Archive for Dezember 2011

Rezensionen im Heimatjahrbuch 2012

Dezember 31, 2011

Das neue Heimatjahrbuch Worms 2012 ist erschienen. Wie jedes Jahr am Ende des Buches umfangreiche Buchvorstellungen des laufenden Jahres zu Worms und den Nibelungen. Diese Neuheiten stellen wir auch in unserem Blogg.

Worms und Region

Günter Lindner: Schritt für Schritt mit einem Fußgänger auf Tour                    182 S. Li-Verlag 2011, ISBN 978-3-00-034567-8                              19,80 EUR            Als Fußgänger lässt uns Günter Lindner, der von der Stadt Mainz die Gutenberg-Büste (die höchste Auszeichnung für kulturelle Verdienste) erhalten hat und die monatlichen Jour Fixe des Gutenbergmuseums initiierte, unsere Heimat Rheinhessen und Rheingau auf ganz ungewöhnliche abenteuerliche Art erleben. Die hier vorgestellten Touren sind keine gewöhnlichen Wanderwegbeschreibungen, sondern leben vom individuell Erlebten und den Begegnungen mit Menschen auf der Strecke. Sechs Wanderungen sind dargestellt und überaus reich bebildert. Einer der Touren führt von Bodenheim auch nach Worms. Günter Lindner wird 2012 im Nibelungenmuseum mit einem Lichtbildervortrag sein Buch vorstellen.

Volker Gallè: Kunstreiseführer Rheinhessen – Kunst und Geschichte im Hügelland zwischen Worms und Bingen, Alzey und Mainz                                                                     455 S., Leinpfad 2010, ISBN 978-3-942291-03-3                                  24,00 EUR      Der einzigartige Kunstreiseführer ist nunmehr mit seiner 4.Auflage in den regionalen Leinpfad-Verlag übergegangen. Beginnend mit Worms führt Gallè durch Rheinhessen, seine Sehenswürdigkeiten, Persönlichkeiten, seine Sagen und Geschichte. Unverzichtbar für touristisches Reisen, aber auch eine umfangreiche Möglichkeit die Heimat neu zu erschließen.

Heinz Stade / Thomas A. Seidel: Unterwegs zu Luther                                         268 S., geb., Wartburg 2011, ISBN 978-3-86160-196-8                      14,90 EUR             Worms und andere Städte rüsten sich für das Reformationsjubiläum 2017. Für nächstes Jahr plant der Worms Verlag eine überarbeitete Neuauflage der Lutherbroschüre für den Tourismus in Worms. Im Wartburg Verlag ist bereits in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit der Internationalen Martin Luther Stiftung ein Reiseführer zu 50 Lutherstädten erschienen. Der Europäische Tourismusverband unterstützt die Luthertour unter dem Namen „Stätten der Reformation e.V.“ mit großem Engagement.

Sabine Kübler / Irmelin Dörnfeld u.a.: Stachelige Schönheiten                                Rosengärten in Frankfurt Rhein Main                                                                   146 S., Societäts Verlag 2011, ISBN 978-3-7973-1260-0                        14,80 EUR Herausgegeben von der Kulturregion RheinMain GmbH werden zwölf unterschiedliche Rosengärten portraitiert. Das Spektrum reicht von der wissenschaftlichen Rosensammlung im Botanischen Garten Mainz über adelige Gründungen wie im Schlosspark Kronau und auf der Rosenhöhe in Darmstadt, von Rosengärten in der Kuranlage in Bad Nauheim bis zur Sammlung alter Rosen am Rosenhang in Karben. Die Wormser Germanistin Ellen Bender fügt in einem Beitrag auch einen mythischen Rosengarten aus der Sagenwelt bei: Kriemhilds sagenhafter Rosengarten in Worms nach dem Rosengartenlied von 1250.

Nibelungen

Das „Nibelungenlied“ und „Das Buch des Dede Korkut“                                         Imagines Medii Aevie – Interdisziplinäre Beiträge zur Mittelalterforschung         192 S., Reichert Verlag 2011; ISBN 978-3-89500-811-5              59,00 EUR               In Aserbaidschan fand 2009 ein interkulturelles Symposium des Vergleiches des Nibelungenliedes zur ältesten prä-osmanischen Heldendichtung Dete Korkut statt, die sich in der Staatsbibliothek Dresden befindet. Die nun veröffentlichten Beiträge stellen ein Novum für deutsche Forschungen zum Nibelungenlied dar. Behandelt wird neben dem Dede Korkut das römische Erbe im Nibelungenlied, das Nibelungenlied und die Zukunft der Germanistik im globalen Wettbewerb der Kulturen, die Strophik und Melodie des Nibelungenliedes, seine syntaktischen Strukturen, die narrativen Techniken und szenische Gestaltung, sprachliche Besonderheiten und natürlich die Parallelen beider Sagas.

Kai Ehlers / Mario Bauch / Christoph Sträßner: Attil und Krimkilde                    Das tschuwaschische Epos zum Sagenkreis der Nibelungen                                 274 S., geb., Rhombos Verlag 2011, ISBN 978-3-941216-50-1            42,00 EUR          Attil und Krimkilte ist die Geschichte der tragischen, am Ende tödlichen Begegnung mit dem Hunnenzar Attila und seiner schönen Gefangenen Krimkilte, beide bei uns besser bekannt als König Etzel und die Burgunderkönigin Kriemhild. Ihre Geschichte wird hier erstmals aus östlicher, aus hunnischer Sicht erzählt. Der Russlandforscher Kai Ehlers entdeckte das Epos 1992 in den Truhen des tschuwaschischen Nationaldichters Mischi Juchma, wo es die Zeiten der stalinistischen Repression überstanden hatte. Das Epos wurde Jahrhunderte lang im tschuwaschischen Volk von Mund zu Mund weitergegeben und eröffnet uns einen unbekannten Einblick zum Sagenkreis der Nibelungen. Die Kulturen von Asien und Europa verbinden sich in miteinander verwobenen Mythen-, Helden- und Sagenwelt in einer gemeinsamen eurasischen Geschichte.

Tobias Janz (Hrsg.): Wagners Siegfried und die (post-)heroische Moderne       378 S., Königshausen & Neumann 2011 , ISBN 978-3-8260-4234-8     49,80 EUR    Thema eines Hamburger Symposiums war die Figur des Siegfried bei Richard Wagner. Eigentlich hätte Siegfried Parsifal werden sollen, aber der Held des Nibelungenliedes eignete sich in einer Zeit in der auch Friedrich Nietzsche seine Gedanken verfasste als bessere Figur für eine aufkommende Moderne. Alle Beiträge zu benennen wäre zu umfangreich, behandelt werden Heldenfiguren und die Charakteristik bei den Aufführungen Wagners. Für die Nibelungenforschung interessant sind Wagners Vorstellungen von den Nibelungen, die Einblicke in das Mittelalter-Gedächtnis des 19.Jahrhunderts erlauben.

Gunter E. Grimm (Hg.): Nibelungen-Gedichte. Ein Lesebuch                               350 S., geb., Tectum 2011, ISBN 978-3-8288-2365-5                                 34,90 EUR     Prof. Dr. Gunter E. Grimm ist Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Duisburg-Essen und zudem ein Fachmann der Nibelungen-Rezeption. Das vorliegende Lesebuch versammelt Gedichte, die in irgendeiner Weise vom Nibelungenstoff handeln. Die Reihe der Autoren beginnt kurz nach der Wiederentdeckung des Nibelungenliedes durch Jacob Hermann Obereit 1755 mit Johann Heinrich Füssli und endet mit Franz Fühmann. Den Gedichten vorangestellt sind ausführliche Portraits der jeweiligen Autoren. Dr. Grimm hat mit dieser außergewöhnlichen Herausgabe eine wirkliche Lücke geschlossen, da es eine solche Sammlung bislang nicht gab. Auf Einladung der Nibelungenlied-Gesellschaft stellte er sein Buch während den Vorträgen zu den Nibelungenfestspielen 2011 im Nibelungenmuseum vor.

Georg Dattenböck:                                                                                           Heinrich von Hag/Ofterdingen – Verfasser des Nibelungenliedes                            364 S., Verlag Traugott Bautz 2011, ISBN 978-3-88309-640-7                   35,00 EUR  Ausgehend von der Auseinandersetzung mit der Tidrek-Saga und den Arbeiten von Ulrike Ritter, die in Mehring auf eine unbekannte alte Handschrift des Nibelungenliedes gestoßen war, versucht Dattenböck einmal mehr den Dichter ausfindig zu machen. Er vertritt dabei keinen dogmatischen Alleinvertretungsanspruch auf Wahrheit, sondern sieht seine akribische Dokumentation als Gedankenanstöße für die Forschung. Ein überaus umfangreiches Werk zur historischen Geschichte. Worms betreffend vermutet er, dass wenn sich die Urschrift des Liedes in der Bibliothek des Domes befunden hätte, sie mit dem großen Stadtbrand von 1689 verloren gegangen ist.                                                                                 

Bernd Frenz: Das  Blut der Nibelungen                                                                      306 S., Panini 2011, ISBN 978-3-8332-2255-9                                      12,95 EUR                   Fantasyautor Bernd Frenz erzählt die Nibelungensage aus einem völlig neuen Blickwinkel, in dem er die Draugur, die lebenden Toten aus der nordischen Mythologie in den Handlungsverlauf der Geschichte einbezieht. Im Roman wird der Niedergang der Burgunder in ungewohnter Form dargestellt. Es beginnt mit der Erschlagung des Drachen Fafnir durch Siegfried und die Burgunder wissen dass nun dunkle Zeiten anbrechen werden, denn die Legende besagt, dass jeder, der im Drachenblut badet, zum unbesiegbaren Gegner wird. Im Roman sind alle bekannten Charaktere der Nibelungensage enthalten. Siegfried ist auch hier der Held, der sich an der Seite der Burgunder als „Draugar-Schlächter“ den schrecklichen Horden entgegenstellt. Bernd Frenz liest 2012 im Nibelungenmuseum aus seinem Roman.

Bernd Schumacher: Das Nibelungenkomplott                                                          210 S., KBV 2011, ISBN 978-3-942446-02-0                                             9,50 EUR          Bernd Schumacher ist Lehrer, Schriftsteller und Rockmusiker und las mit unterhaltsamen Liedermachereinschüben zum zehnjährigen Nibelungenmuseumsjubiläum aus seinem jüngsten Kriminalroman. Darin verwebt er auf mehreren Zeitebenen die Geschichte des Nibelungenliedes und der Tidreksage (aufgrund der manche Forscher den Ort der  Geschehnisse in der Eifel vermuten) mit einer aktuellen Kriminalgeschichte, die an Stoffe wie den „Da Vinici-Code“ von Dan Brown erinnern.

Judith Merchant: Nibelungen Mord                                                                               386 S., knaur 2011, ISBN 978-3-426-50863-3                                             9,99 EUR     In einer sagenumwobenen Höhle des Siebengebirges, wo Siegfried einst den Drachen tötete, wird eine Frauenleiche gefunden. Inspirationsquelle für dieses komplizierte Verbrechen war das Nibelungenlied. Die Autorin, Germanistin und Dozentin für Literatur, lebt in Königswinter, wo die Nibelungengeschichte mit dem Schloss Drachenburg touristisch vermarktet wird. Auch die Eindrücke von der Nibelungen-Ausstellung der Universität Bonn haben sich vermengt und daraus entstand der Roman.

Wiechmann / Mendez: Dietrich von Bern                                                           Cross-Cult 2011                                                                                        je 22,00 EUR Das herausragende Comic-Meisterwerk von Peter Wiechmann und Rafael Mendez liegt mittlerweile als dreibändige gebundene Gesamtausgabe vor. Der frühmittelalterlichen Tidrek-Saga wird hier mit kraftvoller Auslegung und unverwechselbaren Zeichenstil Gesicht und Gestalt gegeben. Mit epischer Wucht entführen die Bände in die geheimnisvolle Welt der überlieferten Heldenlieder. Zuletzt erschienen sind Bd. 2 „Verrat“ (ISBN 978-3-941248-98-4) und Bd. 3 „Rache“ (ISBN 978-3-941248-99-1)

Francois Craenhals: Roland, Ritter Ungestüm                                                            Cross-Cult 2011                                                                                        je 29,80 EUR Nach über 30 Jahren ist die beliebte an Prinz Eisenherz erinnernde belgische Comic-Jugendserie mit neun Geschichten in einer opulenten dreibändigen Gesamtausgabe wieder erhältlich. Der Knappe Roland erlebt am Hofe des legendären König Artus fantastische Abenteuer, die ihn in alle Gebiete der damals bekannten Welt führen. Im Grunde versucht er dabei seinen Platz im Leben zu finden und der ehrbare und gerechte Mann zu werden, der er immer sein wollte. Aber auch das Herz von König Artus Tochter Gwendoline ist zu gewinnen. In einer der beliebtesten Ritterserie der 70er und 80er Jahre gibt es auch einen Charakter aus Worms. Der germanische Adelsmann Siegbert von Worms wird wegen seiner außergewöhnlichen Statur auch einfach der „Hüne von Worms“ genannt.

Foster & Murphy: Prinz Eisenherz                                                                              Bocola 2011                                                                                               24,90 EUR       Der Bocola-Verlag veröffentlicht seit einigen Jahren die Prinz Eisenherz-Comics von Hal Foster in einer digital überarbeiteten und den Originalfarben entsprechenden Edelausgabe. Da Foster 34 Jahre lang Woche für Woche das Epos gezeichnet hat und erst mit 78 Jahren die Weiterführung an John Cullen Murphy übergab hat sich der Verlag entschlossen die einzelnen Bände parallel herauszugeben. Mit Murphy hatte Foster einen würdigen Nachfolger gefunden. Aktuell liegt nun der dritte Band mit dem von Murphy gezeichneten Jahrgang 1975/1976 vor. (ISBN 978-3-939625-24-7)

Martin Clauss: Die Salier                                                                                          CD, 78 Min., Auditorium Maximum 2011, ISBN 978-3-654-60199-1            12,90 EUR  Wer waren die Salier und was ist von ihnen geblieben? Martin Clauss bietet einen leicht verständlichen Überblick über die Zeit der Salier und ihre historische Bedeutung: vom sprichwörtlich gewordenen Gang nach Canossa bis zum Investiturstreit, der Trennung von Kirche und Staat (Wormser Konkordat 1122) bis zu den Anfängen einer deutschen Geschichte. Fundiert und kompakt. Hörbücher gibt es immer auch als gedrucktes Buch. In diesem Fall bei Primus Verlag für 14,95 EUR (ISBN 978-3-89678-844-3)

Jörg Koch: Joseph Süß Oppenheimer, genannt „Jud Süß“                                Seine Geschichte in Literatur, Film und Theater                                                           154 S., WGB 2011, ISBN 978-3-534-24652-6                                              14,90 EUR Kurz vor den Nibelungenfestspielen 2011 zu „Jud Süß“ erschien diese Dokumentation des Frankenthaler Germanisten Dr. Koch, die ein differenziertes Bild des bekannten Stoffes bietet. Sie macht mit den historischen Fakten bekannt und behandelt die wichtigsten künstlerischen Bearbeitungen. Im Zentrum stehen dabei die Novelle von Wilhelm Hauff, der Roman von Lion Feuchtwanger und die Filme von Veit Harlan und Oskar Roehler. Die Novelle von Hauff ist vollständig im Buch enthalten. Das Schlusskapitel von Joern Hinkel, dem Regieassistenten von Dieter Wedel, widmet sich der Inszenierung bei den Nibelungenfestspielen 2011 in Worms.

Harald Reinl – Der Regisseur, der Winnetou, Edgar Wallace und die Nibelungen ins Kino brachte. Eine Bio- und Filmografie                                                             194 S., geb., Reinhard Weber 2011, ISBN 978-3-9809390-9-6                26,00 EUR  Eine wunderbare Biografie des großen deutschen Kinoregisseurs, dem sich die komplette Filmografie seiner Werke von 1948 bis 1986 anschließt. Begonnen als Heimatfilmer wurde er vor allem bekannt durch Krimis wie Dr. Mabuse und die Edgar Wallace-Reihe, Winnetou wie auch „Die Nibelungen“. Durchgehend viele schwarz-weiß Fotos. Die Filmografie beschränkt sich aber nicht auf eine reine Auflistung. Zu jedem Film gibt es Hintergrundinformationen, Geschichten von den Schauspielern und den Dreharbeiten. Die Nibelungenfilme werden z.B. auf zehn Seiten abgehandelt.

Wormser Autoren

Monika von Krogh: Eifelwind                                                                                    194 S., Rhein-Mosel-Verlag 2011, ISBN 978-3-89801-051-1                         9,90 EUR             Die in der Wormser Innenstadt lebende Autorin hat bereits mehrere Bücher verfasst. Ihr neuester Roman handelt von einer Familientragödie eines siebten Kindes das ganz anders ist und auch anders sieht als die Leute im Dorf. Sein Leben verläuft auch ganz anders als das anderer Menschen. Geboren 1921 erlebt er das Aufkommen des Nationalsozialismus und das was mit dem Angriff auf Polen Geschichte schreibt. Der literarisch anspruchsvolle spannende Roman reicht bis in die Nachkriegszeit.

Klaus Fischer: Der Nibelungen Not , 1933 – 1945                                                      520 S., Battert-Verlag ,ISBN 978-3-87989-413-0                                         19,80 EUR  Die Mutter des Autors reiste 1929 nach Worms um hier die Fastnacht kennenzulernen und verliebte sich in einen Realschullehrer. Ein Jahr später kam Klaus Fischer in der Alzeyer Str. zur Welt. In dieser großen Biografie erzählt er aus dem Blickwinkel seiner Jugend in  spannender Weise wie die Wormser Nachfahren der Nibelungen die Zeit des Dritten Reiches erlebten und überlebten. Immer wieder greift er dabei auf die Nibelungendichtung des Mittelalters bis zu Wagners „Götterdämmerung“ zurück und stellt sie in Verbindung zur Erziehung der deutschen Jugend für den Heldentod des „geliebten Führers Adolf Hitler“.

Zöhre Kurun: Ein Viertel des Lebens                                                                         146 S., Edition Araki 2011, ISBN 978-3-941848-08-5                             9,90 EUR  Zöhre Kurun ist eine Frau, die jeder in Worms zu kennen scheint aufgrund ihrer herzlichen Art mit der sie an ihrer früheren Arbeitsstelle am Info-Schalter im Media-Markt jeden, der hereinkam, begrüßte. Anfang des Jahres ist ihre autobiografische Geschichte erschienen. Nach einer unbeschwerten Kindheit in Anatolien wurde sie zur Familie in Deutschland geholt. Innerhalb der traditionellen Zwänge beginnt mit der ersten Monatsblutung ihre Entmündigung. Es schließt sich die Zwangsheirat an, aus der sie sich nach langem  Martyrium befreit. Zöhre Kurun hat mit den mittelalterlichen Strukturen ihrer Herkunft gebrochen, sie fühlt sich als Deutsche und lebt mittlerweile nach unseren westlichen Werten. Mehrfach und jedesmal gut besucht las sie aus ihrem Buch in Worms, tritt für die Rechte der Frauen ein und ist ein Vorbild für türkische Frauen geworden sich ebenfalls aus der Willkür solcher traditionellen Strukturen zu befreien.

Steven O. Guth: Message Stone – Die Queste                                                           258 S., Edition Araki 2011    , ISBN 978-3-941848-11-5                              14,80 EUR                                                                                         Der frühere Wormser Buchhändler und Heimatjahrbuchautor Georg Dehn veröffentlicht in seinem Verlag in Leipzig den dreibändigen Mystery-Roman von Steven Guth aus Australien. In dieser Trilogie, die auf wahren Erlebnissen des Autors beruht, treten die Gestalten unter den Namen in ihrem realen Leben auf, was besonders denjenigen die sie kennen ein Vergnügen bereitet. Steven Guth, jüdischer Abstammung und in die magische Welt der australischen Traumzeit eingeweiht, reist im zweiten Band der Geschichte um den „Message Stone“, ein heiliger Stein der Zeit und Raum öffnet, nach Deutschland auf den Spuren des Holocaust und Nationalsozialismus. In Form eines Romans analysiert Guth dabei auch den politischen Kult des Nationalsozialismus als magisches Phänomen. Die spannende Handlung, weit besser noch als die einführende Geschichte  im ersten Band, führt durch Deutschland auf den Spuren einer machtbesessenen Elite, die ihrem Größenwahn ein ganzes Volk opferte. Beeindruckend dabei die emotionalen Schilderungen der Eindrücke an Orten wie Ausschwitz, den Externsteinen, der Wewelsburg oder Hitlers Hauptquartier. Der Roman ist bebildert mit Schwarz-Weiß-Fotos, die auch einige seltene Fotografien des Stadtarchives Worms aus der NS-Zeit enthalten.

Susanne Bonn: Der Jahrmarkt zu Jakobi                                                                   336 S., Gmeiner 2008, ISBN 978-3-89977-766-6                                         12,90 EUR Susanne Bonn: Die Schule der Spielleute                                                                    334 S., Gmeiner 2010, ISBN 978-3-8392-1073-4                                         12,90 EUR Die Romane von Susanne Bonn sind mittelalterliche Krimis, die in Worms spielen. Die ermittelnde Hauptfigur ist die Spielfrau Alheit, die im ersten Roman im Jahre 1338 einen Mord an einem Gaukler in Lindenfels aufklärt. Ihr zweiter Roman handelt ein Jahr später 1339 wiederum in Worms, wo sich Fahrende aus allen Teilen Europas zusammenfinden um Wissen und Erfahrungen auszutauschen. Natürlich kommt es auch hier bald zur tödlichen Tragödie. Das mittelalterliche Worms macht sich gut als Schauplatz der historischen Kriminalromane. Susanne Bonn lebt im Odenwald und hat für ihre Romane im Stadtarchiv Worms genauestens historisch recherchiert. Die Spielmannsschule hat es tatsächlich gegeben.

Mechthild Zimmermann / Regina Schleheck: Mordsmütter                                    320 S., ViaTerra Verlag 2011, ISBN 978-3-941970-06-9                             14,95 EUR    Eine Anthologie mit Frauenkrimikurzgeschichten von 29 Autorinnen und Autoren, zu der auch die in Osthofen lebende Antje Fries den Beitrag „Unterer Totpunkt“ beigesteuert hat. Spannend und unterhaltsam zu lesende Geschichten von den bekannten Krimiautorinnen Sabine Deitmar und Ingrid Noll bis hin zu unbekannteren Schriftstellerinnen.

Hartmut Keil / Hans-Peter Ranz: Kumm, geh fort!                                                    80 Anekdoten und Schwänke aus Worms                                                                   120 S., Iatros 2011, ISBN 978-3-86963-030-4                                             13,90 EUR  Der bekannte Wormser Mundart-Schreiber Hartmut Keil veröffentlicht zusammen mit Hans-Peter Renz Anekdoten und Schwänke mit Worms-Lokal-Bezug über Wormser Persönlichkeiten, die nicht in Vergessenheit geraten sollten. Das Buch ist – von Beispielsätzen abgesehen – nicht in Mundart verfasst und bereitet beim Lesen jede Menge Spass.

Volker Gallè: Flügelschlag des Raben                                                                       94 S., Geest-Verlag 2010, ISBN 978-3-86685-274-7                                   11,00 EUR       Worms-Verlagsleiter und Kulturkoordinator der Stadt Volker Gallè ist auch als Mundartliedermacher viel unterwegs. Weniger bekannt sind seine Gedichte, die hier in einer Auswahl vorgestellt sind. Es sind keine eingängigen Werke, sie bedürfen des Innehaltens und emotionalen Einlassens. Gallè führt den Leser in eine reichhaltige Gedankenwelt, im Nachwort erläutert er seine Ansicht zu Poesie. Belehrend wird er in seinen Gedichten nie, wie zwei Beispielszeilen aufzeigen: „doch scheue ich den priester- und den herrenton. die freiheit will ich: frei sei jedermann!“

John von Düffel: Goethe ruft an                                                                              324 S., Dumont 2011, ISBN 978-3-8321-9649-3                                          19,99 EUR  Der Dramaturg am Deutschen Theater Berlin und Professor für Szenisches Schreiben an der Berliner Universität der Künste ist in Worms vor allem durch seine Mitarbeit bei den Nibelungenfestspielen bekannt. Dort schrieb er u.a. „Das Leben des Siegfried“, die Verwechslungskomödie und neue freie Version des Stoffes. In der Literatur ist der Nicolas-Born-Preisträger vor allem aufgrund seiner Romane „Houweland“ und „Hotel Angst“ bekannt geworden. Sein neuer Roman ist nunmehr auch eine Komödie. Natürlich ruft nicht Goethe an, sondern ein Charakter der in der Literaturwelt das Format eines Goethe hat. Der Roman  ist eine rasante und charmante Jagd nach dem Geheimnis des Erfolgs.

Max Otte: Stoppt das Euro-Desaster                                                                               50 S., Ullstein 2011, ISBN 978-3-550-08896-4                                               3,99 EUR     Der Professor für BWL an der FH Worms sah schon 2006 die globale Finanzkrise voraus und sein Buch „Der Crash kommt“ stand monatelang auf der Bestsellerliste. In dieser kleinen Streitschrift stellt er die von Hochfinanz und Politik verlogenen Diskussionen um Griechenland und den Euro vor und fordert klare Finanzregeln, die Staatsinsolvenzen zulassen und auch den Austritt aus der Euro-Zone ermöglichen. Vor allem fordert er die Beteiligung der Hochfinanz an der Behebung der von ihr selbst hervorgebrachten Krisen anstatt auf Bürgerkosten zu spekulieren und unser Geld und Land zu ruinieren.