Archive for April 2013

Interkulturelle Buchneuheiten Liste 32

April 29, 2013

Die vorhergehenden Listen können noch allesamt im Archiv unter wormsverlag.wordpress.com abgerufen werden.

Seit dem 1. April sind die Integrationskursverordnung und die Regelungen für die Einbürgerung verändert: Seit dem 23. April gibt es einen neuen Abschlusstest für die Orientierungskurs („Leben in Deutschland“) und einen neuen Einbürgerungstest.

Orientierungskurs
Band 1: Politik in der Demokratie
Band 2: Geschichte und Verantwortung
Band 3: Mensch und Gesellschaft

Hefte der BRD-Dritte Welt pro Heft 2 Euro

Einbürgerungstest
Band 1: Leben in der Demokratie
Band 2: Geschichte und Verantwortung
Band 3: Mensch und Gesellschaft

Hefte der BRD-Dritte Welt pro Heft 2 Euro
Alle Hefte enthalten viele Einführungstexte zu den Themen der entsprechenden Kurse. Alle Hefte enthalten alle Prüfungsfragen des Tests „Leben in Deutschland“ (460 Fragen mit jeweils vier Antwort-Möglichkeiten). Alle Broschüren entsprechen dem Curriculum (Lehrplan) des BAMF und können in den Kursen verwendet werden. Alle Broschüren eignen sich auch zum Selbststudium und für das Training zum Bestehen der Prüfung.

Katrin Reiners: Interkulturelle Musikpädagogik
98 S., Wißner Verlag Augsburg 2013 19,80 EUR
Über Sinn- und Zweckhaftigkeit des interkulturellen Musikunterrichts

Klaus Theweleit: Buch der Königstöchter
Das Pocahontas-Projekt / Buch 2:
Königstöchter. Von Göttermännern und Menschenfrauen

Ca. 700 S., Pb., Stroemfeld 2013 38,00 EUR
Am Anfang war die Einwanderung. Am Anfang von was? Am Anfang von dem, was wir heute »Europa« nennen. So ca. 2000 Jahre v. u. Z. (-2000) wandern verstärkt und in mehreren »Wellen« Indogermanen von Nordosten her in die Gebiete ein, die wir heute als »Griechenland« kennen. Die hießen nicht immer so. Wie deren vorgriechische Bewohner sich nannten, wissen wir nicht. Sie schrieben nicht; sie wurden ausgelöscht; oder den Einwandernden assimiliert. Alle Namen, die wir heute haben, sind die der siegreichen Neuankömmlinge; Namen der Kolonisatoren, der »Griechen« eben (die auch noch nicht schrieben als sie eintrafen). Die »Griechen« entwickelten dabei eine besondere Kunst der Erzählung (bzw. des Gesangs); Formen, die wir heute als »Mythos« bezeichnen. Erste Funktion dieser Mythos-Erzählungen war es, die eigenen (Un)Taten zu verschönern; auf deutsch (bzw. griechisch): die eigenen Taten der Landnahme als Taten von Göttern und Titanen zu besingen – ein Dreh, aus dem Worte wie »Genie« und »genial« sich gebären ließen. Der historisch-alte Grieche fühlt sich als göttlich (so wie heute jeder durchschnittliche Amerikaner). (Und jeder durchschnittliche eurasiatische I-pod-Besitzer wahrscheinlich auch. I-pod = I-god). Zur Landname braucht man Medien (nicht nur das Pferd, auf dem Mann reitet). Das Medium, das »die Griechen« wählen, ist der Körper von Königstöchtern; Töchtern der einheimischen Lokalherrscher, die von den Göttern der Griechen (insbesondere Zeus, Poseidon, Apoll) beschlafen (= vergewaltigt) werden. Die kolchische Königstochter Medea, die Ostfrau vom Ende des Schwarzen Meers, mytho-historisch etwa anzusetzen um -1400, die dem seefahrenden Griechen Jason (= Götterabkömmling), in den sie sich »verliebt«, das Goldene Vließ ausliefert, ist schon eine Spätfigur dieses Prozesses.Die Schrift-Heroen Hesiod und Homer stehen nicht – wie heutige Medienlegende will – am Anfang einer neuen Großkultur (der unseren); sie bilden zunächst einmal einen Endpunkt: sie schreiben auf (mit der neuen Medientechnologie des griechischen Vokalalphabets), was in den 1000 Jahren, die hinter ihnen liegen, griechische Einwanderer sich ausgedacht, erzählt bzw. gesungen haben: bis hin zu ihnen nur mündlich kolportierte, weitergegebene und variierte Geschichten von Göttern, die Menschenfrauen beschlafen, Königstöchter, welche ihnen Kinder zu gebären haben: die sog. Heroen; Perseus, Theseus, Herakles usw.; letzterer z. B. ist der Sohn, den Gottvater Zeus in die Königstochter Alkmene pflanzt in der berühmten thebanischen Nacht, in der es den Ehemann Amphitryon in zweifacher Ausfertigung gibt. So wie Zeus (als Schwan) die schöne Helena in die Königstochter Leda pflanzt, aus deren Schönheit dann der Trojanische Krieg erwächst (wo durch den Fall Troias das nördliche heutige Kleinasien unter griechisch kolonisiertes Gelände fällt). All dies ist Stoff der singenden Griechen spätestens seit der sog. Palastkultur; Kultur von Mykene (ab etwa -1600). Buch der Königstöchter zeichnet den Weg der griechischen Landnahme über die Körper von ca. 30 geschwängerten Königstöchtern nach, deren Vaterkönige (infolge dieser »Schwängerungen ohne Ehemann«) ihre Töchter großenteils verstoßen und (infolge der sich anschließenden »mythologischen« Auseinandersetzungen) ihr Land – an die einwandernden Griechen – verlieren. Eben so, wie der »Indianer-König« Powhatan in Virginia, Nordamerika, sein Land an die englischen Einwanderer verliert, nachdem seine Tochter Pocahontas (mythologisch exakt nach Medea-Modell die Retterin des Kolonisten John Smith) in die Hände der englischen Götter geraten war; so wie der reale Prozeß bei normaler Einwanderung und Landnahme eben verläuft: die einheimischen Männer werden erschlagen, die Frauen vergewaltigt. Manchmal entsteht eine neue Mischbevölkerung wie in Mexiko: die Chicanas/Chicanos, la raza; (positiv konnotiert); eingeleitet über die mythohistorische Kazikentochter La Malinche, der es gelingt, an der Seite des Conquistadors Cortés eine feurige Kämpferin für die Sache der Spanier (und Christin) zu werden; die Sache der Götter, nachdem ihre eigene Kultur sie zur Sklavin degradiert hatte. Am Anfang war die Einwanderung: auch von dem, was heute »Amerika« heißt. Da muß die Landnahme nicht erst entschlüsselt werden. Sie liegt auf der Hand bzw. in amerikanischer Erde in Form gebleichter Knochen sog. Indianer bzw. auf dem Grund des Atlantischen Ozeans als breite Straße afrikanischer Knochen – wie Amiri Baraka schreibt – (und zwar in Gedichtform schreibt, als poetisch-historischer Tiefseetaucher, dem– mit allem Jazz der Welt im Ohr, mit aller black music,das aufgebrezelte Geschwätz von »kein Gedicht mehr nach Auschwitz« so egal ist, wie der jüdische Anspruch auf das Recht der historisch beispiellosen Vernichtung in der Shoah durch die deutschen Nazis). »Shoah« ist ein Permanentfaktum wenn nicht der »Menschheitskultur «, dann zumindest der Geschichte der eurasiatischen Populationen, der glorreichen Ackerbauern- und Siedlergeschichte. Ich wäre nicht unbedingt so stolz wie die heutige Türkei es ist auf ihre Erstkultivierung der Äcker und Seßhaftwerdung umherziehender Sammler und Jäger im sog. Fruchtbaren Halbmond ca 10.000 Jahre v. u. Z.: auf die Erfindung der Wiege also des Kriegs als Zivilisierungsmittel; die Erfindung von Mord und Totschlag; die Erfindung des Leichenhaufens als permanenter Einrichtung vorm Palast des Herrschers. Eine Erfindung, in der es den »Gegensatz« von Orient und Okzident übrigens nicht gibt; ca. 9000 Jahre lang nicht gibt, bis einwandernde Indogermanen aus Zentralasien, sich selbst so nennende »Griechen« mit ihrem Gewaltherrscher Zeus auf dem Panier (dem ersten weltbekannten Groß-Arier), diesen Graben zu graben und dann zu zementieren beginnen (mit Eisenwaffen, Schiffbau, schicken Säulentempeln und phonetischer Alphabetschrift.*). Differenzierungen: Medea – die sich in den Kolonisator »verliebt« – gibt es (schon in der antiken Literatur) – in vielen Wendungen. Nicht immer ist sie die, als die sie heute (eher moritatenmäßig) den Stadttheatern geläufig ist: die Mutter mit dem Messer. Beim Autor des »Argonautenepos « Apollonius v. Rhodos (um -250) gelangt sie heil als Ehefrau des griechischen Vließräubers Jason in dessen Heimatstadt Iolkos in Thessalien; und das Epos endet, bevor sie überhaupt ihr erstes Kind gebiert. Solche Wendungen der Geschichten haben immer ihren politischen Hintergrund im jeweiligen Herrschaftsgebilde, in welchem die Autoren schreiben, sowie in ihrer eigenen Interessenlage (und ihren poetischen Qualitäten selbstverständlich). Medea bei Euripides in Athen ist eine andere als bei Apollonius im hellenistischen Alexandrien, bei Ovid im augusteischen Rom oder bei Seneca unter Nero.Besonders kraß ist das zu studieren am Fall der mythohistorischen phönizischen Königstochter Dido, später Königin von Karthago. In ihrer Figur (in der literarischen Denunziation ihrer Figur) handelt der römische
Hofschriftsteller Vergil sowohl die militärische Vernichtung der Stadt Karthago (-141) als gerechtfertigt ab; wie auch den gerade eben vom Römer Octavian erzwungenen Selbstmord der nordafrikanischen Königin Kleopatra nach ihrem fehlgeschlagenen Versuch, in einer einzigen neuen Dynastie zu vereinigen: fehlgeschlagen zunächst mit Gaius Julius Cäsar und dann mit dem Feldherrn Marcus Antonius. Der erste wird ermordet (sein Sohn mit Kleopatra namens Kaisar war als Thronfolger vorgesehen), der zweite wird besiegt vom späteren Augustus. Vergil besingt den Sieger Augustus in seiner Aeneis, macht böse Hexen aus Dido/Kleopatra und verschafft Rom eine neue historische Genealogie (= geboren aus den Aschen des nur durch griechischen Betrug besiegten Troja). Auf diese Weise sind »mythische« und politische »Realgeschichte « unentwegt miteinander verzahnt. Buch der
Königstöchter folgt der Spur der kolonisierenden Landnahme von den Körpern der frühen gottgeschwängerten prä-griechischen Königstöchter – die in den Bildern der großen Renaissancemaler und der späteren europäischen Malerei nicht ohne Grund eine furiose Auferstehung erleben – über die Asiatin Medea, die phönizisch/karthagische Dido, zur mexikanischen Malinche, zur nordamerikanischen Pocahontas (und einigen weiteren)
bis hin zu James Camerons 3D-Film Avatar (2009). Auch Cameron (Landnehmer im Bereich digitaler Film erfindungen) erobert sein technologisches Neuland und entfaltet seine »Utopie« einer neuen WeltallÖkologie über den Körper einer (halb göttlichen, halb animalischen, computeranimierten) Häuptlingstochter, Pocahontas 2010.

Daniela Meisel: Der Himmel anderswo
240 S., geb., Picus 2013 21,90 EUR
Zwei Flüchtlinge trotzen dem Schicksal und verfolgen ihre Suche nach dem Glück: Ist ihre Liebe groß genug für ein Happy End?

Alen Mescovic: Ukulele Jam
352 S., geb., Metrolit 2013 21,99 EUR
Hier setzt ein junger Bosnier seinen Erlebnissen im jugoslawischen Bruderkrieg die Unbeschwertheit und den Willen zur unversehrten Jugend entgegen: Mit viel Witz und unaufdringlicher Klugheit – und dem Sound der 90er. Alen Meškovic ist der Salinger der Vertriebenen. »Lustig wie Nick Hornby und zugleich von einer Ernsthaftigkeit, die man nicht missverstehen kann.« – Ekstra Bladet. Der Autor lebt in Kopenhagen und ist längst in der Multikulti- und Migrationsdebatte eine wichtige Stimme. Eine wirklich offene Gesellschaft bewertet Einwanderer nicht mit Checklisten, sondern bietet ihnen Kanäle und Möglichkeiten, ihren Egoismus, ihre Lebenslust und Kreativität auszuleben – davon profitieren am Ende dann alle. Zum Beispiel durch ein gutes Buch. Mescovic plant die Geschichte von Miki weiterzuschreiben. Denn die wahre Geschichte einer Flucht endet nicht, wenn man in Sicherheit ankommt. Sie fängt erst an.

Rolf Bauerdick: Zigeuner
Begegnungen mit einem ungeliebten Volk

352 S., DVA 2013 22,99 EUR
ub schreibt im Buchjournal: „Als Reporter hat Rolf Bauerdick in Europa viele Menschen getroffen, die sich Tzigani, Cigany, Zingaros, Gitanos oder Zigeuner nennen – auch Sinti oder Roma aber nicht „Sinti und Roma“. Reportagen führten ihn in verfallene Dörfer, Armenviertel und auf Müllhalden, doch auch auf die Spuren von Deutschen, deren Grabsteine sie als „Zigeunerbürgermeister“ oder „Zigeunerprinzessin“ verewigen. Bauerdicks Buch ist voller Sympathie für stolze und großzügige Menschen wie auch für kinderreiche, analphabetische Arme, die ihr Glück dort suchen, wo sie am unwillkommensten sind. Zornig zeigt er sich über selbst ernannte Funktionäre und Experten, die eine Fürsorge für „Sinti und Roma“ heucheln, die sie gar nicht leisten können. Leider habe er kaum einen Roma getroffen, der für die Wurzeln seiner Misere ein Stück Verantwortung bei sich selber gesucht, geschweige denn gefunden hätte. Fürsorge allein kann da nicht helfen . Sie käme einer Entmündigung gleich.

Norbert Mappes-Niediek: Arme Roma, böse Zigeuner
Was an den Vorurteilen über die Zuwanderung stimmt

208 S., Pb., Ch. Links Verlag 16,90 EUR
Dieses Buch erschien im letzten Jahr genau im richtigen Moment, als der verstärkte Zuzug von Roma aus Serbien und Montenegro nach Deutschland – speziell ins Ruhrgebiet – einsetzte, und kurz vor der Eröffnung des Berliner Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas und wurde somit ein Erfolgstitel des Links-Verlages, der gleich in die 2.Auflage gehen konnte. Warum kommen die Roma in Osteuropa aus ihrem Elend nicht heraus? Sind sie arm, weil sie diskriminiert werden, oder werden sie diskriminiert, weil sie arm sind? Sind sie arbeitsscheu, kriminell und womöglich dümmer als andere? So wird oft gefragt, wenn auch meistens hinter vorgehaltener Hand. Und die Antwort kennt man natürlich: „Typisch Roma.“ Der langjährige Balkan-Korrespondent Mappes-Niedieck unternimmt einen Faktencheck und kommt zu überraschenden Befunden. Zugleich kritisiert er die europäische Roma-Politik und die von ihr beförderte „Gypsy industry“ fundamental und zeigt alternative Wege auf.

Feridun Zaimoglu
Der Mietmaler. Eine Liebesgeschichte

136 S., geb., Langen-Müller 2013 19,99 EUR
Sonja tobt. Und kurz darauf verschwindet sie. Zurück bleibt der Maler, der die Frauen liebt, die »mit ihren frisch gecremten glänzenden Gesichtern«. Der, wenn er eine Frau sieht, sofort zum Skizzenblock greifen und sie porträtieren muss. Er ist ein einsamer Tagträumer, ein »Bilderkrämer«, den im Viertel alle kennen. Eines Tages erreicht ihn der Auftrag, eine Frau aus der nahen Stadt zu malen. Er klingelt, überreicht Mozartkugeln, zeigt ihr seine Mappe mit Zeichnungen von Frauen. Edouard und Nora, Maler und Modell, Mann und Frau, das Spiel beginnt. Feridun Zaimoglu, geboren 1964 im anatolischen Bolu, studierte Kunst und Medizin in Kiel, wo er seither als Schriftsteller und Maler lebt. Der vielseitige Autor wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem »Preis der Literaturhäuser« (2012). Zu seinen bekanntesten Publikationen zählen die Romane »Kanak sprak« (1995), »German Amok« (2002), »Liebesbrand« (2008) und »Ruß« (2012).

Tellia / Löffler: Deutschland im Werte-Dilemma
Kann der Islam wirklich zu Europa gehören?

224 S., geb., Olzog Verlag 2013 26,90 EUR
Nach welchen Werten wollen wir uns richten?

Abdullah Öcalan
Die Roadmap für Verhandlungen.
Gefängnisschriften

146 S., geb., Pahl-Rugenstein 2013 14,90 EUR
Die »Roadmap für Verhandlungen« zur Beilegung des türkisch-kurdischen Konflikts ist ein außergewöhnliches Dokument. Sie bildete das Herzstück des geheimen Dialogprozesses zwischen Abdullah Öcalan, dem inhaftierten Vorsitzenden der PKK und dem türkischen Staat, der 2009 begann und Mitte 2011 abgebrochen wurde. Auch für alle weiteren Gespräche ist sie von zentraler Bedeutung. Öcalan definiert hier die für den Beginn eines wirklichen Friedensprozesses nötigen Schritte. Gleichzeitig skizziert er eine echte Lösung für die kurdische Frage. Jenseits traditioneller Lösungsmodelle wie Eigenstaatlichkeit oder territorialer Autonomie zeichnet er die Vision einer demokratischen Nation und einer gemeinsamen Heimat für alle Staaten, in denen Kurden leben – ja, für den gesamten Mittleren Osten.

Abbas Khider: Brief in die Auberginenrepublik
160 S., geb., Edition Nautilus 2013 18,00 EUR
Bereits in der 2.Auflage ! Oktober 1999 – im Irak herrscht Saddam Hussein, in Libyen Gaddafi, in Ägypten Mubarak, in Syrien Hafiz al-Assad und in Jordanien König Abdullah II bin Hussein. Die arabische Facebook und Twitter-Revolution gegen die Despoten ist noch fernste Zukunft. Einen Brief an der Zensur vorbeizuschicken, ist ein langwieriges und gefährliches Abenteuer. Das nach dem Golfkrieg verhängte Handelsembargo treibt die irakische Bevölkerung ins Elend – einzig Auberginen gibt es im Überfluss, sodass die Iraker ihrem Land den Beinamen »Auberginenrepublik « verpasst haben. Salim, ein ehemaliger Student, schlägt sich im libyschen Exil als Bauarbeiter durch. Er war wegen des Besitzes verbotener Bücher verhaftet worden. Über seinen Onkel ist ihm die Flucht aus dem Irak gelungen, doch er hat nie wieder von seiner Familie, seinen Freunden und vor allem von seiner Geliebten Samia gehört, deren Namen er auch unter Folter nicht preisgegeben hatte. Nun erfährt er in Bengasi von einem die ganze arabische Welt überspannenden Netzwerk von illegalen Briefboten und wagt es, Samia einen Brief mit einem Lebenszeichen zu senden… Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren. 1996 floh er nach einer Verurteilung aufgrund »politischer Gründe« und nach einer zweijährigen Gefängnisstrafe aus dem Irak. Von 1996 bis 1999 hielt er sich als illegaler Flüchtling verschiedenen Ländern auf, seit 2000 lebt er in Deutschland. Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft in München und Potsdam. Lyrik in verschiedenen Publikationen. Zurzeit lebt Abbas Khider in Berlin. Mit seinem vielbeachteten Debütroman Der falsche Inder (Herbst 2008), den er in deutscher Sprache verfasste, war er auf vielen Literaturveranstaltungen zu Gast, so auf dem Erlanger Poetenfestival 2008, der LitCologne 2009, den 6. Coburger Literaturtagen 2009, dem Internationales Literaturfestival Berlin 2009. Von der Heinrich-Böll-Stiftung erhielt er eine Einladung zu einem Festival in Beirut (April 2009), vom Goethe-Institut zu Lesungen in Jordanien und Syrien (Mai 2009).
2009 erhielt er das Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste Berlin, vom Deutschen Literaturfonds bekam er außerdem ein Arbeitsstipendium der Autorenförderung (2009-2010). Seit 2010 ist Abbas Khider Mitglied des PEN. Im März 2010 wurde Abbas Khider mit dem Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis geehrt. Die Laudatio (© Robert-Bosch-Stiftung) bei der Preisverleihung hielt Hubert Spiegel. »Abbas Khiders tragikomischer, oft sogar burlesker Roman ist ein wirklichkeitsnahes, modernes Flüchtlingsmärchen über ein ernstes und bewegendes, seit Jahren aktuelles politisches Thema«, so die Jury über ihre Wahl. Mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ehrt die Robert-Bosch-Stiftung seit 1985 herausragende literarische Leistungen in deutscher Sprache, verfasst von Autorinnen und Autoren, deren Muttersprache oder kulturelle Herkunft nicht die deutsche ist. Die irakische Gesellschaft für Kulturförderung (I.C.S.A.), die 2005 von einigen irakischen Künstlern und Politikern gegründet worden ist und mit dem irakischen Kultusministerium kooperiert, verlieh ihm 2010 die Ehrenurkunde für Literatur

Susanne Schanda: Literatur der Rebellion
Ägyptens Schriftsteller erzählen vom Umbruch

250 S., Pb., Rotpunktverlag 2013 29,90 EUR
Schanda porträtiert ägyptische Autorinnen und Autoren als Aktivisten für Freiheit und Demokratie. Mit farbigen Bildteil.

Saphia Azzeddine: Zorngebete
128 S., geb., Wagenbach 2013 16,90 EUR
Eine Kindheit im Ziegenlederzelt, umgeben von Bergen und Wüste. Schafe als Gefährten. Nicht hinterfragte Gesetze als Norm. Jbara lebt mit ihren Eltern und Geschwistern in einem winzigen, ärmlichen Dorf und rechtet mit Allah, ihrem zugleich einzigen Vertrauten. Die Freiheit fährt zweimal pro Woche im Bus vorbei, doch eines Tages fällt – Allah sei Dank – ein rosa Koffer mit Rollen vom Gepäckdach herunter. Jbaras Aussteuer für ein neues Leben, das sie sich unter vielen Opfern und mit Einsatz ihres Körpers erkämpfen wird. Aus Jbara wird Scherezade, aus Scherezade schließlich Khadija. Sie verliert ihre Unschuld, ihre Heimat und zwei Zähne, doch nie ihren derben Humor und den Glauben an Gott. Azeddines Debüt ist ein tabuloser Monolog, das zornig-zärtliche Gebet einer jungen Frau im Maghreb, ein außergewöhnlicher Bildungsroman. Saphia Azzedine, 1979 in Agadir, Marokko geboren, kam mit neun Jahren nach Frankreich. Sie studierte Soziologie, verbrachte ein Jahr in Houston, arbeitete als Diamantenschleiferin in Genf und etablierte sich dann als Drehbuchautorin und Schriftstellerin. Ihr erster Roman „Zorngebete“ wurde bereits als Theaterstück inszeniert und ins Spanische, Italienische und Schwedische übersetzt. Die Verfilmung ihres zweiten Romans „Mein Vater ist Putzfrau“ war auch in den deutschen Kinos zu sehen.

Chef Ramzis: Arabisches Kochbuch
168 S., vierfarbig illustriert, Olms Verlag 2012 29,80 EUR
Die Nr. 1 der arabischen Kochwelt als Deutsch-Arabische Ausgabe, d.h. Texte auf deutsch und arabisch. Chef Ramzi, der berühmte Fernsehkoch, ist davon überzeugt, dass die Liebe zum Essen Menschen einander näher bringen kann. In diesem Buch weiht er in die Geheimnisse der traditionellen arabischen, vor allem der libanesischen Küche ein, die von würzigen Kibbeh bis hin zu süßer Baklawa reicht. Das Buch, hier erstmals in deutscher Übersetzung, wurde bisher über 150 000 mal verkauft und erhielt in der französischen Ausgabe 2003 den Preis „Bestes arabisches Kochbuch der Welt“.

Jürgen Bellers, Markus Porsche-Ludwig (Hg.)
Christenverfolgung in islamischen Ländern

176 S. LIT aktuell, Bd. 3, 2011 19,80 EUR
Die Verfolgung von Christen im islamischen Raum gehört zu den verdrängten Themen der westlichen Informationsgesellschaften. Die Verfolgung ist aktuell: sie nimmt zu, von der Diskriminierung, Vertreibung bis zum Massenmord. Die mögliche Demokratisierung der islamischen Welt wird daran zunächst wenig ändern. Die gesellschaftlichen Konflikte werden eher zu einem Ansteigen führen, wie Berichte aus Ägypten zeigen. In zahlreichen islamischen Ländern ist das Verschwinden der christlichen Minderheiten abzusehen. Ein Blick auf die Christenverfolgung im kommunistischen China rundet den Band ab.
Jürgen Bellers ist Professor fur Politikwissenschaft an der Universitat-Gesamthochschule Siegen. Markus Porsche-Ludwig ist Professor für Politikwissenschaft und Öffentliches Recht an der Nationalen Dong Hwa Universität in Hualien, ROC Taiwan.

Sybille Biermann-Rau: An Luthers Geburtstag brannten die Synagogen
Eine Anfrage

352 S., Calwer 2012 14,95 EUR
Warum konnte die Zerstörung jüdischen Lebens im Nationalsozialismus überhaupt geschehen inmitten eines Volkes, das sich zum Christentum bekennt? Dieser bleibend brennenden Frage für einen größeren Leserkreis verständlich nachzugehen, ist das Anliegen der Autorin Sibylle Biermann-Rau. Besonderes Augenmerk legt sie auf die judenfeindliche Tradition, die bei den Protestanten auch durch Luther genährt worden ist und im Dritten Reich Solidarität mit den Juden verhinderte. Eine der wenigen Ausnahmen war die Pädagogin Elisabeth Schmitz (1893–1977). Deutlich wird der lange Weg in der evangelischen Kirche nach 1945, um Judenfeindschaft zu überwinden. Mitten in der Luther-Dekade stellt dieses Buch schließlich die Anfrage an die Kirche, einen weiteren Schritt zu tun und sich insbesondere von Luthers Judenfeindschaft öffentlich und ausdrücklich zu distanzieren. Das Buch bietet eine Fülle von Anregungen für Religionsunterricht, Erwachsenenbildung und Gemeindearbeit.

Gilad Atzmon: Der wandernde – Wer?
Eine Studie jüdischer Identitätspolitik

238 S., Pb., Zambon 2012 12,00 EUR
Jüdische Identität ist engst mit einigen der schwierigsten und strittigsten Probleme unserer Zeit verknüpft. Ziel dieses Buches ist es, viele dieser Kernpunkte für die Diskussion zu öffnen. Da Israel sich öffentlich als „jüdischer Staat“ definiert, sollten wir fragen, wofür „Judentum“, „Jüdischkeit“, „jüdische Kultur“ und „jüdische Kultur“ stehen. Gilad Atzmon untersucht die tribalen Aspekte, wie sie in den säkularen jüdischen politischen Diskurs – sowohl den zionistischen als auch den antizionistischen und sogar den der jüdischen Linken – eingelagert sind: die „Holocaust-Religion“, die Bedeutung von „Geschichte“ und „Zeit“ sowie die antinichtjüdischen Ideologien in ihren verschiedenen Formen. Er fragt, was Diaspora-Juden veranlasst,sich mit Israel zu identifizieren und seiner Politik anzuschließen. Der verheerende Zustand unseres Weltgeschehens erfordert dringend eine konzeptionelle Wende in unserer intellektuellen und philosophischen Einstellung zu Politik, Identitätspolitik und Geschichte. „Der wandernde -WER?“ ist DAS Buch für jeden Interessierten, der den Unterschied zwischen Judentum, Jüdischkeit und Zionismus verstehen will. Eine philosophische Meisterleistung eines Menschenfreundes und brillanten Jazz Musikers und Ausnahmekünstlers, eines wahren Freundes der Palästinenser und ihrer berechtigten Anliegen. Mit diesen stichhaltigen Fakten, engagiert und provokant, fasziniert Gilad Atzmon den Leser von der ersten bis zur letzten Seite.

Yotam Ottolenghi / Sami Tamimi
Jerusalem – Das Kochbuch

320 S., geb., Dorling Kindersley 2013 24,95 EUR
Yotam Ottolenghi und Sami Tamimi stellen die typische Küche ihrer Heimatstadt vor. Die Jerusalemer Küche spiegelt die kulturelle Vielfalt der Stadt wider und sorgt für ein wahres Feuerwerk der Aromen. Von Latkes über Safranhähnchen bis zum Reispudding mit Rosenwasser.

Katrin Pieper: Jüdische Feste, Geschichte(n) & Gerichte
80 S., geb., BuchVerlag für die Frau 2013 9,90 EUR
Das jüdische Kalenderjahr entdecken – mit seinen Festen, Traditionen & kulinarischen Besonderheiten! Mit 30 koscheren Rezepten.

Indra Wussow (Hg.): Ankunft eines weiteren Tages
Zeitgenössische Lyrik aus Südafrika

157 Seiten, Verlag Das Wunderhorn 2013 19.80 EUR
Eine südafrikanische Dichtergeneration zwischen Aufbruch und Ernüchterung, zwischen Gewinnen und Verlusten. Seismographen eines gesellschaftlichen Umbruchs, der Identitäten und Prägungen auf den Kopf stellt. Die Suche nach eigener Identität, das Gefühl von Isolation und Fremdheit, die Intimität des Privaten als Rückzug vor dem Ungefähren eines nur rudimentär ausgehandeltem Gesamten, verbinden sich hier mit den großen politischen und gesellschaftlichen Themen und beleuchten so wichtige Themen wie Besitz und Verlust, Freiheit und Ohnmacht, Gewalt und Glück. Acht unterschiedliche Stimmen bilden ein eindrucksvolles Klanggewebe und zeugen von der Stärke südafrikanischer Lyrik und ihrem rebellischen Geist in schwierigen Zeiten. Mit Gedichten von Gabeba Baderoon, Vonani Bila, Rustum Kozain, Kgafela oa Magogodi, Mbali Kgosidintsi, Charl-Pierre Naudé, Karin Schimke und Phillippa Yaa de Villiers. Ausgewählt von Indra Wussow. Sylvia Geist, geboren 1963 in Berlin, veröffentlichte Gedichtbände, u.a. Vor dem Wetter (Luftschacht 2009) sowie Prosa, zuletzt den Erzählband Letzte Freunde (Luftschacht, 2011). Sie erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Lyrikpreis Meran (2002), ein Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Edenkoben (2006) und die Adolf-Mejstrik-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung (2008). Sylvia Geist lebt als freie Autorin und Übersetzerin (John Ashbery, Peter Gizzi u.a.) in Hannover und Vancouver. Indra Wussow studierte Literaturwissenschaft, lebt in Johannesburg/Südafrika und auf Sylt. Sie arbeitet als Autorin, literarische Übersetzerin und Kuratorin für verschiedene internationale Einrichtungen. 2002 gründete sie auf Sylt die von ihr geleitete Stiftung kunst:raum sylt quelle. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst. 2008 eröffnete die Stiftung eine Dependance in Johannesburg, das Jozi art:lab.

David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte
783 S., Suhrkamp 2013 29,95 EUR
Dieses Sachbuch über den Kongo wurde nach 250.000 verkauften Exemplaren der niederländischen Ausgabe ein internationaler Bestseller. Denn die Geschichte des Landes – so groß wie Westeuropa – ist faszinierend.

Bartholomäus Grill: Ach, Afrika
432 S., Pantheon 14,99 EUR
Journalist Grill war überall von Kamerun bis Sansibar, von Kapstadt bis Dakar und somit bietet das Buch einen Überblick über ganz Afrika.

Martin Sturmer: Afrika!
192 S., UVK 29,00 EUR
Journalist Sturmer zeigt auf, dass Afrika sehr vielfältig ist und zu einseitig dargestellt wird.

Dominic Johnson: Afrika vor dem großen Sprung
108 S., Wagenbach 9,90 EUR
„Der taz-Redakteur beschreibt den wirtschaftlichen und politischen Wandel Afrikas im Übergang zum 21.Jahrhundert. Er zeigt Möglichkeiten und Risiken an konkreten Beispielen wie dem atemberaubenden Verbreitungstempo der Mobilkommunikation auf. Von den wirtschaftlichen Ambitionen der „afrikanischen Löwen“ über die Erblast des Kolonialismus und der Welle der zweiten Revolutionen, welche viele Diktatoren hinwegfegten, bis zur heutigen Gründerzeitstimmung beschreibt Johnson extrem verdichtet, aber sehr anschaulich, wie Afrika zum Sprung ansetzt – in eine Zukunft, die so offen ist wie nie zuvor“ (ts im Bücher-Magazin)

Lemah Roberta Gbowee: Wir sind die Macht
288 S., Klett-Cotta 21,95 EUR
Die Autorin erhielt 2011 den Friedensnobelpreis. Sie trotzt der Gewalt auf den Straßen Liberias mit ihrem unermüdlichen Engagement um Frieden – gegen Korruption und Bürgerkrieg.

Chinua Achebe: Alles zerfällt
240 S., S. Fischer 19,99 EUR
Der Afrika-Roman, der die moderne afrikanische Literatur begründete und die Weltliteratur prägte – endlich in neuer Übersetzung! Chinua Achebe erzählt von Verrat und Rache, von Leidenschaften, die keine Ruhe finden, und von Sehnsüchten, die keine Zukunft haben. Okonkwo, stark und jähzornig, stösst sich an den strengen Stammesregeln und zerbricht an dem Regime der britischen Kolonialherren. In seinem Meisterwerk beschreibt Achebe den Konflikt einer archaischen Kultur in einer Sprache, die rituell-sprichwörtlich, dokumentarisch und wunderbar poetisch ist: Mit diesem Roman erhielt der Kontinent eine Stimme.

Maryse Conde: Segu. Die Mauern aus Lehm
640 S., Unionsverlag 12,95 EUR
Blüte und Untergang der mächtigen Stadt Segu am Niger sind eng verknüpft mit dem Schicksal Dusika Traorés, Oberhaupt einer wohlhabenden Familie und ein Vertrauter des Königs. Es sind Zeiten des Umbruchs: Der Islam dringt in Afrika immer weiter vor, christliche Missionare und europäische Kolonisatoren kommen ins Land, der Sklavenhandel blüht. Dusikas Familie aber verliert immer mehr an Einfluss, bis sie schließlich auseinanderbricht.Maryse Condé hat die faszinierende Geschichte einer versunkenen Welt geschrieben. Sie erzählt von Kriegern und religiösen Eiferern, von Händlern und Bauern, von Eroberern und Sklaven und immer wieder auch vom Schicksal der Frauen. Maryse Condé, 1937 auf Guadeloupe geboren, studierte Literaturwissenschaften und lebte viele Jahre in Westafrika. Sie arbeitete für die BBC in London und war Dozentin für die Literatur der Antillen u. a. an der Sorbonne in Paris. Für Segu wurde sie 1988 mit dem LiBeraturpreis ausgezeichnet. Maryse Condé lebt in New York und in Guadeloupe.

Ahmadou Kourouma: Monnè. Schmach und Ärger
332 S., Diaphanes 24,80 EUR
Mit Hexerei, islamischen Gebeten, exzessiven Opfergaben und dem Bau eines massiven Schutzwalls will König Djigui Keita sein vollendetes Reich vor den vorrückenden französischen Eroberern schützen. Doch eines Tages steht plötzlich eine französische Kolonne vor ihm, die völlig unbehelligt über den verzauberten Hügel geritten kam und nun freundlich grüßt. Der intrigante Übersetzer, den die Franzosen mitbringen, gehört zu allem Überfluss zum Clan der Soumaré und ist für Djigui unantastbar. So nimmt die Kolonisierung – das größte »monnè«, die größte Schmach aller Zeiten – ungehindert ihren Lauf.Der Roman erzählt die Geschichte der französischen Kolonisierung Westafrikas als eine Geschichte der Missverständnisse. Voll beißender Ironie und mit unerschöpflichem Sprachwitz wagt dieses Buch den anderen Blick auf die afrikanisch¬-europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts und berührt grundsätzliche Fragen der Verständigung, der kulturellen Unterschiede und nicht zuletzt der fortwirkenden Stereotype. Ahmadou Kourouma war einer der bedeutendsten Autoren der afrikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Aus politischen Gründen verbrachte er die meiste Zeit seines Lebens im Exil in Algerien, Kamerun, im Togo und in Frankreich. Der aufklärerische, kritische und oft satirische Gestus seiner Romane brachte ihm den Ruf eines »afrikanischen Voltaire« ein. Sein Umgang mit der französischen Sprache ist geprägt von kritischer Aneignung, Umformung und spielerischer Unterwanderung der Kolonialsprache.

Maaza Mengiste: Unter den Augen des Löwen
290 S., Wunderhorn 24,80 EUR
»Unter den Augen des Löwen« erzählt am Beispiel einer Familie die blutigen Umbrüche im Äthiopien der 1970er Jahre. Während furchtbare Hungersnöte den Norden des Landes heimsuchen, wächst in der Landeshauptstadt Addis Abeba der Widerstand gegen den alten Kaiser Haile Selassie. Dawit, der Sohn des bekannten Arztes Hailu, schließt sich gegen den Willen des Vaters einer revolutionären Studentengruppe an. Als der Kaiser 1974 tatsächlich gestürzt und die jahrhundertealte Monarchie gewaltsam abgeschafft wird, kommt eine kommunistische Gruppierung an die Macht, die das Land in einen verheerenden Bürgerkrieg führt. In den Kriegswirren gerät Hailu in Schwierigkeiten, als ein Folteropfer unter seiner Hand verstirbt, das der politischen Führung noch wertvolle Informationen hätte preisgeben sollen. Dawit geht erneut in den Untergrund. Inzwischen ist sein enger Kindheitsfreund Mickey zu einem hochrangigen Polizisten aufgestiegen. Familienbande und Freundschaften sehen sich brutalen Prüfungen ausgesetzt.

Nuruddin Farah: Gekapert
464 S., Suhrkamp 26,95 EUR
Mit »Gekapert« vollendet der große afrikanische Erzähler Nuruddin Farah den Romanzyklus über seine Heimat Somalia. Er zeichnet ein tief bewegendes und bestürzendes Bild eines zerrissenen Landes. Jebleeh, der seit Jahren in Amerika lebt, kehrt für einen Besuch in seine Heimatstadt zurück, begleitet von seinem Schwiegersohn Malik, einem Journalisten, der über die Unruhen in der Region schreiben will. Im Jahr 2006 ist Mogadischu vom Bürgerkrieg gezeichnet, die Stimmung beklemmend. Das Chaos einer von Warlords besetzten Stadt, das Jebleeh von seinem letzten Besuch erinnert, ist nun einer unheimlichen Ruhe gewichen, die von den allgegenwärtigen peitschentragenden Männern in weißen Mänteln – den Schergen der islamistischen Organisation Al-Shabaab – noch verstärkt wird. Unterdessen landet Maliks Bruder Ahl auf der Suche nach seinem verschwundenen Sohn in Puntland, einer Region, die allgemein als Unterschlupf der Piraten bekannt ist. Und während die Somalier sich gegen die äthiopische Invasion wappnen, Piraten die Seewege verunsichern, werden die Brüder immer tiefer in die Wirren des Bürgerkriegs hineingezogen.

Ngùgì Wa Thiong`O: Der Herr der Krähen
944 S., A 1 Verlag 29,90 EUR
Ausgangspunkt dieses geistreichen satirischen Romans ist das gigantische Bauvorhaben „Marching to Heaven“, ein moderner Turmbau zu Babel, das dem despotischen Herrscher der fiktiven Freien Republik Aburiria Weltgeltung verschaffen und ein monumentales Denkmal setzen soll. Der Herrscher ist umgeben von persönlichen Beratern, allen voran den Ministern Machokali und Sikiokuu, die ständig darum bemüht sind, dem gottgleichen Herrscher ihre Ergebenheit zu beweisen und sich eine vorteilhafte Position zu sichern. Das Bauprojekt „Marching to Heaven“ jedoch kann nur mit einem Kredit der Global Bank in New York realisiert werden.Als Titus Tajirika zum ersten Vorsitzenden des Baukomitees für „Marching to Heaven“ ernannt wird, bilden sich vor dessen Büro zwei endlose Warteschlangen – eine aus denjenigen, die auch ein Stück vom Kuchen abbekommen wollen (indem sie Umschläge voller Bargeld zurücklassen), und eine, die sich aus den zahllosen Arbeitslosen des Landes speist. Diese Menschenschlangen entwickeln sich bald zu einer landesweiten Epidemie. Während der Herrscher und sein Außenminister Machokali in die USA reisen, um positiv auf die Vertreter der Global Bank einzuwirken, gerät Tajirika ins Blickfeld von Staatsminister Sikiokuu. Die Delegation in New York hingegen sieht sich einer plötzlich auftretenden, rätselhaften Krankheit des Herrschers gegenüber. Hoffnung verspricht allein der unfreiwillig zu Ruhm und Ansehen aufgestiegene Herr der Krähen – ein Zauberer, Heiler und Wahrsager… „Herr der Krähen“ ist eine lebendige, ausdrucksstarke Satire über den Prototyp des afrikanischen Despoten, die mit tiefgründigem Humor die Lebensbedingungen in einer zunehmend globalisierten Welt thematisiert. Ngugi wa Thiong’o gelingt mit diesem Roman eine umfassende Parabel auf die sozialen, politischen und kulturellen Verhältnisse auf dem afrikanischen Kontinent und dessen Beziehung zum Westen. Ngugi wa Thiong’o wurde 1938 als Sohn einer Bauernfamilie in Kamirithu/Limuru in Kenia geboren. 1967 wurde er Dozent für Literatur an der University of Nairobi, wo er bis 1977 lehrte. Wegen seiner kritischen Auseinandersetzung mit dem postkolonialen Kenia und eines regierungskritischen Theaterstücks wurde er 1977 ohne Anklage inhaftiert und erst nach einer Kampagne von Amnesty International ein Jahr später aus dem Gefängnis entlassen. Nachdem sein Leben unter dem Regime von Daniel arap Moi bedroht wurde, ging er 1982 ins Exil nach London. 1989 übersiedelte er in die USA, wo er heute an der University of California in Irvine Englische und Vergleichende Literaturwissenschaften lehrt.

Ngùgì Wa Thiong`O: Träume in Zeiten des Krieges (Kindheit)
224 S., geb., A 1 Verlag 22,80 EUR
„Ich weiß nicht, welchen Platz ich unter den vierundzwanzig Kindern meines Vaters und seiner vier Frauen vom Alter her einnahm, aber ich war das fünfte Kind im Haus meiner Mutter.“ Ngugi wa Thiong’os liebevolle Mutter Wanjiku ist es, die nach dem Zerwürfnis mit dem Vater dem Heranwachsenden Schutz und Geborgenheit bietet und den Boden für seine Träume bereitet. Indem sie ihm den Besuch einer Schule ermöglicht und er ihr im Gegenzug verspricht, sein Bestes zu tun und sie nicht zu enttäuschen, schließen die beiden einen Pakt, der von nun an das Leben des Jungen bestimmt. Geboren im ländlichen Limuru-Distrikt in Zentralkenia, wächst Ngugi im Schatten des Zweiten Weltkriegs auf, unter britischer Kolonialherrschaft und der entstehenden Mau-Mau-Befreiungsbewegung, der sich auch sein Bruder „Good Wallace“ anschließt. Vor diesem Hintergrund erzählt Ngugi wa Thiong’o von seiner Kindheit, von einem einfachen, harten und entbehrungsreichen Leben im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Mit vielWärme berichtet er von kindlichen Freuden, herben Enttäuschungen, vom überwältigenden Erlebnis des Lesens und Schreibens, über Ängste, Demütigungen und das allmähliche Gewahrwerden politischer Zusammenhänge. Mit großer Ruhe und poetischer Kraft schildert Ngugi ein Stück Kolonialgeschichte; aus kindlich-jugendlicher Sicht zeichnet er ein eindringliches Bild der kolonialen Wirklichkeit der dreißiger bis fünfziger Jahre. Ngugi wa Thiong’os Erinnerungsbuch liest sich dabei wie ein Roman über das Erwachsenwerden – fesselnd, zärtlich, schockierend und bisweilen komisch. Und es zeigt den Autor auf dem Höhepunkt seines literarischen Schaffens.

Ngùgì Wa Thiong`O: Im Haus des Hüters (Jugendjahre)
256 S., geb., A 1 Verlag 19,90 EUR
Es herrscht Ausnahmezustand in Kenia, der bewaffnete Aufstand der Mau-Mau-Bewegung für die Unabhängigkeit Kenias ist 1955 auf dem Höhepunkt. Für den sechzehn Jahre alten Ngugi wa Thiong’o wird die renommierte Internatsschule, die Alliance High School in Kikuyu, zu einem Refugium, das die Grausamkeiten des Krieges von ihm fernhält. Er taucht ein in eine geordnete Welt aus Bildung, Religion und Gemeinschaftserfahrung. Als er jedoch nach dem ersten Trimester erstmals nach Hause zurückkehrt, findet er kein Zuhause mehr vor. Sein Dorf wurde zerstört, seine Familie zwangsumgesiedelt. Die politische Wirklichkeit bricht nun mit unbarmherziger Härte in seine Welt ein und macht auch vor den Toren der Schule nicht halt. Es kommt zur Verhaftung seines älteren Bruders Good Wallace, der auf der Seite der Aufständischen steht, und schließlich zu einer willkürlichen Festnahme Ngugis. Mit „Im Haus des Hüters“ legt der kenianische Erzähler Ngugi wa Thiong’o nach „Träume in Zeiten des Krieges“ den zweiten Band seiner Lebenserinnerungen vor. Mit großer suggestiver Kraft zeichnet der Autor das eindrucksvolle Bild eines Heranwachsenden auf der Suche nach seinem Platz in der Welt und gibt einen unmittelbaren Einblick in jenen Bereich, in dem sich das Persönliche mit dem Politischen verbindet. Frei von vordergründiger Wertung ist dieses Buch ein einzigartiges Dokument der gesellschaftlichen Umbrüche in der Endzeit des britischen Kolonialismus.

Aminatta Forna: Ein Lied aus der Vergangenheit
656 S., DVA 18,90 EUR
Ein mitreißendes Afrika-Epos über die Macht der Liebe. Westafrika, Anfang der Nullerjahre: Der Psychologe Adrian Lockheart, soeben aus England eingetroffen, kämpft mit dem Staub und der Hitze Sierra Leones – und mit dem Schweigen eines Volkes, dem er helfen will, die Schrecken der Vergangenheit zu überwinden. Im Krankenhaus in Freetown findet er unerwartete Freundschaft bei Kai, einem jungen Kollegen, und Elias, einem Patienten, der auf dem Sterbebett damit hadert, während des Krieges den Weg des geringsten Widerstandes gegangen zu sein. Als Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verschmelzen beginnen, kristallisiert sich heraus, dass die drei Männer durch mehr verbunden sind, als sie ahnen: durch die Liebe ein und derselben Frau. Ein bildkräftiges Epos voller Sprachmagie über gewöhnliche Menschen, die mit ungewöhnlichen Umständen kämpfen müssen; ein Roman über Freundschaft, Verständnis, Absolution und die Unauslöschbarkeit der Vergangenheit; über Reisen, Träume und Verluste und über die Macht der Liebe. Aminatta Forna wurde in Glasgow geboren, wuchs in Sierra Leone auf und kehrte als Erwachsene nach England zurück. Nach einer preisgekrönten Karriere als Journalistin für BBC Television arbeitet sie nun ausschließlich als Schriftstellerin. Ein Lied aus der Vergangenheit ist ihr zweiter Roman; er wurde u.a. mit dem Commonwealth Writer’s Prize ausgezeichnet und stand auf der Shortlist des Orange Prize. Aminatta Forna lebt heute in London.

Alain Mabanckou: Zerbrochenes Glas
224 S., Liebeskind 18,90 EUR
»Zerbrochenes Glas« ist Stammkunde einer heruntergekommenen Bar in Brazzaville, deren Name Programm ist: »Angeschrieben wird nicht«. Tag für Tag versammelt sich hier ein Haufen skurriler Gäste, um Palmwein zu trinken und über das Leben zu schwadronieren. Der Kirche ist die Bar ein Dorn im Auge, denn manch einer der Gläubigen erliegt der Versuchung, die Messe zu schwänzen und stattdessen einen zur Brust zu nehmen. Doch die ständigen Anfeindungen lassen den Wirt kalt, schließlich nennt man ihn nicht umsonst »Sture Schnecke«. Und die Kundschaft zeigt sich solidarisch bis zum letzten Tropfen: Als »Zerbrochenes Glas« sich daranmacht, für die Nachwelt die Historie des Etablissements niederzuschreiben, erzählt jeder Gast nur allzu gerne die Geschichte seines Lebens … Alain Mabanckou wurde 1966 in der Republik Kongo geboren. Mithilfe eines Förderstipendiums verlässt er Ende der achtziger Jahre seine Heimat, um in Paris sein Jurastudium fortzusetzen. Danach Eintritt in einen französischen Wirtschaftskonzern, für den er fast zehn Jahre lang als juristischer Berater tätig ist. Während dieser Zeit erscheinen zwei Lyrikbände und sein Debütroman, für den er den »Grand Prix littéraire de l’Afrique noir« erhält. Weitere Romanveröffentlichungen folgen, darunter »African Psycho« (2003) und »Black Bazar« (2009). Mit seinem Roman »Stachelschweins Memoiren« gewinnt er 2006 den renommierten Prix Renaudot, 2012 wird er von der Académie française für sein Gesamtwerk mit dem Grand Prix de Littérature ausgezeichnet. Alain Mabanckou lebt abwechselnd in Paris und Los Angeles.

Josè Eduardo Agualusa: Barraco tropical
336 S., A 1 Verlag 22,80 EUR
Dem Schriftsteller Bartolomeu Falcato fällt eine Frau buchstäblich vor die Füße. Allerdings nicht aus heiterem Himmel, sondern aus einem Unwetter heraus, und es ist klar, dass sie nicht freiwillig gestürzt ist. Bei der Toten handelt es sich um Núbia de Matos, Model und angebliche Ex-Geliebte der Präsidentin. Nur fünf Tage zuvor hatte sie Falcato in der Abflughalle des Flughafens angesprochen, ihn bedrängt und pikante Details aus den Hinterzimmern der politischen Eliten erzählt. Doch statt sich um die Aufklärung des mysteriösen Todesfalls kümmern zu können, wird Falcato selbst zum Verfolgten. Ominöse Anrufer warnen ihn, in seineWohnung zurückzukehren. Und auch seine Frau darf nicht wissen, was er zur fraglichen Zeit am fraglichen Ort zu suchen hatte, und vor allem nicht, mit wem… Was folgt, ist eine rasante Odyssee durch den Untergrund und die Abgründe der angolanischen Hauptstadt Luanda. 24 Stunden, in denen Falcato selbst in einen Strudel aus skrupelloser Gewalt, Leidenschaft und Eifersucht gerät. Und dann sind da noch die schwarzen Engel, die auf den Dächern der Hochhausruinen tanzen, die seit dem Ölboom überall in Luanda in den Himmel ragen. Hirngespinste? Realität gewordene afrikanische Mythen? José Eduardo Agualusa schafft in seinem im Jahr 2020 angesiedelten Roman ein filmisches und poetisches Panoptikum Angolas aus vermeintlichen Trugbildern und politischer Realität. José Eduardo Agualusa, geboren 1960 in Huambo/Angola, studierte Agrarwissenschaft und Forstwirtschaft in Lissabon. Er veröffentlichte Gedichte, Erzählungen und Romane, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Für seinen Roman „Das Lachen des Geckos“ wurde er 2007 mit dem britischen Independent Foreign Fiction Prize ausgezeichnet. Er lebt als Schriftsteller und Journalist in Portugal, Angola und Brasilien.

Imraan Coovadia: Gezeitenwechsel
288 S., Wunderhorn 24,80 EUR
Es gab nichts in diesem Zimmer, das sie überrascht hätte. Sie verstand genau, was sich ereignet hatte. Sie hatte das schon am Morgen gewusst. Sie hatte es schon am Tag vorher, im Monat vorher, im Jahr vorher und tatsächlich seit ihrer Geburt gewusst.Der gewaltsame Tod ihres Ehemannes, des indischen Arztes und Virologen Arif, führt Nafisa in eine Welt, in der illegaler Organhandel, Erpressung und pseudowissenschaftliche Debatten zur Realität geworden sind. Nafisa begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit in ein „spiegelverkehrtes“ Land, entdeckt dabei die sozialen und politischen Eruptionen im heutigen Südafrika mit seinen Widersprüchen und Enttäuschungen und kämpft, selbst Ärztin, mit archaischen Vorstellungen von Leben und Tod, von Triumph und Scheitern, von Schweigen und Schuld. Nichts ist sicher, nichts hat Bestand und auch die Menschen ihres Umfelds sind nicht die, die sie zu sein scheinen. Dieser Roman ist ein Parforceritt durch die Seele eines Landes im Umbruch.

Tendai Huchu: Der Friseur von Harare
280 S., Peter Hammer Verlag 19,90 EUR
Für die junge Frisörin Vimbai läuft es gut in ihrem Salon. Erstens arbeitet sie nicht in irgendeinem, sondern in dem Salon von Harare. Zweitens ist sie die Talentierteste in ihrem Team. Die großen Damen der Stadt – sogar die Ministerin – wollen allein von ihr frisiert werden, denn nur sie weiß mit ihnen umzugehen. Doch dann kommt eines Tages Dumisani, ein neuer Kollege in den Salon und alles wird anders. An den außergewöhnlich begabten und charmanten jungen Mann verliert Vimbai schon bald ihre besten Kundinnen. Vollends aus dem Gleichgewicht gerät ihr Leben aber, als Dumi plötzlich ohne Bleibe ist und in dieser Notlage bei ihr einzieht. Vimbai erzählt ihre spannende Geschichte mit Witz und einer guten Portion Zynismus. Bevölkert mit lebensvollen Figuren aus allen Schichten zeigt sie die Stadt Harare als einen vitalen Ort, doch entgehen ihrem unbestechlichen Blick nicht die Zeichen von Verzweiflung und Gewaltbereitschaft, die das geschäftige Treiben durchziehen. Tendai Huchu hat aus einer einfachen, aber emotional komplexen Situation einen wunderbaren Roman gesponnen, der ein großes afrikanisches Tabuthema aufgreift: die Homosexualität. Ein echtes Lesevergnügen und gleichzeitig das authentische Bild einer geschundenen Stadt. Tendai Huchu, geboren 1982 in Bindura, Zimbabwe, besuchte die Churchill High School in Harare, bevor er an der University of Zimbabwe Bergbautechnik studierte. Heute lebt er als Podologe und Schriftsteller in Edinburgh/Schottland.

Helon Habila: Öl auf Wasser
240 S., Wunderhorn 24,80 EUR
Port Harcourt, Nigeria, im Delta des Niger. Eine Frau verschwindet.Dies wäre keine Nachricht in den Medien wert, handelte es sich nicht um eine Britin, die Ehefrau eines hochrangigen Mitarbeiters einer ausländischen Ölgesellschaft, die im Delta und vor der Küste Öl bohren. Die Entführung ist offensichtlich das Werk einer Rebellengruppe, die gegen die Ölgesellschaften kämpfen, die das Land ausbeuten und zerstören. Als eine Lösegeldforderung eingeht, wittert der junge Journalist Rufus die Chance zu einer großen Story und macht sich mit dem gealterten Starreporter Zaq auf die Suche nach der Entführten. Es wird eine Reise ins Delta des Nigers hinein, ins „Herz der Finsternis“, in eine apokalyptische Welt. Mit wachsendem Entsetzen nimmt Rufus die Zerstörung der Umwelt wahr, die Eskalation der Gewalt, die je eigenen Profitinteressen, die die widerstreitenden Kräfte – Ölgesellschaften, Polizei und Armee, Politiker und lokale Würdenträger auf der einen Seite, die Rebellen mit ihren Sympathisanten auf der anderen – in den Auseinandersetzungen verfolgen, die Entmenschlichung auf beiden Seiten der Front. Opfer sind in jedem Fall die einfachen Menschen, Fischer zumeist, die im Delta des Flusses leben. Sie haben nicht die Mittel, sich zur Wehr zu setzen, ihre Dorfgemeinschaften werden zwischen den Fronten zerrieben, sie verlieren ihre Lebensgrundlage, werden vertrieben, müssen fortziehen, hin zur großen Stadt, an deren Rand sie stranden.Hoffnung vermittelt einzig ein Dorf auf der kleinen Insel Irikefe, das einen humanistischen, egalitären Gegenentwurf lebt, ähnlich dem, den Wole Soyinka in „Zeit der Gesetzlosigkeit“ beschreibt: im Einklang mit der Natur, ihren Rhythmen und Gesetzen folgend. Hier findet Rufus‘ nach einem Brand körperlich und seelisch schwer verletzte Schwester Boma Ruhe, hier findet Rufus eine Liebe, hier schließt Zaq seinen Frieden …Doch auch hier ist nicht alles so, wie es scheint. Wie überhaupt nichts so ist, wie es an der Oberfläche aussieht. Das Grab der Britin ist leer. Nur ein Stein ist darin begraben …„Öl auf Wasser“ ist Bildungsroman und Umweltkrimi zugleich, Politthriller und anrührende Liebesgeschichte.»Ein schlanker, atmosphärischer Roman – teils Thriller, teils Betrachtung der todbringenden Kosten der Ölpolitik in der Region. Ein klassischer Bildungsroman.« Daily Mail»Habilas Stil hat jene Mischung aus Eleganz und verdammt guter Geschichte, die wir mit Conrad und Graham Greene verbinden. Großartig.« The Times»Meisterhaft. Baut auf der Tradition des klassischen Detektivromans auf und funktiniert zugleich auf einer tiefer gehenden, metaphorischen und philosophischen Ebene. Habila besitzt die filmische Fähigkeit, Szenen in das Bewusstsein zu brennen.« Independent»Liest sich wie eine post-koloniale Antwort auf Conrads Herz der Finsternis.« Financial Times

Taiye Selasi: Diese Dinge geschehen nicht einfach so
400 S., geb., S. Fischer 2013 21,99 EUR
Die literarische Sensation aus Amerika – ein großer kosmopolitischer Familienroman. Sechs Menschen, eine Familie, über Weltstädte und Kontinente zerstreut. In Afrika haben sie ihre Wurzeln und überall auf der Welt ihr Leben: bis plötzlich der Vater in Afrika stirbt. Nach vielen Jahren sehen sie sich wieder und machen eine überraschende Entdeckung. So wurde noch kein Familienroman erzählt.

Carlos Moore: Fela Kuti! This Bitch of a Life
382 S., Haffmanns & Tolkemitt 19,90 EUR
Fela Kuti, Vater des Afrobeats, hat nach seinem Tod 1997, eine beeindruckende Discografie hinterlassen, die gerade in CD-Werkausgaben wieder aufgelegt wird. Dies ist nun die ruhelose Lebensgeschichte des Rebellen und Panafrikanisten. Es geht um Felas Musik, seinen politischen Protest, seinen Hang zum Mystizismus. Enthalten sind auch Interviews mit 15 von Kutis Ehefrauen.

Zakes Mda: Der Walrufer
231 Min. 3 CDs (Afrika erzählt… Steinbach Sprechende Bücher) 9,99 EUR
Ein afrikanischer Liebesroman – melancholisch, lyrisch, schockierend. Hermanus an der südafrikanischen Küste ist die Welthauptstadt der Wale. Der Walrufer ist ein Eigenbrötler. Er lebt abseits des Tourismusrummels in einer Hütte, und wenn er eine gewisse Melodie auf seinem Horn anstimmt, kann er die Wale zu sich locken – besonders ein Glattwalweibchen, das er Sharisha nennt. Während er den Wal umwirbt, wird er selbst von Saluni umworben, die so leichtsinnig ist wie der Walrufer vorsichtig… „Mda vermittelt in diesem Roman mit einer knappen, präzisen Sprache, dass die wesentlichen Dinge des Lebens Bestand haben über die menschlichen Irrungen hinweg. Sei es Apartheid, ANC-Regierung oder ein neues Tourismusprogramm – allein die Liebe zählt.“ Stuttgarter Zeitung

Fatou Diome: Der Bauch des Ozeans
192 Min., 3 CDs (Afrika erzählt…Steinbach Sprechende Bücher) 9,99 EUR
Aufgestiegen in Frankreichs literarische „Champions League“ . Europa ist kein Paradies für Einwanderer, das musste die aus dem Senegal stammende Salie nach einer kurzen Ehe mit einem Weißen erfahren. Trotzdem will ihr kleiner Bruder Madické nach Frankreich, um als Fußballer reich und berühmt zu werden. Doch die Träume, die beide auf der kleinen Insel Niodior inmitten des Ozeans ersinnen, stoßen auf ein Hindernis: die Wirklichkeit. Wie Salie dennoch einen Weg zwischen Desillusionierung und Hoffnung findet, ist das kleine Wunder dieser Geschichte. „Fatou Diomes Roman liest sich wie eine Wundertüte, prall gefüllt mit witzigen, respektlosen, poetisch munter ausufernden Bildern.“ Franziska Wolffheim / Brigitte
„Gedeck bringt mit verschiedenen Stimm- und Tonlagen sowie dem jeweils richtigen Tempo die Emotionen zum Klingen. Mal nimmt sie sich zurück, mal geht sie aus sich heraus, lässt leise Töne wirken oder ihre Stimme beben.“ hörBuch Bibel 2010

Antilopenmond. Afrikanische Liebeslyrik
45 Min., 1 CD (Afrika erzählt… Steinbach Sprechende Bücher) 14,99 EUR
Aufregend, vielfältig, inspirierend und mit viel Musik . Afrikanische Romane sind aufregend, vielfältig, inspirierend. Für afrikanische Lyrik gilt dies umso mehr. Mit ihrem Bilderreichtum, ihren lautmalerischen Sprachspielen, ihrer Nähe zum Liedhaften entfalten sie alle Facetten afrikanischer Erzählkunst. Aus einer Verbindung von Lyrik und Musik können wir an der Sehnsucht, dem Schmerz und der Leidenschaft Afrikas unmittelbar teilhaben.

Patrice Nganang: Hundezeiten
245 Min, 4 CDs (Afrika erzählt… Steinbach Sprechende Bücher) 19,99 EUR
„Wenn man unter den Menschen überleben will, muss man wissen, wozu sie fähig sind.“ Patrice Nganang Mboudjak ist ein Kneipenhund, durch dessen Augen und Nase wir das Treiben in Yaoundé miterleben. Die Stadt ist in Aufruhr. Noch sind die Kneipen in der Lage, die Gemüter mit Alkohol, Klatsch und der Aussicht auf amouröse Abenteuer zu besänftigen. Durch seinen Platz unter dem Tisch findet Mboudjak jede Menge Grundsätzliches und Komisches zu der Frage: Was ist der Mensch? Lebensvoll und intelligent entwirft Patrice Nganang ein vitales Bild des heutigen Kamerun. „Ein vielfarbiges, detailgenaues Bild der Lebensbedingungen und Sehnsüchten in den Armenvierteln seiner Geburtsstadt Yaoundé.“ epd

Ahmadou Kourouma: Die Nächte des großen Jägers
282 Min., 4 CDs (Afrika erzählt… Steinbach Sprechende Bücher) 19,99 EUR
Bis heute eine der wichtigsten Aufarbeitungen der afrikanischen Diktaturen. Sechs Nächte lang lässt sich Koyaga, der große Jäger, Krieger und schließlich Präsident einer fiktiven Republiken in Westafrika, sein Leben von einem Griot erzählen. Aus dem Lobgesang seines Hofpoeten wird zusehends eine dramatische Anklage gegen die Diktatur schlechthin.
„Kourouma ist ein großartiger, gleichzeitig afrikanisch traditioneller und moderner Roman gelungen.“ Neue Zürcher Zeitung „Voller Witz und Phantastik, spannend, informativ…“ Uwe Timm in DIE ZEIT

Nuruddin Farah: Geheimnisse
357 Min., 5 CDs (Afrika erzählt… Steinbach Sprechende Bücher) 19,99 EUR
Eine Familiensaga, voller Mythen, sinnlich und kraftvoll. Mogadischu 1991: Eine Woche vor Ausbruch des Bürgerkrieges erhält der junge Computerspezialist Kalaman überraschend Besuch von seiner Kindheitsliebe. Mit ihrer sexuellen Energie zieht sie nicht nur Kalaman in ihren Bann, sie ruft die zentralen Figuren seiner Familie auf den Plan, und zwingt sie einen nach dem anderen ihre sorgsam gehüteten Geheimnisse preiszugeben. „Die ‚Geheimnisse‘ offenbaren eine fremde, zaubervolle Welt in einer fast lyrischen Dichte und Bildlichkeit der Sprache.“ FR „Der Autor überzeugt durch eine besonders farbige, anschauliche Erzählweise, mit der er – frei von plakativen Übertreibungen – in eine für Europäer fremde Welt führt.“ SZ

Wole Soyinka: Akè. Jahre der Kindheit
372 Min., 5 CDs (Afrika erzählt… Steinbach Sprechende Bücher) 19,99 EUR
„Soyinka findet das verlorene Kind in uns allen wieder.“ The New York Times In seiner zauberhaften und detailgenauen Kindheitserinnerung erzählt der Nobelpreisträger über seinen Geburtsort Aké, eine Missionsstation in Nigeria. Er erzählt über die Liebe zu seiner „wilden Christin“, wie er seine Mutter nennt, über den ihn prägenden Zwiespalt zwischen den christlichen Werten seines Vaters und den afrikanischen Traditionen und Riten seines Großvaters. Sein Abschied aus dem Elternhaus ist in seiner historischen Gleichzeitigkeit ein Symbol für den Aufbruch afrikanischer Völker in die Unabhängigkeit. „Aké ist ein wunderbar gezeichnetes Bild einer Kindheit, geschrieben von einem Schriftsteller, dessen Gefühl für Komik und Tragik in seiner Einheit einen wichtigen Beitrag zur zeitgenössischen Englischen Literatur liefert.“ The New Standard

Mariama Bà: Ein so langer Brief
181 Min., 3 CDs (Afrika erzählt… Steinbach Sprechende Bücher) 19,99 EUR
Der preisgekrönte und leidenschaftliche Lebensbericht einer afrikanischen Frau. In den vierzig Tagen ihrer Trauerzeit schreibt Ramatoulaye einen bewegenden Brief an ihre beste Freundin aus Kindertagen. Ihr Mann wurde durch einen Herzschlag mitten aus dem Leben gerissen, sie aber hatte ihn schon viel früher verloren, als er sie wegen einer zweiten Frau verließ. Sie durchbricht die Mauer des Schweigens, die Frauen in den islamisch-afrikanischen Gemeinschaften umgibt, und findet zu einem neuen Selbstbewusstsein.
„Mariama Bâ gelang es, in einer Geschichte festzuhalten, was viele bewegt und was viele ändern wollen.“ Die Welt , „Nachhaltig spricht Nina Petri die Geschichte und schafft eine inbrünstige Gemeinschaft zwischen der Vorleserin und dem Hörer. Ein aufrüttelndes und ehrliches Hörbuch.“ http://www.freiberg-objectiv.de

Chinua Achebe: Okonkwo oder das Alte stürzt
294 Min., 4 CDs (Afrika erzählt… Steinbach Sprechende Bücher) 9,99 EUR
„Das existentiell Bedrohendste für ein Volk ist der Verlust von Selbstachtung und Würde.“ Chinua Achebe . Okonkwo, Mitglied des Stammes Ibo, ist die tragische Hauptfigur dieses mitreißenden Romans. Als er nach siebenjähriger Verbannung in sein Heimatdorf zurückkehrt, verteidigt er unbeirrt die Würde seiner Gemeinschaft gegen die Machenschaften der Missionare und die militärische Übermacht der englischen Kolonialherren. Bis die eigenen Leute ihn im Stich lassen… „Eine der kräftigsten und subtilsten Stimmen Afrikas. Ein unnachgiebiger Lehrer und Moralist, und vor allem ein großer Erzähler.“ Stiftungsrat für den Friedenspreis d. dtsch. Friedenspreis

Aniceti Kitereza: Die Kinder der Regenmacher
200 Min., 3 CDs (Afrika erzählt…Steinbach Sprechende Bücher) 19,99 EUR
Das authentischste Erzählwerk aus der Vorzeit der Kolonisierung . Dies ist die Geschichte der zärtlichen Liebe von Myombekere und seiner Frau Bugonoka, die sich vergeblich ein Kind wünschen und deswegen beinahe auseinander geraten. In liebevoller, auch humorvoller Weise erzählt Kitereza eine Dorfsaga aus dem Volk der Kerewe. Er nimmt uns mit auf eine Reise in die afrikanische Vergangenheit, auf der viel Wundersames und Erstaunliches über die Sitten und Gebräuche der Kerewe-Gesellschaft zu erfahren ist. Und noch viel mehr… „Nie vorher wurde ein solcher Roman in Afrika niedergeschrieben und nie wird ein solches Buch je wieder geschrieben werden können.“ WDR, Köln , „Was ich hier schreibe, ist für euch. Damit ihr wisst, wo ihr herkommt. Nur so werdet ihr begreifen, wer ihr seid und wohin ihr geht.“ Aniceti Kitereza

Meshack Asare: Die Katze sucht sich einen Freund
46 Min, 1 CD , Steinbach Sprechende Bücher 9,99 EUR
Wenn Freunde wichtiger sind als alle Schätze Afrikas… Ob Meshack Asare über die Freundschaft zwischen einer Katze und den wilden Tieren der Savanne, zwischen einem kleinen Jungen und einem geheimnisvollen Trommelmännchen oder einem behinderten Jungen und seinem klugen Hund erzählt, alle seine Geschichten handeln letztlich davon, dass es nicht leicht ist, wahre Freunde fürs Leben zu finden, und dass auch in Afrika gute Freunde wertvoller sind als Gold und alle Schätze dieser Welt. Inszenierte Lesung mit ghanaischen Kinderliedern von Adjiri Odametey,gesprochen von Jens Wawrczeck, Oliver Rohrbeck und Andreas Fröhlich

Kofi Annan: Ein Leben in Krieg und Frieden
464 S., DVA 26,99 EUR
Der frühere UN-Generalsekretär der Vereinten Nationen, der für seine Bemühungen den Friedensnobelpreis bekam, blickt auf die weltweiten Konflikte der letzten 20 Jahre zurück. Er übernimmt dabei die Verantwortung für das Scheitern von Friedenseinsätzen, plädiert aber für eine Organisation wie die Vereinten Nationen. Enthalten sind Anekdoten aus seinen Gesprächen mit z.B. Saddam Hussein oder George W. Bush.

Sonja Wegner
Zuflucht in einem fremden Land
Exil in Uruguay 1933-1945

376 Seiten, Assoziation A 2013 22,00 EUR
Ein Rechtsanwalt aus Berlin, der fern der Heimat eine deutschsprachige Radiosendung gründet, ein junger Mediziner mit musikalischer Ausbildung, der den Chorgesang populär macht, ein kleiner Junge, der von Indianern und Krokodilen träumt und später Regisseur wird, eine junge Frau mit Kind und einem blinden Ehemann, die auf dem Land ein Hotel eröffnet und Gedichte schreibt – sie und etwa 10.000 andere fanden als von den Nazis verfolgte Juden Zuflucht in Uruguay. Das Buch zeichnet das Schicksal der Emigranten nach und zeigt, in welchem Ausmaß sie in NS-Deutschland ausgeplündert und entrechtet wurden; wie schwierig es unter diesen Bedingungen war, Deutschland zu verlassen, ein Aufnahmeland zu finden und die Ausreise zu organisieren. Und es beschreibt die Möglichkeiten, die ihnen Uruguay bot, wo sie offen aufgenommen wurden. Sie konnten dort arbeiten, sich politisch organisieren und bekamen Unterstützung von der ortsansässigen Bevölkerung. Obwohl Uruguay in Relation zu seiner Einwohnerzahl mehr Flüchtlinge aufnahm als etwa Argentinien oder die USA wurde das kleine Land in Südamerika als Exilland bisher kaum wahrgenommen. Sonja Wegner, die für ihre Studie in der Einwanderungsbehörde von Montevideo umfassend recherchiert hat, ist eine exemplarische Länderstudie zum deutschsprachigen, jüdischen Exil gelungen, die eine wichtige Forschungslücke schließt. Dabei zitiert sie aus zahlreichen Interviews, Briefen und Akten mit dem Ziel, den Emigranten ihre Stimme zurückzugeben und sie als handelnde Personen in den Vordergrund zu stellen. Porträts, Fotos und Dokumente runden den liebevoll illustrierten Band ab.

Antonio Callado: Der Tote im See
Leben und Verschwinden des Colonel Fawcett im brasilianischen Regenwald

144 S., geb., Berenberg (erscheint August 2013) 20,00 EUR
Warum machten sich Anfang der fünfziger Jahre ein paar Journalisten auf den Weg in den brasilianischen Regenwald, um einen Engländer zu suchen, der dort dreißig Jahre zuvor auf der Suche nach einer verschwundenen Stadt verschollen war? Und wieso geht das heute noch jemanden an? Die Antwort liefert diese abenteuerliche Reportage aus der Zeit, als sich Brasilien vom Provinzgigant in einen Protagonisten modernster Entwicklung zu verwandeln begann. Im Auftrag eines publicityhungrigen Medienmoguls besuchte Callado jene indigenen Brasilianer, die damals noch gar nicht wussten, dass sie Brasilianer waren und nichts dabei fanden, jemanden verschwinden zu lassen. Was die Reporter bei ihrer Suche nach Percy Fawcett – dem Vorbild für Steven Spielbergs Indiana Jones – entdeckten, daraus entstand dieses in Brasilien bis heute legendäres Buch. Antonio Callado, geboren 1917, arbeitete während des Zweiten Weltkriegs in London für die BBC, schrieb später für alle wichtigen Zeitungen in Brasilien, berichtete über den Vietnam-Krieg und veröffentlichte Theaterstücke und Romane (darunter „Quarup“, sein bekanntester Roman, der auch auf Deutsch erschienen ist). Als er 1997 in Rio de Janeiro starb, war er einer berühmtesten Journalisten des Landes und ist es geblieben.

Omair Ahmad: Jimmy, der Terrorist
200 S., Draupadi Verlag 2012 16,00 EUR
Ein indischer Roman über die Werdegänge sogenannter Terroristen. Nach einem Attentat stürzen sich die Medien auf diese Meldung und glänzen dabei durch ihre Oberflächlichkeit. Anhand einer Vater-Sohn-Beziehung wird die gesellschaftlich-politische Unterdrückung in Indien aufgezeigt, die Diskriminierung hinduistischer Schüler an städtischen Elitenschulen, ein staatliches Sterilisationsprogramm, das arme Muslime betrifft, Folterungen von Muslimen durch die Polizei, fanatische Hindus die Muslime attackieren. Ein trauriger Roman, der aufzeigt, wie Terrorismus überhaupt entstehen kann.

Altaf Tyrewala: Das Ministerium der verletzten Gefühle. Gedicht
96 S., Pb., Berenberg 2013 englisch /deutsch 19,00 EUR
„Diese Stadt, diese Stadt“ – ratlos und empört, fasziniert und entsetzt sieht man mit Alta Tyrewala auf seine Heimat Mumbai und die 18 Millionen Menschen, die hier tagtäglich versuchen, sich ein Leben im Chaos zu erkämpfen. Und oft genug verlieren. Der Teeverkäufer Ganesh zum Beispiel, dessen Straßenstand einer Bushaltestelle Platz machen muss und der sogar beim Selbstmord noch Pech hat. Oder Bhanu, eine Dalit, die in einer Hütte neben dem Luxushochhaus ihres Herrn verreckt. Tyrewala lässt sie in seinem zornigen Langgedicht atemlos vorüberziehen und schafft ein einzigartiges Panoptikum des Lebens in einer entfesselten Metropole unter den Bedingungen des globalisierten Kapitalismus; ein einem Land, das sämtliche Widersprüche dieser schönen neuen Welt auf sich vereinigt. Ein „Waste Land“ für unsere Zeit. Altaf Tyrewala, geboren 1977 in Mumbai, Indien, studierte Betriebswirtschaft in New York City und lebt seit 1999 wieder in Mumbai. 2006 erschien sein erster Roman „Kein Gott in Sicht“ in deutscher Übersetzung (Suhrkamp). 2011 war er Gast des Berliner Künstlerprogramms DAAD.

Mo Yan: Frösche
8 CD, 10 Std., 27 Min., Hörbuch Hamburg 2013 24,99 EUR
Nun auch als Hörbuch und gleich auf der Hörbuch-Besten-Liste: Der Literaturnobelpreisträger Mo Yan hat die Form des Briefromans gewählt, um ein ernstes Thema anzusprechen: die Einkindpolitik Chinas. Dabei erzählt er von der Ärztin Gugu, die tausende Kinder auf die Welt brachte, aber auch dafür sorgte, dass viele Babys erst gar nicht geboren wurden. Zu dieser verstörenden Geschichte setzt Gert Heidenreich mit seiner ruhig sonoren Stimme einen wohltuenden Kontrast.

Michael Langoth: Mekong Food
224 S., geb., Styria 39,99 EUR
Asia-Kochfans brauchen dieses Buch!

Chainarong F. Toperngpong: Das (Baan) Thai-Kochbuch
Bilder, Geschichten, Rezepte

160 S., Jackoby & Stuart 2013 19,95 EUR
Familienrezepte mit Anekdoten aus dem väterlichen Resteraunt, Küchenbackround-informationen und spannende landeskundliche Appetithäppchen.

SOULFOOD – Food & Music. Fat & Yummy
TRIKONT US-0442, Box-Set: 20,00 EUR
Kochbuch 156 Seiten mit 68 Rezepten & CD mit 18 Tracks und Booklet

Trina Hahnemann: Die skandinavische Küche
224 S., Christian 2008 29,95 EUR

Renè Redzepi: Noma – Zeit und Ort in der nordischen Küche
368 S., Edel 2011 49,95 EUR

Russell Norman: Die venezianische Küche
322 S., Christian 36,99 EUR

Micaela Stermieri: Tutti a tavola!
Meine italienischen Familienrezepte

224 S., Fackelträger 2013 19,95 EUR

Dario Santangelo / Diego Santangelo: Neapel sehen und genießen
Neopolitanische Lebensart

288 S., geb., Styria 39,99 EUR
180 traditionelle Rezepte

Valerie Terrier Robert:
Ma France. Die besten Rezepte der französischen Landküche

192 S., geb., Heel 2013 24,95 EUR
Ein Buch zum Schwelgen und Schlemmen. Die besten Familienrezepte aus allen Regionen Frankreichs – ergänzt um charmante Anekdoten.

Susanne Lücke-David: Das Europäische Brotbackbuch
96 S, 32 farbige Abb., Verlag Moritz Schäfer 19,95 EUR
Die Autorin, promovierte Kunsthistorikerin und Archäologin, hat eine Leidenschaft für gutes Brot. Für sie ist Brot ein Eckpfeiler der Esskultur und ein Gradmesser der Qualität einer Küche. Sie begann schon in den 1970er Jahren quer durch Europa Rezepte und Informationen rund ums Brot zu sammeln. Als Kolumnistin beim ZEITmagazin publizierte sie dann die ersten Bauernbrotrezepte und löste damit eine Selberbackwelle aus, die bis heute nicht verebbt ist. Sie ist Verfasserin mehrerer einschlägiger Bücher, von denen das vorliegende eine aktualisierte, erweiterte Ausgabe ihrer ersten Publikation zum Thema Brot darstellt. Entstanden ist so eine Zusammenstellung von Bauerbrotrezepten, die gleichzeitig häufig uraltes bäuerliches Kulturgut vor dem Vergessen bewahrt. Von Kastenweißbrot aus Irland über französische Pain boulot, mediterranes Maisbrot und donauschwäbisches Bierhefebrot geht die europäische Brotbackreise weiter bis zu baltischen Kuckeln oder dem schwedischen Vörtbröd. Aber auch heimische Rezepte wie Rievekuchen, Schwarzwälder Bauernbrot, hessisches Korbbrot, Schux`n aus dem Chiemgau oder Thüringer Trogkuchen werden beschrieben. Die Rezepte beinhalten u.a.: Kastenweißbrote, freigeschobene Weizenbrote mit Hefe, Mischbrote mit Hefe, Brote mit Sauerteig und Hefe, Kleingebäcke aus Brotteig, süße Brote, Brote aus glutenfreiem Mehl, Rezepte mit Altbackenem, Schmuckbrote. Wichtige Regeln und Tipps zum Brotbacken, sowie umfangreiche Hintergrundinformationen zu den Backzutaten, zu der Teigbereitung, zum Backvorgang, zur Aufbewahrung des Brotes usw. runden das Werk ab.

Bestelladresse:

Alle Titel können Sie überall im Buchhandel wie auch unter folgender Adresse erwerben:

Worms Verlag
Abt. Onlineshop
Kultur- und Veranstaltungs GmbH,
Von Steuben Str.5, 67549 Worms
Berthold Röth Tel. 06241-2000-314
e-mail: berthold.roeth@kvg-worms.de

10 Jahre Worms Verlag

April 11, 2013

10 Jahre Worms Verlag – Verlag für Regionalia, Nibelungen und Judaica

Der Worms-Verlag wurde als Projekt der Nibelungenmuseum-Betriebs GmbH (heute: Kultur- und Veranstaltungs GmbH) im Jahr 2003 gegründet. Das erste Produkt war neben den Museumskatalogen die Broschüre „Facetten eines Epos“ zu den Nibelungen und Worms. Es folgten weitere „Nibelungen“-Produkte: Programmbücher der Nibelungen-Festspiele, Tagungsdokumente der Nibelungen-Symposien und sehr bald stellte sich heraus, dass die Stadt Worms aus unterschiedlichen Anlässen zu Ausstellungen und historischen Jubiläen Publikationen erstellt, denen aber eine umfassende lokale und regionale Vertriebsmöglichkeit fehlte.

Es wurde daher ein Regionalverlags- Konzept entwickelt nachdem der Worms-Verlag Printprodukte und andere Verlagsprodukte (CD, DVD) herstellen sollte, die nicht auf dem Markt privater Anbieter, sondern nur über öffentliche Zuschüsse und im öffentlichen Interesse herstellbar sein würden. Durch die Vernetzung mit Fachverwaltungen und örtlichen Vereinen konnten für zahlreiche Produkte Zuschüsse generiert und projektnah umgesetzt werden. Satz und Druck werden jeweils an private Anbieter vergeben. Bei Ausschreibungen kommen oft lokale Anbieter aus der Kreativwirtschaft zum Zug. Das Label „Worms-Verlag“ wird gleichzeitig zum Stadtmarketing eingesetzt – alle Verlagsprodukte tragen den Stadtnamen nach außen.

2005 wurde für die Abwicklungen des Verlages der Buchhändler Berthold Röth angestellt. Erst dadurch war es möglich, den Buchhandel professionell zu bedienen, da dieser Markt besondere Fachkenntnisse in der Abwicklung verlangt. Kurz zuvor war das Buch „Siegfried – Schmied und Drachentöter“ erschienen, das zwar wie alle vorherigen Titel über eine ISBN verfügte und in großen Feuilletons wie „Spiegel“ und „Zeit“ rezensiert wurde, aber dennoch erstmal kaum Abverkauf fand. Aus verlegerischen Unkenntnissen wurden damals die Titel nicht auch ans VLB gemeldet und waren im Handel somit nicht auffindbar. Dies als Beispiel was an Wissen und Kenntnissen in einem Verlag notwendig sind und für eine Stadt als Verleger ohne professionelle Fachkräfte nicht geleistet werden kann. Durch Eintragen der Titel ins VLB verkaufte sich bis heute das Buch auch als Backlist-Titel, was auch für alle anderen Bücher gilt. Bis zum jetzigen Verlagsstand war es ein langer Weg. Barsortimente winkten damals dankend ab, denn mit städtischen Verlagen habe man keine guten Erfahrungen gemacht. Es war mühsame Kleinarbeit den Sortimentern und Zwischenhändlern deutlich zu machen, dass es sich beim Worms Verlag um einen ganz „normalen“ Verlag auch handelt, der über Verkehrsnummer verfügt, über BAG-Anschluss (Buchhändlerische Abrechnungsgesellschaft) und all das andere was in Verlagen eigentlich Alltagsgeschäft ist. Mittlerweile ist der Verlag in den Barsortimenten auch gelistet, ist einer Verlagsauslieferung angeschlossen und verfügt auch über eine Verlagsvertretung

2006 kam das erste Heimatjahrbuch der Stadt Worms heraus und wird seitdem jährlich mit vielen ehrenamtlichen Autoren und Redaktionsmitgliedern gemeinsam erstellt. Der Verlag erweiterte sich in der Folge auf lokale und regionale Produkte und Kooperationen. Seitdem sieht sich der Verlag vor allem als Regionalia-Verlag und besetzt damit als kleiner Verlag eine Nische, die ihm große Verlage von vorneherein auch gar nicht streitig machen. Diese Nische enthält natürlich großes Potential, das noch nicht komplett ausgenutzt ist, aber stetig wächst.

Am Gesamtprogramm heute ist leicht zu ersehen, dass neben den rein städtischen Publikationen immer mehr Kooperationen mit Vereinen und regionalen Netzwerkpartnern hinzukamen, aber auch Auftragsarbeiten das Programm von Jahr zu Jahr erweiterten. Strukturiert wurde das Programm dabei durch Kulturprofile (Nibelungen, Luther, Jüdisches Worms) sowie die Stadt- und Regionalgeschichte. Immer mehr Autoren fragen an, ob sie im Verlag veröffentlichen können und finanzieren teilweise dies auch selbst. Als städtische Einrichtung handelt der Verlag nicht gewinnorientiert, erhält in solchen Fällen eine Vertriebsprovision, die Verkaufserlöse gehen ansonsten direkt an die Autoren, die in Eigenverlag nicht über das gebotene Vertriebssystem verfügt hätten. Bei den eigen aufgelegten Produktionen handelt es sich um Titel, die aus städtischer Sicht notwendig sind, die aber kein wirtschaftlich orientierter Verlag ohne hohe Zuschüsse zu verlangen produzieren würde. Auch unter diesen Gesichtspunkten ist das Betreiben eines eigenen Verlages günstiger.

Als Programmbezeichnung wurde Regionalia, Nibelungen und Judaica gewählt, da auch sehr früh eine Broschüre zu „Raschi“ im Programm war. Auf Judaica zu setzen war vorausschauend, denn es kamen einige weitere jüdische Titel hinzu. Vor allem durch den Antrag der Städte Speyer, Worms und Mainz als Schum-Städte ins Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen zu werden wird dieses Segment sich erweitern und an Bedeutung gewinnen. Neben den Sachbuchtiteln im Verlag – es gibt nur ein einziges belletristisches Mundart-Buch bisher – ist für 2014 auch ein historischer Roman zum jüdischen Worms geplant. Damit wird – inzwischen waren als viertes Standbein bereits Bücher zu Kunst hinzugekommen – auch Belletristik als fünftes Standbein ein Rolle spielen.

Der Worms Verlag pflegt inzwischen eine umfangreiche Backlist. Bis auf wenige vergriffene Titel sind alle Veröffentlichungen lieferbar gehalten und werden bei Bedarf nachgedruckt. Gerade diese umfangreiche Backlist macht das Verlagsprogramm für den Handel attraktiv und sorgt für Umsätze, denn im Gegensatz zu den Anfangsjahren des Verlages – wo Neuproduktionen sich nur bei Erscheinen gut verkauften und dann ohne weitere Nachfragen im Lager stapelten – haben in 2012 die Umsätze mit der Backlist die Einnahmen der Neuheiten sogar überschritten, was für einen Verlag sehr gesund ist. Neuheiten stellen darüber hinaus ja auch die Backlist von morgen dar. Das starke umfangreiche Backlistprogramm ist somit inzwischen das Rückgrat des Verlages. Auch in vergleichbaren Verlagen dauert es mitunter zwei bis drei Jahre bis ein Titel nach seiner Veröffentlichung seinen Weg in den Markt gefunden hat, dann aber plötzlich hohe Auflagen erreichen kann. Jeder unabhängige kleine Verlag – der nicht auf Bestseller aufgestellt ist – arbeitet ganz bewusst mit der Backlist und setzt so auf dauerhafte Qualität. In den letzten Jahren behauptete sich der Worms Verlag sehr deutlich gegen den allgemeinen rückläufigen Trend der Umsatz- und Absatzentwicklung des Buchhandels. Entgegen den Rückgängen innerhalb der Branche nehmen die Umsätze Jahr für Jahr stetig zu. Das macht deutlich, dass das Potential noch nicht ausgeschöpft ist und die Werbe- und Vertriebsmaßnahmen erfolgreich verlaufen.

Der Worms-Verlag hat sich in seinem zehnjährigen Jubiläum von einem Kleinverlag zu einem mittleren Verlag entwickelt. Der Verlag ist zu einer Institution geworden, die innerhalb der Ämter und Verwaltungen der Stadt Worms nicht mehr wegzudenken ist. Es kam zu immer mehr Kooperationen bei Titelproduktionen. Beispielsweise veröffentlicht inzwischen das Stadtarchiv viele seiner Bücher nicht mehr in Eigenproduktion, sondern nutzt den Worms-Verlag als Vertrieb, auch mit der Stadtentwicklung oder den Hafenbetrieben wurde in solcher Form kooperiert. Für die Kooperationspartner ist ein verlässlicher Vertrieb gewährleistet. Gleiches gilt für Autoren, die zwar auf eigene Kosten produzieren, aber das Vertriebssystem selber nicht bewältigen könnten.

Als Nibelungenbuch-Verlag ist der Verlag überregional inzwischen „der“ anerkannte Fachverlag. Das Logo und der Verlagsname machen dabei zudem eine nicht zu vergessende Werbung für die Stadt Worms.

Seit Herbst 2010 erscheint halbjährlich ein kleines Verlagsverzeichnis. Verlagsvorschauen wie bei anderen Verlagen können aber nicht erstellt werden. Titel im Worms Verlag erscheinen mitunter ohne eingeplant gewesen zu sein sehr kurzfristig oder verzögern sich.
Der Verlag präsentiert sich auf kleineren regionalen Buchmessen genauso wie auf der Frankfurter Buchmesse. Im Internet ist er unter http://www.worms-verlag.de vertreten sowie im Web 2.0 auf den Social Media Seiten (Facebook, Twitter und Blogg).

Lieferbar sind derzeit 82 Titel, nur einige wenige wurden nach Abverkauf bislang nicht wieder nachgedruckt.

Bücherliste Avantgarde – Underground – Trash Nr. 4

April 10, 2013

Die vorhergehenden Listen können noch allesamt im Archiv unter wormsverlag.wordpress.com abgerufen werden.

Cord Riechelmann: Krähen. Ein Portrait
155 S., Matthes & Seitz 2013 18,00 EUR
Die Familie der Krähen, wissenschaftlich Corvidae, ist eine in der Entwicklungsgeschichte der Singvögel relativ junge Familie. Sie umfasst 123 Arten, zu denen auch Elstern und Häher zählen; ihre engsten Verwandten sind die Paradiesvögel. Anders als diese kommen die meist schwarz gefärbten Krähen beinahe überall auf der Erde vor. Die Mythen, die sie von jeher begleiten, sind ebenso dunkel wie sie und handeln fast immer von Übel und Tod. Selbst die zunehmende Erforschung ihrer herausragenden Intelligenz konnte sie nicht von ihrem schlechten Ruf befreien. Im Gegenteil: Dass Krähen über ein Gedächtnisvermögen verfügen, das sogar jede menschliche Kapazität übersteigt, scheint nur ein weiterer Ausweis ihrer Unheimlichkeit zu sein. Cord Riechelmann, »der einzige wirkliche Tierjournalist, den wir haben« (Jakob Augstein), erzählt die erstaunliche Natur- und Kulturgeschichte dieser klugen Vögel und stellt zwanzig Krähenarten vor, die er selbst auf fünf Kontinenten beobachten konnte. Sein Tierportrait vermittelt nichts weniger als den unvoreingenommenen Blick auf das scheinbar Vertraute. Cord Riechelmann, geboren 1960 in Celle, studierte Biologie und Philosophie an der Freien Universität Berlin. Er war Lehrbeauftragter für das Sozialverhalten von Primaten und für die ›Geschichte biologischer Forschung‹. Außerdem arbeitete er als Kolumnist und Stadtnaturreporter für die ›Berliner Seiten‹ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sein Hauptinteresse gilt den Lebens bedingungen von Natur in der Kultur städtischer Lebensräume. Er lebt als Publizist und Autor in Berlin.

Simone Stölzel: Nachtmeerfahrten: Die dunkle Seite der Romantik
350 S. , geb. Die Andere Bibliothek 2013 36,00 EUR
Limitierte Ausgabe; zweifarbig gedruckt auf geglättetem, holzfreiem Designpapier; farbiges Vor- und Nachsatzpapier; gebunden in rotes Comtesse-Leinen mit einer Linienprägung; geprägtes Etikett, Fadenheftung und Lesebändchen. Eine literarische Reise durch die dunkle Seele der Romantik – Von Lüsten, Wahn und anderen Zwängen*Die Visionen der Romantik haben die europäische Kultur der vermeintlich aufgeklärten Moderne geprägt – so viel epochaler Anfang war nie. Ob in der Philosophie, der Literatur oder der Kunst, die Romantik war eine wunderbare Neuaneignung unseres Welt- und Selbstverständnisses.*Zu ihrer Konsequenz geführt aber wird die romantische Idee erst in der Schwarzen Romantik – erst diese leuchtet die Abgründe der Seele, das uns Fremde, die andere Seite der Vernunft aus und lässt die Utopie vom besseren Menschen brüchig aussehen.*Die Kulturwissenschaftlerin Simone Stölzel unternimmt essayistische »Nachtmeerfahrten«, literarisch-anthologische Erkundungen der schillernden schwarzromantischen Bilder- und Symbolsprache. *Nachtmeerfahrten beleuchtet die dunklen, die anderen Seiten berühmter Autoren – die wir neu entdecken, neu lesen lernen: Tieck, Heine oder Hoffmann und Hauff, Gautier, Byron, Shelley und Stoker, Maupassant, Stevenson, Poe und Meyrink, Huysmans oder Kubin – die Liste ist lang und Nachtmeerfahrten geleiten uns in eine Welt der Geister und Schatten, die gerahmt und illustriert wird von Werken der bildenden Kunst. Die Autorin Simone Stölzel, geboren 1965, lebt als promovierte Kulturwissenschaftlerin und Publizistin in Berlin. Sie veröffentlichte u.a. zu Valenciennes, Cioran und Maugham, aus dessen Werken sie auch übersetzt hat. Zuletzt erschien mit Thomas Stölzel W. Somerset Maugham, Leben und Werk (2010); 2012 erscheint Unendliche Weiten,Lösungsorientiert denken mit Captain Kirk, Mr. Spock und Dr. McCoy.

Das neue Gänsehaut-Lesebuch
240 S., dtv 2013 8,90 EUR
Diese schaurig-schöne Anthologie lädt ein, wieder der Grusellust zu frönen. Das neue Gänsehaut-Lesebuch versammelt die schrecklichsten Geschichten berühmter Schriftsteller aus aller Welt: Sie erzählen von geisterhaften Kindermädchen, gepfählten Schiffskapitänen und verzweifelt umherirrenden Seelen. Mitreißend und psychologisch feinsinnig geschrieben entführen ›Sleepy Hollow‹ & Co in die düsterromantische Welt des Schauers.
Mit Erzählungen von Edith Wharton, Wilhelm Hauff, Washington Irving, Nathaniel Hawthorne, Edgar Allan Poe, Iwan S. Turgenjew, Heinrich Seidel, Guy de Maupassant, H.P. Lovecraft, Mr. R. Jame und F. Scott Fitzgerald.

Evert Konrmayer: Das kulinarische Necronomicon
Die etwas andere Rezeptsammlung

590 S., Gebrüder Kornmayer 24,95 EUR
Am Anfang steht die Warnung: „Dieses Buch ist ethisch nicht korrekt“. Frittierte Hühnerköpfe, Pinguin-Jakobsmuschel-Ragout. Ein schaurig-schönes Gruselkabinett der Kochkunst, in Samt gebunden und mit alten Zeichnungen illustriert.

Georg Seeßlen: Träumen Androiden von elektronischen Orgasmen?
Sex-Fantasien in der Hightech-Welt 1

156 S., Bertz und Fischer 2011 9,90 EUR

Georg Seeßlen: Der virtuelle Garten der Lüste
Sex-Fantasien in der Hightech-Welt II

212 S., Bertz und Fischer 2011 9,90 EUR

Die nach-humane Zukunft hat schon begonnen: Menschen werden immer weiter umgebaut, verbessert, verschönert (mehr oder weniger), sie werden maschinell, pharmakologisch und chirurgisch in den Postmenschen verwandelt, sie sollen immer länger gesünder, jünger und attraktiver erscheinen, und was mit Anti-Aging-Cremes beginnt, soll mit dem perfekten Menschendouble enden. Maschinenwesen, denkende Roboter, lebende Computerprogramme, Klone, Androiden, gentechnisch veränderte, alters- und leidenslose, transhumane Lebewesen, wie immer sie auch ausschauen, eher Monster oder eher Supermensch, irgend etwas und irgend jemand kommt da in der Zukunft, was mehr als Mensch ist. Und man weiß nicht so recht, ob diese Wesen asexuell, hypersexuell oder metasexuell sein werden. Von dem Tag an, da Frankensteins Braut sich in ihren Schöpfer verliebte, entwickelte sich eine lange Reihe der grotesken, gefährlichen und hier und da poetischen Liebesgeschichten zwischen Menschen und Postmenschen, zwischen Körper und Maschine, zwischen Wirklichkeit und Simulation. Zweifellos verschwinden die sexuellen Impulse nicht, wenn der Mensch nicht mehr vom Weibe, sondern in den Labors geboren wird. Nur: Wohin damit? Das Bildnis des sexuellen Postmenschen wird aus Begehren und Angst zusammengesetzt. Langweilig ist das nicht. Die populäre Kultur hat also schon lange damit begonnen, sich Bilder zu machen vom Post-Menschen mit seinen Konflikten zwischen dem Maschinellen und dem Sexuellen. Wird sich der neue Mensch noch verlieben können? Wird es Mischehen zwischen Menschen und sexy Robots geben? Können Postmenschen, deren Gehirne durch interne Festplatten erweitert sind, sich sexuelle Identitäten programmieren lassen? Kippt die gute alte Sexualität bei der einen oder anderen „Spezies“ in bloße Fress- und Zerstörungslust? Und wie erotisch ist eigentlich dieses Menschenbasteln, von dem die Wissenschaftler in der Fiktion wie in der Wirklichkeit besessen scheinen? Sind romantische Vampire die besseren Liebhaber? Hat Lara Croft Stalker? Kann man noch Sex haben, wenn keine Kamera eingeschaltet ist? Was ist noch „echt“ an Deutschlands neuestem Supermodel. Ein Streifzug durch die populäre Mythologie, von der Science-Fiction zum Porno, vom Videogame zum Trash-Fernsehen, von der sexuellen Prothese zur Fickmaschine, von der Wissenschaft zum Märchen (und zurück).

Georg Seeßlen: Das zweite Leben des „Dritten Reichs“
(Post)nazismus und populäre Kultur. Teil 1

232 S. , Bertz und Fischer 2013 9,90 EUR
(Post)nazismus und populäre Kultur. Teil 2
180 S., Bertz und Fischer 2013 9,90 EUR
Der Nazismus ist nicht Geschichte. Seine ideologischen Elemente leben fort in alltäglichen Mythen und in der populären Kultur, und sie überstehen auf bizarre Weise die Attacken der Aufklärung. Die faschistische Bildermaschine ist nicht im Museum eingeschlossen, sie taucht in immer neuen Variationen auf, nicht nur an den rechten Rändern, sondern auch im Zentrum der Gesellschaft. Georg Seeßlen analysiert in drei Bänden die Schnittstellen von historischem Faschismus und Gegenwartskultur: den Kult um Leni Riefenstahl und die Ufa-Nostalgie, die Renaissance von Nazi-Kunst und -Kitsch, die Revision der Geschichte durch die unentwegte Produktion von Faschismus-Bildern in Film und Fernsehen, in Comics, Regenbogenpresse, Heftromanen und populärer Musik. Georg Seeßlen, geboren 1948, zählt zu den angesehensten und bekanntesten (Film-)Publizisten. Texte über Film, Kultur und Politik für „Die Zeit“, „Der Spiegel“, „taz“, „konkret“, „Jungle World“, „epd Film“ u.v.a. Zahlreiche Bücher zum Film und zur populären Kultur, u.a.: „Martin Scorsese“; „Quentin Tarantino gegen die Nazis. Alles über INGLOURIOUS BASTERDS“; „Blödmaschinen. Die Fabrikation der Stupidität“ (zusammen mit Markus Metz); „Tintin, und wie er die Welt sah. Fast alles über Tim, Struppi, Mühlenhof & den Rest des Universums“; „Sex-Fantasien in der Hightech-Welt“ (3 Bände).

Christian Y. Schmidt: Wir sind die Wahnsinnigen
Joschka Fischer und seine Frankfurter Gang

400 S., Verbrecher Verlag 2013 18,00 EUR
Er war Straßenkämpfer, Oppositionsführer, Außenminister und Vizekanzler. Er war lange Zeit der beliebteste Politiker Deutschlands. Doch der Aufstieg des Joschka Fischer hat sich anders vollzogen, als dieser es darstellt. Wie wurde der Linksradikale zum Staatsdenker und schließlich zum Unternehmer in eigener Sache? Christian Y. Schmidt zeigt, wie Fischer und seine Gang es geschafft haben, aus der Sponti-Szene heraus wichtige Posten in Frankfurt am Main und Hessen zu erobern – und wie sie dabei ihre früheren Ideen und Ideale verleugneten. Auch 15 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen ist diese biografische Studie noch immer aktuell – und liegt endlich wieder in erweiterter Neuausgabe vor. Christian Y. Schmidt, 1956 geboren, war bis 1996 Redakteur des Satiremagazins Titanic. Seitdem arbeitet er als freier Autor und ist Senior Consultant der Zentralen Intelligenz Agentur sowie Rotationskommunist. 2008 erschien das Reisebuch »Allein unter 1,3 Milliarden«, 2009 der China-Crashkurs »Bliefe von dlüben« und 2010 die autobiografische Skizze »Zum ersten Mal tot«. 2011 erschien im Verbrecher Verlag »Im Jahr des Tigerochsen«, 2013 folgte »Im Jahr des Hasendrachen«.

Das Ende der Enthaltsamkeit
Über Bars, Cocktails, Selbstermächtigung und die Schönheit des Niedergangs

192 S., geb. , Edition Nautilus 2013 19,90 EUR
In sieben mysteriösen Zirkeln und unter prophetischer Mitgift von 21 trinkfesten Autorinnen und Autoren fächert die Cocktailbar »Golem« am Hamburger Fischmarkt die Welt der Spirituosen mit Humor, kritischer Distanz, historischem Bewusstsein und heiterm Wahnsinn auf: Roger Behrens schreibt Anmerkungen zum Alkohol (Rausch versus Genuss), Thomas Ebermann fragt sich, was Herbert Marcuse über Hedonisten dächte, gäbe es sie im Golem, Tino Hanekamp berichtet vom Saufen mit Don Quixote, Heinz Strunk stellt Trinker gegen Abstinenzler (also Gut gegen Böse), Georg Seeßlen begeistert mit dem Titel »Zwei Bier – Einakter«, Fahim Amir wagt sich in das bisher noch recht unerforschte spannungsreiche Themenfeld Tiere-Alkohol-Psychoanalyse und so manches mehr, unter anderem von Kerstin Stakemeier, Hermann L. Gremliza, Armin Chodzinski, Nis-Momme Stockmann, Dirk von Lowtzow. Neben Praktischem – wie 16 Rezepten für exquisite Cocktails, der Anleitung für die perfekte Hausbar und illustrierten Beispielen für die Eleganz der Dekadenz – geben die Herausgeber einen Einblick in die Geheimnisse der Selbstermächtigung (oder das, was sie dafür halten). Alvaro Rodrigo Piña Otey, geboren 1980 in Chile. Mit den Eltern Flucht nach Deutschland, Kindheit und Jugend in Hamburg-Wandsbek. Beginn und Abbruch diverser Ausbildungen und Studien – Tätowierer, Pyrotechniker, Wirtschaft, Geschichte & Literatur –, Arbeit als Tourmanager, Clubbetreiber und Veranstalter, heute Betreiber des Golem. Anselm Lenz, geboren 1980 in Hamburg, Dramaturg an diversen Staatstheatern und Festivals, u. a. am Schauspielhaus Hamburg, wo er die Szene- und Stadtkulturreihe »Explosion« betreute. Eigene Film-, Theater- und Textarbeiten, seit 2012 Mitgründer und Hausdichter des Golem.

Colin MacInnes: Absolute Beginners
320 S., geb., Metrolit 2013 19,99 EUR
In diesem bereits 1959 erschienen Buch wird die Urszene der britischen Jugendbewegung beschrieben: den Split in Teddy Boys und Mods. Der Erzähler, ein literarischer James Dean, rebelliert gegen alles, was ihm gegen den Strich geht. Seine Freunde sind die Transen und Dealer, sein Zuhause die verrauchten Jazz Clubs und die Straßen, auf denen es bald zu Gewaltausbrüchen kommt – den berüchtigten Notting Hill Riots. „A book of inspiration“ – Paul Weller

Alen Mescovic: Ukulele Jam
352 S., geb., Metrolit 2013 21,99 EUR
Hier setzt ein junger Bosnier seinen Erlebnissen im jugoslawischen Bruderkrieg die Unbeschwertheit und den Willen zur unversehrten Jugend entgegen: Mit viel Witz und unaufdringlicher Klugheit – und dem Sound der 90er. Alen Meškovic ist der Salinger der Vertriebenen. »Lustig wie Nick Hornby und zugleich von einer Ernsthaftigkeit, die man nicht missverstehen kann.« – Ekstra Bladet. Und das Büchermagazin endet seinen langen Beitrag zum Buch mit: „Das Flüchtlingslager, in dem sowohl Bosnier als auch Serben und Kroaten leben, ist ein verkleinertes Abbild Ex-Jugoslawiens. Der Krieg geht hier weiter, von Balkon zu Balkon. Während die Davongekommenen einander Schläge androhen, versucht Mikis Kumpel Igor, ein zwanzigjähriger Berufssoldat, in wenigen Tagen Urlaub so viel Leben abzubekommen, wie er kann. Und so oft er sich den Eintritt leisten kann, geht Miki ins Ukelele, eine Underground-Disco, in der Megadeath, Iron Maiden und Nirvana gespielt werden. Ungefähr sechzig Song- und Albumtitel werden im Buch erwähnt. Diese Soundtitel bilden den Soundtack dieser verrückten Zeit, als der Nationalismus jeden Aspekt des Lebens vergiftete. Musik wurde zum Mittel der Propaganda. Mescovic: „Für uns Jugendliche waren Heavy Metal, Punk, Grunge etc. eine Möglichkeit, uns diesem maskulinistischen, militärischen, fremdenfeindlichen Wertesystem zu entziehen. Während die Balkanländer nach dem Zerfall von Titos Jugoslawien ihre nationalen Identitäten fanden, schufen auch wir unsere Identitäten – genau wie alle anderen Teenager der Welt“.

Daniel Ryser: Slime
Deutschland muss sterben

288 S., geb., Heyne 2013 19,99 EUR
»Sich fügen heißt lügen.« Über 30 Jahre Punkrock und Revolte: Die legendäre Hamburger Band Slime erzählt ihre Geschichte, ungeschönt und aus erster Hand. Wegbegleiter und Bewunderer wie Campino, Jan Delay und Rocko Schamoni kommen mit persönlichen Anekdoten zu Wort. Ergänzt um bislang unveröffentlichtes Archivmaterial, entsteht das Porträt einer außergewöhnlichen Band und ihrer Zeit. Sie waren und sie sind Deutschlands radikalste Punkband. 1979 in Hamburg gegründet, richteten sich Slime mit Texten wie »Deutschland muss sterben« und »Wir wollen keine Bullenschweine« gegen den Staat, die Polizei, Faschismus und Kleinbürgerlichkeit und lieferten die Parolen für eine wachsende autonome Szene. Straßenschlachten mit Neonazis und Polizisten und die Beschlagnahmung des Albums Slime 1 förderten ihren Nimbus als Kämpfer gegen das System. Gleichzeitig wurde ihnen der kommerzielle Erfolg von Teilen der Punkszene zum Vorwurf gemacht. Dennoch stehen Slime bis heute sinnbildlich für den musikalischen Widerstand. Dieses Buch erzählt erstmals die ganze bewegte Geschichte der umstrittenen Band und ihres Umfelds: von Bandproben im Luftschutzbunker, von Hausbesetzungen in der Hamburger Hafenstraße, vom Aufstieg des FC St. Pauli vom Stadtteilklub zum gefeierten Kultverein, vom Ärger mit der Zensur und mit den Hells Angels. Daniel Ryser, geboren 1979, lernte das journalistische Handwerk beim St. Galler Tagblatt und arbeitete ab 2005 für fünf Jahre als Reporter für die Wochenzeitung WOZ. 2008 wurde er für ein Interview mit dem serbischen Fußballspieler Ivan Ergi? mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet. Im Echtzeit Verlag erschienen von ihm Feld-Wald-Wiese. Hooligans in Zürich und Yello – Dieter Meier und Boris Blank. Er lebt in Zürich und arbeitet als Reporter für Das Magazin.

Aleister Crowley: Tagebuch eines Narren
448 S., geb., Scipio 29,90 EUR
‚Jeder Mann und jede Frau sind ein Stern.‘ AC Der vorliegende Roman, geschrieben vom „wickedest man in the world“ (verderbtesten Mann der Welt), wie die britische Presse Aleister Crowley titulierte, erschien unter dem Titel „Diaries of a Drug Fiend“ erstmals 1922. Aleister Crowley verarbeitet darin mehrere Jahre seines Lebens bis hin zu den Erfahrungen in der von ihm gegründeten Abtei Thelema auf Sizilien. ‚Tu was du willst, soll sein das ganze Gesetz.‘ AC Die Neugestaltung einer Gesellschaft, die den individuellen Willen als höchste ethische Instanz ansieht, war für Crowley spätestens seit der Niederschrift des „Liber L. vel Legis“ (Das Buch des Gesetzes, ca. 1904) höchstes Lebensziel. ‚Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen.‘ AC Crowley war zunächst Mitglied des Golden Dawn, maßgeblichen Einfluß übte er später auf den O.T.O. aus. 1925 wurde er auf dem als Weida-Konferenz bekanntgewordenen Treffen europäischer Okkultisten gar als „Lehrer der Welt“ ausgerufen.
‚Es gibt kein Gesetz jenseits von: Tu was Du willst.‘ AC Bis an sein Lebensende vertrat Crowley vehement die „Thelema-Gesetze“. Edward Alexander „Aleister“ Crowley (1875-1947) war ein bekannter Bergsteiger, Okkultist, Lebemann, Drogenkonsument, Sexualmagier und Literat. Heute wird er von vielen als Ahnvater der New-Age-Bewegung angesehen, von anderen als Begründer des Satanismus diffamiert. Auszug: „Als Ehemann war es meine Pflicht, so viele Juwelen für Lou zu kaufen wie ich mir leisten konnte. Andererseits mußte man vorsichtig sein. Ich kaufte die erwähnten Stücke, bezahlte sie und widerstand der Versuchung, eine grüne Krawattennadel mit einer Perle für mich zu kaufen, obwohl ich sie gern gehabt hätte, da sie mich jedes Mal, wenn ich sie angesteckt hätte, an Lous Augen erinnert hätte. Aber sie war wirklich ziemlich teuer, und Mr. Wolfe hatte mich ernstlich davor gewarnt, mich zu verschulden. Also bezahlte ich den Rest von dem Zeug und wir verschwanden. Wir überlegten uns, zum Essen in das Bois zu fahren; im Taxi nahmen wir noch etwas Schnee, und Lou fing an zu weinen, weil ich mir nichts gekauft hatte. Also nahmen wir noch etwas mehr Schnee. Wir hatten reichlich Zeit, denn niemand ißt vor zwei Uhr. Wir kehrten zum Juwelier zurück und kauften die grüne Perle, und das erregte Lou derartig, daß das Taxi zum Flugzeug wurde…“

Tarek Ehlail: Piercing is not a crime
33 bestechende Anekdoten aus dem Leben eines Bodypiercers

288 S., Pb. , Schwarzkopf & Schwarzkopf 2013 9,95 EUR
Piercing is not a crime lautet das Motto des Piercingstudios, in dem sich Schulabbrecher Tarek seine Brötchen verdient. Schnell wird ihm klar: Kaum ein Ort eignet sich besser für ausgiebige Sozialstudien – denn hier geben sich Menschen aller Altersklassen, sozialer Schichten und Nationalitäten die Klinke in die Hand und konfrontieren den jungen Piercer mit immer neuen, teilweise zweifelhaften Ansinnen. Aber auch die diversen Außeneinsätze haben es in sich: So wird Tarek zum Beispiel auf eine Piercingparty in einen Swingerclub gerufen, unternimmt eine Nadelstichexpedition ins Getto von Kairo und verhilft einem skurrilen SM-Pärchen im örtlichen Puff durch das Stechen eines Hodenrings zu einem ganz besonderen Start in die Ehe. Angesichts nekrotischer Brustwarzen, spritzender Eiterbrünnchen und versilberter Genitalien bewegen sich die 33 Geschichten für den Leser oft am Rande der Schmerzgrenze. Doch Tarek Ehlail führt ihn mit einer gesunden Portion Sarkasmus und erfrischender Ehrlichkeit durch jede noch so heikle Situation. Denn ein Piercer verliert auch bei den abenteuerlichsten Kundenwünschen nicht die Nerven – so ist der Job. TAREK EHLAIL, 31, lebt an der A7 zwischen Hamburg und der Saarprovinz. Seine Karriere verlief ungewöhnlich: Vom Schulabbrecher wurde er zum Piercer, vom Piercer zum Filmregisseur (Chaostage; Gegengerade). Der Autodidakt und Hansdampf in allen Gassen hegt den simplen Wunsch, schon mit 35 in Rente zu gehen und dann nur noch seinen Hund Gassi zu führen. Piercing is not a crime ist sein erstes Buch.

Frank Spilker: Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen
160 S., geb., Hoffmann & Campe 2013 19,99 EUR
Alles geht den Bach runter. Die Freundin ist weg, sein Graphikbüro in Hamburg pleite – Thomas Troppelmann wächst alles über den Kopf. Er setzt sich in den Zug, lässt sich durch Deutschland und durch seine Erinnerungen treiben, bis er sich in einem Kurort wiederfindet, in dem er schon als Kind nicht sein wollte … Frank Spilker, Kopf der legendären Hamburger Band „Die Sterne“, erzählt eine Geschichte vom Niedergang, und das so lässig und lakonisch, dass man seinem Helden liebend gern folgt. Beängstigende Anwandlungen plagen Thomas Troppelmann. Unvermittelt schlägt er sich durchs Walddickicht, während er eigentlich im Büro in Hamburg-St. Pauli sitzt. Seit ihn seine Freundin verlassen hat, läuft sein Leben aus dem Ruder. Die Aufträge zum Artwork von Plattencovern sind dramatisch geschwunden. Und jetzt wird er mit seinem Graphikbüro „Tropical Design“ auch noch aus den Räumen geworfen, weil er es versäumt hat, den Mietvertrag zu verlängern. Da bleibt nur eins: rein in den Zug und raus aus Hamburg. Doch je länger die Fahrt dauert, desto unübersehbarer die Anzeichen, dass etwas Gespenstisches im Gange ist, dessen Ausmaße Thomas noch nicht einmal ahnt. Frank Spilker wurde 1966 in Herford geboren und lebt heute in Hamburg. 1987 gründete er die Band »Die Sterne«, die seit Anfang der 1990er mit Liedern wie »Was hat dich bloß so ruiniert« oder »Fickt das System« zu den einflussreichsten musikalischen Formationen in Deutschland zählt. Neben den »Sternen« betrieb Spilker auch Soloprojekte wie die »Frank Spilker Gruppe« und schrieb Filmmusik.

Heinz Strunk: Junge rettet Freund aus Teich
288 S., geb., Rowohlt 2013 19,95 EUR
Der Held dieses Romans heißt Mathias Halfpape, so wie Heinz Strunk auch, bevor er sich Heinz Strunk nannte. Erzählt wird eine Kindheit und frühe Jugend in Harburg und Umgebung; es ist ein wunderbarer, von Melancholie, Schmerz und Liebe erfüllter Rückblick, ein Buch, mit dem Heinz Strunk einen neuen Ton findet und sich ganz und gar treu bleibt.

Elisabeth Rank: Bist du noch wach?
256 S., geb., Bloomsbury 2013 17,99 EUR
Mit wem soll man darüber reden, dass es niemanden mehr gibt, mit dem man über alles reden kann? Rea und Konrad sind Mitbewohner – und die allerbesten Freunde. Doch je näher Reas 30. Geburtstag rückt, desto deutlicher spürt sie ihre Unzufriedenheit: Sie hat das Gefühl, alle Clubs gesehen, alle Erfahrungen gemacht und alle wilden, schönen Sonnenuntergänge erlebt zu haben. Permanent muss sie sich hinterfragen: Kommt jetzt der nächste Schritt? Was hat ihr die Stadt noch zu bieten? Konrad scheint seinen Weg bereits geplant zu haben: ohne Rea. Und er hat plötzlich eine Freundin; die erste in all den Jahren. Rea erträgt die neuen Schritte in der Wohnung nicht, die neuen Geräusche. Also flüchtet sie in die Sorglosigkeit eines Urlaubs – nur, um dort die Verfahrenheit ihrer Lage noch deutlicher zu spüren. Freunde: sie sind die Familie, die wir uns selbst aussuchen. Ihnen vertrauen wir oft mehr an als jedem anderen. Aber wie stabil sind unsere Wahlverwandtschaften? Elisabeth Rank schreibt nicht über den großen Streit, sondern über eine langsame Entwöhnung, ein Sich-Auseinanderleben mit dem eigenen Lebensplan. Elisabeth Rank wurde 1984 in Berlin geboren. Hier hat sie auch Publizistik, Kommunikationswissenschaften und Europäische Ethnologie studiert. Seit zehn Jahren schreibt sie als freie Autorin für verschiedene Magazine und Publikationen. Tagsüber ist sie außerdem als Kreative in Sachen Digitale Markenführung beschäftigt. Ihr erster Roman „Und im Zweifel für dich selbst“ erschien 2010.

Andy Stanton: Mr. Gum und der sprechende Kirchturm
CD, Sauerländer Hörbuch 2013 12,95 EUR
Das neueste Hörbuch aus der Reihe um Mr. Gum. Zwar eigentlich für Kinder, aber gesprochen von Harry Rowohlt macht das auch Erwachsenen Spaß. Diese Reihe ist Kult! Der Geist des sagenumwobenen Mächtigen Fieslings ist nach Bad Lamonisch zurückgekehrt. Zumindest behauptet Uromimi, dass dieser ihr in einem Kirschbaum erschienen ist. Die gesamte Dorfbevölkerung folgt ihr in den Wald, um sich davon zu überzeugen. Und tatsächlich – der Kirschbaum redet. Alle sind sofort vom sprechenden Gehölz in den Bann gezogen. Nur Polly und Björn Schneyder zweifeln, denn der angebliche Fiesling klingt verdächtig nach Mr Gum …

Jeff Lindsay: Dexter
772 Minuten ungekürzte Lesung auf 1 MP3-CD, Radioropa 19,95 EUR
Ein Forensiker, der in seiner Freizeit blutige Selbstjustiz übt. Der bereits fünfte Teil der Romanreihe handelt von entführten Mädchen und Kannibalismus. Geschrieben sind diese Romane sehr schwarzhumorig und hatten auch TV-Serie großen Erfolg. Leider wurde die 5.Staffel als sie im letzten Jahr auf DVD erschien nirgendwo mehr groß beworben, was leider den Eindruck erweckte, dass das Interesse an „Dexter“ langsam sich bereits dem Ende neigt. Das ist aber schade, denn dieser Serienkiller ist uneingeschränkt zu empfehlen. Wenn man Dexter noch nicht kennt, sollte man mal zum Hörbuch greifen – aber wenn man ihn kennt ebenso.

Robert Pobi: Bloodman
5 CDs, Hörbuch Hamburg 2012 14,99 EUR
Niemand würde Jake Cole trauen. Das Leben auf der Straße hat ihn hart gemacht. Trotzdem ist er einer der besten Sonderermittler des FBI. Keiner versteht Tatorte so gut wie der Mann mit den vielen Tattoos. Doch dann tauchen die brutal zugerichteten Leichen einer jungen Frau und ihres Sohnes auf. Für Jake gibt es keinen Zweifel: Der Mörder seiner Mutter ist zurück. Die Jagd nach ihm treibt Jake an den Rand des Wahnsinns, denn der Bloodman kennt ihn gut. Besser als Jake sich selbst.

Max Landorff: Die Stunde des Reglers
CD, Argon 2012 19,95 EUR
Fass die Vergangenheit nicht an – du wirst es nicht überleben. Gabriel Tretjak hat sich in die Berge über dem Lago Maggiore zurückgezogen. Hier findet er die Ruhe, die er jetzt braucht – nachdem sein altes Leben in die Luft gesprengt worden ist. Doch dann taucht die Quantenphysikerin Sophia Welterlin auf und bittet ihn, den Regler, um Hilfe: Sie wird bedroht. Jemandem missfällt ihre Forschungsarbeit am Europäischen Kernforschungszentrum CERN. Tretjak ist bereit, in ihre Wirklichkeit einzudringen, solange ihn das von seiner eigenen ablenkt. Als er aber von den Toten erfährt, die ebenfalls Gabriel Tretjak geheißen haben, wird er tiefer in seine eigene Vergangenheit gezerrt, als ihm lieb ist.
Detlef Biestedt liest Max Landorffs Thriller »präzise scharf wie ein Fleischermesser« (Alex Dengler, denglers-buchkritik.de).

Wiebke Lorenz: Alles muss versteckt sein
9 ½ Std., MP3-Audio auf CD-ROM, Radioropa 2012 19,95 EUR
ABGRÜNDIG UND SUPERSPANNEND „Ihre Gedanken sind mörderisch, ihre eigene Angst davor unaussprechlich: Nach einem Schicksalsschlag erkrankt Marie an aggressiven Zwangsgedanken, betrachtet sich als Gefahr für sich selbst und andere. Monatelang kämpft sie gegen die grausamen Mordfantasien an, die wie Kobolde durch ihren Kopf spuken, ständig verbunden mit der Panik, sie könne diese furchtbar realen Fantasien eines Tages nicht mehr kontrollieren und in die Tat umsetzen. Und dieser Tag kommt, als Marie neben ihrem toten Freund erwacht, der mit einem Messer auf grausamste Weise niedergemetzelt wurde. Am Ende eines Gerichtsprozesses wird sie aufgrund ihrer Schuldunfähigkeit zum Maßregelvollzug in der forensischen Psychiatrie verurteilt. Dort sucht Marie verzweifelt nach Erinnerungen an die Mordnacht, denn für Marie selbst sind die Geschehnisse wie ausgelöscht. Nur ihr Arzt Jan scheint sie zu verstehen und ihr helfen zu wollen. Aber schon bald wächst in Marie der Verdacht, dass in Wahrheit vielleicht nichts so gewesen ist, wie es scheint …“ Wiebke Lorenz, geboren 1972 in Düsseldorf, hat Anglistik, Germanistik und Medienkommunikation studiert und bei verschiedenen Zeitschriften, Rundfunk- und Fernsehsendern gearbeitet. Heute arbeitet sie als freie Journalistin und Autorin in Hamburg.

Hugh Howey: Silo
544 S., geb., Piper 2013 19,99 EUR
Seit Generationen leben die Menschen unter der Erde. Was aber, wenn das Leben im Silo nicht das ist, was es zu sein scheint? Was, wenn der Blick nach draußen nicht durch eine Scheibe, sondern auf einen Bildschirm fällt? – Dann wird Neugier lebensgefährlich. Selbst für Juliette Nichols, die für die Sicherheit im Silo verantwortlich ist … Drei Jahre nach dem mysteriösen Tod seiner Frau Allison setzt Sheriff Holston seiner Aufgabe ein Ende und entschließt sich, die strengste Regel zu brechen: Er will das Silo verlassen. Doch die Erdoberfläche ist hoch toxisch, ihr Betreten bedeutet den sicheren Tod. Holston nimmt das in Kauf, um endlich mit eigenen Augen zu sehen, was sich hinter der großen Luke befindet, die sie alle gefangen hält. Seine Entdeckung ist ebenso ungeheuerlich wie die Folgen, die sein Handeln nicht zuletzt für seine Nachfolgerin Juliette hat … Hugh Howeys verstörende Zukunftsvision ist rasanter Thriller und faszinierender Gesellschaftsroman in einem. »Silo« handelt von Lüge und Manipulation, Loyalität, Menschlichkeit und der großen Tragik unhinterfragter Regeln. Hugh Howey, Jahrgang 1975, verdiente sein Geld als Skipper, Bootsbauer, Dachdecker und Buchhändler, während er nebenbei seinen ersten Roman schrieb. Mit dem von ihm im ebook selbst verlegten Thriller »Silo«, der als Erzählung gedacht war und so überwältigend viele Leser fand, dass schließlich ein ganzer Roman daraus wurde, gelang ihm der internationale Durchbruch. Hugh Howey lebt mit seiner Frau in Jupiter, Florida.

Madison Smartt Bell: Die Farbe der Nacht
240 S., geb., Liebeskind 2013 18,90 EUR
»Wie mein Herz frohlockte, als die Türme einstürzten!« Tagsüber arbeitet Mae als Croupière in einem Casino in Nevada, nachts streift sie allein durch die Wüste. Als sie im Fernsehen einen Bericht über den Anschlag auf das World Trade Center sieht, werden alte Erinnerungen wach. Die Kamera fängt das Bild einer Frau ein, die verletzt auf dem Bürgersteig kniet. Blut läuft ihr aus den Mundwinkeln, wie damals, als Mae sie das letzte Mal sah, doch nicht aus denselben Gründen. Dreißig Jahre zuvor waren Mae und Laurel Teil einer Hippie-Kommune, die grausame Morde beging. Als die Kommune von der Polizei ausgehoben wird, können Mae und Laurel als Einzige fliehen. Beide gehen mit falscher Identität in den Untergrund, ihre Wege trennen sich … bis die Schatten der Vergangenheit sie einholen. Nach dem Einsturz der Zwillingstürme packt Mae ihr Gewehr und macht sich auf den Weg nach New York. Denn niemand kann seinem Schicksal entkommen. Madison Smartt Bell wurde 1957 in Nashville, Tennessee geboren. Er studierte Literaturwissenschaften in Princeton und lebte danach als freier Autor einige Jahre in London und New York. Er lehrte Kreatives Schreiben an verschiedenen amerikanischen Universitäten, u.a. am renommierten Iowa Writers‘ Workshop und der Johns Hopkins University, zurzeit ist er Professor für Englische Literatur am Goucher College in Virginia. Seit 1983 hat Madison Smartt Bell 13 Romane veröffentlicht, bekannt wurde er mit seiner monumentalen, von der Presse gefeierten Roman-Trilogie über die Haitianische Revolution. Er lebt in Baltimore.

Daniel Woodrell: Der Tod von Sweet Mister
192 S., geb., Liebeskind 2012 16,90 EUR
Ein Sommer wie ein schleichender Übergang ins Verhängnis. Der dreizehnjährige Shug Akins wächst auf dem weiten Ozark-Plateau im Süden Missouris heran, ein Außenseiter inmitten der maroden Sehnsüchte des amerikanischen Hinterlands. Seine Mutter Glenda, eine verblühende Schönheit, hängt an der Flasche, während sein Vater Red die Familie mit unberechenbarer Gewalt tyrannisiert. Als Red beginnt, Shug zu Einbrüchen anzustiften, gerät das labile Gleichgewicht ins Schwanken. Shug lernt zu stehlen, zu lügen – und aufzubegehren. Gerade da taucht Jimmy Vin Pearce auf, mit seinem grünen Ford Thunderbird und der Verheißung auf eine andere, bessere Welt. Doch als Glenda sich mit ihm einlässt, entlädt sich ein lange unterdrücktes Gemisch aus Eifersucht und Hass, und der Traum von der Lebensflucht wird zur tödlichen Falle … Mit der Unausweichlichkeit einer antiken Tragödie beschreibt Daniel Woodrell die Eskalation menschlicher Passion in urwüchsige Gewalt. Mit jeder neuen Seite verwischt er die Grenzen zwischen Notwehr und Mord, Rache und Befreiung – und führt seine Figuren an jenen unheilvollen Scheidepunkt, an dem das letzte Opfer auf dem Weg zur Erlösung die eigene Unschuld ist. Daniel Woodrell, 1953 geboren, wächst in St. Louis und Kansas City auf. Mit siebzehn verlässt er die Highschool und meldet sich bei den Marines. Nach dem College nimmt er am renommierten Iowa Writers’ Workshop teil. Sein Romandebüt »Cajun-Blues« erscheint 1986. Für den Roman »Tomato Red« erhält er 1999 den Preis des amerikanischen P.E.N., im selben Jahr verfilmt Ang Lee seinen Roman »Wer mit dem Teufel reitet«. 2010 wird die Verfilmung von »Winters Knochen« beim Sundance Film Festival als bester Film ausgezeichnet und für vier Oscars nominiert. Daniel Woodrell lebt mit seiner Frau in Missouri.

Edward Lee: Flesh Gothic
448 S., Pb., Festa 2012 13,95 EUR
Dein eigen Fleisch sei der Tempel des Bösen … Das Luxusanwesen von Reginald Hildreth in Florida war berüchtigt. Die schlimmsten Orgien sexueller Tortur sollten darin stattfinden. Und tatsächlich: Als die Beschwörung des Dämons Belarius misslingt, bleiben von den 26 Gästen nur Fleischfetzen zurück – und der Hausherr ist spurlos verschwunden. Seine Frau kann das alles nicht glauben. Deshalb heuert sie eine Gruppe übersinnlich begabter Menschen an, die die Vorfälle untersuchen sollen. Doch das finstere Labyrinth der 66 Zimmer wird von gefährlichen Kreaturen heimgesucht. Ereignete sich doch kein »magischer Unfall«, sondern hat Hildreth erreicht, was er beabsichtigte? Wurde ein Tor zur Hölle geöffnet? Schlimmer als der Marquis de Sade. Himmel, woher hat Lee solche Ideen? Der Verlag warnt ausdrücklich: Edward Lee ist der führende Autor des Extreme Horror. Seine Werke enthalten überzogene Darstellungen von sexueller Gewalt. Wer so etwas nicht mag, sollte die Finger davon lassen. Für Fans dagegen ist Edward Lee ein literarisches Genie. Er schreibt originell, verstörend und gewagt – seine Bücher sind ein echtes, aber schmutziges Erlebnis.

Edward Lee: Der Besudler auf der Schwelle
Ein pornografischer Cthulhu-Mythos Roman

352 S., geb., Festa 39,95 EUR
Leider nicht bei uns, sondern nur beim Verlag direkt zu beziehen: http://www.festa-verlag.de
Hazel Greene ist nicht nur eine Nymphomanin, sie steht zudem auf die irrsinnigsten Fetische, die man sich nur vorstellen kann. Das verkompliziert ihr Leben schon mehr als genug. Doch als sie die attraktive (und hochschwangere) Lehrerin Sonia Heald auf einem Ausflug in die einsamen Wälder New Englands begleitet, wird sie in einen Strudel aus lüsternem Wahnsinn und sexueller Abartigkeit gerissen. Warum brachte sich der Vorbesitzer der Waldhütte um? Was hat es mit den Andeutungen über den »leuchtenden Trapezoeder« auf sich? Ist para-dimensionaler Sex möglich? Hazel hat nie an Geister und Dämonen geglaubt – und schon gar nicht, dass sie es mal mit ihnen treiben wird … Hier ist sie, die genial-perverse Fortsetzung von H. P. Lovecrafts Erzählung ›The Haunter of the Dark‹, wie sie nur der obszöne Provokateur Edward Lee schreiben konnte. Zweifellos einer der versautesten Romane aller Zeiten. Horror goes Porno.
Achtung: Dieser Privatdruck hat keine ISBN. Er gelangt also nicht in den offiziellen Buchhandel. Dieses Buch gibt es nur beim Festa Verlag.

Wayne Simmoni: Zum Sterben schön (Zombie-Roman)
280 S., Voodoo Press 2012 12,95 EUR
Ein Sonntagmorgen im Frühling: Gerade will Star ihren ersten Kunden für heute tätowieren, als die Welt urplötzlich in eine üble Schieflage gerät. Belfasts verkaterte Nachteulen fallen in einen noch tieferen Schlaf als gewöhnlich, und Sekundentode verursachen ein heilloses Verkehrschaos, Brände und Flugzeugabstürze. In den Nachwehen des Chaos begibt sich eine Gruppe Überlebender auf Sinnsuche durch die postapokalyptische Stadt. Der alternde Radiomoderator Sean Magee findet sein Heil zusammen mit Jungfrauenkiller Barry Rogan in einer Hotelbar. Die ehemalige IRA-Aktivistin Mairead Burns und Soldat Roy Beggs verbünden sich zwangsläufig, um Ordnung in eine Kommune zu bringen, während andernorts ein geheimnisvoller Prediger verstörte Überlebende aus den Schatten lockt, indem er ihnen Erlösung verspricht.

Adam Nevill: Der letzte Tag
592 S. , Heyne 2013 14,99 EUR
Kyle Freeman, ein aufstrebender junger Dokumentarfilmer, erhält das beste Angebot seines Lebens: Er soll einen Beitrag über eine mysteriöse Sekte drehen, deren Mitglieder zusammen mit ihrer Anführerin Schwester Catherine ein grausames Ende fanden. Kyle und sein Kameramann Dan gehen an die Arbeit, doch bald machen seltsame Geräusche und merkwürdige Erscheinungen die Dreharbeiten zum Horrortrip. Schwester Catherine mag zwar tot sein, das hält sie aber noch lange nicht davon ab, Dan und Kyle die Hölle auf Erden zu bereiten …

Susanne Picard: Dunkelmond
496 S., Bastei Lübbe 2013 15,00 EUR
Die Elben haben die Welt mit Krieg überzogen und die Menschheit versklavt. In dieser finsteren Zeit verdingt sich die junge Sanara als Schankmädchen in einem Wirtshaus. Niemand ahnt, welche Fähigkeiten sie verbirgt: Sanara gebietet über die Magie der Seelen und sie könnte deshalb der Schlüssel zum Frieden sein. Denn einer Legende nach, kann nur eine Seelenherrin die Völker versöhnen und die Menschen aus der Sklaverei befreien. Susanne Picard ist eine der großen neuen Fantasy- und Genreautorinnen, die es lohnt zu lesen.

Grabeskalt
Klassische Horror- und Schauergeschichten.
Friedhof der Kuscheltiere – Frankenstein – Dracula

7 CDs, Der Hörverlag 2012 19,99 EUR
Was ist besser, als Horrorgeschichten zu lesen? Horrorgeschichten zu hören! Wenn das Grauen unter die Bettdecke kriecht und in der Phantasie die Figuren ein Eigenleben bekommen, wenn die Musik eine bedrohliche Atmosphäre aufbaut und das Wolfsgeheul durchs Zimmer hallt, ist an Schlafen nicht mehr zu denken. Aber wer will schon schlafen, wenn er die Nacht stattdessen bei wohliger Gänsehaut mit dem Fürst der Vampire oder Frankensteins Monster verbringen kann?

Enthält:
Stephen King, Friedhof der Kuscheltiere
Bram Stoker, Dracula
Mary Shelley, Frankenstein

Stephen King, 1947 in Portland, Maine, geboren, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Schon als Student veröffentlichte er Kurzgeschichten, sein erster Romanerfolg, „Carrie“, erlaubte ihm, sich nur noch dem Schreiben zu widmen. Seitdem hat er weltweit 400 Millionen Bücher in mehr als 40 Sprachen verkauft. Im November 2003 erhielt er den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk. Mary Wollstonecraft Shelley (1797-1851) wurde im englischen Somers Town geboren. 1814 folgte sie dem Dichter Percy Bysshe Shelley auf den Kontinent und lebte dort mit ihm zusammen. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete sie ihn 1816. Gemeinsam mit Lord Byron unternahmen beide eine Schweizreise, während der der Roman «Frankenstein» entstand. Percy Shelley starb bereits 1822; daraufhin kehrte Mary Shelley nach England zurück und widmete sich ganz der Herausgabe der Werke ihres Mannes.
Abraham Stoker, geboren 1847 in Dublin, war bis zu seinem achten Lebensjahr durch eine Krankheit ans Bett gefesselt. Nach Abschluss seines Studiums begann er zunächst eine Beamtenlaufbahn, zog aber bald nach London, wo er 27 Jahre lang als Sekretär und Manager des Shakespeare-Darstellers Henry Irving tätig war. 1912 starb Stoker arm und unbekannt in London, genau zehn Jahre bevor sein Dracula durch Murnaus Film Nosferatu zum dunkelsten Held der Weltliteratur wurde. Heute kennt man Bram Stoker fast ausschließlich als den geistigen Vater von Dracula, obwohl er auch Kurzgeschichten, Theaterkritiken, Vorträge und 16 weitere Romane verfasste. Felix von Manteuffel, geboren 1945, steht seit über 30 Jahren auf den großen Bühnen. Daneben ist er regelmäßig im Fernsehen zu sehen und spielte im Kinofilm „Requiem für eine romantische Frau“. Seine markante Charakterstimme ist aus zahlreichen Hörbüchern bekannt. Konstantin Graudus absolvierte seine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg. Seit 1989 ist der populäre Schauspieler in vielen Filmen zu sehen, u.a. in „Curiosity and the Cat“, „Sissy“ und „C’est la vie“ unter der Regie von Daniel Cohn-Bendit. Darüber hinaus spielte er in unzähligen TV-Serien wie z.B. „City Express“, „Großstadtrevier“, „Für alle Fälle Stefanie“, „Balko“, „Doppelter Einsatz“, „Non Stop Comedy“. Von 1990 bis 1993 war er u.a. unter der Regie von Ulrich Heising, Peter Löscher und Michel Bogdanov am Deutschen Schauspielhaus Hamburg tätig. Außerdem ist er ein gefragter Synchron- und Hörbuchsprecher, seine Stimme ist u.a. in den Hörspielen „Herr Lehmann“ von Sven Regener, „Der Zauberberg“ von Thomas Mann oder „Das Glasperlenspiel“ von Hermann Hesse zu hören. Andreas Fröhlich, bekannt geworden durch seine Rolle als Bob Andrews in „Die drei ???“, ist auch als Synchronsprecher (John Cusack, Edward Norton und Gollum aus „Herr der Ringe“) sehr erfolgreich. Für Random House Audio hat er u.a. Teil 1-3 der Eragon-Saga gelesen. László Kish, geboren 1957 in Basel, ist seit über 30 Jahren auf Theaterbühnen in Deutschland und der Schweiz zu sehen. Außerdem hat er in vielen Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt. Bekannt wurde Kish durch seine Rolle als Tatort-Kommissar von Burg. Jens Wawrczeck wurde 1963 in Dänemark geboren und begann bereits mit elf Jahren eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. Beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg stand er u. a. für Astrid Lindgrens Die Brüder Löwenherz vor dem Mikrofon. Seit Beginn der Serie ist er die Stimme von Peter Shaw in Die drei ???. Seine schauspielerische Ausbildung erhielt Jens Wawrczeck in Hamburg, New York und Wien. Für seine Rolle als Edgar in King Lear bekam Jens Wawrczeck 1995 den Hersfeldpreis der Kritiker sowie den Publikumspreis. Zahlreiche Auszeichnungen folgten für seine Hörspielaufnahmen. Bis heute ist Jens Wawrczeck dem Medium Hörspiel treu geblieben und findet dort immer wieder Möglichkeiten, die unterschiedlichsten Charaktere zu gestalten, wie z.B. in Erebos von Ursula Poznanski sowie in Baudolino und Der Friedhof von Prag von Umberto Eco. Unter seinem Hörbuchlabel AUDOBA veröffentlicht er eigene Produktionen und ist außerdem immer wieder auf der Bühne zu sehen. Aktuelles unter http://www.jenswawrczeck.de Christian Redl, geboren 1948 in Schleswig, gehörte – nach der Schauspielausbildung in Bochum und Engagements in Wuppertal, Bremen und Frankfurt – von 1980 bis 1993 dem Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg an, arbeitete mit Peter Zadek und Luc Bondy zusammen. Nach seiner ersten Kino-Hauptrolle in Uwe Schraders ‚Sierra Leone‘ (1987) war Christian Redl auch verstärkt in Kino und TV zu sehen, so z. B. in ‚Bunte Hunde‘ (1995). Für seine Rollen in ‚Der Hammermörder‘ (1989) und ‚Angst‘ (1994) wurde er jeweils mit dem „Adolf-Grimme-Preis“ ausgezeichnet. Seine Stimme lieh der Schauspieler dem Hörverlag bereits für Moritz Rinkes „Die Nibelungen“ und J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ und Leon de Winters „Malibu“. Hansa Czypionka wurde 1958 in Sandhorst bei Aurich in Nierdersachsen geboren. Er ist ein deutscher Schauspieler, der hauptsächlich in Fernsehrollen zu sehen ist. Bekannt wurde er u. a. durch seine Rolle als Privatdetektiv in Doris Dörries Happy Birthday, Türke, für die er 1992 den Bayrischen Filmpreis bekam. Czypionka spielte in dem für einen Oscar nominierten Film Jenseits der Stille und Im Winter ein Jahr von Caroline Link mit.

Dark Mysteries: Narbenherz
CD, Winterzeit 8,99 EUR
Horrorthriller Inszenierte Lesung; ERWACHSENE – ab 16 Jahren
Nach einer Idee von Patrick Savage, ca. 56 Minuten
Eine sehr gut gemachte Horror-Reihe, die man sich mal anhören könnte. „Narbenherz“ ist die fünfte Geschichte in dieser Reihe: 13. Januar 1993: Er hat mir sein Herz geschenkt – wie schon sechs vor ihm. Jetzt brauche ich nur noch drei – dann erfüllt sich mein Schicksal.

Daniel Kulle: Ed Wood – Trash und Ironie
200 S., Bertz und Fischer 2012 19,90 EUR
Edward D. Wood jr., so lautet ein populäres Urteil, ist der schlechteste Regisseur aller Zeiten. Und dieser Titel ist nicht einmal ungerechtfertigt: Seine Filme strotzen vor handwerklichen Fehlern, Patzern und logischen Umgereimtheiten. Wackelnde Pappkulissen, nuschelnde Schauspieler oder selbstgebastelte Special Effects unterscheiden sich so gründlich von der herkömmlichen Hollywoodästhetik, dass es Spaß macht, diese Filme als Trash zu genießen. Das Buch geht am Beispiel Ed Woods der Frage nach, was eine Rezeption von schlechten Filmen als Trash bedeutet: Warum sind Filme wie GLEN OR GLENDA (1953), BRIDE OF THE MONSTER (1955) oder PLAN 9 FROM OUTER SPACE (1959) nicht nur schlecht, sondern grandios schlecht? Was heißt es, einen Film als Trash ab- und ihn im selben Zug ironisch aufzuwerten? Welche ästhetischen Merkmale sind es, die eine solche Rezeption begünstigen? Ausgehend von einer kulturellen Theorie des Mülls und einer romantischen Konzeption von Ironie entwickelt der Autor eine Theorie des Trash, die sich aus einer Ästhetik des Inkonsistenten, des Billigen und Dilettantischen ergibt. Und er klärt die Frage, wie Filme so schlecht sein können, dass sie schon wieder gut sind. Daniel Kulle war wissenschaftlicher Mitarbeiter der Film- und Medienwissenschaft in Zürich und Bonn und forschte zu Trash und Exploitation, Raumtheorie, Queer Cinema und transmedialem Erzählen. Dissertation über Ed Wood und den Trash. Derzeit bereitet er in Hamburg ein Forschungsprojekt zur Kinästhetik des Actionfilms vor.

J. W. Rinzler: Star Wars
Entstehungsgeschichte, Hinter den Kulissen, Blaupause

336 S., geb., Panini 149,00 EUR
Die Star-Wars-Saga ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Phänomen in der Geschichte des SciFi-/Fantasy-Films. Ebenso phänomenal und einzigartig sind die vielen Geschichten, die sich hinter den Kulissen abspielten und von denen jede für sich zur Genese eines beispiellosen Kults beitrug. Dieser reich bebilderte großformatige Band gewährt einen ganz besonderen Einblick in das Star-Wars-Universum. Von den Anfängen Mitte der 70er-Jahre bis zum Abschluss der neuen Trilogie bietet das Star-Wars-Buch exklusive Hintergründe mit unzähligen Fotos und Anekdoten sowie jeder Menge original Blaupausen und Bauanleitungen aus einer weit, weit entfernten Galaxie. Großformat: 31,5 x 37,5 cm, über 500 Fotos und Illustrationen, über 250 Pläne, Zeichnungen und Entwürfe der Figuren, Schiffe und Sets! 10 große Faksimiles der einfallsreichsten Erfindungen der Saga, Sammlerausgabe, nummeriert und limitiert auf 1977 Exemplare!

Henning Engelke (Hrsg.): Film als Raumkunst
Historische Perspektiven und aktuelle Methoden

368 S., Schüren 2011 38,00 EUR
Die Auseinandersetzung mit filmischer Raumkonstruktion zieht sich wie ein roter Faden durch die Theoriegeschichte des Films. Bereits 1916 entwarf Hugo Münsterberg ein Modell filmischer Darstellungsformen in räumlichen Begriffen. Von den klassischen Filmtheorien Rudolf Arnheims, Béla Balázs’, André Bazins oder Siegfried Kracauers, über die semiotisch-psychoanalytische Ideologiekritik der 1970er Jahre bis hin zu phänomenologischen Ansätzen oder Gilles Deleuzes philosophischer Kinotheorie bildete der Raum einen zentralen Aspekt filmtheoretischer Diskurse. Der Band Film als Raumkunst greift die fruchtbaren Ansätze der älteren Forschungstradition wieder auf und setzt sie zugleich kritisch in Beziehung zu den neueren Richtungen. Auf dieser Grundlage eröffnen sich neue Perspektiven für eine Auseinandersetzung mit kinematographischer Räumlichkeit auch im Rahmen einer kunsthistorischen Bildwissenschaft. Neben den historischen Erscheinungsformen und theoretischen Implikationen filmischer Raumkonstruktion thematisieren die Beiträge des Bandes methodische Voraussetzungen einer kunsthistorischen Filmanalyse in der Auseinandersetzung mit den Disziplinen Film- und Medienwissenschaft, Literaturwissenschaft, Philosophie und Musikwissenschaft. Die Fallstudien und theoretischen Untersuchungen des Bandes reichen vom frühen Film bis hin zu den Ästhetiken von Videospielen und computergenerierten Bildern; die narrativen Raumkonstruktionen des Spielfilms werden ebenso berücksichtigt wie Positionen der Filmavantgarde und Videokunst.

Gunnar Landsgesell, u.a.: Real America – Neuer Realismus im US-Kino
208 S, Schüren 2012 19,90 EUR
Als vor wenigen Jahren zum ersten Mal neue US-amerikanische Independent-Filme für internationale Aufmerksamkeit sorgten, ahnte kaum jemand, dass das zeitgenössische US-Kino zu einem künstlerischen Höhenflug ansetzen würde: Ein neues, realistisches Kino, das einen unverstellten Blick auf amerikanische Lebensverhältnisse warf, brach sich Bahn. Seither tauchen, quer über die Vereinigten Staaten verstreut, Namen und Filme auf, die sich auf eindringliche und innovative Weise dem Alltag der Menschen in ihrer Heimat stellen: Debra Granik, Kelly Reichardt, Ramin Bahrani, Courtney Hunt, Matthew Porterfield und noch einige andere werfen einen neuen Blick auf die amerikanische Wirklichkeit. Real America nähert sich diesem Kino anhand thematischer und ästhetischer Kriterien: Anhand dreier ausführlicher Essays widmet sich das Buch dem produktionstechnischen Hintergrund der Filme und ihren internationalen Erfolgen, analysiert das gesellschaftspolitische Umfeld der Erzählungen und deren bis zum italienischen Neoverismo zurückreichende, realistische Tradition, und beleuchtet nicht zuletzt die für die Filme wichtigen Schauplätze, die der klassischen amerikanischen Landschaftsdarstellung eine neue Richtung geben. Real America ist die erste in Buchform erscheinende, umfassende Untersuchung des jungen amerikanischen Independentfilms und wird durch eine ausführliche Filmografie mit Einzelanalysen der wichtigsten Filme vervollständigt. Behandelte Filme (Auswahl): First, Last and Deposit (Peter Hyoguchi, 2000) | George Washington (David Gordon Green, 2000) | Mountain State (Bill Brown, 2003) | Down to the Bone (Debra Granik, 2004) | In Between Days (So Yong Kim, 2006) | Hamilton (Matthew Porterfield, 2006) | Half Nelson (Ryan Fleck, Anna Boden, 2006) | Chop Shop (Ramin Bahrani, 2007) | Shotgun Stories (Jeff Nichols, 2007) Off the Grid: Life on the Mesa (Jeremy and Randy Stulberg, 2007) | Below Sea Level (Gianfranco Rosi, 2008)| Frownland (Ronald Bronstein, 2008) | Frozen River (Courtney Hunt, 2008) | Winter’s Bone (Debra Granik)

Thorolf Lipp: Spielarten des Dokumentarischen
Einführung in Geschichte und Theorie des Nonfiktionalen Films

144 S., Buch und DVD, Schüren 2012 19,90 EUR
Der Nonfiktionale Film fasziniert durch seine enorme Bandbreite an Subgenres. Man redet unter anderem von Dokumentarfilm, Dokumentation, Langzeitbeobachtung, ethnographischem Film, Feature, Reportage, Doku, Doku-Drama, Docutainment oder Mockumentary. Aber bezeichnen diese Begriffe wirklich alle eine eigenständige dramaturgische Form? In dieser kompakten, multimedialen Einführung in Geschichte und Theorie des Nonfiktionalen Films wird die These vertreten, dass es im Grunde nur fünf Spielarten des Dokumentarischen gibt, die durch deutlich voneinander unterscheidbare narrative Strukturen gekennzeichnet sind. In der Reihenfolge ihres historischen Auftretens sind dies:

1. Plotbasierter Dokumentarfilm (um 1920)
2. Nonverbaler oder Symphonischer Dokumentarfilm (um 1925)
3. Documentary (um 1930)
4. Direct Cinema (um 1960)
5. Cinéma Vérité (um 1960)

Diese Spielarten werden anhand von fünf frühen Filmen, die zu stilbildenden Prototypen wurden, vorgestellt und analysiert: Welche Zusammenhänge gibt es zwischen den historischen Bedingungen, den jeweils verfügbaren technischen Möglichkeiten und den daraus resultierenden narrativen Strukturen? Welche Themen lassen sich mit welchen Formen besonders gut umsetzen, welche kommunikativen Ziele besonders gut erreichen? Auf der fast dreistündigen Begleit-DVD wird die These des Buches anhand einer Fülle an klassischen und zeitgenössischen Filmausschnitten vertieft und veranschaulicht. Überdies wurde zu den fünf Prototypen je ein Beispielfilm zum gleichen Thema „Tankstelle“ produziert. Einerseits wird so die Bandbreite nonfiktionaler Filmdramaturgie schematisch deutlich. Durch die thematische Übereinstimmung wiederum, werden die Stärken und Schwächen eines jeweiligen Ansatzes gut erkennbar. Als Einstiegslektüre für Studierende an Universitäten, Fach- und Filmhochschulen konzipiert, richtet sich dieses Projekt gleichwohl auch an alle Filminteressierten, die nach einer kompakten, multimedialen Einführung in Geschichte und Theorie des nonfiktionalen Films gesucht haben

COMICS

Jose-Louis Boquet , Catel Muller :
Die Frau ist frei geboren – Olympe de Gouges

480 S., geb., Splitter 2013 36,80 EUR
Von Montauban 1748 bis zum Pariser Schafott 1793: Fünfundvierzig Jahre des außergewöhnlichen Lebens einer Frau und die Erfindung einer neuen Idee in Europa: der Kampf für die Rechte der Frauen. In einer bürgerlichen Familie in der Provinz geboren, vermutlich als uneheliches Kind eines Dramatikers, hat Marie Gouze, genannt Olympe de Gouges, die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts durchquert, wie es nur wenige Frauen taten. Als Schriftstellerin und engagierte Polemikerin grenzt sie sich durch ihren unabhängigen Geist und die mitunter radikale Originalität ihrer Standpunkte ab. Sie setzt sich für die Abschaffung der Sklaverei und insbesondere für die bürgerlichen und politischen Rechte der Frauen ein. Wegen ihrer Ablehnung von Robespierre und den Verfechtern der Revolution wird sie während der Terrorherrschaft guillotiniert. Catel und Bocquet schildern in romanhafter und doch historisch präziser Weise das Leben dieser besonderen Frau, deren Ideale ihrer Zeit voraus waren und die Kernwerte unserer heutigen Gesellschaft bilden. Ein wunderbares Frauenporträt und eine leidenschaftliche Hommage an eine der wichtigsten Figuren des Feminismus.

Jeff Lemire: The Nobody
144 S., Panini 2013 19,95 EUR
In der kleinen Stadt Large Mouth ist nie viel los – bis Griffen auftaucht, ein Fremder, der von Kopf bis Fuß in Mullbinden eingewickelt ist. Getrieben von Neugier entdeckt ein einsames junges Mädchen namens Vickie die tragische Geschichte seiner Vergangenheit und des bizarren Unfalls, der ihn grausam entstellt hat. Aber verbergen die Bandagen mehr als nur Narben? Als sich eine Reihe von Verbrechen ereignet, wendet sich das ruhige Stadtvolk gegen Griffen, jagt ihn und droht, ein schockierendes Geheimnis zu enthüllen. Eine Graphic Novel in Schweiß, Weiß und Blau. THE NOBODY greift H.G. Wells’ klassische Figur aus The Insivible Man auf und versetzt sie in eine moderne Kleinstadt, um mit ihm als Chiffre Themen wie Identität, Furcht und Paranoia auszuloten und die Art, wie sie eine kleine Gemeinschaft auf sich selbst zurückwerfen und selbst die unschuldigsten Freundschaften zerstören können. Jeff Lemire ist der Schöpfer der gefeierten, für den Eisner- und einen Harvey Award nominierten Essey-County-Trilogie und von SWEET TOOTH. Jeff Lemire, geboren 1976 am Eriesee in Kanada, ging zunächst zur Filmhochschule, doch da er ein eher stiller Mensch ist, entschied er sich schließlich für die Comics. In dieser Branche ist er einer der bemerkenswertesten Newcomer der vergangenen Jahre. Bereits für seinen Erstling Lost Dogs erhielt er den Xeric Award. In den Jahren 2008 bis 2009 folgte die Trilogie Essex County für Top Shelf, die für einen Eisner und einen Harvey Award nominiert wurde und mehrere weitere Preise und Nominierungen erhielt. Die Verfilmung des ersten Teils von Essex County ist in Vorbereitung. Bei Vertigo erscheint seit 2009 seine Scifi-Reihe Sweet Tooth, und außerdem arbeitet er intensiv am Relaunch des DC-Universums mit: Animal Man, Superagent Frankenstein und Justice League Dark zahlen zu den bei Publikum und Kritik beliebtesten Serien. Bei Top Shelf ist zuletzt seine Graphic Novel Underwater Welder erschienen. Jeff Lemire lebt in Toronto/Kanada mit Frau und Sohn.

Jean Philipps / Ed Brubaker: Fatale
Bd. 1: Den Tod im Nacken

136 S., Panini 2013 16,95 EUR
Nichts, was das preisgekrönte Team von CRIMINAL und INCOGNITO bisher produziert hat, konnte Sie auf FATALE vorbereiten. Nicolas Lash stolpert über ein Geheimnis, das ihn auf einen unvorstellbar dunklen Pfad führen wird … hin zu einer verführerischen und ewig jungen Frau, die seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts auf der Flucht ist. Und im San Francisco der 1950er Jahre begegnet der Reporter Hank Raines derselben Frau und bekommt es plötzlich mit einem korrupten Cop und einem Mann zu tun, der mehr Monster als Mensch ist. Aber wer ist Josephine und was ist ihr Geheimnis? Und wie viele Männer werden für sie sterben und töten? FATALE verschmilzt Noir- und Horrorelemente zu einer fesselnden Saga, die ihresgleichen sucht. „Es dürfte schwer sein, in der Comic-Branche aktuell ein besseres Team als Brubaker und Phillips zu finden.“ – Comic Aliance „FATALE ist unheimlich, brillant und möglicherweise das Beste, was Ed Brubaker und Sean Phillips je gemacht haben. Und das will schon etwas heißen.“ – IGN „Fatale ist nicht nur eine einzigartige Variation des Genres, sondern der Beginn von etwas völlig Neuem, das die Welt noch nicht gesehen hat.“ – Broken Frontier

Jeff Lemire: Superagent Frankenstein
Bd. 1: Die Auferstehung der Toten

224 S. , Panini 2013 19,95 EUR
Die “Superhumane & absonderliche Defensiv-Exekutive” S.H.A.D.E. schützt die Welt vor Gefahren, von denen nur wenige wissen. Außerdem ist S.H.A.D.E.s bester Agent im Kampf gegen Ungeheuer und Abartigkeiten selbst ein Monster: Frankenstein! Der untote Prinz der Vergeltung ist die Geheimwaffe im Ringen mit der Finsternis. Und oft die letzte Hoffnung der Menschheit …

Robert Kirkmann: Dieb der Diebe
Bd. 1: Ich steige aus

152 S., Panini 2013 16,95 EUR
Conrad Paulson lebt ein gefährliches Doppelleben. Denn in Wahrheit ist er der legendäre Meisterdieb Redmond. Es gibt nichts, was er nicht stehlen kann. Nichts, was er nicht haben kann. Außer das private Glück, das er hinter sich zurückließ. Welcher Coup kann Redmond retten, wenn die Kluft zwischen ihm und seiner Ex-Frau immer größer wird, sein Sohn im Gefängnis landet und das FBI den brillanten Dieb ein für alle Mal dingfest machen will? Für alle Fans von CRIMINAL und Ocean’s Eleven. Dieser Band versammelt die US-Hefte 1-7 der neuen Top-Serie von Bestseller-Autor Robert Kirkman (The Walking Dead, Invincible) und Nick Spencer (Morning Glories), mit Artwork von Noir-Spezialist Shawn Martinbrough (THE LOSERS, MARVEL NOIR: LUKE CAGE). ROBERT KIRKMAN veröffentlichte ab dem Jahr 2000 erste Comics im Eigenverlag, ehe er zum US-Verlag Image wechselte. Dort erschienen seither Titel wie Tech Jacket, Invincible, The Astounding Wolf-Man, HAUNT und natürlich der Zombie-Bestseller The Walking Dead, der zuletzt erfolgreich als TV-Serie adaptiert wurde. Für Marvel arbeitet Kirkman an CAPTAIN AMERICA, Marvel Team-Up, Destroyer, Die ultimativen X-Men und Marvel Zombies. Inzwischen ist Kirkman als erstes Nichtgründungsmitglied Geschäftspartner bei Image, wo er 2010 das von ihm betreute Imprint Skybound einführte. Außerdem ist er einer der wichtigsten Befürworter des Creater-Owned-Gedankens, der besagt, dass Künstler die rechtliche und inhaltliche Kontrolle über ihre Werke behalten. NICK SPENCER gab 2009 sein Comic-Debüt. Mit Serien wie Existence 2.0, Forgetless, Shuddertown und MORNING GLORIES macht er sich rasch einen Namen als einer der vielversprechendsten neuen Autoren des Mediums. Für DC und Marvel schrieb er THUNDER Agents, Action Comics, Iron Man 2.0, Spider-Island: Cloak & Dagger, Ultimate Comics X-Men und Secret Avengers. SHAWN MARTINBROUGH ist seit den 90ern als Zeichner und Inker aktiv. Sein Portfolio umfasst u.a. Challengers of the Unknown, Action Comics, Angeltown, Bullseye: Perfect Game, The Losers, DMZ, Batman: Detective Comics, Marvel Noir: Luke Cage und Marvel Maximum 50: Punisher. 2007 veröffentlichte der Noir-Spezialist das Zeichen-Handbuch How to Draw Noir Comics: The Art and Technique of Visual Storytelling.

Arthur de Pins: Zombillennium 02 – Humankapital
56 S., Egmond Ehapa 2013 15,00 EUR
Die Arbeitslosigkeit im Nachbardorf ist hoch – und Zombillennium als einziger Arbeitgeber weit und breit stellt nur Untote ein! Dementsprechend hoch ist die Wut der noch recht lebendigen Dorfbewohner auf den Freizeitpark der Monstrositäten. Als sich ein paar von ihnen unter das Personal mischen, bricht Chaos aus … Zombillennium ist ein herrlich schwarzhumoriger Spaß mit enormen Kultpotential. Das fand auch die Jury des internationalen Comicfestivals in Angoulême 2012 und verlieh Zombillennium den Prix Jeunesse! Arthur de Pins, geboren 1977, studierte Art Deco und Animation. Seitdem fühlt er sich in diversen künstlerischen Medien zuhause: Ob Kurzfilm (u.a. Geraldine), Graphic Novel (La Révolution des crabes), Werbung (u.a. Nutella) oder Comic (u.a. Péchés Mignons) – de Pins scheint sämtliche mediale Spielarten zu beherrschen. Die Besonderheit seines Stils liegt darin, dass er alle Zeichnungen am Computer in Vektorgrafik anlegt, ohne dass sein Artwork dadurch an Dynamik oder Eleganz verliert. Die Comicwelt wartet gespannt auf Band 3 seiner Ausnahmereihe Zombillennium!

Levin Kurio: Welten des Schreckens – Argstein, der Erlkönig
68 S., Weissblech Comic Verlag, 7,80 EUR
Insgesamt gibt es inzwischen 6 Bände von dieser interessanten Heftreihe.
WELTEN des SCHRECKENS # 5 wartet mit einer kleinen Sensation auf: Endlich gibt es wieder eine nagelneue Geschichte aus dem ARGSTEIN-Wald! Der Erlkönig greift mit seinen spillerigen Fingern nach des kleinen Knaben Seele – wird der Förster ihn aufhalten können?
Außerdem: Es geht rasant weiter mit KALA! Die Urzeitamazone hat mit ihren Gefährten die Schlucht überquert … doch sie ahnt, dass sie noch nicht in Sicherheit ist. Aliens planen eine Invasion in Die Chroniken von Sol … und dann geht es in eine groteske Schreckenswelt: Begleitet David Gnotz in einen furchtbaren Alptraum … denn er ist Gefangener des Horrorheftes!

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