Archive for Oktober 2012

Interkulturelle Buchneuheiten Liste 27

Oktober 24, 2012

Bücherangebot Interkultur Liste 27

Die vorhergehenden Listen können noch allesamt im Archiv unter wormsverlag.wordpress.com abgerufen werden.

Claudia Schmidt-Hahn (Hrsg.)
Sprache(n) als europäisches Kulturgut
Languages as European Cultural Asset

224 S., geb., StudienVerlag Universitätsverlag Wagner 2012 32,9ß EUR

Eduard Kaeser: Multikulturalismus revisited
Ein philosophischer Essay über Zivilisation

120 S., Pb., Schwabe Verlag 2012 16,50 EUR
Gegen die Provinzen in unseren Köpfen. Multikulturalismus – heute medial und politisch omnipräsent.

Maria Dabringer / Alexander Trupp (Hrsg.)
Wirtschaften mit Migrationshintergrund
Zur soziokulturellen Bedeutung „ethnischer“ Ökonomien in urbanen Räumen

Konzepte & Kontroversen Bd. 9
144 S., StudienVerlag Universitätsverlag Wagner 2012 17,90 EUR

Birgit Heller: Wie Religionen mit dem Tod umgehen
Grundlagen für die interkulturelle Sterbebegleitung

304 S., Pb. Lambertus 2012 26,90 EUR
Religionen geben Antwort auf den Tod. Sie deuten den Tod als Übergang in eine andere Existenzform und prägen verschiedene menschliche Sterbekulturen. Will man Bedingungen für ein menschliches und menschenwürdiges Sterben schaffen, muss man daher die kulturellen und religiös-weltanschaulichen Differenzen zwischen Menschen beachten. Interkulturelle Leitfäden können allerdings das Bemühen um Verständnis und Empathie für den individuellen Menschen nicht ersetzen. Dr. Birgit Heller ist Professorin am Institut für Relgionswissenschaft der Universität Wien; Lehrbeauftragte im MAS-Studiengang Palliative Care an der Universität Klagenfurt, Graz, Wien.

Andrea Hitzemann, Nausikaa Schirilla, Anne Waldhausen (Hg.)
Pflege und Migration in Europa
Transnationale Perspektiven aus der Praxis

232 S., Pb., Lambertus 2012 18,00 EUR

Karin Weiss, Alfred Roos (Hg.)
Neue Bildungsansätze für die Einwanderergesellschaft
Erfahrungen und Perspektiven aus Ostdeutschland

250 S., Pb., Lambertus 2010 22,00 EUR

Schmidle, Schramkowski, Slüter (Hg.)
Integration durch Mitmachen
FSJ für junge Menschen mit Migrationshintergrund

120 S., Pb., Lambertus 2012 15,00 EUR

Anita Prettenthaler-Ziegerhofer
Europäische Integrationsrechtsgeschichte

282 S., 3.aktualisierte und überarbeitete Auflage
StudienVerlag Universitätsverlag Wagner 2012 24,90 EUR

Berthold Lange (Hrsg.)
Weltbürgerrecht: Die normative Seite der Globalisierung
Zur Umsetzung universeller Menschenrechts- und Umweltstandards durch Bürgerbewegungen, Multilateralismus und transnationale Gerichtsbarkeit.
Beiträge zur Verleihung des Kant-Weltbürger-Preises 2011

Spektrum Politikwissenschaft Bd. 44
220 S., Pb., Ergon 2012 27,00 EUR

Ina Kerner: Postkoloniale Theorien. Zur Einführung
Junius Verlag 2012 13,90 EUR

Exilforschung – Ein internationales Jahrbuch
Herausgegeben im Auftrag der Gesellschaft für Exilforschung
Band 30: Exilforschungen im historischen Prozess

370 S., edition text + kritik 2012 35,00 EUR
Die Exilforschung ist auf dem Weg der Historisierung. Kritische Beiträge zur Entfaltung ihrer Gegenstände, Fragestellungen und Methoden haben in den letzten Jahren zugenommen. Eine übergreifende Bilanz steht indes noch aus. Nach drei Jahrzehnten seines Erscheinens kann aber auch das Jahrbuch einige Bausteine dazu zusammentragen.

Inge Hansen-Schaberg / Wolfgang Thöner/Adriane Feustel
ENTFERNT – Frauen des Bauhauses während der NS-Zeit
Verfolgung und Exil, Frauen und Exil Band 5

250 S., edition text + kritik 2012 26,00 EUR
Der Sammelband weist auf Lücken in der Rezeption hin, indem er die Lebensgeschichten von Frauen in den Fokus rückt, die in der Malerei, Grafik, Bildhauerei, in der Bühnenarbeit, Fotografie, Weberei oder Architektur ihre Darstellungs- und Experimentierfelder sahen und lebenslang unter dem Einfluss des Bauhauses arbeiteten oder sich von ihm emanzipierten.

Daniel Cohn-Bendit / Guy Verhofstadt: Für Europa! Ein Manifest
64 S., Carl Hanser Verlag 2012 8,00 EUR
Die beiden Europapolitiker fordern in ihrem Manifest die europäischen Staaten auf, ihre Souveränität zügig an eine europäische Förderation abzugeben: „Wir haben eine klare Alternative: Entweder wählen wir entschlossen ein förderales Europa, die Vereinigten Staaten von Europa, oder wir fallen gemeinsam zurück in unsere nationalen Verliese“. Dazu haben sie ein Drehbuch vorgelegt, das sich am Vorbild der Konferenz von Philadelphia 1787 in den USA orientiert. Nach den Wahlen 2014 soll sich das europäische Parlament zur verfassungsgebenden Versammlung erklären und eine europäische Verfassung schreiben. Das soll durch ein Referendum in allen Ländern mit doppelter Mehrheit (die Mehrheit der Staaten und der Bürger) beschlossen werden. Staaten, die „Nein“ gewählt haben, müssten sich im Anschluss daran per Referendum entscheiden, ob sie in dem neuen, förderalen Europa bleiben oder es verlassen wollen. Anvisiert wird die Umstrukturierung der Europäischen Kommission zu einer echten Regierung mit europäischen Ministern, einem europäischen Parlament und einem europäischen Senat, der aus Abgeordneten der Mitgliedsstaaten zusammengesetzt ist. An der Spitze ein Präsident, der auf eine Direktwahl durch das europäische Volk zurückgeht.

Orhan Pamuk: Die Unschuld der Dinge
Das Museum der Unschuld in Istanbul

256 S., Carl Hanser 2012 34,00 EUR
Pamuks Katalog des zunächst fiktiven Museums der Unschuld portraitiert Kultur und Gesellschaft im Istanbul der letzten 50 Jahre.

Jakob Arjouni: Bruder Kemal
240 S., diogenes 2012 19,90 EUR
Nach über zehn Jahren wieder ein Krimi um den türkischen Detektiv Kemal Kayankaya in der Frankfurter Unterwelt. Wortgewandt und ironisch wird dabei mit dem „Kanaken“-Image gespielt.

Heinz Buschkowsky: Neukölln ist überall
geb., Ullstein 2012 19,99 EUR
Seit Jahren steht Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky im Fokus der Öffentlichkeit: Aus seiner Meinung, dass die Integrationspolitik an ihrer „Zahnlosigkeit“ zu scheitern droht, macht der SPD-Politiker keinen Hehl. Er fordert mehr Verantwortung, auch von Seiten der Politik. Weit über 100 000 Titel wurden bei Erscheinen sofort ausgeliefert und so rutschte der Titel von Null auf Platz 1 der meistverkauften Sachbuchtitel.

Michael Windzio – Can M. Aybek
Erwachsen werden in der Einwanderungsgesellschaft

Der Auszug aus dem Elternhaus bei jungen Erwachsenen türkischer und deutscher Herkunft
Beiträge zur Bevölkerungswissenschaft Band 43
148 S., geb., Ergon 2012 36,00 EUR
Im vorliegenden Band werden Ergebnisse einer vergleichenden Untersuchung der Prozesse des Auszugs aus dem Elternhaus bei jungen Erwachsenen in Deutschland präsentiert. Auf der Grundlage der ersten Welle des „Generations and Gender Survey“ werden die Auszugsprozesse bei einheimischen Deutschen und türkischen Immigranten miteinander verglichen. Angeleitet werden diese Analysen von theoretischen Überlegungen aus der Migrations- und Familiensoziologie sowie der Forschung zu intergenerationalen Beziehungen. Die Angleichung des Auszugsverhaltens zwischen einheimischen Deutschen und türkischen Immigranten ist ein einschlägiger Indikator und Akkulturation, da der Auszug meist einer intergenerationalen Abstimmung bedarf und stark von Normvorstellungen und Werteorientierungen beider Generationen beeinflusst sein kann. Die Ergebnisse zeigen, dass Wertorientierungen tatsächlich einen wichtigen Einfluss auf das Auszugsverhalten haben, und zwar sowohl für die Gruppe der türkischen Zuwanderer als auch für einheimische Deutsche. Insbesondere sind aber geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen den beiden Gruppen auszumachen. Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist, dass die Auszüge bei Zuwanderern türkischer Herkunft wesentlich enger an Prozesse der Familienbildung gekoppelt sind, als dies bei Deutschen der Fall ist. Zudem hat bei den einheimischen Deutschen über die Kohortenabfolge eine tendenzielle Entkoppelung dieser Lebensereignisse stattgefunden, die bei den türkischen Zuwanderern in dieser Weise nicht festzustellen ist.

Ahmet Toprak: Das schwache Geschlecht – die türkischen Männer
Zwangsheirat, häusliche Gewalt, Doppelmoral der Ehre

196 S., Pb., 2. Aktualisierte Ausgabe, Lambertus 18,50 EUR

Materialdienst
Zeitschrift für Religions- und Weltanschauungsfragen 10/2012

Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen 3,00 EUR
u.a.: Entwicklungen des Neuheidentums im deutschsprachigen Raum, Ist Scientology eine Religion?, Islamischer Religionsunterricht in NRW, Interreligiöser Dialog: Interreligiöser Sakralbau in Berlin nimmt Formen an, Themen des Atheismus, Deutscher Ethikrat debattiert über Beschneidungsfrage

Ahmet Toprak, Katja Nowacki: Muslimische Jungen
Prinzen, Machos oder Verlierer ? Ein Methodenhandbuch

184 S., Pb., Lambertus 2012 22,90 EUR
aus „social net.de“: „Festzuhalten bleibt, dass hier ein Buch vorliegt, das von Toprak und Nowacki ausdrücklich als praxisorientiert konzipiert und dies in gut gelungener Weise ausgearbeitet wurde. So bietet die Veröffentlichung für Praktiker/innen eine sehr gute Grundlage für Handlungsansätze für den Umgang mit aggressiven und gewalttätigen bzw.
-bereiten muslimischen Jungen. Die vorliegende, ausgezeichnet lesbar geschriebene Arbeit kann daher Praktiker/innen, Lehrenden und Studierenden im (sozial)pädagogischen Bereich empfohlen werden.“

Ahmet Toprak: Integrationsunwillige Muslime? Ein Milieubericht
180 S., Pb., Lambertus 2010 20,90 EUR

Paula Schrode – Udo Simon (Hrsg.): Die Sunna leben
Zur Dynamik islamischer Religionspraxis in Deutschland
Muslimische Welten. Empirische Studien zu Gesellschaft, Politik und Religion Bd. 5

250 S., Pb., Ergon 2012 35,00 EUR
Die religiöse Praxis von Muslimen in Deutschland wurde bisher vornehmlich dort thematisiert, wo sie plakativ sichtbar wird und den Stoff für symbolische Konflikte mit der Mehrheitsgesellschaft liefert. Während so der Islam in Deutschland gleichsam selbstverständlich in alle Debatten zu gesellschaftlichen Spannungen im Zuge von Migration miteinbezogen wird, steht er noch zu selten als Glaube und religiöse Praxis im Mittelpunkt. Diese Praxis stellt ein Handlungssystem dar, durch das sich der Einzelne ganz konkret zum Mitglied einer Gemeinschaft macht. Dabei basieren Ritual und Performanz nicht allein auf normativ religiösen Skripten, sondern sind stets im Kontext gesellschaftlicher und individueller Handlungsspielräume zu verstehen, in deren Rahmen religiöse Praxis immer wieder verhandelt, neu reflektiert und religiöses Wissen produziert wird. Die Auffächerung innerislamischer Diskurse über Kontinuität und Wandel in ihrer Wechselwirkung mit Migration und transnationalen Netzwerken sowie Diskursen der säkularen Mehrheitsgesellschaft macht die Dynamik eines religiösen Feldes aus, auf das dieser Band ein Schlaglicht zu werfen hofft.

Aysun Yasar: Die DITIB zwischen der Türkei und Deutschland
Untersuchungen zur Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V.

Mitteilungen zur Sozial- und Kulturgeschichte der islamischen Welt (MISK), Bd. 32
256 S., Pb., Ergon 2012 39,00 EUR
Der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB) gehören bundesweit knapp 900 Gemeinden an. Die DITIB repräsentiert unter allen islamischen Verbänden Deutschlands die relativ meisten Muslime und spielt im Gespräch deutscher staatlicher Instanzen mit Vertretern des Islam eine wichtige Rolle. Über die integrationspolitisch relevanten Anschauungen in den lokalen DITIB-Gemeinden, die für die von DITIB vertretenen Muslime von existenzieller Bedeutung sind, ist so gut wie nichts bekannt. Erstmals eröffnet die Autorin mittels einer qualitativen Erhebung einen Zugang dazu, wie Vorstandsmitglieder von DITIB-Organisationen den deutschen Staat sehen. Ihre Befragungsergebnisse machen zugleich den Einfluss der türkischen Religionsbehörde Diyanet auf die DITIB deutlich. Eine Untersuchung der Satzungen der DITIB zeigt, dass die Türkei-Bindung in deren Struktur auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene fest verankert ist. Die Autorin diskutiert, inwieweit sich die DITIB in ihrer gegenwärtigen Gestalt als Ansprechpartnerin des deutschen Staates auf muslimischer Seite eignet. Abschließend formuliert sie Handlungsempfehlungen sowohl für die DITIB als auch für den deutschen Staat.

Adam J. Silverstein: Islamische Geschichte
200 S., geb., Reclam 2012 19,95 EUR
Die Geschichte des Islam, seine Ausbreitung von der arabischen Halbinsel über beträchtliche Teile Asiens, Afrikas und Europas wird von Adam Silverstein konzise zusammengefasst. Aber Silverstein untersucht auch die spezifische Sicht des Islam auf die Geschichte, also den islamischen Geschichtsbegriff und das besondere Verhältnis der Religion des Islam zu seiner eigenen Geschichte und zur Geschichte allgemein.

Salman Rushdie: Joseph Anton
C. Bertelsmann 2012 24,99 EUR
1989 sprach der Ayatollah Khomeini eine Fatwa gegen Salman Rushdie aus, weil dieser den Propheten Mohammed beleidigt haben soll. Die Folge: ein Leben im Untergrund unter dem Decknamen Joseph Anton. Das Medienecho auf seine Lebensgeschichte ist groß, weil der Autor als Experte für den Arabischen Frühling und Islamismus gilt. Der Verkauf startete mit 100 000 Exemplaren und der Titel kam auch sofort in die Sachbuch-Bestseller-Liste.

Grundriss der Geschichte der Philosophie.
Die Philosophie in der islamischen Welt
Band 1: 8. – 10.Jahrhundert

624 S., geb., Schwabe 2012 150,50 EUR

Maike Neufend: Das Moderne in der islamischen Tradition
Eine Studie zu Amir `Abd al-Qadir al-Gaza`iris Verteidigung der islamischen Vernunft im 19.Jahrhundert

Bibliotheca Academica – Reihe Orientalistik, Band 21
117 S., Pb. , Ergon 2012 22,00 EUR
Der als algerischer Widerstandskämpfer bekannt gewordene Amir `Abd al-Qadir al-Gaza`iri (1808 – 1883) verfasste während seiner fünfjährigen Gefangenschaft in Frankreich Mitte des 19.Jahrhunderts seine erste theologische Abhandlung – al-Miqrad-al-hadd li-qat`? lisan muntaqis din al-islam bi-`l-batil wa-`l-ilhad (Die scharfe Schere zum Abhacken der Zunge dessen, der die Religion des Islam durch Verleumdung und Ketzerei herabsetzt). In dieser unternimmt er den Versuch, den Wahrheitsanspruch der Offenbarungsschrift zu beweisen, indem er die Natur und Funktion der Vernunft als Methode anführt, um die Existenz Gottes und der Prophetie als notwendige Wahrheit zu begründen. Mit der Analyse dieser Abhandlung begibt sich die Studie zugleich in drei unterschiedliche Kontexte, den Kolonialismus in Nordafrika, die islamische Reformdebatte des 19.Jahrhunderts und die Jahrhunderte alte innerislamische Diskussion über das Verhältnis von Rationalität und Offenbarung. Anhand der Arbeiten von Alasdair MacIntyre zu den Konzepten Tradition und Moderne und Talal Asads Ansatz, den Islam selbst als Tradition zu definieren, schafft es die Autorin, den Text nicht als bloße Wiederholung alter Argumente zu beschreiben, sondern innerhalb des islamischen Modernediskurses einzuordnen. Dadurch kann die Studie zeigen, dass Abd a-Qadir anhand der islamischen Tradition und Praxis auf zeitgenössische Entwicklungen und Herausforderungen antwortet und diese Tradition daher keineswegs als veraltet verstanden werden kann.

Matthias Graf: Mazzika!
Eine arabistisch-ethnomusikologische Exkursion in die Text- und Klangwelten der Popmusik Ägyptens und des Libanon von ihren Anfängen bis heute

Kultur, Recht und Politik in muslimischen Gesellschaften, Band 22
542 S., geb., Ergon 2012 85,00 EUR
Obzwar die Popmusik Ägyptens und des Libanon in der gesamten arabischen Welt omnipotent ist, was sie bislang kaum Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzungen, was u.a. damit zusammenhängen mag, dass nicht-westliche Popmusik in der Ethnomusikologie erst seit den 1990er Jahren als Forschungsgegenstand gilt. Beim vorliegenden Werk handelt es sich um eine interdisziplinär angelegte Studie, welche Gegenstände und Methoden der Arabistik und der Musikethnologie zusammenführt. Sie beruht auf mehrjähriger Feldforschung und setzt sich – auf der Basis von 260 detailliert analysierten Liedern – mit Struktur, Inhalt und Kontexten der ägyptischen und libanesischen Popmusik auseinander. Die ersten drei Kapitel fassen den Forschungsstand zusammen, geben Definitionen von Popmusik, betrachten die Musiktraditionen, aus denen die Popmusik schöpft, und situieren letztere im politischen, historischen und sozialen Kontext. Danach folgt der Hauptteil der Untersuchung, der die Ergebnisse einer Primärforschung darlegt. In einem musikalischen Teil werden die Instrumente sowie besondere Gestaltungselemente und Spezialeffekte dargestellt; dies nebst wichtigen Beobachtungen zu den verwendeten Tonarten und Rhythmen. Anschließend werden die Texte der Popmusik untersucht. Eine inhaltliche Analyse macht deutlich, wie überaus differenziert das soziale Geschehen in der Musik reflektiert wird, und eine Auseinandersetzung mit der sprachlichen Form und verschiedenen Stilaspekten vermittelt einen soziolinguistischen Einblick in die moderne Liedkultur Ägyptens und des Libanon. Der soziokulturelle Aspekt der Studie wird durch ein weiteres Kapitel abgerundet, in welchem verschiedene Vermarktungsstrategien zur Sprache kommen. Die Dissertation macht deutlich, dass die Quellen der ägyptischen und libanesischen Popmusik um ein Vielfaches komplexer und vielschichtiger sind, als gemeinhin oft angenommen wird. Aus diesem Grunde bildet die Arbeit eine solide Basis für weitere wissenschaftliche Arbeit – sei es nun im Bereich der Arabistik bzw. Islamwissenschaft oder der Musikethnologie – und dürfte ganz allgemein auch für Musiker und alle Freunde der arabischen Musik von Interesse sein.

Zahar Barth-Manzoori
Der Ariermythos in der afghanischen Geschichtsschreibung seit den 1930er Jahren Kultur, Recht und Politik in muslimischen Gesellschaften, Band 23

181 S., Ergon 2012 28,00 EUR
Afghanistan – das ist in seinen heutigen Grenzen und unter diesem Namen erst seit der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts gibt – ist durch eine starke gesellschaftliche Differenzierung im Hinblick auf ethnische, religiöse und regionale Zugehörigkeiten gekennzeichnet. Damit steht Afghanistan in einer Reihe mit zahlreichen weiteren postkolonialen Staaten Asiens und Afrikas, die im Zuge der Entstehung nationalistischer Bewegungen seit dem 17.Jahrhundert in Europa – deren prominentestes Beispiel die Französische Revolution war – den Wunsch nach einem eigenen Nationalstaat entwickelten. Beeinflusst durch die Jungafghanen seit der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts versuchte eine intellektuelle Schicht patriotischer Afghanen seit 1930 ein neues übergeordnetes Konzept zur Identitätsbildung der afghanischen Bevölkerung zu entwerfen. Das Ergebnis war eine „rassische“ Polarisierung der in Afghanistan lebenden Menschen, die zur Einteilung der Gesellschaft in sogenannte „arische“ und „nicht-arische“ Ethnien führte. Der hier gemeinte Ariermythos wurde durch die Konstruktion einer afghanischen Nationalgeschichte vorangetrieben, die Afghanistan als die Urheimat der sogenannten „arischen Rasse“ darstellte. Die Folge der in diesem Zusammenhang entstandenen Geschichtsschreibung beeinflussen bis heute das Bewusstsein der afghanischen Bevölkerung.

Jutta Wintermann : Dichtung und Historie
Aspekte der Herrschaft Hosrous II. in Nezamis Hosrou-o Sirin

Bibliotheca Academica – Reihe Orientalistik Band 22
108 S., Pb., Ergon 2012 18,00 EUR
Als Vorlage für eines seiner berühmten Epen, die sogenannten „Fünf Schätze“ (Pang Gang), diente dem Dichter Nezami Gangawi (1144-1209) die Geschichte des letzten Herrschers der iranischen Sasaniden-Dynastie Hosroous II. Parwiz (reg. 580 – 628) und dessen Lieblingsfrau Sirin. Wie schildert Nezami diese Geschichte und wie hat sie sich (vermutlich) in der historischen Realität zugetragen? Um diese Fragen zu beantworten, werden, ausgehend von den Hauptfiguren des Epos Hosrou-o Sirin, verschiedene Aspekte des späten Sasanidenreiches Irans betrachtet und in einem Vergleich der Darstellung in Nezamis Erzählung mit dem heutigen Stand der Geschichtsforschung untersucht: Hosrou II. Parwiz – Das Herrscherideal der Sasaniden // Sirin – Christen im sasanidischen Iran // Bahram Cobin – Die Rolle des Adels im sasanidischen Iran // Maryam – Beziehungen zum Byzantinischen Reich // Siruyeh – Nachfolge Hosrous II. und das Ende der Dynastie. Die Untersuchung führt zu dem Schluss, dass ein realitätsgetreues Abbild des Lebens am sasanidischen Hofe oder die detaillierte Wiedergabe historischer Fakten nicht das Anliegen des Dichters gewesen ist. Vielmehr wollte Nezami einen spätsasanidischen Hintergrund schaffen für sein eigentliches Anliegen, nämlich die unterhaltsame Vermittlung ethischer und moralischer Werte wie die Treue in der Liebe oder der Unterschied zwischen Schein und Sein.

Florian Bernhardt: Hizb ad-Da`wa al-Islamiya
Selbstverständnis, Strategien und Ziele einer irakisch-islamistischen Partei zwischen Kontinuität und Wandel (1957 – 2003)

Kultur, Recht und Politik in muslimischen Gesellschaften, Band 24
351 S., Pb. , Ergon 2012 45,00 EUR
Die Hizb ad-Da`wa ist die älteste islamistische Partei des Irak. Die Ende der 1950er Jahre im Umfeld der hawza von Najaf entstandene Hibz ad-Da`wa versteht sich als Partei der intellektuellen Avantgarde. Sie strebt danach, mit pädagogisch-aufklärerischen Mitteln ein religiöses Bewusstsein in der Bevölkerung zu schaffen und dadurch einen gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen. Ihr langfristiges Ziel ist die Gründung eines islamischen Staates. Aufgrund staatlicher Verfolgung wurde die Hibz ad-Da`wa Ende der 1970er Jahre zu einer Exilpartei und konzentrierte sich fortan auf den bewaffneten Kampf. Nach 2003 hat sie sich zu einer Partei mit Regierungsverantwortung entwickelt, die mit Nuri al-Maliki den ersten Ministerpräsidenten des Nachkriegsirak stellt. Im Laufe ihrer Entwicklung hat sich die Hizb ad-Da`wa auch in ideologischer Hinsicht tiefgreifend verändert. Zu ihren Bezugspunkten zählten der 1980 hingerichtete Muhammad Baqir as-Sadr, Khomeini, aber auch Theoretiker der Muslimbruderschaft. Die vorliegende Studie untersucht Selbstverständnis, Strategien und Ziele dieser Partei in den Jahren 1957 – 2003. Sie forscht nach Kontinuität und Brüchen und analysiert diese vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung. Dabei wird untersucht, welchen Stellenwert schiitische Glaubenslehre und Glaubenspraxis für das Selbstverständnis der Hizb ad-Da`wa haben und welche Rolle die „ulama“ innerhalb der Organisation spielen.

Norbert Oberauer: Waqf im kolonialen Sansibar
Der Wandel einer islamischen Stiftungspraxis unter britischer Protekoratsherrschaft

Kultur, Recht und Politik in muslimischen Gesellschaften, Bd. 25
270 S., geb., Ergon 2012 44,00 EUR
Stiftungen waren in vielen islamischen Gesellschaften der Vormoderne ein zentrales Element im sozioökonomischen Gefüge. Immer spiegelte dieses Stiftungswesen auch gesellschaftliche Ordnungsvorstellungen wider: Durch Stiftungen erfüllten Herrscher und Eliten die von ihnen empfundenen sozialen Fürsorgepflichten, schufen aber auch Abhängigkeitsverhältnisse, repräsentierten ihre Macht, oder festigten den Zusammenhalt innerhalb verwandtschaftlicher, professioneller und anderer Solidaritätsgruppen. Gerade wegen dieser Eigenschaft, soziale Ordnungsvorstellungen widerzuspiegeln und zu reproduzieren, wird das Stiftungswesen im Zuge der Kolonialisierung zum Gegenstand einer grundlegenden Neuverhandlung. Im aufbrechenden Streit um den adäquaten Umgang mit Stiftungen prallen kontroverse Vorstellungen davon aufeinander, wie sozioökonomische Verantwortungen innerhalb des Gemeinwesens auf Individuen, Familien, den Staat und andere Akteure verteilt sind, und wie entsprechend innergesellschaftliche Ressourcen verteilt sein müssen. Im Sultanat von Sansibar führte dieser Konflikt zu massiven Eingriffen in das traditionelle Stiftungswesen, durch die sich dessen Charakter und Funktion grundlegend veränderten. Auf der Basis umfangreicher Quellenstudien zeichnet die Untersuchung ein nuanciertes Bild von diesem Transformationsprozess.

Asef Bayat: Leben als Politik
Wie ganz normale Leute den Nahen Osten verändern

256 Seiten, Pb, Assoziation A 2012 18.00 EUR
Der westliche Blick auf die Gesellschaften des Nahen Ostens war bis zum »Arabischen Frühling« von der Vorstellung geprägt, sie seien politisch, ökonomisch und sozial erstarrt – gefangen in überkommenen kulturellen und religiösen Traditionen. Asef Bayat erschüttert mit seinem bereits 2009 erschienenen und nun durch ein neues Kapitel sowie ein Vorwort zur deutschen Ausgabe aktualisierten Buch diese Sichtweise. Das Buch enthält den Schlüssel zum Verständnis der »Frühlingsrevolutionen«, indem es zeigt, wie es den gewöhnlichen Leuten, den »ordinary people«, unter den autoritären Regimes gelang, neue Räume sozialer Interaktion zu schaffen, in denen sie ihre Anliegen artikulieren und sich als soziale Subjekte behaupten konnten. Die Umwälzungen vollzogen sich auf der Ebene des alltäglichen Lebens, auf den Straßen und Gassen, den Plätzen, in den Hinterhöfen und Nachbarschaften. So konnten sie einen sozialen Druck entfalten, der unterschwellig bereits vor den Frühlingsrevolten zu tiefgreifenden Veränderungen führte. Doch diese Prozesse folgen nicht den klassischen Vorstellungen der Theorie sozialer Bewegungen. Insbesondere in den Armenvierteln der großen Städte entwickelten sich neue Praktiken des Alltags. »Kollektive Aktionen nicht-kollektiver Akteure« transformieren die Gesellschaften. Es ist ein stilles Vordringen in neuen Formen der Interaktion, die Bayat als »soziale Nicht-Bewegungen« charakterisiert, weil sie mit den klassischen Formen sozialer Bewegung und politischer Repräsentation nur wenig zu tun haben. Asef Bayat wuchs in Teheran auf, studierte in England und den USA, lehrte Soziologie an der Amerikanischen Universität von Kairo und ist heute Professor für Soziologie und Nahost-Studien an der Universität von Illinois. Sein Buch gilt international als das Standardwerk zur Vorgeschichte der arabischen Revolution.

Gabriele Habashi: Das neue Ägpyten. Wege zur Demokratie
160 S., Edition Steinbauer, Wien 2012 22,50 EUR
Was ist aus der Revolution in Ägypten geworden? Die Autorin lebt mit ihrem Mann in Kairo und beobachtet dort sei über 20 Jahren die gesellschaftlichen Entwicklungen. In der Hoffnung auf Neuerungen hatte sie selbst an den Protesten auf dem Tahir-Platz im vergangenen Jahr teilgenommen. Nun sind ihre Eindrücke aus den Tagen der Revolution erschienen. Die Revolution 2011 hatte Kräfte vereint, die etwas anderes wollten als das herrschende System. Nunmehr herrscht Uneinigkeit, was dieses andere ist. Die derzeitige politische Führungsebene repräsentiert nicht die revolutionären Kräfte. Die Islamisten hatten ein besseres Leben versprochen und sind deswegen an die Macht gekommen. Nun ersetzen sie brennende soziale Fragen durch religiöse Diskussionen. Statt sich mit Reformen im Bildungs- und Gesundheitswesen zu befassen, werden Anträge im Parlament ausgearbeitet, die islamische Rechtsprechung in der Verfassung zu verankern und das Scheidungsrecht für Frauen zurückzunehmen.

Martin Tamcke – Arthur Munkyan Christian Mauder (Hrsg.)
Die arabischen Briefe aus der Zeit der Herrnuter Präsenz in Ägypten 1770-1783

Orthodoxie, Orient und Europa Band 6; Herrnhuter Quellen zu Ägypten Band 2
158 S., Pb., Ergon 2012 28,00 EUR
In den 1770ern und frühen 1780er Jahren hielten sich mehrere Angehörige der protestantischen Gemeinschaft der Herrnhuterer Brüderunität in Ägypten auf. Ziel der Brüder, die sich in Kairo häuslich niederließen, war die religiöse Unterweisung koptischer Christen im Geiste der pietistischen Frömmigkeit der Herrnhuter. Zu diesem Zweck besuchten sie ländliche koptische Gemeinden – so insbesondere die mittelägyptische Stadt Behnesse (al-Bahnassa) und ihre Umgebung. Hier wurden Erbauungsstunden abgehalten und religiöse Herrnhuter Literatur in arabischer Übersetzung studiert. In der Zeit ihrer Abwesenheit von Behnesse pflegten die Brüder brieflichen Kontakt mit ihren dortigen Freunden und Sympathisanten. Auch wurden die Dienste des Herrnhuter Arztes Friedrich Wilhelm Hocker von Außenstehenden in Anspruch genommen. Die hier erstmals veröffentlichten arabischen Briefe mit deutschen Übersetzungen dokumentieren diesen religiösen und kulturellen Austausch zwischen Europäern und ägyptischen Einheimischen in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts. Sie zählen zum Eindrucksvollsten, was sich aus der ersten intensiveren Interaktion zwischen deutschen Missionaren und koptischen Christen erhalten hat.

Martin Tamcke – Arthur Munkyan (Hrsg.): Herrnhuter in Kairo
Die Tagebücher 1769 – 1783

Orthodoxie, Orient und Europa Band 5; Herrnhuter Quellen zu Ägypten Band 1
462 S., Pb., Ergon 2012 59,00 EUR
Kairo im 18.Jahrhundert aus ungewohnter Perspektive. Beginnend mit einem ersten Ägyptenaufenthalt 1749 bis zur Rückkehr der letzten Brüdergemeinschaft in Kairo 1783 nahmen Brüder der Unitas Fratrum (Herrnhuter) am Leben in Ägypten teil, lebten dort in kleineren Gemeinschaften von Brüdern, hielten Kontakt besonders zu koptischen und griechischen Christen und erörterten auch – inmitten all ihrer religiösen Gedanken und Bemühungen – das aktuelle Tagesgeschehen im Land. Damit ergänzen die Schriften der Brüder die uns bekannten Q uellen zu Ägypten mit der Perspektive Außenstehender. Die hier vorliegenden Tagebücher der Jahre 1769 – 1783 sind die wichtigsten Dokumente zur Hauptniederlassung in Kairo in der abschließenden Phase der Präsenz der Brüder im Land und eine Quelle nicht nur für Missionshistoriker, sondern auch für Orientalisten und die an der europäisch-ägyptischen Interaktion von Napoleon Interessierten.

Blätter für deutsche und internationale Politik 10/12
Blätter Verlag 2012 9,50 EUR
u.a. „Der immergrüne Antisemitismus“ – längst sind Teile Berlins für Juden faktisch No-Go-Areas; „Das Dilemma der Loyalität“ – die US-amerikanischen Juden und der israelisch-iranische Konflikt

Carsten Schliwski: Geschichte des Staates Israel
181 S., Reclam 2012 6,00 EUR

Joseph Dan: Die Kabbala – Eine kleine Einführung
178 S., Neuauflage, Reclam 2012 5,80 EUR

Petra Ernst / Hans-Joachim Hahn / Daniel Hoffmann / Dorothea Salzer (Hg.)
trans-lation – trans-nation – trans-formation
Übersetzen und jüdische Kulturen

Schriften des Centrums für jüdische Studien Bd. 19
268 S., geb., StudienVerlag Universitätsverlag Wagner 2012 32,90 EUR

Mira Magèn: Wodka und Brot
420 S., dtv 2012 16,90 EUR
Rezensiert im „Bücher“-Magazin: „Als ihr Mann sich aufmacht, um den Sinn des Lebens zu suchen, zieht Bankkauffrau Amia mit ihrem Sohn an den Rand von Jerusalem und übernimmt das Lebensmittelgeschäft ihrer Eltern. Eines Nachts klopft Madonna an ihre Tür, eine „kleine russische Hure“, die aus einer ultraorthodoxen jüdischen Familie stammt. Sie ist die erste einer Reihe ungewöhnlicher Charaktere, die die ohnehin ins Wanken geratene Existenz der Protagonistin noch weiter erschüttern. Die Autorin versteht es, ihre so vielschichtig wie Matroschka-Puppen angelegten Figuren über die Geschichte des Universums sinnieren zu lassen, ohne dabei in Plattitüden zu verfallen. Dabei bleibt ihre eigene grundsätzlich religiöse Haltung deutlich lesbar“. Übersetzt von Mirjam Pressler.

Helon Habila: Öl auf Wasser
230 S., geb., Verlag Das Wunderhorn 2012 24,80 EUR
Port Harcourt, Nigeria, im Delta des Niger. Eine Frau verschwindet.Dies wäre keine Nachricht in den Medien wert, handelte es sich nicht um eine Britin, die Ehefrau eines hochrangigen Mitarbeiters einer ausländischen Ölgesellschaft, die im Delta und vor der Küste Öl bohren. Die Entführung ist offensichtlich das Werk einer Rebellengruppe, die gegen die Ölgesellschaften kämpfen, die das Land ausbeuten und zerstören. Als eine Lösegeldforderung eingeht, wittert der junge Journalist Rufus die Chance zu einer großen Story und macht sich mit dem gealterten Starreporter Zaq auf die Suche nach der Entführten. Es wird eine Reise ins Delta des Nigers hinein, ins „Herz der Finsternis“, in eine apokalyptische Welt. Mit wachsendem Entsetzen nimmt Rufus die Zerstörung der Umwelt wahr, die Eskalation der Gewalt, die je eigenen Profitinteressen, die die widerstreitenden Kräfte – Ölgesellschaften, Polizei und Armee, Politiker und lokale Würdenträger auf der einen Seite, die Rebellen mit ihren Sympathisanten auf der anderen – in den Auseinandersetzungen verfolgen, die Entmenschlichung auf beiden Seiten der Front. Opfer sind in jedem Fall die einfachen Menschen, Fischer zumeist, die im Delta des Flusses leben. Sie haben nicht die Mittel, sich zur Wehr zu setzen, ihre Dorfgemeinschaften werden zwischen den Fronten zerrieben, sie verlieren ihre Lebensgrundlage, werden vertrieben, müssen fortziehen, hin zur großen Stadt, an deren Rand sie stranden.Hoffnung vermittelt einzig ein Dorf auf der kleinen Insel Irikefe, das einen humanistischen, egalitären Gegenentwurf lebt, ähnlich dem, den Wole Soyinka in „Zeit der Gesetzlosigkeit“ beschreibt: im Einklang mit der Natur, ihren Rhythmen und Gesetzen folgend. Hier findet Rufus‘ nach einem Brand körperlich und seelisch schwer verletzte Schwester Boma Ruhe, hier findet Rufus eine Liebe, hier schließt Zaq seinen Frieden …Doch auch hier ist nicht alles so, wie es scheint. Wie überhaupt nichts so ist, wie es an der Oberfläche aussieht. Das Grab der Britin ist leer. Nur ein Stein ist darin begraben …„Öl auf Wasser“ ist Bildungsroman und Umweltkrimi zugleich, Politthriller und anrührende Liebesgeschichte.»Ein schlanker, atmosphärischer Roman – teils Thriller, teils Betrachtung der todbringenden Kosten der Ölpolitik in der Region. Ein klassischer Bildungsroman.« Daily Mail»Habilas Stil hat jene Mischung aus Eleganz und verdammt guter Geschichte, die wir mit Conrad und Graham Greene verbinden. Großartig.« The Times»Meisterhaft. Baut auf der Tradition des klassischen Detektivromans auf und funktiniert zugleich auf einer tiefer gehenden, metaphorischen und philosophischen Ebene. Habila besitzt die filmische Fähigkeit, Szenen in das Bewusstsein zu brennen.« Independent»Liest sich wie eine post-koloniale Antwort auf Conrads Herz der Finsternis.« Financial Times

Leymah Roberta Gbowee: Wir sind die Macht
288 S., Klett-Cotta 2012 21,95 EUR
Ein kritischer Blick auf männlich dominante Strukturen und ein eindringlicher Bericht weiblicher Friedens(an)stiftung von der Friedensnobelpreisträgerin 2011.

Nadine Gordimer: Keine Zeit wie diese
498 S., Berlin Verlag 2012 22,99 EUR
Roman. Ein illusionslos- aber nicht hoffnungsloses Bild Südafrikas nach der Appartheid – und eine Parabel auf die conditio humana.

Regina Rinaku: Abenteuer Rajasthan
112 S., Weimarer Schillerpresse 2012 19,80 EUR
„Dieses Land ist daran, sich grundlegend zu verändern“. Abenteuer Rajasthan ist ein mit spitzer Feder geschriebenes Buch über Liebe und Schmerz, über Religion und Mythos, über Sehnsucht und Ankommen. Für dreizehn Teilnehmer einer Reisegruppe und ihren Reiseleiter wird ein Urlaub in Indien zu einer Exkursion in das Herz eines Landes im Wandel – und in das eigene. Abenteuer Rajasthan lädt ein zu einer Reise in ein Land voller Gegensätze und Harmonie. Doch in dieser Reisegruppe herrscht ein unheimlicher Geist… „Ich spüre, wie Shiva sich zu einem Tanz erhebt.“

Alice Pung: Ungeschliffener Diamant
344 S., edition fünf 2012 19,90 EUR
Alice kommt in Australien zur Welt, der neuen Heimat ihrer kambodschanisch-chinesischen Flüchtlingsfamilie. Australien hatte ihr Vater zum Ziel erkoren, weil es dort nicht schneie. Doch abgesehen vom Schnee scheint es hier fast alles zu geben. Vieles, das die Familie kaum versteht, vieles, das sie sehr wünscht und ebenso vieles, das der Tochter nicht zugestanden wird. Mit feiner Ironie und ohne zu beschönigen erzählt Alice vom Aufstieg ihrer Familie in kleinen Schritten und von ihrem schwierigen Aufwachsen in zwei Welten, die verschiedener kaum sein könnten. Leicht und doch gehaltvoll. (Bücher-Magazin).

J. Kreiner: Geschichte Japans
522 S., Reclam Universal Bibliothek 2012 12,00 EUR
aktualisierte Ausgabe 2012

Kai Vogelsang: Geschichte Chinas
Geb, Reclam 2012 39,95 EUR
Eine Geschichte Chinas auf rund 650 Seiten unterzubringen ist ein Kunststück – wenn man wie Kai Vogelsang darauf setzt, China und seine Geschichte nicht als monolithischen Block darzustellen, sondern in seiner Vielfalt und mit seinen Brüchen zur Geltung kommen zu lassen. Kai Vogelsang, Professor für Sinologie an der Universität Hamburg, ist dieses Kunststück gelungen. Die Gesamtgeschichte der alten und neuen Weltmacht bietet neben der chronologischen Darstellung etwa 60 knappe Exkurse zu zeitübergreifenden Themen wie „Seidenstraße“ oder „Mao-Kult“. Mit Zeittafeln, Karten und Literaturhinweisen.

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2012 – Yiwu Liao
Ansprachen aus Anlass der Verleihung

Herausgegeben vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels
112 S., MVG 2012 (erscheint November) 14,90 EUR
Der Stiftungsrat zu Wahl von Liao Yiwu: „Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahr 2012 an Liao Yiwu und ehrt damit den chinesischen Schriftsteller, der sprachmächtig und unerschrocken gegen die politische Unterdrückung aufbegehrt und den Entrechteten seines Landes eine weithin hörbare Stimme verleiht. Liao Yiwu setzt in seinen Büchern und Gedichten den Menschen am Rand der chinesischen Gesellschaft ein aufrüttelndes literarisches Denkmal. Der Autor, der am eigenen Leib erfahren hat, was Gefängnis, Folter und Repression bedeuten, legt als unbeirrbarer Chronist und Beobachter Zeugnis ab für die Verstoßenen des modernen China.“

Jürgen Evensen: Phom rak Khun
270 S., novum verlag 2012 16,90 EUR
Eine Geschäftsreise führt Jürgen Evensen nach Thailand. Die fremde Kultur wird ihm rasch vertraut. Er verliebt sich in Barmädchen und schließlich in Tao, eine Hotelangestellte. Jürgen ist gespalten – zwischen Deutschland und Thailand, zwischen der Ehefrau und der exotischen Schönheit.

Hans-Heinrich Nolte: Geschichte Russlands
576 S., Reclam Universal Bibliothek 2012 12,80 EUR
3. Erweiterte, aktualisierte und bibliographisch ergänzte Auflage 2012

Friso Wielenga: Geschichte der Niederlande
464 S., geb., Reclam 2012 17,95 EUR

MUSIK

The Toure-Raichel Collective: The Tel Aviv Session CD 19,99 EUR
Nahost-Star trifft Savannen-Held: Idan Raichel und Vieux Farka Tourè. Zwischen der Savanne Malis und den Straßenschluchten Tel Avivs vermutet man nicht zwingend eine kulturelle Brücke. Doch wer den israelischen Superstar Idan Raichel kennt, weiß, dass der Rastamann mit der lyrischen Ader schon so manche Bande um die Welt geschlagen hat. Für „The Tel Aviv Session“ trafen er und Produzent Yossi Fine auf den Gitarrenhelden des Wüstenblues, Vieux Farka Tourè, und dessen Musiker. Ergebnis: eine der besten Akustiksessions der letzten Jahre. Die spontane Intensität hat der CD aus dem Stand Vergleiche mit „Talking Timbuktu“ eingebracht, dem legendären Werk von Tourès Vater Ali Farka und Ry Cooder. Im intimen Setting eines Wohnzimmerstudios spinnt das Tourè-Raichel Collective in elf Stücken ein relaxtes und cooles Repertoire aus einem Traumland zwischen ruppiger Sahel-Pentatonik und nahöstlicher Melodiefülle. Verfeinert wurde das Ganze mit Gastauftritten von u.a. der äthiopischen Sängerin Cabra Casey, des Lautenspielers Yankele Segal und Frèderic Yonette an der Bluesharp.

Bernadette La Hengst: Integrier mich, Baby CD 17,00 EUR
Die vierte CD der Agit-Pop-Künslerin. Vier Jahre nach „Machinette“ (2008) und zwei Jahre nach „Sisters & Brothers“ von Die Zukunft hat einem die ehemalige Frontfrau der Band Die Braut haut ins Auge 14 Pophits um die Ohren. Und selten war La Hengsts Handschrift so ausgeprägt wie auf „Integrier mich Baby“ – trotz oder vielleicht wegen der vielen Gäste auf diesem Album. Da treffen Elektro-Beats auf Mariachi-Chansons in lässiger Cumbia-Disco-Manier, postfeministische Botschaften auf leichtfüßige Liebeslieder. Einige der Songs sind für Theaterproduktionen in Hamburg und Freiburg entstanden („Integrier mich Baby“, „Ich bin drüber weg“).

Various: London`s Calling CD 17,00 EUR
Die Crème der Londoner Multi-Kulti-Musikszene präsentiert auf London`s Calling 14 Coverversionen klassischer London-Songs. Die exklusiven Aufnahmen von Bands wie Transglobal Underground und Musikern wie Arun Gosh interpretieren Songs von u.a. The Clash, Billy Bragg, Ralph McTell, Elvis Costello und Lili Allen. Titel: Transglobal Underground/African Boy: London Calling; Holmes, A.J. & the Hackney Empire: A13 Trunk Road to the Sea; Soothsayers: Streets of London; Terra, Lokkhi: A Foggy Day (In London Town); Ionel`s Roma: London is the Place for Me (Roma Version); Aslan, Cigdem / Hello Skinny: Soho; Cumbes: Electric Avenue (Cumbe Version); Jardares Por Fuera: I live in Trafalgar Square; Prado, Katy & Mamboleros: The London Boys (London Girls); Krar Collective: Ldn; Los Desterrados: Yo No Quiero Ir A Chelsea (I don`t want to go to Chelsea; Arun Gosh: London Calling; Lokkhi Terra: Itchycoo Park (Lokkhi Terra Version); Sam Lee & Friends: London Lights

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Worms Verlag
Abt. Onlineshop
Kultur- und Veranstaltungs GmbH,
Von Steuben Str.5, 67549 Worms
Berthold Röth Tel. 06241-2000-314
e-mail: berthold.roeth@kvg-worms.de

Rückblick auf Frankfurter Buchmesse

Oktober 19, 2012

Frankfurter Buchmesse 2012 – Messerückblick

Vor bald 15 Jahren zogen die Comics auf die Buchmesse ein in die Halle 3.0 und der Auftritt wurde immer umfangreicher. In diesem Jahr dagegen war ich sehr verwundert. Zwar existierte das Comic-Forum unverändert, aber wo waren die ganzen Stände ? Nur sehr wenige präsentierten in stark geschrumpfter Form die Comic-Verlagswelt. Der Auftritt daneben von den Kollegen der Kinder- und Jugendbuchverlage, ebenfalls mit bewährtem eigenen Forum, der schon immer recht umfangreich war schien gewaltig angewachsen zu sein. Bislang noch anderswo residierende Kinderbuchverlage haben sich nun ebenfalls zum Gemeinschaftsauftritt entschlossen.

Und mancher Highlight dort gehörte nicht einmal zur Comic-Welt. Am Stand von Panini signierte samstags die türkisch-deutsche Rap-Sängerin Lady Bitch Ray ihr neues Buch „Bitchism“. Ich nahm an der vorherigen Pressekonferenz in einem der Konferenzräume zum Erscheinen ihres Buches teil. Der Medienandrang war gewaltig und die Skandal-Rapperin performte bewusst provokativ. In rosa kostümiert animierten und posteten sich eine ganz Crew junger Mädels während Lady Bitch Ray in eher vulgär erscheinender Weise ihr neues Buch und die neue postfeministische Bewegung „Bitchism“ ins Leben rief. Hinterher Bilder knipsen mit Bitch Ray in einer großen Vagina stehend und dann eine Kurz-PR-Demo durch die Hallen mit „Bitchism“-Sprechchören und Bändern auf denen Freiheit für die in Russland inhaftierten Pussy Riot Girls gefordert wurde. Die dabei verteilten Schoko-Penise mundeten gut und die Bitchism-Kondome fanden reißenden Absatz. Im folgenden Interview mit der Frankfurter Rundschau wirkte Bitch Ray dagegen völlig seriös, vulgär war nichts mehr – nur einige Male sprach sie von verfickter Gesellschaft -, und stattdessen antwortete sie sehr gebildet auf Fragen zu Feminismus, Migration und Sexualität. Sie tritt für die sexuelle Selbstbestimmung der Frauen ein und ihr aktuelles Buch ist trotz der vulgären Szenesprache psychologisch und soziologisch fundiert, verbal explizit und anatomisch korrekt. Ein modernes Aufklärungsbuch für eine bestimmte Szene und ein witziges Gesamtkunstwerk, wo man beim zweiten Blick genau erkennt, dass die Sängerin Linguistik und Germanistik studiert hat.

Aufgrund meines Engagements in Migrationsthemen, bin in Worms über Bündnis 90/Die Grünen Mitglied im Beirat für Migration und Integration der Stadt ließ ich mir die Lesung des sozialdemokratischen Bürgermeister von Neu-Kölln Heinz Buschkowski zu seinem Buch „Neukölln ist überall“ am Vorwärts-Stand nicht entgehen. Dieses Buch wird vorschnell mit dem von Sarrazin verglichen, weswegen auch hier ein zahlreiches Publikum erschienen war. Den Vergleich kann ich nicht nachvollziehen, ein Ausländer-Feind ist Buschkowski jedenfalls nicht. Das Gegenteil schien der Fall und das meiste das er ansprach fand ich recht nachvollziehbar und fand auch meine Zustimmung. Es sind ja Politiker aller Colour auf der Buchmesse anzutreffen, aber diejenigen aus den Reihen der SPD schienen in diesem Jahr gefragter zu sein…. Diesen Eindruck hatte man jedenfalls z.B. auch beim Erscheinen von Andrea Nahles und noch mehr bei Peer Steinbrück, frisch gekürt zum Kanzlerkandidaten und gefeiert als wäre er bereits der neue Kanzler.

Wir als Worms Verlag hatten unseren Stand zum zweitem Mal (dieses Jahr vergrößert) in Halle 3.1. Gleich neben dem „Cafe der Verlage“, das durch unsere Auslieferung Synergia in Darmstadt betreut wird. Dies ist ein sehr ruhiger Ort zum Entspannen auf der Messe und auch um geschäftliche Gespräche führen zu können – eine wahrhafte Chill-Out-Oase. Für die Öffentlichkeit ist das Cafe nicht zugänglich, Bons für Getränke gibt es nur von den beteiligten Verlagen der umliegenden Stände. Natürlich kann die Lesebühne des Cafes von jedermann/frau besucht werden. Dort hatten wir am Publikumssamstag auch eine Lesung zu unserem Buch „Nibelungen – eine sehr originale Geschichte“ mit dem Autoren Mathias Rummel durchgeführt. Der Illustrator des Buches Ralf Nievelstein dagegen war während den gesamten Fachbesuchertagen vor Ort und auch an unserem Stand. Nibelungen gab es insgesamt zweimal auf der Messe, auch Prof. Dr. Joachim Heinzle stellte sonntags in Halle 4.1 ein weiteres seiner vielen Nibelungenbücher neu vor.

Neben den täglichen Lesungen im Cafe der Verlage gab es auch zweimal ein wunderschönes Konzert des kanadischen Sängers Kaya, der gerade auf Deutschlandtournee ist und dessen Konzerte ansonsten in einer Preisklasse um die 25 EUR lagen. Umsonst auf der Messe während eines Cafe-Besuches natürlich ein Highlight. Der Sänger war zum ersten Mal in Europa und ist mit seinem Song „The Alchemist“ derzeit in den US-Radio-Charts bereits unter den ersten 40 Rängen. Seine CD „Born under the Star of Changes“ wird für den deutschen Buchhandel vom MVV Michaels Verlag vertrieben. Mit der Organisation unseres Standes auf der Messe durch unsere Auslieferung sind wir sehr zufrieden. Im Gegensatz zu den meisten anderen Verlagen ist das für uns mit wenig Aufwand verbunden. Wir fahren entspannt zur Messeeröffnung und alles ist bereits aufgebaut, mit Folien beschriftet und das Verlagsprogramm steht bereits in den Regalen. An dieser Stelle deswegen auch nochmals ein großes Lob für diesen Service. Ich – Berthold Röth – war dieses Jahr nicht wie sonst allein auf der Messe, sondern hatte die meiste Zeit Unterstützung durch Katerina Grillaki (Personalabteilung der Kultur- und Veranstaltungs Gmbh, der unser Verlag angegliedert ist) und durch Lisa Hild (der Auszubildenden Veranstaltungskauffrau der Kultur- und Veranstaltungs GmbH). Gerade was die Beispiele der vielen Events auf der Messe angeht ist diese für einen solchen Ausbildungsberuf natürlich sehr interessant. Wir bewarben an unserem Stand (passend zu dem Nibelungen-Buchprogramm) auch die nächstjährigen Nibelungenfestspiele in Worms, deren Anmutung ein wunderbarer Blickfang für unseren Stand war und auch viel Interesse und Nachfrage für die Festspiele erzeugte.

Standnachbar war Leander von Kraft vom Neue Weltsicht Verlag, die machen DVD-Produktionen und haben ein ganz ähnliches Drachenlogo wie wir vom Worms-Verlag. Unser Nachbar zur anderen Seite war Sugata W. Schneider von der „Connection“, der über einen interessanten Fall klagte. Gegen ihn gibt es eine einstweilige Verfügung, weil er seit kurzem für das Cover seines Magazins kreisrunde Titelbilder verwendete und ein anderer Verlag Copyright darauf erhebt. Nervend wie auch kurios.

Das gerade geschilderte Cafe ist überhaupt die Anlaufstelle und Treffpunkt vieler Verlagskollegen und Autoren, mit denen ich seit Jahren gut befreundet bin. Frank M. Schenker vom Allegria Verlag, früher „der“ deutsche Distributor für Weltmusik-CDs und mittlerweile führend tätig im spirituellen Filmgeschäft (Festivalveranstalter) würde unsere Auszubildende direkt übernehmen. Er braucht eine Verlagskauffrau, welche das Management für Künstler, Autoren, Regisseure, Schauspieler wie auch Autoren übernehmen könnte. Ron Engert von dem Magazin „Tattva Viveka“, Stefan Ulbrich vom ARUN Verlag, der mir gleich seine Neuheiten vorstellte. Für beide genannten hatte ich in früheren Jahren gearbeitet. Natürlich Wolfgang Bauer, Volkskundler und Mythenforscher aus Frankfurt, den ich öfter für Vorträge und Lesungen schon in Worms hatte und der als nächstes am 15.11. in Worms einen Vortrag zur russischen Hexe Baba Yaga im Vergleich zu den Hexen in Grimms Märchen halten wird. Holger Kliemannel von der Edition Roter Drache, den ich wie den Autoren Matthias Bröckers nur im Vorbeigehen sah und gar nicht sprechen konnte. Henry Nold , der den Martinus Verlag zum Messeauftritt unterstützt und aus deren Programm auch liest oder Werner Pieper von der Grünen Kraft, ein Urgestein der alternativen Verlagswelt, der medial mit seinem Programm etwas in Vergessenheit geraten ist, obwohl seine Titel unverändert empfehlenswert bleiben. Ich kaufte mir nach der Messe den bei ihm von Tantra-Meister Andro neu erschienenen Titel „Tantrische Sexualtherapie“ Viele viele mehr, die hoffentlich entschuldigen nicht genannt zu sein. Nächstes Jahr dann ganz bestimmt wieder ….

Sehr erfreulich war es nach nur kurzer Zeit Christoph Wackernagel wieder zu treffen, den ich gerade erst für eine Lesung „Der Fluch des Dogon“ (Edition Nautilus) zur Interkulturellen Woche in Worms zu Gast hatte. Da er wegen den Auseinandersetzung in Mali, wo er jahrelang wohnte, dieses verlassen musste planen wir in nächster Zeit enger zusammenzuarbeiten.

Ebenfalls nicht weit der Neue Erde Verlag, deren Autoren ich auch schon öfter für Lesungen nach Worms engagierte. Im Frühjahr z.B. wieder Fred Hageneder, der in einer Kooperationsveranstaltung mit dem B.U.N.D. „Kinder auf in den Wald“ vorstellte, ein ökologisch-pädagogisches Konzept mit dem wir morgens auch an Wormser Schulen waren. Alle zwei Jahre lädt der Neue Erde Verlag Freunde und Geschäftspartner zum Neuen Erde Abend zur Buchmesse ein, zu denen ich seit vielen Jahren gehe um gut Bekannte zu treffen oder auch neue Kontakte zu knüpfen. Verlagsleiter Andreas Lentz bietet dazu im Ökohaus Frankfurt immer ein reichhaltiges Buffet und Abendprogramm. In diesem Jahr spielte die Folk-Weltmusik-Gruppe wie schon vor zwei Jahren Almerin aus der Schweiz. Das ist eine sehr emotionale mitreißend schöne Musik und ein Konzertauftritt in Worms steht sicher bald mal auf der Tagesordnung. Dieses Jahr freute ich mich besonders meine alten Freunde Hermann und Erika Haindl dort anzutreffen, beide viele Jahre nicht mehr gesehen und sie sind inzwischen schon Mitte der 80. Hermann malt unverändert und stellt aus, er wurde bekannt durch sein Haindl-Tarot und Erika erhielt unlängst für ihre Arbeit das Bundesverdienstkreuz. Trotz fortgeschrittenem Alter hält sie noch jährlich feministische Kurse in der Toscana. Verleger Andreas Lentz hatte den diesjährigen Abend damit verknüpft seinen Geburtstag nachzufeiern, er wurde vor kurzem 60 Jahre alt und übergab quasi mit der Eröffnung des Abends den Verlag an seinen Sohn Anselm Lentz.

Nicht weit entfernt der große Gemeinschaftsstand der Arbeitsgemeinschaft kleinerer Verlage (AKV), wo wir, bevor wir mit eigenen Messeauftritt angefangen hatten, jedes Jahr ein oder mehrere Titel unseres Programmes ausstellten und damit auch im jährlichen Aussteller-Katalog waren. Zu deren Happy-Hour-Stunde mit Freibier sind wir dieses Jahr auch nicht hin. Eigentlich sollten wir wie früher – so teuer ist das ja nicht – im nächsten Jahr wieder zumindest einen unserer Titel auch dort präsentieren.

Interessant war der Auftritt des Landes Thüringen in der Halle 3.1. mit viel Information zum Land, seiner Wirtschaft, seinem Tourismus und seinen Verlagen. Bereits in zweitem Jahr traten die thüringischen Ministerien dort auf und stellen ein Novum auf der Messe da. Thüringen ist das einzige Bundesland, das einen Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse unterhält. Für uns interessant als regionaler Verlag, da es auf touristischer Ebene viele Berührungspunkte zu Worms gibt. Erfurt hat wie wir mit seiner jüdischen Geschichte einen Antrag auf Aufnahme in das Weltkulturerbe der UNESCO gestellt, in der begonnenen Lutherdekade weist Thüringen viele Lutherstädte auf (zu denen auch Worms zählt) und gerade das mittelalterliche – über die Nibelungen auch ein Schwerpunkt unseres Verlages – hat über die Wartburg, wo Thüringen mit seinen Minnesängern Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach (Parzifal) aufwarten kann genügend Anknüpfungspunkte wie aber auch Richard Wagner, dessen 200.Todestag im nächsten Jahr auch in Worms bereits ausgiebig mit Veranstaltungen begleitet wird. Vor allem nicht zu vergessen, dass die Stadt Erfurt im Mittelalter bis zuletzt mit Karl Theodor von Dalberg (über die Dalberger sind einige Titel in unserem Verlag erschienen) unter der Hoheit des Mainzer Erzbischofs stand. Das Land Rheinland-Pfalz steht mit der Förderung eines Gemeinschaftsstandes Verlags-Karree der rheinland-pfälzischen Verlage in Halle 4.1 aber nicht an letzter Stelle mit seinem politischen Interesse an der Buchkultur unserer Bundesländer. Das Verlags-Karre wurde von Eveline Lemke, grüne Wirtschaftsministerin in Rheinland-Pfalz, eröffnet. Wir überlegen schon lange ob wir uns dort nicht auch ansiedeln sollten, haben bislang aber nicht die Kapazitäten einen zusätzlichen zweiten Messeauftritt uns leisten zu können. Zudem werden wir auch den für uns attraktiver erscheinenden eigenen Stand in Halle 3.1 nicht aufgeben wollen.

Sehr selbst bewusst und stolz auftreten konnte in diesem Jahr – wobei sie das sowieso schon immer so machen – die Junge Freiheit mit der 1000.Jubliäumsausgabe ihrer Wochenzeitung. Unermüdlich verschenkt von morgens bis Abends auf der anderen Seite der langen Reihe ein Mitarbeiter der Jungen Welt Ausgaben dieser Tageszeitung. Er ist mir seit Jahren vertraut. Beide politisch sehr unterschiedliche Zeitungen beziehe ich zum Vergleich übrigens im Abonnement. Genauso wie der Stand der taz, an dem jedes Jahr Besucher Schlange stehen um einen kostenlosen Kaffee zu ergattern. Alle anderen bekannten Zeitungen sind eigentlich auf der Messe, aber alle dann vier Wochen kostenlos Probe zu lesen, wie ich das in manch früheren Jahren tat, habe ich mir abgewöhnt. Die Zeit dafür habe ich einfach nicht.

Mit vielen der Verlage in Halle 3.1 bin ich recht gut befreundet, aber auch diese alle aufzuzählen wäre zu umfangreich. Vielleicht als Beispiel nur der Psychosozial Verlag, da ich im nächsten Jahr zum Wagner-Jubiliäum eine psychoanalytische Analyse von dessen Ring der Nibelungen in Worms veranstalten will, oder auch Edition Nautilus, deren Autoren ich ebenfalls regelmässig für Lesungen nach Worms einlade.

Im Dienstleisterzentrum in Halle 4.0 bin ich dieses Jahr nur mehrmals im Durchlauf gewesen. Weder mit Barsortimentern noch sonstigen gesprochen, auch nicht die Landesverbände des Börsenvereins besucht. Dafür kam der Geschäftsführer unseres Landesverbandes Klaus Feld persönlich an meinen Stand, um mich und meinen Verlag zu begrüßen. Im November wird in Frankfurt auch die erste Mitgliederversammlung des neuen Landesverbandes Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland sein, wohin ich Peter Karl, einen der Geschäftsführer unserer Auslieferung Synergia mitnehmen werde. Bislang gehörten die ja zu Hessen und ich zu Rheinland-Pfalz. Da sich Synergia über die reine Mitgliedschaft im Verband bislang noch nicht engagierte ist die Zusammenlegung der Landesverbände ein guter Start unsere bisherige Zusammenarbeit auch auf diese Weise zu aktivieren.

An Branchenveranstaltungen in Halle 4.0 habe ich in diesem Jahr nicht teilgenommen. Bei den meisten gab es auch keinen Sitzplatz mehr. Zu einer der Veranstaltungen an der ich teilnehmen wollte (Möglichkeit der Teilnahme war sowieso vorher begrenzt und auf meine e-mail-Anmeldung erhielt ich nicht einmal eine Antwort) fand ich gar nicht den Ort . Es ging um den Workshop „Zwischen Partizipation und Shitstorm – Kommentare im Social Web“ mit Enno Lenze und Alexander Vieß. Zwar bin ich die Halle mehrmals abgelaufen, aber in Reihe D war die 1339 einfach nicht zu finden. Eigentlich sind diese Fortbildungs-Angebote sehr reizvoll, geht es doch beispielsweise um Themen wie man Kunden in seinen Online-Shop bringt, Kooperationsmodelle und Marketingstrategien und vieles mehr in dieser Art.

Ähnlich ging es mir in Halle 4.1, wo ich unter der Reihen und Standnummer vergeblich nach Stroemfeld Verlag Ausschau hielt, da mich deren Editionsverzeichnis zur Nietzsche-Ausgabe interessierte. Einige angegebene Standnummern gab es dort wegen der Lesefläche einfach nicht.

Das Forum der Hörbuch-Verlage in Halle 4.1, das ich in früheren Jahren so gerne besucht hatte, gab es dieses Jahr nicht mehr. Ansonsten blieb der Auftritt der Hörbuch-Verlage unverändert groß. Die Hörbuch-Buchhandlung, die in den letzten Jahren erst eingeführt worden war, gab es ebenso nicht mehr, dafür wurden an allen Ständen Hörbücher während die ganze Woche über direkt verkauft.

Der gesamte Auftritt der Verlage in Halle 4.1 war etwas anders gemischt als früher. Z.B. war der große Taschen-Verlag erstmals in dieser Halle. Den Auftritt von Arnold Schwarzenegger, einer der großen Medienrummel der diesjährigen Messe, habe ich leider verpasst. Sehr viele Verlage der Bereiche Politik und Psychologie, die mir aus 3.1 gutbekannte Kollegen waren, fanden sich nun in diese Halle abgewandert und auch mancher Non-Book-Stand aus dem Branchen-Angebot der Halle 4.0 war ebenfalls dort hin gezogen. Wobei die meisten dieser Anbieter unverändert in Halle 4.0 verblieben waren. Sogar das Azubistro, das Cafe der Auszubildenden der Buchbranche – jahrelang unzertrennlich, da ja auch dort am engsten verzahnt, in der Halle 4.0 (der Halle der Branchendienstleister) angesiedelt – , befand sich plötzlich neu aufgestellt in der Halle 4.1 und ersetzte vom Standort in etwa den Verlust des Hörbuch-Forums.

In der 4.1 gibt es auch einige interessante Lesebühnen, vor allem bei der von der Kurt Wolff-Stiftung geförderten schaue ich gerne vorbei. In diesem Jahr nahm ich an Lesungen vom Milena Verlag teil, welcher die Biografie von Dee Dee Ramone „Chelsea Horror Hotel“ vorstellte, vom Wunderhorn Verlag, der seine Reihe Afrika Wunderhorn präsentierte (über Lesungen für mein interkulturelles Literaturveranstaltungsangebot in Worms bin ich seit einiger Zeit bereits in Verhandlungen) und vom Ulrike Helmer Verlag, deren Verlagsleiterin aus ihrem neuen Buch Muschiland vorlas. Letzteres passte durchaus zum Thema, das zuvor schon Lady Bitch Ray mit ihrem „Bitschism“ präsentierte, war aber aus feministischer Sicht natürlich anspruchsvoller und behandelt vor allem die bei westlichen Frauen begonnenen vaginalen Schönheitsoperationen, die angeblich dem Modestandart entsprechen, aber doch sehr an Genitalverstümmelungen erinnern. Eventuell will ich anlässlich des internationalen Frauentages nächstes Jahr Ulrike zu einer Lesung nach Worms einladen. Zu ähnlichem Thema hatte ich in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten von Worms schon einmal Mithu Sanyal mit ihrer kulturhistorischen Arbeit zur „Vulva“ eingeladen. Mit dem Helmer Verlag bin ich freundschaftlich verbunden seit ich einmal auf einem Fortbildungsseminar der Branche die Presseverantwortliche Inga Pulkert und die für den Vertrieb zuständige Ines Schäfer kennenlernte und wir freuen uns jedes Jahr auf unsere Gespräche bei einem gemeinsamen Kaffee. Überrascht war ich allerdings, dass ich deren aktuelles Programm nicht kannte. Grund war ein Wechsel der Auslieferung und zeigt einmal mehr, dass man manchen Kunden dadurch verliert, weil aus der Auslieferungsadressdatei durch den Wechsel der bislang bediente Kundenstamm gar nicht mehr erreicht wird. In 4.1 ist auch jedes Jahr der Leinpfad Verlag zu finden, rheinhessische Kollegen, mit denen wir durchaus öfter einmal unser Programm absprechen. Manche Autoren erscheinen dann entweder dort oder bei uns im Worms Verlag.

Zum Glück war das traditionelle Lesezelt wieder an seinem eigentlich Platz auf der freien Fläche zwischen den Hallen. Im letzten Jahr war es auf eine Nebenseite, wo es schwerer zu finden und nicht mehr so gut besucht war, geraten. Von dem vielen Angebot dort sah ich mir am Ende eines Messetages Harry Rowohlt an, der aus der neu erschienenen Biografie von Mark Twain las. Diese durfte aufgrund seiner Verfügung erst jetzt hundert Jahre nach seinem Todestag erscheinen und macht natürlich Furore. Ob das Buch wirklich so toll ist, wie Harry Rowohlt es liest mal dahingestellt. Egal was Harry liest, er macht das phantastisch gut und seine Lesungen sind zurecht Kult. Leider abgesagt wurden alle Messe-Lesungen von Jakob Arjouni und seinem Krimi „Bruder Kemal“. Nach zehn Jahren wieder ist der türkische Detektiv Kemal Kayankaya erneut im Einsatz und die Spielerei des Autors mit dem „Kanaken-Image“ ist Kult.

Der Pavillon des Gastlandes „Neuseelands“ über dem ARD-Forum irritierte in diesem Jahr. Etwas abgeschaut vom Island-Auftritt im letzten Jahr waren dort in großem dunklen Raum Videoprojektionswände in einem großen Becken mit Wasser errichtet und Gehwegen mit Sitzplätzen. Fortlaufend wurde dort eine künstlerische Performance zu Neuseeland gezeigt die sicherlich ihre Reize hatte. Allerdings wenn man wie ich beim ersten Mal in der Pause eintrat und sich auf die Plätze setzte konnte man wenig mit der Performance anfangen. Diese war nur wirklich zu sehen, wenn man verspätet eintrat und in der Nähe der Eingangstür verblieb. Nur von dort sah man die vielen verschiedenen Filmprojektionen, die gleichzeitig abliefen und sah auch die eindrückliche Performance eines Neuseeländers, der im Wasser stehend, tanzend und eindrucksvoll bewegend, den Text zu der Vorführung sprach. Die meisten Besucher sahen das nicht und gingen davon aus, die Stimme käme vom Band. Den Abschluss der Performance bildete ein Wasserfall von oben, der beleuchtet den Sprecher völlig durchnässte. Dass so viele Messebesucher vom Neuseeland-Auftritt irritiert waren zeigt im Grunde den großen kulturellen Unterschied. Magisch war das Auftreten Neuseelands auf jeden Fall. Die Messeleitung bezeichnete Neuseeland als das bunteste Gastland das die Messe je hatte. Dessen Literatur ist darüberhinaus sehr interessant. In Vergessenheit geraten wird dieses Gastland sicherlich nicht. Von Robert Sullivan habe ich mir „Sternen-Waka – eine lyrische Maori-Erzählung“ signieren lassen und mit seinem deutschen Verlag Mana Verlag bin ich in Verhandlungen für Lesungen mit neuseeländischen Autoren.

Beeindruckender war da im freien Innenbereich zwischen den Hallen die täglich aufgeführten Tänze und Gesänge der Maori. Eine stattliche Anzahl Männer und Frauen führten diese traditionelle Kultur auf und faszinierten die Messebesucher. Die Männer dabei fast nackt mit beeindruckenden Hintern und vor allem wegen ihren Ganzkörper-Tätowierungen. Archaisch und kriegerisch dieser Auftritt, die Frauen dagegen sehr liebevoll harmonisierend. Es wird auch erzählt, dass eine Gruppe von Nonnen vor Schreck bei dem Anblick dieser Maori sehr schnell die Flucht ergriffen hätten.

Die Gastland-Verlage „Neuseeland“ habe ich dieses Jahr nicht besucht, Halle 6 gar nicht betreten. Dafür mehrmals in Halle 5.1 gewesen, wo auffiel dass Griechenland (in früheren Jahren immer groß vertreten gewesen) durch die Krise in seinem Land immer mehr zusammenschrumpft. Waren es schon 2011 viel weniger Stände, gab es dieses Jahr gar keine eigenen Stände mehr, sondern eine kleinere Gemeinschaftsstandfläche, die sich alle miteinander teilen mussten. Auf der gesamten Messe nahmen die Fachbesucher ja auch um 2000 Besucher ab, im Gegensatz zu einem Zuwachs an den Publikumstagen. Die Messeleitung konnte diesen Fachbesucherrückgang recht genau zurückführen, sie fehlten aus den Krisenländern Spanien, Italien, Griechenland und Portugal. Der Andrang dagegen an den Publikumstagen war so groß, dass die Ordnungskräfte Mühe hatten die gewaltigen Menschenströme im Griff zu behalten. An den Rolltreppen und Halleneingängen entstanden große Schlangen. Zurück aber zur Halle 5.1, wo ich eine Diskussion mit dem brasilianischen Autoren Luiz Ruffato anhörte, da ich für diesen in Worms am 21.11. eine Lesung aus seinem Buch „Es waren viele Pferde“ über die Stadt Sao Paulo (Verlag Assoziation A) organisiere. Brasilien wird nach Neuseeland ja das Gastland der Messe 2013 sein. Zu einer brasilianischen Happy Hour, wo es verschiedene Sorten von Caipirinha kostenlos im Ausschank gab, bin ich zwar hin, aber der Andrang war zu groß um anzustehen. Stattdessen besuchte ich die mexikanischen Stände – Mexiko hatte erstaunlich viele Verlage auf der Messe – , wo es leckeres Essen und Corona Bier gab.

Halle 8, wo sich die englischsprachigen Verlage aus USA und England ansiedeln, habe ich ebenfalls ausgelassen. Als Buchhändler war das früher immer durchaus Pflichtbesuch, aber nunmehr nur für eventuelle Lizenzen, die unser Verlag ja nicht einkauft, interessant. Zudem habe ich auf die übertriebenen Taschen- und Leibesvisitationen für Eintritt in diese Halle auch wenig Lust. Zwar werden überall beim Messeeintritt Taschen kontrolliert, aber in solch extremer Weise wie dort war das auf der übrigen Messe nur auf der Messe direkt nach dem 11.9. World Trade Center Anschlag bislang der Fall gewesen.

Eine Augenweide im dritten Jahr bietet an den Publikumstagen die neue Jugendszene, die sich phantasievoll verkleidet nach japanischen Manga Bewegung auf der Messe präsentiert. Tausende strömen auf die Messe und verbringt die meiste Zeit im Freien zwischen den Hallen. Allerdings war auch feststellbar, dass je mehr an diesem Szene-Event teilnehmen die Qualität und der Anspruch der Kostümierung leider auch nachlässt.

Auf Unverständnis bei den Messebesuchern stieß die Verleihung des Literaturnobelpreises an den chinesischen Schriftsteller Mo Yan. Dieser systemtreue Autor beschwerte sich schon vor Jahren als China Gastland der Messe war, dass auch systemkritische Autoren dort auftraten. Besonders der diesjährige Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels Liao Yiwu kritisierte die Nobelpreisverleihung recht scharf. Die Verlage, die Mo Yan in deutsch veröffentlichen, freuten sich natürlich dennoch und drucken nach.

Fazit: All die Prominenten, die einem täglich zufällig vor die Füße laufen, sind gar nicht aufzuzählen. Wie jedes Jahr reichen fünf Buchmesse-Tage einfach nicht. Man hat viel zu wenig gesehen und erledigen können. Mit manchen Kollegen wollte man auch ausführlicher plaudern und es kam nicht dazu, nicht einmal verabschieden konnte man sich. Und manch eine(n), den man gerne wieder getroffen hätte ( wie Moritz Rinke, den Theaterdramaturgen, der die ersten Wormser Nibelungenfestspiele geschrieben hatte) oder Katja Schneidt (die letztes Jahr aus ihrem „Gefangen in Deutschland“ gelesen hatte) – nur zwei Beispiele von vielen – und mit denen man auf der Messe einfach gerne auch mal nett Kaffee trinkt verpasst man einfach oder findet sich gegenseitig nicht. Auch für die Verabschiedung von Ralf Laumer, der die Branche verlässt, beim Media Kontakt Laumer, für die ich als Rezensent zu Sekt eingeladen war konnte ich aus zeitlichen Gründen dann doch nicht wahrnehmen. Ärgerlicher langsam wird dass ich es seit Jahren nicht schaffe eine sehr alte Bekannte Phoebe Müller, die erotische Romane für Konkursbuch-Verlag schreibt, zu treffen. Sie ist jedes Jahr wie ich auf der Messe, aber wir verpassen uns immer. Dafür gab es immer aber auch die zufällig entstehenden neuen Bekanntschaften, wie z.B. als wir nach der Messe mit unserem Illustrator während einer Geschäftsbesprechung in naheliegender Gaststätte Brigitte Luciani trafen, eine Deutsche die in Frankreich lebt und dort sehr engagiert im Comicverlagswesen tätig ist. In Frankreich haben Comics einen höheren Stellungswert und das vielfältige Angebot übertrifft bei weitem das des deutschen Markts, der obwohl auch längst auf der Messe eingezogen und mit der Kampagne „Graphic Novels“ als neue Bezeichnung zugewinnen konnte immer noch eher stiefmütterlich einzuschätzen ist.

Wehmütig denke ich während den Messegängen an meine frühere Zeit als Buchhändler zurück. Es gibt so viele interessante kleinere Verlage, deren Bücher man in den Sortimenten der Buchhandlungen leider nicht sieht. Dort hat sich, wie ich auf Vertreterreisen schon schmerzlich feststellen musste, ein Allgemeinheitstrend durchgesetzt. Angeboten wird vor allem die Massenware, fast jede Buchhandlung gleicht vom Inventar der vorherigen. Das ist eine traurige Entwicklung und umso mehr rufen mir sehr viele unbekannt bleibende Bücher seit Jahren schon zu: „Verkauf mich! Verkauf mich – bitte“.

Berthold Röth

Wir und die Buchbranche Herbst 2012

Oktober 9, 2012

Blick auf die Branche
Herbst 2012

Verlagsprogramm

Im Sommer sind gleich mehrere neue Titel kurz hintereinander erschienen.

Kunstmappe Heiliger Sand
Eine auf 100 Exemplare limitierte Mappe mit Zeichnungen zum Jüdischen Friedhof, wo wir im Vorverkauf über die Hälfte zu einem Preis von 100 EUR abgeben konnten, brachte recht hohen Umsatz in unsere Bilanzen. Auch im Monat darauf hatten sich unsere Einnahmen durch Zuschüsse günstig verbessert. Der weitere Verkauf von noch ca. 37 Mappen (Pflichtexemplare und Sponsorenexemplare gingen ja kostenlos raus) für 222 EUR ist natürlich vom Preis sehr hoch und der Verkauf vorerst noch schleppend.

Broschüre „Heiliger Sand“
Prinzipiell die Mappe noch einmal in höherer Auflage im Kleinformat. Der VK-Preis beträgt nur 7,50 EUR und ist für touristische Zielgruppe gedacht. Wir sind gespannt, ob wir mit dieser Produktion die Erwartungen auch erfüllen können. Auch hier ist der Abverkauf natürlich langfristig anvisiert.

Fritz von Dalberg
Ein Lesebuch zum 200.Todestag von Fritz von Dalberg für 26,50 EUR ist preiswertig hoch, aber die hohen Produktionskosten und die geringe Auflage rechtfertigen diesen Verkaufspreis. Die Bestellungen, die für den Titel eingehen, sind bislang dennoch recht normal. Zudem ist dieser Titel ein Testlauf Bücher auch einzeln zu bewerben. Wir haben einen Flyer mit Bestellrückantwortkarte gedruckt.

Totengedenkbuch Joseph Oppenheimer
Ist noch rechtzeitig zu den Nibelungenfestspielen „Das Vermögen des Herrn Süß“ erschienen und deswegen auch erstmal gut verkäuflich gewesen. Mit dem VK von 20,80 EUR auch eher günstig. Mit diesem Titel erwarten wir – aufgrund der Erfahrung mit Vorgängertiteln – eigentlich einen langfristig kontinuierlichen Abverkauf.

Viktor Safonski
Ein großformatiger Bildband für 29,95 EUR. Viele Kenner unseres Verlagsprogramm sprechen über diesen Titel von unserem „schönsten“ Buch bislang. Kunstbücher haben sich allerdings bislang bei uns eher schlecht verkauft, aber der Titel wertet unsere Reihe auf und erschließt eventuelle neue Zielgruppen.

Das Vermögen des Herrn Süss
Das Festspielprogrammheft wird über uns immer erst nach dem Abverkauf während der Festspiele angeboten und hat natürlich dann nur noch wenig Abverkauf. Immerhin wurden die Jud Süß-Programme (also das Programmbuch 2011) etwas öfter noch angefragt, als das bei den früheren Nibelungeninszenierungsprogrammbüchern der Fall war. Und das neue Programmbuch 2012 wurde erstmals an Programmbüchern überhaupt in die Kataloge der Barsortimente aufgenommen (allerdings müssen wir aufgrund des geringen Preises dafür 55 % Rabatt einräumen).

Backlist

Je länger ein Titel auf dem Markt ist, desto höher steigt der Barsortimentsanteil. Diese Tatsache wird meist unterschätzt. Wir erwirtschaften mit der Backlist inzwischen tatsächlich mehr Einnahmen als mit unseren Neuerscheinungen. Wobei im 3.Quartal über unsere Auslieferung vor allem die Neuheiten sehr gut liefen.

Marketing und Vertrieb

Werbeanzeigen und Messen

Eine Anzeige für unsere Kinderbuchprodukte in einem großen pädagogischen Katalog haben wir – da wir keine Erfolgsresonanz erzielten – nicht mehr wiederholt. Allerdings sollten wir zweimal jährlich eine Anzeige im Börsenblatt (sind kostspielig) einplanen. Hatten wir bislang nur ein einziges Mal – als am Ende des Jahres noch Überschuss im Etat war – geschaltet. Aber 86 % aller Buchhändler lesen regelmässig das Börsenblatt und 44 % bestellen aufgrund von Anzeigen im Börsenblatt (beim „Buchmarkt“ sind das nur 12 % und beim „Buchreport“ nur 11 %). 83 % der Einkäufer geben an, dass sie durch Börsenblatt-Anzeigen schon einmal auf unbekanntere Titel oder Verlage aufmerksam wurden. Die Börsenblatt-Anzeigen haben ähnliche Wirkung wie die Verlagsvorschau, die wir ja nicht herstellen können. An Kosten für uns hätte das für 2013 bedeutet im Werbeetat 4000 EUR zusätzlich einzuplanen. Erstmals haben wir begonnen einzelne Bücher zu bewerben. Wir haben einen Flyer für das Dalberg-Lesebuch sowie für „Nibelungen – originale Geschichte“ drucken lassen. Letzteres um eine Lesung auf der Frankfurter Buchmesse zu bewerben. Für 2013 sollten wir vermehrt auch auf kleineren Messen unser Programm vorstellen. In diesem Jahr waren wir erstmals auf der Neckarsteinacher Buchmesse, für nächstes Jahr ist diese wie auch neu die Teilnahme an der Buchmesse in Homburg (im Saarland) geplant.

Internet

Google, Amazon, Apple und E-Books

Die Rechtsanwälte der Authors Guild fordern wegen dem Google Settlement, dem Digitalisierungsprogramm von Google, nun pro Urheberrechtsverletzung 750 Dollar. Da rund vier Millionen der insgesamt 20 Millionen eingescannten Bücher noch unter Copyright stehen summiert sich die Forderung auf mehr als eine Milliarde Dollar. Google hatte im Rahmen der gescheiterten Vergleichsverhandlungen nur 60 Dollar pro Titel angeboten.

E-Reader lesen mit ! Amazon, Barnes & Noble, Kobo und andere US-Anbieter analysieren das Leseverhalten der Nutzer für ihre E-Reader. Dabei wird z.B. gemessen, wie häufig ein E-Book gelesen wird, welche Seite zuletzt geöffnet wurde und (speziell bei Amazon) welche Textpassage von den Lesern am meisten geschätzt wird. Die in der Regel von Lesergruppen erhobenen Daten werden vor allem dazu genutzt, die Lesegewohnheit zu erforschen und die E-Books darauf abzustimmen – etwa durch das Einfügen multimedialer Inhalte. US-Datenschützer verlangen, dass die Privatsphäre der Leser geschützt werden muss.

Über die brancheneigene E-Book-Plattform libreka! sind mittlerweile mehr als eine halbe Million digitaler Romane, Fach- und Sachbücher verfügbar. Damit hat man sich die Position als derzeit größter deutscher E-Book-Distributor und digitaler Verlagsauslieferer gesichert. Der Umsatz im ersten halben Jahr: vier Millionen Euro – eine Verdoppelung des Jahresumsatzes 2011.

Die Zahl der Lesegeräte, der Vertriebsplattformen und der verfügbaren E-Books steigt in Deutschland. Große Verlage melden, dass sie mittlerweile zehn Prozent ihres gesamten Buchumsatzes mit E-Books erzielen. Diese Zahlen sind nicht überprüfbar, aber auch die großen Internetbuchhändler bestätigen diese Zahlen, da bei ihnen auch der Anteil 10 % ausmacht. Die Tendenz sei seit Herbst 2011 steigend, was an der Verfügbarkeit vieler unterschiedlichen und technisch einfach handbaren Lesegeräte liegt. Beachten sollte man hier aber auch, dass – wie immer früher ähnlich schon (der Harry Popper-Hype bringt dann plötzlich einen angeblich enorm großen Verkaufserfolg im Jugendbuchbereich, oder Fantasy-Segment – obwohl es nur eigentlich einen Titel betrifft) – innerhalb von wenigen Wochen nach dem Erstverkaufstag es schon mehr als 120 000 Downloads auf den Bestseller „Shades of Grey“ gab. Dieser ist auch weltweit der Verkaufsschlager in Printform, auf deutsch wurden davon 1,2 Millionen Exemplare gedruckt. Aber dass die digitale Version von „Shades of Grey“ so gut läuft hat mit dem Erotik-Genre zu tun. Dieses wird gerne elektronisch gelesen, selbst kleine Verlage machen mit Pornoromanen mehr E-Book-Umsatz als gedrucktem Buch. Der Kundenkreis bewegt sich sowieso auf Sex-Seiten im Internet, ein E-Book-Kauf ist entsprechend anonymer als in die Buchhandlung zu gehen. Also bleibt es weiterhin kritisch zu beobachten, ob plötzlich boomender E-Book-Markt tatsächlich nun stattfindet (oder eigentlich eher weiterhin gar nicht). Die E-Book-Umsätze der Verlage finden nicht im stationären Buchhandel statt, der diese durchaus auch anbietet. Lagen sie 2011 bei insgesamt 1 % des Buchmarktanteils, dürften sie 2012 auf 2 % gestiegen sein. Es ist deswegen eigentlich unverändert unerklärlich, wieso E-Books seit Jahren dermaßen unberechtigerweise so sehr gehyped werden.

Links auf Amazon zu setzen auf Verlagsseiten ist eigentlich tabu, denn das schadet dem eigentlichen Buchhandel. Ansonsten wird zudem über Internetshops der Buchhandlungen nur 1,5 % der Einnahmen erzielt. Solche Bestellungen gehen fast ausschließlich bei Amazon ein.

Sortiment

Weltbild bleibt dem Buchhandel als Gesamtunternehmen erhalten. Die Meldungen eines Verkaufes hatten Ende 2011 wie eine Bombe eingeschlagen. Die angedachten Verkäufe konnten aber nicht realisiert werden. Es zeigt sich dabei aber auch, dass es trotz allem vergangenem Spektakel für die Kirche nach wie vor attraktiv ist, ein Unternehmen wie Weltbild ihr Eigentum zu nennen. Drei Millionen Kundenkontakte sind für die Kirche angesichts ihres Mitgliederschwundes ein Kapital, das erkennbare Reize hat. Die katholische Kirche wandelt ihre Anteile nun in eine gemeinnützige Stiftung um, die Rechtsform einer GmbH bleibt dabei unverändert. Diese Stiftung wird alleiniger Gesellschafter der Verlagsgruppe, mit mehr als 6400 Mitarbeitern (deren Arbeitsplätze nun gesichert bleiben) und 1,6 Milliarden Euro Umsatz. Die Gesellschafter verzichten auf Verkaufserlöse und zukünftige Gewinnausschüttungen. Die Gelder, die der Stiftung zufließen, die sie dann den definierten Zwecken zuführen kann. Die Stiftung soll ausschließlich gemeinnützige, kulturelle und kirchliche Ziele verfolgen. Sextiteln, die den Anstoß zum Verkauf gegeben hatten, sollen bestenfalls nicht mehr vorkommen.

Bestand in der Stiftung sollen auch die Allianzen mit Hugendubel und Holtzbrinck haben. Hugendubel (zu Weltbild gehörend) betreibt 25 Buchabteilungen in Karstadt-Häusern und wird diese künftig reduzieren. Im ersten Schritt werden 7 solcher Buchabteilungen geschlossen. Thalia reduziert genauso weiterhin seine Filialen. Die Zukunft von Thalia erscheint den Branchenbeobachtern derzeit ungewiss.

Nachdem der Rückgang der großen Kettenfilialen eingesetzt hat gibt es einen Trend zur kleinen Inhabergeführten Buchhandlung. Ein kleines und feines Sortiment für gehobene Ansprüche und mit persönlicher Beratung funktioniert wieder sehr gut. Der Trend geht auch dahin solche Buchläden für kreative und soziale Events zu öffnen, als Ort eben, an dem man sich trifft. Empfehlenswert sind Videoleinwände mit guter Musik. Reale Begegnungsorte können auch dem größten Konkurrenten Amazon voraus sein. Natürlich stehen weiterhin die überzeugende Titelauswahl und die kompetente Beratung im Vordergrund, aber man muss auch durch besondere Aktionen auf sich aufmerksam machen. Bei Neugründungen ist ein integriertes Cafe, Veranstaltungsangebote, eigener Webshop und die Vernetzung auf kultureller Ebene mittlerweile Standard. Auch hier konzentriert man sich auf die drei „Ks“: Kontakte, Kreatives, Kultur.

Sonstiges

Umsatzentwicklung

In der Gesamtbranche lag der Umsatzrückgang bei 2,6 %, bei den Buchhandlungen bei
6,1 %. Wir haben im 1.Quartal einen deutlichen Zuwachs verbucht, aber im 2.Quartal weniger eingenommen als im Vorjahr. Damit lagen wir insgesamt in derselben Höhe wie im Vergleich mit dem 1.Halbjahr 2011. Im eigentlichen Sommerloch sah das – da gleich mehrere Neuheiten erschienen sind bei uns dann wieder wesentlich besser aus. Der übrige Handel nimmt durchweg jeden Monat weniger ein als im Vorjahr.

Nach dem Statistischen Bundesamt ist der Buchumsatz im Einzelhandel gegenüber dem Vorjahr um 7,9 % zurückgegangen. Auch die großen Online-Bestellanbieter liegen mit ihrem Umsatz unter dem Vorjahr. Große Sortimenter wie Thalia sind ebenfalls im Umsatzrückgang.

Ladenpreise

Die Deutsche Post will im Herbst prüfen, ob sie das Porto für Inlandsbriefe für 2013 erhöht. Die letzte Erhöhung des Standartbriefes (derzeit 55 Cent) liegt Jahre zurück. Vermutlich wird der Standartbrief ab 1.1.2013 58 Cent kosten. Die Preise für Kompakt- und Großbriefe sowie für Postkarten soll stabil bleiben. Die Gebühr für den Maxi-Brief wird jedoch um 20 Cent auf 2,40 EUR angehoben.

Trotz den stetigen sehr gering steigenden Verkaufspreisen sind die Preise für Bücher nach wie vor zu niedrig. Wenn man inhaltlich gute Bücher verlegt und die Qualität vertritt, muss ein Verleger an ihnen auch ordentlich verdienen. Mit Büchern unter zehn Euro gibt es nun mal sowieso keinen Ertrag. Die Preise steigen zwar, aber zu niedrig und bleiben hinter der Inflationsrate zurück. Die Buchhändler appellieren verzweifelt an die Verleger: Macht die Bücher teurer! Schon viel zu lange werde zu wenig Mut gezeigt, die Preise deutlich anzuheben. Tatsächlich liegen die Bücherpreise hinter dem Anstieg der Verbraucherpreise zurück, werden also trotz den stetigen minimalen Anhebungen dennoch in Wirklichkeit günstiger. Ein, zwei EUR mehr tut keinem Buchverkauf weh. Auch werden alle Verlage gebeten auf die 99 Cent – Endung einzugehen, was die meisten Verlage inzwischen auch im Gegensatz zu uns längst machen.

Frankfurter Buchmesse 2012

Oktober 1, 2012

Wir sind auf der Frankfurter Buchmesse vom 10. bis 14.Oktober 2012 in Halle 3.1, Gang L, Stand 145.

Dort sind wir mit unseren Neuheiten und einer umfangreichen Backlist vertreten.
An unserem Programm interessierte Messebesucher laden wir gerne zu einem Milchcafe beim benachbarten „Cafe der Verlage“ Gang M, Stand 142 ein.
(www.cafe-der-verlage.de)

Am Samstag, den 13.10. liest dort unser Autor Matthias Rummel zum Messeausklang aus dem Buch „Nibelungen – eine sehr originale Geschichte“
Co-Autor und Zeichner Ralf Nievelstein ist in den Tagen zuvor Gast an unserem Stand. Er bringt sehr schöne Postkarten mit Zeichnungen aus dem Buch mit, die für Besucher der Messe kostenlos abgegeben werden.

Natürlich sind auch unsere Neuheiten im Herbstprogramm-Flyer beworben, der auch per e-mail berthold.roeth@kvg-worms.de kostenlos angefordert werden kann.

Wir hoffen, dass zur Buchmesse auch unsere beiden neuesten Bücher rechtzeitig die Druckerei verlassen und angesehen werden können:

„Denk Mal An Wagner“ – Künstler erschufen Werke in Erinnerung an Richard Wagner (19,80 EUR)

„Zwischenwelten – Das Rheinland um 1800“, ein weiterer Band über die Dalbergs (24,80 EUR)

Gerade zuvor neu erschienen war

„Vom Erfinden und Bilden – Fritz von Dalberg zum 200.Todestag. Ein Lesebuch“ (26,50 EUR)

Unser Gesamtprogramm findet sich unter http://www.worms-verlag.de

Ab sofort monatlich ein Verlags-High-Light auch im Newsletter der Kultur- und Veranstaltungs GmbH.
Abonnieren unter http://www.kvg-worms.de