der sogar beim Selbstmord noch Pech hat. Oder Bhanu, eine Dalit, die in einer Hütte neben dem Luxushochhaus ihres Herrn verreckt. Tyrewala lässt sie in seinem zornigen Langgedicht atemlos vorüberziehen und schafft ein einzigartiges Panoptikum des Lebens in einer entfesselten Metropole unter den Bedingungen des globalisierten Kapitalismus; ein einem Land, das sämtliche Widersprüche dieser schönen neuen Welt auf sich vereinigt. Ein „Waste Land“ für unsere Zeit. Altaf Tyrewala, geboren 1977 in Mumbai, Indien, studierte Betriebswirtschaft in New York City und lebt seit 1999 wieder in Mumbai. 2006 erschien sein erster Roman „Kein Gott in Sicht“ in deutscher Übersetzung (Suhrkamp). 2011 war er Gast des Berliner Künstlerprogramms DAAD.

COMICS

Derf Backderf: Mein Freund Dahmer
224 S., Pb., Metrolit 2013 22,99 EUR
Jeffrey Dahmer, genannt das „Milwaukee-Monster“, ermordete zwischen 1978 und 1991 in den USA siebzehn junge Männer. Er verstümmelte die Leichen, löste sie in Säure auf, verspeiste sie zum Teil. 1994 erschlug ihn ein Mitgefangener im Gefängnis. Derf Beckderf ist einer der wichtigsten Comickünstler der USA. Er ist Träger des Robert F. Kennedy Journalism Award und wurde zweimal für den Eisner Award nominiert. Backderf war Klassenkamerad von Jeffrey Dahmer und vielleicht sein einziger Freund. Wer seine Geschichte liest, entdeckt hinter dem „Milwaukee-Monster“ den Menschen Jeffrey Dahmer.

Danielle de Piccotto: We are gypsies now – Der Weg ins Ungewisse
240 S., Pb., Metrolit 2013 22,90 EUR
Die amerikanische Künstlerin Danielle de Piccotto, Mitgründerin der Love-Parade und Ehefrau von Alexander Hacke, dem Bassisten der „Einstürzenden Neubauten“, beschreibt in dieser Graphic Novel wie sie beide zusammen auf dem Sofa nur noch amerikanische TV-Serien sahen und dann eine Entscheidung treffen mussten. Sie entschließen sich, Haus und Haushalt aufzugeben, nicht mehr als Spielfigur den Regeln zu folgen, sondern die Dinge in die eigene Hand zu nehmen. Sie verkaufen das Haus, lösen die langfristigen Verträge, gehen zuerst für ein Filmprojekt nach Wien und anschließend mit den „Einstürzenden Neubauten“ auf eine ausgedehnte Europa-Tournee. „On the Road“ ist jeder Tag surreal, irgendwie magisch. Der Comic ist ein Leitfaden der Minimalismus-Bewegung geworden.

Alle Titel können Sie überall im Buchhandel wie auch unter folgender Adresse erwerben:

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Berthold Röth Tel. 06241-2000-314
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