Archive for Dezember 2012

Avantgarde – Underground – Trash Buchneuheiten Liste 1

Dezember 20, 2012

Wir Frauen 2013 – Taschenkalender
256 S. , zahlr. Fotos, flexibler Kunststoffeinband mit Lesebändchen
Papyrossa 9,95 EUR
Der Kalender „Wir Frauen“ wird 35 und ist somit der bewährteste der Neuen Frauenbewegung. 2013 handelt er von Solidarität und Hoffnung, von Frauen, die sich einsetzen für eine andere, bessere und friedliche Welt – in den arabischen Ländern, mit der Occupy-Bewegung, im Protest gegen den Afghanistankrieg, gegen den Ausverkauf der Demokratie im Zuge der Euro- und Bankensanierung, gegen religiöse Fundamentalismen, gegen Feminizide als extremste Form der Gewalt gegen Frauen. Dazu wie in jedem Jahr jede Menge Fotos, Gedichte und Prosatexte sowie eine Chronik zur Frauenbewegung. Mit viel Platz für eigene Eintragungen.

Michael Hardt / Antonio Negri: Demokratie! Wofür wir kämpfen
100 S., Pb., Campus 2013 (erscheint Februar) 12,90 EUR
Der Weg in eine neue Gesellschaft, ein revolutionäres Programm auf 100 Seiten für eine Demokratie von unten und das Prinzip der „commons“ von zwei der prominentesten Denkern der weltweiten Protestbewegungen. Finanz- und Umweltkrisen haben es gezeigt: Die Welt braucht eine neue politische Ordnung. In ihrer Streitschrift entwerfen Michael Hardt und Antonio Negri den Weg dorthin. Inspiriert von den weltweiten Protestbewegungen beschreiben sie das Projekt einer Demokratie von unten: Wenn wir uns den Schulden verweigern, aus der Überwachung befreien, neue Netze politischer Information schaffen und die entleerte repräsentative Demokratie durch lebendige Formen der Beteiligung ersetzen, können wir eine neue Verfassung begründen. Eine, in der Wasser, Banken, Bildung und andere Ressourcen „commons“, Gemeingüter sind. Auf diesem Weg können wir den Folgen der Finanzkrise, die drängenden Umweltprobleme und die wachsende soziale Ungleichheit überwinden. Antonio Negri war nach seiner Flucht 1983 aus Italien Professor für Philosophie an der Sorbonne. 1997 kehrte er nach Italien zurück und wurde erneut inhaftiert. Im Herbst 2003 wurde er freigelassen und lebt heute als freier Autor in Venedig und Paris. Michael Hardt ist Professor für Literaturwissenschaft an der Duke University Durham, N.Y., in den USA Mit ihrem Bestseller „Empire“ wurden sie weltweit bekannt.

Isabell Lorey: Die Regierung der Prekären
Turia + Kant 15,00 EUR
Die Diagnose, dass prekäre Arbeitsverhältnisse sich häufen und normal werden, ist nicht neu, die Frage ist, welche potentielle politische Handlungsmacht in der Prekarisierung vorstellbar ist. Die Ansätze gehen dabei auseinander. War es vor einem Jahrzehnt noch vorherrschende Meinung, dass Prekarität eher zur politischen Lähmung führt, sehen wir heute, dass im „arabischen Frühling“ wie auch in Spanien, Portugal und England die prekären AkademikerInnen große Anteile der Protestierenden bilden. Das erfordert eine neue Theorie der Prekarität.

Occupy!
Die aktuellen Kämpfe um die Besetzung des Politischen

Turia + Kant 14,00 EUR
Die mit dem „arabischen Frühling“ begonnenen neuen globalen sozialen Bewegungen des Jahres 2011 haben die Auseinandersetzungen um die Ordnungsweisen des Sozialen neu entfacht. Bei den spanischen „Indignados“ wie auch in den Occupy-Protesten werden Lebensweisen und bestehende politische Organisationsformen gleichermaßen in Frage gestellt. Der Band versucht in einer ersten Annäherung, die Proteste von verschiedenen theoretischen Warten aus zu fassen und diskutiert ihren zentralen repräsentationskritischen Impetus als Kampf um die Neubesetzung des Politischen.

Erich Mühsam: Tagebücher
Bd.1: 1910 – 1911 352 S., geb., Verbrecher Verlag 2011 28,00 EUR
Bd.2: 1911 – 1912 384 S., geb. Verbrecher Verlag 2012 28,00 EUR
Bd.3: 1912 – 1914 390 S., geb., Verbrecher Verlag 2012 28,00 EUR
15 Jahre lang, von 1910 bis 1924 hat Erich Mühsam, der berühmteste deutsche Anarchist sein Leben festgehalten – ausführlich, stilistisch pointiert, schonungslos auch sich selbst gegenüber – und niemals langweilig. Was diese Tagebücher so fesselnd macht, ist der wache Blick des Weltveränderers. Mühsam wollte Anarchie praktisch ausprobieren. Anarchie hieß für ihn: Leben ohne moralische Scheuklappen, ohne Rücksicht auf Konventionen – und er bewies, dass es geht. Auch das Schreiben ist Aktion, in allen Sätzen schwingt die Erwartung des Umbruchs mit, den er tatsächlich mit herbeiführt: Die Münchner Räterevolution ist auch die seine, und die Rache der bayerischen Justiz trifft ihn hart.
Mühsam Tagebuch ist ein Jahrhundertwerk, das es noch zu entdecken gilt, es erscheint in 15 Bänden – und zugleich als Online-Edition. Die gewissenhaft edierten Textbände werden im Netz unter http://www.muehsam-tagebuecher.de/ begleitet von einem Anmerkungsapparat mit kommentiertem Namenregister, Sacherklärungen, ergänzenden Materialien, Suchfunktionen – so entsteht eine historisch kritische Ausgabe!

Bd. 4: 1915 320 S., geb. erscheint Mai 2013 28,00 EUR
DAS KRIEGSJAHR 1915: Mühsams Hoffnungen auf ein schnelles Ende des Ge metzels zerschlagen sich, der Friede rückt in immer weitere Ferne. Er braucht das Tagebuch jetzt, um die Wahrheit aus den verlogenen Presse -meldungen herauszufiltern. Wer hat diesen Krieg angezettelt? Wer kann ihn beenden? Wo kann er sich und seine Überzeugungen geltend machen? In der kaisertreuen SPD bahnen sich Umbrüche an – der linke Flügel ver –
weigert neue Kriegskredite, die Spaltung der Partei bahnt sich an. Gespannt verfolgt Mühsam die Entwicklung und sucht nach Verbündeten für eine Antikriegsbewegung unter anarchistischen Vorzeichen: bei Pazifisten, linken Sozialdemokraten, Anarchisten.
Auch in der Münchener Boheme geht der Tod um. Die Reihen lichten sich, die Stammtischkrieger werden immer nervöser. Mühsam muss befürchten, an die Front geschickt zu werden, und ist fest entschlossen, eher zu sterben als zu töten. Derweil drückt die Geldnot schlimmer als je zuvor. Zenzl, die Geliebte, bietet ihm Hilfe und Trost, aber auch sie braucht Unterstützung. Retten kann ihn nur der baldige Tod des Vaters, die große Erbschaft. Und mit dem langersehnten Telegramm tritt endlich die Wende ein: Mühsam heiratet Zenzl, gründet einen Hausstand und will Dramen und Gedichte schreiben – doch es bleibt nur Zeit für das Tagebuch, das längst zu seinem Hauptwerk geworden ist.

Lothar Kolmer, Michael Brauer (Hg.)
Hedonismus. Genuss – Laster – Widerstand?

224 S., Pb. Mandelbaum 2012 19,90 EUR
Hedonismus – einzig verbliebene Orientierung in unserem säkularen Zeitalter? Der Sammelband umfasst philosophische und soziologische Ansätze, um die zentralen Begriffe Hedonismus, Geschmack und Genuss zu definieren und in die (genusssüchtige und/oder genussunfähige?) Gegenwart zu übersetzen. Diskutiert werden historische wie auch zeitgenössische Beispiele und Praktiken (Slow Food, „Genussregion“, Drogen, Performance-Kunst). Definitionen, aber auch inhaltliche Abgrenzungen werden präsentiert, etwa wie sich Hedonismus zu Genuss verhält beziehungsweise zu übermäßigem Genuss? Trifft das alte Stigma des Lasters noch zu oder schon wieder? Braucht es als Antwort auf konsumistische Zustände einen hedonistischen Widerstand? Wie müsste dieser aussehen? Eine Dokumentation der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Begriff „Hedonismus“, der im Februar 2012 Gegenstand eines Symposiums für Gastrosophie der Universität Salzburg war. Ziel war, aus einem beliebig gebrauchten Schlagwort einen auch wissenschaftlich operablen Begriff zu machen.

Carl van Vechten: Nigger Heaven
320 S., geb., Walde und Graf 2012 24,95 EUR
Als „Nigger Heaven“ 1926 erschien, verursachte das Buch einen handfesten Skandal und wurde zum meistdiskutierten Roman der Saison. Im Mittelpunkt steht ein junges Paar, eine Bibliothekarin und ein Möchtegernschriftsteller, gefangen im Tauziehen zwischen ihren Ambitionen, dem latenten Rassismus und den Versprechungen der afroamerikanischen Kultur Harlems. Van Vechten entführt den Leser in die Clubs und Bars und auf die Straßen Harlems. Er erzählt von der afroamerikanischen Kultur, ihrer Musik und Kunst und beschreibt die Lebensfreude und die Ausschweifungen der schwarzen Intellektuellen und der davon magisch angezogenen weißen Bohme. Carl van Vechten, 1880 in Iowa geboren und 1964 in New York verstorben, war Redakteur der New York Times, Bestseller-Autor, Fotograf und eine der schillerndsten Figuren der New Yorker Boheme. Van Vechten gilt als wichtiger Unterstützer der Harlem Renaissance und enger Gefährte von Gertrude Stein, deren literarischer Nachlass er verwaltete.

Carl van Vechten: Parties
Walde und Graf, geb. 24,95 EUR

György Ligeti: Le Grand Macabre
Gran Teatre del Liceu 2011
Symphonieorchester und Chor des Gran Teatre del Liceu
Michael Boder
La Futura dels Baus 29,90 EUR
Arthaus DVD 2012, 122 Min. & Bonus, Sprache engl. Mit deutschen Untertiteln
Györy Ligeti (1923 – 2006), wegbereitender ungarischer Komponist des 20.Jahrhunderts, schuf mit seiner Oper „Le Grand Macabre“ eine absurde, tragikomische Gesellschaftskritik – eine provokative Satire. Populäres Theater, Pop-Art, Kabarett, Karikatur und die Apokaypse werden mit faszinierendem Einfallsreichtum vereint. Das Gran Teatre del Liceu in Barcelona präsentierte 2011 „Le Grand Macabre“ in einer außergewöhnlichen und spektakulären Inszenierung von La Fura del Baus. Die katalanische Theatergruppe macht Ligetis Musiktheater mit großem Aufwand zu einem wundersamen Kunstwerk.

Felix Krämer (Hrsg.) : Schwarze Romantik
304 S., Hatje Cantz 2012 45,00 EUR
Der Band zur Aussellung im Städel Museum Frankfurt zeigt Motive von Albträumen, Dämonen und Spukgestalten, apokalyptische Visionen, Ruinen in sorgfältigen Reproduktionen samt kurzen erläuternden, profunden Texten. Vexierbilder des Schaurig-Schönen der vergangenen zwei Jahrhunderte.

Christian Kiening / Heinrich Adolf (Hg.)
Dokumente der Medienavantgarde (1912 – 1938)

500 S., Pb., Chronos Verlag 2012 55,50 EUR
Beginnend mit den Futuristen galt als absoluter Film um 1925 ein von der Mechanik der Wirklichkeitsabbildung befreiter Film, der Teil hat an den avantgardistischen Strömungen der Zeit und den variablen Abgrenzungen zwischen verschiedenen Künsten. Beteiligt an der sich zwischen Theorie und Praxis abspielenden Diskussion waren Film- und Theaterkritiker, Architekten und Architekturtheoretiker, Bauhaus-Mitglieder, Bildkünstler, Schriftsteller und Philosophen.

Tobias G. Natter, Elisabeth Leopold (Hrsg.)
Nackte Männer. Von 1800 bis heute

348 S., Hirmer Verlag 2012 39,90 EUR
Das Leopold Museum Wien zeigt in einer Ausstellung (bis 28.1.2013) mal die nackten Männer anstatt den nackten Frauen im Museum. Eine Schau nur zu diesem Thema ist neu und aufschlussreich. Das Buch spannt einen Bogen von den Helden-Darstellungen des Klassizismus über die klassische Moderne mit der neu entdeckten Nacktheit als künstlerischem Mittel oder Metapher für Kulturkritik bis hin zur Kunst nach 1945.

Christoph Steinbrenner / Thomas Mießgang
Der phantastische Phallus
Die unglaubliche Geschichte von Wendelin Rentzsch-Tetzlaff und seiner Sammlung herausragender Avantgarde-Kunst

96 S., 34 Bilder, Rogner & Bernhard 2012 14,95 EUR
Erektionen der Moderne. Das ultimative Geschenkbuch für Kunsthasser und –liebhaber. Die moderne Kunst ist eine Welt für sich: welcher Unfug in Katalogen und Ausstellungstexten zu lesen ist, wie „Experten“ über Kunst reden – es ist manchmal kaum auszuhalten. Hochstapler, Blender, Schaumschläger, sie alle finden ihr Plätzchen im Schoß moderner Kunst. Mittelmäßige Talente werden wie Popstars verehrt und scheffeln Millionen. Immer wieder halten geniale Fälscher der Branche den Spiegel vor. Keiner weiß, warum das eine Kunst ist und das andere nicht. „Der phantastische Phallus“ ist ein Beitrag zur Frage: „Ist das Kunst? Oder kann das weg?“. Die Autoren erzählen im Stile eines Ausstellungskataloges die Geschichte einer fiktiven Sammlung moderner Kunstwerke. Gemeinsam ist ihnen eine obsessive Monothematik: der männliche Phallus. Es sind unbekannte Werke, die man auf den ersten Blick berühmten Künstlern aus den verschiedensten Zeiten, Stilrichtungen und Genres zuordnen möchte: Mondrian, Dali, Gerhard Richter, Christo, Damien Hirst. Verblüffend, witzig, intelligent: ein großer Lesespass für moderne Kulturbürger.

Brüste. Das Buch
280 S., Rogner & Bernhard 2012 29,95 EUR
Busenwahrheiten statt Binsenwahrheiten. Endlich: alles, alles, alles zum Thema Brüste. Für Männer sind sie Quelle frühkindlicher Sehnsucht und lebenslanger Leidenschaft, für Frauen Vergnügen, Rätsel und süße Last: „Brüste .Das Buch“ folgt den Mythen, die sich um dieses Accessoire vollendeter Weiblichkeit ranken. Die Brust im Film, in der Literatur und der bildenden Kunst findet dabei ebenso Platz wie ihr Einsatz als politische Waffe oder als Forschungsgebiet der Wissenschaften. Es geht um Erotik, um riesige, neckische, einschüchternde oder magische Brüste, um die Kunst, den richtigen BH zu finden, um Schönheitsoperationen, den Schwarzmarkt für Muttermilch oder auch die männliche Brust als Sexsymbol. Wir lernen brustbesessene Fotografen und Comiczeichner kennen, lesen die ungewöhnlichsten Namen, die Brüsten gegeben wurden, studieren bizarre Statistiken zum Thema und spüren der ungebrochenen Faszination für Brüste in Medien und Popkultur nach. Obsessionen, Skurriles, Spektakuläres, Schönes, Skandalöses – ein Buch, das Männer wie Frauen zum Träumen und Staunen bringen dürfte, und das ideale Geschenk für offene und heimliche „Busenfreunde“.

Bettina Zehetner: Krankheit und Geschlecht
Feministische Philosophie und psychosoziale Beratung

Turia + Kant 32,00 EUR
Judith Butlers Geschlechterkonzeption als Performativität (Annahme, Verschiebung, Wiederholung) findet eine Exemplifizierung in den scheinbar geschlechtsspezifischen psychosomatischen Phänomenen wie hysterischer Konversion, Essstörungen oder selbstverletzendem Verhalten. Diese performativen Aspekte von Krankheit und Geschlecht in ihrer Verschränkung sind das Thema der vorliegenden Studie. Aus dem Blickwinkel dekonstruktivistischer feministischer Philosophie einerseits und psychosozialer Beratungspraxis andererseits werden Diskurse über „Weiblichkeit“, „Normalität“ und „Krankheit“ auf ihre tatsächlichen Verkörperungen und gesellschaftlichen Normierungen hin untersucht.

Sabine Appel: Caroline Schlegel-Schelling – Das Wagnis der Freiheit
320 S., C. H. Beck 19,95 EUR
Der Geburtstag von Caroline Schlegel-Schelling jährt sich am 2.September 2013 zum 250.Mal. Sie führte ein innerlich wie äußerlich aufregendes Leben. Man muss sich das einmal vorstellen: Als Frauen bestenfalls als treue Dienerinnen an der Seite von Männern wahrgenommen wurden, hatte sie einen eigenen Kopf. Sie führte ein für damalige Verhältnisse ausgesprochen eigensinniges, intellektuelles Leben. Aufgewachsen in einer Akademikerfamilie heiratete sie den Arzt J. F. W. Böhmer. Nach dessen Tod kam eine Phase der Ruhelosigkeit, schließlich wohnte sie bei dem Republikaner Georg Forster, wurde wegen Hochverrats verhaftet, und nach ihrer Freilassung heiratete sie August Wilhelm Schlegel, aber auch für dessen Bruder Friedrich schwärmte sie. Scheiden ließ sie sich wieder 1803 und ehelichte kurz darauf Friedrich Schelling, da war es wohl die große Liebe. Die Übersetzerin und Schriftstellerin Caroline Schlegel hatte einen unglaublichen Einfluss auf die Frühromantiker, ihre Briefe sind heute von unschätzbarem Wert. Sabine Appel beschäftigte sich in ihrem Buch über Caroline Schlegel-Schelling mit diesem gar nicht exemplarischen, aber umso beispielhafterem Leben – mit dem „Wagnis der Freiheit“. (Ulrich Rüdenauer im Börsenblatt des deutschen Buchhandels)

Miriam Gebhardt: Alice im Niemandsland
Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor

352 S., DVA 2012 19,99 EUR
Alice Schwarzer gilt als die Frontfrau des deutschen Feminismus. Tatsächlich ist mit ihr aber die Frauenbewegung zu einem Geisterschiff geworden. Es stört, dass Alice Schwarzer mit dem Feminismus gleich gesetzt wird. Bevor die Frauenbewegung auf die Medienfigur Alice Schwarzer zusammenschrumpfte war sie einmal sehr vielfältig und aufregend. Viele, vor allem die jungen Frauen, können mit der Ideologie von Alice Schwarzer nichts anfangen. Aber auch ältere Frauen wollen Frauen nicht grundsätzlich wie Schwarzer als Opfer sehen. Junge und ältere Frauen müssen wieder ins Gespräch miteinander kommen. Es braucht dringend wieder eine lebendige, vielfältige, aufregende Frauenbewegung.

Victor Grossman: Rebel Girls
34 amerikanische Frauen im Portrait

251 S., Pb., Papyrossa 2012 15,90 EUR
Victor Grossman stellt in lebendigen Portraits 34 amerikanische Frauen vor, die in den großen Kämpfen um Selbstbestimmung und Menschenrechte, Gleichberechtigung und Frieden von der Kolonialzeit bis in unsere Tage eine prominente Rolle gespielt haben. Neben berühmten wie Jane Fonda, Angela Davis oder Billie Holliday finden sich andere, die weniger bekannt, aber nicht weniger faszinierend sind.

Christel Mouchard: Devi
Die Rebellin mit den sanften Augen

192 S., geb., Verlag Urachhaus 2012 14,90 EUR
Für Jugendliche ab 12 Jahren. Die wahre Geschichte der indischen Banditenkönigin Phoolan Devi, der es gelang, ihr Dasein als Verbrecherin hinter sich zu lassen: Sie avancierte nicht nur zur Heldin der Armen, sondern kämpfte als Menschenrechtlerin für die Befreiung der indischen Frauen aus menschenunwürdigen Zwängen einer patriarchalen Gesellschaft.

Pussy Riot ! Ein Punk Gebet Für Freiheit
144 S., Edition Nautilus 2012 9,90 EUR
Pussy Riot ist ein feministisches Kunst-Performance-Kollektiv aus Moskau. Gegründet 2011, machen sie öffentliche Performance-Auftritte als Angriff auf die russische Politik. Im Februar 2012 wurden drei Mitglieder der Gruppe verhaftet, nachdem sie in der Christi-Erlöserkirche in Moskau in bunten Strumpfmasken mit einem „Punk-Gebet für Freiheit“ gegen Putin protestiert hatten. Maria Aljochina, Nadescha Tolokonnikowa und Jekaterina Samuzewitsch wurden zu feministischen Ikonen, ihre Verhaftung und die Gerichtsverhandlung wurden von Aktivisten und Künstlern in der ganzen Welt solidarisch begleitet und sie waren auch nominiert für den „Preis für das Unerschrockene Wort“ der Lutherstädte durch die Stadt Wittenberg. Trotz der Unterstützung und der Medienaufmerksamkeit in Russland und im Ausland wurden sie im August 2012 schuldig gesprochen und zu zwei Jahren Haft im Straflager wegen „Rowdytum aus religiös motiviertem Hass“verurteilt.

Acta Sanctorum: Die Legende der Maria aus Ägypten
Bios Marias Aigyptias

94 S., Pb. Vier Türme Verlag 2013 (erscheint Januar) 16,90 EUR
Das spannende Leben einer Wüstenmutter zum ersten Mal in deutscher Sprache. Die Wüstenmutter, die wir unter dem Namen „ägyptische Maria“ kennen, lebte im 4.Jahrhundert. Sie erlebte als Prostituierte eine tiefgreifende Verwandlung und wurde zu einer angesehenen Heiligen. Die Legende eines anonymen zeitgenössischen Autors erzählt das Leben dieser spannenden Frau. Die Übersetzerin Gabriele Ziegler setzt die Legende in Bezug zum Leben der Gottesmutter und der Maria Magdalena und gibt in Einleitung und Anmerkungen zahlreiche Hilfen zum Verständnis des Textes.

Beth Dito: Heavy Cross – die Autobiografie
208 S., geb., zahlr. Abb., Heyne 2012 16,99 EUR
Kiss My Ass! Sie ist der aufregendste und ungewöhnlichste Star der Pop-und Modeszene. Mit ihrer Band Gossip dominiert sie weltweit die Charts mit einer ganz eigenen Mischung aus Punk und Soul. Und die Fashionwelt von Karl Lagerfeld bis Kate Moss feiert sie als neue Stil-Ikone. Doch hinter all dem Glamour versteckt sich eine unsagbar traurige Kindheit und Jugend, in der Armut, Hunger und Missbrauch an der Tagesordnung waren. Eine knallharte Lebensgeschichte, die unter die Haut geht.»Ich hatte von Momma gelernt, dass Aufmerksamkeit von einem Mann immer gut war. Von Onkel Leroy hatte ich gelernt, dass mir mein Körper nicht gehörte. Irgendwann sollte ich begreifen, dass das nicht stimmte, aber für diese Erkenntnis würde ich viele Jahre brauchen. Da ich schon als Kind Sex gehabt hatte – mit einem Erwachsenen und unter Zwang -, woher hätte ich da wissen sollen, was normal und was schlimm ist? Es war normal für mich, dass ein erwachsener Mann sexuell Besitz von mir ergriff, für ihn war es normal, so etwas mit Kindern zu machen, es war normal, dass ihn niemand daran hinderte. Es war normal, dass Mädchen auf diese Weise verletzt wurden und anschließend zu Monstern heranwuchsen, die den Kindern wehtaten, denen sie eigentlich helfen wollten. Ich wusste nicht, was richtig war, und ich vernahm ein leises, tiefes Summen in mir, das Summen der Angst. Auch wenn man nicht weiß, was richtig ist, so weiß man doch immer, wenn etwas falsch ist. Der eigene Körper teilt es einem mit, auch wenn der Kopf die Zeichen nicht zu interpretieren versteht.« Beth Ditto wurde am 19. Februar 1981 in Searcy, Arkansas als Mary Beth Patterson geboren und wuchs dort unter ärmlichen Umständen in einem Trailerpark auf. Später war sie in der Punkszene aktiv und veröffentlichte als Sängerin der Band Gossip ihre ersten Platten bei dem legendären Riot-Grrrl-Label Kill Rock Stars. 2009 gelang Gossip der weltweite Durchbruch, der Song »Heavy Cross« stand in Deutschland fast 100 Wochen in den Charts. In der Folge Beth Ditto zierte reihenweise die Cover der größten Hochglanzmagazine und wurde von Karl Lagerfeld protegiert. Beth Ditto lebt heute in Portland, Oregon.

Lady Bitch Ray: Bitchism
Emanzipation Integration Masturbation

480 S., mit hochwertigen Fotos, Panini 2012 19,99 EUR
Lady Bitch Ray provoziert und polarisiert. Sie tritt für die sexuelle Selbstbestimmung der Frauen ein und nimmt in ihrem neofeministischen Buch kein Blatt vor den Mund, auch nicht bei den Sextipps für Frauen und Männer.

Wolfgang Müller: Subkultur Westberlin 1979 –1989. Freizeit
600 S., Fundus 203, philo fine arts 2012 24,00 EUR
Angeschoben von den Impulsen des Punk entwickelt sich in Westberlin Ende der Siebziger eine vielfältige Subkultur. Super-8-Kinos, Bands und Minilabels werden gegründet, Fanzines kopiert, illegale Bars und Punkclubs wie das Risiko werden zu Treffpunkten der »Antiberliner«: Punks, Alternative, Industrial- und Elektronikfans, Polit-Anarchos, Lesben, Schwule, Queers und Künstler mit oder ohne Werk. In diesem Umfeld erscheint im Merve Verlag 1982 das Manifest des subkulturellen Westberlin: »Geniale Dilletanten« –benannt nach der »Großen Untergangsshow« im Tempodrom. Herausgeber des Bändchens ist Wolfgang Müller, Mitbegründer der Gruppe Die Tödliche Doris. Die Band spielt sowohl in besetzten Häusern als auch in Kunstkontexten. In seiner nun vorliegenden, furios erzählten Geschichte der Westberliner Subkultur der Jahre 1979 bis 1989 setzt Müller Die Tödliche Doris in den Fokus damaliger Entwicklungen und Verhältnisse. Selbst Protagonist jener Geschehnisse, die erbeschreibt, liefert er ein Stück Zeitgeschichte aus Insider-Perspektive: kenntnisreich, witzig, respektlos. So treten neben vielen anderen auf: Gudrun Gut, Die Einstürzenden Neubauten und Iggy Pop in einer Telefonzelle, Christiane F., der spätere Loveparade-Gründer Dr. Motte und Ratten-Jenny, die 1978 Martin Kippenberger attackierte. Aber auch Orte werden aufgerufen – die Flohmärkte oder illegale Kulturstätten wie der Kuckuck. Subjektiv, geistreich und aus dem Vollen schöpfend schließt Wolfgang Müller eine Lücke im Verständnis dieser Zeit. Wolfgang Müller, 1957 geboren, lebt als Künstler, Musiker und Autor in Berlin.

Frank Willmann (Hg.): Leck mich am Leben – Punk im Osten
272 S., Verlag Neues Leben 2012 19,95 EUR
Ein umfassender Reader einer Textsammlung mit 40 Geschichten von 32 Autoren zum Punk im Osten. Neben dem Motto „Saufen, Ficken, Vopos klatschen!“ zeigt der Band auf, dass kulturelles Punkleben nicht nur aus Alkohol- und Partyexzessen bestand. Es gab z.B. auch das legendäre Kunstfestival „Intermedia 1: Klangbild – Farbklang“ und andere bedeutende Initiativen des Undergrounds. Bis Mitte der 80er Jahre konnten Punkkonzerte ausschließlich privat oder auf Geländen der evangelischen Kirche stattfinden („Kirche von unten“). Komplettiert wird „Leck mich am Leben“ durch eine Literaturliste sowie zahlreiche, teils grandiose Fotos, die mehr sagen als manche der Texte.

Hans-Martin Gauger: Das Feuchte und das Schmutzige
Kleine Linguistik der vulgären Sprache

283 S., C. H. Beck 2012 16,95 EUR
Was vulgär ist, wie es von Land zu Land in Europa wechselt, hier Anatomisches meint, sich dort auf körperliche Aktivitäten bezieht, dann wiederum, und zwar mit Vorliebe in Deutschland, auf Ausscheidungen, davon erzählt der emeritierte Professor für romanische Sprachwissenschaft kenntnisreich. Und bleibt dabei distinguiert. Niemals ergötzt er sich lustvoll an den Ferkeleien, die er unter seine Sprachlupe legt. Er schreibt angenehm unakademisch. Man lernt viel über die Nuancen stubenunreiner Ausdrücke, Formulierungen und Gesten.

Kenneth Slawenski: Das verborgene Leben des J. D. Salinger
600 S., geb., Rogner & Bernhard 2012 29,95 EUR
Die erste seriöse Biografie J. D. Salingers. Im Januar 2010 starb der für seine Abneigung gegen jede Art von Medienpräsenz berüchtigte amerikanische Schriftsteller J. D. Salinger. Den Titel „Kultautor“ trägt er als einer der wenigen zu Recht. Mit einem einzigen kleinen Roman, dem „Fänger im Roggen“ ist Salinger in die Literaturgeschichte eingegangen. Von dem Buch, das im Jahr 1951 erschienen ist, haben sich mehr als 25 Millionen Exemplare verkauft, es ist Pflichtlektüre an Schulen, und Klappentexte werben seit Jahren mit dem Slogan: „ein neuer Fänger im Roggen“. Mehrere Biografien sind an Salingers rabiater Vorstellung von Privatsphäre gescheitert. Er verhinderte den Nachdruck seiner frühen Erzählungen, ließ seine Korrespondenz vernichten und zog gegen jeden vor Gericht, der ihm zu nahe trat. Kenneth Slawenski ist es gelungen, die Überreste dieser Selbstauslöschung zusammenzutragen, ohne sich auf das Privatleben Salingers zu stürzen. Seine kriminalistische Spurensuche wirft neues Licht auf Leben und Werk des Schriftstellers, der das Lieblingsbuch mehrerer Generationen schrieb.

Henry David Thoreau: Briefe an einen spirituellen Sucher
237 S. Verlag Turia + Kant 24,00 EUR
„Mein derzeitiges Leben ist eine Tatsache, hinsichtlich derer ich keinen Anlass habe, mir zu gratulieren, aber für meine Treue und mein Bestreben hege ich Respekt… Ich habe keinen Eid geschworen. Ich hege keine Absichten wider die Gesellschaft – oder die Natur – oder Gott. Ich bin schlichtweg, was ich bin, oder ich fange an, es zu sein.“ Von Anfang an macht Thoreau dem „spirituellen Sucher“ Harrison Blake klar, dass es kein höheres Dasein zu gewinnen gibt, sondern im besten Fall das eigene. Henry David Thoreau (1817 – 1862, 2012 war sein 150.Todestag) ist weithin durch seinen Roman „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“, 1849, bekannt. Er begründete damit die Idee der Civil Disobedience, die u.a. für Mahatma Gandhi und Martin Luther King bedeutsam wurde. Auch verschiedene Strömungen der Ökologiebewegung, des Anarchismus usw. sehen in Thoreau ihren Helden. Schon 1845 hatte sich Thoreau für zwei Jahre in eine selbst gebaute Holzhütte zurück gezogen. Durch seine Schrift „Walden oder das Leben im Walde“, 1854, wurde er – so der amerikanische Literaturnobelpreisträger Sinclair Lewis – zu einem „der drei oder vier wirklichen Klassiker der amerikanischen Literatur“. Gemeinsam ist den Werken Thoreaus eine radikale, philosophische Zivilisationskritik und die Suche nach einer Alternative, die nicht bei einer etablierten Religion Zuflucht sucht. Kurz nach seiner Rückkehr aus Walden erreichte ihn der erste Brief eines Bewunderers: Zwar sind die weiteren Briefe von Harrison Blake nicht erhalten, doch erweist sich dieser offenbar als idealer Fragesteller. Thoreaus Antwortbriefe erstrecken sich über den größten Teil – 14 Jahre – seiner produktiven Zeit und umspannen die gesamte Entwicklung seines Denkens. Erst vor wenigen Jahren erschien eine vollständige Ausgabe der Briefe Thoreaus an Harrison G. O. Blake, reichlich kommentiert durch den Herausgeber Bradley P. Dean. Nun sind sie in der hervorragenden deutschen Übersetzung von Klaus Bonn auch auf Deutsch erhältlich.

Walt Whitman: Grashalme
Gelesen von Christian Brückner
2 CD-Hörbuch, Parlando 19,99 EUR
Ein fundamentales Werk der amerikanischen Literatur bis heute. Die große Dichtung vom Selbstbewusstsein Amerikas. Zu Lebzeiten war Whitman ein Outcast und Sonderling. Sein Lyrik wurde als obszön stigmatisiert. Wortgewaltig feiert er die Natur, den Menschen und die Schönheit des menschlichen Körpers. Generationen von Dichtern in den USA und überall auf der Welt haben von ihm gelernt und seinen hymnischen Ton aufgenommen. Heute wird er als einer der Gründerväter der amerikanischen Literatur verehrt.

Tony O`Neill: Black Neon
380 S., geb., Walde und Graf 2012 24,95 EUR
Die Fortsetzung des Erfolgromans „Sick City“. Black Neon soll das nächste Projekt des legendären Filmemachers Jacques Selzer heißen – zumindest den Gerüchten nach, die schon seit Jahren in Hollywood kursieren, denn Selzer treibt sich seit dem Erfolg seines letzten skandalösen Streifens hauptsächlich auf exzessiven Partys in Europa herum. Als er endlich in Hollywood eintrifft, um „Black Neon“ zu realisieren, engagiert er Randall und Jeffrey, die altbekannten und seit „Sick City“ legendären Anti-Helden der amerikanischen Popliteratur, um mit ihrer Hilfe in die Welt der Dealer, Süchtigen, Nutten und schäbigen Motels einzutauchen. Ein Trip, den er nicht mehr vergessen wird. Tony O`Neill , 1978 geb., ist Autor und Musiker und lebt in New York. Das Musikbusiness und seine Drogenerlebnisse prägten seinen von der Kritik gefeierten Debütroman.

Tony 0`Neill: Sick City
328 S., Walde und Graf 24,95 EUR

Dee Dee Ramone: Chelsea Horror Hotel
240 S., geb., Milena Verlag 2012 19,90 EUR
Dee Dee Ramone, eigentlich Douglas Glen Colvin, geb. 18.September 1951, gestorben am 5.Juni 2002 in Hollywood, Kalifornien, war ein US-amerikanischer Musiker, Songwriter, Buchautor und Maler. Bekannt (und Legende) geworden ist er 1974 durch seine Rolle als Gründungsmitglied, Bassist und Komponist sowie als Chor- und gelegentlicher Hauptsänger der New Yorker Punkband Ramones. Seinem Ausscheiden aus der Band im Jahr 1989 folgte eine Solokarriere als Musiker und die Ausweitung seiner künstlerischen Tätigkeit auf Schriftstellerei und Malerei. Dee Dee Ramone gilt nicht nur als einer der einflussreichsten Bassisten des Punkrock (er war ein Vorbild unter anderem für Sid Vicious), er war außerdem, gemeinsam mit dem Sänger Joey, Hauptsongwriter der Ramones. Dee Dee Ramone starb im Alter von 50 Jahren an einer Überdosis Heroin. Das Chelsea Hotel, wurde als das bis 1902 höchste Gebäude New Yorks 1883 erbaut und 1884 zunächst als Appartement-Komplex eröffnet. 1905 erfolgte die Umwandlung in ein Hotel. Es ist ein zwölfstöckiges, 250 Zimmer umfassendes rotes Backsteingebäude, dessen pittoreske Fassade schwarze, mit Blumen verzierte Balkone aus Eisen besitzt. In dem schon legendären „Künstlerhotel“ wohnten zahlreiche Musiker, Schriftsteller und Künstler wie Salvador Dali, Thomas Wolfe, Arthur Miller, Dylan Thomas, Nico, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Falco, Valerie Solanas oder Leonard Cohen (der dem Hotel mit dem Lied Chelsea Hotel # 2 ein musikalisches Denkmal setzte). Seit dem 4.August 2011 ist das Chelsea Hotel für Touristen geschlossen. Zum 10.Todestag von Dee Dee Ramones, dem Bassisten der wichtigsten Punkband der Welt, veröffentlichte der Milena Verlag diese Hommage an die „guten alten“ Tage im legendären Chelsea Hotel, eine durchgeknallte Odysee durch Manhattan. Schräg und witzig – Dee Dee at his best, zum ersten Mal in der kongenialen deutschen Übersetzung von Matthias Penzel. Dee Dee Ramone erzählt in Chelsea Horror Hotel von seinem Aufenthalt in New Yorks legendärster Absteige für hippe Künstler und ekstatische Rockmusiker. Er bewohnt mit seiner sexy Frau Barbara und Hund Banfield eines der rasend abgewohnten, lauten Zimmer und verbringt die Zeit mit Spaziergängen durch Manhattan mit Banfield, mit dem er sich übrigens blendend unterhält, und der ständigen Jagd nach Drogen. Dee Dee kann seine Nachbarn nicht leiden und versucht sich aus den ständigen Querelen herauszuhalten. Er wird den Verdacht nicht los, dass er im selben Zimmer einquartiert ist, in dem sein Freund Sid Vicious Jahre zuvor seine Freundin Nancy erstach. Dee Dees Albträume häufen sich, und zu allem Überfluss wird er immer stärker von lebenden und toten Dämonen geplagt, darunter auch seine alten Punkrockfreunde Sid Vicious, Johnny Thunders und Stiv Bators. Während eines letzten Konzerts mit seinen Freunden betritt dann der Teufel höchstselbst die skurille Hotel-Arena.

Peter J. Grob
Zürcher „Needle-Park“
Ein Stück Drogengeschichte und –politik, 1968 – 2008

180 S., 82 Abb. Mit Fotos von Gertrud Vogler
2.Auflage Chronos Verlag 2012 26,00 EUR
Das Buch beschreibt das Alltagsleben auf dem Platzspitz, das breite Spektrum von Menschen, die sich dort aufhielten. Es erzählt vom Drogenhandel, den wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Reaktionen der Politik und der Medien. Im Schlussteil wird von der langsamen Abkehr von der Repression berichtet, von der Behandlung von Drogensüchtigen mit Methadon und sogar mit Heroin, der Verbesserung der Überlebenshilfe, den politischen Auseinandersetzungen und schließlich von der Annahme eines neue Betäubungsmittelgesetzes durch das Stimmvolk im Jahre 2008.

Ralf Gerlach, Heino Stöver (Hrsg.)
Entkriminalisierung von Drogenkonsumenten –
Legalisierung von Drogen

308 S., Fachhochschulverlag 2012 22,00 EUR

Leaf Fielding: Hippie Business
Ein paar nette Jungs, ein Haufen LSD und die größte Drogenrazzia in der Geschichte Europas

320 S., geb., Walde und Graf 2012 22,95 EUR
An einem kalten Morgen im März 1977 wurden in Wales über 100 Personen von der britischen Polizei festgenommen. „Operation Julie“ hieß der legendäre Coup der britischen Drogenfahnder, bei dem 6,5 Millionen LSD-Trips mit einem Marktwert von damals über sieben Millionen Pfund sichergestellt wurden. Zerschlagen war damit das umfangreichste LSD-Produktions- und Vertriebssystem, das die Welt bis dahin gesehen hatte. Und es war das Ende von Leaf Fieldings Karriere als Drogenboss. Leaf Fielding erinnert sich in diesem Buch an den harten Gefängnisalltag hinter Gittern, den Prozess, doch auch an die Ereignisse, die ihn dort hinbrachten: an seine Kindheit, seine ersten Berührungen mit Acid und schließlich seine unglaublichen Abenteuer als Hippie in der Underground-Szene und Drogendealer in England, Europa und Indochina. „Hippie Business“ ist der erste und einzige Insider-Blick hinter die Kulissen von „Operation Julie“. Doch mehr noch, ist es Leaf Fieldings fesselnde persönliche Geschichte, die Geschichte einer Generation, eines Lebensgefühls und einer vergangenen Ära. Leaf Fielding wurde 1982 aus dem Gefängnis entlassen und arbeitete danach als Englischlehrer in Spanien und als Entwicklungshelfer in Malawi. Heute betreibt er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin im Südwesten Frankreichs einen Bioladen.

Steven Daly: Johnny Depp – Seine Filme, sein Leben
280 S., 250 Abb., geb., Knesebeck 2013 (erscheint im Mai) 39,95 EUR
Die umfassende illustrierte Biografie zum 50.Geburtstag Johnny Depps am 9.6.2013 mit über über 250 Fotografien, viele davon erstmals veröffentlicht. Am 8.August 2013 startet der neue Depp-Kinofilm „The Lone Ranger“. Johnny Depp ist einer der schillerndsten Schauspieler und spannendsten Persönlichkeiten Hollywoods. Das Buch zeichnet anhand seiner Filme von den Anfängen in der Teenie-Serie „21 Jump Street“ über Tim Burtons „Edward mit den Scherenhänden“ (1990), „Fluch der Karibik“ (2003), bis zu seinem neuesten Film „The Lone Ranger“ (2013) das Leben dieses außergewöhnlichen Künstlers nach. Der Journalist Steven Daly lässt dabei – ausgehend von zahlreichen Interviews – ein umfassendes Bild des Multitalents Johnny Depp entstehen, den nicht nur sein Erfolg, sondern auch seine intellektuelle Unabhängigkeit und geheimnisvoll-erotische Ausstrahlung so unverwechselbar machen. Zahlreiche Bilder aus seinen Filmen sowie exklusive Interviews, die eindrucksvolle Blicke hinter die Kulissen bieten, runden dieses große Portrait eines Mannes ab, der bereits heute zu den Ikonen Hollywoods gehört.

Paul Lukas: Vinyl
260 S., geb., Milena Verlag 2012 19,90 EUR
Paul Lukas, geboren 1956 in der hessischen Provinz, lebt seit 1981 in Berlin, wo er sich in der Hausbesetzerszene engagierte und im heute legendären Wohnzimmer und der Villa Kreuzberg Clubkonzerte veranstaltete. 1985 gründet der Bassist mit Musikerfreunden die Band „Element of Crime“ und nahm während der folgenden zehn Jahre eine Reihe stilbildender Alben mit ihr auf. Seither veröffentlichte er ein Soloalbum: „The Fear of a Singer“, und einen vielgelobten ersten Roman: „IHN“. Darüber hinaus ist Paul Lukas überwiegend als Übersetzer amerikanischer Autoren wie Quincy, Troupe, Glenway Westcott oder Nora Eisenberg tätig. Vinyl ist ein wütender und zärtlicher, poetisch-melancholischer Roman – ein Buch wie ein heftiger Rocksong. Berlin. Ein ehemaliger Musiker verdient seine Brötchen im verhassten Job als Manager einer Schallplattenfirma, Frust und Einsamkeit bekämpft er mit Alkohol und Drogen. Während seiner nächtlichen Streifzüge durch die Stadt erinnert er sich an seine frühere Band, die „Sonntagsmörder“, und seine große Liebe Nadja, die er nach einem Auftritt kennengelernt hat. Nadja pfeift auf Konventionen, und es ist Liebe auf den ersten Blick. Er tingelt mit der Band durch die Lande, die Band hat Erfolg, wird immer bekannter. Nadja versucht sich in verschiedenen Jobs, eckt mit ihrer kompromisslosen Moral überall an und überfordert dabei sowohl ihre Umgebung als auch ihren Geliebten. Er ist hin- und hergerissen zwischen der Band, dem Basteln an der eigenen Karriere und der schwierigen Liebesbeziehung zu der stets Rückgrat erfordernden Nadja. Als sich der Erfolg der Band einstellt, wird die Liebe knallhart auf die Probe gestellt.

Florian Weber: Grimms Erben
500 S., geb., Walde und Graf 2012 24,95 EUR
Ignatz ist Märchenerzähler. Als der Krieg ausbricht, desertiert er. Seine Flucht führt ihn nach Warschau, wo er vor den Augen seines Bruders Zacharias von den Nazis ermordert wird. Zacharias entkommt und zieht sich nach dem Krieg nach Bayern zurück. In seinem Gartenaus aus Holz erschafft er sich mit seiner Märchenbibliothek eine eigene und wunderbare Welt. Als alter Mann erfährt er von der Existenz seines Enkels August, der ihm zur Obhut übergeben wird. Plötzlich verschwindet Zacharias und hinterlässt eine seltsame Botschaft. August, der Zeit seines Lebens von seinen Mitmenschen verlacht und gedemütigt wurde, rächt sich nun grausam an seinen Peinigern. Florian Weber, Schlagzeuger und Texter der Band Sportfreunde Stiller spielt phantasiereich und wunderbar fabulierend, aber auch brutal und von anarchistischem Witz mit sehr unterschiedlichen Märchenmotiven und zitiert in etlichen Szenen deren Handlung und Moral.

Bernhard Moshammer: Die Zukunft wird kein Honiglecken
240 S., Pb., Milena Verlag 2012 17,90 EUR
Moshammer, geboren 1968 in St. Pölten, schreibt, singt und spielt Ukulele. Er produziert gerne CDs (u.a.: „Fame & Success“ mit Mika Vember, 2009; zuletzt „L“, 2011) und macht Musik für Theater (musikalische Zusammenarbeit mit u.a. Patti Smith) und Fernsehen (zuletzt „Schlawiner“). „Die Zukunft wird kein Honiglecken“ ist sein dritter Roman. Moshammer arbeitet als Musiker für das Wiener Burgtheater und lebt mit seiner Familie in Wien. Die Mittelschicht bebt: Als Lotte, 44, sich nach einer verhängnisvollen Geburtserfahrung mit ihrem zweiten Sohn körperlich wie seelisch am Boden sieht, verlässt ihr Mann, der Dramaturg Lutz, 46, sie wegen einer Vierundzwanzigjährigen. Anselm, 16, eröffnet daraufhin seinen Eltern, dass er sich fortan um das Kind seiner Freundin Nadja, 18, kümmern will. Die Familie scheint – wie alles im Jahr 2011 – dem Zusammenbruch entgegenzusteuern. Dann passiert Unerwartetes: Lotte trifft eine radikale, nachhaltige Entscheidung, Lutz sagt Burn Out und haut ab nach Sylt, Anselm schreibt ein vielversprechendes Theaterstück. All dies ist für Lottes Eltern, die fest der Meinung sind, dass der dekadente Fatalismus der Gegenwart alle direkt in die Hölle führen wird, bloß Bestätigung. Soviel ist der Familie klar: Die Zukunft wird keinHonigschlecken!

Ned Beauman: Egon Loesers erstaunlicher Mechanismus zur beinahe augenblicklichen Beförderung eines Menschen von Ort zu Ort
450 S., Dumont 2013 (erscheint 11.März 2013) 19,99 EUR
Ein Roman wie Bert Brecht auf Koks: schwindelerregend intelligent, umwerfend originell, sexbesessen und voller Überraschungen. Was wirklich in den Dreißigern passierte: ein furioser Ritt durch Berlin, Paris, Los Angeles und die Schmuddeldecken der menschlichen Seele. Egon Loeser hat es nicht leicht. Der expressionistische Bühnenbildner ist nur einen Buchstaben vom „loser“ entfernt, und er weiß es. Die tollen Frauen kriegt alle Bertolt Brecht ab, den extrem paarungsbereiten Egon übersehen sie sträflich. Als er seine ehemalige Schülerin Adele Hitler (nicht verwandt oder verschwägert) nach Jahren wiedersieht, scheinen sich die Wolken zu lichten. Leider mutiert die 18jährige Unschuld vom Lande zum nymphomanen Zentrum des Berliner Nachtlebens, um schließlich zu verschwinden – nicht ohne vorher Brecht getroffen zu haben. Egons Obsession treibt ihn in die Absinth-Bars von Paris und die Geheimlabors von Los Angeles, immer auf den Spuren Adeles und dreier Geheimnisse, die es zu entschlüsseln gilt: Was hat es mit der geheimnisvollen Teleportation auf sich, die im 17.Jahrhundert fünfundzwanzig Theaterzuschauern das Leben kostete? Warum kriegt ein gutaussehender, kluger und vor allem bescheidener Kerl wie er ums Verrecken keine Frau ins Bett? Und was zum Teufel macht Brecht schon wieder hier? Ned Beauman hetzt seine Figuren durch einen halsbrecherischen Plot, was nicht ohne Blessuren abgeht. Sein neuer Geniereich nach „Flieg, Hitler, Flieg“ von 2010 ist wie ein Zungenkuss mit einer Steckdose – sinnlich, kribbelnd, spannungsgeladen. Ein Zukunftsroman aus der Vergangenheit; ein Noir-Roman im Scheinwerferlicht; ein Liebesroman, in dem es nur um das Eine geht.

Robert Neumann: Die Puppen von Poshanks
400 S., geb., Milena 2012 23,90 EUR
Robert Neumann, geboren 1897 in Wien, Promotion in Germanistik. 1927 gelang sein literarischer Durchbruch. Exil in Großbritannien, Mitarbeit beim German Service der BBC, Romane in englischer Sprache und Unterstützung verfolgter Autoren in der Emigration. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden die Bücher Neumanns in Deutschland verboten und verbrannt. Nach Kriegsende freier Schriftsteller, Literaturkritiker und politischer Publizist. 1947 Ehrenpräsident des Österreichischen P.E.N.-Clubs. 1966 veröffentlichte er seine scharfe Polemik gegen die Gruppe 47 besonders gegen Günter Grass. 1975 nahm sich Neumann in München das Leben. „Die Puppen von Poshanks“ erschien erstmals 1952, die englische Originalfassung wurde nie veröffentlicht. In dieser bitterbösen Kalter-Krieg-Satire tummeln sich im sibirischen Poshanks verzweifelte amerikanische Präsidentschaftskandidaten, sexsüchtige Stalinisten und brutale Nazischergen. Währenddessen proben unbeugsame Gulaghäftlinge den Aufstand gegen Stalin. Die Stunden der Diktatur scheinen gezählt. Sibirische Goldbergwerke und Gulags bilden die Kulisse des tragikomischen Romans, in dem das Grauen zum Normalzustand geworden ist. Neumann, Großmeister der literarischen Satire, erzählt die Geschichte des abgehalfteren US-amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Walter Mayflower Watkins, der sich von seiner Goodwill-Reise durch die UdSSR politischen Aufwind verspricht. In Poshanks trifft er auf den Trotzkisten Toboggen, der aus der lebenslänglichen Verbannung hervorgeholt wurde, um die Gräuelmärchen der Massenliquidierungen in den UdSSR zu widerlegen. Watkins verliert den eigentlichen Grund seiner Reise aus den Augen, verliebt sich in Ursula Toboggena, eine linientreue Dolmetscherin, und erkennt nicht, dass er durch eine Welt der Zwangsarbeitslager reist. Alle von Neumann in Poshank versammelten Figuren – wie der Trotzkist Toboggen, dessen stalinistische Tochter, ein aus deutschen KZs geflüchteter Jude, amerikanische Finanzhyänen, ein Nazihenker, der sich in der Kriegsgefangenschaft als Spitzel angebiedert hat – sind wie Watkins selbst nichts anderes als Marionetten der politischen Systeme Kapitalismus und Kommunismus.

Hugo Bettauer: Der Kampf um Wien
300 S., geb., Milena Verlag 2012 22,90 EUR
Bettauer, geboren 1871 in Baden bei Wien, Gymnasium mit Karl Kraus, Schriftsteller und Journalist, konvertierte 1890 vom Judentum zum Protestantismus. Nach Arbeitsaufenthalten in Zürich, New York und Berlin kehrte er nach Wien zurück, arbeitete für die Neue Freie Presse und spezialisierte sich auf Romane mit sozial engagierten Themen. Bettauer gehörte zu den umstrittensten und den erfolgreichsten Autoren seiner Zeit. Sein wohl bekanntester Roman ist der 1922 erschienene „Die freudlose Gasse“. 1925 wurde Bettauer in seinem Büro in Wien-Josefstadt von einem illegalen NSDAP-Mitglied und Zahntechniker erschossen. Hugo Bettauer, war ein Star der Pop-Kultur, die damals noch nicht so hieß. Dieser erstmals 1922 erschienene politische Groschenroman „Der Kampf um Wien“ handelt vom großen Geld, der großen Liebe und der Frage, ob Geld allein ein Land vor dem Untergang retten kann. Nach dem Ersten Weltkrieg liegt die junge österreichische Republik wirtschaftlich danieder: Die Ankunft des steinreichen Amerikaners O`Flanagan in Wien, der Heimatstadt seiner Mutter, lässt auf umfangreiche Sanierungen hoffen. Bundeskanzler, Bankdirektoren, Damen der besten Gesellschaft bis hin zu den einfachen Leuten – alle wollen vom Reichtum des Multimillionärs profitieren. Auch eine Gruppierung ungarischer Faschisten versucht mit List, Tücke und den Verführungskünsten einer Nackttänzerin, O`Flanagans Vermögen zu erschleichen. Seine Milliarden sollen der Unterwerfung des Roten Wien und der Errichtung einer faschistischen Diktatur dienen. Hugo Bettauer offenbarte mit diesem Schlüsselroman, in dem wichtige Persönlichkeiten der Ersten Republik in Erscheinung treten (Karl Kraus, Hermann Leopoldi, Ignaz Seipel u.v.a.) eine packende Chronik aus Politik, Wirtschaft, Verrat, Gesellschaft und Liebe.

George P. Pelecanos: Eine süße Ewigkeit
336 S., Pb. , Dumont 2013, erscheint 11.März 2013 9,99 EUR
Heftig, brutal, aufregend: Bandenkriege in der Großstadt Washington in den Achtzigern: Eine Stadt ohne Gesetz. Ausgezeichnet mit dem Marlowe-Preis für den besten internationalen Kriminalroman. Kokain überschwemmt die Stadt. Marcus Clay, der schwarze Vietnam-Veteran, versucht seinen Schallplattenladen aus diesem Chaos herauszuhalten. Doch selbst sein Freund Dimitri Karras gönnt sich im Hinterzimmer gemeinsam mit der schönen Donna eine Nase Koks. Da stirbt bei einem Autounfall direkt vor dem Laden ein Drogenkurier. Donnas Freund Eddie greift sich aus dem brennenden Wagen einen Kopfkissenbezug voll Geld. Er wird der Gejagte in einem Thriller aus Bandenkriegen und Blut, den Hits der Achtzigern und der Suche nach Gerechtigkeit in einer Stadt ohne Gesetz.

Carsten Stroud: Niceville
512 S., Dumont 2013 erscheint 11.März 2013 9,99 EUR
Quantin Tarrantino meets Stephen King. Niceville. Eine Kleinstadt im Süden der USA, idyllisch, altmodisch und noch immer fest in der Hand der Gründerfamilien. Hier lässt es sich leben. Aber irgendetwas läuft schief in Niceville. An einem Sommertag verschwindet der kleine Rainey Teague. Zehn Tage später wird er gefunden – in einer alten Gruft. Er liegt im Koma. Nick Kavanaugh, der Ermittler, steht vor einem Rätsel. Niceville findet keine Ruhe mehr. Merle Zane und Charlie Danzinger überfallen eine Bank und machen sich mit 2,5 Millionen Dollar aus dem Staub. Nach einer Meinungsverschiedenheit knallen sie sich gegenseitig ab. Beide überleben schwerverletzt. Niceville wird zu einem Ort ohne Gnade. Während eines infernalischen Wochenendes überschlagen sich die Ereignisse. Liegt ein Fluch über Niceville? Geht er aus von einem mit schwarzem Wasser gefüllten Loch indem Felsen oberhalb der Stadt? Man sagt, etwas lebt darin. Doch was? Band 2 „Niceville – die Rückkehr“ erscheint im August 2013, Band 3 „Niceville – Der Aufbruch“ im August 2014.

James Sallis: Stiller Zorn
192 S., Dumont 2013, erscheint 21.Mai 2013 8,99 EUR
Seit der erfolgreichen Verfilmung von „Driver“, zu dem im letzten Jahr auch der zweite Teil als Roman „Driver 2“ erschienen war, wurde dieser Autor wiederentdeckt. Lew Griffin ist der legendäre „hardboiled detective“ aus New Orleans und ermittelt hier in einem Vermisstenfall. Wie so oft mit wenig Aussicht auf Erfolg. Die Spuren führen ihn ins Schattenreich des French Quarter in New Orleans mit seinen Bars, Touristenattraktionen und dem Rotlichtmilieu. Doch seine Nachforschungen nehmen bald ein gewalttätiges Ende, und er muss einsehen, dass sein eigenes Dasein immer mehr dem der verlorenen Seelen gleicht, auf deren Spur er ist. Lew Griffin ist selbst ein Verlorener, ein Gefangener der Flasche, seiner Vergangenheit und seiner schwarzen Hautfarbe. Als schließlich sein Sohn verschwindet, wird ihm klar, dass er erst die Rätsel in seinem eigenen Leben lösen muss, bevor er sich anderen zuwenden kann. James Sallis verbindet die harte und schnelle Sprache des „hardboiled“-Genres mit einem ernüchternden Blick auf eine kaputte Gesellschaft. Die deutsche Erstausgabe dieses Romans erschien bereits 1999 unter dem Titel „Die langbeinige Fliege“, der Originaltitel ist auch „The long-legged Fly“.

Walter Moers: Das Labyrinth der Träumenden Bücher
2 mp3-CD-Hörbuch, 882 Min. der Hör-Verlag 2013 (erscheint März) 14,99 EUR
Das Buch der Bücher für alle Buchliebhaber spielt wieder auf dem phantastischen Kontinent Zamonien, in der Stadt Buchhaim, wo Hildegund von Mythenmetz, der schriftstellernde Lindwurm, seinen Zuhörern einen weiteren Teil seiner abenteuerlichen Autobiografie erzählt.

Thomas Mann: Tod in Vendedig
4 CD, vollständige Lesung, 230 Min., der Hör-Verlag 2013 (Juni) 19,99 EUR
In Venedig steigert sich der alternde Schriftsteller Gustav von Aschenbach in eine Liebe zum schönen Jungen Tadzio. Doch in der Stadt grassiert die Cholera, und der Dichter stirbt – an der Seuche und an einer verbotenen Sehnsucht. Der Sprecher Mathias Brandt versetzt den Hörer in eine morbide Atmosphäre der Lagunenstadt. Zurückhaltend, manchmal fast beiläufig und sehr genau erweckt er die Jahrhundertnovelle zum Leben. Mit dem 30-minütigen Feature „Eros und Cholera“, die unterhaltsamen Einblick in Entstehung und Wirkungsgeschichte der Novelle gibt, auf Bonus-CD.

James Joyce: Ulysses
Vollständige Lesung auf 31 CDs, 2260 Min., der Hörverlag 2013 (Juni) 99,99 EUR
Eine Produktion mit Suchtpotential. 18 Kapitel hat der Roman, in dem wir einen Tag lang den Anzeigenakquisiteuer Leopold Bloom durch Dublin begleiten. Ein ums andere Mal tauchen wir mit den größten deutschen Schauspielern in die wechselnden Stillagen des Autors, so dass sich der nimmermüde Sprachstrom und der Vielklang des Werks in ein soghaftes Hörerlebnis verwandelt.

Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. Remix
Vollständige kommentierte Lesung auf 2 mp-3-CDs, 1160 Min.
der Hör-Verlag 2013 (Juni) 79,99 EUR
Hörspiel in offener Form mit Interviews von Kritikern, Musil-Forschern und Autoren, die im Remix zu den Originaltexten Musils in Bezug gesetzt werden. Diese kombinierte Buch-/Hörspieledition zeichnet als Remix ein groß dimensioniertes Gesamtbild des unabgeschlossenen Jahrhundertromans von Robert Musil. Nicht nur die zu Lebzeiten des Autors veröffentlichten Romanteile, sondern auch der wissenschaftlich aufgearbeitete Nachlass Musils bilden die Grundlage dieses Projektes. Die Produktion beinhaltet erzählerisch und szenisch inszenierte Texte und Entwürfe Musils sowie Beiträge von namhaften Kritikern, Literaturwissenschaftlern und Schriftstellern wie Elfriede Jelenik, Roger Willemsein oder Alexander Kluge. Sie schreiben den „Mann ohne Eigenschaften“ in der Gegenwart fort.

Ältere Titel:

Mieze Medusa: Freischnorcheln
166 S., Milena Verlag 15,90 EUR
Der Debütroman von Wiens Poetryslam-Queen und HipHop-Lyrikerin Mieze Medusa, der garantiert Ihren Alltag versüßt. Nora will kündigen. Aber wie kündigen, wenn du dein eigener Chef bist? Ein Roman voll flirrender Eloquenz und spritzigem Humor für alle, die noch nicht so ganz erwachsen sind, es lange Zeit nicht waren oder niemals werden wollen!

Thomas Ballhausen: Delirium und Ekstase
176 S., Milena Verlag 16,50 EUR
Essays und Aufsätze, die die Aktualität des Monster-Begriffs in den Mittelpunkt stellen und ästhetische Fragen mit politischen Fragen verquicken. Die thematische Vielfalt des Bandes, die von der klassischen Literatur bis zu populären Filmgenres reicht, unterstreicht die Brisanz einer hässlichen Ästhetik, sowie das ungebrochene Interesse an einem Themenfeld, das den Alltag auf mehr Weisen durchdringt, als gemeinhin wahrgenommen wird.

James Graham Ballard: Liebe & Napalm
246 S., geb., Milena Verlag 13,90 EUR
Ein Arzt an einer psychiatrischen Klinik in London entdeckt nach und nach sein gestörtes Verhältnis zu seinem Beruf, seiner Umwelt und seinen Patienten. Anhand des schrittweisen Zerfalls der Person wird die Brüchigkeit der von Grausamkeiten durchzogenen Geschichte des 20.Jhds. deutlich. Beim Durchqueren seiner eigenen Identität wird er von verschiedenen exemplarischen Rollen verfolgt, wie etwa J. F. Kennedy, Marilyn Monroe, Claude Eatherly, dem Piloten der B-29, der die Atombombe auf Hiroshima abwarf, und Lee Harvey Oswald, dem Attentäter von Dallas.

John Gardner: Grendel
260 S., geb., Milena Verlag 19,90 EUR
In diesem Klassiker der phantastischen Literatur erscheint die altenglische Saga unter vertauschten Vorzeichen. Gardner schreibt aus der Perspektive Grendels, des Monsters, eines wilden und einsamen Wesens, das mit seiner Mutter in einer Höhle lebt. Grendel ist hin- und hergerissen zwischen seinem wilden, animalischen Tötungstrieb und einem herausragenden Verstand, der ihn zur Sprache und zu einem komplexen Verständnis der Welt befähigt.

Toby Barlow: Scharfe Zähne
360 S., geb., Milena Verlag 23,50 EUR
Mit einem Vorwort von Carl Weissner In seinem international gefeierten Debütroman zeichnet Toby Barlow ein düsteres Bild der Stadt Los Angeles und vereint die Coolness von Noir-Krimis mit antiker Mythologie. Er koppelt eine berührend aufrichtige Liebesgeschichte mit dem Portrait einer Stadt, die voller Träume und Alpträume steckt. Es ist die Geschichte des Hundefängers Anthony, der sich in eine mysteriöse Frau verliebt und in einen Machtkampf unvorstellbaren Ausmaßes hineingezogen wird. Rudel von Werwölfen ringen um die Vorherrschaft auf den Straßen und in den verlassenen Gebäuden einer verfallenden Gesellschaft – der heutigen Gesellschaft.

Kathy Acker: Meine Mutter Dämonologie
296 S., geb., Milena Verlag 23,00 EUR
Acker reiht in diesem Roman all ihren zentralen Themen und Motive auf: Obsession, Sex, Begehren, Liebe, Kindheit und Aufwachsen, Freiheit, Feminismus, Popkultur, politische Kritik und Literaturtheorie. Das Ergebnis präsentiert sich dabei weniger derb, schrill und provokativ als ihre frühen Bücher, dafür mutet es persönlicher an, mit einem Schuss Sehnsucht und Melancholie.

Ian Banks: Die Wespenfabrik
242 S., geb., Milena Verlag 23,00 EUR
Protagonist Frank Cauldham, 16 Jahre alt, lebt mit seinem Vater in einem verlassenen Haus im schottischen Hochland. Abseits familiärer Behütetheit entwickelt Frank seine eigene Fantasiewelt der Grausamkeiten und der Bestrafungen – seine Gegenrealität. Als sein in eine geschlossene Anstalt abgeschobener Bruder ausbricht, um die Geheimnisse seiner Familie zu lüften, droht Franks Weltentwurf endgültig aus den Fugen zu geraten, hat er doch mittlerweile drei Morde begangen…

Bill Callahan: Briefe an Emma Bowlcut
Aus dem Amerikanischen von Carl Weissner
95 S., geb., Milena Verlag 18,80 EUR
Bill Callahan ist mit seinem literarischen Debüt ein Werk von poetischer Dichte und berührender Menschlichkeit gelungen, das seinen besten musikalischen Arbeiten in nichts nachsteht.

Carl Weissner: Manhattan Muffdiver
180 S., geb., Milena Verlag 17,90 EUR
Zwei Monate ist Carl Weissner in New York, um einen Death-Metal-Krimi zu schreiben, stattdessen versendet er Tag für Tag die haarsträubendsten Mails: Über chinesische Models, usbekische Killer, Food Porn, Totenkulte, Verbrecher im Weißen Haus, Janis Joplins Heroindealer, Sean Penn, Bukowski, Al Pacino und Al Capone..

Carl Weissner: Die Abenteuer von Trashman
New York Nachtjournal 1968

160 S., geb., Milena Verlag 19,90 EUR
New York, 1968: Müllstreik, Hare Krishna, Attentate, Kaufhausbrandstiftungen, Axtmorde unter LSD, Polizei-Amok, zugedröhnte Blumenkinder und bewaffnete Revoluzzer. „Ein Buch, das einem die Beine wegreißt“ (Klaus Bittermann in der „Jungen Welt“).

Peter Cheyney: Lemmy schießt nicht auf Blondinen
220 S., geb., Milena Verlag 14,90 EUR
Mein Name ist Lemmy Caution. Ich arbeite für den FBI. Nicht jeder Auftrag, den ich kriege, fängst so verquer an wie dieser hier… Diesen Krimi des Kultautors Cheyney zu lesen bringt Spaß, gute Laune, Leichtigkeit ins harte Leben und ist ein wahres Vergnügen für kriminalistische Denksportler. „Cheyney ist der unumstößliche Großmeister des Kriminalromans“ (Jean-Luc Godard)

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Interkulturelle Buchneuheiten Liste 29

Dezember 20, 2012

Die vorhergehenden Listen können noch allesamt im Archiv unter wormsverlag.wordpress.com abgerufen werden.

Doug Saunders: Mythos Überfremdung – Eine Abrechnung
256 S., geb., Blessing Verlag 2012 18,99 EUR
Nunmehr in der Sachbuchbestenliste: Von Finnland bis Italien, in Deutschland und in den USA verändert derzeit ein Hirngespinst die politische Landschaft: der Mythos der Überfremdung. Der säkulare, geburtenschwache, wirtschaftsgebeutelte Westen wird von integrationsunwilligen muslimischen Einwanderern überrannt und ausgehöhlt, so das im Mainstream etablierte Angstszenario. Dem Weltbild von paranoiden Extremisten wie Anders Breivik, von Parteiführern vom Schlage Geerd Wilders oder Agitatoren wie Thilo Sarrazin ist dabei eines gemein: Ihre muslimfeindliche Rhetorik bedient sich vermeintlich stichhaltiger, statistischer und wissenschaftlicher Argumente. Mit diesen zu Fakten verbrämten Vorurteilen räumt Doug Saunders in seinem neuen Buch Punkt für Punkt auf. Dabei ist dieses Buch keine Verteidigung des Islams. Doug Saunders, ein standhafter Fürsprecher des säkularen Liberalismus, schreibt mit derselben Furcht vor religiösem Extremismus, die auch die antimuslimischen Aktivisten antreibt, aber seine konsequente Orientierung an den Fakten führt ihn zu anderen Schlussfolgerungen. Dieses Buch befasst sich nicht mit den Aussagen des Korans oder anderen heiligen Büchern. Es stellt vielmehr eine Reihe wichtigerer Fragen: In welchem Umfang sind muslimische Einwanderer gläubige Anhänger ihrer Religion oder buchstabengläubig? Welche Rolle sollte die Religion ihrer Ansicht nach in der Praxis spielen? Folgen die Kinder und Enkel den Glaubensüberzeugungen der religiösen Praxis ihrer Eltern? Wem oder was gilt ihre Loyalität? Aus welchen Quellen speist sich ihre Identität? Sind muslimische Frauen wirklich kinderreicher als nichtmuslimische? Und die allerwichtigste Frage lautet: Wie unterscheiden sie sich von früheren Einwanderergenerationen, die religiösen und kulturellen Minderheiten angehörten? Gibt es Anzeichen dafür, dass sie weniger integrationsfähig sind als frühere Einwanderergruppen? Dieses Buch will keineswegs behaupten, dass es bei der Einwanderung, in „kulturübergreifenden“ Beziehungen oder in muslimischen Gesellschaften rundum friedfertig oder ideal zugeht. Doch erst wenn wir endlich die Geschichten von der „Überfremdung“ und der „Flut“ hinter uns gelassen haben, können wir uns den wirklichen Problemen zuwenden, die sich in den Bereichen Religion, Einwanderung, Extremismus, Integration und kulturelle Zusammenarbeit ergeben. Doug Saunders ist kanadisch-britischer Autor und Journalist. Für seine Reportagen und Kolumnen wurde er bislang vier Mal mit dem National Newspaper Award ausgezeichnet, dem kanadischen Pendant des Pulitzers. Saunders arbeitet als Reporter für die zweitgrößte kanadische Tageszeitung „Globe and Mail“.

Gerald Asamoah: Dieser Weg wird kein leichter sein – Mein Leben und ich
224 S., Herbig 2013 (erscheint 8.Januar) 19,99 EUR
Vorsatz für 2013: Optimismus. Der Fußballstar hautnah: sympathisch, offen, unverwüstlich, optimistisch

Wolfgang Gädecke
Das Verbot der Christengemeinschaft und Prof. Jakob Wilhelm Hauer

47 S., Pb., Verlag Urachhaus 2012 9,90 EUR
Der Religionswissenschaftler J. W. Hauer spielte eine maßgebliche Rolle in den Vorgängen, die zum Verbot der Anthroposophischen Gesellschaft 1935 und der Christengemeinschaft 1941 führten.

Ilse Wellershoff-Schuur: Erne uerung
Versuche zum Thema: Wer braucht die Christengemeinschaft?

120 S., Pb., Verlag Urachhaus 2012 14,90 EUR
Wie hälst du`s mit der Religion? Wer braucht das? Wem hilft sie? Die Gretchenfrage berührt jede Biografie und wird selten bewusst ergriffen. In ihrem Buch, das ein langer Brief sein könnte, versucht die Autorin all jenen, die sich auf diesem Gebiet als suchend und heimatlos erleben, Brücken zu bauen zu einer ehrlichen und zeitgemäßen Erneuerung des religiösen Lebens.

Roland van Vliet: Der Manichäismus
Geschichte und Zukunft einer frühchristlichen Kirche

600 S., 2., stark erweiterte und aktualisierte Auflage, Urachhaus 2012 48,00 EUR
Die umfassende, wissenschaftliche Einführung in die mächtige frühchristliche Strömung des Manichäismus und ihr Nachwirken bis in die Gegenwart.

Bastian Baan: Von der Naturreligion zum Sakrament
Kultusformen von der Steinzeit bis zur Gegenwart

240 S., geb., Verlag Urachhaus 2012 19,90 EUR
Kultus zieht sich wie ein roter Faden durch die Entwicklung der Menschheit, von den frühesten Kulturen bis in die Gegenwart. Die Entstehung und Metamorphose der unterschiedlichen Kultusformen werden in diesem Buch historisch, theologisch und geisteswissenschaftlich beleuchtet, ebenso wie ihre Bedeutung für Mensch, Erde und geistige Welt. Themen: Kultusformen der Steinzeit, der jüdische Kultus und der Salomonische Tempel, Ursprung und Entwicklung des christlichen Kultus u.v.m.

Anselm Grün / Shih Chao-hwei: Was glaubst du?
Christentum und Buddhismus im Gespräch

144 S., geb., Vier Türme Verlag 2013 (erscheint Januar) 16,90 EUR
Der bekannteste christliche Autor Deutschlands im Dialoggespräch mit einer buddhistischen Zenmeisterin. Für alle, die die großen Weltreligionen besser kennenlernen wollen. Christentum und Buddhismus – durch unvereinbare Gegensätze getrennt oder durch zahlreiche Brücken geschwisterlich verbunden? Anselm Grün und die chinesische Zen-Meisterin Shih Chao-hwei wagen ein lebensnahes Gespräch auf Augenhöhe, einen authentischen Dialog geprägt von Ehrlichkeit und gegenseitiger Achtung. Sie versuchen, die Religion des jeweils anderen besser zu verstehen, und stellen dabei fest, dass es Glaubenswege gibt, die über Grenzen hinausführen, ohne den anderen zu vereinnahmen. Dabei treffen sie sich immer wieder an einem zentralen Punkt: der Verantwortung der Religionen in einer globalisierten Welt.

Sabine Demel: Kirche sind wir alle
Überlegungen zum Dialogprozess

128 S., Pb., Vier Türme Verlag 2013 (erscheint Januar) 8,90 EUR
Ein Plädoyer für ein echtes Miteinander aller Gläubigen mit konkreten Hinweisen für einen lebendigen Dialog. Vom Dialog ist in den Kirchen derzeit viel die Rede. Forderungen nach Reformen werden von den deutschen Bischöfen mit dem Angebot eines Dialogprozesses beantwortet. Doch wie kann dieser Dialog gestaltet werden? Wer hat den Mut, sich offen in einen Prozess zu begeben, bei dem Tradition bewahrt und dennoch Wandel gewagt wird? Dieses Buch ist ein dringliches Plädoyer für ein echtes, biblisches Miteinander.

Hilarion Alfejev: Vom Gebet. Traditionen in der Orthodoxen Kirche
110 S., Pb., Vier Türme Verlag 2013 (erscheint Januar) 8,90 EUR
Die Gebetstradition der orthodoxen Kirchen hat viel mehr zu bieten als nur das Jesusgebet. In diesem Buch stellt Metropolit Hilarion, Außenamtsleiter der Russisch Orthodoxen Kirche, diese reiche Tradition vor. Er hat dabei auch diejenigen im Blick, die noch nichts oder wenig über die russisch-orthodoxe Kirche wissen. Erstmals liegt sein Text jetzt in deutscher Übersetzung vor.

Acta Sanctorum: Die Legende der Maria aus Ägypten
Bios Marias Aigyptias

94 S., Pb. Vier Türme Verlag 2013 (erscheint Januar) 16,90 EUR
Das spannende Leben einer Wüstenmutter zum ersten Mal in deutscher Sprache. Die Wüstenmutter, die wir unter dem Namen „ägyptische Maria“ kennen, lebte im 4.Jahrhundert. Sie erlebte als Prostituierte eine tiefgreifende Verwandlung und wurde zu einer angesehenen Heiligen. Die Legende eines anonymen zeitgenössischen Autors erzählt das Leben dieser spannenden Frau. Die Übersetzerin Gabriele Ziegler setzt die Legende in Bezug zum Leben der Gottesmutter und der Maria Magdalena und gibt in Einleitung und Anmerkungen zahlreiche Hilfen zum Verständnis des Textes.

Die Welt der Kelten
Zentren der Macht – Kostbarkeiten der Kunst

552 S., Thorbecke 2012 34,00 EUR
Die große Ausstellung im Archäologischen Landesmuseum Stuttgart (bis 17.Februar 2013) stellt zunächst eines klar: Die Kelten hat es nicht gegeben. Eine Vielzahl von Völkern lebte in der Eisenzeit weit über Europa verstreut von Schottland bis hinunter nach Südfrankreich. Sie hinterließen so gut wie nichts Schriftliches und doch haben sie eines gemeinsam: ihren hohen Sinn für Kunst. Goldener Schmuck, prunkvolle Helme, filigrane Pflanzenmotive auf Geschirr und Waffen, kunstvoll bemalte Keramik – man staunt über so viel Kraft, Kreativität und Fortschrittlichkeit. Da verzeiht man dem alten Platon sogar, dass er die mysteriösen Europäer als versoffen und kriegerisch bezeichnet hat.

Hans-Martin Gauger: Das Feuchte und das Schmutzige
Kleine Linguistik der vulgären Sprache

283 S., C. H. Beck 2012 16,95 EUR
Was vulgär ist, wie es von Land zu Land in Europa wechselt, hier Anatomisches meint, sich dort auf körperliche Aktivitäten bezieht, dann wiederum, und zwar mit Vorliebe in Deutschland, auf Ausscheidungen, davon erzählt der emeritierte Professor für romanische Sprachwissenschaft kenntnisreich. Und bleibt dabei distinguiert. Niemals ergötzt er sich lustvoll an den Ferkeleien, die er unter seine Sprachlupe legt. Er schreibt angenehm unakademisch. Man lernt viel über die Nuancen stubenunreiner Ausdrücke, Formulierungen und Gesten.

Claire Doutriaux: Karambolage – Das Beste vom Besten
Das Buch der deutsch-französischen Eigenarten

224 S., Pb., 524 Abb., Knesebeck 2013 (erscheint Januar) 16,95 EUR
Einmaliger Blick auf die deutsch-französischen Beziehungen, deren Elysee-Vertrag 2013 50 Jahre Jubiläum begeht. Im Das Beste vom Besten über Franzosen und Deutsche sind die Highlights der Sendung „Karambolage“, die seit zehn Jahren den Blick auf die Besonderheiten deutscher und französischer Alltagskultur wirft. Von der Entstehung des Strandkorbs bis zum Wort „Boulevard“, vom Brauch der „galette des rois“ bis zum Bierwärmer sammelt dieser Band das Beste über Franzosen und Deutsche. Ein spielerischer und frecher Streifzug durch zwei Kulturen, bei dem wir viel über unsere Nachbarn und über uns selbst lernen können.

Yanko Tsvetkov: Atlas der Vorurteile
8o S., geb. , Knesebeck 2013 (erscheint Februar) 16,95 EUR
Der Bulgare Yanko Tsvetkov hat mit bissigem Humor Furore gemacht. In seinen satirischen Länderkarten suhlt sich der Grafikdesigner genussvoll in Vorurteilen und nationaler Stereotypen. Vorurteile a la Carte! Jeder sieht die Welt mit eigenen Augen. Wie sehr die eigene Perspektive den Blick auf die Welt bestimmt, das deckt der „Atlas der Vorurteile“ schonungslos auf. Europa aus der Sicht von Deutschland oder Griechenland – da werden fundamentale Unterschiede deutlich. Europa durch die Brille des Vatikans oder von Schwulen-Seite aus betrachtet – größere Abweichungen sind kaum denkbar. Eine herrlich komische Sammlung von Vorurteilen und verqueren Informationen, die wohl alle ein Körnchen Wahrheit enthalten – vor allem aber unsere eigenen, bisweilen abstrusen Ängste ad absurdum führen. Diese ganz besonderen Landkarten, die im Internet zu einem unglaublichen Erfolg wurden, sind hier erstmals in Buchform versammelt und bieten eine noch nie gesehene Vielfalt an teils schrägen, teils hinterhältig-bösen Vorurteilen. Neu hinzu kommen exklusiv für dieses Buch erstellte Karten und ein Essay des Künstlers über seine erstaunlichen Erfahrungen mit diesem Projekt.

Claire Cock-Starkey: Das große Ganze – Infografiken erklären die Welt
192 S., geb., Knesebeck 2013 (erscheint Februar) 14,95 EUR
Die wirklich wichtigen Fragen unserer Zeit – die besten Infografiken, spannende Wissensthemen visuell dargeboten. Von ernst bis skurril – ein neuer Blick auf das Weltgeschehen. Das ideale Geschenk für Besserwisser und Wissenshungrige. Welches Land nimmt die meisten Flüchtlinge auf? Wer erhält die meisten Spendengelder? In welchem Land wird am längsten gearbeitet? Wo sind die gefährlichsten Straßen? Und wo wird am meisten Cola getrunken? Die hier versammelten Daten und Informationen reichen von ernst bis skurril – über alles, was dazwischen liegt. Die Themenpalette erstreckt sich hierbei von Umwelt über Religion bis hin zu Politik, Wirtschaft und Kriminalität. Die oft erstaunlichen Ergebnisse eröffnen völlig neue Perspektiven auf das globale Geschehen. Sehen und verstehen – was man in dieser visuellen Enzyklopädie entdeckt, geht einem nicht mehr aus dem Kopf. So entsteht ein Kaleidoskop aus nützlichem und unnützem Wissen, das zum einen Spass macht und zum anderen einen Blick auf das große Ganze erlaubt.

Michael Hardt / Antonio Negri: Demokratie! Wofür wir kämpfen
100 S., Pb., Campus 2013 (erscheint Februar) 12,90 EUR
Der Weg in eine neue Gesellschaft, ein revolutionäres Programm auf 100 Seiten für eine Demokratie von unten und das Prinzip der „commons“ von zwei der prominentesten Denkern der weltweiten Protestbewegungen. Finanz- und Umweltkrisen haben es gezeigt: Die Welt braucht eine neue politische Ordnung. In ihrer Streitschrift entwerfen Michael Hardt und Antonio Negri den Weg dorthin. Inspiriert von den weltweiten Protestbewegungen beschreiben sie das Projekt einer Demokratie von unten: Wenn wir uns den Schulden verweigern, aus der Überwachung befreien, neue Netze politischer Information schaffen und die entleerte repräsentative Demokratie durch lebendige Formen der Beteiligung ersetzen, können wir eine neue Verfassung begründen. Eine, in der Wasser, Banken, Bildung und andere Ressourcen „commons“, Gemeingüter sind. Auf diesem Weg können wir den Folgen der Finanzkrise, die drängenden Umweltprobleme und die wachsende soziale Ungleichheit überwinden. Antonio Negri war nach seiner Flucht 1983 aus Italien Professor für Philosophie an der Sorbonne. 1997 kehrte er nach Italien zurück und wurde erneut inhaftiert. Im Herbst 2003 wurde er freigelassen und lebt heute als freier Autor in Venedig und Paris. Michael Hardt ist Professor für Literaturwissenschaft an der Duke University Durham, N.Y., in den USA Mit ihrem Bestseller „Empire“ wurden sie weltweit bekannt.

Isabell Lorey: Die Regierung der Prekären
Turia + Kant 15,00 EUR
Die Diagnose, dass prekäre Arbeitsverhältnisse sich häufen und normal werden, ist nicht neu, die Frage ist, welche potentielle politische Handlungsmacht in der Prekarisierung vorstellbar ist. Die Ansätze gehen dabei auseinander. War es vor einem Jahrzehnt noch vorherrschende Meinung, dass Prekarität eher zur politischen Lähmung führt, sehen wir heute, dass im „arabischen Frühling“ wie auch in Spanien, Portugal und England die prekären AkademikerInnen große Anteile der Protestierenden bilden. Das erfordert eine neue Theorie der Prekarität.

Occupy!
Die aktuellen Kämpfe um die Besetzung des Politischen

Turia + Kant 14,00 EUR
Die mit dem „arabischen Frühling“ begonnenen neuen globalen sozialen Bewegungen des Jahres 2011 haben die Auseinandersetzungen um die Ordnungsweisen des Sozialen neu entfacht. Bei den spanischen „Indignados“ wie auch in den Occupy-Protesten werden Lebensweisen und bestehende politische Organisationsformen gleichermaßen in Frage gestellt. Der Band versucht in einer ersten Annäherung, die Proteste von verschiedenen theoretischen Warten aus zu fassen und diskutiert ihren zentralen repräsentationskritischen Impetus als Kampf um die Neubesetzung des Politischen.

Jean Ziegler: Wir lassen sie verhungern
Die Massenvernichtung in der Dritten Welt

320 S., C. Bertelsmann 2012 19,99 EUR
Der ehemalige Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung ist wegen der gegen ihn seitens der Globalisierungs- und Politlobby angestrengten Prozesse hochverschuldet. „Wir lassen sie verhungern“ ist seine Diagnose einer Welt, in der pro Jahr 18 Millionen Menschen an Unterernährung sterben. Er bezeichnet den Hunger als organisiertes Verbrechen, denn transkontinentale Konzerne entscheiden, wer stirbt und wer lebt.

Enrique Dussel: Der Gegendiskurs der Moderne – Kölner Vorlesungen
Turia + Kant 20,00 EUR
Die vorherrschende europäische Sicht auf die Moderne gilt Dussel als provinzielle Illusion, als Träumerei der deutschen Romantik. Europa erklärte sich zum Mittelpunkt und Ziel einer vernünftigen Fortschrittsgeschichte, die Moderne zu einem intra-kontinentalen Phänomen und eigene Philosophie zur Philosophie überhaupt. Schon seit der Eroberung Lateinamerikas ist dem modernen Weltsystem aber der Kolonialismus eingeschrieben. Die Kolonialität ist der blinde Fleck der europäischen Philosophie. In drei Texten – zu Descartes, zur Kritischen Theorie und Interkulturalität – exemplifiziert Dussel die Ansatzpunkte der lateinamerikanischen Philosophie der Befreiung, deren führender Vertreter er ist.

Homi K. Bhaba: Über kulturelle Hybridität
Übertragung und Übersetzung

Turia + Kant 34,00 EUR
Homi K. Bhaba ist einer der bedeutendsten Literaturtheoretiker der Gegenwart und neben Edward Said, Gayatri Ch. Spivak und Stuart Hall einer der maßgeblichen RepräsentantInnen der Postcolonial Studies. Der in Indien geborene Wissenschaftler entwickelte eine Reihe von Grundkonzepten für diese Disziplin. Begriffe wie Hybridität, Mimikri, Dritter Raum, Ambivalenz sollen die Formen beschreiben, in denen kolonisierte Völker in der Lage waren (und sind), der Gewalt und der Macht der Kolonisatoren zu widerstehen.

Dritte Räume
Turia + Kant 34,00 EUR
Der Konferenzband bezieht sich auf Homi K. Bhabas Kulturtheorie mit dem Ziel, diese Theorie aus mehreren Perspektiven zu reflektieren, sein Konzept des „Dritten Raumes“ und andere Figurationen der Hybridität zu verstehen, zu erörtern und zu hinterfragen. Von hier aus wird auch die Interpretation weiterer Begriffe, die im Zentrum von Bhabas Kulturtheorie stehen, einbezogen.

Lucas Zeise: Euroland wird abgebrannt
Profiteure, Opfer, Alternativen

142 S., Pb., Papyrossa 2012 11,90 EUR
Lucas Zeise gibt dem Europa keine Chance mehr. In seinem Wegweiser durch die Finanz-, Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise begründet er, weshalb nur ein einheitlicher gesamteuropäischer Schuldenschnitt und eine radikale Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von oben nach unten Abhilfe versprechen.

Andreas Wehr: Die Europäische Union
Basiswissen Politik – Geschichte – Ökonomie

134 S., Papyrossa 2012 9,90 EUR
Andreas Wehr beschreibt die EU als ein fragiles Bündnis, in dem eine erstarkte BRD den Ton angibt. Unter ihrer Führung entwickelt sich ein wirtschaftlich starkes Kerneuropa, umgeben von einer schwachen Peripherie. Nach relativ erfolgreichen Jahren ist die aktuelle Entwicklung geprägt von Rückschlägen, deren Ende offen ist.

Andreas Wehr: Griechenland, die Krise und der Euro
210 S., Pb., 2. Aktualisierte und ergänzte Auflage, Papyrossa 13,90 EUR
Nicht zuletzt durch Deutschland wurden die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in der Eurozone verschärft, deren erste Opfer Griechenland und Irland geworden sind. Wer folgt als Nächster? Wohin geht die Reise? Welche Zukunft haben die EU und der Euro?

Uwe Ommer / Regine Feldgen:
Wir sind Europa! Teens und ihre Familien

312 S., 600 farbige Abb., Knesebeck 2012 19,95 EUR
Aktueller könnte das Buch nicht sein: der europäischen Union wird der Friedensnobelpreis 2012 verliehen. Hier geht es um die Generation, die eine gemeinsame europäische Zukunft gestalten muss. Was hat die Jugend Europas zu sagen, was bedeutet es Jugendlichen heute, „Europäer“ zu sein? 267 Familien in 40 Ländern Europas wurden hierfür fotografiert und befragt. Aufgenommen im familiären Umfeld bieten die Gespräche Einblick in Lebensstile und Meinungen zu Themen wie Umweltschutz, Zukunftswünsche und Lebensziele. Hierbei lernen Autoren viel jugendliche Energie und Optimismus kennen – beides kann Europa gut gebrauchen.

Peter Feldbauer, Bernd Hausberger, Jean-Paul Lehners (Hg.)
Globalgeschichte der Welt 1000 – 2000

2902 S., 8 Bände im Schuber, Mandelbaum 2012 198,00 EUR
In dieser achtbändigen Globalgeschichte des zweiten Jahrtausends wird der Blick weg von einer eurozentrischen hin zu einer globaleren Sicht weltumspannender Entwicklungen gerichtet. Erst seit knapp einem Vierteljahrhundert publiziert die internationale Geschichtswissenschaft Bücher, die einen Überblick über die zusammenhängenden Entwicklungslinien der Globalisierung bieten.

Bernhard Kegel: Die Ameise als Tramp
Von biologischen Invasionen

464 S., erweiterte aktualisierte Neuausgabe, Dumont 2013
erscheint am 21.Mai 2013 12,00 EUR
Tierischen Migranten auf der Spur. Kaninchenplage in Australien, Ameisen in Großcomputern und Krankenhäusern, Piranhas in französischen Flüssen – mit solchen Ereignissen beschäftigt sich die Invasionsbiologie. Seit jeher ist die Besiedlung neuer Lebensräume für Tiere und Pflanzen eine Überlebensfrage. Früher gab es Hindernisse, die sich der Reiselust widersetzten. Gebirge, Ozeane, Kontinente, Wüsten bildeten unüberwindbare Barrieren. Mit dem Erscheinen des modernen Menschen hat sich die Situation verändert. Ein Netz von Verkehrswegen verbindet, was über Jahrmillionen getrennt war. Bei Warentransporten von einem Kontinent zum anderen reist die Natur mit. Bernhard Kegels faszinierendes Buch erzählt, welche erstaunlichen Folgen das für uns und unsere Umwelt hat.

Michael Genner: Verleitung zum Aufstand
Ein Versuch über Widerstand und Antirassismus

240 S., Pb., Mandelbaum 2012 19,90 EUR
Aktiv gegen Rassismus und Ausgrenzung. Micheal Genner schreibt über seinen jahrzehntelangen Versuch, Verfolgte zu schützen, Menschenrechte zu verteidigen: von der Spartakus-Kampagne „öffnet die Heime“ bis zur Flüchtlingshilfe „Asyl in Not“. Diese Kämpfe langer Jahre schildert Genner anhand vieler „Einzelfälle“: er erzählt von Jugendlichen auf der Flucht vor dem Erziehungsheim, von Asylsuchenden, denen die Abschiebung droht, von rassistischen BeamtInnen und Apardheidgesetzen… Er beschreibt Mechanismen des Unrechts und nennt dessen AkteuerInnen beim Namen. Genners Buch ist daher nicht nur autobiografisch, sondern dokumentiert den antidemokratischen Ungeist, der seit jeher die politischen und gesellschaftlichen Strukturen des Landes durchdringt. Er zeigt aber auch, dass Widerstand Erfolg haben kann, und welche Methoden zum Ziel führen. Daher gibt sein Buch, trotz den darin beschriebenen Schrecknissen, den LeserInnen Hoffnung. Es ist eine Verleitung zum Aufstand gegen unmenschliche Politik.

Irene Messinger: Schein Oder Nicht Schein
Konstruktion und Kriminalisierung
von „Scheinehen“ in Geschichte und Gegenwart

280 S., Pb., Mandelbaum 2012 19,90 EUR
Irene Messinger ist Sozialarbeiterin und Rechtsberaterin in NGOs im Bereich Asyl- und Fremdenrecht; Diplomarbeit in Pädagogik zu illegalisierten Flüchtlingsjugendlichen; Dissertation in Politikwissenschaften zur staatlichen Konstruktion von Schein- und Aufenthaltsehe. Schutzehen im Nationalsozialismus ermöglichten Verfolgten die Aus- oder Weiterreise in Exilländer und werden retrospektiv als Formen der Hilfeleistung positiv gesehen. Eine gänzlich andere Bewertung erfahren heute jene Eheschließungen, die den Aufenthalt von Drittstaatsangehörigen legalisieren oder absichern. Als sogenannte Aufenthaltsehen stellen sie in Österreich seit 2006 sogar ein strafrechtliches Delikt dar. Wie kam es zur Begriffsverschiebung von Schutz- zur Scheinehe und zu diesem Gesinnungswandel? Welche staatlichen AkteurInnen stehen hinter dieser Kriminalisierung? Wer waren und sind jene Menschen, die solche Ehen eingingen, wer wird gerne als verdächtig konstruiert? Wie kontrolliert die Fremdenpolizei und wie urteilen die Gerichte? Mit ihrer detaillierten Beschreibung der aktuellen Behörden- und Gerichtspraxen gibt die Autorin praxisnahe Informationen, wie der staatlichen Intervention ins Privat- und Intimleben entgegengetreten werden kann. „Schein oder nicht Schein“ gibt erstmals und auf gut lesbare Weise einen umfassenden Überblick über dieses gesellschaftpolitisch brisante Thema.

Pyotr Magnus Nedov: Zuckerleben
380 S., geb., Dumont 2013 (erscheint 25.Februar) 19,99 EUR
Ein wilder Trip vom Zerfall der Sowjetunion bis zur Finanzkrise Europas. 2011: der Moldawier Andreewitsch ist im krisengeschüttelten Italien mit seinem Ford Transit unterwegs. Auf der Suche nach seiner georgischen Teedose überfährt er um ein Haar ein junges Liebespaar, das sich gemeinsam das Leben nehmen will. Zu dritt reisen sie weiter. Die beiden Teenager haben gerade ihren Arbeitsplatz in der Zuckerfabrik von Termoli verloren. Der Moldawier erzählt ihnen die Geschichte seiner Jugend, um ihnen neuen Lebensmut einzuhauchen. 1991: Die Sowjetunion fällt auseinander, und in der nordmoldavischen Industriestadt Donduseni beschließt der junge Spekulant Pitrim Tutunaru, sich seinen Traum von einem sorgenfreien Leben in Italien zu erfüllen. Dafür sucht und findet er die 40 Tonnen Zucker des verschollenen Zuckerfabrikdirektors Hlbenik, verarbeitet sie mit Hilfe des Rentners Ilytsch zu Schnaps und bereitet mit dem Erlös seine Ausreise vor. Mit Tempo und Witz verwebt P. M. Nedov die Umbrüche in Europa. „Zuckerleben“ ist der Soundtrack zu diesen Wandlungen.

Nellja Veremej: Berlin liegt im Osten
336 S., geb., Jung und Jung 2013 (erscheint am 26.Februar) 22,00 EUR
Aus einem kaukasischen Städtchen über Leningrad bis nach Berlin führt das grandiose Romandebüt, das seine geographischen und kulturellen Motive schon im Titel trägt. „Berlin liegt im Osten“ heißt das Buch, in dem von den städtischen Enklaven russischer Migranten ebenso farbig erzählt wird wie von Provinzkindheiten in der ehemaligen Sowjetunion. Das Berlin dieses Romans, der rund um den Alexanderplatz spielt, hat seine Reservate der Einsamkeit und der Lebensfreude, und es wird durch die unnachahmliche Stimme einer Ich-Erzählerin lebendig, die den nur scheinbar unspektakulären Beruf einer Altenpflegerin ausübt. Durch sie hindurch wandern die Lebensgeschichten der Klienten und verbinden sich mit ihrer eigenen Biografie. Daneben gibt es neben dem aberwitzigen, fast surrealen Osten auch ein Deutschland, in dem diese Frau endgültig anzukommen versucht. „Berlin liegt im Osten“ lebt von der zarten Zuneigung der Autorin zu ihren Figuren, der Roman entwirft ein großes Panorma aus Geschichten und Geschichte, und der handelt vom Anfang alles Erzählens: von der Erinnerung.

Oliver Bottini: Der kalte Traum
448 S., Dumont 2013 (erscheint 21.Mai 2013) 9,99 EUR
Eiskalter Politkrimi vor dem Hintergrund jugoslawischer Kriegsverbrechen. 1991, eine idyllische Stadt in Schwaben: Thomas Cavar hat gerade sein Abitur bestanden, die Zukunft mit seiner Freundin Jelena sieht vielversprechend aus. Doch dann bricht in Jugoslawien der Krieg aus, und plötzlich ist alles anders. Muss er nicht für Kroatien kämpfen? Für seine „richtige“ Heimat? Thomas kämpft – und hat dafür zu büßen. Fünfzehn Jahre später tauchen Fragen zum Fall Thomas Cayar auf: Eine deutsche Journalistin in Zagreb, ein Kripokommissar in Berlin und der kroatische Geheimdienst machen sich auf die Suche. Sind ihre Zweifel an Cayars Tod berechtigt? Eine mörderische Hetzjagd beginnt…

Jasmin Ramadan: Das Schwein unter den Fischen
272 S., Dumont 2013 (erscheint 21.Mai 2013) 9,99 EUR
Raus aus der Imbissbude, rein in das Leben. Der neue Roman nach dem Überraschungserfolg „Soul Kitchen“ (verfilmt von Fatih Akim). Seine Familie kann man sich nicht aussuchen. Nach dem Tod der geizigen Mutter erfüllt sich Rainer Fehrmann den Traum vom eigenen Imbiss. Gemeinsam mit seiner großen Liebe Ramona, Tankstellenpächtertochter, passionierte Bauchtänzerin und dauerbetrunken, eröffnet er seine eigene Mettwurst- und Frittenbude: „Fehrmanns Spezialitäten“. In diesem Umfeld wächst Celestine, genannt Stine, auf. Ihre Mutter, ein ehemaliges Au-Pair-Mädchen aus Frankreich, machte sich kurz nach der Geburt aus dem Staub und ließ Stine bei ihrem Vater im hanseatischen Unterklassen-Milieu zurück. Stine liebt ihren Vater. Doch sie ist klüger und kultivierter als ihre durchgeknallte Familie und will nicht im Imbiss versauern. So beginnt sie nach Möglichkeiten zu suchen, aus dieser schrägen Welt auszubrechen. Jasmin Ramadan, 1974 geboren, lebt in Hamburg. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater Ägypter. Sie studierte Germanistik und Philosophie. Für diesen – ihren neuen – Roman erhielt sie den Hamburger Förderpreis für Literatur.

Johannes Feichtinger, Johann Heiss (Hg.)
Geschichtspolitik und „Türkenbelagerung“

240 S., Pb., Mandelbaum 2012 19,90 EUR
Politik mit der „Türkenbelagerung“. Die Osmanen stellten vom 15. bis zum 18.Jahrhundert in weiten Teilen Europas eine reale Bedrohung dar. Siege gegen sie blieben selten, diese wurden allerdings errinnerungswirksam gefeiert. Die „Rettung“ von Wien 1683 zeigt die mediale Bandbreite, mit der die Erinnerung an Bedrohung und Sieg wach und lebendig erhalten wurde: Tragödien und Komödien, Opern und Triumphzüge wurden ebenso eingesetzt wie Prozessionen, Feuerwerke, Kriegsspiele und Medaillenprägungen. Dabei wird auf bewährte ältere Vorbilder zurückgegriffen, aber auch das zukünftige Gedenken richtungsweisend beeinflusst. Das Buch ist der erste von zwei Bänden mit kritischen Studien zur „Türkenbelagerung“ und spannt einen Bogen von den europaweiten Anfängen des Erinnerns an die „Türkenbelagerung“ bis zu regionalen Ausprägungen in der Gegenwart, nicht zuletzt auch der zeitgenössischen politischen Indienstnahme der historischen Erzählungen.

Johannes Feichtinger, Johann Heiss (Hg.)
Der erinnerte Feind – Kritische Studien zur „Türkenbelagerung“

240 S., Pb., Mandelbaum 2012 19,90 EUR
Die Türkenbelagerung als politische Projektionsfläche im zweiten und abschließenden Band mit kritischen Studien zur Türkenbelagerung. Die „Türkenbelagerung“ wurde in Zentraleuropa im 19. und 20.Jahrhundert so häufig wie kaum ein anderes Ereignis in Erinnerung gerufen. Dennoch konnte sich damals niemand mehr an die Zeit der Auseinandersetzungen erinnern. An so weit zurückliegende Erfahrungen musste und muss erinnert werden: Politiker, Kirche, Medien, Schule und Wissenschaft übernehmen diese Rolle und formen mit ihrer Rekonstruktion die Vergangenheit immer wieder neu. Am lange bewährten „Türkengedächtnis“ lässt sich die Zweckgebundenheit der Übersetzung von Vergangenheit in die jeweilige Gegenwart deutlich zeigen. Das über Jahrhunderte gepflegte Feindbild „Türke“ kann bei Bedarf bis heute für politische Zwecke mobilisiert werden. Die Autorinnen und Autoren des Bandes untersuchen aus unterschiedlichen Perspektiven den Einsatz des „Türkengedächtnisses“ bei der Erzeugung und Verstärkung aktueller Feindbilder wie auch bei der Schaffung und Erhaltung von kollektiver, im Besonderen nationaler Identität.

Fanny Müller-Uri: Antimuslimischer Rassismus
140 S., Pb., Mandelbaum 2012 10,00 EUR
Als höchst polarisierendes Phänomen entpuppt sich Antimuslimischer Rassismus in der Politik, in den Medien, in gesellschaftlichen Diskursen wie auch in der Forschung. Spätestens seit den 1990er Jahren und einmal verstärkt seit dem 11.September 2001, werden integrations-, migrations- und sicherheitspolitische Themen mit MuslimInnen und „dem Islam“ in Verbindung gebracht. Während in Debatten rund um Kopftuch, Moscheen und Demokratiedefizite alte und neue rassistische Stereotype und Argumentationsfiguren alltäglich geworden sind, scheint die antirassistische Bewegung gelähmt. Das vorliegende Buch der Reihe INTRO trägt dazu bei, antimuslimische Ressentiments theoretisch zu verorten und eine emanzipatorische Diskussionsgrundlage für die antirassistische Praxis anzubieten.

Werner Ruf: Der Islam – Schrecken des Abendlandes
Wie sich der Westen sein Feindbild konstruiert

129 S., Pb., Papyrossa 2012 9,90 EUR
Die Konflikte der Zukunft, so Huntington nach dem Ende der UdSSR, seien solche zwischen Kulturen, von denen eine besonders gefährlich sei: Der Islam. Der einst biologisch begründete Rassismus kommt nun im kulturellen Gewande daher. Die Debatte um Sarrazin und der „Karikaturenstreit“ markieren nur die Spitze des Eisbergs.

Rita Breuer: Wird Deutschland islamisch?
Mission, Konversion, Religionsfreiheit

200 S., Pb., Verlag Schiler 2011 24,00 EUR
„Dieses Buch gehört auf den Tisch eines jeden Menschen, der sich mit dem Islam bzw. dem Islamismus, dieser fundamentalistischen Politik im Namen des Glaubens, in Deutschland beschäftigt. Die religiös wie politisch fundiert kundige Islamwissenschaftlerin Rita Breuer macht in dem schmalen Band eine tour d`horizon. Sie erklärt den Kerngedanken des Islam (nicht nur Glaube, sondern Reglementierung des alltäglichen Lebens), informiert über die vielfältige islamische Szene in Deutschland (von Liberalen bis zu Radikalen), analysiert den Konflikt zwischen Scharia und Demokratie (unvereinbar) und schildert beklemmend konkret die Konvertiten-Szene (von naiv bis strategisch).“ EMMA

Saphir 7/8 – Lehrerkommentar
288 S., Pb., Kösel 2013 27,99 EUR
Zur Schulbuchreihe in den Fächern Islamkunde, Islamischer Religionsunterricht und Islamunterricht ist nur für Schuljahr 7 und 8 der Lehrerkommentar erschienen, der Angebote sich über den Islam auseinanderzusetzen und seine Glaubenselemente zu informieren und sich kognitiv und diskursiv mit den Inhalten auseinanderzusetzen enthält, als auch solche Angebote, Glaubensvollzüge handelnd einzuüben. Für den Unterricht können dann nach Vorgaben des jeweiligen Fachprofils und Länderlehrplans die passenden Angebote ausgewählt und Schwerpunkte gesetzt werden.

Martin Schäuble: Dschihadisten
Feldforschung in den Milieus

390 S., Pb., Verlag Schiler 2011 32,00 EUR
Der Sozialforscher Martin Schäuble zeichnet aufmerksam die Biografien von Daniel und Sa`ed nach: ein deutscher Konvertit, der einen Anschlag verüben wollte; und ein Palästinenser, der ein Selbstmordattentat ausführte. Wie sind die Brüche in Kindheit und Jugend der beiden Personen neu zu bewerten? Was öffnet Menschen aus so unterschiedlichen Lebenswelten für die Dschihad-Ideologie? Welche Rolle spielen Bindungen und Autoritäten? Und: Was sagt das über die Gesellschaft aus, in der sie leben? Bei seinen Recherchen suchte der Autor immer wieder Analyse-Hilfe bei Psychologen und angrenzenden Fachrichtungen. Er befragte Terrorismus-Experten, Entwicklungspsychologen, sprach mit Hip-Hop-Forschern, Soziologen und vielen weiteren. Umfassend geht der Autor auf seine Methodik, die Feldforschung, ein und erklärt, wieso es zwingend ist, den Schreibtisch zu verlassen und sich selbst an die Orte des Geschehens zu begeben.

Michael Ley: Das Öl, der Islam, der Westen
Die ersten hundert Jahre

140 S., Pb., Verlag Schiler 2011 18,00 EUR
Die Arbeit behandelt das Verhältnis zwischen der islamischen Welt und dem Westen des 20.Jahrhunderts: die ökonomischen und politischen Interessen des Westens im Nahen Osten und die Reaktionen der islamischen Gesellschaften auf den Einbruch der europäischen Moderne.

Philipp Rohde: Nach dem Öl
Chancen und Grenzen der staatlichen Investitionspolitik in Dubai

262 S., Pb., Verlag Schilder 2012 28,00 EUR
Die Erdölreserven der arabischen Staaten am Golf sind begrenzt und keine unendliche Einkommensquelle. Es ist daher wichtig, die Einnahmen aus dem Erdöl für die Entwicklung der heimischen Wirtschaft einzusetzen. Als eines der ersten Emirate hat Dubai die Herausforderung angenommen, den Reichtum aus dem Erdöl in einen dauerhaften Entwicklungsschub umzusetzen. Dabei spielt die Frage, in welcher Form durch staatliche Investitionen eine Diversifikation der Wirtschaftsstruktur möglich ist, eine besondere Rolle.

Markus Groß / Karl-Heinz Ohlig (Hg.)
Die Entstehung einer Weltreligion Bd.1
Von der koranischen Bewegung zum Frühislam

490 S., geb., Verlag Schiler 2010 58,00 EUR

Markus Groß/Karl-Heinz Ohlig (Hg.)
Die Entstehung einer Weltreligion Bd.2
Von der koranischen Bewegung zum Frühislam

820 S., geb., Verlag Schiler 2012 68,00 EUR

Muhammad Iqbal: Die Wiederbelebung des religiösen Denkens im Islam
240 S., Pb., 3.Auflage, Verlag Schiler 2011 24,00 EUR
Iqbal (1877 – 1938) war der erste muslimische Intellektuelle, dessen Schwerpunkt der Forschung westlich ausgerichtet war. Für ihn war der innere dynamische Geist der westlichen Kultur islamischen Ursprungs. Er argumentiert, dass die europäische Kultur auf ihrer intellektuellen Seite nichts als eine Fortentwicklung einiger der wichtigsten Phasen der Kultur des Islam ist. Es gab einmal eine Zeit, als das europäische Denken von der Welt des Islam inspiriert wurde. Aber dann kam eine Zeit, in der die muslimische Welt in einen tiefen Schlummer fiel, mit dem Ergebnis, dass das religiöse Denken im Islam während der letzten fünfhundert Jahre praktisch stagnierte.

Michael Fisch: Umm al-Kitab
Verzeichnis deutschsprachiger Koranausgaben

120 S., geb., Verlag Schiler 2013 39,00 EUR
Ein Verzeichnis der wichtigsten deutschen Übersetzungen des Korans seit dem Mittelalter. Die übersichtlichen Einträge stellen die jeweilige Edition und den Übersetzer in ihrem historischen Kontext vor, seine Motivation oder Intention sowie Eigenheiten der Übersetzung. Eine Übersicht über die Verbreitung und Rezeption des Koran und das Verhältnis zwischen Christentum und Islam nicht nur in Deutschland, sondern in Europa.

Muhammad Sameer Murtaza
Islamische Philosophie und die Gegenwartsprobleme der Muslime
Reflexionen zu dem Philosophen Jamal Al-Din Al-Afghani

336 S., Pb., Verlag Schiler 2012 34,00 EUR
Jamal Al-Din Al-Afghani (1838 – 1897) konnte die muslimische Welt vor Fehlentwicklungen bewahren. Der Autor hat die Vision des friedlichen Zusammenlebens der Religionen, ist Islamforscher und Mitarbeiter der Stiftung Weltethos. In diesem Buch führt er nicht nur in die islamische Philosophie ein, sondern auch in die Geschichte, Theologie und heutige politische Potenz des Islam und seiner innerkonfessionellen Probleme. Er sieht es als wichtigste Herausforderung, den Islam neu zu beleben. Zu sehr sei er zu einer Gesetzesreligion verkommen, die reinen Gehorsam fordert und sich in den Begriffen halal (erlaubt) und haram (verboten) erschöpft. Der Extremismus der Wahabiten ist ein deutliches Beispiel dafür, was passiert, wenn Religion nur noch blindes Handeln ist, bar jeder Barmherzigkeit und jeder Vernunft.

Juliane Müller: Zwei arabische Dialoge zur Alchemie
110 S., Pb., Klaus Schwarz Verlag 2012 29,80 EUR
Die Unterredung des Aristoteles mit dem Inder Yuhin und das Lehrgespräch des Alchemisten Qaydarus und Mitawus mit dem König Marqunus. Edition, Übersetzung, Kommentar

Armand Abècassis: Judas und Jesus – eine gefährliche Liaison
Turia + Kant 24,00 EUR
Der Antijudaismus der christlichen Kirchen wurde vom Evangelisten Johannes geprägt. Das Bild des Apostels Judas als eines „Verräters“, der Jesus „auslieferte“, war geeignet, das jüdische Volk des Gottesmordes zu bezichtigen. Abècassis liest dagegen die Evangelien im Lichte der jüdischen und hebräischen Schriften. In kenntnisreicher Bezugnahme zur politisch-historischen Umgebung rekonstruiert er die wahrscheinlichere Geschichte des Judas. Jesus` Lieblingsapostel könnte ihn demnach im gegenseitigen Einvernehmen den Behörden übergeben haben, um seine Anerkennung als Messias zu erzwingen. Dass beide am selben Tag sterben mussten, erscheint weniger als göttliches Heilsgeschehen denn als missglückter politischer Plan.

Kurt Pätzold: Wahn und Kalkül
Der Antisemitismus mit dem Hakenkreuz

246 S., Pb., Papyrossa 2012 15,90 EUR
Der Band schildert nicht nur Ereignisse und Abläufe, es geht auch um die Motive, Antriebe und Ziele derer, die die Ermordung der Juden in Gang setzten und lenkten. Die Antworten begnügen sich nicht mit dem bloßen Verweis auf die Ideologie der Rassisten mit dem Hakenkreuz.

Randi Crott / Lillian Crott Berthung: Erzähl es niemanden!
Die Liebesgeschichte meiner Eltern

288 S., 30 Abb., Dumont 2013 (erscheint 21.Mai 2013) 9,99 EUR
Nordnorwegen, Ostern 1942: Die achtzehnjährige Norwegerin Lillian und der deutsche Soldat Helmut verlieben sich. Eine Liebe, die nicht sein darf, denn die deutsche Besatzungsmacht ist verhasst. Auch Lillian ist entsetzt über die Verbrechen der Nationalsozialisten; sie muss von Helmut wissen, wo er steht. Da offenbart er ihr sein Geheimnis: dass er selbst „Halbjude“ ist und seine wahre Identität verheimlicht hat. Und dass sie das, was sie von ihm gehört hat, niemanden erzählen darf. Randi Crott erzählt die anrührende Geschichte ihrer Eltern – und hat damit ein einzigartiges Zeitdokument vorgelegt.

Wolfgang Gehrcke, Jutta von Freyberg, Harri Grünberg
Die deutsche Linke, der Zionismus und der Nahost-Konflikt
Eine notwendige Debatte

270 S., Pb., Papyrossa 2012 16,90 EUR
Über Wurzeln und Entwicklung des Konflikts im Nahen Osten, die verschiedenen Strömungen im Zionismus, Auseinandersetzungen in der sozialistischen Arbeiterbewegung mit der „jüdischen Frage“, die Begleiterscheinungen der Staatsgründung Israels und notwendige Begriffserklärungen: Was ist Kolonialismus und was Imperialismus? Was Antisemitismus und was nicht? Warum Kritik an der israelischen Politik legitim ist und wie eine Friedenslösung aussehen könnte.

Rolf Verleger: Israels Irrweg – Eine jüdische Sicht
210 S., Pb., 3., aktualisierte und erweiterte Auflage, Papyrossa 2012 14,90 EUR
Rolf Verleger beschreibt seine jüdischen Wurzeln, umreißt die Geschichte des Zionismus und beklagt die bedingungslose Unterstützung der „Gewaltpolitik Israels“ durch die Bundesregierung als ebenso fatal wie die Abwehr jeder substantiellen Kritik als „antisemitisch“.

Moshe Zuckermann: Wider den Zeitgeist Band 1
Aufsätze und Gespräche über Juden, Deutsche, den Nahostkonflikt und Antisemitismus

256 S., Laika Verlag 21,00 EUR

Omar Barghouti: Boykott – Desinvestment – Sanktionen
Die weltweite Kampagne gegen Israels Apartheid
und die völkerrechtswidrige Besetzung Palästinas

232 S., Neuer ISP Verlag 19,80 EUR

Erik M. Vogt: Jean-Paul Sartre und Frantz Fanon
Antirassismus – Antikolonialismus – Politiken der Emanzipation

Turia + Kant 21,00 EUR
Angesichts der rezenten populären Erhebungen in vielen außereuropäischen und europäischen Ländern, die einige als die Neugeburt der Geschichte begreifen, ist es angebracht, sich das politische Denken und Handeln von Jean-Paul Sartre und Frantz Fanon ins Gedächtnis zu rufen. Früher als viele andere der „kommunistischen Hypothese“ verpflichtete Philosophen und Philosophinnen haben beide darauf beharrt, dass eine politische Organisationsform erfunden werden müsse, welche die ökonomischen und sozialpolitischen Verhältnisse zwischen „Europa“ und der „Dritten Welt“, „Norden“ und „Süden“, nicht länger (neo-)kolonial reproduziert. Dieses Buch ist eine Einführung, die nicht nur die Analysen des Antisemitismus, des antischwarzen Rassismus und des europäischen (Neo-)Kolonialismus der beiden Autoren vorstellt, sondern auch deren unermüdliche antirassistische und antikolonialistische Interventionen verständlich macht.

Britt Ziolkowski: Palästinensische Märtyrerinnen
147 S., Pb., Klaus Schwarz Verlag 2012 34,80 EUR
Selbstdarstellung und innerislamische Wahrnehmung weiblicher Selbstmordattentäter

Erich Fenninger, Volkshilfe (Hg.): Von Freiheit träumen
Das Flüchtlingsleben der Westsaharauis
Bilder und Gespräche über Stillstand, Hoffnung und Hilfe

168 S., geb., Mandelbaum 2012 24,90 EUR
Vom Leben in einem besetzten Gebiet. Die Westsahara ist seit vielen Jahren widerrechtlich besetzt. Bereits in den 1960er Jahren machten die Vereinten Nationen darauf aufmerksam. Die heutige Besetzung der Westsahara durch Marokko ist ein Produkt des europäischen Kolonialismus, der Ausbeutung und der unrechtmäßigen Aufteilung Afrikas durch europäische Staaten. Das Buch ist ein Aufruf für Freiheit und Selbstbestimmung der Saharauis. Die Bilder der Fotografien Michaela Bruckmüller dokumentieren das Leben der Menschen nicht nur, sie erzählen Geschichten. Sie schenken uns Einblicke. Machen uns spüren und sehen: das Elend in den Flüchtlingslagern, den Kampf ums Überleben; aber auch Freude, Engagement, Lebenswillen und Kampfgeist. Und der Diskurs zwischen Saharauis, ExpertInnen und AktivistInnen lässt die Hoffnung auf einen westsaharauischen Frühling weiterleben.

Steffel Wippel: Wirtschaft, Politik und Raum
Territoriale und regionale Prozesse in der westlichen Sahara

1600 S., Werk in zwei Bänden, Schiler 2012 128,00 EUR
Die westsaharische Verflechtungsachse stellt eine bedeutende historische „Brücke“ zwischen dem mediterran-arabischen Nordafrika und dem subsaharischen Raum dar. An dieser Schnittstelle untersucht der Autor in seiner Habilitationsschrift aus einer jüngeren historischen Perspektive die politischen und wirtschaftlichen Interaktionen zwischen dem heutigen Marokko und Mauretanien und beleuchtet im Kontext globaler und regionaler Verflechtungen die räumlichen Zusammenhänge, die daraus resultieren.

Daniel Zakrzewski: Mit Gott und Frankreich
156 S., Pb., Klaus Schwarz Verlag 2012 38,00 EUR
Bestimmungen Algeriens in Schriften des muslimischen Reformtheologen Ibn Badìs zur Zeit der Volksfrontregierung (1936 – 1938).

Saphia Azzeddine: Zorngebete
128 S., geb., Wagenbach 2013 (erscheint im März) 16,90 EUR
Eine Kindheit im Ziegenlederzelt, umgeben von Bergen und Wüste. Schafe als Gefährten. Nicht hinterfragte Gesetze als Norm. Jbara lebt mit ihren Eltern und Geschwistern in einem winzigen, ärmlichen Dorf und rechtet mit Allah, ihrem zugleich einzigen Vertrauten. Die Freiheit fährt zweimal pro Woche im Bus vorbei, doch eines Tages fällt – Allah sei Dank – ein rosa Koffer mit Rollen vom Gepäckdach herunter. Jbaras Aussteuer für ein neues Leben, das sie sich unter vielen Opfern und mit Einsatz ihres Körpers erkämpfen wird. Aus Jbara wird Scheherazade, aus Scheherazade schließlich Khadija. Sie verliert ihre Unschuld, ihre Heimat und zwei Zähne, doch nie ihren derben Humor und den Glauben an Gott. Azzedins Debüt ist ein tabuloser Monolog, das zornig-zärtliche Gebet einer jungen Frau im Maghreb, ein außergewöhnlicher Bildungsroman. Der Alltag ist schmutzig und elend, das Glück schmeckt nach Granatapfeljoghurt, und Jbara spricht mit Allah: Wütend und demütig, klagend und dankbar, poetisch und vulgär – für den Fall, dass er doch nicht alles sieht und nicht versteht, warum sie so weit gehen konnte… Eine tragikomische Emanzipationsgeschichte aus dem Maghreb. Saphia Azzeddine, 1979 in Agadir, Marokko, geboren, zog mit neun Jahren nach Frankreich. Sie studierte Soziologie, verbrachte ein Jahr in Houston, arbeitete als Diamantschleiferin in Genf und etablierte sich dann als Drehbuchautorin und Schriftstellerin. Ihr erster Roman „Zorngebete“ wurde bereits als Theaterstück inszeniert und ins Spanische, Italienische und Schwedische übersetzt. Die Verfilmung ihres zweiten Romans „Mein Vater ist Putzfrau“ war auch in den deutschen Kinos zu sehen.

Adonis: Der Wald der Liebe in uns – Liebesgedichte
148 S., geb., Jung und Jung 2013 (erscheint 26.Februar) 22,00 EUR
Adonis, geboren 1930 als Ali Ahmad Said Esber in einem Dort in Nordyrien, gilt heute als der bedeutendste Dichter der arabischen Welt und ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Nach seinen Studien in Damaskus und langen Jahren im Exil in Beirut lebt er seit 1980 in Paris. Liebesgedichte von solcher Intensität hat man lange nicht gelesen. Wie ein Strauß stark duftender Blumen stehen diese Gedichte vor uns, die nur ein einziges Thema haben: die Liebe. Die Liebe als Feier der Geliebten, aber auch als rätselhafte Beunruhigung des Liebenden, der zwischen Sehnsucht und Leidenschaft, Zweifel und Gewissheit eine Skala von Empfindungen durchlebt, die den ganzen Reichtum seiner Existenz ausmachen. Immer ist es die Stimme des Liebenden selbst, die wir hören, und die Gegenwärtigkeit der Geliebten, die wir spüren. Mit einer überquellenden Fülle immer neuer Bilder versucht Adonis das Unfassbare zu fassen.

Stephan Bruckmeier, Margit Niederhuber, Heike Schiller
Meeting Nairobi – eine Reise

144 S., geb., Mandelbaum 2012 19,90 EUR
Zwischen UNO-Sitz und größtem Slum Afrikas. Blitzlichter auf Nairobi, eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt: das geschäftige Stadtzentrum, elegante, grüne Vororte mit internationalen Organisationen und Medienagenturen und dazwischen Kibera, Mathare Valley oder Korrogocho. Hier wohnen ganz Arme und nicht so Arme. Hier arbeitet die Internetgeneration an Landkarten, präsentieren Filmer ihre Dokudramas auf öffentlichen Plätzen, versuchen Fraueninitiativen die Gräben nach den Kämpfen der letzten Wahlen zu überbrücken. In den neu gebauten Wohnhäusern und alten Villen wohnt die Mittelschicht, gut ausgebildet und enttäuscht – von nicht erfüllten Versprechungen und alter Rhethorik. Sie suchen nach einer neuen, zukunftsweisenden Sprache für diese Stadt, diskutieren Entwicklung und Integration. Das Buch versammelt Stadtgeschichten von schauspielenden Pastoren und Miss Kiberas, von LebenskünstlerInnen und SchriftstellerInnen, von Menschen, die ihre Umwelt engagiert gestalten. Dadurch entsteht ein vielseitiges Kaleidoskop vom Alltagsleben in der Millionenstadt Nairobi.

Claire A. Nivola: Bäume für Kenia
Die Geschichte der Wangari Maathai

32 S., geb., Verlag Freies Geistesleben 2012 15,90 EUR
Für Kinder ab 6 Jahre der Klima-Buchtip der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Volkach e.V.. Mama Miti, „Mutter der Bäume“ wird die Kenianerin Wangari Maathai genannt, die den Frauen ihres Landes beibrachte, ihr Land neu aufzuforsten. 30 Millionen Bäume wurden durch sie neu gepflanzt. 2004 erhielt sie als erste Afrikanerin den Friedensnobelpreis. Claire A. Nivola erzählt in fließender Sprache und leuchtenden Aquarellbildern die einzigartige Geschichte dieser Frau. Ein wunderschönes Buch, das zeigt, wie jeder dabei mithelfen kann, die Erde zu pflegen und zu erhalten. Für jedes verkaufte Buch spendet der Verlag 1 Euro an Plant-for-the-Planet.

Ildiko Noemi Nagy: Oh Bumerang – Stories
128 S., geb., Jung und Jung 2013 (erscheint 26.Februar) 17,90 EUR
Was liegt zwischen Neu England und Budapest? Jede Menge Kilometer, aber auch jede Menge Stoff für Geschichten. Die in Vancouver geborene und in Conneticut und New York aufgewachsene amerikanisch-ungarische Schriftstellerin, hat das Leben zwischen den Welten in minimalistische Bilder gebracht, sie hat die Paradiese der Kindheit und die süßen Höllen der Liebe in einem Ton beschrieben, der souverän und tastend zugleich ist. „Oh Bumerang“ heißen die Stories, die alle miteinander fast schon wieder einen ganzen Roman ergeben. Lakonischer kann man über Hochzeitsreisen mit der Schwiegermutter zu den Niagarafällen, über Budapester Hinterhoftristessen oder grandios gescheiterten Sex nicht schreiben. So amerikanisch war die ungarische Literatur noch nie – und die amerikanische noch nie so ungarisch. Mit „Oh Bumerang“, der ersten Übersetzung ins Deutsche, ist Ildiko Noemi Nagy unbedingt zu entdecken.

Gerd Bedszent: Im Auge des Chaac. Eine Erzählung
BunTES Abenteuer Nr. 23 und 24, TES-Verlag Erfurt 2013, zusammen 4,00 EUR
Das Buch zum 21.Dezember 2012. Esoteriker, Drogenkrieg und Zapatistas. Ein deutscher Journalist erlebt Mexiko. Der Weltuntergang fällt gnadenlos ins Wasser. Chaac ist der Regengott der Maya.

Gudrun Rath: Zwischenzonen
Theorien und Fiktionen des Übersetzens

Turia + Kant 22,00 EUR
Ob im Begriff „Kultur als Übersetzung“ oder dem „translation turn“: Das Paradigma des Übersetzens machte in den letzten Jahren Furore in den Kulturwissenschaften. Doch was all den Debatten fehlte, war eine Auseinandersetzung mit dem Übersetzen selbst. Diese Arbeit diskutiert weniger bekannte theoretische Ansätze aus Lateinamerika und Modelle des Übersetzens aus unterschiedlichen Disziplinen im Vergleich. Im zweiten Schritt untersucht die Autorin am Fallbeispiel Argentinien und Texten von Jorge Louis Borges, Julio Cortazar und Ricardo Piglia das Zusammenspiel von kultureller Praxis, Theorien und literarischen Fiktionen des Übersetzens.

Walter D. Mignolo: Epistemischer Ungehorsam
Rhetorik der Moderne, Logik der Kolonialität und Grammatik der Dekolonialität

Turia + Kant 14,00 EUR
Hier wird ein zentraler Autor der lateinamerikanischen Dekolonialismus-Debatte vorgestellt. „Epistemischer Ungehorsam“ ist ein umfassendes Projekt, das – wie jeder Ungehorsam – mit einer Infragestellung bestehender Regelsysteme und Begründungszusammenhänge beginnt. Walter D. Mignolo unterzieht das okzidentale Denken einer Hinterfragung. Das Epistemische seines Ungehorsams bezieht sich nicht auf die Philosophie alleine. Er setzt dem Okzidentalen insgesamt eine theoretische und zugleich praxisbezogene Option entgegen – die Dekolonialität. Kontexte und Begriffe dieses lateinamerikanischen Postkolonialismus werden in einer Einleitung von Jens Kastner und Tom Waibel erläutert.

Marie-Therese Schins: Akhil Kakerlake und Neena Stinkefisch
195 S., geb., Verlag Freies Geistesleben 2012 14,90 EUR
„Eine lebendige und einfühlsame Erzählung vom Alltag in Indien, von Träumen und Plänen, die Kinder dort haben“ (Deutschlandfunk, die besten 7 Bücher für junge Leser Juni 2012). Für Kinder ab 10 Jahren. Mit Schwung und Einfühlung erzählt die Autorin die Geschichte eines Mädchens und eines Jungen im heutigen Indien, die aus den engen Konventionen ihrer Familien ausbrechen wollen. – Da ist Neena, die Tochter eines Muscheltauchers. Wenn es nach ihrer Großmutter ginge, müsste Neena nach der 6.Klasse die Schule abbrechen, sich in Hausarbeit üben und möglichst bald heiraten. Von wegen! Neena liest Zeitung, Neena will lernen, sich möchte schwimmen gehen wie die Touristenmädchen und sich selbst einen Mann aussuchen. Und Akhil? Er sollte Kokosnusspflücker werden, wie sein Vater. Doch Akhil zieht sich gern an einen einsamen Ort zurück, um sich seine eigenen Gedanken zu machen. Er ist in die 18jährige schöne Ambeli verliebt. Und Akhil will Lehrer werden. Was für ein Glück, dass er Neena durch das Busfenster entdeckt hat…

Christel Mouchard: Devi
Die Rebellin mit den sanften Augen

192 S., geb., Verlag Urachhaus 2012 14,90 EUR
Für Jugendliche ab 12 Jahren. Die wahre Geschichte der indischen Banditenkönigin Phoolan Devi, der es gelang, ihr Dasein als Verbrecherin hinter sich zu lassen: Sie avancierte nicht nur zur Heldin der Armen, sondern kämpfte als Menschenrechtlerin für die Befreiung der indischen Frauen aus menschenunwürdigen Zwängen einer patriarchalen Gesellschaft.

David Safier: Muh!
336 S., geb., Kindler 2012 16,95 EUR
Voll Kuhl! Eine Kuh auf der Suche nach dem Glück. Kuh Lolle hat einen echt miesen Tag: Nicht nur, dass ihr geliebter Stier Champion sie mit der dusseligen Susi betrügt. Nein, der Bauer will den Hof verkaufen, und die ganze Herde soll als Schnitzel enden. Da verrät ihr ein weitgereister Kater, dass es ein Paradies für Kühe gibt: Indien! Und so beschließt Lotte, sich noch in der gleichen Nacht vom Acker zu machen…

Carmen Köper: Vom dicken, fetten Pfannekuchen
Geschichten und Rezepte aus aller Welt

200 S., geb., Mandelbaum 2012 24,90 EUR
„Das ist kein Schmarrn…“ Sie kennen das Märchen vom Pfannekuchen, der aus der Pfanne sprang, um den drei Schwestern zu entkommen… und sich am Ende drei hungrigen Waisenkindern schenkt? Die experimentierfreudige Autorin reist durch die Welt um der Faszination des Pfannkuchens auf den Grund zu gehen. Aus Irland, Großbritannien, den USA bringt sie Rezepte. Sie enthüllt, dass ein unverzichtbarer Teil der Peking-Ente der Pfannkuchen ist, macht einen Abstecher nach Indonesien und berichtet von einem Pfannkuchen aus Kokosmilch. Danach geht die Route noch ein bisschen südlicher nach Australien, um mit einem großen Sprung über den Indischen Ozean in Afrika bei einem Huhn mit Pfannkuchendeckel zu verweilen. Schwestern und Brüder des Pfannkuchens werden vorgestellt: Plinsen, Crepes, Galettes, Dalken, Liwanzen, Poffertjes, Blinys sowie eine besondere Art der Pfannengerichte, die vielen Schmarr(e)n-Varianten. Auch einige ganz Große der Kochkunst aus vergangenen Jahrhunderten kommen zu Wort. Die Autorin bettet deren Kochkultur in ihren geschichtlichen Hintergrund und kramt aus den historischen Rezepten interessante Pfannkuchen-Variationen hervor. Gedichte, amüsante Bonmots und Widmungen von Ringelnatz bis Wilhelm Busch liefern eine flockig-lockere Masse, sinnig und mit viel Esprit gewürzt.

Nana Asari: Die georgische Tafel (mit 151 Rezepten)
222 S., geb., Mandelbaum 2012 22,90 EUR
Georgische Esskultur. Gott rief, nachdem er die Welt erschaffen hatte, alle Völker zu sich, um ihnen ihren Platz auf der Erde zuzuweisen. Die Georgier hatten am Abend zuvor gefeiert und Wein getrunken und kamen zu spät. Gott hatte schon alles Land verteilt. Die Georgier ließen sich aber unverdrossen bei ihm nieder und begannen von neuem Musik zu machen und zu feiern. Da fand Gott Gefallen an ihnen und beschloss, denjenigen Teil der Erde ihnen zu geben, der er für sich selbst aufgehoben hatte: seinen Garten. So die Legende, die erklärt, warum in Georgien so ausgiebig gefeiert und so großartig gekocht wird. Nana Ansari gibt in diesem Buch einen Einblick in die georgische Küche und die Traditionen der Gastlichkeit. Es finden sich aufwändige neben einfachen Rezepten, vegetarische Gerichte neben Fleischkost, auch für Freunde von eingelegtem Gemüse, von selbst gemachten Murabas und Saucen gibt es hier Rezepte. Frische Kräuter und Gewürze spielen in nahezu allen Vor- und Hauptspeisen eine zentrale Rolle ebenso wie Granatapfel oder Walnüsse. Das Buch führt in die Esskultur des Landes ein und gibt 151 Rezeptbeispiele, die es ermöglichen, an dieser alten Kultur teilzuhaben.

Claudia Roden: Das Buch der Jüdischen Küche
Eine Odyssee von Samarkand nach New York

576 S., geb., Mandelbaum 2012 54,00 EUR
Rund 800 Rezepte, verwoben mit Erzählungen, Erinnerungen und Geschichte. Sie sind das Ergebnis von fünfzehn Jahren Spurensuche in der jahrhundertealten jüdischen Kochtradition. Die Rezepte, manche von ihnen niemals davor dokumentiert, sammelte Claudia Roden auf ihren Reisen rund um die Welt bei Kosten, Zusehen und Sprechen mit kochbegeisterten Menschen und HändlereInnen. Beginnend mit ihrer Heimat Ägypten nimmt sie uns mit auf eine Reise durch die jüdische Diaspora, die über Russland, Deutschland, Polen, England, Frankreich, Nord- und Südamerika in den Orient nach Syrien, Israel, Marokko, Indien und Zentralasien führt. „The Book of Jewish Food“, das erstmals in deutscher Sprache erscheint, ist im angloamerikanischen Sprachraum das Standartwerk schlechthin. Die Autorin ist ebensowenig einfach eine Kochbuchautorin wie Marcel Proust ein Bäcker war. Sie ist vielmehr Geschichtenerzählerin, Historikerin, Ethnologin, Essayistin, Dichterin… „The Book of Jewish Food“ ist ihr Meisterwerk, denn neben großartigen Rezepten ist es die umfangreichste und sinnlichste Enzyklopädie über jüdisches Leben, die jemals gedruckt wurde.

Ellen Ismail (Hg.)
Sudanesisch Kochen mit Amal Gourashi Kok

46 S., Spiralbindung, Tabaldi Verlag 15,00 EUR
Diese Rezeptsammlung bietet ausgewählte Speisen aus dem Norden und Süden des Sudan. Für gesundheitsbewusste Köche sind die bekömmlichen und geschmackvollen Speisen ideale Gerichte, die außerdem noch einfach zuzubereiten sind. Je nach Region wurden die althergebrachten sudanesischen Rezepte durch interkulturelle Kontakte beeinflusst. Eine kurze Einführung in die sudanesische Esskultur und aufschlussreiches Bildmaterial geben diesem Buch eine zusätzliche Nuance.

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Verlag 2012

Dezember 20, 2012

Gegenüber den allgemeinen Umsatzeinbrüchen in der der Buchbranche konnte sich auch 2012 der Worms Verlag recht gut halten und hat seine Umsatzerwartungen erzielt. Zwar stagnierten die Nibelungentitel – im Jahr 2012 ist auch kein entsprechender Titel neu erschienen – , aber gerade der Verkauf der Backlist entwickelte sich sehr positiv und konnte gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden. Umsatzanteile an Neuproduktionen lagen ebenfalls im Planziel. Zwar verkaufte sich eine limitierte hochpreisige Kunstdruck-Mappe nach Erscheinen noch nicht wie geplant, aber das konnte durch andere Umsatzeinnahmen kompensiert werden. Den Vertrieb für unseren Titel „Ausländische Zwangsarbeiter in Osthofen“ haben wir aufgrund einer Unterlassungsklage vorläufig eingestellt bis eine rechtliche Klärung erfolgt sein wird. Herausgeber des Buches war die Stadt Osthofen.

Eine neue Reihe „Kunst am Wormser“ zu den dortigen Ausstellungen erhöht die Attraktivität des Verlagsprogramms und erweitert zudem das bereits vorhandene Titelangebot zu Themen der Kunst neben „Nibelungen, Judaica, Regionalia“ als weiteres Programmsegment.
Aufgrund dem Antrag Worms-Mainz-Speyer als Schum-Städte in das Weltkulturerbe der Unesco aufzunehmen, erwies sich die frühere Planung „Judaica“ als eigene Sparte im Verlagsprogramm aufzunehmen als vorausschauend. Es werden – wie jetzt mit den Titeln zum Jüdischen Friedhof geschehen – auch künftig jüdische Themen veröffentlicht werden.
In 2012 folgte auch noch das Totengedenkbuch für Joseph Süß Oppenheimer, wobei abzuwarten sein wird ob das Interesse an diesem Thema nach Beenden der zweijährigen Jud-Süß-Aufführungen der Nibelungenfestspiele noch anhalten wird. Zu den Veranstaltungen der bevorstehenden Luther-Dekade veröffentlichten wir eine Broschüre „Luther in Worms“. Zwar sind religiöse Titel in zweistelliger Höhe in der Verlagswelt eingebrochen, aber unser Titel richtet sich vor allem an Touristen und der Erstabverkauf verlief besser als erwartet.

Aus dem Regionalia Programm erschienen zwei Bücher zu den Dalbergs – ein Lesebuch zum 200.Geburtstag Fritz von Dalbergs und Zwischenwelten über das Wirken aller Dalbergbrüder – , die aufgrund des Interesses an diesen historischen Persönlichkeiten auch überregionale Beachtung finden. Der Abverkauf des Heimatjahrbuchs verläuft wie erwartet und aufgrund des zehnjährigen Verlagsjubiläums 2013 hat das aktuelle Jahrbuch mehr Seiten wie gewohnt.

Die Bekanntheit des Verlages wächst, was vermehrte Werbemaßnahmen (Anzeigen in Fachmagazinen, Teilnahme an regionalen Buchmessen wie auch der großen Frankfurter Buchmesse) bewirkten. Auf der Frankfurter Buchmesse präsentierte sich der Verlag neben eigenem Stand auch mit einer Lesung im Messeprogramm. All dies führt zu vermehrten Umsätzen im Verlag, der Verlagsauslieferung in Darmstadt wie auch zu erhöhter Nachfrage beim Barsortiment. Dort wurden 2012 zum erstenmal auch die Festspielprogrammbücher und das Heimatjahrbuch eingekauft.