Bericht Worms Verlag Oktober 2011
Der Worms-Verlag ist von seinem Hauptanspruch ein „Regionalia“-Programm. Damit besetzt er als kleiner Verlag eine Nische, die ihm große Verlage von vorneherein auch gar nicht streitig machen. Diese Nische enthält natürlich großes Potential, das noch nicht komplett ausgenutzt ist, aber stetig wächst.
Der Verlag handelt nicht gewinnorientiert, was er als städtische Einrichtung auch gar nicht sein kann. Deswegen finden sich im Programm nicht unbedingt gut verkäufliche Bestseller, welche in der Titelplanung auch gar nicht nach diesem Kriterium ausgewählt werden. Der Verlag steht nicht in Konkurrenz zur übrigen Verlagswelt. Ganz im Gegenteil werden Titel produziert, die aus städtischer Sicht notwendig sind, die aber kein wirtschaftlich orientierter Verlag produzieren würde. Falls doch nur über sehr hohe Zuschüsse von Seiten der Stadt, so dass der Schritt zu einem Verlag in eigener Zuständigkeit insgesamt finanziell günstiger ausfällt als diese Zuschüsse zahlen zu müssen und bei jedem Einzeltitel darüber lange Verhandlungen führen zu müssen.
Dass auf lange Sicht solche Titel dennoch gefragt sind und kontinuierlich Bestellungen verpackt und an den Buchhandel wie im geringerem Maß auch an Einzelkunden verkauft werden unterstreicht die positive Fortentwicklung des Verlages.
Der Worms Verlag pflegt eine umfangreiche Backlist. Bis auf wenige vergriffene Titel sind alle Veröffentlichungen lieferbar gehalten und werden bei Bedarf nachgedruckt. Bislang fanden noch keine Ladenpreisaufhebungen statt, es wurden somit keine Bücher in den Ramsch gegeben. Gerade diese umfangreiche Backlist macht das Verlagsprogramm für den Handel attraktiv und sorgt für Umsätze, denn im Gegensatz zu den Anfangsjahren des Verlages – wo Neuproduktionen sich nur bei Erscheinen gut verkauften und dann ohne weitere Nachfragen im Lager stapelten – ist mittlerweile der Verkauf der Backlist in kontinuierlich stetigen Zahlen gleichbleibend. Im Schnitt bewegt sich der Backlistverkauf in Vorjahreszahlen. Allerdings erhöht sich die Nachfrage nach älteren Nibelungen-Symposienbänden und auch einer der ersten Verlagstitel „Siegfried – Schmied und Drachentöter“ erfuhr eine Abverkaufsteigerung. Das starke umfangreiche Backlistprogramm ist inzwischen das Rückgrat unseres Verlages. Auch in vergleichbaren Verlagen dauert es mitunter zwei bis drei Jahre bis ein Titel nach seiner Veröffentlichung seinen Weg in den Markt gefunden hat, dann aber plötzlich hohe Auflagen erreichen kann. Jeder unabhängige kleine Verlag – der nicht auf Bestseller aufgestellt ist – arbeitet ganz bewusst mit der Backlist und setzt so auf dauerhafte Qualität. Der Worms-Verlag wandelt sich von einem Kleinverlag zu einem mittleren Verlag, was dieser immer umfangreicheren Backlist zu verdanken ist. Dieses breite Angebot bildet den Kronschatz des Verlages.
Zudem hat es sich bewährt die Verkaufspreise leicht anzuheben und da die Erfahrung gezeigt hat, dass auch höherpreisige Titel den Abverkauf nicht mindern wird diese Praxis fortgeführt. Dadurch können künftig die Kosten aufgrund höheren Einnahmen gemindert werden.
Der Verlag ist mittlerweile eine Institution, die innerhalb der Ämter und Verwaltungen der Stadt Worms, nicht mehr wegzudenken ist. Dadurch kommt es zu immer mehr Kooperationen bei Titelproduktionen. Beispielsweise veröffentlicht inzwischen das Stadtarchiv viele seiner Bücher nicht mehr in Eigenproduktion, sondern nutzt den Worms-Verlag als Vertrieb, auch mit der Stadtentwicklung oder den Hafenbetrieben wurde in solcher Form kooperiert. Der Worms Verlag kann also in Zukunft immer mehr auch mit fremdfinanzierten Produkten rechnen, die den Etat nicht belasten und das Gesamtverlagsprogramm erweitern. Für die Kooperationspartner wiederum ist ein verlässlicher Vertrieb gewährleistet. Für diesen Vertrieb erhält der Verlag von seinen Partnern Abverkaufsbeteiligung, die erst nach Verkauf fällig wird. Der Anteil, der dem Verlag zugute kommt, ist mittlerweile auch höher als in der Anfangszeit solcher Kooperationen.
Zunehmend nutzen auch andere den Verlag um auf eigene Kosten Titel zu produzieren, weil ein Vertriebssystem besteht, das selber nicht zu stemmen wäre und der Worms-Verlag immer bekannter wird und einen guten Ruf inzwischen genießt. Die Gewinne für den Verlag sind in diesen Fällen dieselbe Abverkaufsbeteiligung wie in den vorgenannten innerstädtischen Fällen (Stadtarchiv, Ämter, Hafenbetriebe, Nibelungenfestspiele). Beispiele: „Die Nibelungen – eine originale Geschichte“, „Der Nibelungensteig – Wanderweg durch den Odenwald“, „Paul Wans – Kunstbuch“. Als Nibelungenbuch-Verlag ist der Verlag überregional inzwischen „der“ anerkannte Fachverlag. Das Logo und der Verlagsname machen dabei zudem eine nicht zu vergessende Werbung für die Stadt Worms, gerade am Beispiel des genannten „Nibelungensteig“-Titels kann aufgezeigt werden wie interessant eine Veröffentlichung im Worms-Verlag für manche Partner wichtig sein kann. „Der Nibelungensteig“-Bildband wurde zweimal der Presse präsentiert – in Worms und im Odenwald und in beiden Fällen wurde auf politischer Ebene betont, dass dies ein Ergebnis des Kooperationsvertrages der Stadt Worms mit dem Nibelungenland sein. Das Presseecho auf dieses Buch war enorm – auf vielen Internetseiten und vor allem in der Presse des Odenwalds wurde in langen Artikeln darüber berichtet. Deswegen ist ungeachtet, dass der Verlag daran nur verdienen kann und keine Kosten hatte, die Nachhaltigkeit als Werbung für die Stadt hervorzuheben. „Bewusst wurde der Worms Verlag für die Herausgabe gewählt: bei der offiziellen Bildband-Vorstellung durch Berthold Röth vertreten. Zum einen sollte einem regionalen Buchverlag der Vorzug gegeben werden, zum anderen hängt die Stadt Worms eng mit den Nibelungen zusammen. Allein im Logo des Verlags, der einen Drachen zeigt, wird die Verbindung zum Nibelungen-Thema hergestellt“ (Presse Odenwald). Auch viele Bürgermeister aus dem Odenwald und Kommunalpolitiker waren bei der Vorstellung anwesend. Bei Präsentationen halten Gemeinde- und Landratspolitiker Reden und betonen die Wichtigkeit für sie in einem Verlag der Stadt Worms publiziert zu haben. Die Zusammenarbeit mit dem „Nibelungenland“ wird sich in Zukunft noch ausweiten, weitere Titel herauszugeben ist bereits anvisiert.
Auch gibt es genügend Titel, die zwar vom Verlag selbst finanziert und produziert sind, für die es aber ebenso Zuschüsse für die Herausgabe von außerhalb gibt. Beispiele dafür sind Bücher wie „Stolpersteine“ (die Verlegung der Steine an jüdische Opfer der NS-Zeit), „Rheinhessische Gemeinden im Nationalsozialismus“ – wo dann Organisationen wie Warmaisa, die Landeszentrale für politische Bildung oder auch die Gedenkstätte Osthofen Zuschüsse zahlen. Jüngstes Beispiel für dieses Segment ist der Titel „Ausländische Zwangsarbeiter in Osthofen“, finanziert und herausgegeben von der Stadt Osthofen.
Der Abverkauf des für Worms wichtigen „Heimatjahrbuches der Stadt Worms“ hatte sich auf eine bestimmte Abnehmerzahl eingependelt, die sich nicht wesentlich änderte. Mit dem Jahrbuch 2011 gingen die Verkaufszahlen hoch, aber die Umsätze blieben gleich, weil inzwischen weniger Endkundenverkauf stattfindet. Interessenten kaufen vermehrt über Wiederverkaufsstellen.
Umsatzentwicklungen
In den letzten Jahren waren Quartalsumsätze im Verlag sehr wechselhaft verlaufen. Die gesamte Buchbranche hat seit einigen Jahren erheblichen Umsatzrückgang, was im Vergleich zum Worms-Verlag bislang noch nie in deren Höhe war. Zwar verzeichnete auch der Worms-Verlag 2008 – 2010 Umsatzrückgänge, diese begründeten sich allerdings in Projekten wie z.B. dem „Rhein-Neckar-Führer“ der Metropolregion, der – da ausverkauft – im Folgejahr dann nicht mehr einen hohen Ausnahmeertrag bringen konnte. Solch scheinbare Rückgänge waren gewissermaßen keine eigentlichen Rückgänge.
Inzwischen läuft der Worms-Verlag sehr deutlich gegen den allgemeinen rückläufigen Trend der Umsatz- und Absatzentwicklung des Buchhandels. Seit dem 4.Quartal 2010 liegt der Verlag in Folge mit Umsatzplus komplett gegen den Trend. Im ersten halben Jahr 2011 hat der Worms-Verlag entgegen den Rückgängen der Branche sogar satte 60 % Umsatz zugelegt In der Buchhandelswelt haben nur die größten Verlage auch die großen Erfolge, davon ist der Worms-Verlag weit entfernt, aber die steigenden Umsätze zeigen, dass das Potential noch nicht ausgeschöpft ist und die Werbe- und Vertriebsmaßnahmen erfolgreich verlaufen.
Seit Sommer 2010 sind wir einer Verlagsauslieferung angeschlossen, was sich auch in zusätzlichen Abverkäufen niederschlägt.
Allein durch Produzieren verkauft sich noch nichts, es muss auch Werbung gemacht werden. Für 2012 ist vorgesehen den Werbeetat zu erhöhen, da dass eine Notwendigkeit darstellt. Das wäre aber immer noch im unteren Bereich der Werbeausgaben vergleichbarer Verlage.
Seit Herbst 2010 erstellen wir halbjährlich ein kleines Verlagsverzeichnis. Verlagsvorschauen wie bei anderen Verlagen können wir nicht erstellen. Titel bei uns erscheinen – aufgrund Anfragen von fremdfinanzierten Kooperationen – mitunter ohne eingeplant zu sein oder verzögern sich. Seit Herbst 2011 kennzeichnen wir in unseren Verzeichnissen allerdings die Neuheiten. Der kleine Werbeetat erlaubt nur Werbeausgaben auf niedriger Ebene, allerdings werden seit 2010 auch gezielt wenige Anzeigen in Branchenfachzeitungen geschaltet und 2011 beteiligte sich der Verlag erstmals an einem Gemeinschaftsstand mit seinem Verlagsprogramm auf der Frankfurter Buchmesse.
Der Verlag ist im Internet www.worms-verlag.de vertreten sowie im Web 2.0 auf den Social Media Seiten (Facebook, Twitter und Blogg).
Der Verlag beschäftigt keine Vertreter, die Buchhandlungen bereisen und den direkten Kontakt zum Sortiment pflegen. Eigene Vertreterreisen, die früher durchgeführt wurden, können zeitlich und personell nicht mehr geleistet werden.
Ein Verlag braucht gute branchenübliche Vertriebserfahrungen. Der Vertrieb ist nun mal im Verlag das A und O. Dadurch ist die Personalstelle durch einen erfahrenen Verlags- und Sortimentsbuchhändler ideal besetzt.