Buchneuheiten Avantgarde, Underground, Trash Nr. 8

September 2, 2013

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Friedrich Glauser: Die Briefe Band 1 und Band 2
Band 1: 1911 – 1935
Band 2: 1935 – 1938

1600 S., TB, Unionsverlag 2013 28,95 EUR
Friedrich Glauser wurde 1896 in Wien geboren. Er war später morphiumsüchtig, verbrachte Jahre in der Fremdenlegion und nahm teil an der Dadaismus-Bewegung in Zürich. Er starb 1938 in Nervi bei Genua. Mit der gleichen Intensität, mit der er seine berühmten Kriminalromane schrieb, schrieb Friedrich Glauser zeitlebens Briefe. Seine ganze Angst und Not bringt er darin zum Ausdruck, aber auch seinen Reichtum an Hoffnungen, an Zärtlichkeit, an präzisen Beobachtungen. Die über 600 Briefe an Freunde, Zeitgenossen und Geliebte, an Behörden, Verleger und Ärzte sind ein einzigartiger Spiegel seines Lebens und Überlebens. Die Edition von Bernhard Echte und Manfred Papst ist hier mit allen Dokumenten und Kommentaren wieder zugänglich und erscheint erstmals im Taschenbuch.

Friedrich Glauser: Wachtmeister Studer – Die Fieberkurve – Matto regiert
480 S., geb., Marix Verlag 10,00 EUR

Franziska zu Reventlow: Von Paul zu Pedro
128 S., geb., Edition Ebersbach 2013 15,80 EUR
Fanny zu Reventlow, geboren 1871 in Husum, gestorben 1918 in Ascona, wurde schon in ihrer Kindheit und Jugend zum Skandalon, wie auch später im Kaiserreich, denn Franziska zu Reventlow stellte mit der Radikalität ihres Lebens alle Regeln der wilhelminischen Gesellschaft in Frage. Und so sehr sie aufbegehrte und rebellierte – mit ihrem Körper und ihrer gesamten Existenz – , so sehr blieb sie in ihrer Ablehnung alles „Politischen“ in der bohemehaften, vereinzelten Existenz der nicht standesgemäßen Frau Spiegelbild ihrer Zeit. Sie ging nach München, nach Schwabing und stürzte sich in das Leben mit Malern, Literaten, Lebenskünstlern, in zahlreiche Freundschafts- und Liebesbeziehungen. Ihr Frauenbild ist geprägt von ihrem bohemehaften Leben wie auch von der Gedankenwelt der Kosmiker, einer parareligiösen Intellektuellengruppe in München um die Wende vom 19. zum 20.Jahrhundert. Zum Freundes- und Lebenskreis der Kosmiker gehörte auch Ludwig Klages, die große Liebe ihres Lebens. Das hindert sie jedoch nicht daran, sich auch mit anderen Männern einzulassen. Sie gibt sich teils amüsiert, teils fasziniert der Verehrung der Kosmiker hin, die das rauschhafte Leben der griechischen bzw. römischen Antike beschwören, darin Frauen zu heidnischen Hetären verklären und auf ein anti-intellektuelles Rollenbild festlegen. Die Ereignisse dieser Zeit beschreibt sie nicht im vorgestellten Buch, sondern in ihrem Roman „Herrn Dames Aufzeichnungen“ von 1913. 1910 geht sie mit Hilfe des Anarchisten Erich Mühsam nach Ascona. Dort schreibt sie ihren Roman „Von Paul zu Pedro“, dem noch einige Romane folgten. In „Von Paul zu Pedro“ finden sich eine Reihe von Männern portraitiert, eine Typologie von Männercharakteren, in der zeitgenössische Frauenbilder mit ihren männlichen Entsprechungen konterkariert werden. So wird dem „Süßen Mädel“ „Paul“ entgegengestellt, der „femme fatale“ der „Fremde Herr“, der „femme fragile“ die „Begleitdogge“. Außerdem entwirft Reventlow mit dem „Retter“ und mit „Pedro“ Gestalten, in denen sie männliche Besitzansprüche und den täglichen Sexismus karikiert. In den Bildern der „himmlischen“ und der „irdischen“ Liebe, denen die Frauen häufig zugeteilt werden, wird die bürgerlich-patriarchalische Doppelmoral scharf kritisiert. Ihr entgegengehalten wird eine eigene weibliche Existenz als Bohemienne, die auf Reisen geht, in Cafes sitzt und über das rauschhafte Leben plaudert. Das alles ist immer noch aktuell, weil hier Beziehungen zwischen Frauen und Männern verhandelt werden, mit denen wir auch heute zu tun haben. Ob es die Reflexionen über die Ehe sind, über Treue, über mehrere Liebespartner oder -partnerinnen, über das Verhältnis zwischen Intellektualität und Erotik, über Dauer und Flüchtigkeit von Liebe, über die Phänomenologie von Weiblichkeit und Männlichkeit. „Von Paul zu Pedro“ kann auch gelesen werden als Beitrag zur Gender-Diskussionen, zu Diskussionen über Zweierverhältnisse und polyamouröse Liebesbeziehungen. Und als Lektüre, die zeigt, dass die erbitterte Diskussion über Gender und Geschlecht, über Macht- und Liebespolitik, auch eine hundertjährige Geschichte hat, der eine witzige und ironische Darstellung der Sachverhalte durchaus guttut. Sie kann nützlich sein, um sich im Dschungel von widerspruchsvollen Diskursen zwar rettungslos zu verirren, das aber nie ohne Vergnügen und Selbstironie.

Christiane Weber: Lyonel Feininger genial – verfemt – berühmt
Weimarer Verlagsgesellschaft 2013 10,00 EUR
Lyonel Charles Adrian Feininger wurde 1871 in New York geboren, wo er auch 1956 starb. Er studierte in Hamburg und Berlin Malerei. Er wirkte am Bauhaus von 1919 bis 1932 als Lehrer und stand der Bewegung des Blauen Reiters sehr nahe. 1937 kehrte Feininger in die USA zurück, nachdem die Nationalsozialisten seine Bilder als „entartet“ deklariert hatten. Die Autorin Christiane Weber, Kulturredakteurin der Thüringischen Landeszeitung, folgt kenntnisreich den Spuren Feiningers und seinem künstlerischen Schaffen und stellt dabei vor allem seine Weimarer Zeit in den Mittelpunkt ihres Buches. Eine Beschreibung des Feininger Radweges durch das Weimarer Land mit Besuchen bedeutender Feininger-Stationen rundet dieses anschauliche Buch ab.

Thomas Koebner: Roman Polanski. Der Blick des Verfolgten. Eine Biografie
280 S., Fotos,, geb., Reclam 2013 24,95 EUR
Eine Würdigung des großen Regisseurs zum 80.Geburtstag am 18.August 2013. Biografie und Gesamtdarstellung seines Werks in einem. Filme von Roman Polanski haben selten ein Happy End, aber sie baden nicht in Lust an der Katastrophe. Irgendein Teufel steckt am Ende doch den Kopf aus der Hölle, das Böse fährt selbst in die Vampirkomödie mit dem ahnungslosen Professor Abronsius in die Welt hinaus, was Menschen angetan wird, das lässt sich nicht rückgängig machen. Die Konstellation von Verfolger und Verfolgten, Macht und Ohnmacht prägt alle großen Filme des Regisseurs, und eines bleibt immer gleich: Polanski sieht die Welt durch die Augen der Opfer, der Unschuldigen, der jedenfalls an den Katastrophen nicht schuldigen. Gerade weil Polanski seine eigenen Kindheitserfahrungen stark verfremdet, von Masken verhüllt in sein Werk hat einfließen lassen, rundet es sich doch aufs Ganze gesehen inzwischen zu einer Art „großen Konfession“. Kaum einem Künstler seiner Generation ist so viel Ruhm und Glück zuteil – und keinem sind in seinem Leben so tiefe Wunden geschlagen worden. Die große Biografie zum 80.Geburtstag nimmt die wechselvolle Lebenserfahrung und das vielgestaltige Werk zusammen in seinen Blick und lässt es sich wechselseitig erklären.

Corey Taylor: Etwas Komisches geschah auf dem Weg in den Himmel
288 S., zahlr. Fotos, Pb., Hannibal 2013 (erscheint September) 19,99 EUR
Gruselig! Corey Taylor über Geister und Spukerscheinungen. Der Rockstar schreibt über seine paranormalen Erlebnisse. Solch ein Buch hat es von einem Rockstar bislang noch nicht gegeben: Corey Taylor nimmt den Leser mit auf eine Reise in übersinnliche, paranormale Welten. Gibt es wirklich Geister? Spukt es in alten Häusern? Corey Taylor sagt ja, denn er war selber oft dabei. Viele übernatürliche und unerklärliche Situationen hat Corey Taylor selbst erlebt, zum Beispiel im „Cold House“. Gemeinsam mit Wissenschaftlern und Amateurforschern ging er diesen Phänomenen nach. Einfach nur verrückt – oder steckt mehr dahinter? Zum zweiten Mal nach seinem Debüt „Die sieben Todsünden“ erlaubt Corey Taylor einen Blick hinter die Kulissen seines aufregenden Lebens als Musiker, Frontmann, Sänger und Texter der Band Slipknot und Stone Sour. Kaum eine Band wird so kontrovers diskutiert wie die amerikanische Nu-Metal- und Alternative-Metal Formation Slipknot. In der Öffentlichkeit tritt die Band in einheitlichen Overalls auf, nur die gruseligen Gesichtsmasken, ihr Markenzeichen, sind individuell gestaltet. Der Name ist Programm: „Slipknot“ ist das englische Wort für den Henkersknoten. 2006 gewann Slipknot einen Grammy für die beste Heavy Metal Performance, insgesamt war Taylor zehnmal bereits dafür nominiert. Das martialische Auftreten ist keinesfalls nur Fassade, es spiegelt auch den echten Lebenswandel der Band wider: Mit nur 38 Jahren wurde Bassist Paul Gray am Pfingstmontag 2010 tot in einem Hotelzimmer im US-Bundestaat Iowa aufgefunden. Er starb an einer Überdosis Drogen und Medikamente. Taylor ist gleichzeitig auch Sänger und Gitarrist der Band Stone Sour, die – im Gegensatz zu Slipknot – eher melodischen Hardrock spielen. Sein Spektrum reicht hier von melodisch-klarem Gesang bis zu dem Slipknot-typischen „screaming“ und „growling“. Taylor ist berühmt für seine mitunter verstörende Bühnenshow. Sein ausschweifendes Leben ist geprägt von Exzessen jeglicher Art. In seinem ersten, ebenfalls autobiografischem Buch geht es um die von der Kirche festgeschriebenen „sieben Todsünden“: Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit. Taylor beschreibt, wie er selbst zu diesen Sünden steht und wie er mit diesen umgeht. In seinem neuen Buch erzählt er wieder eine spannende autobiografische Geschichte, diesmal über Geistwesen und Spukerscheinungen. Hochspannung garantiert! Vor seiner musikalischen Karriere arbeitete er in einem Sexshop, seit 2001 schreibt er für das englische Magazin Rock Sound eine monatliche Kolumne.

David Buckley: Kraftwerk: Publikation
400 S., mit Abb., geb., Metrolit 2013 (erscheint November) 22,99 EUR
Die erste umfassende und vollständig recherchierte Biografie der Band mit zahlreichen neuen Quellen und noch nie erzählten Anekdoten. Buckley führte unzählige Interviews mit Bandmitgliedern, Musikern, Musiktheoretikern. Es gelingt ihm ein einzigartiges Portrait der Band, die Elektropop erfand.

Tobias Rüther: Helden. David Bowie und Berlin
222 S., 18 Fotos, geb., Rogner & Bernhard 2013 19,90 EUR
David Bowie: Ikone, Künstler, Schauspieler und vieles, vieles mehr. Ein Rätselwesen. 2013 überraschte er nach zehn Jahren Stille mit einem neuen Album und der ersten Single „Where Are We Now?“. Das Lied reflektierte Bowies Jahre in Berlin und erhebt sie zu den entscheidenden seiner Karriere. Durch Deutschlands Medien rauschte eine „Bowie in Berlin“-Welle. „Helden“ erzählt die Geschichte von David Bowies Jahren in Berlin. Wie er 1976 in die Hauptstadt seiner Kindheitsträume zieht, nach Berlin, in die Stadt des deutschen Expressionismus, und langsam gesundet. Wie er mit Iggy Pop in einem Schöneburger Altbau wohnt und wieder zu malen beginnt. Wie er mit dem Fahrrad ins Brücke-Museum fährt, ins Nachtleben der geteilten Stadt und ins Hansa-Studio. Wie er im Schatten der Mauer die zwei radikalsten Platten seines Lebens aufnimmt: „Low“ und „Heroes“. „Helden“ ist die Geschichte eines Künstlers und einer Stadt. Die Geschichte von Zukunftsmusik aus dem Geist der Vergangenheit. Die Geschichte, von einem, der auszog, im Gestern, Heute und Morgen zugleich zu leben.

Steve Malins: Depeche Mode. Die Biografie
320 S., 16 Seiten Fotos, geb., aktualisierte und erweiterte Neuausgabe
Hannibal 2013 19,99 EUR
Das Standartwerk zu Depeche Mode. Autorisiert und top aktuell. Sie sind die absoluten Superstars: Mit 150.000 Verkäufen erzielte ihr neues Album „Delta Machine“ das beste Erstwochenverkaufsergebnis in Deutschland. Es ist das sechste Nummer-Eins-Album in Folge! Im Sommer waren Depeche Mode für neun Stadionkonzerte in Deutschland und der Schweiz. Alle Konzerte waren ausverkauft, eine umfassende Hallentournee in Österreich und Deutschland wird im Winter folgen. Depeche Mode ist eine der erfolgreichsten und einflussreichsten Bands der Welt. In ihrer über 30jährigen Karriere haben Dave Gahan, Martin Gore und Andy Fletcher mehr als 100 Millionen Tonträger verkauft. Mit „People are People“ stürmte die englische Band im Jahr 1984 auch in Deutschland erstmals an die Spitze der Single-Charts. Seither begeistert Depeche Mode im gesamten deutschsprachigen Raum immer mehr Fans. Diese autorisierte Biografie, die Steve Malins in Zusammenarbeit mit Depeche Mode geschrieben hat, ist eine packende Geschichte von Verwandlungen, Entwicklungen, Verwicklungen und Tragödien, von Niederlagen und Triumphen, vom Hinfallen und Aufstehen. Steve Malins hat sein Standartwerk aktualisiert. Pointiert erzählt und brillant recherchiert widmet es sich ausführlich auch den Soloplatten von Dave Gahan und Martin Gore, der fast schon vollzogenen Trennung der Band und der Rückkehr ins Rampenlicht mit dem 2013 erschienenen Album“ Delta Machine“.

Mat Snow: Die Beatles – SOLO
4 x 96 Seiten (384 S.) in Schmuckschuber, Hannibal 2013 (Oktober) 49,99 EUR
John, Paul, George und Ringo in einer Bücherbox. Die vollständige Geschichte der Beatles nach ihrer Auflösung. The Beatles veröffentlichten zwölf legendäre Studioalben in nur acht Jahren. Also Solo-Künstler brachten John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr seit 1968 mehr als 70 LPs und über 900 Songs heraus. Erstmals wird das gesamte Werk der Fab Four der Nach-Beatles-Ära in Buchform vorgestellt, mit vielen bislang nicht bekannten Fotos und allen Fakten zu ihrem künstlerischen Schaffen im Studio, auf der Bühne, im Film und als politische Aktivisten. Alle Meisterwerke und Flops, Triumphe und Tragödien, Musikhits von zeitloser Schönheit, geniale Experimente ebenso wie banale Ausrutscher werden in dieser prachtvollen Buchedition behandelt: Georges Harrisons erstes Album „Wonderwall“ von 1968, die Plastic Ono Band, Wings, The Traveling Wilburys, The Fireman, Ringos Hitsingles, seine All-Star-Band, die vielen Filmauftritte, große Konzerte und vieles mehr hat Autor Mat Snow in einem ultimativen Werk versammelt. Jedem Beatle ist ein eigenes Buch gewidmet, in schöner Gestaltung, farbig illustriert und mit allen Fakten, vielen Anekdoten und weniger bekannten Details. Alle Bücher sind in einem Schuber untergebracht, der in seiner grafischen Gestaltung an die Blütezeit der Beatles erinnert und auch als Plattencover vorstellbar ist. Für die zahlreichen Beatles-Fans gibt es hier viel Neues zu entdecken!

George Martin: Es begann in der Abbey Road
Der geniale Produzent der Beatles erzählt

368 S., zahlr. Fotos, Pb., Hannibal 2013 24,99 EUR
Yeah Yeah Yeah! Ein Insider erzählt. George Martin erkannte das Talent der Beatles und machte sie zu Weltstars. Von ihrem ersten Hit „Love Me Do“ an produzierte er die Beatles und ließ ihre Ideen in den legendären Abbey Road-Studios zu Musikaufnahmen werden. Sir George Martin gilt heute zu Recht als der „fünfte Beatle“, denn er wurde zum Arrangeur und Ideengeber der Band. Und es war seine Entscheidung, Schlagzeuger Pete Best aus der Band zu werfen… Andere Plattenfirmen wie Decca, Philips und sogar die EMI-Tochter Columbia hatten die Band aus Liverpool bereits abgelehnt. George Martin hörte sich dennoch die Decca-Aufnahmen an: „Ziemlich lausig, schlecht balanciert, keine guten Songs von einer sehr ungeschliffenen Gruppe. Aber irgendetwas klang interessant“, erinnert sich Martin in seinem Buch. Am 6.Juni 1962 unterschrieb er für die EMI-Tochter Parlophone den von den Beatles heiß ersehnten Plattenvertrag. Von den ersten Aufnahmen 1962 über die wilden Experimente bei „Seargent Pepper`s“ mit Klangeffekten und großem Orchester bis zu den Solo-Projekten von Ringo Starr und Paul McCartney nach dem Ende der Beatles schuf er reihenweise Klassiker. Ende 2006 erschien das von ihm und seinem Sohn Giles produzierte Album „Love“, das Beatles-Stücke in neuem Klang präsentiert. Details aus Plattenverträgen, die Entwicklung der Studiotechnik seit den 1950er Jahren, die Marotten mancher Stars: Diese Autobiografie schildert auf unterhaltsame Weise und garniert mit vielen teils amüsanten Anekdoten das Frühwerk eines der erfolgreichsten Produzenten, der in 50 Jahren seines Schaffens neben den Beatles auch für The Police, Elton John, Jeff Beck, Michael Jackson und viele andere Welthits produzierte. Ein neuer, einzigartiger Blick auf die Geschichte der Beatles.

Elijah Wald: Vom Mississippi zum Mainstream
Robert Johnson und die Erfindung des Blues

432 S., geb., 80 Abb., Rogner & Bernhard 2013 (Neuauflage) 19,95 EUR
Das kurze Leben der Blues-Ikone Robert Johnson ist legendenumwoben: Wie konnte ein mittelmäßiger Gitarrenspieler aus Hazelhurst, Mississippi, innerhalb kürzester Zeit zu einem magischen Virtuosen seiner Kunst werden? Warum wurde Johnson zu Lebzeiten völlig ignoriert und später zum König des Blues erkoren? Die Legenden, die sich um ihn ranken, hat er selbst befördert. Sein Gitarrenspiel habe er dem Teufel zu verdanken, dem er im Gegenzug seine Seele verkauft habe. Eine Kreuzung aus Clarkesdale, Mississippi, zeugt noch heute von der Stelle, wo dieser denkwürdige Handel stattgefunden haben soll. Robert Johnson ist der Archetyp eines Stars: ein stiller Einzelgänger mit rätselhafter Vergangenheit und großer Aura. Er starb jung, mit siebenundzwanzig, unter mysteriösen Umständen. Sein musikalisches Vermächtnis hat viele beeinflusst: Eric Clapton, Bob Dylan, Cream, Fleetwood Mac, Muddy Waters, Led Zeppelin und die Rolling Stones. Keith Richards nannte ihn „den größten Folk-Blues-Gitarristen, der jemals gelebt hat“.

Ed Hardy: Wear Your Dreams
Träume, T-Shirts und Tattoos

368 S. mit Abb., geb. Metrolit 2013 (erscheint Oktober) 19,99 EUR
Eine Autobiografie. „Ed Hardy“ steht auf T-Shirts, Basecaps, Parfüms, Energy Drinks. Seine farbigen Totenköpfe und Designs sind weltbekannt. Doch Ed Hardy ist mehr als der Name eines Modelabels – er veränderte die Popkultur. Er schaffte es, die früher nur von Outlaws akzeptierten Tattoos salonfähig zu machen. In „Wear of Dreams“ erzählt Ed Hardy sein von Höhen und Tiefen geprägtes Leben: Als Kind verdiente er seinen ersten Dollars mit Fake-Tattoos. Während seines Kunststudiums hing er mit Surfern und Skatern an den Stränden Kaliforniens rum. Er erlernte bei traditionellen Tätowierern das Handwerk und entwickelte früh seinen eigenen, einzigartigen Stil. 2002 gründete er das Mode-Label Ed Hardy, lizensierte es 2004 an Christian Audigier. Die Marke Ed Hardy wurde zum milliardenschweren, internationalen Lifestyle-Phänomen. Doch mit dem Erfolg kamen die Probleme: Das Label wurde irgendwann zum Symbol für Trash. Nach zähen Verhandlungen schaffte es Hardy schließlich mithilfe eines Partners, die Rechte an seinem Namen zurückzukaufen und wieder selbst über sich, sein Image und sein Leben bestimmen zu können. „Wear Your Dreams“ ist voll mit Original-Ed-Hardy-Artwork. Das ideale Buch für Tattoo-Fetischisten, Popkultur-Junkies, Ed-Hardy-Aficionados und Maskenbildungsexperten.

Mark van Huisseling: Wie man berühmte Menschen trifft
224 S., Pb., 53 Abb., Rogner & Bernhard 2013 14,90 EUR
Jane Birkin, Marianne Faithfull, Malcolm McLaren, Roger Moore, Christoph Schlingensief, Udo Lindenberg, Blixa Bargeld und viele andere – sie alle hat Mark van Huisseling zum Gespräch getroffen. Doch für intelligente Leser gibt es eigentlich nichts langweiligeres als Interviews mit Prominenten. Sie haben wenig zu sagen, sind schlecht erzogen, eitel und ungebildet. Van Huisseling, Kolumnist der „Weltwoche“ (Schweiz), hat über Jahre Berühmtheiten, Stars und Sternchen getroffen und aus dieser Not eine Tugend gemacht. Anstatt sich auf das konventionelle Frage-Antwort-Schema zu verlassen, berichtet er einfach über alles, was am Rande geschieht. Wie er Stunden auf Mariah Carrey warten musste, weil sie sich einen Fingernagel abgebrochen hatte. Wie schon nach acht Minuten mit dem Modedesigner Alexander McQueen das Gespräch erstirbt. Wie Verona Pooth auf die Frage, welches Buch sie zuletzt gelesen habe, sagt, sie einiges von Homo Faber gelesen. Er stellt niemanden bloß, sondern überlässt das den Befragten selbst. Die Peinlichkeiten, der Größenwahn, das Getue, sie enthüllen sich von ganz allein.

Wolfgang Farkas, Stefanie Seidl, Heiko Zwirner (Hrsg.)
Nachtleben Berlin 1974 bis heute

304 S., geb., Metrolit 2013 (erscheint Oktober) 34,00 EUR
„Dann sind wir Helden“… Von Bowie bis Berghain: Der Band „Nachtleben Berlin“ illustriert 40 Jahre Berliner Partykultur mit spannenden Geschichten und vielen spektakulären, bisher unveröffentlichten Bildern. Eine Grenzen sprengende Vielfalt gesellschaftlichen Lebens von West nach Ost, von Subkultur bis Glamour, von Punk über Techno bis zur Gegenwart.

Oscar Coop-Phane: Bonjour Berlin
256 S., geb., Metrolit 2013 (erscheint August) 17,99 EUR
Coop-Phane beschreibt in seinem Roman die Erlebnisse dreier junger Männer Anfang 20, die sich in Berlin treffen und tief in die Stadt eintauchen. „Bonjour Berlin“ ist ein Generationsroman, ein Paris- und Berlin-Roman, ein Techno- und Drogenroman und ein fein gesponnener psychologischer Roman zwischen Weltschmerz-Tristesse und ekstatischer Enthemmtheit.

Zmicier Vishniou: Das Brennesselhaus
300 S., geb., Luxbooks 2013 (erscheint Herbst) 22,80 EUR
Safa Burschtyn, der seit seiner Geburt auf dem elterlichen Sofa die Welt „kopfüber entdeckte und deshalb Schriftsteller wurde“, verdient sich seinen Lebensunterhalt mit dem Malen pseudostalinistischer Ölgemälde. Er lebt in Minsk, bis Seltsames geschieht: Ein Handwerker gräbt einen Tunnel durch seine Wohnung, seine Freundin Natascha entführt ihn in die mythischen Sümpfe der weißrussischen Sprache, die Kaktusmafia lässt den Gemüsegarten der Großeltern zuwuchern, ein gelber Gartenzwerg überwacht Safa gleich einem Angehörigen des Geheimdienstes – ob real oder virtuell, jede dieser Gestalten unternimmt den Versuch, Safa davon abzuhalten, seinen Roman zu schreiben. Safa landet schließlich im Künstlerhaus „Tacheles“ in Berlin inmitten von Freaks, Performern, Kunsthändlern, Literaturagenten und schrägen Typen. Geheime Drahtzieherin und literarische Metaebene des Romans ist eine schräge weißrussische Großmutter, die in wandelbarer Gestalt als Literaturkritikerin oder Lebensberaterin mit moralischen Ansprüchen das Geschehene kommentiert und vorantreibt. Eine surreale, hochkomische und überaus unterhaltsame Tour de Force durch die weißrussische Seele, eine wundersame Reise für Safa, ein großer Roman! Ein Must-Have für alle Fans der slawischen Literatur vom wichtigsten Erzähler des modernen Weißrusslands.

DJ Stalingrad: Exodus
128 S., Pb., Matthes & Seitz Berlin 2013 14,90 EUR
Im Rausch der Gefahr – Ein Roman aus dem Untergrund. „Exodus“ ist der authentische Entwicklungsroman eines Aussteigers am Rand der Gesellschaft. Allgegenwärtiges Elend, absolute Perspektivlosigkeit und Wut prägen von Kindheit an die Umgebung des Erzählers. Er antwortet darauf mit roher Gewalt: Keine Schlägerei, kein Straßenkampf ist ihm zu blutig oder zu sinnlos, er hängt weder am Leben noch glaubt er an irgendwelche Werte. Doch mit diesem drastischen, ungeheuer intensiven Buch, das zunächst in Samsidat erschien, findet er eine Sprache für den Krieg an der Peripherie der Großstädte. Schreibend macht sich Piotr Silaev, alias DJ Stalingrad, Angehöriger der roten Skinheadsezne, Anarchist und Antifaschist mit philologischer Hochschulbildung, auf die Suche nach einer höheren Wahrheit, die uns alle angeht. DJ Stalingrad (Piotr Silaev) wurde 1985 in Moskau geboren. Er war an etlichen militanten antifaschistischen Aktionen in Moskau beteiligt. Ende 2008 reiste er unter Verhaftungsandrohung nach Griechenland, wo er unter Pseudonym „Exodus“ schrieb. Im Sommer 2010 war er erneut gezwungen, Russland zu verlassen, da er im Zusammenhang mit der Organisation von Aktionen in Chimki auf der landesweiten Fahndungsliste landete. Gegenwärtig lebt er in Spanien, Auslieferungsanträge wurden bislang abgelehnt.

Sabahattin Ali: Die Madonna im Pelzmantel
260 S., geb., Dörlemann 2013 (erscheint August) 18,90 EUR
In Ankara kennt man Raif Efendi als duldsamen Mann, der weder die Eskapaden seiner Töchter noch die Verleumdungen am Arbeitsplatz meistert. Kaum jemand ahnt, wer sich hinter der Maske stummen Gleichmuts verbirgt. Ein eng beschriebenes Schulheft lüftet endlich sein Geheimnis. Die Aufzeichnungen führen in das Berlin der zwanziger Jahre. Arbeiter und Bohemiens heben in miefigen Absteigen die Gläser auf eine ungewisse Zukunft, und eine geheimnisvolle junge Malerin – die „Madonna im Pelzmantel“ – kreuzt wie zufällig Raifs Wege. Als er sie eines Abends in einem Nachtlokal wieder trifft, weiß er, dass ihrer beider Schicksal untrennbar verwoben ist. Eine hinreißend deutsch-türkische Liebesgeschichte und eine Ode an das Berlin der wilden Zwanziger. Sabahattin Ali wurde 1907 in Gümülcine geboren. Nach seinem Studium in Berlin und Potsdam lehrte er in der Türkei Deutsch. Ali musste zeitlebens gegen die staatliche Zensur kämpfen, 1932 wurde er wegen eines Satire-Gedichts über Atatürk für ein Jahr inhaftiert. 1944 gab er in Istanbul das Satire-Blatt „Markopasa“ heraus. Am 2.April 1948 wurde Ali auf der Flucht ins Exil an der bulgarischen Grenze ermordet. Bis heute ist ungeklärt, ob er einem Raubmord oder einem politischen Anschlag zum Opfer fiel.

Raja Alem: Das Halsband der Tauben
600 S., geb., Unionsverlag 2013 26,95 EUR
In einer Gasse in Mekkas Altstadt wird eine unbekannte Tote gefunden, nackt, mit entstelltem Gesicht. Die Bewohner sind in Aufruhr, und allmählich kommen verborgene Geheimnisse an den Tag: verbotene Liebesbeziehungen, Familientragödien, aber auch zwielichtige Geschäfte inmitten dieser aufgewühlten Stadt, in der religiöse Tradition und brutale Spekulation aufeinanderprallen. Inspektor Nasser wird mit der Untersuchung beauftragt. Er taucht ein die Lebensgeschichten von zwei vermissten Frauen, die an den Hindernissen ihrer Umgebung zerbrochen sind. Bald stößt er auf bedrohliche Mächte: Korruption und Immobilienprojekte bedrohen die alte, ehrwürdige, heilige Stadt Mekka. Raja Alems Mekka ist Ort der Gegensätze: aufrichtig und bestechlich, reich und arm, sündig und rein. Geschichte, Gegenwart und Fantasie vereinigen sich zum Lebensbild einer Stadt, die so in der Literatur noch nie beschrieben wurde.

Carl Nixon: Settlers Creek
320 S., geb., Weidle Verlag 2013 (erscheint Herbst) 23,00 EUR
Box Saxton ist ein erfolgreicher Bauunternehmer und Immobilienmakler in Christchurch, bis die Finanzkrise ihm den Boden unter den Füßen wegreißt. Er muss sein Haus mit Meerblick verlassen und sich in einer nicht gerade erstklassigen Gegend einmieten. Die teure Privatschule für seine beiden Kinder lässt sich nicht länger finanzieren. Sein 19jähriger Sohn Mark wird mit diesen Veränderungen nicht fertig und nimmt sich das Leben. Box, der nun als einfacher Bauarbeiter weit entfernt arbeitet, fliegt sofort nach Hause, um bei seiner Frau Liz und Tochter Heather zu sein und die Beisetzung im Familiengrab vorzubereiten. Doch da taucht Marks leiblicher Vater auf, Tipene, ein Maori, der die Mutter des Jungen bald nach der Geburt verlassen hat. Mark hatte nie eine Verbindung zu ihm. Nach dem Gesetz der Maori muss ein Familienmitglied in der Grabstelle der Ahnen beigesetzt werden, und dieser Tradition will Tipene folgen. Box und seine Frau weigern sich, den Leichnam des Jungen herauszugeben, deshalb stiehlt Tipene ihn, wobei er das neuseeländische Recht auf seiner Seite hat. Box verfolgt ihn in seinem alten Pickup, um die Leiche seines Sohnes zurückzubekommen. Carl Nixon beschreibt in seinem spannenden Roman sehr genau die Auswirkungen der Finanzkrise, ebenso den unlösbaren Konflikt zwischen zwei verschiedenen Formen der spirituellen Bindung an das eigene Land.

June Jordan: Abschiedskuss für Gott. Gedichte
180 S., Pb., Weidle Verlag 2013 (erscheint Herbst) 19,00 EUR
engl./ deutsch. „Poetry for the poeple“ – so hieß das Projekt, das June Jordan 1991 (als Professorin) in Berkeley ins Leben rief und das bis heute besteht. Poetry for the people bedeutete für sie eine Lyrik, die fern aller Selbstbezüglichkeit, im Leser Aufmerksamkeit und Anteilnahme weckt. June Jordan, das Kind jamaikanischer Einwanderer, das bereits mit sieben Jahren zu schreiben begann, war ganz aus ihrer Poesie heraus Hochschullehrerin und politische Aktivistin, Afro-Amerikanerin und Feministin. Das „damn black devil child“, wie der strenge Vater sie nannte, ging mit unbeirrbaren Mut durch alle Bereiche des amerikanischen Lebens. Sie hat mit ihren Versen der Theorie der Gender Studies eine Melodie gegeben und mit ihrem Vertrauen auf die universell emanzipatorische Kraft von Lyrik die Nachfolge Walt Whitmans angetreten. June Jordan (1936 – 2002) ist in den USA eine der anerkanntesten Autorinnen ihrer Generation. Vom Jahr 1969 bis zu ihrem Tod publizierte sie 28 Bücher, darunter Lyrik, Essays und Werke für Kinder. „Abschiedskuss für Gott“ aus dem Jahr 1997 zeichnet sich durch seine Vielfalt aus: sehr lange und sehr kurze Stücke, traditionelle und experimentelle Texte; philosophische Gedichte und religionskritische Lyrik, Liebesgedichte und politische Texte, die explizit die US-Außenpolitik und die Gewalt als Machtmittel der „westlichen“ kritisieren. Gemeinsam ist allen die Stimme des Selbstbewusstseins, eines grundsätzlichen intellektuellen, politischen und auch lyrischen Widerstands gegen jede Form von Unterdrückung.

Patrick Hamilton: Hangover Square
Eine Geschichte aus dem finsteren Earl`s Court

380 S., geb., Dörlemann 2013 (erscheint August) 19,90 EUR
London 1939 – in der unerbittlichen Welt der Pubs in Earl`s Court gibt sich George Harvey Bone einer hilflosen Vernarrtheit hin: Netta ist kühl, voller Verachtung und – hoffnungslos begehrenswert. George treibt in einer Hölle der Trunkenheit. In seinen „toten“ Momenten jedoch, wenn etwas in seinem Kopf „klick“ macht, erkennt er ohne den geringsten Zweifel, dass er Netta töten muss…. Patrick Hamilton, 1904 in Sussex geboren, war einer der talentiertesten Schriftsteller seiner Generation. Berühmt wurde er bei uns vor allem mit seinen Theaterstücken „Gaslicht“ (Gaslight) und „Cocktail für eine Leiche“ (Rope), die beide verfilmt wurden, letzteres 1948 von Alfred Hitchcock mit James Stewart in der Hauptrolle. „Hangover Square“, 1941 in London erschienen, ist in England Kult. Der Roman ist ständig lieferbar. Liebhaber jedoch bezahlen für die Erstausgabe von 1941 exorbitante Preise. In seinen letzten Lebensjahren brauchte Patrick Hamilton „den Whisky wie ein Auto das Benzin“. Er starb 1962.

Javier Marquez Sanchez: Mörderisch wie ein Solo von Charlie Parker
340 S., geb., Metrolit 2013 (erscheint September) 22,99 EUR
Eine Hommage an den Krimi Noir und das Hollywood der 1950er Jahre. Der Roman fiktionalisiert die Skandale zu den Dreharbeiten von „Der Eroberer“, ein Hollywood-Movie aus dem Jahr 1955, in dem John Wayne und andere Hollywood-Größen die Hauptrollen spielen. Sie sind auch handelnde Personen des Romans.

Mitra Devi: Seelensplitter
270 S., TB, Unionsverlag 2013 12,95 EUR
Schreiend und gerötet vor innerer Hitze springt ein Firmenboss von einem Hochhaus in die Tiefe. Die Polizei geht von einem Unfall im Alkoholrausch aus, doch seine Sekretärin glaubt nicht daran. Sie engagiert Privatdetektivin Nora Tabani, die die Todesursache entdeckt: eine Überdosis der Giftpflanze Alraune, die im Mittelalter als Teufelsdroge bekannt war und das Gefühl vermittelt, fliegen zu können. Keiner der Mitarbeitenden trauert dem cholerischen Chef nach. Etliche haben ein Mordmotiv. Das stürzt sich erneut ein Opfer in den Tod. Währenddessen braut eine Frau, die sich für eine Hexe hält, in einem abgelegenen Bauernhaus weitere Gifttränke. Hat einer der Angestellten sie als Auftragskillerin angeheuert? Nora Tabani jagt die Mörderin und stößt dabei auf seelische Abgründe.

Lyonel Trouillot: Straße der verlorenen Schritte
160 S., geb., Liebeskind 2013 16,90 EUR
Eine alte Bordellbesitzerin, die mit ansehen muss, wie Hass und Gewalt das Leben ihrer Mädchen zerstören. Ein Taxifahrer, der zwischen die Fronten gerät und alles verliert, was er besitzt. Und ein Intellektueller, der vergeblich in der Liebe einen Ausweg sucht. Lyonel Troillot lässt drei Menschen von einer Nacht erzählen, als Haiti zur Hölle auf Erden wurde. Port-au-Prince. Das Gerücht verbreitet sich wie Windeseile. „Geht nicht nach draußen“, heißt es, „heute Nacht passiert etwas“. Langsam wird es dunkel, der Strom fällt aus. An Stromstörungen hat man sich längst gewöhnt – ebenso daran, Wut und Hunger hinunterzuschlucken. Die Anhänger der Opposition wollen mit Gewalt an die Macht, doch es besteht Gefahr, dass die Miliz des Diktators unter der Bevölkerung ein Blutbad anrichtet. Auf der Suche nach einem letzten Kunden irrt ein Taxifahrer durch die Straßen der Hauptstadt. Zur selben Zeit flüchtet ein junger Mann mit seiner Arbeitskollegin in das Haus eines Freundes, der hoch oben auf einem Hügel über der Stadt wohnt. Es soll ihre erste gemeinsame Nacht werden. Währenddessen steht die Besitzerin des größten Bordells der Stadt am Fenster und betrachtet sorgenvoll die Szenerie. Sie spürt, dass bald schon Blut fließen wird. Lyonel Troullots Debütroman „Straße der verlorenen Schritte“ hat auch heute, fünfzehn Jahre nach seinem Erscheinen in Frankreich, nichts von seiner Kraft eingebüßt. In seiner mitreißenden, poetischen Sprache schildert Lyonel Trouillot die Ereignisse einer einzigen Nacht, in der sich das tragische Schicksal eines ganzen Landes offenbart. Denn wer Hass sät, wird Sturm ernten.

Leonardo Padura: Der Schwanz der Schlange
180 S., TB, Unionsverlag 2013 10,95 EUR
Ein außergewöhnlicher Mordfall führt Mario Conde in die geheimnisvolle Welt von Havannas Barrio Chino. Ein alter Chinese baumelt tot in seinem Kämmerchen, mit zwei in die Haut geritzten Pfeilen und einem abgeschnittenen kleinen Finger. Ein religiöser Ritualmord mit Santeria-Hintergrund? Oder steckt doch eine interne Abrechnung dahinter? Da Teniente Conde seiner attraktiven chinesisch-stämmigen Kollegin, der unwiderstehlichen Patricia Chion, nichts abschlagen kann, kümmert er sich selbst um diesen Fall. In den geheimnisvollen Zirkeln der chinesischen Gemeinde stößt Mario Conde auf mysteriöse Zusammenhänge und obskure Machenschaften und immer wieder auf Geschichten von Entwurzelung und Einsamkeit.

Christopher G. Moore: Nana Plaza
320 S., TB, (Neuausgabe) Unionsverlag 2013 12,95 EUR
In Bangkok sterben zu viele amerikanische Touristen mit der Nadel im Arm: Drogenopfer oder Opfer eines Verbrechens? Ein amerikanischer Anwalt braucht für seine Bangkokvisite einen Bodyguard. Vincent Calvino nimmt den Job für viel Geld an, zusammen mit Jessada Santisak, einem beurlaubten Thai-Polizisten aus Los Angeles. Die beiden finden sich wieder in der Welt des Cybersex-Business.

Raymond Chandler: Der große Schlaf
6 CD, 7 Std., 41 Min., Diogenes 2013 29,90 EUR
Dieser erste von Chandlers berühmten Romanen erschien 1939 und entführt uns in die Welt der Reichen und des Verbrechens von Kalifornien. In L.A. wird die Tochter des steinreichen Generals Sternwood erpresst. Privatdetektiv Philip Marlowe macht sich auf die Spur und Christian Brückner ist der perfekte Interpret für den Detektiv, der durch die Verfilmung von Humphrey Bogart unsterblich wurde.

James Carlos Blake: Das Böse im Blut
448 S., geb., Liebeskind 2013 22,00 EUR
Zwei Brüder, seit der Kindheit vom Schicksal verdammt, machen sich auf, dem Leben die Stirn zu bieten. James Carlos Blakes Western „Das Böse im Blut“ ist bildmächtig, brutal und nachtschwarz. Ein Buch, das dem Leser an die Kehle springt und zudrückt. Im Herbst 1842 bricht das Unglück über die Brüder Edward und John Little herein. In Georgia ersticht der Vater der beiden Jungen einen Mann, der so unvorsichtig war, ihre Mutter zum Tanz aufzufordern. Die Familie flieht vor dem Gesetz in die Sümpfe Floridas, wo es zur Katastrophe kommt. Nach einer Bluttat, die von nun an ihre Träume beherrschen wird, brechen die Brüder nach Westen auf, um dort ihr Glück zu finden. Aber das Grenzland zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko entpuppt sich als Vorhof zur Hölle, wo Mörderbanden und blutrünstige Indianer Angst und Schrecken verbreiten. Getrieben von ihren inneren Dämonen verstricken sich Edward und John Little in ein Leben voll roher Gewalt. Doch dann werden die beiden in den Wirren des Amerikanisch-Mexikanischen Krieges getrennt… und stehen sich plötzlich auf feindlichen Seiten gegenüber. Die Abenteuer von Edward und John Little sind eine grandiose Abrechnung mit dem Mythos des Wilden Westens. James Carlos Blake erweckt eine Epoche zum Leben, ohne sie zu verklären, und führt uns so vor Augen, dass Amerika auf Hass, Gewalt und Habgier gebaut ist. Auf das Böse im Blut.

Mary Elizabeth Braddon: Das Geheimnis der Lady Audley
340 S., TB, Dryas 2013 (erscheint Oktober) 12,95 EUR
Der erste Krimi-Bestseller der Neuzeit – neu übersetzt und überarbeitet. Ein Londoner Anwalt versucht, den Mord an seinem Freund aufzuklären, doch die wunderschöne Lady Audley will dies mit allen Mitteln verhindern. Ihm wird schnell klar, dass Lady Audley ein dunkles Geheimnis hütet. Um den Mörder seines Freundes finden zu können, muss er es lüften. Ein spannendes Katz- und Mausspiel beginnt zwischen dem jungen Mann und der bildschönen Frau. Hochgelobt von den damaligen Kritikern, erlebte „Lady Audleys Secret“ bereits im Jahr seines Erscheines, 1862, einen bis dahin unerreichten Erfolg. Braddons Buch wurde übersetzt, verfilmt und auf die Theaterbühnen der Welt gebracht. Mary Elisabeth Braddon (1837 – 1915) gilt als erste vikorianische Bestsellerautorin. Kritiker wie Charles Dickens oder Thomas Hardy nannten ihre Werke „brillant, geistreich und lebendig“. M. E. Braddon war eine starke Frau, sie ernährte früh ihre ganze Familie, stand eine Scheidung durch, lebte in skandalös wilder Ehe und schrieb über 80 Romane. Darin thematisierte sie auch gesellschaftlich heikle Themen wie Bigamie, Ehebruch, Abtreibung u.a.

Max Brod: Die Frau nach der man sich sehnt
400 S., geb. Wallstein 2013 (erscheint September) 29,90 EUR
Max Brods erfolgreicher Liebesroman aus dem Jahr 1927 – mit Marlene Dietrich verfilmt. Mit seinem Roman um eine „femme fatale“ erzählt Max Brod eine spannende Liebesgeschichte und erweist sich als Meister der Charakterzeichnung. Der rätselhaften Stascha verfallen gleich zwei Männer: Der Held Mayreder flieht mit der launischen Schönheit nach Italien, durch teure Hotels und prächtige Landschaften, verfolgt von seinem Konkurrenten Dr. Karkos. Bis Stascha unerwartet die Seite wechselt, was ihr zum Verhängnis wird. „Die Frau nach der man sich sehnt“ wurde Brods erfolgreichster Liebesroman, schon 1929 kam er als Film in die Kinos: mit Marlene Dietrich als Stascha und Fritz Kortner als Dr. Karkos (im Film Karoff). Es war der letzte Stummfilm der Dietrich und der erste Film, in dem sie die „femme fatale“ verkörperte, als die sie schon bald weltberühmt werden sollte.

Johann Wolfgang von Goethe / Sabine Wilharm: Der Erlkönig
24 S., geb., Kindermann 2013 15,50 EUR
Wer kennt ihn nicht, den wohl bekanntesten Vater-Kind-Ritt der Literatur? Vater und Sohn reiten nachts durch Wind und Weiden, durch Nebelschweife und säuselnde Blätter – immer dicht gefolgt von Familie Erlkönig. Der Vater reitet so schnell er kann um das Kind aus dem nächtlichen Wald zu bringen, doch auch der König der Elfen lässt nicht locker. Er versucht den Jungen mit Versprechungen von Tanz und Gesang, von Blumen und Spielen in sein Waldreich zu locken. Ist der Vater schnell genug oder gewinnt der Erlkönig das Rennen? Oder war vielleicht alles nur ein Traum? Sabine Wilharms ausdrucksstarke und traumschöne Illustrationen beleben Goethes beliebte Ballade neu und schaffen ein weiteres Juwel in der Reihe „Poesie für Kinder“ im Kindermann Verlag. Ab 7 Jahre.

Tschaikowski / Charlotte Gastaut: Schwanensee
44 S., Bilderbuch mit Goldschmuckfarbe, Annette Betz 2012 25,95 EUR
Ein wunderbares Geschenkbuch jenseits des Mainstreams – ein zauberhaftes Märchen illustriert mit kunstvollem Scherenschnitt. Ein junger Prinz träumt von der Liebe. Doch seine Eltern möchten ihn verheirateten und organisieren einen Ball, auf dem der Prinz seine Braut wählen soll. Unglücklich darüber flieht er in den Wald und sieht eine Schar von Schwänen. Als er ihnen bis zum See folgt, entdeckt er ein wunderbares Mädchen in Federn gekleidet. Sie ist eine verwunschene Prinzessin, die von einem Zauberer in einen Schwan verwandelt wurde und nur in der Nacht für kurze Zeit ihre menschliche Gestalt wieder erlangt. Nur die wahre Liebe kann sie von diesem Fluch befreien. Der Prinz gibt ihr das Versprechen, sie auf seinem Ball zur Braut zu nehmen, doch der Zauberer verfolgt andere Pläne… Dieses wunderschöne Scherenschnittbuch entführt den Betrachter in Tschaikowskis „Schwanensee“. In kunstvollen und filigranen Szenen entfaltet sich die Märchenwelt rund um die jungen Liebenden. Außergewöhnlich und zart wie ein Spitzentanz!

J. M. Barrie / J. P, Kerloc`h: Peter Pan & Wendy
48 S., geb. Annette Betz 2013 (für Kinder ab 4 Jahren)
mit Audio-CD , Laufzeit: 46 Min. 24,95 EUR
Der Klassiker für jedes Kinderzimmer mit märchenhaft schönen Illustrationen von Ilya Green und der Begleit-CD mit der gesamten Erzählung und stimmungsvoller Jazzmusik von Charles Mingus. Text gesprochen von Dietmar Wunder, der deutschen Synchronstimme von Daniel Craig und Adam Sandler. Eine zauberhafte Reise nach Nimmerland. Peter Pan möchte niemals erwachsen werden. Auf seiner Insel Nimmerland, einer Traumwelt, ist er der Anführer der verlorenen Jungs. Nimmerland ist zwar ganz wunderbar, doch fehlt es Peter an Geschichten, da es dort keine Erwachsenen gibt, die sie erzählen könnten. Also fliegt er abends nach London, um an den Fenstern der Kinderzimmer den Gutenachtgeschichten zu lauschen. Auf einem dieser Ausflüge lernt er Wendy und ihre Brüder John und Michael kennen. Er nimmt die Kinder mit nach Nimmerland. Hier kämpfen sie gemeinsam gegen den üblen Piraten Käpt`n Hook. Doch trotz aller Abenteuer bekommen die Kinder Heimweh. Vielleicht ist Erwachsenwerden doch nicht so schlimm?

Sergej Prokofjew: Peter und der Wolf
36 S., geb. Annette Betz 2013 (für Kinder ab 4 Jahren)
mit Audio-CD, Laufzeit 46 Min. 24,95 EUR
Ein Standartwerk der Musikgeschichte für Kinder und Erwachsene, stimmungsvoll illustriert von Eric Battut. Jede Figur ist einem Instrument zugeordnet und hat ein eigenes musikalisches Thema. Früh am Morgen öffnet Peter die Gartenpforte und geht auf die große Wiese. Dort beobachtet er den kleinen Vogel und die Ente und kann die beiden vor der heranschleichenden Katze warnen. Sein Großvater kommt aus dem Haus und schimpft, weil Peter die Gartenpforte offen gelassen hat. „Das ist gefährlich. Wenn nun der Wolf aus dem Wald kommt, was dann?“ Er nimmt Peter mit zurück in den Garten und macht die Gartenpforte fest zu. Da kommt der Wolf. Doch Peter hat keine Angst, er klettert mit einem starken Seil auf den Baum und fängt mit Hilfe des kleinen Vogels tatsächlich den Wolf.

Carey F. Armstrong-Ellis: Zehn Gruselmonster
32 S., geb., Annette Betz 2013 (für Kinder ab 4 Jahren) 12,95 EUR
Lustig-schräge Gute-Nacht-Geschichte für das ganze Jahr. Zehn schaurig-schöne Gruselgestalten streifen durch dieses humorvolle Bilderbuch: Vom Werwolf über den Vampir und die Hexe bis hinauf zur leibhaftigen Mumie und einem wahren Gespenst. Doch leider geht auf jeder Seite einer der gespenstischen Gesellen verloren. Einer verhext sich, einer verträgt den Sonnenaufgang nicht und ein anderer findet seine große Liebe… bis am Ende nur noch einer übrig ist. Oder gar keiner? Alles bloß ein Traum? Ein witzig-schräger Gruselbuch mit detailreichen Illustrationen und sympathischen Charakteren, die man sofort ins Herz schließen muss. Für Kleine gibt es ganz viel zu lachen und zu entdecken – und auch die großen Vorleser werden schmunzeln.

James Joyce: Ulysses
31 CD, 38 Std., 9 Min., Der Hörverlag 2013 99,99 EUR
Nach dem Hörspiel erschien nun auch die komplette Lesung im gleichen Verlag: In 18 Kapiteln folgen wir erneut dem Anzeigenakquisiteur Leopold Bloom durch Dublin. Der wechselnde Duktus des Autors wird von der Sprecherriege aufgenommen. Dank der Regie von Frank Schäfer fügt sich der polyphone und multithematische Text zu einem großen und faszinierenden Ganzen, das einen starken Sog entwickelt. Auf Platz 1 der hr2-Hörbuch-Bestenliste.

Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray
256 S., geb., Marix Verlag 2013 5,00 EUR
Lord Henry Wotton, ein kluger und zynischer Dandy, verführt den jungen und makellos schönen Dorian Gray zur Selbstentfaltung ohne Furcht vor moralischen Zwängen, zum rücksichtslosen Genuss ohne Reue und weckt damit in ihm das Verlangen, ewig jung und schön zu bleiben. Der Wunsch wird ihm gewährt und so schreiben sich in das Portrait, das statt seiner altert, die Spuren seiner Sünden und Vergehen ein.

E.T.A. Hoffmann: Nachtstücke
224 S., geb., Marix Verlag 2013 5,00 EUR
Lange vor der Psychoanalyse erforschten die Dichter der Romantik die Abgründe der Seele. In seinen Nachtstücken kreiert Hoffmann eine Welt voll Doppelgänger, beseelter Automaten, dämonischer Alchemisten und Wahnsinniger. Als Meister des subtilen Horrors und der unheimlichen Atmosphäre, erforscht er die rätselhaften, düsteren und unbewussten Aspekte des Lebens.

Ambrose Bierce: Aus dem Wörterbuch des Teufels
Marix Verlag 5,00 EUR

Christian Morgenstern: Alle Galgenlieder
Marix Verlag 5,00 EUR

John Milton: Das verlorene Paradies
480 S., Marix Verlag 15,00 EUR

Edgar Allen Poe: Unheimliche Geschichten
256 S., Marix Verlag 5,00 EUR

Mary Miller: Süßer König Jesus
288 S., geb., Metrolit 2013 (erscheint September) 19,99 EUR
Zwei Lolitas auf dem Rücksitz, die eine voller sexueller Neugier, die andere heimlich schwanger. Am Steuer: die religiös-fundamentalistischen Eltern auf ihrem Weg nach Kalifornien – dem Weltuntergang entgegen. Ein Buch von literarischer Wucht mit einem Plot, den sich die Coen-Brüder nicht besser hätten ausdenken können.

Gail Parent: Sheila Levine ist tot und lebt in New York
304 S., Pb., Metrolit 2013 (erscheint September) 16,99 EUR
Kein Sex in the City – Mit Sheila Levine schuf die amerikanische Humor-Ikone Gail Parent das Vorbild für Bridget Jones und Carrie Bradshaw. Nur dass das Original noch wesentlich witziger ist. Mit diesem Roman wurde 1972 ein Genre begründet. Die Nachfolgerinnen haben mit „Schokolade zum Frühstück“ und „Sex in the City“ Millionenseller geschaffen. Nachdem Gail Parents ebenso liebenswürdige wie schlagfertige Heldin Sheila Levine daraufhin international wiederentdeckt wurde, betritt sie nun endlich auch die deutsche Bühne.

Gay Talese: Du sollst begehren
Auf den Spuren der sexuellen Revolution

536 S., geb., Rogner & Bernhard 2012 24,90 EUR
Gay Talese, geboren 1932 in Ocean City, arbeitete nach seinem Journalismusstudium zunächst für die New York Times. Um mehr Zeit und Platz für seine Geschichten zu haben, verließ er die Zeitung und begann in den sechziger Jahren u.a. für „Esquire“ zu schreiben. Er gehört neben Tom Wolfe, Hunter S. Thompson und Truman Capote zu den wichtigsten Vertretern des New Journalism. Gay Talese lebt und arbeitet in New York. Neun Jahre, von 1971 bis 1980, recherchierte er für dieses Buch und setzte dafür sogar seine Ehe aufs Spiel. Er begleitete Hugh Hefner, den legendären Gründer des Playboy, sprach mit Dr. Alex Comfort, dem Autor des Bestsellers „The Joy of Sex“, er leitete einen Massagesalon und lebte über Monate in einem Nudistencamp, in dem die freie Liebe propagiert und gelebt wurde. Mehrere Paare gewährten ihm über den gesamten Zeitraum Einblick in den Zustand ihres Ehelebens, ihre Affären, ihr Sexualleben, ihre Haltung zu Treue und Untreue. Talese war auf der Suche nach den Menschen und den Gründen, die seit Beginn der sechziger Jahre eine kulturelle Umwälzung in den USA ausgelöst hatten, wie es zuvor keine gab: die sexuelle Revolution. „Du sollst begehren“ ist nicht nur ein Glanzstück literarischen Journalismus, sondern ein Buch, das bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat. Denn die Sehnsüchte der sexuellen Revolution schlummern in uns allen.

Thomas Bauer, Berthold Höcker, Walter Homolka, Klaus Mertes:
Religion und Homosexualität – Aktuelle Positionen

64 S., Pb., Wallstein 2013 (erscheint Oktober) 9,90 EUR
Wie stehen die monotheistischen Weltreligionen zu Homosexualität? Vier Perspektiven auf gleichgeschlechtliche Liebe in Katholizismus, Protestantismus, Judentum und Islam. In den monotheistischen Hauptreligionen der Welt ist die sexuelle Lust am eigenen Geschlecht mindestens umstritten, meistens wird sie abgelehnt und unter Strafe gestellt. Bis auf ausdrücklich liberale Lesarten wird dabei Sexualität immer auf einen einzigen Aspekt beschränkt: die Fortpflanzung. In den verschiedenen Theologien, den Auslegungen der jeweils Heiligen Schriften, gibt es jedoch Deutungsmaterial, das die Liebe zwischen Menschen gleichen Geschlechts aufgreift und von ihr erzählt – aber in den volksfrommen Lebensweisen bleibt man konservativen, traditionellen Verständnissen verhaftet: Homosexuelles gilt wahlweise als Sünde, Krankheit, gar Perversion. Wer schwul oder lesbisch lebt, hat es schwer, gleichwertiger Teil eines dieser Glaubenssysteme zu sein. Allein liberale Gruppen von Judentum und Protestantismus integrieren nichtheterosexuelle Beziehungen aktiv in ihr Gemeindeleben. Wenigstens in den europäischen, nordamerikanischen oder ozeanisch-industriellen Ländern werden mehr und mehr theologische Leseweisen kultiviert, die die strikt heteronormative Interpretation unterlaufen, und sie damit historisierend revidieren. Der Band versammelt vier Lesarten religiöser Schriften und Überlieferungen, die den aktuellen Diskurs der Debatten um Homosexualität und Religion widerspiegeln.

Jeffrey Weeks: Sexuelle Gleichberechtigung
Gender, Sexualität und homosexuelle Emanzipation in Europa

48 S., Pb., Wallstein 2013 (erscheint Dezember) 9,90 EUR
Über den Wandel sexueller Gleichberechtigung seit dem frühen 20.Jahrhundert. Magnus Hirschfeld setzte im Kampf für die Gleichberechtigung von Homosexuellen seine Hoffnungen auf die Wissenschaft, was sich in biologistischen Argumentationsmustern widerspiegelt: Körperliche und genetische Ursachen der Homosexualität bildeten die Grundlage der Diskussionen, die nicht nur in den Sexualwissenschaften noch lange Zeit einflussreich bleiben sollten. Erst in den 1970er Jahren wurden diese Muster von neuen, radikaleren Bewegungen durchbrochen und grundlegend infrage gestellt. Ein historisch wie soziologisch geprägter Ansatz wurde etabliert, der ein stärkeres Gewicht auf die Zusammenhänge von Gleichberechtigung und Menschenrechten legt. Aktuelle Debatten über gleichgeschlechtliche Partnerschaften und die „Homo-Ehe“ lassen sich genau auf diesen Wechsel zurückführen. Jeffrey Weeks widmet sich den weitgefächerten Zusammenhängen und Begleitumständen dieses Wechsels in den Argumentationsmusters für sexuelle Gleichberechtigung und wagt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.

Eva Lezzi: „Liebe ist meine Religion!“
Eros und Ehe zwischen Juden und Christen in der Literatur des 19.Jahrhundert

448 S., geb., Wallstein 2013 (erscheint Oktober) 29,90 EUR
Liebesbeziehungen zwischen Juden und Christen. Eine umfassende kultur- und literaturwissenschaftliche Analyse. Eheliche Verbindungen, Liebesbeziehungen und erotische Verhältnisse zwischen Juden und Christen finden sich in der deutschsprachigen Literatur des 19.Jahrhunderts in ganz unterschiedlichen Formen: Von der Faszination und erotischen Verführungskraft des exotischen Fremden bis hin zur verzweifelten, in den Selbstmord treibenden vergeblichen Liebe, von der kalkulierten Vernunftehe aus ökonomischen Gründen bis hin zum radikalen Bruch mit dem Herkunftsmilieu durch Flucht des Liebespaars. Auf der Grundlage von 80 Prosatexten und außerliterarischen Diskursen analysiert Eva Lezzi die im 19.Jahrhundert vorherrschenden Konzepte von Liebe und Ehe, Geschlecht und Religion, aber auch Fremden und Eigenem. Dabei berücksichtigt sie nicht nur hochkanonische Texte (Goethe, Raabe, Fontane) und weitverbreitete Unterhaltungsliteratur von jüdischen wie nichtjüdischen Autorinnen und Autoren, sondern entdeckt auch kaum bekannte Publikationen. Besondere Aufmerksamkeit widmet sie den historischen Kontroversen um die Emanzipation des Individuums, der Juden und der Frau. Dabei setzt sich die Autorin mit Focault und Luhmann auseinander und verbindet eine grundlegende Diskursanalyse mit sorgfältigem „close reading“.

Eva Illouz: Die neue Liebesordnung
Frauen, Männer und „Shades of Grey“

88 S., edition suhrkamp digital, 2013 7,99 EUR
E.L. James`BDSM-Trilogie „Shades of Grey“ war weltweit ein gigantischer Erfolg, insbesondere bei Frauen. Aber warum? Wegen des vermeintlich pornografischen Inhalts? Weil eine ausgeklügelte Marketingidee dahintersteckte? Eva Illouz liest die Trilogie vor dem Hintergrund der These, dass manche Bücher deshalb zu Bestsellern werden, weil sie ein tatsächlich bestehendes und weitverbreitetes sozio-kulturelles Problem zugleich darstellen und lösen. „Shades of Grey“ ist ihr zufolge weder ein „Mamiporno“ noch ein antifeministisches Machwerk, sondern funktioniert wie ein gut gemachter Ratgeber, der zeigt, wie sich die Aporien zeitgenössischer heterosexueller Liebesbeziehungen praktisch überwinden lassen. Die „Shades of Grey“-Trilogie bringt die Aporien heterosexueller Beziehungen verschlüsselt zum Ausdruck, bietet eine Phantasie, wie man diese Ausweglosigkeit überwinden kann, und funktioniert letztlich als ein sexueller Selbsthilfeleitfaden. Eva Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jersusalem.

Käthe Kratz / Lisbeth N. Trallori (Hg.)
Liebe, Macht und Abenteuer
Zur Geschichte der Neuen Frauenbewegung in Wien

300 S., Pb., Fotos, Promedia 2013 19,90 EUR
Die Neue Frauenbewegung war eine prägende politische Kraft der 1970er Jahre, die „Aktion Unabhängiger Frauen“ (AUF) die wichtigste autonome Frauenorganisation dieser Zeit. 30 Repräsentantinnen der AUF beschreiben ihren feministischen Werdegang, die gesellschaftlichen Lebensbedingungen und politischen Vorstellungen jener Jahre… und vor allem: wie der gemeinsame Kampf ihr Weltbild ebenso wie ihr Selbstbild verändert hat. Sie erzählen von ihrer Kindheit in den 1950er- und frühen 1960er Jahren, von verbotener Sexualität, Missbrauch, Traumfluchten, Einsamkeit. Und sie beschreiben die Euphorie des Erwachens. Inzwischen sind mehr als 40 Jahre vergangen. Die Strukturen des patriarchal-kapitalistischen Systems haben sich als äußerst resistent erwiesen. Aber ungeachtet aller Rückschläge ist das Leben für Frauen offener, reicher, bunter geworden. Nur: was bedeutet das, wenn es keinen Vergleich, kein Wissen über das Davor gibt? Viele Möglichkeiten, die Frauen und Mädchen offen stehen, werden mittlerweile als selbstverständlich erachtet. Die Thematisierung der Frauen- und Geschlechterfrage scheint nicht mehr zentral. Und doch muss sich jede Generation aufs Neue damit auseinandersetzen. Die Akteurinnen kamen aus unterschiedlichen sozialen und politischen Milieus. Auch in ihren Vorstellungen über eine frauenfreundliche Welt unterschieden sie sich. Was sie verband, war die Überzeugung von der Notwendigkeit eines gemeinsamen Akts der Selbstbefreiung. Die gesellschaftspolitische Transformation, die die Neue Frauenbewegung in Gang gebracht hat, findet bis heute in Form von Gesetzen, Lebensformen, Berufsbildern und generell in einem veränderten Frauenbild ihren Niederschlag. Die veröffentlichte, mediale Wahrnehmung ist freilich eine andere: Der Neoliberalismus hat sich das emanzipative Konzept der Selbstbestimmung angeeignet, es pervertiert und in Egomanie verwandelt. Das feministische Weltbild sieht sich einer Diffamierungskampagne ausgesetzt. Damit wurden die Frauen eines Teils ihrer Geschichte beraubt. Es gilt, ihnen diese Geschichte aus authentischen Quellen wieder zurückzugeben. „Liebe, Macht und Abenteuer“ versteht sich als kollektives Gedächtnis der Neuen Frauenbewegung.

Wir Frauen 2014. Taschenkalender
256 S., Abb., Papyrossa 2013 (erscheint August)
9,95 EUR
Der Kalender erzählt von klugen und mutigen Frauen, die aus der Reihe tanzen, seien es die Revolutionärinnen des Arabischen Frühlings, die Demonstrantinnen bei den Slut-Walks oder alle, die aufstehen gegen Spardiktate und Bankenfütterung in Italien, Portugal, Griechenland und andernorts. Zu Wort kommen auch Rebellinnen der Vergangenheit aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Kultur. Angesichts der aktuellen Auseinandersetzungen um das Recht auf Stadt und öffentlichen Raum ist ein Kleines Lexikon den Architektinnen und Städtebauerinnen gewidmet, angefangen mit Christine de Pisan, die ihre „Stadt der Frauen“ vor über 600 Jahren konzipierte. Und wie immer: Sprüche und Karikaturen, Fotografien und Zeichnungen, Prosa und Gedichte machen den Kalender zu einem spannenden Lesebuch und bieten reichhaltigen Stoff zum Schmökern. Ein übersichtliches Kalendarium und noch mehr Platz für eigene Eintragungen erhöhen zudem den praktischen Nutzwert.

Maria Koch: Frauen erleben Stadt
Die Konstruktion der Geschlechterverhältnisse im öffentlichen Raum

80 S., Pb., Jonas Verlag 2013 18,00 EUR
Das Verhalten von Frauen und ihre Raumerfahrungen im öffentlichen Stadtraum zählen zu den Untersuchungsfeldern der Europäischen Ethnologie / Kulturanthropologie. Die vorliegende Arbeit thematisiert vor dem Hintergrund einer qualitativen Studie (Un)Sicherheiten und Empfindungen von Frauen im Stadtraum Graz. Die geschilderten Emotionen und Strategien der Frauen erweisen sich dabei als gesellschaftliche Konstruktionen, durch die bestehenden Geschlechternormen gefestigt und immer wieder neu hergestellt werden. Es wird gezeigt, dass die Bezugssysteme „Geschlecht“ und „Stadt“ einerseits durch Diskurse, andererseits durch Handeln reproduziert werden.

Ingolfur Blühdorn: Simulative Demokratie
Neue Politik nach der postdemokratischen Wende

304 S., Edition Suhrkamp 2013 20,00 EUR
Sind Proteste wie die der sogenannten „Wutbürger“ oder internationalen Bewegungen wie Occupy Wall Street ein weiterer Beleg für die Krise der Demokratie? Oder doch eher für ihre Lebendigkeit? Ist „Krise“ überhaupt das richtige Wort? Immerhin bezeichnet der Begriff einen vorübergehenden Zustand, aber über Politikverdrossenheit oder gar „Postdemokratie“ wird nun schon seit Jahren diskutiert. Ingolfur Blühdorn schlägt eine andere Lesart vor: Wir erleben, so seine These, einen schleichenden Formwandel des Politischen, den Übergang zur „simulativen Demokratie“, in der demokratische Werte, demokratische Verfahren, ja sogar die Idee des demokratischen Souveräns selbst sich gewissermaßen überlebt haben, gleichzeitig aber mehr öffentliche Zustimmung finden denn je – und deshalb als Simulation sorgfältig kultiviert werden. „Simulative Demokratie“ ist ein gesamtpolitisches Projekt. Sie macht Werte erlebbar, die seit der postdemokratischen Wende gewissermaßen überholt sind, die sich gleichzeitig aber auch radikalisiert haben. Sie leistet breite Inklusion in eine Politik der Exklusion und verleiht damit der von vielen bereits totgesagten Demokratie ein hohes Maß an Zukunftsfähigkeit. Blühdorn lehrt politische Soziologie und Politikwissenschaft an der Universität Bath (GB). Er befasst sich seit Jahren mit dem politischen Erbe der sozialen Bewegungen der siebziger und achtziger Jahre.

David Harvey: Rebellische Städte
283 S., edition Suhrkamp 2013 18,00 EUR
Dass Städte politische Räume sind, verrät bereits die Herkunft des Wortes Politik vom griechischen „polis“. In Städten wird regiert und demonstriert, zuletzt Kairo oder New York. In Städte wird aber auch investiert, Geld verwandelt sich in Häuser, in Wolkenkratzer und Vorortsiedlungen. Und schließlich ist Stadtplanung spätestens seit dem Umbau von Paris durch Geroges-Eugène Haussmann immer zugleich ein Instrument der politischen Kontrolle. All diese Themen geht David Harvey in „Rebellische Städte“ nach. Er befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen Hochhausboom und Wirtschaftskrise, mit dem rasanten Wachstum chinesischer Städte und erkundet das emanzipatorische Potential urbaner Protestbewegungen wie „Occupy Wall Street“ und „Recht auf Stadt“. Die Freiheit, uns selbst und unsere Städte zu erschaffen und immer wieder neu zu erschaffen, ist eines der kostbarsten und dennoch am meisten vernachlässigten unserer Menschenrechte. David Harvey, geb. 1935, ist einer der einflussreichsten Sozialwissenschaftler der Gegenwart. Der überzeugte Marxist lehrte unter anderem in Oxford, an der Johns Hopkins University in Baltimoore und an der London School of Economics. Er gilt als meistzitierter Geograf der Welt.

Thomas Wagner: Die Mitmachfalle
Bürgerbeteiligung als Herrschaftsinstrument

140 S., Papyrossa 2013 (erscheint August) 11,90 EUR
Lange Zeit erschallte der Ruf nach mehr Bürgerbeteiligung vor allem aus alternativen Milieus. Mittlerweile versprechen sich davon maßgebliche Kreise aus Politik und Wirtschaft, der schwindenden Zustimmung zu neoliberalem „Reform“-Projekten und Bauvorhaben wie „Stuttgart 21“ entgegenzuwirken. Doch hinter der Beteiligungsfassade scheinen anti-demokratische Tendenzen einer Mitmach-Republik auf: Die realen Einflussmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger sowie von Parteien und Gewerkschaften werden effektiv beschnitten – ganz im Sinne der von Merkel propagierten „marktkonformen Demokratie“. Zum ersten Mal werden die wichtigsten Bereiche der Mitmachfalle in Buchform gebündelt: Simulierte Partizipationskunst, Digitale Bohème, Bürgerplattformen, Community Organizing, Bürgerhaushalte, „strategische“ Dialoge, Mediationsverfahren sowie die Rolle von Konzernstiftungen, Parteien und ideologischen Vordenkern. Denn wirkliche demokratische Gegenstrategien zu entwickeln, setzt voraus, nicht in die Mitmachfalle zu tappen.

Isabella Radbuber: Der plurinationale Staat in Bolivien
Die Rolle der Ressourcen- und Budgetpolitik

300 S., Westfälisches Dampfboot 2013 (erscheint September) 29,90 EUR
Seit Jahren zieht Lateinamerika internationale Aufmerksamkeit auf sich, und zwar nicht nur als Drehpunkt von Widerstandsbewegungen, sondern auch als „Zukunftswerkstatt“ bei der Suche nach alternativen Lebens- und Organisationsformen. In Bolivien z.B. erreichte die historisch diskriminierte indigen-bäuerliche Bevölkerung mit ihrer Forderung nach einem neuen dekolonialen Entwicklungs- und plurinationalem Staatsmodell, das eine gleichwertige Koexistenz der unterschiedlichen kulturellen Gruppen anstrebt, eine Veränderung in den politischen Kräfteverhältnissen zu ihren Gunsten, die sich in dem partizipativ erarbeiteten Verfassungstext von 2009 niederschlug. In ihrem Buch untersucht Isabella Radbuber in wirtschaftspolitischer Hinsicht, inwiefern das vorgesehene plurale Wirtschaftsmodell bisher umgesetzt werden konnte. Sie erforscht die neue materielle Grundlage des Staates anhand der Staatsfinanzen sowie der Rolle der natürlichen Ressourcen – besonders des aktuell vorherrschenden Erdgassektors – und zeigt Erfolge sowie Spannungsfelder auf: darunter jens zwischen der extraktivistitischen Wirtschaftstendenz und dem plurinationalen Staatsprojekt, das derzeit neue indigene Widerstandsbewegungen auslöst.

Herta Müller: Immer derselbe Schnee und immer derselbe Onkel
4 CD, 3 Std. 40 Min., Hörbuch Hamburg 2013 19,99 EUR
Was es heißt, unter den Bedrohungen der Ceausescu-Dikatatur und ihrer entsetzlichen, bis heute nachwirkenden „Securitate“ zu leben und zu schreiben, das vermittelt Herta Müller in ihrer (hier selbst gesprochenen) Reden und Aufsätzen. Sie reichen von der Klagenfurter Rede zur Literatur aus dem Jahr 2004 bis zur Stockholmer Vorlesung anlässlich des Literatur-Nobelpreises im Jahr 2009. Auf Platz 2 der hr2-Hörbuch-Bestenliste.

Jost Hermand, Sabine Mödersheim (Hg.)
Deutsche Geheimgesellschaften – Von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart

204 S., geb., Böhlau 2013 29,90 EUR
Das Interesse an Geheimgesellschaften war zu allen Zeiten groß. Wegen der vielen dramatischen und zum Teil katastrophalen Umbrüche innerhalb der deutschen Geschichte hat es in diesem Staat besonders viele derartiger Orden, Bünde, Logen und konspirativer Organisationen gegeben. Diese drängten mit aufklärerischer, sozialistischer oder anarchistischer Zielsetzung auf eine reformbetonte oder auch revolutionäre Weise auf eine Veränderung der politischen und sozioökonomischen Verhältnisse. Das Spektrum der Beiträge reicht von den Rosenkreuzern und der Rezeption anonymer hermetischer Traktate der frühen Neuzeit über die Freimaurer und Illuminaten der Aufklärungszeit, die geheimen politischen Bünde des 19.Jahrhunderts bis zu präfaschistischen Geheimbünden, geheimen Widerstandsbewegungen gegen das NS-Regime und dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ der letzten zwanzig Jahre.

Henry D. Thoreau: Lob der Wildnis
112 S., geb., Matthes & Seitz 2013 (erscheint Oktober) 14,90 EUR
Neue Übersetzung von Esther Kinsky. So war Thoreau für den deutschen Leser noch nie zu lesen: schlicht und klar, begeistert und respektvoll in der Genauigkeit seiner Naturbeschreibungen. Er preist die Reichhaltigkeit der Früchte, erfreut sich an der Schönheit seiner landschaftlichen Umgebung und lädt ein, in der Flora vor der eigenen Haustür einen vollkommenen Kosmos zu finden.

Comics

Brad Ricca: Die Supermänner
Jerry Siegel, Joe Shuster und die Erfindung von Superman

496 S., Abb., Pb., Hannibal 2013 (erscheint November) 24,99 EUR
Superman – der Mann aus Stahl! Die erste Biografie über seine Erfinder Siegel und Shuster. Er ist der erste Superheld der Comic-Historie, dazu eine weltweit berühmte Symbolfigur der amerikanischen Werte und Lebensart: Superman! Von allen Superhelden, darunter seine Kollegen wie Batman oder Spider-Man, die alle erst nach ihm kamen, hat Superman den weltweit höchsten Wiedererkennungswert. Erfunden wurde er in den 1930er Jahren von den beiden US-Amerikanern Jerry Siegel und Joe Shuster. Sie schufen die Figuren des Reporters Clark Kent, der ein Doppelleben als Superman führt, und seiner ewigen Liebe Lois Lane. Siegel schrieb die Geschichten, Shuster illustrierte sie. Die beiden hatten einen Nerv getroffen: Auch außerhalb von Amerika wurde Superman binnen kurzer Zeit zu einem Erfolg. Während des Kalten Krieges wurde Superman weltweit zur Symbolfigur der „freien Welt“. Bis dahin war es aber ein weiter Weg voller Rückschläge und Enttäuschungen für Siegel und Schuster. Das Buch „Die Supermänner“ ist die erste Biografie der beiden Pioniere der Superhelden-Comics. Sie schufen eine mythische Figur, die in vielerlei Hinsicht für das 20.Jahrhundert steht. Autor Brad Ricca schildert gleichzeitig auch die Entwicklung der Comic-Industrie mit ihren großen Verlagen Marvel und DC von der Gründerzeit in den 1930er Jahren bis heute. Er ist Leiter des Superman-Archivs in Cleveland und hat Zugriff auf zahlreiche Dokumente, Korrespondenzen und andere Unterlagen. Unterhaltsam und gut recherchiert: Dieses Buch ist ein Standartwerk der Comic-Historie!

Fabio Moon / Gabriel Bà: Daytripper
260 S., geb., Vertigo 2013 (erscheint September) 24,99 EUR
Welches sind die wichtigsten Tage Ihres Lebens? Dies ist die Geschichte von Bràs de Ollivia Domingos, Spross eines weltberühmten brasilianischen Autors. Er träumt davon, selbst Schriftsteller zu werden, und wartet auf den Tag, an dem sein Leben endlich beginnt. Aber würde er es überhaupt bemerken? Eine Graphic Novel, die in den leisesten Momenten die großen Fragen des Lebens stellt. Passend zum Gastland Brasilien der Frankfurter Buchmesse erscheint die brasilianische Graphic Novel Daytripper in Deutschland: Gewinner des Eisner Award für die beste abgeschlossene Serie in 2011.

Alan Moore / Malcolm McLaren / Facundo Percio / Antony Johnston
Fashion Beast

Panini Comics 2013 16,95 EUR
In einer düsteren Zukunft, in de rein nuklearer Fallout droht, lebt der Transvestit Doll, der die Garderobe eines schicken Tanzclubs betreut und vom Ruhm träumt. Doch als ein frustrierter Kunde die Garderobe verwüstet, wird Doll gefeuert und bewirbt sich als Model beim alles beherrschenden Modeschöpfer Celestine – und muss entdecken, dass der besagte Tanzclub-Kunde dort ebenfalls arbeitet.. Alan Moores nach nahezu 30 Jahren wiederentdecktes Drehbuch aus der Zeit, als er Klassiker wie „Miracleman“ und „Watchmen“ schrieb, nun als Comic in der brillanten Bearbeitung von Antony Johnston mit Bildern von Facundo Percio. 1985, noch während er an Watchmen arbeitete, schrieb Alan Moore das Drehbuch für einen abendfüllenden Spielfilm über einen Transvestiten, der vom Starruhm träumt. Doch der Film wurde niemals realisiert und das Material verschwand fast 30 Jahre in der Schublade. Erst als Avatar Press Alan Moore eine neue Graphic Novel vorschlug, wurde es wieder hervorgeholt und mit Antony Johnston (Adaption) und Facundo Percio (Illustrationen) als Comic umgesetzt. Die Geschichte entstand auf Anregung von Malcolm McLaren, dem berühmten Designer und Manager der Sex Pistols, und vereint in sich Elemente des isolierten Lebens von Modeschöpfer Christian Dior mit der Fabel von der Schönen und dem Biest. Die Story umfasst insgesamt 10 Hefte, von denen fünf hier zusammengefasst sind, der Rest folgt in Band 2.

Guillermo del Toro / Chuck Hogan: The Strain Bd. 1
Panini Comics 2013 16,95 EUR
JFK Airport, Flug 753 von Berlin nach New York. Sechs Minuten nach der Landung bricht der Kontakt zur Boeing 777 ab. Kein Lebenszeichen an Bord. Als Dr. Ephraim Goodweather von der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC mit seiner schnellen Eingreiftruppe in die Maschine eindringt, findet er nur noch drei Überlebende und über 200 Leichen vor. Ein bisher unbekanntes Virus? Tatsächlich bricht in New York schon bald eine mörderische Seuche aus – doch die ist anders als alles, womit es Goodweather je zu tun hatte. Die drei Überlebenden von Flug 753 verwandeln sich in blutgierige Monster, und die über zweihundert toten Passagiere erheben sich und gehen auf die Jagd nach Menschenfleisch… Guillermo del Toro, einer der erfolgreichsten Macher des fantastischen Films (Pans Labyrinth, Hellboy, Cronos) und Chuck Hogan, Bestseller-Autor und Hammett-Prize-Gewinner (Romanvorlage für den Hollywood-Thriller „The Town – Stadt ohne Gnade“), schreiben gemeinsam eine düstere, blutige Vampirtriologie, die in den USA die Bestsellerlisten stürmte. Die renommierten Comic-Künstler David Lapham, Gewinner des Eisner-Awards, und Mike Huddleston machten daraus einen atemberaubenden Horror-Comic, der die düstere Welt von del Toto und Hogan gekonnt in Szene setzt.

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Worms Verlag
Abt. Onlineshop
Kultur- und Veranstaltungs GmbH,
Von Steuben Str.5, 67549 Worms
Berthold Röth Tel. 06241-2000-314
e-mail: berthold.roeth@kvg-worms.de

Interkulturelle Buchneuheiten Liste 35

August 30, 2013

Die vorhergehenden Listen können noch allesamt im Archiv unter wormsverlag.wordpress.com abgerufen werden.

LWL-Industriemuseum (Hg.): Wanderarbeit
Mensch – Mobilität – Migration.
Historische und moderne Arbeitswelten

160 S., farbig illustr., Pb., Klartext Verlag 2013 14,95 EUR
Menschen nehmen viel für ihren Beruf in Kauf: Berufspendler fahren zwischen Wohnort und Arbeitsplatz hin und her, Saisonarbeiter sind über Wochen und Monate von ihren Familien getrennt. Wanderschäfer zogen mit ihren Tieren immer zur nächsten Weidefläche weiter, Ziegler machten sich während der Kampagne von Frühjahr bis Herbst auf den Weg in die Fremde. Alle haben eines gemeinsam: Sie wandern, um ihre Berufe ausüben zu können, um überleben zu können und weil sie in der Heimat nicht genug Arbeit finden. Das Phänomen der Arbeitsmigration hat es seit jeher in der Geschichte gegeben. Die Situation hat sich in der Gegenwart nur geringfügig verändert. Die Gründe dafür sind vielfältig: Neben wirtschaftlicher Not, Armut, Karriere oder der Lust auf Abenteuer spielt heute auch die Globalisisierung des Arbeitsmarktes eine große Rolle. Das Buch geht den Ursachen der Arbeitswanderung, ihren Folgen und den Veränderungen in den letzten Jahrhunderten nach und setzt sie in einen historischen und in einen aktuellen Zusammenhang.

Rudolf Tempsch: Aus den böhmischen Ländern ins skandinavische Volksheim. Sudentendeutsche Auswanderung nach Schweden 1938 – 1955
352 S., geb. Wallstein 2013 (erscheint September) 34,90 EUR
Zwischen Flucht- und Arbeitsmigration: sudetendeutsche Flüchtlinge in Schweden. Nach dem Münchner Abkommen 1938 fanden viele verfolgte sudetendeutsche Sozialdemokraten und Kommunisten Zuflucht in Skandinavien, insbesondere in Schweden. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Vertreibung der Deutschen aus der Tscheseslowakei versore nicht nur die meisten der Flüchtlinge ihre Option auf Rückkehr. Bis Mitte der 1950er Jahre folgten ihnen nun weitere sudetendeutsche Immigranten. Rudolf Tempsch zeigt am Beispiel der insgesamt etwa 5000 nach Schweden geflohenen Sudetendeutschen zum einen wie politiche Flüchtlinge während des Kriegs empfangen wurden und wie sie sich an die schwedische Gesellschaft anpassten, zum anderen aber auch, wie nach dem Krieg die ersten Arbeitsmigranten angeworben und aufgenommen wurden. Die Aufnahme der Sudetendeutschen in Schweden stellt ein besonderes erfolgreiches Beispiel für die Integration von Migranten in die Gesellschaft des skandinavischen Landes dar, das von den regierenden Sozialdemokraten in diesen Jahren im Sinne ihres Ideals eines wohlfahrtstaatlichen “Volksheimes” gestante wurde.

Regina Hartung, Katty Nöllenburg, Özlem Deveci (Hrsg.)
Interkulturelles Lernen – Ein Praxisbuch

208 S., debus Pädagogik 2013 24,80 EUR
Die Schule ist ein Ort der Vielfalt und soll allen Schülern und Schülerinnen in ihrer Unterschiedlichkeit gerecht werden. Interkulturelle Kompetenzen sind im schulischen Kontext obligatorisch geworden. Dieses Buch stellt konkrete Projekte vor, die sich in Unterricht und Schule leicht integrieren lassen. Darüber hinaus werden Praxisbeispiele und Empfehlungen zur gelungenen Zusammenarbeit Schule / Elternhaus und zur interkulturellen Schulentwicklung präsentiert. Es ist damit eine Fundgrube von Praktikern für Praktiker. Aus dem Inhalt: Interkultureller Fachunterricht, Interkultureller Sprachunterricht, Interkulturelle Projekte, Zusammenarbeit mit Eltern im interkulturellen Kontext, Interkulturelle Öffnung der Schule, Konzepte zur Schulentwicklung, Materialhinweise, Literaturempfehlungen, nützliche Links

Alfred Holzbrecher (Hrsg.)
Interkulturelle Schule – Eine Entwicklungsaufgabe

416 S., debus Pädagogik 39,80 EUR
Die kulturelle Vielfalt der Schule in einer globalisierten Welt als gesellschaftliche Realität anzuerkennen und als Herausforderung für die Entwicklung des eigenen Unterrichts und der Schule zu begreifen, gehört zu den aktuellen Aufgaben von Lehrern und Lehrerinnen. Sie finden in diesem handlungsorientierten Praxisbuch vielfältige Anregungen, die helfen, den Unterricht mit Interkulturalität als didaktischem Prinzip und als Querschnittsperspektive zu bereichern und den gesellschaftlichen Realitäten anzupassen. Aus dem Inhalt: Globalisierung, Kultur, Werte, BürgerGesellschaft, Diversität in den Lebenswelten, Kommunikation und Sprache, Unterrichtsentwicklung, Schulentwicklung, Entwicklung von Lehrerprofessionalität

Veronika Fischer, Monika Springer, Ionna Zacharaki (Hrsg.)
Interkulturelle Kompetenz
Fortbildung – Transfer – Organisationsentwicklung

272 S., debus Pädagogik 19,80 EUR
Dieses Buch ist das Standartwerk zum Thema. Es wird gezeigt, wie Fähigkeiten entwickelt werden können, das berufliche Handeln vor dem Hintergrund der Einwanderungssituation zu reflektieren und interkulturelles Wissen quasi als Interpretationsfolie für professionelles Handeln zu nutzen ist. Dies ist nicht selbstverständlich, sondern muss zunächst durch Fortbildungen und besondere didaktische Konzeptionen erarbeitet werden. Unter den drei Aspekten: Fortbildung – Transfer – Organisationsentwicklung, wird interkulturelle Kompetenz in diesem Buch thematisiert. Entsprechend gliedert sich die Veröffentlichung in drei größere inhaltliche Blöcke, von denen das erste das Thema der Fortbildung und Transfer des Gelernten in die Praxis, der zweite verschiedene pädagogische Handlungsfelder und der dritte Fragen der Organisationsentwicklung anspricht. Aus dem Inhalt: Gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Fortbildung: Anforderungsprofil, Zertifikationskurse, Assessment-Center interkulturell, Pädagogische Handlungsfelder: Kompetenz in der Beratung, Interkulturelle Gruppenarbeit, Interkulturelle Sensibilisierung und Kontaktarbeit, Transfer und Organisationsentwicklung: Organisationsentwicklung, Interkulturelle Orientierung.

Ionna Zacharaki, Thomas Eppenstein, Michael Krummacher (Hrsg.)
Praxishandbuch Interkulturelle Kompetenz
Vermitteln , Vertiefen, Umsetzen

176 S., debus Pädagogik 19,80 EUR
Theorie und Praxis für die Aus- und Weiterbildung. Die Gestaltung von Integration und interkulturellem Zusammenleben ist eine Herausforderung für Politik, Zivilgesellschaft, soziale und pädagogische Berufe und Einrichtungen. Das Buch erklärt, was „Interkulturelle Kompetenz“ konkret bedeutet und wie sie in der Praxis umgesetzt werden kann. Das Buch besticht durch den interdisziplinären Bezug der Fachbeiträge sowie durch die erfolgreiche Erprobung im „Zertifikatskurs: Basisqualifikation Interkulturelle Kompetenz für Soziale Berufe“. Aus dem Inhalt: Interkulturelle Kompetenz als Bildungsaufgabe, Migration Integration und Recht, Migrations- und Integrationspolitik, Werteorientierung und Normenkonflikte, Religionen und Toleranz, Kommunikation, Umsetzung der interkulturellen Ansätze am Beispiel des Zertifikatkurses „Interkulturelle Kompetenz für soziale Berufe“

Christa Kaletsch: Demokratie-Training in der Einwanderergesellschaft
Aktive Schülervertretung für Schüler, Lehrer und Eltern

240 S., debus Pädagogik 14,80 EUR
Mit diesem Praxisbuch erhalten Multiplikatoren ein Schule und außerschulischer Bildung Anregungen, wie Interesse an demokratischen Prozessen geweckt und eine stärkere Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ermöglicht werden kann. Ein sensibler Blick auf Entscheidungsfindungsprozesse und ein deutliches Votum für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention bilden den Kern des Trainingskonzepts.

Opferperspektive e.V. (Hrsg.): Rassistische Diskriminierung und rechte Gewalt
An der Seite der Betroffenen beraten, informieren, intervenieren

300 S., Westfälisches Dampfboot 2013 19,90 EUR
Vor 15 Jahren wurden nicht nur in verschiedenen Medien weite Teile Brandenburgs als von Neonazis kontrollierte no-go-areas angesehen. Zu diesem Zeitpunkt nahm die Opferperspektive e.V. ihre Arbeit auf. Seitdem unterstützt und berät sie nicht nur Angehörige rechter Gewalt, sondern sie interveniert auf politischer Ebene und versucht so, rechte Dominanz in Städten und Dörfern aufzubrechen, mit dem Ziel, die Perspektive der Betroffenen sichtbar zu machen und eine Solidarisierung zu initiieren. In dem Buch reflektieren MitarbeiterInnen, Betroffene, KooperationspartnerInnen, ExpertInnen und Aktivistinnen, wie sich neben den unterschiedlichen Facetten der Beratungspraxis neue Arbeitsschwerpunkte im Verein entwickelt haben. Die Entwicklungslinien der extremen Rechten und ihrer Organisierung werden ebenso beleuchtet wie die Entstehung des sog. Brandenburger Wegs und der damit einhergehenden Unterstützung zivilgesellschaftlicher Strukturen.

Tobias Pieper: Die Gegenwart der Lager
Zur Mikrophysik der Herrschaft in der deutschen Flüchtlingspolitik

425 S., (2.Auflage); Westfälisches Dampfboot 2013 34,90 EUR
Von der Analyse des Sozialraums Lager aus der Perspektive seiner BewohnerInnen ausgehend fragt Tobias Pieper in seiner Forschungsarbeit auf der Grundlage von raumtheoretischen und sicherheitstechnologischen Überlegungen nach der politischen, ideologischen wie ökonomischen Funktion der Lagerunterbringung von Asylsuchenden und rollt diese in ihren historischen Dimensionen auf. Damit gelingt ihm ein wichtiger Beitrag zur kritischen Aufarbeitung deutscher Flüchtlingspolitik.

Neva Löw: Wir leben hier und wir bleiben hier!
Die Sans Papiers im Kampf um ihre Rechte

170 S., Westfälisches Dampfboot 2013 (erscheint Oktober) 19,90 EUR
Wie kämpfen illegalisierte Migrant_innen um ihre Rechte? Mitte der neunziger Jahre besetzte in Paris eine Gruppe San Papiers eine Kirche, um für legale Aufenthaltstitel zu kämpfen. Mehr als ein Jahrzehnt später streikten mehr als sechstausend illegalisierte Migrant_innen, unterstützt durch die Gewerkschaft CGT, in mehreren Betrieben und verschiedenen Sektoren. Welche Effekte der Ermächtigung erleben die Kämpfenden dabei? An welche Grenzen und Widerstände stoßen Sans Papiers-Bewegungen? Welche Konsequenzen haben die eingegangenen Bündnisse? Und welche politischen Effekte haben die Kämpfe illegalisierter Migrant_innen? Neva Löw beschäftigt sich in ihrer Studie mit Möglichkeiten der Organisierung illegalisierter Migrant_innen im postfordistischen Migrationsregime. Anhand qualitativer Interviews analysiert sie zwei Widerstandspraxen und setzt sie zueinander in Bezug. Durch die Untersuchung der Ideologien der Bewegungen, deren Strategien und Taktiken sowie der eingegangenen Bündnispolitiken rückt sie Migrant_innen ohne Aufenthaltsgenehmigung in Frankreich ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Blätter für deutsche und internationale Politik 9`13
130 S., Blätter Verlag 2013 9,50 EUR
u.a.: Die neue Flüchtlingsbewegung, Gezi oder: Das Imperium der Angst ist zerstört (Taksim-Platz Istanbul), Ägypten: Mythos Militärdemokratie,

Francoise Hauser: Fünfzig Mal Mund auf in Belgien
120 S., TB, Dryas 2013 (erscheint September) 10,95 EUR
Im Ausland ist Belgien vor allem für Bier, Pommes und Pralinen bekannt. Doch das kleine Nachbarland hat so viel mehr zu bieten: Wie wäre es mit Cuberdon-Bonbons? Einem „Maschinengewehr“ zu Mittag? Oder hätten Sie gewusst, dass Rosenkohl und Chicoree echte Belgier sind? Mal deftig, mal raffiniert, aber immer üppig überrascht die belgische Küche hier und da mit ungewohnten Kombinationen: Kirschen zu den Frikadellen und Apfel-Birnenkraut-Soße zu den Pommes schmecken besser, als es die meisten Deutschen glauben. In diesem Sinne: Eet smakelig beziehungsweise bon appetit! Die Journalistin Francoise Hauser und ihr Sohn Elias – ein bekennender Fan der belgischen Fritten – haben sich zusammen auf die Reise gemacht und sich durch ein kleines Land mit großer Küche geschlemmt.

Thomas Laubach (Hg.): Kann man Gott beleidigen?
Zur aktuellen Blasphemie-Debatte

244 S., Pb., Herder 2013 (erscheint September) 12,99 EUR
Das Thema Blasphemie hat explosionsartig an Bedeutung gewonnen. Vom „Punk-Gebet“ in einer orthodoxen Kirche über Mohammed-Karikaturen bis zum Papst auf dem Cover einer Satire-Zeitschrift. Während die einen auf die Meinungsfreiheit pochen, sehen viele Gläubige den Tatbestand der Blasphemie erfüllt. Können Gott und Glauben überhaupt beleidigt werden? Deckt die Meinungsfreiheit jede Äußerung ab? Braucht Religion den Schutz durch den Staat?

Thomas Bauer, Berthold Höcker, Walter Homolka, Klaus Mertes:
Religion und Homosexualität – Aktuelle Positionen

64 S., Pb., Wallstein 2013 (erscheint Oktober) 9,90 EUR
Wie stehen die monotheistischen Weltreligionen zu Homosexualität? Vier Perspektiven auf gleichgeschlechtliche Liebe in Katholizismus, Protestantismus, Judentum und Islam. In den monotheistischen Hauptreligionen der Welt ist die sexuelle Lust am eigenen Geschlecht mindestens umstritten, meistens wird sie abgelehnt und unter Strafe gestellt. Bis auf ausdrücklich liberale Lesarten wird dabei Sexualität immer auf einen einzigen Aspekt beschränkt: die Fortpflanzung. In den verschiedenen Theologien, den Auslegungen der jeweils Heiligen Schriften, gibt es jedoch Deutungsmaterial, das die Liebe zwischen Menschen gleichen Geschlechts aufgreift und von ihr erzählt – aber in den volksfrommen Lebensweisen bleibt man konservativen, traditionellen Verständnissen verhaftet: Homosexuelles gilt wahlweise als Sünde, Krankheit, gar Perversion. Wer schwul oder lesbisch lebt, hat es schwer, gleichwertiger Teil eines dieser Glaubenssysteme zu sein. Allein liberale Gruppen von Judentum und Protestantismus integrieren nichtheterosexuelle Beziehungen aktiv in ihr Gemeindeleben. Wenigstens in den europäischen, nordamerikanischen oder ozeanisch-industriellen Ländern werden mehr und mehr theologische Leseweisen kultiviert, die die strikt heteronormative Interpretation unterlaufen, und sie damit historisierend revidieren. Der Band versammelt vier Lesarten religiöser Schriften und Überlieferungen, die den aktuellen Diskurs der Debatten um Homosexualität und Religion widerspiegeln.

Georg Bier (Hg.): Der Kirchenaustritt
Rechtliches Problem und pastorale Herausforderung

288 S., Pb., Herder 2013 14,99 EUR
Kann man nach staatlichem Recht aus der katholischen Kirche „austreten“ und trotzdem weiter zur Glaubensgemeinschaft gehören? Die neu entfachte Debatte führen Experten aus Theologie und Rechtswissenschaft fort. Sie erörtern religionssoziologische, dogmatische, pastorale und kirchenrechtliche Aspekte, fragen nach der Situation in Österreich, der Schweiz sowie in den evangelischen Landeskirchen und entwerfen so ein facettenreiches Bild des Kirchenaustritts.

Gerd Lüdemann: Der echte Jesus
Seine historischen Taten und Worte. Ein Lesebuch

100 S., zu Klampen 2013 (erscheint Oktober) 9,80 EUR
Jesus von Nazareth ist für das christliche Abendland die zentrale Person. Über ihn sind Bibliotheken zusammengeschrieben worden. Die meisten Jesus-Bücher sind jedoch wertlos, da sie naiv den geglaubten Christus für den historischen Jesus ausgeben. Inzwischen ist sich die internationale kritische Forschung darüber einig, dass die meisten Worte Jesu nachträgliche Zuschreibungen und das Gross seiner Taten Projektionen sind. In seinem großen analytischen Werk „Jesus nach 2000 Jahren“ legte Gerd Lüdemann vor mehr als einem Jahrzehnt den Stand der exegetischen Forschung zugrunde und fand nur wenige verbürgte Jesustaten und –worte in den Evangelien. Er präsentiert nun diese Minderheit der echten Taten und Worte Jesu in seinem neuen, handlichen Buch, das sich auf einen breiten wissenschaftlichen Konsens berufen kann, und hofft, auf diese Weise dem Mann aus Nazareth historisch näher zu kommen.

Kathrin Ueltschi / Jens Oldenburg: Verborgene Feste
Wie religiöse Gemeinschaften in der Schweiz ihre Feste feiern

280 S., geb, farb. Abb., rüffer & rub 2013 (erscheint November) 38,40 EUR
Feste sind in allen Religionen Ausdruck tiefer Verbundenheit mit dem Glauben, sei es bei Christen, Muslimen, Hindus, Aleviten oder Bahai. Jeder religiöse Mensch verbindet mit ihnen tiefe emotionale Erlebnisse. Die Journalistin Kathrin Ueltschi und der Fotograf Jens Oldenburg begleiteten zwölf verschiedene Religionsgemeinschaften in der Schweiz bei ihren Festen. Entstanden sind Bilder von intimen Momenten, religiösen Ritualen oder von farbenprächtigen Prozessionen. „Verborgene Feste“ zeigt eindrückliche Fotos und legt vielgestaltige Texte vor, die unbekannte und überraschende Einblicke in andere Kulturen ermöglichen.

Atac / Fanizadeh / Kraler /Manzenreiter (Hg.)
Migration und Entwicklung. Neue Perspektiven

280 S., Pb., ProMedia 2013 24,90 EUR
Im Zentrum des Bandes steht die Verschränkung der beiden Themen Migration und Entwicklung. Die Bedeutung von MigrantInnen für ihre Herkunftsländer war seit den 1960er Jahren immer wieder Gegenstand von Debatten. Im deutschsprachigen Raum lässt eine Bestandsaufnahme des Themenkomplexes noch auf sich warten. Die Lücke soll das vorliegende Buch füllen: als übersichtliche Einführung bei gleichzeitiger theoretischer und empirischer Vielfalt. Damit soll es sowohl für das wissenschaftliche Fachpublikum und Studierende als auch für EntscheidungsträgerInnen in der Entwicklungszusammenarbeit von Relevanz sein. Der Zusammenhang von Migration und Entwicklung wirft die fundamentale Frage auf, was unter „Entwicklung“ zu verstehen ist. Wie lassen sich Vorstellungen von MigrantInnen als dynamische Akteure der wirtschaftlichen Globalisierung mit menschenrechtsbasierten Vorstellungen vereinbaren? Sind der Nationalstaat bzw. als national verfasst gedachte Gesellschaften überhaupt sinnvolle Bezugsgrößen, um die Entwicklungsaspekte von Migration zu problematisieren? Unterscheidet sich internationale Migration von Binnenmigration in ihren Entwicklungsaspekten? Und wie wirkt sich Migration auf (Un-)Gleichheitsverhältnisse in lokaler, nationaler und globaler Dimension aus? „Migration und Entwicklung“ ist nicht nur zu einem zentralen entwicklungspolitischen Thema avanciert, sondern auch zunehmend wichtig im Kontext migrationspolitischer Diskussionen, zumal auf europäischer Ebene. Aber lässt sich eine auf Kontrolle ausgerichtete Migrationspolitik und ein von starken wirtschaftlichen Interessen geleitetes „Migrationsmanagement“ mit dem Anspruch auf sozialen und regionalen Ausgleich und der Überwindung globaler Ungleichheit verbinden? Oder dient das Aufgreifen von Entwicklungsaspekten von Seiten der Einwanderungsstaaten lediglich dazu, die „dunkle Seite“ der Migrationspolitik, die im Aufbau von Grenzregimen mit technisch aufwendigen Überwachungen und einer ausgefeilten Praxis von Abschiebungen besteht, zu kaschieren? Der Band will Antworten auf diese Fragekomplexe liefern.

C. Schuenke / B. Struzyk (Hg.): Fremde Heimat – Texte aus dem Exil
320 S., geb., Matthes & Seitz 2013 24,90 EUR
„Fremde Heimat“ versammelt zwanzig Autoren aus fremden Ländern, die Zuflucht in Deutschland gefunden haben und denen eines gemeinsam ist: Sie haben die Freiheit des Wortes benutzt zur Verteidigung des Lebens, das ihnen wichtig ist. Entstanden ist nicht nur eine Sammlung von Texten aus dem Exil, sondern gleichsam eine Weltkarte der Verfolgung des Wortes und der Vertreibung derer, die es sich nicht verbieten lassen, aber auch ein Atlas ihrer Hoffnung und ihrer Zuversicht.

Herta Müller: Immer derselbe Schnee und immer derselbe Onkel
4 CD, 3 Std. 40 Min., Hörbuch Hamburg 2013 19,99 EUR
Was es heißt, unter den Bedrohungen der Ceausescu-Dikatatur unr ihrer entsetztlichen, bis heute nachwirkenden „Securitate“ zu leben und zu schreiben, das vermittelt Herta Müller in ihrer (hier selbst gesprochenen) Reden und Aufsätzen. Sie reichen von der Klagenfurter Rede zur Literatur aus dem Jahr 2004 bis zur Stockholmer Vorlesung anlässlich des Literatur-Nobelpreises im Jahr 2009. Auf Platz 2 der hr2-Hörbuch-Bestenliste.

Zmicier Vishniou: Das Brennesselhaus
300 S., geb., Luxbooks 2013 (erscheint Herbst) 22,80 EUR
Safa Burschtyn, der seit seiner Geburt auf dem elterlichen Sofa die Welt „kopfüber entdeckte und deshalb Schriftsteller wurde“, verdient sich seinen Lebensunterhalt mit dem Malen pseudostalinistischer Ölgemälde. Er lebt in Minsk, bis Seltsames geschieht: Ein Handwerker gräbt einen Tunnel durch seine Wohnung, seine Freundin Natascha entführt ihn in die mythischen Sümpfe der weißrussischen Sprache, die Kaktusmafia lässt den Gemüsegarten der Großeltern zuwuchern, ein gelber Gartenzwerg überwacht Safa gleich einem Angehörigen des Geheimdienstes – ob real oder virtuell, jede dieser Gestalten unternimmt den Versuch, Safa davon abzuhalten, seinen Roman zu schreiben. Safa landet schließlich im Künstlerhaus „Tacheles“ in Berlin inmitten von Freaks, Performern, Kunsthändlern, Literaturagenten und schrägen Typen. Geheime Drahtzieherin und literarische Metaebene des Romans ist eine schräge weißrussische Großmutter, die in wandelbarer Gestalt als Literaturkritikerin oder Lebensberaterin mit moralischen Ansprüchen das Geschehene kommentiert und vorantreibt. Eine surreale, hochkomische und überaus unterhaltsame Tour de Force durch die weißrussische Seele, eine wundersame Reise für Safa, ein großer Roman! Ein Must-Have für alle Fans der slawischen Literatur vom wichtigsten Erzähler des modernen Weißrusslands.

DJ Stalingrad: Exodus
128 S., Pb., Matthes & Seitz Berlin 2013 14,90 EUR
Im Rausch der Gefahr – Ein Roman aus dem Untergrund. „Exodus“ ist der authentische Entwicklungsroman eines Aussteigers am Rand der Gesellschaft. Allgegenwärtiges Elend, absolute Perspektivlosigkeit und Wut prägen von Kindheit an die Umgebung des Erzählers. Er antwortet darauf mit roher Gewalt: Keine Schlägerei, kein Straßenkampf ist ihm zu blutig oder zu sinnlos, er hängt weder am Leben noch glaubt er an irgendwelche Werte. Doch mit diesem drastischen, ungeheuer intensiven Buch, das zunächst in Samsidat erschien, findet er eine Sprache für den Krieg an der Peripherie der Großstädte. Schreibend macht sich Piotr Silaev, alias DJ Stalingrad, Angehöriger der roten Skinheadsezne, Anarchist und Antifaschist mit philologischer Hochschulbildung, auf die Suche nach einer höheren Wahrheit, die uns alle angeht. DJ Stalingrad (Piotr Silaev) wurde 1985 in Moskau geboren. Er war an etlichen militanten antifaschistischen Aktionen in Moskau beteiligt. Ende 2008 reiste er unter Verhaftungsandrohung nach Griechenland, wo er unter Pseudonym „Exodus“ schrieb. Im Sommer 2010 war er erneut gezwungen, Russland zu verlassen, da er im Zusammenhang mit der Organisation von Aktionen in Chimki auf der landesweiten Fahndungsliste landete. Gegenwärtig lebt er in Spanien, Auslieferungsanträge wurden bislang abgelehnt.

Rolf Holsfeld (Hg.): Johannes Lepsius – Eine deutsche Ausnahme
Der Völkermord an den Armeniern, Humanitarismus und Menschenrechte

304 S., Pb., Wallstein 2013 (erscheint September) 29,90 EUR
Über den couragierten Dokumentaristen des Genozids an den Armeniern. Der evangelische Theologe Johannes Lepsius (1858 – 1926) gründete im späten 19.Jahrhundert das Armenische Hilfswerk, später Flüchtlingsheime und Waisenhäuser. Sein „Bericht über die Lage des armenischen Volkes in der Türkei“ (1916/16) wurde 1916 von der deutschen Zensur verboten. Dennoch konnte er mit seiner Sammlung wichtiger diplomatischer Aktenstücke „Deutschland und Armenien 1914 – 1918“ (1918) eine breite Aufmerksamkeit für den Völkermord erzielen. Internationale Expertinnen und Experten untersuchen das Leben des „Schutzengels der Armenier“.

Sabine Mangold-Will: Begrenzte Freundschaft
Deutschland und die Türkei 1918 – 1933

528 S., geb., Wallstein 2013 42,00 EUR
Die deutsch-türkischen Beziehungen in der Weimarer Republik und die Abwehr der unbegrenzten Moderne. Der Erste Weltkrieg gilt in der Öffentlichkeit vielfach noch immer als die Geburtsstunde der deutsch-türkischen „Waffenbrüderschaft“ und einer Freundschaft ohne Hintergedanken. Doch warum endete dieser Mythos mit der gemeinsamen Niederlage 1918 nicht, sondern wurde vielmehr gerade in den Jahren danach erst eigentlich geschaffen? Sabine Mangold-Will beschreibt die deutsch-türkischen Beziehungen zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland in ihrer internationalen wie transnationalen Dimension zwischen Diplomatie, Vereinswesen, interessierten Gesellschaftskreisen, Bildungspolitik und Sport. Dabei fragt die Autorin insbesondere nach den wechselseitigen Interessen einer von beiden Seiten formulierten angeblich ungebrochenen und zweckfreien Freundschaft. Die Erklärung dafür findet sich in einem gemeinsamen Kampf gegen das System der Pariser Friedensordnung und der Abwehr einer beschleunigten Verwestlichung. So lässt sich für die Jahre 1918 bis 1933 lediglich von einer begrenzten Freundschaft sprechen, deren Inszenierung in Deutschland wie in der Türkei dem geteilten Kampf gegen eine unbegrenzte Moderne galt.

Sabahattin Ali: Die Madonna im Pelzmantel
260 S., geb., Dörlemann 2013 (erscheint August) 18,90 EUR
In Ankara kennt man Raif Efendi als duldsamen Mann, der weder die Eskapaden seiner Töchter noch die Verleumdungen am Arbeitsplatz meistert. Kaum jemand ahnt, wer sich hinter der Maske stummen Gleichmuts verbirgt. Ein eng beschriebenes Schulheft lüftet endlich sein Geheimnis. Die Aufzeichnungen führen in das Berlin der zwanziger Jahre. Arbeiter und Bohemiens heben in miefigen Absteigen die Gläser auf eine ungewisse Zukunft, und eine geheimnisvolle junge Malerin – die „Madonna im Pelzmantel“ – kreuzt wie zufällig Raifs Wege. Als er sie eines Abends in einem Nachtlokal wieder trifft, weiß er, dass ihrer beider Schicksal untrennbar verwoben ist. Eine hinreißend deutsch-türkische Liebesgeschichte und eine Ode an das Berlin der wilden Zwanziger. Sabahattin Ali wurde 1907 in Gümülcine geboren. Nach seinem Studium in Berlin und Potsdam lehrte er in der Türkei Deutsch. Ali musste zeitlebens gegen die staatliche Zensur kämpfen, 1932 wurde er wegen eines Satire-Gedichts über Atatürk für ein Jahr inhaftiert. 1944 gab er in Istanbul das Satire-Blatt „Markopasa“ heraus. Am 2.April 1948 wurde Ali auf der Flucht ins Exil an der bulgarischen Grenze ermordet. Bis heute ist ungeklärt, ob er einem Raubmord oder einem politischen Anschlag zum Opfer fiel.

Yasar Kemal: Auch die Vögel sind fort
130 S., geb., Unions Verlag 2013 12,95 EUR
Zum 90.Geburtstag am 6.Oktober 2013: Yasar Kemals (Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels) bewegender Istanbul-Roman. Jeden Herbst gehen die Vögel in Schwärmen auf einem Strand vor Istanbul nieder. Seit den Tagen des alten Byzanz will es die Sitte, dass die Städter sie vor den Moscheen, Kirchen und Synagogen kaufen und wieder freilassen. Sie sollen an der Pforte des Paradieses Fürbitte leisten. Als aber drei Gassenjungen ihre vollgestopften Käfige auf Istanbuls Plätze tragen, ernten sie nur Spott und Hohn. Man beschimpft, verjagt die Jungen und hetzt die Polizei auf sie. Mit knurrenden Mägen, leeren Taschen, enttäuscht und erniedrigt, kehren sie an den Strand zurück. Yasar Kemals Istanbul ist eine farbige, brodelnde Welt. Spitzbuben und Tagträumer, Gestrandete und Gescheiterte leben an den Rändern einer Stadt, die gleichgültig und hektisch geworden ist.

Celil Oker: Schnee am Bosporus
Remzi Ünals erster Fall

160 S., TB, Neuausgabe, Unionsverlag 2013 10,95 EUR
In seinen besseren Tagen war Remzi Ünal Pilot bei der Luftwaffe und bei Turkish Airlines. Seit er dort rausgeflogen ist, sorgt sein Job als Privatdetektiv fürs nötige Kleingeld. Das ist aber ein Beruf, den es in der Türkei noch gar nicht so richtig gibt. Dass er bei seinem ersten großen Fall nicht nur einen ausgerissenen Studenten finden soll, wird ihm schmerzhaft klar, als er über eine Leiche stolpert und plötzlich seine Aikido-Kenntnisse dringend braucht.

Ab September: Die Istanbul-Krimis von Remzi Ünal zum Sonderpreis von 25,00 EUR. Vier Einzelbände im Paket, 896 S.,: Schnee am Bosporus; Foul am Bosporus; Letzter Akt am Bosporus; Dunkle Geschäfte am Bosporus. Remzi Ünal erforscht die verborgenen Seiten Istanbuls.

Burco Dogramici: Fotografieren und Forschen
Wissenschaftliche Expeditionen mit der Kamera im türkischen Exil nach 1933

240 S., 173 Abb., geb., Jonas Verlag 2013 (erscheint Oktober) 30,00 EUR
Burcu Dogramici widmet sich der Tätigkeit deutscher Wissenschaftler in der Türkei in den 1930er Jahren und untersucht, wie sie die damals neuen Kleinbildkameras für ihre Forschungsvorhaben einsetzten. Die Kinderärzte Albert und Erna Eckstein waren wie die Zoologen Curt und Leonore Kosswig, der Architekt Gustav Oelsner, der Indologe Walter Ruben und der Alt-Philologe Georg Rohde vor den Nationalsozialisten in die Türkei geflohen. Auch der Komponist Paul Hindemith wirkte ab 1935 für mehrere Jahre als Berater der türkischen Regierung. Mit ihren Fotoapparaten erkundeten sie das ihnen fremde Land, widmeten sich Baukultur, Kulturgeschichte, Landschaften und Menschen. In ihren Fotografien manifestieren sich spezifische Interessen, die wissenschaftliche Fragestellungen berühren. Besonders der Pädiater Eckstein hinterließ ein eindrucksvolles Oeuvre mit außergewöhnlichen Aufnahmen anatolischer Frauen und Kinder, denen er in seinen poliklinischen Sprechstunden begegnete. Die Biologin Leonore Kosswig interessierte sich für die örtlichen Lebensweisen und kunsthandwerklichen Traditionen; als eine der ersten weiblichen Forschungsreisenden war sie in der ländlichen Türkei unterwegs. Die eindrucksvollen Aufnahmen der Türkei-Emigranten werden nun erstmals ausführlich publiziert. Das Buch artikuliert die These, dass die Motivation zur Auseinandersetzung mit der Türkei auf ein Assimilierungsbedürfnis zurückging, das mit einem wissenschaftlichen wie fotografischen Interesse korrespondierte: Fotografie als zentrales und sehr persönliches Medium der Welt- und Wissensaneignung in der Emigration.

Pinar Selek: Frau im Exil
80 S., Pb., Orlanda Verlag 2013 8,00 EUR
Pinar Selek wurde am 24.Januar 2013 in Abwesenheit in Istanbul zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe unter verschärften Bedingungen verurteilt. Aktuell befindet sich die Soziologin, politische Aktivistin und Autorin im französischen Exil. Im Orlanda Verlag erschienen ihr Roman „Halbierte Hoffnungen“ (2011) und das Sachbuch „Zum Mann gehätschelt. Zum Mann gedrillt“ (2010). Hier blickt sie auf eine Geschichte von fünfzehn Jahre juristischer Willkür zurück, der sie bis heute ausgesetzt ist. Sie erzählt, was es bedeutet, im Exil zu leben, ohne Freunde und Familie und auch weit weg von der Heimat zu sein, nach der sie sich sehnt. Auf sehr berührende Weise beschreibt Pinar Selek, wie es sich anfühlt, nicht mehr selbst bestimmen zu können, wo man leben will. Ergänzt wird Seleks Standortbestimmung durch einen Text von Karin Karakash. Die armenische Schriftstellerin ist wiederum seit fast fünfzehn Jahren mit Pinar Selek befreundet, hat deren Odyssee aus der Türkei mitverfolgt und unterstützt sie und ihre Familie.

Ebru Tasdemir: Koffer Eltern – Zwischen Heimat und Arbeitsplatz
200 S., Pb., Orlanda Verlag 2013 (erscheint September) 18,00 EUR
Ebru Tasdemir im Jahre des Anwerbestopps für Gastarbeiter geboren und mit dem berüchtigten „Koffer auf dem Schrank“ in Berlin aufgewachsen lebt immer noch gern in Berlin. „Koffer Eltern. Zwischen Heimat und Arbeitsplatz“ spricht ein Thema an, das in vielen (türkisch-deutschen) Familien bisher tabuisiert oder zumindest nicht ausreichend besprochen und ausgesöhnt wurde. Kinder, die bei Verwandten zurückgelassen werden; Eltern und Kinder, die sich nur in den Ferien sehen; das Pendeln zwischen zwei Orten, das die Betroffenen nirgendwo ankommen und einen wichtigen Teils des eigenen Lebens stets vermissen lässt – dies und vieles mehr sind Nebenwirkungen der Arbeitsmigration, die ein Teil unseres modernen Lebens geworden ist. Während in dem 2011 erschienenen Buch „Generation Koffer“ einige der „Kinder“ der so genannten Gastarbeiter_innen ihre Geschichte erzählen, kommen in diesem Band auch die Väter und Mütter mit ihrer Perspektive zu Wort, so dass ein Dialog zwischen den Generationen stattfindet. Die Autorin Ebru Tasdemir, suchte deutschlandweit betroffene Menschen auf und kam mit ihnen ins Gespräch. Ihr Buch liefert einen wichtigen Beitrag zur Migrationsgeschichte, in der dieser Aspekt noch immer kaum beleuchtet wurde.

Imad Mustafa: Der politische Islam
Zwischen Muslimbrüdern, Hamas und Hizbollah

240 S., Pb., Promedia 2013 17,90 EUR
Täglich in den Medien verbreitete Begriffe wie „Fundamentalisten“, „Extremisten“ oder „Terroristen“ assoziieren den Islam mit irrationalen Formen von Gewalt- und Herrschaftsausübung. Das vorliegende Buch lässt die Protagonisten der islamischen Welt selbst zu Wort kommen, deren Stimmen nach dem „Arabischen Frühling“ lauter und vernehmbarer geworden sind. Imad Mustafa stellt die bekanntesten politischen islamischen Bewegungen und Denker in einen historischen und gesellschaftlichen Kontext, in dem er ihre programmatischen Schriften und Reden übersetzt und kritisch analysiert. Er tritt damit zugleich den Nachweis an, dass es sich bei den vorgestellten Gruppen aus dem Nahen Osten und Nordafrika um genuin politische Organisationen handelt. Ausgehend von den historischen Ursprüngen des modernen politischen Islams im 19.Jahrhundert zeichnet der Autor die Entwicklung bis zum heutigen Tag nach. Eine zentrale Quelle der aktuellen Hochblüte islamischer Politik ortet er im Denken arabischer Intellektueller gegen Ende des Osmanischen Reiches. Von Beirut, Kairo und Damaskus aus setzten sie sich mit den Folgen einer lang andauernden, als erniedrigend empfundenen Fremdherrschaft auseinander. Der Ruf nach einer Änderung der sozialen und politischen Verhältnisse sowie nach national-religiöser Erneuerung schallte schon damals durch die gesamte arabische Welt. Er bildete die Grundlage für fas alle aktuellen islamischen Bewegungen. Anhand ihrer politischen, religiösen, ideologischen, ökonomischen sowie sozialen Standpunkte werden bekannte Organisationen miteinander verglichen. Für westliche Medienkonsumenten wird dabei eine erstaunliche Vielfalt offenbar. Damit wird das gängige Vorurteil entkräftet, der Islam und die islamischen Bewegungen würden einen einheitlichen Block bilden. Der Autor weist nach, wie differenziert das Spektrum politisch-islamischen Denkens ist und widerspricht damit dem herkömmlichen Bild eines monolithischen islamischen Fundamentalismus.

Hadayatullah Hübsch: Der muslimische Witz
180 S., geb., Patmos 2013 (erscheint September) 14,99 EUR
Der Islam kennt Humor und Muslime können lächeln! Dieses Buch tritt den Beweis an. Zum ersten Mal erscheint eine umfangreiche muslimische Witzesammlung, zusammengetragen aus vielen Ländern und verschiedenen Zeiten.

Maulana Rumi: Sei Sonne, sonst bleibst du Fledermaus
384 S., geb., Marix Verlag 2013 (erscheint September) 10,00 EUR
Maulana Dschelaluddin Rumi (1207 – 1273), Sufi-Mystiker, ekstatischer Dichter des islamischen Mittelalters, Drehwirbeltänzer, vielfach als „größter pantheistischer Poet des Planeten“ bezeichnet, hinterließ ein riesiges, bodenloses Werk aus 60.000 inspirierten Versen. Der bisher in deutschsprachigen Auswahlausgaben betonte Rumi zeigt ihn eher als frommen Gottesmann; hier werden nun Seiten an ihm hervorgehoben, für die er bisher weniger bekannt war: der bizarre Humorist, der grübelnde Philosoph, der verblüffende Metaphernschmied mit unorthodoxen, freizügigen, deftigen und archaischen Zügen, der Parabelerzähler, dessen weltumspannendes Epos „Mathnawi“ ein Sammelbecken tiefsinniger Geschichten bietet.

Christa Chorherr: Im Schatten des Halbmonds
Christenverfolgung in islamischen Ländern

228 S., zahlr. Abb., geb., Styra premium 2013 24,99 EUR
Es ist eine unbequeme Wahrheit: Die Übergriffe auf Christen haben weltweit ein nie gekanntes Ausmaß erlebt. Geschätzte 100 Millionen Menschen in über 50 Ländern werden bedrängt, diskriminiert und verfolgt, weil sie sich zum christlichen Glauben bekennen – und die Welt schweigt. Besonders in den Staaten des Arabischen Frühlings hat sich die Situation verschärft, Extremisten sind auf dem Vormarsch, und Scharia und Toleranz gegenüber Andersgläubigen vertragen sich nicht. Welchen Schikanen, Repressalien und welcher Willkür sind christliche Minderheiten in islamischen Ländern heute ausgesetzt? Wie konnte es dazu kommen, dass aus einem christlichen Territorium – indem letztlich auch die Wiege des Christentums stand – ein islamisches wurde? Wie soll, wie kann es weitergehen ? Das Buch beleuchtet die Geschichte der Christenverfolgung von der islamischen Expansion im 7.Jahrhundert bis heute, zeigt historische Fakten und Hintergründe auf und fragt nach Ursache und Wirkung der aktuellen Situation: komplex, packend und informativ.

Ibn Battuta: Reisen ans Ende der Welt
Durch Afrika und Asien 1325 – 1353

320 S., geb., Edition Erdmann 2013 24,00 EUR
Fasziniert von der Welt legt der Araber Ibn Battuta, wie noch kein Mensch vor ihm, in etwa 27 Jahren rund 120.000 km zurück und sprengt damit den Rahmen seines ursprünglichen Vorhabens von seiner Geburtsstadt Tanger aus nach Mekka zu pilgern. Mit Schiffen, Kutschen und auf Kamelen unternimmt er eine Reise durch die gesamte islamische Welt und darüber hinaus – damit erweitert er die traditionellen Gebiete arabischer Geographen. Im Auftrag des Sultans von Marokko hält der größte Weltreisende des Mittelalters seine Erlebnisse in diesem eindrucksvollen Reisebericht fest. Battuta liefert landes- und volkskundliche Betrachtungen sowie Verzeichnisse von Reiserouten und hinterlässt der historischen und ethnologischen Forschung damit reiche Quellen des Mittelalters. Ibn Battuta wurde 1304 in Tanger geboren und 1368 oder 1377. Er bereiste und beschrieb im 14.Jahrhundert weite Teile der Welt. Bekannt wurden seine Aufzeichnungen in Europa erst im 19.Jahrhundert. Sie sind ein überzeugender Beleg für die kulturelle und wissenschaftliche Führungsrolle der Araber im Mittelalter.

Raja Alem: Das Halsband der Tauben
600 S., geb., Unionsverlag 2013 26,95 EUR
In einer Gasse in Mekkas Altstadt wird eine unbekannte Tote gefunden, nackt, mit entstelltem Gesicht. Die Bewohner sind in Aufruhr, und allmählich kommen verborgene Geheimnisse an den Tag: verbotene Liebesbeziehungen, Familientragödien, aber auch zwielichtige Geschäfte inmitten dieser aufgewühlten Stadt, in der religiöse Tradition und brutale Spekulation aufeinanderprallen. Inspektor Nasser wird mit der Untersuchung beauftragt. Er taucht ein die Lebensgeschichten von zwei vermissten Frauen, die an den Hindernissen ihrer Umgebung zerbrochen sind. Bald stößt er auf bedrohliche Mächte: Korruption und Immobilienprojekte bedrohen die alte, ehrwürdige, heilige Stadt Mekka. Raja Alems Mekka ist Ort der Gegensätze: aufrichtig und bestechlich, reich und arm, sündig und rein. Geschichte, Gegenwart und Fantasie vereinigen sich zum Lebensbild einer Stadt, die so in der Literatur noch nie beschrieben wurde.

Alaa al-Aswani: Der Jakubijan-Bau
365 S., Pb., Lenos 2013 12,50 EUR
Roman aus Ägypten. Die Armen wohnen oben, auf dem Dach, in kleinen Kabüffchen, die ursprünglich als Abstellkammern konzipiert waren. In den Stockwerken darunter geht es kaum weniger knapp zu. Dort hat ein durch die Revolution von 1952 teilenteigneter Grundbesitzer sein Büro mitsamt Liebesnest, ein Chefredakteur seine Wohnung, ein Neureicher das Domizil für seine Zweitfrau und haben viele Ungenannte ihr ganz normales Zuhause. Auf vielfältige Weise verweben sich die Leben der Bewohner. Das Haus wird zum Mikrokosmos für Ägypten. Alaa al-Aswanis Roman stellt vieles dar, was es in Ägypten gibt, worüber aber nicht häufig – und eigentlich nie in dieser Direktheit – gesprochen wird. Da kommt der junge Mann nicht an die Polizeischule, weil sein Vater nur Türhüter ist. Da hält sich der wohlhabende Journalist einen armen Oberägypter als Bettgenossen. Da predigt der eine Geistliche für die Regierungspolitik, der andere für den Terror. Da bereichern sich manche schamlos mit den zweifelhaftesten Geschäften. Da wird das junge Mädchen, das für seine Familie sorgen muss, von allen Arbeitgebern systematisch belästigt. Da träumt der ehemalige Aristokrat von vorrevolutionären, besseren Zeiten. Da wird im Bereich der Politik geschmiert, geschnüffelt und gefoltert. Das wird eben das tägliche Leben Ägyptens gezeigt.

Chalid al-Chamissi: Arche Noah
407 S., geb., Lenos 2013 22,50 EUR
Roman aus Ägypten. In seinem neuen Roman erzählt der Bestsellerautor Chalid al-Chamissi die ineinander verwobenen Schicksale von Menschen, die mangels Perspektiven aus Ägypten emigriert sind oder dies vorhaben. Ein junger diplomierter Jurist findet keine seiner Qualifikationen an angemessener Stelle und sucht sein Glück mit einer Scheinheirat mit einer Amerikanerin. Seine Exverlobte wird unterdessen von ihren Eltern genötigt, einen Ägypter zu heiraten, der in New Jersey ein Resteraunt betreibt. Dessen Koch, der nach eine Odyssee durch Südamerika illegal in die USA gelangt ist, tritt in die Dienste eines zwielichtigen ägyptischen Geschäftsmanns, dessen Sohn in London ein ausschweifendes Leben führt. Da sind außerdem der Philosophieprofessor an einer britischen Universität; dessen Cousin, der beim Versuch, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen, beinahe ertrinkt; ein junger Nubier aus Assuan; ein gewiefter Menschenschmuggler; eine koptische Ärztin; eine Prostituirte. Ein Platz auf der Arche Noah ist ihre Chance für ein besseres Leben.

Nagib Machfus: Anfang und Ende
380 S., TB, (Neuausgabe) Unionsverlag 2013 12,95 EUR
Eines morgens werden die beiden Söhne aus der Schule gerufen: Der Vater ist tot. Etwas Geld im Portemonnaie, einen untadeligen Ruf und eine lächerliche Pension – mehr hat er ihnen nicht hinterlassen. Wie soll die Mutter ihre vier Kinder in Ehren hochbringen? Als der älteste Sohn als Rauschgifthändler verhaftet und die Tochter mit einem Liebhaber in einer Absteige aufgegriffen wird, liegt für die ganze Familie der Schein ehrbaren Lebens in Trümmern. Nagib Machfus (1911 – 2006) gilt als „Vater des ägyptischen Romans“. Sein Lebenswerk umfasst mehr als vierzig Romane, Kurzgeschichten und Novellen. 1988 erhielt er als bisher einziger arabischer Autor den Nobelpreis für Literatur.

Habib Selmi: Die Frauen von al-Bassatin
210 S., geb., Lenos 2013 (erscheint September) 19,90 EUR
Roman aus Tunesien. Taufik lebt seit langem als Lehrer in Paris, in seine tunesische Heimat kommt er nur noch selten. Umso größer ist die Freude seinen Bruders Ibrahim, als er sich bei ihm und dessen Familie für drei Wochen einquartiert. Aufmerksam und mit dem charakteristischen Blick eines Migranten, der zwischen zwei Kulturen lebt, registriert Taufik, was sich in den letzten Jahren verändert hat: Ibrahims Frau Jussra ist tiefreligiös geworden, ihr Sohn Wail begleitet seinen Vater mit Begeisterung zum Freitagsgebet in die Moschee. Argwöhnisch beäugen sie ihre Nachbarin Naima, die als Geschiedene Männerbesuche empfängt. Taufik beginnt sich für die geheimnisvolle Frau zu interessieren und stellt ihr nach. In Tunis begegnet man Migranten wie ihm mit einer Mischung aus Bewunderung und Misstrauen. Allzu oft so klagt man, protzten die Exiltunesier hier mit ihren großen Autos, während sie in Frankreich nur die Drecksarbeit erledigten. Zugleich träumen nicht wenige Einheimische davon, auf irgendeinem Weg selbst nach Europa zu gelangen und dort ihr Glück zu suchen. Habib Selmi schaut in seinem Roman von außen auf die tunesische Gesellschaft und die sich verändernde Bedeutung der Religion im Leben der Menschen. Er enthält sich aber eines Urteils und überlässt es dem Leser, der Leserin, eigene Schlüsse zu ziehen.

Wolfgang Gehrcke / Christiane Reymann (Hg.)
Syrien – Wie man einen säkularen Staat zerstört
und eine Gesellschaft islamisiert

187 S., Papyrossa 2013 9,90 EUR
Längst ist in Syrien der anfangs friedliche Protest in einen von außen geschürten und finanzierten bewaffneten Aufstand übergegangen, der einem demokratischen Wandel die Luft abwürgt. Medial und politisch werden im Westen nur jene Kräfte wahrgenommen, die den gewaltsamen Sturz von Baschar al-Assad betreiben. Andere Stimmen finden kein Gehör. Ebenso wenig wird die Frage erörtert, wie und unter welchen Bedingungen festgestellt werden kann, was eine Mehrheit der Syrer will. Das vorliegende Buch skizziert Wege zur Beendigung der Gewalt und zu Verhandlungslösungen. Namhafte syrische Regierungskritiker beleuchten aus eigener Erfahrung Aufgaben und Chancen gewaltfreier demokratischer Opposition. Autorinnen und Autoren aus Ägypten, Libanon und Deutschland ordnen den Syrienkonflikt in die Geschichte des Nahen und Mittleren Ostens und untersuchen seinen Stellenwert in der Politik der USA, der NATO, der Bundesrepublik, Israels und der aufstrebenden Regionalmacht Türkei.

Oliver Kontny: Iranian Voices – Republik der Verrückten
Hörbuch-CD, 56 Min., Buchfunk 14,90 EUR
Gesprochen von Jasmin Tabatabai und anderen. Eine geniale Idee: Oliver Kontny kombinierte „Leila und Madschun“, das persische Epos aus dem 13.Jahrhundert, mit Dokumenten aus dem Iran des 21.Jahrhunderts. So entstand mit postmigrantischen Sprecherinnen und Sprechern und Soundscapes von Marc Sinan ein aufregendes Hörspiel, das das gesellschaftliche Nebeneinander exzessiver Parties, strenger Sittenpolizei und brutaler Gewalt zum Thema hat. Das Hörbuch steht in der hr2-Hörbuch-Bestenliste ganz oben.

Hubertus von Thielmann: Schwarzer Sturm
414 S., Pb., weissbooks.w 2013 (erscheint Herbst) 17,90 EUR
Roman. Teheran 1979/80. Die Fanatiker um Ayatollah Khomeini haben die Macht an sich gerissen. Im Klima äußerster Gefahr versucht Cyril, die europäische Firma, für die er arbeitet, durch die Wirren zu bringen. Doch nicht nur die Firma ist bedroht, auch seine Frau Elena, sein Sohn und Tarik, sein alter Vater. Der träumt nachts vom „Schwarzen Sturm“, dem Sturm der Persischen Salzwüste, dem keiner entrinnen kann. Die Lage in den Straßen wird von Tag zu Tag bedrohlicher, bald geht es nur noch um Leben und Tod. „Der schwarze Sturm“ ist ein Thriller, ein spannungsgeladener Roman, geschrieben von einem, der damals in Teheran gelebt und den Wahnsinn des Fundamentalismus hautnah miterlebt hat.

Lamya Kaddor / Michael Rubinstein: So fremd und doch so nah
Juden und Muslime in Deutschland

184 S., geb., Patmos 2013 17,99 EUR
Ein authentischer und konstruktiver Beitrag zur Integrationsdebatte

Eva Lezzi: „Liebe ist meine Religion!“
Eros und Ehe zwischen Juden und Christen in der Literatur des 19.Jahrhundert

448 S., geb., Wallstein 2013 (erscheint Oktober) 29,90 EUR
Liebesbeziehungen zwischen Juden und Christen. Eine umfassende kultur- und literaturwissenschaftliche Analyse. Eheliche Verbindungen, Liebesbeziehungen und erotische Verhältnisse zwischen Juden und Christen finden sich in der deutschsprachigen Literatur des 19.Jahrhunderts in ganz unterschiedlichen Formen: Von der Faszination und erotischen Verführungskraft des exotischen Fremden bis hin zur verzweifelten, in den Selbstmord treibenden vergeblichen Liebe, von der kalkulierten Vernunftehe aus ökonomischen Gründen bis hin zum radikalen Bruch mit dem Herkunftsmilieu durch Flucht des Liebespaars. Auf der Grundlage von 80 Prosatexten und außerliterarischen Diskursen analysiert Eva Lezzi die im 19.Jahrhundert vorherrschenden Konzepte von Liebe und Ehe, Geschlecht und Religion, aber auch Fremden und Eigenem. Dabei berücksichtigt sie nicht nur hochkanonische Texte (Goethe, Raabe, Fontane) und weitverbreitete Unterhaltungsliteratur von jüdischen wie nichtjüdischen Autorinnen und Autoren, sondern entdeckt auch kaum bekannte Publikationen. Besondere Aufmerksamkeit widmet sie den historischen Kontroversen um die Emanzipation des Individuums, der Juden und der Frau. Dabei setzt sich die Autorin mit Focault und Luhmann auseinander und verbindet eine grundlegende Diskursanalyse mit sorgfältigem „close reading“.

Karl Schlögel / Karl-Konrad Tschaepe (Hg.):
Die Russische Revolution und das Schicksal der russischen Juden
Eine Debatte in Berlin 1922/23

650 S., geb., Matthes & Seitz 2013 (erscheint Oktober) 49,90 EUR
Unter den Flüchtlingen, die sich Anfang der 20er Jahre vor Revolution und Bürgerkrieg nach Berlin gerettet hatten, fanden sich Vertreter aller sozialen Schichten, ethnischen und religiösen Gruppen. Berlin wurde so zum exterritorialen Ort, an dem leidenschaftlich über die Ursachen der Russischen Revolution und über die Perspektiven des Kampfs gegen den Bolschewismus gestritten wurde. Eine der heftigsten Debatten drehte sich um die Frage, welche Haltung die russischen Juden im Exil einnehmen sollten gegenüber Juden als Repräsentanten der Sowjetmacht. „Die russische Revolution und das Schicksal der russischen Juden“ versammelt die wichtigsten Stellungsnahmen und Kritiken dieser innerjüdischen Selbstverständigung. Die Texte haben auch nach einem Jahrhundert totalitärer Gewalt und eines mörderischen Antisemitismus nichts von ihrem Ernst und ihrer Kraft eingebüßt.

Lou Bohlen: Politik der Erinnerung. Die umstrittene Erinnerungskultur der russischsprachigen Migranten in Israel 1989 – 2000
576 S., geb., Wallstein 2013 (erscheint Oktober) 59,90 EUR
Israel erlebte zwischen 1989 und 2000 seine vorerst letzte große jüdische Einwanderungswelle: Mehr als eine Million russischsprachiger Menschen kamen, um als Staatsbürger zu bleiben. Ihre alte Heimat, die Sowjetunion, war im Untergang begriffen, die Nachfolgestaaten unsicher. Aus dieser Masseneinwanderung erwuchs eine Bevölkerungsrevolution, die sich wesentlich auf die Erinnerungs- und Geschichtskultur der israelischen Gesellschaft auswirkte. Denn die Neubürger, in Israel als Diaspora-Einwanderer einer großen „Heimkehrbewegung“ betrachtet, waren nicht bereit, sich fraglos den damit verbundenen Normen und Erwartungen zu unterwerfen. Lou Bohlen untersucht, wie der bislang geltende jüdisch-israelische Konsens, Judentum als Norm und der Holocaust als zentraler Bezugspunkt der Erinnerung, in den Diskursen der russischsprachigen Neubürger zum umstrittenen Terrain wird. Daraus entsteht eine spannungsreiche Konfliktgeschichte über konkurrierende Erinnerungen und Gedächtnisnarrative in Israel und ihren jeweiligen politischen Funktionalisierungen.

David Nirenberg: „Jüdisch“ als politisches Konzept
Eine Kritik der politischen Theologie

80 S., Pb., Wallstein 2013 (erscheint Oktober) 9,90 EUR
David Nirenberg, international renommierter Spezialist für die Beziehungen der jüdischen, christlichen und islamischen Kulturen in der Geschichte, konzentriert sich in diesem Essay auf die Denkfigur des „Jüdischen“ als ein durchgängiges politisches Konzept der abendländischen Geschichte. Im Vordergrund steht nicht das Judentum als historische und gelebte Religion, sondern das Attribut „jüdisch“ als Figur des christlichen Denkens. Ohne diese ideengeschichtlichen Traditionen zu kennen, lassen sich weder die politische Theologie Carl Schmitts verstehen noch die Bilder des Judentums, die Schmitts Theorie hervorbrachte. Auf seiner intellektuellen Reise zeigt Nirenberg an frühchristlichen, mittelalterlichen und modernen Beispielen, wie „Judentum“ und „jüdisch“ als Vokabeln der politischen Sprache Bedeutung gewonnen haben. So war „jüdisch“ in der christlichen Regierungslehre Inbegriff der gefährlichen Attraktion von weltlicher Macht. Karl Marx bezeichnete die Judenemanzipation „in ihrer letzten Konsequenz“ als „Emanzipation der Menschheit vom Judentum“. Die Beständigkeit und die Verwendungsweisen der Denkfigur des „Jüdischen“ sind nach Nirenberg Anlass für ein grundsätzliches Nachdenken über Ideen-, Begriffs- und Diskursgeschichte.

Martha B. Helfer: Das unerhörte Wort
Antisemitismus in Literatur und Kultur

256 S., geb., Wallstein 2013 (erscheint Oktober) 26,90 EUR
Eine radikale Neuinterpretation kanonischer literarischer Werke des 18. Und 19.Jahrhunderts. Den in Struktur und Form nachweisbaren Antisemitismus von Texten wie Schillers „Die Sendung Moses“, Achim v. Arnims „Isabella von Ägypten“, Annette von Droste-Hülshoffs „Judenbuche“ hat die Germanistik zumeist ausgeblendet. Marta B. Helfer legt in diesen und weiteren ausgewählten Werken des 18. und 19.Jahrhunderts eine latent antisemitische Bedeutungsschicht frei. Auch wenn antisemitische Einstellungen einiger der untersuchten Autoren bereits thematisiert wurden, gelten die meisten noch immer als unpolitisch oder philosemitisch. „Das unerhörte Wort“ widerlegt diese Zuschreibung nicht, macht sie aber als unangemessene Vereinfachung kenntlich. Helferts textnahe Lektüren sind eingebettet in eine Darstellung des geistesgeschichtlichen Kontexts, der von der Debatte um die Judenfrage geprägt ist: Zwischen 1749 und 1850 führte das intellektuelle Deutschland hitzige Diskussionen über die Emanzipation der Juden. Sie werfen ein neues Licht auf wichtige Werke der Aufklärung, des Sturm und Drang, der Klassik, der Romantik, des Biedermeier und des Realismus. Der hier nachgewiesene latente Antisemitismus kann nun nicht länger ignoriert werden.

Sybille Steinbacher (Hg.): Transit US-Zone
Überlebende des Holocaust im Bayern der Nachkriegszeit

215 S., Pb., Wallstein 2013 (erscheint November) 20,00 EUR
Unter den Millionen von Displaced Persons (DP), die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland, vor allem in der US-Zone aufhielten, waren in großer Zahl Juden aus Osteuropa. Viele waren von den nationalsozialistischen Besatzern zur Zwangsarbeit ins Reich verschleppt worden, andere hatten ihre Staaten verlassen, weil jüdisches Leben dort nahezu vollständig vernichtet war und Antisemitismus weiterhin grassierte. Mit ihrem Alltag, ihren Lebensbedingungen und ihrer sozialen Realität in den DP-Camps beschäftigt sich der vorliegende Band aus gesellschafts- und kulturgeschichtlicher Perspektive. Untergebracht in DP-Camps, saßen die Überlebenden oft über Jahre fest, bis sie endlich in Übersee, Palästina oder anderswo eine Existenz aufbauen konnten.

Anatevka
36 S., geb., Kindermann Verlag 2013 16,90 EUR
„Wenn ich einmal reich wär`… digge, digge, deidel, diedel, dum!“ Jeder Musical Fan kennt und liebt ihn, den etwas dickköpfigen, aber herzensguten Milchmann Tevje, der mit seiner Frau und fünf Töchtern im jüdischen Dorf Anatevka lebt. Tradition geht dort über alles, bis Tevjes Töchter erwachsen werden und lieber ihrem eigenen Herzen folgen… Der Text wurde kindgerecht aufbereitet und lädt mit den Bildern kleine Leser auf eine fantasievolle und lehrreiche Entdeckungsreise ein. Ab 7 Jahre

Der Sohar – Das heilige Buch der Kabbala
in der Übersetzung von Ernst Müller

344 S., geb., Marix Verlag 2013 (erscheint September) 20,00 EUR
Kabbala bedeutet „Tradition“ und bezeichnet mystische Überlieferungen, die seit dem Mittelalter in einer Vielzahl von Schriften, meist Bibelkommentare oder Erklärungen zum „Buch der Schöpfung“, die religiöse Welt des Judentums inspirierten. Das wichtigste Werk, das in weiten Kreisen geradezu kanonische Geltung bekam, wurde unter dem Titel „Das Buch des Glanzes (Sohar)“ gedruckt. Er stellt eine Sammlung von Lehren dar, die der Tora eine mystische Dimension geben: Gott offenbart sich selbst in einer für den frommen Menschen zugänglichen Gestalt und bleibt mit ihm, seinem Handeln, seiner Geschichte und der Welt, in der wir leben, in wechselseitiger Verbindung. Ernst Müller, ab 1911 Bibliothekar der jüdischen Gemeinde in Wien und Anhänger von Rudolf Steiners Anthroposophie, übersetzte einen beachtlichen Teil des Sohar zum ersten Mal in die deutsche Sprache und ordnete die Texte in thematische Einheiten neu.

Claus-Steffen Mahnkopf: Deutschland oder Jerusalem
Das kurze Leben der Francesca Albertini

320 S., geb., Abb., zu Klampen 2013 24,90 EUR
Am 27.März 2011 starb mit nur 36 Jahren die jüdische Religionsphilosophin Francesca Yardenit Albertini, gebürtige Römerin, empathische Wahldeutsche, Grenzgängerin zwischen Italien, Deutschland, den USA und Israel, eine leidenschaftliche Forscherin und Hochschullehrerin. „Eine Begabung, wie sie nur einmal in einem halben Jahrhundert anzutreffen ist“, so der Religionsphilosoph Bernhard Casper. Mit großer Kenntnis der Sprachen, dem Renaissance-Ideal einer klassischen Bildung verpflichtet und tief verwurzelt in der aufklärerischen Moderne kämpfte sie für die Idee eines neuen Verhältnisses zwischen Deutschen und Juden und für eine deutsch-jüdische Aussöhnung jenseits der Schuldfrage. Ihr Blick richtete sich auf jene Stärken des Judentums, die es als Träger einer kritischen Modernität auszeichnen könnten. Die Ehe mit dem deutschen Avantgardekomponisten und Autor Claus-Steffen Mahnkopf begründete eine besondere, nicht nur intellektuelle Symbiose, in der jeder beim jeweils Anderen seinen eigenen Lebensentwurf erkannte. In großer Offenheit zeichnet Mahnkopf das berührende Portrait seiner Frau.

Peter Ullrich: Deutsche, Linke und der Nahostkonflikt
Politik im Antisemitismus- und Erinnerungsdiskurs

208 S., geb., Wallstein 2013 (erscheint Oktober) 19,90 EUR
Immer wieder wird in Deutschland kontrovers diskutiert, ob, wann und warum israelkritische Positionen zum Nahostkonflikt nur kaschierter Antisemitismus seien. Peter Ullrich beleuchtet neue Perspektiven: Einerseits haben Lernprozesse der vergangenen Jahrzehnte dazu geführt, dass die linke Nahostdebatte in Deutschland heute komplexer und ausgewogener ist denn je. Andererseits bleiben doch die Gefahren für eine universalistische linke Position erkennbar. Immer wieder droht der Umschlag ins Partikulare, sei es in Form von Antisemitismus, Rassismus, Islamfeindlichkeit oder extremer Überidentifikation mit Konfliktakteuren. Aus wissenssoziologischer und diskursanalytischer Perspektive untersucht der Autor verschiedene Aspekte des deutschen Blicks auf den Nahostkonflikt.

Sumaya Farhat-Naser: Im Schatten des Feigenbaums
200 S., geb., Lenos 2013 (erscheint September) 19,90 EUR
„Unser Land wird uns systematisch weggenommen“: Ihre politisch brisante Aussage über israelischen Landraub im palästinensischen Westjordanland belegt Sumaya Farhat-Naser in ihrem neuen Buch überzeugend und gibt damit Einblick in eine Realität der Verdrängung, die in Europa kaum wahrgenommen wird. Die palästinensische Erfolgsautorin („Thymian und Steine“) beschreibt, wie aggressiv israelische Siedler die einheimische Bevölkerung drangsalieren, Weinberge, Olivenhaine und Felder zerstören, Ländereien und Wasserquellen rauben – alles unter dem Schutz der israelischen Armee. Wie ein roter Faden ziehen sich die Einschränkungen und Widrigkeiten des Alltags unter Militärbesatzung durch Farhat-Nasers Aufzeichnungen. Auch geht sie auf Hoffnungen und Ängste ein, die der Umbruch in der übrigen arabischen Welt weckt, und berichtet über ihre Friedensarbeit in Schulen und Frauengruppen, aber auch über Momente des Glücks im eigenen Weinberg oder im Familienkreis. Enttäuscht äußert sie sich hingegen über die verbreitete Neigung, berechtigte Kritik an Israel kleinzureden.

Kathryn Stocket: Gute Geister (The Help)
608 S., btb, 9,99 EUR
Der Roman zum Film “The Help” über den Kampf farbiger Haushaltshilfen und Kinderbetreuerinnen gegen den Rassismus in Amerika diesen Sommer erneut auf der Spiegel Online Bestseller-Liste.

Lyonel Trouillot: Straße der verlorenen Schritte
160 S., geb., Liebeskind 2013 16,90 EUR
Eine alte Bordellbesitzerin, die mit ansehen muss, wie Hass und Gewalt das Leben ihrer Mädchen zerstören. Ein Taxifahrer, der zwischen die Fronten gerät und alles verliert, was er besitzt. Und ein Intellektueller, der vergeblich in der Liebe einen Ausweg sucht. Lyonel Troillot lässt drei Menschen von einer Nacht erzählen, als Haiti zur Hölle auf Erden wurde. Port-au-Prince. Das Gerücht verbreitet sich wie Windeseile. „Geht nicht nach draußen“, heißt es, „heute Nacht passiert etwas“. Langsam wird es dunkel, der Strom fällt aus. An Stromstörungen hat man sich längst gewöhnt – ebenso daran, Wut und Hunger hinunterzuschlucken. Die Anhänger der Opposition wollen mit Gewalt an die Macht, doch es besteht Gefahr, dass die Miliz des Diktators unter der Bevölkerung ein Blutbad anrichtet. Auf der Suche nach einem letzten Kunden irrt ein Taxifahrer durch die Straßen der Hauptstadt. Zur selben Zeit flüchtet ein junger Mann mit seiner Arbeitskollegin in das Haus eines Freundes, der hoch oben auf einem Hügel über der Stadt wohnt. Es soll ihre erste gemeinsame Nacht werden. Währenddessen steht die Besitzerin des größten Bordells der Stadt am Fenster und betrachtet sorgenvoll die Szenerie. Sie spürt, dass bald schon Blut fließen wird. Lyonel Troullots Debütroman „Straße der verlorenen Schritte“ hat auch heute, fünfzehn Jahre nach seinem Erscheinen in Frankreich, nichts von seiner Kraft eingebüßt. In seiner mitreißenden, poetischen Sprache schildert Lyonel Trouillot die Ereignisse einer einzigen Nacht, in der sich das tragische Schicksal eines ganzen Landes offenbart. Denn wer Hass sät, wird Sturm ernten.

Edwidge Danticat: Der verlorene Vater
240 S., TB, Unionsverlag 2013 (September) 12,95 EUR
Zwischen Folter und Vergebung: Eine Tochter entdeckt die Wahrheit. Eigentlich wollte sie bei ihrer Reise in den Süden der USA ihrem Vater näher kommen und sich bedanken für all die Anregungen, die er ihr schenkte. Doch dann entdeckt die junge Künstlerin, dass ihr Vater keineswegs ein Opfer der Diktatur in Haiti war, sondern ein Folterer, der das Leben unzähliger Menschen zerstörte. Alles, worauf sie ihr Leben baute, bricht nun zusammen. Wie kann Vergebung gefunden werden ?

Leonardo Padura: Der Schwanz der Schlange
180 S., TB, Unionsverlag 2013 10,95 EUR
Ein außergewöhnlicher Mordfall führt Mario Conde in die geheimnisvolle Welt von Havannas Barrio Chino. Ein alter Chinese baumelt tot in seinem Kämmerchen, mit zwei in die Haut geritzten Pfeilen und einem abgeschnittenen kleinen Finger. Ein religiöser Ritualmord mit Santeria-Hintergrund? Oder steckt doch eine interne Abrechnung dahinter? Da Teniente Conde seiner attraktiven chinesisch-stämmigen Kollegin, der unwiderstehlichen Patricia Chion, nichts abschlagen kann, kümmert er sich selbst um diesen Fall. In den geheimnisvollen Zirkeln der chinesischen Gemeinde stößt Mario Conde auf mysteriöse Zusammenhänge und obskure Machenschaften und immer wieder auf Geschichten von Entwurzelung und Einsamkeit.

Carl Nixon: Settlers Creek
320 S., geb., Weidle Verlag 2013 (erscheint Herbst) 23,00 EUR
Box Saxton ist ein erfolgreicher Bauunternehmer und Immobilienmakler in Christchurch, bis die Finanzkrise ihm den Boden unter den Füßen wegreißt. Er muss sein Haus mit Meerblick verlassen und sich in einer nicht gerade erstklassigen Gegend einmieten. Die teure Privatschule für seine beiden Kinder lässt sich nicht länger finanzieren. Sein 19jähriger Sohn Mark wird mit diesen Veränderungen nicht fertig und nimmt sich das Leben. Box, der nun als einfacher Bauarbeiter weit entfernt arbeitet, fliegt sofort nach Hause, um bei seiner Frau Liz und Tochter Heather zu sein und die Beisetzung im Familiengrab vorzubereiten. Doch da taucht Marks leiblicher Vater auf, Tipene, ein Maori, der die Mutter des Jungen bald nach der Geburt verlassen hat. Mark hatte nie eine Verbindung zu ihm. Nach dem Gesetz der Maori muss ein Familienmitglied in der Grabstelle der Ahnen beigesetzt werden, und dieser Tradition will Tipene folgen. Box und seine Frau weigern sich, den Leichnam des Jungen herauszugeben, deshalb stiehlt Tipene ihn, wobei er das neuseeländische Recht auf seiner Seite hat. Box verfolgt ihn in seinem alten Pickup, um die Leiche seines Sohnes zurückzubekommen. Carl Nixon beschreibt in seinem spannenden Roman sehr genau die Auswirkungen der Finanzkrise, ebenso den unlösbaren Konflikt zwischen zwei verschiedenen Formen der spirituellen Bindung an das eigene Land.

June Jordan: Abschiedskuss für Gott. Gedichte
180 S., Pb., Weidle Verlag 2013 (erscheint Herbst) 19,00 EUR
engl./ deutsch. „Poetry for the poeple“ – so hieß das Projekt, das June Jordan 1991 (als Professorin) in Berkeley ins Leben rief und das bis heute besteht. Poetry for the people bedeutete für sie eine Lyrik, die fern aller Selbstbezüglichkeit, im Leser Aufmerksamkeit und Anteilnahme weckt. June Jordan, das Kind jamaikanischer Einwanderer, das bereits mit sieben Jahren zu schreiben begann, war ganz aus ihrer Poesie heraus Hochschullehrerin und politische Aktivistin, Afro-Amerikanerin und Feministin. Das „damn black devil child“, wie der strenge Vater sie nannte, ging mit unbeirrbaren Mut durch alle Bereiche des amerikanischen Lebens. Sie hat mit ihren Versen der Theorie der Gender Studies eine Melodie gegeben und mit ihrem Vertrauen auf die universell emanzipatorische Kraft von Lyrik die Nachfolge Walt Whitmans angetreten. June Jordan (1936 – 2002) ist in den USA eine der anerkanntesten Autorinnen ihrer Generation. Vom Jahr 1969 bis zu ihrem Tod publizierte sie 28 Bücher, darunter Lyrik, Essays und Werke für Kinder. „Abschiedskuss für Gott“ aus dem Jahr 1997 zeichnet sich durch seine Vielfalt aus: sehr lange und sehr kurze Stücke, traditionelle und experimentelle Texte; philosophische Gedichte und religionskritische Lyrik, Liebesgedichte und politische Texte, die explizit die US-Außenpolitik und die Gewalt als Machtmittel der „westlichen“ kritisieren. Gemeinsam ist allen die Stimme des Selbstbewusstseins, eines grundsätzlichen intellektuellen, politischen und auch lyrischen Widerstands gegen jede Form von Unterdrückung.

Nelson Mandela: Meine Waffe ist das Wort
Kösel 2013 15,99 EUR
Das Gesicht der Freiheit: „Ich werde für alle Menschen mit Gewissen ein Mahnmal sein, weil ich sie daran erinnere, wie lang es gedauert hat, bevor sie sich erhoben und sagten: Es ist genug jetzt! Die Unterdrückung abzuschütteln ist eine der edelsten Aufgaben der Menschheit, das Höchste, was sich ein freier Mensch erhoffen kann. Die beste Waffe ist es, sich gemeinsam hinzusetzen und zu reden. Wir müssen Vergangenes vergeben und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Würde der Opfer wieder hergestellt, ihr Leid entsprechend gewürdigt wird“.

In Koli Jean Bofane: Sinusbögen überm Kongo
400 S., geb., Horlemann 2013 (erscheint Oktober) 19,90 EUR
Celio lebt in Kinshasa und arbeitet hart, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Freunde nennen ihn Celio Mathematik, denn seine ganze Liebe gilt dieser Disziplin. Vor dem schwierigen Alltag flüchtet er in der Welt der Theoreme und Axiome. Mit Hilfe eines alten Schulbuches hat er sich eine eigene Formelwelt ausgedacht, mit der er die komplexe Situation im Kongo zu erklären versucht, das Chaos regeln und die turbulente und undurchsichtige Gegenwart berechenbarer machen will. Da wird der Diktator eines obskuren Büros, das im Auftrag des Präsidenten mit diffizilen Themen befasst ist, auf ihn aufmerksam. Celios Bemühungen, das gesellschaftliche Ungleichgewicht in eine Balance und die institutionalisierte Wirrnis in eine geregelte Bahn zu lenken, haftet natürlich etwas Komisches an, die sich auch im Stil Bofanas niederschläft. Bildreich und voller Melodie schildert er den Rhythmus des Alltags auf den Straßen Kinshasas. Assoziationen deutschsprachiger Leser mit Grimmelshausen „Simplicius Simplizissmus“ sind wahrscheinlich.

Christopher Mlazi: Wegrennen mit Mutter
180 S., geb., Horlemann 2013 (erscheint Oktober) 16,90 EUR
Simbabwe, kurz nach der Unabhängigkeit Anfang der 1980er Jahre: Gemeinsam mit ihrer Mutter, ihrer Tante und ihrem kleinen Cousin flieht die 14jährige Rudo vor dem Gukurahundi genannten und von der jungen Regierung um Mugabe angeordneten Genozid an den Ndebele. Die vier sind die einzigen Überlebenden der einstigen Großfamilie, denen Shona und Ndebele angehören. Auf ihrer Flucht werden sie wiederholt Zeugen des gewaltigen Vorgehens der Regierungstruppen und treffen auf weitere Flüchtende. Warum ihre Familien und ihre Nachbarn im Matabeland gefangen, gefoltert und getötet werden, können sie sich lange Zeit nicht erklären. Aus der Sicht Rudos erzählt, kommt der Roman in einem ruhigen, undramatischen und visuellen Stil daher, der weder vom Grauen voyeuristisch profitieren noch damit die Leserschaft gleichsam erschlagen will, sondern zuletzt dem Glauben an Humanität und menschliche Versöhnung Bahn bricht.

Maryse Conde: Wie Spreu im Wind
600 S., TB, Unionsverlag 2013 (September) 14,95 EUR
Falsche Götter, falsche Helden, Glaubenskrieg und Zerfall – der Roman des alten Mali. Im Jahr 1861 nimmt die muslimische Armee von El-Hadj Omar die Stadt Segu ein. Die Bewohner müssen nun dem „einzig wahren Gott“ huldigen, die animistischen Traditionen werden unterdrückt. Zur gleichen Zeit dringt von Westen die Kolonialmacht Frankreich mit einem Söldnerheer immer weiter ins Innere Afrikas vor, die Christianisierung beginnt. Wie schon ihre Väter werden die Traores Opfer der Wirren und Machtkämpfe ihrer Zeit, geraten sie und ihre Frauen in verschiedene religiöse und politische Lager. Mit der alten Ordnung zerbricht auch die Familie. In ihrem historischen Roman aus dem alten Afrika erzählt Maryse Conde von den Segu, der einst mächtigen Stadt der Bambara am Niger, und vom Schicksal der Familie Traore. Noch einmal beschwört sie jene prächtige, geheimnisvolle Welt herauf, die in Afrika untergegangen ist.

Ellen Banda-Aaku: Patchwork
220 S., geb., Afrika Wunderhorn 2013 (erscheint November) 24,80 EUR
Lusaka, 1978: Die unehelich geborene Pumpkin ist bereits als 9-jähriges Mädchen gezwungen, ein Netz aus Lügen zu erfinden, um die Fassade einer intakten Familie aufrechtzuerhalten. Ihr Vater, ein reicher Geschäftsmann, lebt an einem anderen Ort mit einer anderen Familie. Ihre Mutter, nach außen hin eine der elegantesten Frauen des Viertels, ist Alkoholikerin. Ihre Großmutter, Besitzerin einer Bar, hasst den Vater zumindest augenscheinlich so sehr, wie ihn die Mutter liebt. Als die Fassade zu bröckeln beginnt und Pumpkins Vater den Alkoholismus der Mutter entdeckt, nimmt er das Mädchen mit zu seiner Familie, einem Ort, an dem sie Verachtung und Ausgrenzung erwarten. Die Unsicherheiten der Kindheit lassen Pumpkin selbst als erwachsene Frau, mittlerweile Architektin und ebenfalls Mutter, nicht los und stellen ihr eigentlich intaktes Leben auf eine harte Probe. Der Roman erzählt von drei Generationen Frauen und deren Leben, Lieben und Entbehrungen im nachkolonialen Sambia. Ein Netz aus Liebe, Eifersucht, Hass und menschliche Schwäche entfaltet sich vor dem Hintergrund sozialer Umwälzungen und eines Krieges, der aus dem Nachbarland Rhodesien herüberschwappt. Es geht um politische Ambitionen und die Rollenbilder, die immer noch unsere Gesellschaft tragen und darum, wie nah Liebe und Hass sich eigentlich sind. Ellen Banda-Aaku, geboren 1965 in England, wuchs in Sambia und anderen afrikanischen Ländern auf und studierte öffentliche Verwaltung an der Universität Lusaka. Für Patchwork erhielt sie 2010 den Penguin Prize for African Writing und war 2012 auf der Shortlist des Commonwealth Book Prize. Sie lebt heute in London.

Mary Henrietta Kingsley: Reisen in Westafrika
Durch Französisch-Kongo, Corisco und Kamerun

384 S., geb., Edition Erdmann 2013 (erscheint September) 24,00 EUR
Der Klassiker in neuer Übersetzung! Mary Kingsley war keine gewöhnliche Reisende. Als ein Krokodil versucht, in ihren Einbaum zu klettern, zieht sie ihm einen Schlag mit dem Paddel über den Kopf. Während der Regenzeit besteigt sie den 4095 Meter hohen Kamerunberg, was sie zur ersten Frau auf seinem Gipfel macht. Bis zum Kinn im Wasser watet sie durch Sümpfe. Sie stürzt in eine Fallgruppe voller spitzer Pfähle, und dank ihrer guten Entscheidung, entgegen dem Rat ihrer Freunde aus England, auch in Afrika keine Männerkleidung zu tragen, klettert sie unverletzt wieder heraus. Die hier versammelten Berichte handeln von der zweiten Westafrikareise 1894/1895 der britischen, heute als Nationalheldin gefeierten, Entdeckerin und Schriftstellerin. Mit großem anthropologischen Interesse beschäftigt sich Kingsley intensiv mit dem Leben der westafrikanischen Völker. Sie revolutioniert das Bild des „primitiven Schwarzen“, tritt gegen den Sklavenhandel und für die Rechte der afrikanischen Ureinwohner ein. Mary Henrietta Kingsley wurde 1862 in London geboren und starb 1900 in Südafrika an Typhus. Ihr Vater hatte als Arzt und medizinischer Betreuer reicher Aristokraten weite Reisen unternommen. Sie selbst jedoch war bis zum Tod ihrer Eltern nie irgendwohin gereist, sondern blieb zu Hause und versorgte ihre kranke Mutter. Einzig in Büchern ging sie auf Reisen, las sehr viel über Afrika und wusste eine Menge über den Kontinent, ohne je dort gewesen zu sein. Dann, als Mary Kingsley dreißig Jahre alt war, starben beide Eltern. 18 Monate später stach sie Richtung Afrika in See.

Hermann von Wissmann: Im Inneren Afrikas
Die Erforschung des Kasai

400 S., geb., Edition Erdmann 2013 24,00 EUR
Im Auftrag des belgischen Königs Leopold II. tritt Hermann von Wissmann 1883 seine zweite Afrikareise an, bei er den Verlauf des Kasai und die Zuflüsse am Kongo erkunden soll. Vom Lulua aus, einem Nebenfluss des Kasai, wo Wissmann die Station Luluaburg gründet, startet er mit seinen Trägern und Eingeborenen des Baschilange-Volkes auf selbstgebauten Kanus die Erkundung des Kasai. Der undurchsichtige Verlauf des reißenden Flusses, sowie Kämpfe mit Eingeborenen stellen nur einen Teil der Schwierigkeiten dar, mit denen die Expedition zu kämpfen hat. 1885 gelangt man schließlich wieder an die Küste und hat wichtige Ergebnisse vorzuweisen: die Zugehörigkeit des Kasai zum Kongogebiet, Klarheit üver den Verlauf einiger Kongonebenflüsse und die Eröffnung neuer Binnenschifffahrtswege. Hermann von Wissmann wurde 1853 in Frankfurt an der Oder als Sohn eines Regierungsrats geboren. Er schlug eine Offizierslaufbahn ein, lernte bald den Afrikaforscher Paul Pogge kennen und bestritt 1880, begeistert von dessen Erzählungen, als Begleiter seine erste Afrika-Expedition. Seitdem bereiste er mehrmals das Inland Afrikas, um bislang unerforschte Gebiete zu erkunden. Von 1895 – 1896 war er Gouverneur von Deutsch-Ostafrika. Wissmann kam 1905 bei einem Jagdunfall in der Steiermark ums Leben.

Brasilien ist Gastland der Frankfurter Buchmesse 2013

Christian Heeb / Karin Hanta: Brasilien
224 S., geb. mit Schutzumschlag und Schmuckschuber, 350 Abb., 1 Karte
Stürtz 2013 49,95 EUR
„Wer Brasilien wirklich zu erleben weiß, der hat Schönheit genug für ein halbes Leben“, urteilte der Autor Stefan Zweig. Und tatsächlich bietet das größte Land Lateinamerikas eine unvergleichliche landschaftliche Vielfalt: Traumhafte Palmenstrände liegen an den langen Küsten, im Landesinneren lockt der Regenwald mit seiner einzigartigen Flora und Fauna. Steppen im Nordosten des Landes, das Pantanal als größtes Sumpfgebiet der Erde und das legendäre Amazonasgebiet bieten faszinierende Eindrücke. In vielen Städten hat sich die Architektur der Kolonialzeit erhalten, der Barock zeugt von dem Reichtum Brasiliens zum Zeitpunkt der Goldfunde. Die alte indianische Kunsttradition bringt Werke von fremder Schönheit hervor, Kirchen und Klöster sind mit Azulejos, Kachelmalereien, geschmückt. Tiefe Religiosität drücken die berühmten Skulpturen von Alejadinho aus. Futuristisch erscheinen die bewegten Betonformen der durchgeplanten Hauptstadt Brasilia, während Rio de Janeiro besonders für seinen ausgefallenen Karneval bekannt ist, der aber auch andernorts intensiv gefeiert wird. Bei Samba-Rhythmen und beim Fußballspielen begegnet man der puren Lebensfreude der Brasilianer, die gerne Tag und Nacht feiern.

Marcal Aquino: Flieh. Und nimm die Dame mit.
285 S., TB, Unionsverlag 2013 (erscheint September) 12,95 EUR
Eine Recherche über Prostitution führt den Journalisten Cauby in eine düstere Goldgräberstadt, wo er Zeuge der zunehmenden Spannungen zwischen Arbeitern und der Bergwerksgesellschaft wird. Er verfällt der doppelgesichtigen Lavinia, die manchmal verängstigt und verletzlich wirkt, dann wieder ihre verführerischen Reize ausspielt. Zudem ist sie verheiratet – mit einem viel älteren, sehr beliebten Prediger. Cauby will sich von ihr trennen, da wird der Prediger ermordet. Der Verdacht fällt auf Cauby, und damit beginnt eine Tragödie.

Fabio Moon / Gabriel Bà: Daytripper
260 S., geb., Vertigo 2013 (erscheint September) 24,99 EUR
Welches sind die wichtigsten Tage Ihres Lebens? Dies ist die Geschichte von Bràs de Ollivia Domingos, Spross eines weltberühmten brasilianischen Autors. Er träumt davon, selbst Schriftsteller zu werden, und wartet auf den Tag, an dem sein Leben endlich beginnt. Aber würde er es überhaupt bemerken? Eine Graphic Novel, die in den leisesten Momenten die großen Fragen des Lebens stellt. Passend zum Gastland Brasilien der Frankfurter Buchmesse erscheint die brasilianische Graphic Novel Daytripper in Deutschland: Gewinner des Eisner Award für die beste abgeschlossene Serie in 2011.

Alle Neuerscheinungen zu Brasilien in deutscher Übersetzung können Sie auf der Zusammenstellung Brasilien-Neuerscheinungen der Frankfurter Buchmesse als PDF einsehen und auch herunterladen…. http://www.buchmesse.de/ehrengast

Ute Köster / Phuong Le Trong / Christina Grein: Handbuch Myanmar
Gesellschaft – Politik – Wirtschaft – Kultur – Entwicklung

400 S., Pb., Horlemann 2013 (erscheint Oktober) 19,90 EUR
Myanmar, einst als das „Goldene Land“ gerühmt, öffnet sich nach jahrelanger Isolation und rückt gegenwärtig in den globalen Blickpunkt. Vor dem Hintergrund des spannungsvollen und vielschichtigen Wandels will das „Handbuch Myanmar“ fundierte Informationen bieten, die sowohl zum tieferen Verständnis als auch zur besseren Orientierung bei der Beschäftigung mit der Komplexität des Landes beitragen. Lange verborgene Potentiale werden sichtbar. Aus den Widersprüchen zwischen einem bislang repressiven Staat und dem zivilgesellschaftlichen Engagement, zwischen internen Konflikten und kulturellem Reichtum, zwischen Traditionen und dem Wunsch nach Modernität entwickeln sich spannende und ungeahnt dynamische Kräfte. Mit einem breiten Spektrum an Interpretationen der aktuellen Entwicklungen bauen kompetente Autoren und Autorinnen dem Leser Brücken zu eigenen Einblicken und neuen Erkenntnissen.

Christopher G. Moore: Nana Plaza
320 S., TB, (Neuausgabe) Unionsverlag 2013 12,95 EUR
In Bangkok sterben zu viele amerikanische Touristen mit der Nadel im Arm: Drogenopfer oder Opfer eines Verbrechens? Ein amerikanischer Anwalt braucht für seine Bangkokvisite einen Bodyguard. Vincent Calvino nimmt den Job für viel Geld an, zusammen mit Jessada Santisak, einem beurlaubten Thai-Polizisten aus Los Angeles. Die beiden finden sich wieder in der Welt des Cybersex-Business.

Bestelladresse:

Alle Titel können Sie überall im Buchhandel wie auch unter folgender Adresse erwerben:

Worms Verlag
Abt. Onlineshop
Kultur- und Veranstaltungs GmbH,
Von Steuben Str.5, 67549 Worms
Berthold Röth Tel. 06241-2000-314
e-mail: berthold.roeth@kvg-worms.de

Liste 7 Buchneuheiten Underground, Trash, Avantgarde

Juli 11, 2013

Die vorhergehenden Listen können noch allesamt im Archiv unter wormsverlag.wordpress.com abgerufen werden.

Alex Epstein: Morgans Erwachen
300 S., geb., Urachhaus 2013 (erscheint August) 15,90 EUR
Ein völlig neuer Blick auf die vermeintlich verruchteste Gestalt des Mittelalters – Morgan Le Fay. „Die Nebel von Avalon“ für Jugendliche. Anna wächst als Tochter des Herzogs von Cornwall in Din Tagell auf. Als Uther Pendragon ihren Vater ermordet und ihre Mutter zur Frau nimmt, muss sie nach Irland fliehen, um nicht ebenfalls getötet zu werden. Ein völlig neues Leben beginnt – und aus dem unbedarften Mädchen Anna wird die Frau Morgan, die nur ein Ziel vor Augen hat: Rache! In Irland gefangen genommen, gelangt sie als Sklavin zu einer Magierin und entdeckt ihre eigenen magischen Fähigkeiten. Wie besessen von dem Plan, nach Britannien zurückzukehren und ihren Vater zu rächen, begibt sie sich auf die Suche nach dem Mann, der ihr dabei helfen kann. Als sie ihn findet, ist sie hin- und hergerissen zwischen ihrem Durst nach Rache und ihrer Sehnsucht nach Liebe. Nach ihrer Rückkehr nach Britannien trifft sie auf einen jungen Mann. Ihre Mutter stellt ihn ihr als ihren Halbbruder vor, sein Name: Artus!

Silvia Stolzenburg: Der Teufelsfürst
416 S., geb., Edition Aglaia 2013 17,95 EUR
Im Bann der Finsternis – Band 1 der Teufelsfürst-Trilogie: Die „wahre“ Geschichte des gefürchteten Woiwoden Vlad Draculea alias Graf Dracula! Anno Domini 1447: Der junge Vlad Dracuela, Sohn des Fürsten der Walachai, befindet sich in türkischer Gefangenschaft. Als Geisel am Sultanshof in Edirne geht er durch die Hölle. Um seine Freiheit zurückzugewinnen, ersinnt er einen teuflischen Plan…

Denise Dumschat-Rehfeldt: „Zufuhr neuen Blutes“
Vampirismuslektüren von Erzählungen Thomas Manns

210 S., Pb., Königshausen & Neumann 2013 (erscheint 4.Quartal) 24,00 EUR
In Thomas Manns literarischen Texten wird zwar kein Vampirismus im engeren Sinn ausagiert, allerdings finden sich darin typische Elemente dieses vielseitigen Motivs, das sich aus dem neuzeitlichen Aberglauben heraus durch die Abstraktion auf das Moment der Energieabsorption zu einer in unterschiedlichen kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhängen virulenten Metapher für parasitäre Verhaltensweisen von Menschen oder Institutionen entwickelte und in der Literatur seit dem 18.Jahrhundert vor allem anders kodiert oder diskursiviert, etwa im Zusammenhang mit Religion, Sexualität, Ethnizität, Geschlecht, Ökonomie oder Kunst. Ausgehend von Spuren in Manns Werk, die den Rückschluss auf eine Vertrautheit mit der Idee des Vampirismus erlauben, werden ausgewählte Erzählungen auf Blut- und Blutsubstitute, „untote“ Existenzen, „lebende Tote“ oder Wiedergänger, entropische Vorgänge der Chaotisierung u.a.m. untersucht. Dabei dient der Vampirismus als Analyse- und Interpretationsinstrumentarium, das anwendbar ist auf Figuren, Figurenkonstellationen sowie Prozesse der Absorption physischer, psychischer, emotionaler, finanzieller, moralischer oder semantischer Energien. So ergeben sich Zugänge zu bisher wenig behandelten Erzählungen und neue Perspektiven auf schon viel interpretierte.

Petra Ney-Hellmuth: Der Fall Anneliese Michel
Kirche, Justiz, Presse

300 S., Pb., Königshausen & Neumann 2013 (erscheint 4.Quartal) 29,80 EUR
Der Exorzismus von Klingenberg ist auch heute, mehr als 30 Jahre nach dem Tod der Studentin Anneliese Michel, in der Öffentlichkeit erstaunlich präsent. Es entstanden Kinofilme, die sich erklärtermaßen an den damaligen Ereignissen orientierten, Beauftragungen von Exorzisten machen Schlagzeilen, wobei immer wieder in diesen Zusammenhängen der „Fall Anneliese Michel“ erwähnt wird. Im vorliegenden Buch werden jetzt die damaligen Geschehnisse im Rahmen einer geschichtswissenschaftlichen Dissertation anhand zum Teil neuer Quellen untersucht. Naben der Schilderung der Ereignisse vom Exorzismusbeginn (1975) bis zum Prozess am Landgericht Aschaffenburg (1978), der Reaktionen von Kirche und Justiz sowie einer Analyse von Schlagzeilen, Kommentaren und Lesermeinungen regionaler und überregionaler Presseorgane erfolgt eine Einordnung in zeit- und kirchengeschichtliche Zusammenhänge. Die Erschütterungen innerhalb der katholischen Kirche durch Umsetzung von Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils und demokratische Tendenzen, die sich an der Aufbruchstimmung der „68er“ orientieren, bildeten zudem den Rahmen für eine Instrumentalisierung der „Botschaften“ der Anneliese Michel und deren Vertrieb in konservativ-traditionalistischen katholischen Kreisen.

James M. Cain: Abserviert
272 S., geb., Metrolit 2013 19,99 EUR
Niemand konnte die Figur der Femme fatale so beschreiben wie der 1977 verstorbene Schriftsteller James M. Cain. Seine Hard-Boiled-Krimis „Mildred Pierce“ und „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ gehören längst zum Kanon der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Das nun sein bislang verschollen geglaubter letzter Roman erscheint ist eine literarische Sensation. Caine, der Schöpfer des Krimi Noir, galt zu seinen Lebzeiten vielen als einer der wichtigsten Autoren der USA – Camus hielt ihn für den begnadetsten überhaupt. Oft wiederkehrendes Motiv seiner Romane sind Dreieckskonstellationen, in denen eine Femme Fatale zwei Männer um den Verstand bringt, in der Habgier, Hass und falsch verstandene Liebe das Übelste der Menschen nach außen kehrt. Und so ist die Joan in diesem Roman nicht nur eine alleinerziehende Mutter, die nach einer gescheiterten Ehe auf sich alleine gestellt ist und alles für das Wohl ihres Kindes zu tun bereit ist. Sondern sie ist auch die kalt berechnende, um ihre sexuelle Anziehungskraft wissende Frau, die einen vermögenden, alten Mann heiratet und gleichzeitig eine Affäre mit einem jungen, attraktiven Träumer beginnt und bedingungslos ihren Weg geht. Cains Sinn für die menschlichen Abgründe und der lakonische Stil, mit dem er den tiefen Fall seiner Figuren beschreibt, machen „Abserviert“ zu einem späten, posthumen Meisterwerk. Neun Jahre lang hat der Lektor Charles Ardai aus verschiedenen Quellen und Manuskripten Cains letzten Roman zusammengefügt und es hat sich gelohnt.

Javier Marquez Sanchez: Mörderisch wie ein Solo von Charlie Parker
340 S., geb., Metrolit 2013 (erscheint September) 22,99 EUR
Eine Hommage an den Krimi Noir und das Hollywood der 1950er Jahre. Der Roman fiktionalisiert die Skandale zu den Dreharbeiten von „Der Eroberer“, ein Hollywood-Movie aus dem Jahr 1955, in dem John Wayne und andere Hollywood-Größen die Hauptrollen spielen. Sie sind auch handelnde Personen des Romans.

Edgar Allen Wolfe: Mr. Spock und der malerische Doppelmord zu Königsleben
150 S., Pb., Wilhelm Fink 2013 (erscheint Herbst) 19,90 EUR
Im Kunsthistorischen Institut der Jean-Paul-Universität im thüringischen Königsleben (nahe Kaisersaschern) ereignen sich zwei mysteriöse Mordfälle, Giftmorde mit den „philosophischen“ Toxinen Belladonna und Schierling. Ein Detektiv-, Katzen- und Campusroman, der Streifzüge in die Philosophie, Kunst- und Literaturgeschichte unternimmt. Die beiden Stardetektive Laurenz Silvester (Professor der Philosophie) und Mr. Spock (norwegischer Waldkater) – bekannt geworden, besonders durch ihre hier erneut abgedruckten, international beachteten Thesen zur Ästhetik des Detektivromans – kommen dank tatkräftiger Hilfe ihrer zwei- und vierbeinigen Freunde den Übeltätern auf die Spur. Diese Detektivgeschichte zeigt augenzwinkernd auf die Verwandtschaft von Philosophieren und Detektivieren, blickt hinter die Kulissen des heutigen Universitätsbetriebs und berichtet über eine Weltsensation für die Kunstgeschichte: den Fund dreier Meisterwerke der Malerei, bislang unbekannte Gemälde von Hans Holbein dem Jüngeren, Marchel Duchamp und Renè Magritte – eine spannende Geschichte im Geiste von Dorothy Sayers, Edmund Crispin, Rex Stout und Martha Grimes, stets getreu dem Slogan: „Nicht alles für die Katz, sondern alles für die Katzen!“

Patrick Melo: Leichendieb
208 S. , Tropen / Klett Cotta 2013 18,95 EUR
Ein Päckchen Kokain liegt neben der Leiche eines jungen Mannes. Der Finder beschließt, es zu verkaufen, und verstrickt sich damit in eine Welt aus Betrug und Erpressung. Um zu überleben, muss er bald schon eine Menge Geld auftreiben. Mit einem perfiden Plan macht er sich an die schwerreichen Eltern der Leiche heran. Patricia Melos »Leichendieb« ist ein spannender Thriller, der den Leser die moralischen Bedenken eines Mannes nachempfinden lässt, dessen kriminelle Handlungen sich wie eine Lawine steigern. Patrícia Melo bietet nicht nur ein bestechend genaues Porträt der Rauschgift-Mafia in Lateinamerika, sondern auch den Beweis, dass es manchmal nur eines winzigen Auslösers bedarf, um das Leben eines Menschen aus der Bahn zu werfen: In jedem steckt der Keim für das Böse. Patrícia Melo geboren 1962 in São Paulo. Die Autorin und Dramaturgin schreibt Romane, Hörspiele und Drehbücher. Die »Times« kürte Patrícia Melo zur »führenden Schriftstellerin des Millenniums« in Lateinamerika. Außerdem wurde ihr der »Prix Deux Océans« verliehen. Patrícia Melo lebt in der Schweiz.

Daniel de Roulet: Kamikaze Mozart
280 S., geb., Limmat Verlag 2013 (erscheint im September) 31,80 EUR
Eine kleine Kriegsmusik: „So wurde uns die Geschichte der Atombombe noch nie erzählt“ (Aux Arts). Fumika, japanische Musikstudentin in Berkeley, verliebt sich in den Schweizer Physiker Wolfgang, der im Team von Robert Oppenheimer an der Atombombe baut. In Japan hat ihre Familie für sie einen Mann bestimmt, den sie noch nie gesehen hat und der Kamikaze-Anwärter bei der Luftwaffe ist. Nach dem Überfall der Japaner auf Pearl Harbour wird Fumika mit den anderen 130.000 „feindlichen Elementen“ interniert. In der Wüste von Santa Fe, wo die Internierten beim Bau von Wolfgangs Reaktor eingesetzt werden, sehen sie sich wieder. Wolfgang hat sich inzwischen ganz in den Dienst der „Bombe gegen die Nazis“ gestellt, und die Liebe zu einer „Feindin“ bringt ihn jetzt in Schwierigkeiten. „Kamikaze Mozart“ ist ein virtuoser Roman über das Wettrennen um die Atombombe: von Lise Meitners Entdeckung der Atomspaltung über den nicht mehr kriegsnotwendigen Abwurf der Atombome bis zur Kernschmelze in Lucens 1969, in der die Schweizer Träume von der „Bombe“ untergingen.

Alex Capus: Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer
272 S., geb., Hanser 2013 (erscheint Juli) 19,90 EUR
420 Min., 6 CDs, der Hörverlag 2013 (erscheint August) 19,99 EUR
Der pazifistische Jüngling Felix Bloch studiert Atomphysik bei Heisenberg in Leipzig, flüchtet 1933 in die USA und gerät nach Los Alamos, wo er Robert Oppenheimer beim Bau der Atombombe helfen soll. Nur einmal kann der Bombenbauer dem Fälscher und der Spionin begegnet sein: im November 1924 am Hauptbahnhof in Zürich, wo die Geschichte beginnt.

James Agee: Der Tramp und die Bombe
Der Film, den Chaplin nie drehte

208 S., Pb., diaphanes 2013 (erscheint September) 16,95 EUR
Idee zu einem Film und literarisches Meisterwerk zugleich: lyrisch, funkelnd, von unerhörter Präzision. Eine Atombombe explodiert über New York. Die entsetzlichen Auswirkungen hat niemand vorhergesehen: Kein menschliches Leben hat überlebt. Mit Ausnahme des Tramp. Durch die menschenleere Wüstenei eines post-apokalyptischen New York wankt Charlie Chaplin in seiner Paraderolle als Vagabund, dem nur sein tiefschwarzer Humor geblieben ist. Und er stößt auf weitere Überlebende: eine junge Frau, ein Neugeborenes – und ein Grüppchen Wissenschaftler, die sich inmitten der Ruinen eine Basis für ihre neue Weltordnung eingerichtet haben…. 1947 wendet sich James Agee an den von ihm hochverehrten Charlie Chaplin mit diesem Filmprojekt. Eine dunkle, hochkomplexe und dichte Geschichte, packend, bitter und bildgeschwängert. So drastisch wie unbeirrt manifestieren sich darin kollektive Ängste und der Wille zur ätzenden politischen Parodie gegen die antikommunistische Furor der McCarthy-Ära, dem Chaplin selbst ausgesetzt war. Nie realisiert und erst vor kurzem wiederentdeckt, entfaltet sich ein erstaunlicher Text auf der Schwelle zwischen Film und Literatur, zwischen Drehbuch, poetischer Novelle und politischer Satire. James Agee (1909 – 1955) war Dichter, Schriftsteller, Journalist und Drehbuchautor.

Lee Miller: Krieg – Mit den Alliierten in Europa 1944 – 1945
Reportagen und Fotos

4oo S., Pb., Edition Tiamat 2013 (erscheint September) 24,00 EUR
Sie war eine der wenigen Frauen, die als Kriegskorrespondentinnen akkreditiert waren, und eine der neuen Stars des Journalismus, die plötzlich am Himmel aufgingen. Ihre Berichte und Fotos erschienen in der „Vogue“, denn selbst die Leser des Mode-Magazins wollten wissen, was es mit den Krauts auf sich hatte. Ihre Reportagen aus der Hölle, aus der unbekannten und fremden Welt mit dem Namen Drittes Reich gehören auch im Nachhinein zum Erhellendsten was über Deutschland und seine Bewohner geschrieben wurde. Dieser Band enthält zum ersten Mal alle ihre Kriegsreportagen und zahlreiche ihrer berühmten Fotos, außerdem Briefe und Artikel über das befreite Paris und ihre Gespräche mit Picasso, Cocteau, Aragon, Eluard und Colette. Lee Miller wurde 1907 in New York geboren und mit 20 Jahren von Condè Nast als Fotomodell entdeckt. Lernte in Paris Picasso und die Surrealisten kennen und wurde Man Rays Schülerin, Geliebte und Modell. 1932 trennte sie sich von Man Ray und eröffnete in New York ein eigenes Fotostudio. 1942 akkreditiere sie sich als Kriegskorrespondentin für „Vogue“. 1944 und 1945 entstehen ihre berühmten Reportagen und Fotos über den Krieg. 1947 heiratet sie den Kunstsammler Roland Penrose und zieht sich in England aufs Land zurück. 1977 erliegt sie einem Krebsleiden. Seither gab es Bildbände und Biografien und zahlreiche Ausstellungen ihrer Fotos.

Marcelo Ferroni: Anleitung zum Guerillakrieg
Ein Che-Guevara-Roman

227 S., Suhrkamp 14,99 EUR
Ein Guerillatrüppchen aus stümperhaften Rebellen, angeführt von Che Guevara – ein abgehalfterter Held, der bizarre Befehle erteilt und jeden Tag neue Verschrobenheiten entwickelt, anstatt die CIA-Agenten unschädlich zu machen und seinen großen Traum von der Revolution in Bolivien zu verwirklichen.

Valentina D`Urbano: Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung
300 S., dtv 2014 (erscheint Februar) 14,90 EUR
Eine unverwechselbare, junge Stimme aus Italien – Ausdruck einer ganzen Generation. Liebe unter falschen Vorzeichen: „Nächstes Jahr fahren wir ans Meer“, sagt Beatrices Vater an zu heißen Sommerabenden jedes Jahr lächelnd. Ein Versprechen, das sich nie erfüllt, aber die Familie trotzdem glücklich macht. Im Stockwerk darüber jedoch wird Alfrede, Beatrices bester Freund, von seinem besoffen Vater mal wieder halb totgeprügelt. So wie viele in der „Festung“, jenem Viertel in den Hügeln der Stadt, in das kein Taxi fährt, kein Polizist freiwillig einen Fuß setzt, hat Alfredo schon verloren, bevor sein Leben richtig beginnen kann. Als Kinder hat man Beatrice und Alfredo „die Zwillinge“ genannt, später wurde aus der Freundschaft Liebe. Eine harte Liebe, ohne Romantik und Liebesgeflüster, und mit einem jähen Ende…. Mit sprödem Charme erzählt Valentina D`Urbano von einer bitteren Liebe und von einem Lebensmut, der sich wie wilde Blumen durch eine betonharte Kruste aus Gewalt, Elend und Dreck schiebt.

Clemens Meyer: Im Stein
560 S., geb., S. Fischer 2013 (erscheint August) 22,99 EUR
Ein Gesellschaftsepos unserer Zeit. Ein vielstimmiger Gesang der Nacht: Prostituierte, Engel und Geschäftemacher kämpfen um Geld und Macht und ihre Träume. Schonungslos und zärtlich schreibt Clemens Meyer von den Menschen, den Nachtgestalten, von ihrem Aufstieg und Fall, vom Schmutz der Straße und dem Fluss des Geldes. Mit großer Kraft und Emotion erzählt er die Geschichte einer Stadt, die zum Epochen-Roman unserer Zeit wird.

Junot Diaz: und so verlierst du sie
224 S., Pb., S. Fischer 2013 (erscheint September) 16,99 EUR
Der literarische Superstar des Amerikas von Barack Obama. Junot Diaz` neue Stories schlugen ein wie eine Bombe und machten ihn endgültig zum literarischen Superstar – samt ausverkauften Lesungen und Fans, die Straßenaufläufe verursachten. Diaz` Held Yunior taumelt durch sein Leben zwischen Karibik und New Jersey, er liebt mit aller Kraft und wird im Klammergriff des Machismo doch immer wieder schwach. Ehrlich und sexy, zum Weinen und zum Totlachen.

Mary Miller: Süßer König Jesus
288 S., geb., Metrolit 2013 (erscheint September) 19,99 EUR
Zwei Lolitas auf dem Rücksitz, die eine voller sexueller Neugier, die andere heimlich schwanger. Am Steuer: die religiös-fundamentalistischen Eltern auf ihrem Weg nach Kalifornien – dem Weltuntergang entgegen. Ein Buch von literarischer Wucht mit einem Plot, den sich die Coen-Brüder nicht besser hätten ausdenken können.

Maria Skiadaresi: Das Herz nach Istanbul tragen
294 S., geb., Größenwahn Verlag 2013 (erscheint Herbst) 22,90 EUR
Orestis fliegt mit begründeter Angst geschäftlich nach Istanbul, dort lauert die Vergangenheit: Kindheit in Athen, Studium in England und eine Studienreise in die Türkei, die ihm das Unerwartete brachte: Murad – die Liebe seines Lebens. Nichts ist jemals für ihn klar geworden, nicht einmal die sexuelle Orientierung. Eine Liebeserklärung an Istanbul und eine Ode an die Liebe, die über Geschlecht und Nationalität steht, sich weder um sozialen Status noch um Ideologie schert und in jedem Körper ein zuhause finden kann, weiblich oder männlich – die Liebe kennt keine Unterschiede.

Thomas Pregel: Die unsicherste aller Tageszeiten
372 S., geb., Größenwahn Verlag 2013 (erscheint Herbst) 23,90 EUR
Es ist kalt, früh am Morgen und der berühmte „Torture porn-origins“-Maler flieht aus Berlin. Er hat Angst vor den Folgen seiner Taten, nicht nur der aus der letzten Nacht: Süchtig nach schmutzigem, anonymen und ungeschütztem Sex mit Männern. Hat er jemand getötet? Er hofft, auf der Insel Föhr, wo er ein Refugium für seine schmerzende Seele zu finden weiß, Entscheidungen für die Zukunft treffen zu können. Ein Roman über die Kunst, ihre Wahrnehmung und Wertschätzung, eine intime Retrospektive des Künstlers, seines Werdegangs, seiner Inspirationen und Schwächen, und eine Geschichte über die unsicherste aller Tageszeiten, wenn das Herz nach Liebe pocht.

Jannis Plastargias (Hrsg.): Liebe und andere Schmerzen. 16 Herzschläge
192 S., Pb., Größenwahn Verlag 2013 (erscheint Herbst) 14,90 EUR
Die Liebe – geträumte, gefühlte, gelebte, gekaufte – die wahre Liebe, so wie sie ist, für jeden anders, für jeden ein Grundbedürfnis des Seins. In deren Mittelpunkt stehen Schicksale, Erzählungen und Gefühle von Frauen, Männern, Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transen oder Personenkreise – deren Charakterisierungen als Emanzipations- oder Schimpfwörter – in unserer Gesellschaft zu finden sind. Ein Hoch auf die Liebe, die kein Geschlecht kennt, alles glaubt, alles erträgt, über allem und alles steht und ohne Wunden, Narben oder Kratzer nicht als echtes Gefühl gelten kann. 16 Herzschläge pochen in diesem Buch.

I Am A Woman Now FSK 6 – Ein Dokumentarfilm von Michiel van Erp
DVD, 86 Min., good movies 2013 (erscheint Oktober) 19,99 EUR
Fünf starke Frauen, die eines verbindet: Alle ließen sich in den 1960er- und 1970er-Jahren von dem sagenumwobenen Arzt Dr. Georges Burou in Casablanca von Männern zu Frauen umoperieren. Burou war damals der Einzige, der diesen Eingriff vornahm. Die Frauen riskierten ihr Leben in der Hoffnung auf ein neues, besseres. Mehr als 40 Jahre nach ihren Operationen erzählt Regisseur Michiel van Erp ihre Geschichte: das berühmte Showgirl Bambi, die als eine der ersten nach Casablanca ging. Die Belgierin Corinne, die sich nach vielen Jahren ihrer besten Freundin anvertraute. Die Niederländerin Colette, die das Leben einer einfachen Hausfrau geführt hat. Die elegante Engländerin April, die in den 70er Jahren im Scheinwerferlicht der Show-Bühnen zuhause war und nun dem Sohn des charismatischen Arztes begegnet. Und die deutsche Jean, die ihr Leben lang mit ihrer geschlechtlichen Identität kämpfte. Im Herbst ihres Lebens schauen diese Frauen zurück.

Hubert Wolf: Die Nonnen von Sant`Ambrogio. Eine wahre Geschichte
544 S., Verlag C.H. Beck, 2013 24,95 EUR
Die Akten dieses Inquisitionsprozesses sollten für alle Ewigkeit in den Archiven des Vatikans verschwinden. Um ganz sicher zu gehen, legte man sie an der falschen Stelle ab, ohne zu ahnen, dass sie gerade dadurch über hundert Jahre später der Forschung zugänglich werden – und Hubert Wolf sie aufspürt. Rom, im Juli 1859: Eine Nonne ruft um Hilfe, man will sie vergiften, doch sie kann fliehen. Es kommt zu einem Prozess, in dem die Inquisition Unglaubliches aufdeckt: Im Kloster Sant’Ambrogio werden seit Jahrzehnten Nonnen als Heilige verehrt. Visionen, Dämonenaustreibungen, Segnungen per Zungenkuss, lesbische Initiationsriten und Wunder sind an der Tagesordnung. Zweiflerinnen werden beseitigt. Und hinter alledem steht ein Netzwerk von Jesuiten mit besten Kontakten zum Papst. Bis heute besitzt der Fall Sant’Ambrogio eine gewaltige Sprengkraft: Einer der Beichtväter, der unter falschem Namen bei den Nonnen übernachtete, entpuppt sich als vatikanischer Spitzentheologe und enger Vertrauter des Papstes, der das Unfehlbarkeitsdogma maßgeblich mitformulierte. Die wahre Geschichte von Sant’Ambrogio ist damit auch ein Kapitel aus der wahren Geschichte des modernen Katholizismus.

Roland Kanz: Die Brüder Casanova – Künstler und Abenteurer
392 S., Abb., geb., Deutscher Kunstverlag 2013 (erscheint Oktober) 24,90 EUR
Giacomo Casanova beherrschte die hohe Kunst der Verführung und eroberte im funkelnden Treiben des Rokoko zahlreiche Frauen. Gegen Ende seiner Tage schrieb er in einem letzten Akt der Selbstliebe seinen berühmten „Lebensroman“. Er prägte damit das eigene Nachleben wie das seiner Brüder, die einst als Künstler ebenso Berühmtheit erlangten: Giovanni als Schüler von Anton Raphael Mengs und als Akademiedirektor in Rom und Dresden, Francesco als gefeierter Schlachtenmaler in Paris und Wien. Roland Kanz bietet mit überraschenden Einsichten ein bewegtes Panorama des europäischen Kulturlebens, eine mitunter turbulente Verwicklung von Galanterien, Gaunereien und Eifersüchteleien. Dieser fundierte, facettenreiche Band vereint mit literarischer Leichtigkeit Literaturgeschichte mit der Kunst- und Kulturgeschichte im Kaleidoskop einer bemerkenswerten Familie des 18.Jahrhunderts.

Lisa Andergassen / Till Claasen / Katja Grawinkel / Anika Meier (Hrsg.)
Explizit! Neue Perspektiven zu Pornografie und Gesellschaft

170 S., 40 Fotos, Pb. Bertz & Fischer 2013 (erscheint November) 16,90 EUR
Pornografie ist ein omnipräsentes Phänomen und ein Millionengeschäft, das immer wieder skandalisiert wird. Gleichzeitig steht eine differenzierte, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema im deutschsprachigen Raum noch am Anfang. Der Band „Explizit!“ fragt nach dem Verhältnis von Pornografie zur Gesellschaft, ihren medialen Dispositiven, nach genderspezifischem Nutzungsverhalten, nach Darstellungsweisen sowie deren Rolle für Identitätspoltiken. Internationale Expert_innen aus den Bereichen Anthropologie, Soziologie, Film- und Medienwissenschaften sowie aus dem Kunstkontext bieten Einblick in den Stand der Diskussion.

Till Kraemer: Pornojahre
288 S., Schwarzkopf & Schwarzkopf 2013 9,95 EUR
Ein Buddhist und ehemaliger Waldorfschüler schreibt über seine Porno-Karriere. Till Kraemer war Pornodarsteller und bezeichnet sein Buch als philosophisches Fick-Tagebuch. Neben dem szene-üblichen deftigen Vokabular überraschen eingestreute philosophische Betrachtungen. Da er aus einer Waldorf-Schule stammt wird das Buch sogar von der anthroposophischen Zeitung „Info 3“ in einer Rezension als „lockere Sommerlektüre“ empfohlen.

Oscar Coop-Phane: Bonjour Berlin
256 S., geb., Metrolit 2013 (erscheint August) 17,99 EUR
Coop-Phane beschreibt in seinem Roman die Erlebnisse dreier junger Männer Anfang 20, die sich in Berlin treffen und tief in die Stadt eintauchen. „Bonjour Berlin“ ist ein Generationsroman, ein Paris- und Berlin-Roman, ein Techno- und Drogenroman und ein fein gesponnener psychologischer Roman zwischen Weltschmerz-Tristesse und ekstatischer Enthemmtheit.

Wolfgang Farkas, Stefanie Seidl, Heiko Zwirner (Hrsg.):
Nachtleben Berlin . 1974 bis heute

304 S., 400 Fotos, geb., Metrolit 2013 (erscheint Oktober) 34,00 EUR
Das authentische Portrait der Welthauptstadt des Nachtlebens. 40 Jahre Nachtleben in Berlin: Eine Grenze sprengende Vielfalt gesellschaftlichen Lebens von West nach Ost, von Subkultur bis Glamour, von Punk über Techno bis zur Gegenwart. Mit zahlreichen Originalbeiträgen und unveröffentlichten Fotos im Großformat.

Klaus Bittermann: Alles schick in Kreuzberg
Unter Touristen, Pennern, Gentrifizierten

192 S., zahlreiche Fotos, Pb., Edition Tiamat 2013 (erscheint September) 14,00 EUR
Und wieder versucht Klaus Bittermann herauszufinden, wie weit die Gentrifizierung in seinem Viertel in Kreuzberg gediehen ist. Er beobachtet eine wundersame Vermehrung junger Franzosen, Engländer und Spanier, er ist den „Miethaien“ auf der Spur, die sich als harmlose Rentner tarnen, er bestaunt eine Schießerei auf dem Spielplatz vor seiner Tür, in der es sehr alttestamentarisch zugeht, er schlägt sich im Wellness-Bereich des Berliner Zolls durch, er isst kontaminiertes Sushi, um erleuchtet zu werden, er lernt einen Mann kennen, der mit Teelichtern heizt, er demonstriert vor dem Springer-Hochhaus, wo „Bild“ die rote Karte gezeigt wird, und er recherchiert in einem Tätowierstudio. Einen Reim kann er sich nicht darauf machen, aber er weiß ganz sicher: Das alles wird sich irgendwann aufklären. Sie könnten ihm übrigens dabei behilflich sein. Wie? Ganz einfach. Besorgen Sie sich das Buch. Es soll angeblich wieder ganz lustig sein.

Harry Rowohlt & Klaus Bittermann lesen „Alles schick in Kreuzberg“ und „Möbel zuhause, aber kein Geld für Alkohol“ live (Kreuzberger Szenen)
Live-Mitschnitt aus dem Festsaal Kreuzberg am 17.April 2012

Doppel-CD, 140 Min., Edition Tiamat 2013 (erscheint September) 16,00 EUR
Klaus Bittermann lud ein und Harry Rowohlt nahm an und las aus „Möbel zu Hause, aber kein Geld für Alkohol“ und „Alles schick in Kreuzberg“, und zwar vor ausverkauftem Haus. Klaus Bittermanns Kreuzberger Szenen fanden in Harry Rowohlt den perfekten Vorleser, nicht nur, weil er sowieso der beste Vorleser Deutschlands ist, sondern auch den Berliner Dialekt exakt beherrscht, der in solchen Geschichten nicht zu vermeiden ist. Harry Rowohlt hat zudem nicht einfach vorgelesen, sondern als Paganini der Abschweifung aus dem Buch mit seinen Anmerkungen, Anekdoten und Assoziationen große Kunst zum Anhören gemacht.

Philip Ardagh: Familie Grunz hat Ärger
240 S., geb., Beltz & Gelberg 2013 (erscheint im Juli) 12,95 EUR
3 CD-Hörbuch, 3 Std. und 50 Min., Beltz & Gelberg 16,95 EUR
Freuen Sie sich auf Familie Grunz! Die wohl seltsamste Familie der Welt. Der schräge Bestseller aus England geschrieben von Philip Ardagh, illustriert von Axel Scheffler, übersetzt und gelesen von Harry Rowohlt.

Dotschy Reinhard: Everybody`s Gypsy
Popkultur zwischen Ausgrenzung und Respekt

256 S., geb., Metrolit 2013 (erscheint September) 17,99 EUR
Vermittelt erstmals ein umfassendes Bild der gegenwärtigen Gypsy-Kultur. Über die zeitgenössische Gypsy-Kultur und ihren unterschätzten Einfluss auf unseren Alltag. Ein Roadtrip durch die Zentren des Pop mit Musik, Mode, Literatur, Kunst, Film und TV. Ein Lehrstück über gut gemeinten und schlecht gelebten Respekt, über Aneignung und Ausgrenzung. Dotschy Reinhard, geboren 1975, lebt und arbeitet in Berlin. Sie ist Musikerin und Autorin. In ihrer Musik verbindet sie Jazz, Bossa Nova und Gypsy Swing von Django Reinhardt, mit dem sie tatsächlich verwandt ist.

Balkan Melodie FSK 0 – Ein Dokumentarfilm von Stefan Schwietert
mit Gheorghe Zamfir, Le Mystere des Voix Bulgares, Ioan Pop, Aurelio Ioanita, Mahala Rai Benda,

DVD, 92 Min, good movies 2013 (erscheint September) 19,99 EUR
Der Film erzählt die Geschichte von Marcel und Catherine Celliers lebenslanger Liebe zu der Musik Südosteuropas. Mitten im Kalten Krieg wird der Schweizer Musikliebhaber Marcel Cellier magisch angezogen von den fremden Klängen Osteuropas. Auf eigene Faust reist er hinter den Eisernen Vorhang, um die Musik dieser Länder aufzunehmen. In unzähligen Radiosendungen und Millionen verkaufter Schallplatten macht Marcel Cellier die von ihm gesammelte Musik international bekannt und öffnet Musikern wie dem rumänischen Panflötenvirtuosen Gheroghe Zamfir und den legendären bulgarischen Frauenstimmen von „Le Mystere des Voix Bulgares“ den Weg zum Ruhm. Auf den Spuren der Celliers reist der Film nach Rumänien und Bulgarien, um die Protagonisten von damals wieder zu finden und den Reichtum ihrer Musik wieder aufleben zu lassen. Im Kontrast der Begegnungen von damals und heute wird auf sinnliche Art und Weise ein Stück Zeitgeschichte erfahrbar.

Berthold Seliger: Das Geschäft mit der Musik. Ein Insiderbericht
320 S., Pb., Edition Tiamat 2013 (erscheint September) 18,00 EUR
Berthold Seliger rechnet scharf, aber sachlich mit der Musikindustrie ab. Jeder hört Musik, doch kaum einer weiß wirklich, wie sie zum „Produkt“ gemacht wird. Dieses Buch ist eine instruktive Einführung in fast alle Facetten des Geschäfts mit der Musik. Es wird erklärt, wie das Tourneegeschäft, die Plattenfirmen, das Copyright, Sponsoring oder die Gema funktionieren, und der Autor diskutiert die aktuellen Geschäftsmodelle und befasst sich mit der Rolle der Künstler und Kulturarbeiter, aber auch mit ihrer miesen sozialen Situation. Doch dieses Buch ist auch eine Streitschrift für eine andere Kultur. Fast alle Bereiche des Musikgeschäfts werden heute von Großkonzernen dominiert – die Vielfalt der Kultur ist längst in Gefahr. Gleichzeitig erleben wir den Quotenterror – es zählt nur noch, was sich „verkauft“. Die Verhältnisse werden von Monopolen und der Politik, die den „Staatspop“ fördert, bestimmt. Dem setzt Selinger ein Plädoyer für eine selbstbestimmte Kunst entgegen, die nach anderen Kriterien bewertet werden sollte. Seliger ist Autor und lebt in Berlin. Er betreibt seit 25 Jahren eine eigene Konzertagentur und ist Europaagent für u.a. Calexio, Lambchop, Pere Ubu, The Residents und The Walkabouts. Als deutscher Tourneeveranstalter arbeitet er mit Bonnie „Prince“ Billy, Daniel Kahn, Lou Reed, Silver Jews, Patti Smith, Lucinda Williams und anderen zusammen. Er veröffentlicht einen monatlichen Newsletter, der 2003 mit dem „Mersha Award“ des Musikexpress, Rolling Stones und Hammer für den besten Newsletter der Musikbranche ausgezeichnet wurde und bloggt auf http://www.bseliger.de. Er schreibt über musik- und kulturpolitische Themen u.a. in der Berliner Zeitung, im Freitag und in konkret.

Wolfgang Doebeling: Pleased To Meet You
Interviews mit Musikern – Band

255 S., geb., Wilhelm Fink 2013 24,90 EUR

Wolfgang Doebeling: Pleased To Meet You
Interviews mit Musikern – Band 2

255 S., geb., Wilhelm Fink 2013 (erscheint Herbst) 24,90 EUR
Zwölf bedeutende Sänger und Songwriter aus den USA und Kanada geben freimütig Auskunft über ihr ereignisreiches Leben, reflektieren Schicksalhaftes wie Stilgeschichtliches und erörtern im Dialog die Bedingungen, Potentiale und Perspektiven ihrer Kunst. Wolfgang Doebeling trifft Brian Wilson, Van Dyke Parks, Randy Newman, Leonard Cohen, Stephen Stills, Neil Young, Willie Nelson, Waylon Jennings, Johnny Cash, Dolly Parton, Emmylou Harris und Linda Ronstadt. Während es im ersten Band von Pleased To Meet You um die britische Aneignung des Rock `n“ Roll, um transatlantische Inspiration und deren globale Wirkungsmacht ging, dreht sich dieser zweite um die kulturellen Bezüge und den gesellschaftlichen Einfluss amerikanischer Songkunst, um musikalische Evolution und den kreativen Akt des Songschreibens. Während der Interviews, die der Musikkritiker im Laufe vieler Jahre mit stilbildenden Protagonisten des Rockabilly, Country, Pop, Surf, Folk und Rock über ästhetische wie weltanschauliche Konvergenzen und Kollisionen führte, geriet manch zunächst unverfänglicher Gedankenaustausch zum Disput. Mancher Gesprächspartner zeigte sich darüber wenig begeistert, gar gereizt, doch letztlich wahrten sie alle Contenance und bewiesen Größe.

Franz Dobler: A Boy Named Sue
Aus den Memoiren eines zerstreuten Musikliebhabers

180 S., Pb., Edition Tiamat 2013 (erscheint September) 14,00 EUR
Der zerstreute Musikliebhaber hat sich nie in eine Schublade einsperren lassen. Kann sein, er will morgens den alpinen Rock `n` Roll von Attwenger hören, nachmittags Cannonball Adderley, abends den noch nicht eingeordneten (!) Pop der General Elektriks, um sich um Mitternacht mit Dale Watson zu fragen, ob es Zeit für „Whisky or God“ ist und er morgen nur Country hören soll, was denn auch sonst, zur Hölle! Wenn er nach Worten sucht, hat er keine Angst vor nichts und lässt sich von den Sirenen in dunkle Vergangenheit und rätselhafte Gegenwart locken und landet vielleicht in Garagen, die von schweigsamen Türstehern bewacht werden. Kann schon sein, dass der Autor nur über Musik schreibt, weil er eines Tages lernen musste, dass er nicht Musik machen kann. Weshalb er bis zur letzten Stunde mit R. W. Fassbinder heulen wird: Ich möcht` Musik machen können!

David Buckley: Kraftwerk: Publikation
400 S., mit Abb., geb., Metrolit 2013 (erscheint November) 22,99 EUR
Die erste umfassende und vollständig recherchierte Biografie der Band mit zahlreichen neuen Quellen und noch nie erzählten Anekdoten. Buckley führte unzählige Interviews mit Bandmitgliedern, Musikern, Musiktheoretikern. Es gelingt ihm ein einzigartiges Portrait der Band, die Elektropop erfand.

Sascha Lange / Dennis Burmeister: Depeche Mode – Monument
424 S., über 2000 Abb. , geb., Blumenbaer 2013 49,90 EUR
DIE ERSTE VOLLSTÄNDIGE WERKSCHAU EINER EINZIGARTIGEN BAND kam nach Erscheinen sofort in die Sachbuchbestenliste des deutschen Buchhandels. 100 Millionen verkaufte Platten, ausverkaufte Touren, eine außergewöhnliche Fancommunity. Anhand einer der weltweit größten Depeche-Mode-Sammlungen wird die seit mehr als drei Jahrzehnten andauernde Erfolgsgeschichte greifbar und anschaulich gemacht: Die komplette Diskografie, unveröffentlichte Fotos, seltene Tonträger, ausgefallenes Promomaterial der Plattenfirmen, Interviews sowie detaillierte Beschreibungen der vielfältigen Fanszene in Ost und West. Dies ermöglicht, das Wachsen und Erwachsenwerden der Band von 1980 bis heute noch einmal zu erleben, und eröffnet einen neuen Blick auf die popkulturelle Bedeutung von Depeche Mode. Mit exklusivem Material von Alan Wilder, Daryl Bamonte und Herbert R. Kollisch (Intercord). Interviews mit Götz Alsmann, Anne Haffmans (Mute), Olaf Zimmermann (radioeins), Sven Plaggemeier (depechemode.de) u. a. “Sascha Lange und Dennis Burmeister sind zwei ausgewiesene Depeche-Mode-Experten und haben mit beeindruckender Akribie eine umfassende Werkschau vorgelegt, an der niemand vorbeikommen wird, der sich für Depeche Mode und das Phänomen ihrer Fans interessiert.” Anne Haffmans, Mute-Labelmanagerin. “Depeche-Mode-Fans wissen mehr über Depeche als ich. Gäbe es ein Quiz mit mir, Martin und Dave gegen drei Fans, würden sie spielend gewinnen.” Andy Fletcher, Depeche Mode

BB King – The Life of Riley Ein Film von Jon Brewer FSK 6
DVD, 123 Min., good movies 2013 (erscheint im September) 19,99 EUR
Ein herzenserwärmender, aufschlussreicher und berührender Dokumentarfilm über den legendären Bluesmusiker B.B. King. Erzählt von Morgan Freeman und mit Beiträgen von Eric Clapton, Bono, Ringo Starr, Carlos Santana, Slash, Bonnie Raitt, Buddy Guy, Ronnie Wood, Mick Jagger und Bruce Willis. Der Film versammelt die berühmtesten Rock`n`Roller der Welt, die den ungeheuren Einfluss von B.B. King auf ihre Musik reflektieren, bspw. Wollte John Lennon so gut Gitarre spielen können wie der King of Blues. „BB Kind – The Life of Riley“ zeigt beeindruckendes Archivmaterial der großen Tourneen des Ausnahmemusikers. Und er führt in zahlreichen Interviews vor, dass King trotz des Riesenerfolges ein bescheidener, bodenständiger und zutiefst engagierter Mensch geblieben ist.

Ed Hardy: Wear Your Dreams
Träume, T-Shirts und Tattoos

368 S. mit Abb., geb. Metrolit 2013 (erscheint Oktober) 19,99 EUR
Eine Autobiografie. „Ed Hardy“ steht auf T-Shirts, Basecaps, Parfüms, Energy Drinks. Seine farbigen Totenköpfe und Designs sind weltbekannt. Doch Ed Hardy ist mehr als der Name eines Modelabels – er veränderte die Popkultur. Er schaffte es, die früher nur von Outlaws akzeptierten Tattoos salonfähig zu machen. In „Wear of Dreams“ erzählt Ed Hardy sein von Höhen und Tiefen geprägtes Leben: Als Kind verdiente er seinen ersten Dollars mit Fake-Tattoos. Während seines Kunststudiums hing er mit Surfern und Skatern an den Stränden Kaliforniens rum. Er erlernte bei traditionellen Tätowierern das Handwerk und entwickelte früh seinen eigenen, einzigartigen Stil. 2002 gründete er das Mode-Label Ed Hardy, lizensierte es 2004 an Christian Audigier. Die Marke Ed Hardy wurde zum milliardenschweren, internationalen Lifestyle-Phänomen. Doch mit dem Erfolg kamen die Probleme: Das Label wurde irgendwann zum Symbol für Trash. Nach zähen Verhandlungen schaffte es Hardy schließlich mithilfe eines Partners, die Rechte an seinem Namen zurückzukaufen und wieder selbst über sich, sein Image und sein Leben bestimmen zu können. „Wear Your Dreams“ ist voll mit Original-Ed-Hardy-Artwork. Das ideale Buch für Tattoo-Fetischisten, Popkultur-Junkies, Ed-Hardy-Aficionados und Maskenbildungsexperten.

Michael Flintrop / Marcus Stiglegger (Hrsg.)
Dario Argento – Anatomie der Angst

304 S., 200 Fotos, Pb., Bertz & Fischer 2013 25,00 EUR
Unüberschaubare Räume, grelle Farben, schwarze Lederhandschuhe und blitzende Rasierklingen – wie kein zweiter Filmemacher arbeitet der Italiener Dario Argento an einer filmisch en Anatomie der Angst. Seine ausgefeilten Inszenierungen des Albtraums im italienischen Giallo-Thriller wie auch im Gothic Horror brachte er mit seiner Trilogie der „Drei Mütter“ (Suspiria, Inferno und Mothers of Tears) zur Vollendung. Während seine ebenso bizarren wie faszinierenden Thriller „Profondo Rosso“, „Tenebre“ und „Opera“ international schnell zu einflussreichen Kultfilmen wurden, ist mit ihnen in Deutschland eher eine tragische Zensurgeschichte verbunden. Erstmals im deutschsprachigen Raum widmen sich in diesem reich bebilderten Buch eine Reihe von Argento-Kennern – darunter auch Filmemacher Dominik Graf und Jörg Buttgereit – dem facettenreichen Werk des Regisseurs.

Bert te Wildt: Funny Games
Über das Wechselspiel von realer und virtueller Gewalt

280 S., Pb., Königshausen & Neumann 2013 (erscheint 3.Quartal) 28,00 EUR
Mit dem Film „Funny Games“ gelang dem mittlerweile Oscar prämierten Regisseur Michael Haneke 1997 der Durchbruch. Das verstörende Werk stellt eine ebenso radikale wie tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Thema „Mediale Gewalt“ dar. Der Film packt den Zuschauer bei seinen Thriller-Sehgewohnheiten, um ihm diese dann mit brachialer Wucht vorzuführen und gegen ihn zu wenden. Er macht die Problematik der Konsumierbarkeit medialer Gewalt für den Zuschauer unmittelbar erfahrbar. Zu diesem Zweck setzt der Regisseur in erster Linie auf eine radikal realistische Darstellung von Angst und Schmerz, bei der die Darsteller der Opfer bis an die Grenze des Spiel- und Ertragbaren gehen. Um über die persönliche Betroffenheit hinauszuweisen, entstand die Idee, mit den Akteuren darüber zu sprechen, was sie vor, nach und vor allem während der Dreharbeiten erlebt haben. Dies wird besonders in den Interviews mit den Schauspielern Susanne Lothar und Ulrich Mühe deutlich, die auch im Film Ehepartner spielen, die erst ihren Sohn und dann selbst ihr Leben verlieren. Ihre Ausführungen brechen sich mit denen des Kinderdarstellers Stephan Clapzcynski und Arno Frisch, einem der Darsteller der Mörder. Die in sich verschränkten Interviews mit dem Regisseur und den Darstellern des Films erzählen chronologisch von den verschiedenen Stadien seiner Produktion, von der Drehbuchentwicklung bis zur Rezeption. Es bietet einen ebenso lebendigen wie vertiefenden Diskurs zum Thema mediale Gewalt.

Anna Hofer: Christoph Waltz – Die exklusive Biografie
200 S., geb., riva 2013 (erscheint Dezember) 17,99 EUR
And the Oscar goes to… Christoph Waltz ist seit vielen Jahren ein Synonym für herausragende Schauspielkunst und erlesene Rollen im Fernsehen. Dennoch kam der große Durchbruch für ihn erst im Jahr 2009, im Alter von 52 Jahren, als er den Oscar als bester Nebendarsteller im Film „Inglourios Bastards“ erhielt. Spätestens seit diesem Zeitpunkt ist sein Name in aller Munde, Hollywood gibt sich bei ihm die Klinke in die Hand. Doch wer ist dieser zurückhaltende und bescheidene Mann, der so wenig von sich preisgibt? Wie hat er gelebt und gearbeitet, bis die Weltöffentlichkeit auf ihn aufmerksam wurde? Was waren seine abgefahrensten Rollen? Anna Hofer hat in einer bisher nicht dagewesenen Form alles zusammengetragen, was die Fans von und über Christoph Waltz wissen wollen. Zusätzlich enthält diese exklusive Biografie eine Vielzahl von Bildern, die Christoph Waltz in seinen unterschiedlichsten Rollen sowie bei seinen Auftritten in der Öffentlichkeit zeigen. Dieses Buch ist ein Muss für jeden Fan und das perfekte Geschenk für alle Cineasten.

Ulrich Seidl – Paradies: Liebe FSK 16
DVD, 121 Min., Good Movies 2013 (erscheint September) 19,99 EUR
Der erste Teil von Ulrichs Seidls „Paradies“-Trilogie: makellos schöne Bilder treffen auf gnadenlos bösen Witz. Teresa ist 40 Jahre alt, alleinerziehende Mutter und nicht mehr besonders gut in Form – null Sexualleben, unaufgeregter Lebensabend, unselbstständige Kinder. Was ihr am meisten fehlt, ist für sie jedoch unerschwinglich: das Gefühl, begehrt zu werden. Ihre Sehnsucht nach Liebe und der Marktwert ihres Körpers driften proportional auseinander. Im Urlaub in Afrika möchte Teresa davon eine Auszeit nehmen. An den weißen Stränden Kenias sind die Männer zahlreich und die Angebote noch viel mehr. Als so genannte Supermamas genießen Teresas Freundinnen die Liebesdienste junger schwarzer Beachboys, die sich so ihren Lebensunterhalt verdienen. Bedrängt von eifrigen Männern wird auch Teresa unversehens zur Sextouristin. Hier spricht man eine neue Sprache der Liebe, die auch Teresa verstehen kann. Nur wird Teresa auf der Jagd danach selbst zum Opfer…

Ulrich Seidl – Paradies: Glaube FSK 16
DVD. 113 Min., Good Movies 2013 (erscheint Oktober) 19,99 EUR
Der zweite Teil von Ulrich Seidls „Paradies“-Trilogie, ausgezeichnet mit dem Spezialpreis der Jury beim Filmfestival in Venedig 2012. Anna Maria ist mit Leib und Seele Katholikin. Sie rutscht auf Knien betend durch die Wohnung, ihr Haus hat mehr Kruzifixe als eine Kirche und zur Strafe für fremde Sünden peitscht sie sich gern mal aus. Ihren Jesus nimmt Anna Maria sogar mit ins Bett und den Urlaub verbringt sie damit, eine Wandermutter-Gottes-Statue von Haus zu Haus zu tragen, um Einwanderer vom christlichen Paradies zu überzeugen und Österreich wieder katholisch zu machen. Eines Tages kehrt ihr Ehemann Nabil, ein im Rollstuhl sitzender Moslem, nach Jahren der Abwesenheit aus Ägypten zurück. Ein Kleinkrieg um Ehe und Religion beginnt. Ihr Glauben wird auf eine harte Probe gestellt. Denn die Sehnsucht nach körperlicher Nähe bringt Anna Maria und ihre fanatische Mission doch an ihre Grenzen…

Ulrich Seidl – Paradies: Hoffnung FSK 12
DVD, 91 Min., Good Movies 2013 (erscheint November) 19,99 EUR
Der dritte Teil von Ulrich Seidls „Paradies“-Trilogie. Melanie ist ein schönes, junges Mädchen mit einem entscheidenden Problem: sie ist übergewichtig. Während ihre Mutter in Kenia Urlaub macht und ihre Tante Anna Maria in christlicher Mission um die Häuser zieht, bereist Melanie ein anderes Universum: die Welt der Kalorientabletten und der Sporterziehung. Zwischen Wiesenwanderungen und nächtlichen Kissenschlachten werden ihre Ferien mit anderen Jugendlichen im Diätcamp zu einer Zeit der Freundschaft und der Liebe. Melanie verliebt sich in einen 40 Jahre älteren Arzt, den Leiter des Camps. Sie kämpft um ihn mit der Ausschließlichkeit der ersten Liebe und will ihn aller Unschuld verführen. Der Doktor begehrt Melanie und versucht, gegen die Schuld dieser Liebe anzukämpfen, weiß er doch um ihre Unmöglichkeit. Seidl zeigt sich hier von seiner versöhnlichsten und unberechenbarsten Seite. Eine Reifeprüfung mit großer Zartheit und ungewohnter Heiterkeit.

Ulrich Seidl – Paradies Trilogie Liebe Glaube Hoffnung – Die Box
3 DVDs, Good Movies 2013 (erscheint November) 39,99 EUR
Die Suche nach dem Paradies vereint in Ulrich Seidls Spielfilm-Trilogie drei Frauen, die auf ganz unterschiedliche Art versuchen, einem Ideal nahe zu kommen, das vielleicht nur eine Illusion ist: eine lebenslustige Sextouristin in Kenia in „Paradies: Liebe“, eine streng katholische Missionarin in „Paradies: Glaube“ und eine junge, unerfahrene Frau im Diätcamp in „Paradies: Hoffnung“. Seidl erzählt ihre Geschichten mit großer Realitätsnähe, mit schwarzem Humor und in präzisen Bildkompositionen – den berühmten „Seidl-Tableaus“. Die Filme sind so unterhaltsam wie verstörend und konfrontieren den Zuschauer in teils skurrilen, teils zarten, teils brutalen Szenen mit sich selbst. Dabei gelang Seidl ein einzigartiger Coup: Jeder Teil der Trilogie feierte seine Weltpremiere auf einem der bedeutendsten internationalen Filmfestivals – „Liebe“ in Cannes, „Glaube“ in Venedig und „Hoffnung“ in Berlin.

Tabu – Eine Geschichte von Liebe & Schuld FSK 0, ein Film von Miguel Gomes
DVD, 111 Min., Good Movies 2013 (erscheint Oktober) 19,99 EUR
Die gläubige Rentnerin Pilar verbringt ihre Zeit damit, Gutes zu tun und anderen zu helfen. So sorgt sie sich auch um ihre einsame Nachbarin Aurora, eine exzentrische achtzigjährige Dame. Während sich Pilar ihrem katholischen Glauben widmet, verspielt Aurora ihr letztes Geld im Casino und verdächtigt ihre kapverdische Haushälterin Santa, sie mit Voodoo zu verhexen. Als Aurora im Sterben liegt, sucht Pilar auf ihren Wunsch hin einen gewissen Gian Luca Ventura. Sie findet ihn im Altersheim, und wie sich herausstellt, verbindet ihn mit Aurora eine Geschichte, die fünfzig Jahre zurückliegt, in der Zeit kurz vor dem Ausbruch des portugiesischen Kolonialkrieges. Gian Lucas Geschichte bringt eine von Liebe und Leidenschaft erfüllte Welt zum Leben, die an die Magie der goldenen Stummfilm-Ära des Hollywood-Kinos erinnert. Er beginnt seine Erzählung mit den Worten: „Aurora hatte eine Farm in Afrika, am Fuße des Monte Tabu..“

Paulette – Ein neuer Dealer ist in der Stadt
Ein Film von Jerome Enrico – FSK 12

DVD, 87 Min., Good Movies 2013 (erscheint Dezember) 19,99 EUR
Paulette ist eine ruppige 80jährige Dame, die weiß, was sie will. Dass sie ganz allein in einem zwielichtigen Pariser Vorort lebt, kann sie nicht schrecken. Nur ihre allzu schmale Pension bringt Paulette immer wieder auf die Palme. Als ihr eines Abends beim Müllrausbringen ein Päckchen Marihuana in den Schoß fällt, beschließt Paulette, ihrer Geldmisere ein Ende zu machen: sie wird Dealerin! Als ehemalige Konditor-Meisterin bringt sie dafür neben einem ausgeprägten Geschäftssinn und echten Giftzwergqualitäten auch grandiose Backkünste und hilfreiche Freundinnen vom Nachmittagstee mit – Vorteile, die ihrer Lederjacken tragende Konkurrenz im Viertel eindeutig abgehen. Plötzlich gibt es nicht nur einen neuen Dealer im Quartier. Paulette wird bald zur Königin des kultivierten Drogenhandels. Als die mächtigen Hintermänner der Drogenszene Paulettes Talent für sich nutzen wollen, wird die Sache jedoch ungemütlich..

5 Jahre Leben FSK 12 – Ein Film von Stefan Schaller
DVD, 96 Min., Good Movies 2013 (erscheint Dezember) 19,99 EUR
Der Film basiert auf der wahren Geschichte des Deutsch-Türken Murat Kurnaz, der insgesamt fünf Jahre von den USA in Afghanistan und Guantanmo gefangen gehalten wurde. Er ist nicht nur die Chronik eines unvorstellbaren Missbrauchs, sondern zeigt auch den Überlebenswillen eines Mannes, dem man alles genommen hat. Zugleich schildert der Film das Duell zweier außergewöhnlich starker Persönlichkeiten. Auf der einen Seite Murat Kurnaz, der seinem Leben einen neuen Sinn geben wollte, als er sich dem Islam zuwandte und nach dem 11.September nach Pakistan aufbrach, um eine Koranschule zu besuchen. Auf der anderen Seite Gail Holford, Verhörspezialist der US-Regierung, der alle Tricks von Manipulation bis Einschüchterung beherrscht und dessen Hauptziel es ist, Kurnaz ein Geständnis zu entlocken. Aber Kurnaz hat nichts zu gestehen, er ist unschuldig. So verstreichen Monate – Monate voller psychischer und physischer Folter – bis Kurnaz begreift, dass seine Weigerung, ein Geständnis zu unterzeichnen, das Einzige ist, was ihm bleibt.

Ein Augenblick Freiheit – Leben ist mehr als nur Sein
Ein Film von Arash T. Riahi FSK 12

DVD, 110 Min., Good Movies 2013 (erscheint Oktober) 19,99 EUR
Der Film erzählt die tragikomische Geschichte von drei Flüchtlingsgruppen: zwei ungleichen Freunden, einer Familie mit einem kleinen Jungen und zweier junger Männer, die zwei Kinder aus dem Iran zu ihren Eltern nach Wien bringen sollen. Alle treffen sich in einem Hotel in Ankara, um dort auf den positiven Bescheid ihrer Asylanträge zu warten. Der Film erzählt mit viel Facetten von den ersten freien Atemzügen nach einer langen Phase der Repression. Er erzählt vom Mut, sich auf die Suche nach einem besseren Leben zu machen. Und er wirft einen exemplarischen Blick auf das, was vor den Grenzen der EU geschieht. „Ein Augenblick Freiheit“ enthält genug dramatischen Stoff für eine ganze Reihe von Filmen, aber Fares Fares („Kops“, „Jalla! Jalla!“) in der Rolle des daueroptimistischen kurdischen Lebenskünstlers Manu macht den Film zu einer unvergleichlichen Gratwanderung zwischen Drama und Komödie.

Der Iran Job – Die Geschichte eines amerikanischen Baseballspielers im Iran
Ein Dokumentarfilm von Till Schauder FSK 12

DVD, 91 Min. Good Movies 2013 (erscheint September) 19,99 EUR
2008 nimmt der amerikanische Basketballspieler Kevin Sheppard das Angebot an, in der Iranian Super League zu spielen und stellt sich einer großen Herausforderung: Er soll das neu gegründete blutjunge Team A. S. Shiraz in die Playoffs führen. Während die Spannungen zwischen dem Westen und dem Iran zunehmen und die Eskalation kurz bevor zu stehen scheint, versucht Kevin, zwischen Sport und Politik zu trennen. Er muss feststellen, dass dies im Iran unmöglich ist. In dieser Zeit macht er die Bekanntschaft dreier unabhängiger und selbstbewusster Iranerinnen. Durch sie wird Kevins Wohnung zu einem Ort offener Diskussionen über Politik, Religion und Geschlechterrollen. Kevins Saison im Iran gipfelt in etwas Größerem als Basketball: in der aufkommenden und anschließenden Unterdrückung der „grünen Revolution“ im Iran.

The Invesible Men FSK 12 – Ein Dokumentar-Film von Yariv Mozer
DVD, 69 Min., good movies 2013 (erscheint Oktober) 19,99 EUR
Der Film erzählt die Geschichte von drei schwulen Palästinensern, die aus ihrem ursprünglichen Lebensumfeld fliehen mussten und sich jetzt illegal in Tel Aviv aufhalten. Louie, 32, der sich seit acht Jahren in Tel Aviv versteckt; Abdu, 24, der in Ramallah geoutet wurde und daraufhin von den palästinensischen Sicherheitskräften der Spionage beschuldigt und gefoltert wurde; und Faris, 23, der von der West Bank nach Tel Aviv vor seiner Familie floh, die ihn töten wollte. Um zu überleben, suchen sie Asyl in Drittländern, jenseits von Israel und ihrer Heimat Palästina…

Die Jungfrau, die Kopten und ich
FSK 12 – Ein Dokumentarfilm von Namir Abdel Messeh

DVD, 85 Min., good movies 2013 (erscheint Oktober) 19,99 EUR
Namirs Mutter ist eine koptische Christin. Sie ist überzeugt, dass sie auf einem Video aus ihrer ägyptischen Heimat eine Erscheinung der Jungfrau Maria gesehen hat. Ihr Sohn, der säkular in Frankreich aufgewachsen ist, will über das Phänomen einen Film drehen und reist zu seinen ägyptischen Verwandten. Er will den Zusammenhang zwischen der ägyptischen Zeitgeschichte und den Marienerscheinungen der koptischen Minderheit aufzeigen. Doch es gibt diverse Hindernisse: seine Eltern, die sich in den Film einmischen und seine Ideen kritisieren, sein französischer Produzent, der alle paar Wochen Änderungen vorschlägt, und nicht zuletzt das koptische Heimatdorf selbst. In schierer Verzweiflung beschließt Namir, seine eigenen Marienerscheinungen für den Film zu inszenieren. Aber dazu braucht er die Hilfe der Dorfbewohner und seiner Mutter, die, eigens angereist, am Set ungeahnte Fähigkeiten offenbart…

Die Nacht der Giraffe FSK 12 – Ein Film von Edwin
DVD, 96 Min., Good Movies 2013 (erscheint September) 19,99 EUR
Als kleines Mädchen wird Lana von ihrem Vater im Zoo ausgesetzt. Umgeben von Tieren, Grenzen und den Geräuschen einer gezähmten Wildnis wächst sie hier auf, großgezogen von den Tierpflegern. Der Zoo ist ihre ganze Welt. Sie liebt die anmutigen Bewegungen der Nilpferde, die introvertierte Eleganz der Giraffe, das würdevolle Ohrenschlagen der Elefanten. Eines Tages taucht ein junger Mann im Zoo auf, ein charismatischer Cowboy und Gelegenheitsmagier. Lana verliebt sich und verlässt an seiner Seite zum ersten Mal den Zoo. Glücklich attestiert sie ihm bei seinen Zaubertricks – bis er eines Tages in einer magischen Rauchwolke verschwindet. Fortan arbeitet Lana in einem Erotik-Massagestudio. In ihrem Inneren herrscht der Schmerz über den Verlust des schönen Magiers und der Tiere. Getrieben von der Sehnsucht nach Heimat muss Lana sich entscheiden: zwischen Erinnerungen an ihre Vergangenheit und dem Verlangen, den eigenen Weg zu finden. Sie verlässt das Massagestudio und macht sich auf die Suche nach einem vielleicht unmöglichen Ort: Zuhause.

Guy Adams: Sherlock – Die Fallsammlung
160 S., Abb., geb. , riva 2013 (erscheint September) 19,99 EUR
Das Buch zur beliebten TV-Serie verkürzt das Warten auf die dritte Staffel, die ab Herbst in England produziert wird. Spannende Hintergrundinformationen zu den Fällen. Viele Fotos und Illustrationen.

Benedikt Steierer: Odysseus` Heimkehr
Medien und Mythos im Film

240 S., Pb., Königshausen & Neumann 2013 (erscheint 4.Quartal) 29,80 EUR
Odysseus` Heimkehr? Medien und Mythos im Film. Wie verändern sich mit der Mediengeschichte unsere Erzählungen und die Art und Weise, wie sie uns ansprechen? Der Odysseus-Mythos stellt seit Homers Odysee einen wandelbaren narrativen Kern um Ausfahrt, Irrfahrt und Heimkehr und mit Odysseus einen flexiblen Helden zur Verfügung, der sich jeder Zeit und jedem Medium als Projektionsfläche anbietet. Über die Verfilmungen des Odysseus-Mythos von Mèlies (1905), Camerini (1954), Godard (1963), Kubrick (1968) und Nolan (2010) kann so an ganz markanten filmgeschichtlichen Wendepunkten eine Erzählgeschichte des Films nachvollzogen werden, um dadurch auch Informationen über die jeweiligen filmischen Selbstbilder zu erhalten. Keine Motivgeschichte des Odysseus-Mythos im Film und auch keine Filmtheorie liegt also vor, sondern eine diskontinuierliche Geschichte der Autoreflexion des Films, der intermedialen Einflüsse, denen er unterliegt, und der unterschiedlichen Formen der Rezipientenadressierung, wie sie anhand des Umgangs mit dem Odysseus-Mythos erkennbar werden. Auf Basis dieser historischen Untersuchung erst kann die Frage nach der Heimkehr des Mythos im Medium Film und mithin nach dem Film als Medium aus der Perspektive des zeitgenössischen Films beantwortet werden.

Derek Jarman: Die Skizzenbücher
256 S., geb., Deutscher Kunstverlag 2013 48,00 EUR
Anlässlich des 20.Todestages des Künstlers am 19.2.2014. Die Filme des englischen Regisseurs Derek Jarman (1942 – 1994) erheben den ästhetischen Anspruch eines Kunstwerks: Spielfilme wie „Carravagio“ (1986) sind kongeniale Inszenierungen, die einen Vergleich mit der dramatischen Lichtführung der Malerei seines Protagonisten einfordern und durch ihre Magie bestechen. In etwa 30 Skizzenbüchern hielt Jarman seit den 1970er Jahren mit Zeichnungen die Einfälle für seine Filmsets fest und setzte Dialogfetzen, Textfragmente oder Gedankensplitter daneben. In der Gleichwertigkeit von Bild und Text lässt sich anhand der hier publizierten Auszüge aus den Skizzenbüchern die Entstehung seiner filmischen Kreationen nachvollziehen. „Sie waren die Triebkräfte seines Schaffens, die Wächter seines inneren Auges, sie wurden von Hand gefertigt und kamen von Herzen“, schreibt Tilda Swinton in ihrem sehr persönlich gehaltenen Vorwort. Mit Beiträgen von John Savage (Schriftsteller und Musikjournalist), Andrew Logan (Performancekünstler, Bildhauer und Schmuckdesigner), Toyah Wilcox (Schauspielerin und Musikerin), Christopher Hobbs (Bühnenbildner), James MacKay (Produzent diverser Filme von Jarman), Keith Collins (Jarmans Lebensgefährte), Howard Sooley (Fotograf), Neil Tennant (Musiker von den Pet Shop Boys).

Dionysos – Rausch und Ekstase
280 S., 180 farbige Abb., geb., Hirmer 2013 (erscheint Oktober) 45,00 EUR
Der Gott des Weines in Bildwerken von der Antike bis heute. Attraktive Bildthemen: Grenzüberschreitung, Lebensfreude und Ekstase. Die am häufigsten dargestellte antike Gottheit im Überblick. Wie kein anderer der antiken Götter hat Dionysos die Fantasie der Künstler beflügelt. Das Katalogbuch zeigt die Entwicklung verschiedener Motive nach – von der Kindheit des Dionysos über die Triumphzüge mit Mänaden und Satyrn und dem Liebespaar Dionysos und Ariadne bis zur Moderne. Das Katalogbuch spürt der noch heute ungebrochenen Faszination für den antiken Gott nach. Bei den Griechen und – unter dem Namen Bacchus – bei den Römern im Mysterienkult verehrt, steht Dionysos in der Kunst der Renaissance für den Triumph des Lebens. Die barocke Malerei macht ihn zum Symbol des sinnlichen Naturempfindens. Der Gott der Ekstase verkörpert bis ins 20.Jahrhundert aber immer auch die Ambivalenz der Entgrenzung. Die Ausstellung vergegenwärtigt in Werken von der Antike bis zur Gegenwart die lebenspralle, ausgelassene Sphäre des Dionysischen. Kein anderes Thema zeigt so anschaulich, wie die Neuzeit an die antike Bilderwelt anknüpft.

Flowers & Mushrooms
220 S., 180 farbige Abb., geb., Hirmer 2013 (erscheint Juli) 39,90 EUR
Der üppig bebilderte Katalog zur großen Sommerausstellung des Museums der Moderne Salzburg. Von Nuboyoshi Araki bis Andrew Zuckerman: Werke von Weltrang in beeindruckender Zusammenstellung. Namhafte Experten beleuchten die einzigartige Renaissance eines Bildmotivs. Blumen und Pilze: Leicht laufen ihre Darstellungen Gefahr, dem Trivialen zugeordnet zu werden. Umso faszinierender ist es, dass sie seit geraumer Zeit ein Revival als komplexe Sujets in Werken bedeutender zeitgenössischer Künstler wie Peter Fischli / David Weiss, David LaChapelle oder Robert Mapplethorpe erleben. Selten fand ein Gegenstand der Kunst so vielfältige symbolische Verwendung wie die Blume: Sie stand für Frische und Fruchtbarkeit, für Vergänglichkeit und Tod – und war in den letzten Jahrzehnten dennoch oft bloßes Dekorationsmotiv. Auch der Pilz als Heilmittel und Bestandteil religiöser Rituale war seit jeher Symbolträger – zuletzt jedoch vor allem kitschiger Glücksbringer oder banales Hallizogen. Doch die Gegenwartskunst greift diese Klischees auf, erkundet die lange und vielschichtige Tradition der Blumen- und Pilzdarstellung und fügt ihr völlig neue Bedeutungsebenen hinzu: gesellschaftskritische und feministische ebenso wie medienreflexive und erotische.

Edvard Munch: Vom ersten Kuss bis in den Tod
120 S., 75 farbige Abb., geb., Hirmer 2013 (erscheint Juli) 29,90 EUR
Zum 150.Geburtstag von Edvard Munch der gesamte Munch-Bestand der Staatsgalerie Stuttgart. Innovative grafische Techniken. Munch war ein experimentierfreudiger Grafiker, der mit Radierungen, Lithografien und Holzschnitten das suggestive Formenspiel seiner Bilder variierte und zu neuen Aspekten brachte. Sein Lebensthema, die sinnliche und stets rätselhafte Visualisierung seelischer Zustände und emotionaler Erfahrungen, fand durch diese Werke ein breites Publikum. Die oft aus sehr persönlichen Erlebnissen entwickelten Sujets erregten in ihrer Entstehungszeit großes Aufsehen und hatten das Potential, den Kunstbetrieb um 1900 zu skandalisieren. Das Buch bietet einen konzisen Überblick und die wesentlichen Auskünfte zu Künstler und Werk.

Edvard Munch: Die Schwarzen Künste – Meisterblätter 1894 – 1944
224 S., geb., Hatje Cantz 2013 (erscheint Oktober) 45,00 EUR
Über 150 großformatige Grafiken des Künstlers in einem Band dargestellt. Liebe, Schmerz, und Tod, Leidenschaft, Einsamkeit und Trauer – das Werk von Edvard Munch (1863 – 1944) kreist um Grunderfahrungen menschlicher Existenz. Munch gilt als einer der Wegbereiter der expressionistischen Strömungen, die zu Beginn des 20.Jahrhunderts die europäische Malerei bestimmten. Sein grafisches Werk ist dabei nicht Nebenprodukt, sondern zentraler Bestandteil seines Oeuvre – von den ersten Radierungen aus dem Jahr 1894 bis zu den letzten Lithografien, die unmittelbar vor seinem Tod entstanden. Unter den Meisterblättern, die der repräsentative Band in Bild und Text vorstellt, finden sich grafische Ausarbeitungen von Munchs weltbekannten Sujets in Form von großformatigen Farblithografien, Radierungen, Holzschnitten, handkolorierten Blättern oder experimentellen Drucken auf farbigem Papier. Munchs Grafiken bestechen durch eine subtile Farbpalette und ihre expressive Reduktion. Der Künstler erreicht in diesem Medium eine überzeugende Verdichtung seiner zentralen symbolischen Allegorien.

Sie. Selbst..Nackt
Paula Modersohn-Becker und andere Künstlerinnen im Selbstakt

192 S., 135 Abb., geb., Hatje Cantz 2013 (erscheint Oktober) 39,80 EUR
Auswahl der vorgestellten Künstlerinnen: Marianne Breslauer, Anne Brigman, Imogen Cunningham, Xenia Hausner, Maria Lassnig, Clare Menck, Ana Mendieta, Anita Rèe, Joan Semmel, Amrita Sher-Gil, Renèe Sintenis, Jo Spence, Cecile Walton, Hannah Wilke. Der weibliche Blick auf den eigenen Körper ausgehend von Paula Modersohn-Beckers „Selbstbildnis am 6.Hochzeitstag“. Als Pionierin der Moderne legte Paula Modersohn-Becker (1876 – 1907) mit ihren Selbstakten den Grundstein für die Aktmalerei der Avantgarde des frühen 20.Jahrhunderts. Noch vor Richard Gersl (1908) und Egon Schiele (1910) hatte sie sich bereits 1906 in einem nahezu lebensgroßen Gemälde als Ganzkörperakt selbst inszeniert und damit einem zu diesem Zeitpunkt kaum bekannten und durchaus brisantem Bildthema mit erstaunlicher Sicherheit und bewunderungswürdigem Mut zugewandt. Denn auch unter männlichen Künstlern war ein Selbstakt damals eine Seltenheit. Somit verhalf die Künstlerin, als Frau, dem verkannten Sujet zu neuem unverhofften Ansehen. Der fundierte Text- und Bildband zeigt diese spannende Entwicklung in der Kunstgeschichte vom Beginn des 20.Jahrhunderts bis heute erstmals im Zusammenhang mit den bedeutendsten Positionen weiblicher Selbstdarstellungen im Akt.

Mythos Welt – Otto Dix und Max Beckmann
264 S., 200 farbige Abb., geb., Hirmer 2013 (erscheint November) 39,90 EUR
Erstmaliger direkter Vergleich von Dix und Beckmann, Hauptwerke der deutschen Malerei im 20.Jahrhundert in einmaliger Konzentration. Zur langerwarteten Wiedereröffnung des Jugendstilflügels der Mannheimer Kunsthalle kehrt mit einer grandiosen Werkauswahl aus dem Schaffen von Beckmann und Dix das Herzstück der programmatischen Revolution der Neuen Sachlichkeit an die Ursprünge dieser epochemachenden Bewegung zurück. Im wilden Leben der 1920er Jahre wurden Max Beckmann und Otto Dix zu den repräsentativen Künstlerpersönlichkeiten der Weimarer Republik. Eine durch den Weltkrieg beschädigte Generation verlangte für die „Magie der Realität“ nach ehrlichen Ausdrucksformen in neuer Sachlichkeit gegenüber der eigenen Erfahrung und der verlorenen Illusion. Für die Ära der abgelegten Monarchie und dem Eisernen Vorhang loten die Bilder dieser Künstler als geistiger Spiegel und tiefgründiger Kommentar das zeitcharakteristische Spektrum des Menschlichen aus. Mit seiner exquisiten Werkauswahl zeigt das Katalogbuch profund kommentiert die frappierenden Korrespondenzen zwischen den so unterschiedlichen Weltsichten zweier großer Maler.

Otto Dix. Lebenskunst
128 S., geb., Hatje Cantz 2013 Sonderausgabe anstatt 24,80 EUR nur 9,95 EUR
Dix im Kontext seiner Zeit – gesellschaftpolitische Umbrüche im Spiegel seinnes Oeuvre.
Kaum ein anderes Künstlerleben ist so sehr mit den historischen Ereignissen und politischen Katastrophen in Deutschland verknüpft. In eine Arbeiterfamilie hineingeboren, stürzt sich Otto Dix (1891 – 1969) lernbegierig in die Welt der Kunst. Von dionyschem Lebenshunger gepackt, kämpft und zeichnet er im Ersten Weltkrieg an vorderster Front und verleiht dem Krieg ein Bild von ungesehener wie unerhörter Wahrhaftigkeit. Während der Weimarer Republik agiert er als Spießerschreck, Dandy, Großstadttänzer, gilt aber auch als angesehener Professor. Von den Nazis schließlich aus dem Amt gejagt, verfemt und bedroht, zieht er sich zurück und findet zu einem beruhigten, reifen Spätwerk.

Die Drucke von Paul Klee
40 Blätter in leinenbezogener Kassette mit 80seitigem Begleitheft

Hatje Cantz 2013 (erscheint Juli) Einführungspreis 258,00 EUR
ab. 1.Januar 2014 298,00 EUR
Auf 500 Exemplare limitiertes Mappenwerk mit den schönsten Drucken von Paul Klee.
Die Arbeiten von Paul Klee (1879 – 1940), dem Schweizer Maler, Zeichner, Grafiker, Lehrer und Autor, haben maßgeblichen Anteil an der Kunstgeschichte des 20.Jahrhunderts. Anhand von Paul Klees Drucken lässt sich nachvollziehen, und das in wohl noch stärkerem Maße als anhand seiner Arbeiten in anderen Medien, wie er sich vom Traditionalisten zu einem der wagemutigsten Erneuerer in der Kunst der Moderne wandelte. Die Mappe mit Drucken von Paul Klee, die das New Yorker Museum of Modern Art 1947 unter der Ägide von James Thrall Sobiy erstmals herausgab, enthält 40 Radierungen und Lithografien Klees. Acht Blätter davon sind auf einzelne Bögen aus starkem Papier gedruckt und in einen Schmuckkarton eingelegt, der auch ein broschiertes Büchlein mit einem Essay von Soby enthält. Die einzigartige und luxuriöse Edition wird damit erstmalig seit ihrer Erstausgabe wieder aufgelegt und in einer streng limitierten Auflage von nur 500 Exemplaren auch auf Deutsch erhältlich sein.

Bauhaus. Die Kunst der Schüler
Werke aus der Sammlung des Bauhauses Dessau

160 S., 70 Abb., geb., Hatje Cantz 2013 (erscheint Oktober) 35,00 EUR
Erstmals im Fokus: die Schüler berühmter Bauhaus-Lehrer. 1919 in Weimar als Kunstschule gegründet, später ansässig in Dessau, zuletzt – vor seiner Zwangsauslieferung 1933 – in Berlin, erlangte das Bauhaus Weltruhm. Getreu dem Motto „Kunst und Technik – eine neue Einheit“ strebte die dort vertretene Avantgarde im Zuge der Industrialisierung nach einer Formensprache, die den maschinellen Herstellungsprozess als Gestaltungsraum nutzt, anstatt sich seiner allein zur Reproduktion ehemals manuell gefertigter Produkte zu bedienen. Als Gegenbewegung zur Ästhetik des Historismus prägte das Bauhaus einen Stil, der bis heute in Kunst, Architektur und Design präsent ist. Gleichwohl stehen die Schüler berühmter Meister wie Lyonel Feininger, Paul Klee oder Oskar Schlemmer im Schatten ihrer Lehrer. Anhand von Werken aus der Sammlung des Bauhauses Dessau wird ihr Schaffen, das konstruktivistisch-abstrakte Tendenzen mit expressionistischen, kubistischen und surrealistischen Einflüssen verbindet, in dieser Publikation erstmals sichtbar.

Das Bauhaus in Kalkutta
Eine Begegnung kosmopolitischer Avantgarden

176 S., 119 Abb., Pb., Hatje Cantz 2013 (erscheint August) 29,80 EUR
Neu entdeckt: gesellschaftliche Parallelen, kulturelle Verwandtschaften und gemeinsame Visionen der westlichen Nachkriegsmoderne und des postkolonialen Indien. Die Bauhausausstellung in Kalkutta 1922 war im internationalen Kunstbetrieb ein einmaliges Ereignis – ein Aufeinandertreffen künstlerischer wie intellektueller Verwandtschaften. Die westliche Moderne, die nach dem Ersten Weltkrieg auf der Suche nach geistiger und künstlerischer Erneuerung war, traf auf ihr indisches Pendant, das sich von den kolonialen Zwängen kulturell emanzipiert hatte. Werke von Paul Klee, Lyonel Feininger und Johannes Itten sowie von weiteren Bauhauskünstlern wurden bei diesem ersten internationalen Auftritt des Bauhauses neben Arbeiten moderner indischer Künstler wie Nandalal Bose, Sunayani Devi sowie Abanindranath und Gagenendranath Tagore präsentiert. Die Publikation zeigt auf, wie es zu dieser außergewöhnlichen Begegnung kam und stellt die damalige Ausstellung als exemplarischen Fall für eine Kunstgeschichte vor, die, statt über westöstliche Transformationen zu berichten, über gemeinsame Visionen schreibt.

Frida Kahlo
144 S., 80 Abb., Pb., Hatje Cantz 2013 (erscheint September) 19,80 EUR
Dramatisch, exotisch und schön: die mexikanische Künstlerin in Fotografien und Selbstbildnissen. Wie wurde Frieda Kahlo zur Ikone? Identitätssuche und Selbstdarstellung einer einzigartigen Künstlerin. Hauptvertreterin der mexikanischen Renaissance, Kommunistin, Frau Diego Riveras, Vorkämpferin der Emanzipation: Leben und Werk von Frida Kahlo (1907 – 1954) sind untrennbar miteinander verwoben, teils wie ein Theaterstück inszeniert. Als Tochter eines deutschstämmigen Fotografen an das Posieren gewöhnt, steuerte Kahlo schon früh die Wahrnehmung ihrer Person. In ihren Gemälden und den schmerzerfüllten Selbstportraits seziert sie ihr Innerstes und beschreitet damit einen neuen künstlerischen Weg. Auf den Portraits befreundeter Fotografen, wie Tina Modotti oder Edward Weston, trägt sie traditionelle Kleidung und stilisiert ihre „Mexicanidad“ zum Markenzeichen. Der Band zeichnet anhand zahlreicher Gemälde und Fotografien sowie Beiträge von anerkannten Theoretikern, wie Griselda Pollock und Mieke Bal, die Stationen dieses einzigartigen Künstlerlebens nach und setzt Kahlos Werk in Beziehung zu dem von Zeitgenossen, wie Diego Rivera, Maria Izquierdo, David Alfaro Siquieros oder Josè Clemente Orozco.

Traum-Bilder
Ernst, Magritte, Dali, Picasso, Antes, Nay…. Die Wormland-Schenkung

400 S., 240 Abb., geb., Hatje Cantz 2013 (erscheint September) 39,80 EUR
Meisterwerke des Surrealismus und der Neuen Figuration. Die große Ausstellung zur Wiedereröffnung der Pinakothek der Moderne. Der Modeunternehmer Theo Wormland (1907 – 1983) baute ab den 1960er Jahren ein der bedeutendsten Privatsammlungen des Surrealismus auf, die 2013 der Pinothek der Moderne geschenkt und dort mit einer großen Sonderausstellung gewürdigt wird. Die Kollektion, die als Dauerleihgabe bereits seit 30 Jahren an die Sammlung Moderne Kunst in München gebunden ist, beinhaltet neben weltbekannten Meisterwerken von Max Ernst, Renè Magritte oder Pablo Picasso auch figurative Skulpturen und Gemälde der 1960er- und 1970er Jahre. Künstler wie Bruno Goller, Konrad Klapheck, Bernard Schultze und Richard Oelze überhöhten oder verfremdeten die Wirklichkeit in der Nachfolge des Surrealismus. Der Katalog stellt nicht nur die 645 Werke und Künstler der Sammlung Theo Wormland-Stiftung für die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sowie die vielfältige Förderung von Ausstellungs- und Publikationsprojekten.

Piet Mondrian – Barnett Newman – Dan Flavin
160 S., 70 Abb., geb., Hatje Cantz 2013 (erscheint September) 39,80 EUR
Die Werke dreier Meister der abstrakten Kunst im Dialog. Die drei bedeutenden Künstler der Moderne, Piet Mondrian (1872 – 1944), Barnett Newman (1905 – 1970) und Dan Flavin (1933 – 1996) gehören zwar je einer anderen Generation an, haben sich aber in ihrem künstlerischen Schaffen alle auf wegweisende Art der abstrakten Kunst verpflichtet. Unter verschiedenen geistigen und gesellschaftlichen Vorzeichen vertrauten sie der Askese im Umgang mit bildnerischen Mitteln in vorher ungekannter Radikalität. Mit reiner Farbe, konkreter Form und neuen Materialien weiteten sie die Dimension der Kunst ins Universale. Die Publikation begleitet eine große Sonderausstellung im Kunstmuseum Basel und stellt die drei Künstler chronologisch in Einzelpräsentation vor, sodass sich in der Abfolge erhellende Zusammenhänge auftun. Meisterwerke werden präsentiert und selten gezeigten Arbeiten gegenübergestellt.

Schwitters in England
168 S., 131 Abb., Pb., Hatje Cantz 2013 35,00 EUR
Erstmals im Fokus: das Spätwerk des Künstlers im englischen Exil. Nach der Verfemung seines Schaffens durch die Nationalsozialisten verbrachte Kurt Schwitters (1887 . 1948) die letzten Jahre seines Lebens im Exil. Zunächst in Norwegen, später in England musste sich der Maler, Collagekünstler und Schriftsteller immer wieder mit neuen Situationen und fremden Welten auseinandersetzen. Das spiegelt sich in seinen Assemblagen, Collagen und figurativen Gemälden sowie Zeichnungen wider, die für verschiedene Zeit- und Lebensräume stehen, und zeigt sich auch im Einsatz unterschiedlicher Materialien in seinen Werken. Die späten Kompositionen sind offen, lose und wirken improvisiert. Während der 1940er Jahre in London entdeckte Schwitters die farbig gefasste Skulptur neu für sich. Die Publikation erforscht erstmals sein skulpturales Schaffen in seiner Bedeutung für die Vielfalt des späten Werks sowie des gesamten Oeuvre des Künstlers und dokumentiert dies auch anhand persönlicher und historischer Berichte sowie Archivalien und Fotografien.

Helge Achenbach – Der Kunstanstifter
240 S., 130 Abb., Pb., Hatje Cantz 2013 (erscheint September) 29,80 EUR
Der einflussreiche Kunstberater erlaubt einen Blick hinter die Kulissen des Kunstbetriebs. Helge Achenbach (geb. 1952 in Weidenau) ist einer der international bedeutendsten Art Consultants. Man kann ihn geradezu als Erfinder dieser Sparte bezeichnen. Was Helge Achenbach in den 40 Jahren seines aufregenden Berufslebens zwischen Siegen und Schanghai, zwischen Berlin, Tokio und Teheran, Düsseldorf und New York mit bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern erlebt hat, erzählt dieses Buch. Der studierte Sozialpädagoge spricht über seine Begegnungen mit Gerhard Richter, Jörg Immendorff, Andy Warhol, Andreas Gursky, Jeff Koons und Keith Harding. Er erinnert sich an außergewöhnliche Großprojekte und schildert den nicht immer erfreulichen Umgang mit Unternehmen, Kollegen, Sammlern und Banken.

Gottfried Helnwein
240 S., 141 Abb., geb., Hatje Cantz 2013 39,80 EUR
Brutal und politisch – die demaskierenden Bilder von Gottfried Helnwein. Großangelegte Retrospektive zum vielleicht österreichischsten aller Künstler. Die Arbeiten und Aktionen von Gottfried Helnwein (geb. 1948 in Wien) lösen immer wieder Diskussionen aus. Seine schmerzhaften Bilder verweigern dem Betrachter sehr bewusst das Behagen an der Kunst, stellen unbequeme Fragen und geben keine Antwort. Vielen gilt Helnwein als der Nachfolger Andy Warhols, als unbestechlicher Chronist der Zeit. Anlässlich seines 65.Geburtstags stellt die retrospektive Monografie alle Stationen seiner künstlerischen Entwicklung vor, von den bahnbrechenden fotorealistischen Werken, wie „Peinlich“ (1971), das in der Kombination aus Kinderbild und Comic bereits wichtige thematische Stränge festlegt, über das „Selbstportrait (Black Out)“ von 1982, das als Plattencover der Scorpions weltweite Berühmtheit erlangte, bis hin zu jüngeren Arbeiten, wie der verstörenden Serie „Disasters of War“, die schwer verletzte Mädchen in den Mittelpunkt der Darstellung rückt.

Andy Wahrol. Unique
172 S., 250 Abb., Pb., Hatje Cantz 2013 (erscheint Juli) 38,00 EUR
Unikatblätter und Editionen aus dem Schellmann-Archiv von 1980 bis 1986. Andy Warhol, der die „Mona Lisa“ 20-mal auf eine Leinwand setzte und lakonisch mit „Thirty Are Better Than One“ betitelte und dessen Marilyn Monroe im Zehnerpack als Mappenwerk hohe Auflagen erlebte, hat im Laufe seiner Arbeiten auch eine überraschend gegensätzliche Strategie entwickelt: Bevor seine Siebdrucke in Auflage produziert wurden, erstellte Warhol zahlreiche „trial proofs“, also Probedrucke, in denen er die unterschiedlichsten Farbzusammenstellungen ausprobierte, jeder Druck ein Unikat. Diese Drucke, eigentlich „Originale“, sind in ihrem besonderen Wert bislang vom Kunstmarkt nicht in vollem Umfang erkannt und gewürdigt worden. Mit diesem Band legt Jörg Schellmann einen Katalog der über 100 Probedrucke von Andy Warhol vor, die in der Edition Schellmann in den Jahren 1980 bis 1986 produziert wurden, und erläutert in Text und Bild den Stellenwert dieser Unikatblätter im druckgrafischen Oeuvre des Künstlers.

Warhol in China
312 S., 290 Abb., geb., Hatje Cantz 2013 (erscheint August) 39,80 EUR
Massenproduktion als künstlerisches Ausdrucksmittel – Warhol meets Made in China.
Als Andy Warhol 1982 über Hongkong nach Peking flog und seine Eindrücke in knappen Tagebuchnotizen und ausführlich fotografisch festhielt, sah er sich einer chinesischen Hauptstadt gegenüber, die kaum kommerzielle Einflüsse zeigte und kurz vor einer gewaltigen Wende stand. Warhol gelangen an diesem entscheidenden Wendepunkt Fotos, die heute neben ihrem künstlerischen auch einen dokumentarischen Wert haben. Nach den dramatischen Verwerfungen der Kulturrevolution konnte in dem streng überwachten und gleichgeschalteten Riesenreich erst nach Maos Tod 1976 mit der vorsichtigen Öffnung des Landes eine Kunstszene entstehen. Neue künstlerische Strategien und Materialien hielten Einzug, die Künstler der Gruppe The Stars, unter ihnen Ai Weiwei, verarbeiteten offensiv Einflüsse von Andy Warhol und anderen Protagonisten der Pop-Art in ihren Werken. Andy Warhols millionenfach vervielfältigter Siebdruck „Mao“ (1972) wurde für sie zum Ausgangspunkt einer kritischen künstlerischen Auseinandersetzung mit den Symbolen der kommunistischen Staatsführung.

Reading Andy Warhol
352 S., 290 Abb., geb., Hatje Cantz 2013 (erscheint September) 39,80 EUR
Erstmals im Fokus: der berühmte Pop-Art Künstler als Büchermensch und Büchermacher mit Archivmaterial zu seinen überraschenden Publikationsprojekten. War Andy Warhol (1928 – 1987) ein Intellektueller oder ein Comicleser? Jedenfalls liebte er Bücher. Das Medium des Drucks beschäftigte ihn seit seinen Studientagen und fortan zeitlebens. Beginnend mit Illustrationen zu berühmten Geschichten Truman Capote oder Katherine Anne Porter, schuf er als erfolgreicher Grafiker auch verspielte Themenhefte, die er in der New Yorker Modewelt als Werbegeschenke verteilte. Er übernahm die Gestaltung von Bucheinbänden großer Verlage und bereicherte die Gedichtbände befreundeter Schriftsteller mit Siebdrucken und Lithografien. In seinen eigenen Bildbänden dokumentierte er das filmisch-fotografische Schaffen seiner Factory. Warhol sprengte herkömmliche Literaturgenres, indem er Tonbandaufnahmen transkribieren und publizieren ließ. In dem ausführlichen Band werden erstmals seine buchgestalterischen und schriftstellerischen Leistungen aus kunsthistorischer wie literaturtheoretischer Sicht vorgestellt.

OP + POP – Experimente amerikanischer Künstler ab 1960
158 S., 150 farbige Abb., geb., Hirmer 2013 34,90 EUR
Pop-Art-Meister verwandelten Alltagsgegenstände in Kunst. Im Fokus der Siebdruck als Königsdisziplin. Comic, Werbung, Graffiti, Signal: Plötzlich wurde Alltag Kunst. Ein neues Lebensgefühl brach sich in den 1960er Jahren Bahn, in dem das Bunte und Plakative, das Komische und Laute, das Unprätentiöse und Leichtverständliche die Welt erfasste – und der Siebdruck war das Medium dieser Revolution. „Pop-Art“ hieß die Schwester des Beat, und zu ihr gehörten die Farben des Regenbogens. Zu einer der erfolgreichsten Kunstströmungen des 20.Jahrhunderts wurde sie durch ihre unbeschwerte Nähe zum Plakat und ihre eingängigen Bildparolen. Der Siebdruck verhalt ihr zu einer Breitenwirkung, wie sie für Kunstwerke bis dahin unbekannt war. Viele amerikanische Künstler ließen ihre Entwürfe von der Dombergerschen Druckerei in Bonlanden umsetzen, einer Werkstatt, die durch Qualität zu Weltruhm gelangte. Bestände aus dem Archiv Domberger werden in diesem Buch erstmals präsentiert, Kooperationen von Künstlern und Druckern dokumentiert und anhand einer exquisiten Werkauswahl kann der betrachtende Leser das Phänomen des Siebdrucks Revue passieren lassen.

Nancy Graves Project & special guests
288 S., 400 Abb., geb., Hatje Cantz 2013 (erscheint August) 39,80 EUR
Eine Neubewertung der medienübergreifenden Werke der amerikanischen Pop-Art Künstlerin. Die vielleicht überraschendsten Arbeiten von Nancy Graves (1939 – 1995) sind ihre lebensgroßen Plastiken von Kamelen und Dromedaren. Die Skulpturen aus Wachs, Fiberglas, Jute und Tierhäuten, die sie gegen Ende der 1960er Jahre formte, hinterfragten gleichermaßen die Prinzipien der klassischen naturgetreuen Wiedergabe wie der der Pop-Art. Später verwendete Nancy Graves in ihren Arbeiten Wetter- und Mondkarten der NASA ebenso wie Zitate aus Paläontologie und Anthropologie, der Kunstgeschichte oder Artefakte anderer Kulturräume. In ihrem Werk verband sie Konzeptkunst mit Land-Art und Neuer Figuration, gab Impulse im Bereich der Recherche-Künste sowie des künstlerischen Films und leistete wichtige Beiträge zur Genderforschung. Die Publikation präsentiert das vielgestaltige Oeuvre der Künstlerin, thematisiert das Verhältnis zu Zeitgenossen und Vorbildern und unternimmt eine Neubewertung seiner kunsthistorischen Bedeutung.

Apple Design
320 S., 542 Abb., Pb.,
Hatje Cantz 2013 , Sonderausgabe anstatt 39,80 EUR nur 14,95 EUR
Apple setzt Designmaßstäbe – der umfangreiche Band erklärt warum. Im Mittelpunkt dieser Publikation mit über 200 Designbeispielen steht Jonathan Ive, Senior Vice President of Industrial Design der Firma Apple, seit 1997 verantwortlich für die Gestaltung aller Apple-Produkte. Das Designteam um Ive schieb im letzten Jahrzehnt mit seinen Maßstäbe setzenden iMacs, iPhones, iPods und iPads Elektrodesigngeschichte. Zudem werden die deutlichen Bezüge des Apple-Designs zu den formreduzierten Produkten der deutschen Erfolgsmarke Braun und den „Zehn Regeln für Gutes Design“ von deren Chefdesigner Dieter Rams aufgezeigt.

RoseLee Goldberg: Die Kunst der Performance vom Futurismus bis heute
256 S., 200 Abb., geb., Deutscher Kunstverlag 2013 (erscheint 4.Quartal) 19,90 EUR
Die reich bebilderte Publikation schlägt in ihrem Text den Bogen vom Beginn des 20.Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Beginnend mit den italienischen Futuristen schildert die Autorin profund die parallele Entwicklung der nachrevolutionären russischen Futuristen, der schweizerischen Dadaisten und der französischen Surrealisten bis hin zum deutschen Bauhaus. In der Fülle an Neuerungen auf literarischem, musikalischen und darstellenden Gebiet zeigt sich der revolutionäre Elan der Kunst der Zwischenkriegszeit. Im zweiten Teil der Publikation beschäftigt sich die Autorin eingehend und kenntnisreich mit den Formen der Performance Art von der Nachkriegszeit bis in die 1970er und 1980er Jahre. Der Band schließt mit ausführlichen Bemerkungen zu den Veränderungen im 21.Jahrhundert vor dem Hintergrund der neuen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters.

Alexander Rodtschenko
224 S., 220 Abb., geb., Hatje Cantz 2013 39,80 EUR
Hommage an den Meisterfotografen und Designer der russischen Avantgarde. Alexander Rodtschenko (1891 – 1956) gehörte zu den treibenden Kräften der russischen Avantgarde. Er malte, konstruierte, gestaltete Reklameplakate, Verpackungen und Bücher. Seine Fotografien wurden zu einem Motor der visuellen Kunst des 20.Jahrhunderts: Aus radikal neuen Perspektiven fixierte Rodtschenko das Lebensgefühl in den Jahren nach der Oktoberrevolution – Aufbruch, Experimentierlust,, Begeisterung für den technischen Fortschritt. Die in diesem Band vorgestellte Rodtschenko-Sammlung der Sepherot Foundation vereint berühmte, stilbildende, aber auch kaum bekannte Fotografien und Fotocollagen des sowjetischen Avantgardekünstlers sowie eine einzigartige Kollektion von Anstecknadeln und Manschettenknöpfen, die er in den 1920er Jahren im Auftrag einer sowjetischen Fluggesellschaft gestaltete.

Julio Le Parc – Kinetic Works
200 S., 187 Abb., Hatje Cantz 2013 (erscheint Oktober) 39,80 EUR
Einer der bedeutendsten Vertreter der lichtkinetischen Kunst. Julio Le Parc (geboren 1928 in Mendoza) setzt sich in seinem kinetischen Werk mit bewegten Licht auseinander. Mittels mechanischer Lichtmaschinen und reflektierender Mobiles inszeniert er ein ästhetisches Spiel zwischen Licht und Bewegung. Von Argentinien wanderte Le Parc in den späten 1950er Jahren nach Paris aus und gründete mit Gleichgesinnten, wie etwa Francois Morellet, die Group de Recherche d`Art Visuel. Gemeinsam mit seinen Künstlerkollegen vollzog er in den 1960er Jahren einen radikalen Bruch mit den vorherrschenden Kunsttraditionen: weg vom Bild zur Dynamik und damit zu einem Prozess, der das Werk einer statischen Betrachtungsweise entzieht. Die Publikation bietet anhand der Bestände der Daros Lateinamerika Collection einen umfassenden Blick auf Le Parcs lichtkinetisches Ouevre, in dem er den Raum permanent neu erschafft und wieder aufhebt, den Betrachter dabei unmittelbar in seine Gesamtkunstwerke einbeziehend.

CyberArts 2013
International Compendium Prix Ars Electronica – Die Dokumentation

300 S., 400 Abb., Pb., mit DVD Hatje Cantz 2013 (erscheint September) 48,50 EUR
Mit vielen Bildern, Texten der Künstlerinnen und Künstler sowie der Jurymitglieder präsentiert das Buch die ausgezeichneten Arbeiten des Prix Ars Electronica 2013. Die DVD zeigt eine Auswahl preisgekrönter Beiträge rund um aktuelle Trends. Seit seinem Gründungsjahr 1987 ist die Prix Ars Electronica ein jährliches Trendbarometer der digitalen Künste und nimmt eine Vorreiterrolle im Entdecken künstlerischer Innovationen ein. 35 internationale Expertinnen und Experten bewerten Tausende eingereichter Arbeiten in den Kategorien „Computer Animation/Film/VFX“, „Digital Musics & Sound Art“, „Interactive Art“, „Hybrid Art“, „Digital Communities“, „(the next idea) voestalpine Art and Technology Grant“ und dem Jugendwettbewerb „U19 – Create your World“. Darüberhinaus werden auch die Gewinnerprojekte des Prix Ars Electronica Collide@CERN Award präsentiert, dem neuen Artist-in-Residence-Programm von CERN und Ars Electronica.

Ars Electronica 2013. Total Recall – The Evolution of Memory
400 S., 550 Abb., Pb., Hatje Cantz 2013 (erscheint September) 29,00 EUR
Eine Zukunft, in der alles gespeichert wird – Fluch oder Segen? Im Mittelpunkt von Ars Electronica 2013 stehen eines der größten Geheimnisse der Wissenschaft und eine der größten technischen Herausforderungen: Erinnerung und ihre Speicherung. Was ist Erinnerung, wie entsteht Gedächtnis und wie geht es verloren? In der Natur, in der Technologie, in der Zukunft. Seit jeher spekuliert jede Generation darüber, wie die jeweils nachfolgende wohl einst über sie denken wird. Doch welche Faktoren entscheiden am Ende wirklich darüber, was und wie wir uns erinnern? Welche Rolle spielt Erinnerung für jeden von uns, für unsere Familien, unsere Gesellschaft, ja für uns als Menschheit insgesamt? Und was ist Erinnerung überhaupt? „Total Recall“ begibt sich auf die Suche nach dem perfekten Gedächtnis, befragt Hirnforscher und Computerwissenschaftler, Künstler und Philosophen nach ihren Zugängen, neuesten Erkenntnissen, nach ihren Plänen und Visionen für eine Zukunft, in der wir alles speichern können.

The Beauty of Buddha
96 S., 80 farbige Abb., geb., Hirmer 2013 (erscheint September) 34,90 EUR
Text in deutsch, englisch und chinesisch. Faszinierende sensible Aufnahmen birmanischer Buddha-Köpfe der Sammlung Sabine Meister. Fotografie im Dialog mit der Kunst des Fernen Ostens. Meditative Konzentration in Buchform. Das Schaffen von Buddha-Figuren hat eine lange Tradition und reicht über 2500 Jahre zurück. Stets stellen die Meisterwerke dabei ein Ideal des menschlichen Seins dar. Sich als Künstler einem solchen Thema zu widmen, ist daher eine besondere Herausforderung. Meint man in der archetypischen Darstellung Buddhas nichts Neues mehr zu sehen, so entdeckt man bei genauerer Betrachtung doch entscheidende Unterschiede. Die Publikation zeigt die umfassende Buddha-Sammlung Sabine Meister aus der Perspektive des Künstlers und Fotografen Hubertus Hamm – faszinierend inszeniert und mehr als nur Fotografie. Vielmehr begab er sich intensiv in einen Dialog mit den aus Birma stammenden Meisterwerken. Er reflektiert als Mensch und Künstler, schafft Bildräume und fotografische Antworten. Er öffnet den Raum, den diese Werke in ihrer Gültigkeit für jeden haben können. Dieser Bildband offenbart dem Betrachter nicht nur die Schönheit der Sammlung Sabine Meister, sondern ermöglicht auch den Zugang zu der gestaltgewordenen Geisteshaltung des Zen.

John Dickie: Omerta – Die ganze Geschichte der Mafia
Camorra, Cosa Nostra, `Ndrangheta

848 S., geb., S. Fischer 2013 (erscheint September) 24,99 EUR
Erstmals die wahre Geschichte der gesamten Mafia. Camorra, Cosa Nostra, `Ndrangheta: Jeder dieser Mafiaclans hat seine eigene Geschichte, dunklen Rituale, Grausamkeiten und speziellen Geschäftsmethoden. Alle drei haben ihre erbarmungslose Herrschaft international etabliert. John Dickie erzählt den blutigen Werdegang dieser einstmals lokalen Verbrecherorganisationen hin zu international kooperierenden Unternehmen.

Christian Koller: Die Fremdenlegion
Kolonialismus, Söldnertum, Gewalt 1831 – 1962

252 S., geb., Ferdinand Schöningh 2013 (erscheint Herbst) 29,90 EUR
Memoiren, Romane, Filme und Propagandaschriften haben den Ruf der Fremdenlegion als Sammelbecken von Kriminellen und Aussteigern, als sadistisch-militärische Hölle oder als exotische Lebenswelt romantischer Helden verbreitet. Christian Kollers faszinierendes Buch liefert die erste auf aktuellen sozial- und kulturgeschichtlichen Zugängen basierende Beschreibung dieser Söldnertruppe. Gestützt auf Selbstzeugnisse, Archivalien und Quellen zu den politischen und medialen Diskussionen über die Legion, beschreibt er deren Rolle als Instrument des Kolonialimperialismus, ihre nationale und soziale Zusammensetzung, ihre Darstellung und Mythisierung in Politik, Medien und Kultur. Auch die Identitätspolitik der Fremdenlegion, der eigene Blick der Legionäre auf Hierarchie, Disziplin, Kameradschaft, den mysteriösen „Cafard“, Alkohol, Prostitution und Homosexualität werden eingehend behandelt. Darüberhinaus findet das Verhältnis der Legionäre zu den kolonisierten Bevölkerungen eingehend Berücksichtigung – von kriegerischen Aufeinandertreffen bis zu mehr oder weniger gewaltgeprägten sexuellen Beziehungen.

Sergej in der Urne FSK 6 – Ein Dokumentar-Film von Boris Hars-Tschachotin
DVD, 103 Min., good movies 2013 (erscheint November) 19,99 EUR
Seit 30 Jahren steht die Urne Sergejs auf dem Schrank von Eugen in Paris, weil sich seine vier Söhne nicht über die Beisetzung einigen können. Als Urenkel Boris versucht, das Ganze in die Hand zu nehmen, stößt er auf eine Familiengeschichte, die das 20.Jahrhundert plastischer macht als jedes Geschichtsbuch. „Sergej in der Urne“ schlägt den Bogen von der Russischen Revolution bis ins 21.Jahrhundert, erzählt die Geschichte von drei Generationen einer weit verstreuten, europäischen Familie. Im Zentrum steht der schillernde Sergej Stepanowitsch Tschachotin (1883 – 1973), Mikrobiologe, Wisssenschaftler von Weltruf, Freund Einsteins und Pawlows, aber auch Revolutionär, Antifaschist, Pazifist und Frauenheld – ein Leben, in das die Geschichte immer wieder eingeschlagen hat wie der Blitz.

Julian Assange: Cypher Punks
200 S., Pb., Campus 2013 16,99 EUR
Dieses Buch ist eine Kampfansage. Sie stammt von einem der Freiheitskämpfer des Internetzeitalters: Julian Assange – US-Staatsfeind Nr.1 und weltweit gesuchter Netzwerkaktivist. Das Internet ist eine riesige Spionagemaschine, sagt Assange. Alles, was wir hier übertragen, wird gespeichert und ausgewertet. Regierungen weltweit greifen nach der Netzkontrolle. Ihre Komplizen, Unternehmen wie Google, Facebook, PayPal und Co, sind längst in das Geschäft mit den Daten eingestiefen und verkaufen sie meistbietend. User aller Länder vereinigt euch und schlagt zurück fordert der Mitbegründer von WikiLeaks.

Bernd Drücke (Hg.): Anarchismus Hoch 2
Soziale Bewegung Utopie Realität Zukunft
Gespräche über eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft

180 S., Karin Kramer Verlag 2013 (erscheint Herbst) 18,00 EUR
Wie es um den Anarchismus bestellt ist, ist ein Thema des vorliegenden Buches. Es enthält eine Auswahl von Gesprächen, die sich mit den Themen Anarchie, Anarchismus, Soziale Bewegungen, Utopien und Zukunft beschäftigen. Es sind Gespräche für eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft. Interviewpartner sind u.a. der Liedermacher Konstantin Wecker, der Comiczeichner Gerhard Seyfried, die Zeichnerin Ziska Riemann, die libertär-feministische Bloggerin Antje Schrupp, der libertäre Zapatist Lutz Kerkeling, der emeritierte Politikprofessor Wolf-Dieter Narr, die Kletteraktivistin Cecile Lecomte, der russische Anarchismusforscher Vadim Damier, der libertäre Bürgerrechtler Wolfgang Sebastian Rüddenlau und der Frankfurter Umweltaktivist und Arzt Michael Wilk.

Lisa Mittendrein: Solidarität ist alles was wir noch haben
Solidarische Ökonomie in der griechischen Krise

180 S., AG SPAK Bücher 2013 16,00 EUR
In Folge von Krise und Austeritätspolitik kämpft die griechische Bevölkerung heute mit dem Zusammenbruch der Wirtschaft, Arbeitslosigkeit, Armut, einem dysfunktionalen politischen System und gesellschaftlicher Desintegration. Doch der Widerstand ist groß und macht keine Anstalten zu brechen. Immer mehr Griechinnen und Griechen nehmen ihre Versorgung, den Zusammenhalt des Gemeinwesens und die Suche nach Alternativen selbst in die Hand: sie bauen eine Solidarische Ökonomie von unten auf. Quer durch Griechenland entstehen täglich neue soziale Zentren, Gemeinschaftsgärten, Umsonstläden, selbstverwaltete Läden und Cafes, kollektive Versorgungsstrukturen und viele andere Arten von kollektiven, selbstverwalteten Projekten. Die Autorin befasst sich in ihrem Buch mit den aktuellen Entwicklungen Solidarischer Ökonomie in Griechenland. Sie stellt konkrete Projekte vor und lässt deren AktivistInnen zu Wort kommen. Neben der Analyse der politischen und wirtschaftlichen Situation geht sie den Grundlagen und Einflüssen der Bewegung nach und zeigt, wie eine Vielzahl von Dynamiken zu ihrer Entstehung beigetragen haben. Sie untersucht die Frage, was Solidarische Ökonomie in der Krise für Einzelne wie für die Gesellschaft leisten kann und zeigt: Solidarische Ökonomie ist auch gemeinsame Selbsthilfe, aber sie ist auch und vor allem viel mehr.

Thomas Wagner: Die Mitmachfalle
Bürgerbeteiligung als Herrschaftsinstrument

140 S., Papyrossa 2013 (erscheint August) 11,90 EUR
Lange Zeit erschallte der Ruf nach mehr Bürgerbeteiligung vor allem aus alternativen Milieus. Mittlerweile versprechen sich davon maßgebliche Kreise aus Politik und Wirtschaft, der schwindenden Zustimmung zu neoliberalem „Reform“-Projekten und Bauvorhaben wie „Stuttgart 21“ entgegenzuwirken. Doch hinter der Beteiligungsfassade scheinen anti-demokratische Tendenzen einer Mitmach-Republik auf: Die realen Einflussmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger sowie von Parteien und Gewerkschaften werden effektiv beschnitten – ganz im Sinne der von Merkel propagierten „marktkonformen Demokratie“. Zum ersten Mal werden die wichtigsten Bereiche der Mitmachfalle in Buchform gebündelt: Simulierte Partizipationskunst, Digitale Bohème, Bürgerplattformen, Community Organizing, Bürgerhaushalte, „strategische“ Dialoge, Mediationsverfahren sowie die Rolle von Konzernstiftungen, Parteien und ideologischen Vordenkern. Denn wirkliche demokratische Gegenstrategien zu entwickeln, setzt voraus, nicht in die Mitmachfalle zu tappen.

Empire Me – Der Staat bin ich FSK 12 Ein Dokumentar-Film von Paul Poet
DVD, 100 Min., good movies 2013 (erscheint August) 19,99 EUR
Der Traum von Utopia, vom besseren Leben im irdischen Paradies wird vom Menschen schon lange und in immer neuen Versionen geträumt. Doch die engmaschigen Lebensprinzipien der globalisierten Weltordnung lassen kaum Alternativen und Visionen zu. Ein Phänomen macht damit Schluss: Das Gründen von Gegengesellschaften. Auf der Suche nach einer idealen Lebenskultur bauen sich hunderte Do-it-Yourself-Staaten ihre eigenen kleinen Welten. Mikronationen, Eco-Villages und Sezessionisten beschreiten mit realem Territorien und Gemeinschaften alternative Wege des Zusammenlebens. In seinem dokumentarischen Abenteuerfilm „Empire Me“ unternimmt Paul Poet, selbst Veteran alternativer Netzwerke und sozialer Experimente, eine Reise zu sechs dieser Gegenwelten, die unterschiedliche Strömungen dieser Bewegung aussagekräftig repräsentieren. Was auf den ersten Blick bunt, charmant, skurril wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als sympathisch exzentrische Kampfansage: Wenn dir deine Welt nicht passt, bau dir deine eigene!

Fuck the Forest – Ficken für den Regenwald
FSK 16 – Ein Dokumentar-Film von Michal Marczak

DVD, 86 Min., good movies 2013 (erscheint November) 19,99 EUR
Sex haben und damit die Welt retten – eine Gruppe junger Idealisten kämpft mit außergewöhnlichen Mitteln für einen gesunden Planeten und den Erhalt der Erde. Eine Bewegung für freie Körper und freie Natur abseits der üblichen Moralvorstellungen. In dem Film begleitet Regisseur Michal Marczak die wohl skurrilste NGO der Welt. Junge Frauen und Männer veröffentlichen erotische Fotos und selbst gedrehte Amateursexvideos gegen Bezahlung auf ihrer Website. Um mit dem Geld Umweltschutzprojekte zu unterstützen. Ein Wohltätigkeitskonzept, das nicht überall auf Verständnis stößt. Hippiekultur und Nächstenliebe stehen Pate für die ungewöhnliche Bewegung. Von Berlin bis in die tiefen Wälder des Amazonas begleitet der Film Danny, Leona und ihre Freunde auf ihrer Mission. Um mit den Einnahmen ein Stück Land zu kaufen, die Ureinwohner zu unterstützen und ihren Beitrag zur Weltrettung zu leisten. Doch die Ureinwohner haben sich die Sache anders vorgestellt…..

Andrea Trumann: Kritik des Staatsfeminismus
120 S., Pb., Bertz + Fischer 2013 (erscheint November) 7,90 EUR
Keine Verwaltung und kein Unternehmen kommt noch ohne „Gender-Training“ aus und die Forderung nach Frauenquoten hat selbst die CDU erreicht. Durch garantierte Kitaplätze und Elterngeld soll zudem die „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ erleichtert werden. Gleichstellungspolitik erscheint als zentrales Anliegen staatlicher Politik; und unter dem Label „Diversity Management“ setzen Unternehmen zunehmend auf besondere „weibliche Kompetenzen“. Während „Alphamädchen“ ihre Karriere vorantreiben, gerät die dunkle Seite dieser „Emanzipation“ aus dem Blick: Von der neoliberalen Umverteilungspolitik sind vor allem Frauen betroffen, als alleinerziehende Mütter oder als unbezahlte oder schlecht entlohnte Sorge- und Pflegearbeiterinnen. Trotz aller Bereitschaft zur „Selbstoptimierung“ scheint der Weg in die Alltagsarmut für viele Frauen vorgezeichnet. Trumann zieht Bilanz: Was ist nach 40 Jahren Frauenbewegung aus den Forderungen und Visionen geworden? Und welche Rolle spielt die Frauen-, Arbeits- und Familienpolitik im Kapitalismus der Gegenwart?

Ursula März: Simone de Beauvoir
64 S., 40 Abb., geb., Deutscher Kunstverlag 2013 (erscheint Herbst) 19,90 EUR
Als Dreijährige besaß die Tochter der französischen Bourgeoisie eine eigene Visitenkarte. Als Einundzwanzigjährige schloss sie einen radikal antibürgerlichen Liebespakt mit dem Philosophiestudenten Jean-Paul Sartre. Als Vierzigjährige verfasste sie das Buch „Das andere Geschlecht“, das zur Bibel des Feminismus und zum Skandalwerk avancierte: Simon de Beauvoir gilt als Ikone moderner, intellektueller Weiblichkeit des 20.Jahrhunderts. Ursula März fragt nach den Voraussetzungen dieses einzigartigen Status – und den Folgen der Mythenbildung für die Person Beauvoir.

Wir Frauen 2014. Taschenkalender
256 S., Abb., Papyrossa 2013 (erscheint August) 9,95 EUR
Der Kalender erzählt von klugen und mutigen Frauen, die aus der Reihe tanzen, seien es die Revolutionärinnen des Arabischen Frühlings, die Demonstrantinnen bei den Slut-Walks oder alle, die aufstehen gegen Spardiktate und Bankenfütterung in Italien, Portugal, Griechenland und andernorts. Zu Wort kommen auch Rebellinnen der Vergangenheit aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Kultur. Angesichts der aktuellen Auseinandersetzungen um das Recht auf Stadt und öffentlichen Raum ist ein Kleines Lexikon den Architektinnen und Städtebauerinnen gewidmet, angefangen mit Christine de Pisan, die ihre „Stadt der Frauen“ vor über 600 Jahren konzipierte. Und wie immer: Sprüche und Karikaturen, Fotografien und Zeichnungen, Prosa und Gedichte machen den Kalender zu einem spannenden Lesebuch und bieten reichhaltigen Stoff zum Schmökern. Ein übersichtliches Kalendarium und noch mehr Platz für eigene Eintragungen erhöhen zudem den praktischen Nutzwert.

Christina von Braun, Inge Stephan (Hg.): Gender@Wissen
Ein Handbuch der Gender-Theorien

420 S., Pb., Böhlau (UTB Wissenschaft) 2013 (erscheint Herbst) 22,99 EUR
3.überarbeitete und erweiterte Auflage. Gender@Wissen hat sich seit seinem ersten Erscheinen 2005 zu seinem Standartwerk entwickelt. Jetzt liegt das Studienbuch in seiner dritten überarbeiteten Auflage vor. Zu den ursprünglich zwölf thematisch geordneten Beiträgen über zentrale Wissensfelder wie Identität, Körper, Zeugung, Reproduktion, Sexualiät, Gewalt, Globalisierung, Repräsentation, Lebenswissenschaften, Natur, Sprache und Gedächtnis treten drei weitere über Rassismus, Geld und Mythos. Die abschließenden fünf Beiträge zu Postmoderne, Queer Studies, Postcolonial Theory, Media Studies und Cultural Studies situieren das komplette Verhältnis von Geschlecht und Wissen in übergreifenden theoretischen Kontexten und Debatten.

Franziska Bergmann: Die Möglichkeit, dass alles auch ganz anders sein könnte
Geschlechtsverfremdungen in zeitgenössischen Theatertexten

300 S., Pb., Königshausen & Neumann 2013 (erscheint 4.Quartal) 39,00 EUR
Viele zeitgenössische TheaterautorInnen aus dem deutschsprachigen, britischen und US-amerikanischen Raum befassen sich in ihren Texten eingehend mit der Kontingenz von Geschlecht. Die vorliegende Studie zeigt in detaillierten Analysen, dass AutorInnen wie Elfriede Jelinek, Renè Pollesch, Mark Ravenhill oder Edward Albee abendländischen Konzepten von essentialisierter Weiblichkeit und Männlichkeit ein komplexeres Spektrum geschlechtlicher Existenzformen entgegenstellen und Geschlecht als prinzipiell kulturell produziertes Phänomen vorführen. Um diese alternativen Repräsentationen von Geschlecht analytisch erfassen zu können und vor dem Hintergrund breiterer, aktuell virulenter Debatten um die Konstitution von Geschlecht zu untersuchen, beleuchtet die Studie die Texte im Anschluss an solche Denkmodelle, wie sie die Gender Studies zur Verfügung stellen. Dabei wird auch deutlich, dass Theater und Gendertheorie deshalb in engem Zusammenhang stehen, weil die Gendertheorie die Genese von Geschlecht dezidiert unter Rückgriff auf theatrale Metaphern beschreibt. Ausgehend von Bertolt Brechts Verfremdungsbegriff lassen sich die alternativen Repräsentationen geschlechtlicher Identität in den untersuchten Theatertexten als „Geschlechterverfremdung“ behandeln, weil die Unterbrechung und Transgression konventioneller Geschlechterkategorien den Blick auf jene Mechanismen zu lenken vermag, durch welche die Illusion eines natürlichen, vermeintlich unveränderbaren Frau- und Mannseins erzeugt wird.

tender to all gender – A compilation by Hugs & Kisses magazine
TRIKONT CD US-0448 17,99 EUR
Peaches / Light Asylum / Junior Senior / Tubbe / Lesbians On Ecstasy / Scream Club / Scott Matthew / Kumbia Queers / Hungry Hearts / Kids on TV / Bernadette LaHengst / Hard Ton Disco Queen / Crazy Bitch In A Cave / Rae Spoon / Sookee / Princessin Hans
Fragwürdig, seltsam, leicht verrückt – wer sich die ursprüngliche Bedeutung des englischen Wortes „queer“ ansieht, stößt auf viele Übersetzungen. Nur wenige davon waren sonderlich schmeichelhaft als damit vor einigen Jahren noch vornehmlich Homosexuelle bezeichnet, genauer: beschimpft wurden. Heute hat queer nicht nur für all jene, die sich selbst so bezeichnen, einen durchweg positiven Klang. Queer, das steht längst für selbstbewusste Normabweichung und Vielfalt, für Eigensinn und sexuelle Emanzipation. Nun aber muss man die Bedeutung von queer abermals erweitern: queer steht auch für musikalische Bandbreite. Denn das nicht kommerzielle Szenemagazin „Hugs and Kisses“, das seit fünf Jahren alle 6 Monate erscheint, hat den Sound ihrer Freund_innen, ihrer Szene, ihrer Partys auf einem bemerkenswerten Sampler kompiliert. Er heißt wie das Motto der Zeitschrift – tender to all gender – und zeigt das ganze Spektrum jener Musik auf, die im queeren Kosmos gehört, geliebt und gelebt wird. Auf dem Sampler haben sich die unterschiedlichsten Künstler_innen zusammengefunden: bekannte Namen und Newcomer, Undergroundstars und Tanzflächengrößen, Trashvirtuosen und Chartskompatible. Ihr Umfang reicht dabei weit über das hinaus, was seit Discozeiten unter „irgendwie anders als heterosexuell“ geprägten Klängen verstanden wird: Vom nostalgisch aufgepeppten HipHop-Funk Can I Get Get Get des dänischen Popduos Junior Senior als Auftakt bis zu Princessin Hans’ theatralischen Gypsyrock Passive Aggressive Romantic Obsessive Richtung Finale, vom federleichten Eurodance In Your Face der norwegischen Performance-Gruppe Hungry Hearts bis zur elektronischen Politkparole Free Pussy Riot der kanadischen Exilberlinerin Peaches.
Daneben steht der getragene technoide New Wave des Berlin-Münchner Elektroduos Tubbe (5 Minute Love), Kumbia Queers fröhlich verspielter Balkan-Housepop Tiro Al Blanco, Unterbrochen von Elektroclash der populären Sorte – zum Beispiel von den kanadischen Kids on TV und dem New Yorker Neo-Indiewave-Duo Light Asylum. Tender to all gender versammelt also eine Menge dessen, was das Herz mit größerem Hang zu digitalen als analogen Klängen begehrt: deutschsprachigen Breakbeat-Rap der Feministin „Quing of Berlin“ namens Sookee oder Crazy Bitch In A Caves operettenhaft androgyne New Disco Dance All Night aus Wien. Partyorientierte Technonummern wie Party Time von Scream Club, natürlich hochpolitische Mitdenklieder à la Ein Mädchen namens Gerd von der Popaktivistin Bernadette La Hengst. Die Zusammenstellung ist bei aller tanzbaren Elektroniklastigkeit ebenso umfassend wie abwechslungsreich und dabei ziemlich emblematisch fürs Lebensgefühl des independent Undergrounds. Was sie allerdings nicht ist und nicht sein will, ist eine Antwort auf die Frage: was ist queere, geschweige denn homosexuelle Musik? tender to all gender liefert weder Definitionen noch Schubladen – nicht mal eine Orientierungshilfe. Die 16 wohlsortierten Stücke zeigen bloß auf, welche Möglichkeiten es gibt, sich jenseits der heteronormativen Wirklichkeit Gehör zu verschaffen. Das Geschlechterverhältnis aktiv durchbrechen tun höchstens die Künstler_innen und dahinter; ein wie auch immer geartetes Selbstbewusstsein queerer Musik formt sich am Ende erst im Ohr des Publikums. „Es geht uns schließlich nicht um Gleichmacherei“, sagt Christiane Stephan, Herausgeberin der Hugs and Kisses. Statt alle über einen Kamm zu scheren, will ihr Magazin samt Compilation lieber „alle möglichen Geschlechter in ihren Unterschieden feiern“. Sie nennt das „Identität als Prozess“. Musik ist da nur der Schlüssel ins Universum der Andersartigkeit, die tender to all gender feiert, als gebe es ein Morgen. Und sei es mit den Mitteln des Pop.

IMAGO
Interdisziplinäres Jahrbuch für Psychoanalyse und Ästhetik, Bd. 1

272 S., Pb., Psychosozial Verlag 2012 24,90 EUR
1912 gründeten Hanns Sachs und Otto Rank mit der Unterstützung Sigmund Freuds die IMAGO als Zeitschrift für die Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften, um Freuds Auffassung gerecht zu werden, dass die Psychoanalyse nicht auf medizinische Bereiche beschränkt bleiben müsse. Diesem Credo verpflichtet sich nun das gleichnamige Jahrbuch. Das fächerübergreifende Phänomen „Ästhetik“ wird aus der Perspektive verschiedener Disziplinen, insbesondere Psychoanalyse, Sozialpsychologie, Kunstgeschichte, Philosophie und Medientheorie, betrachtet. Ziel ist es, den Dialog der Wissenschaften anzuregen und zu fördern. Das Themenspektrum reicht von Sophokles bis Tarantino, vom französischen Mittelalter bis zur japanischen Popkultur, von Leonardo da Vinci bis Paul Klee.
Inhalt:
Das Archaische und das Soziale – Entgrenzung und Einhegung von Gewalt im gegenwärtigen Film und im Mythos – Michael Haneke, Quentin Taranatino, Sophokles; Eros und Thanatos: Bruchstücke einer Klee-Biografie; Monströse Gefühle – die Gefühle von Monstern – Überlegungen zu emotionalen Strukturen in der marginalen Skulptur der Romanik und Gotik Frankreichs; Die Emotionalität des emotionslosen Stifterbildes in der altniederländischen Malerei; Die Invasion der Aura – Vom Schicksal der charismatischen Autorität im sozialen System der Kunst; Ästhetische Erfahrungen in der Psychoanalyse – Zeit und Raum für sinnliche Erkenntnis; Anmerkungen zu Leonardos Ästhetik der Bewegung gegen den doppelten Tod im Portrait „Die Dame mit dem Hermelin“; Figurentheatralik bei Neo Rauch; Zu einer möglichen Assoziation von Todestrieb und ästhetischer Erziehung; Humor und Katastrophe in Kunst und Populärkultur Japans.

Klaus Theweleit: Buch der Königstöchter
Das Pocahontas-Projekt / Buch 2:
Königstöchter. Von Göttermännern und Menschenfrauen

Ca. 700 S., Pb., Stroemfeld 2013 38,00 EUR
Detaillierte Beschreibung in unserer Liste 5, abzurufen unter http://wormsverlag.wordpress.com/2013/05/21/liste-5-der-buchneuheiten-avantgarde-underground-trash/

Kevin Liggiere (Hrsg.): „Bad Boys“ der Philosophie
350 S., Pb., Königshausen & Neumann 2013 (erscheint 4.Quartal) 48,00 EUR
Jeder kennt das zentrale Zitat des Staatstheoretikers Thomas Hobbes vom „Mensch, der dem Menschen ein Wolf ist“. Doch die wenigsten wissen um die Kehrseite dieses Zitats: „Der Mensch ist ein Gott für den Menschen“. Nicht nur Hobbes wird durch die einseitige Wiedergabe in eine „dunkle“ Ecke der Philosophie verdammt und wird zum „bösen“ Buben. Solchen „Bad Boys“ ist der vorliegende Band gewidmet. Im Mittelpunkt steht eine Auswahl von Denkern, die viel zu oft nur einseitig beleuchtet und rezipiert werden wie Heraklit, Machiavelli, Hobbes, La Mettrie, De Sade, Max Stirner, Nietzsche, Spencer, Sartre und Brecht. Der Grundtenor des Bandes ist jener, dass man zunächst auf das einseitige Bild eines Denkers blickt, es danach jedoch für eine offene Betrachtung dekonstruiert. Man deckt damit eine einseitige Rezeption auf und zielt auf die Komplexität dieser Philosophen.

Jürgen Lambrecht: Struktur und Einheit
Transzendenzphilosophische Interpretation der Quantenphysik

220 S., Pb., Königshausen & Neumann 2013 (erscheint 4.Quartal) 34,00 EUR
Seit ihren Anfängen zu Beginn des 20.Jahrhunderts sieht sich die Quantenphysik bei der ontologischen und epistemologischen Interpretation ihrer Ergebnisse hartnäckigen Schwierigkeiten gegenüber, die bis zum heutigen Tage nicht befriedigend gelöst werden konnten. Manche Quantenphänomene entziehen sich sowohl unserem alltäglichen Weltverständnis als auch dem klassisch-physikalischen Weltbild, das im wesentlichen auf der Mechanik Isaac Newtons fußt. Sie übersteigen unser Vorstellungsvermögen und scheinen wenigstens zum Teil logischen und raumzeitlichen Gesetzmäßigkeiten zu widersprechen. Transzendentalphilosophisches Denken, das eine enge Strukturverwandtschaft mit der Logik Georg Wilhelm Friedrich Hegels und mit der philosophischen Systemanalyse aufweist, stellt ein methodologisches Instrumentarium zur Verfügung, welches dazu beitragen kann, einige der Probleme quantentheoretischer Interpretation, die in auffallendem Kontrast zur mathematisch konsistenten Formulierung der Quantentheorie stehen, zu vermeiden. Dies wird an ausgewählten Hauptthemen der quantentheoretischen Diskussion pragmatisch aufgezeigt.

Lars Hanisch: Das Unbehagen an der Entzauberung
264 S., Pb., Königshausen & Neumann 2013 38,00 EUR
Warum sind wir – dem Selbstverständnis nach aufgeklärte, gebildete und rationale Bürger – nach wie vor so anfällig für irrationale, vorrationale oder gar abergläubische Weltdeutungen? In dieser Arbeit nimmt der Autor eine Beurteilung des gegenwärtigen Standes des „Prozesses der Entzauberung“ in den westlichen Gesellschaften vor. Welcher Art sind die Faktoren, die einer Ausweitung der Entzauberung in der Vergangenheit im Wege standen und teilweise nach wie vor mit überraschender Hartnäckigkeit Widerstand leisten und welche Faktoren haben den Prozess der Entzauberung vorangetrieben? Zentraler Bestandteil der Untersuchung ist die Analyse der Affinitäten und Mechanismen, welche uns auch heute noch zu animistisch-magischen Weltdeutungen verleiten. Evolutions- und stammensgeschichtliche, psychologische und sozio-kulturelle Analysen erschließen so ein Bild andauernden Widerstandes gegenüber dem Prozess der Entzauberung. Der Blick auf die Verhältnisse der Entzauberung zu Technik, Wissenschaft und Bildung macht deutlich, dass die Hoffnung auf einen Automatismus fortschreitender Aufklärung und Rationalität haltlos ist. Zugleich stellt sich aber die Frage, worin der Wert fortschreitender Entzauberung überhaupt zu sehen ist und bei wem die Definitionsmacht in diesem Ringen liegt.

COMICS

Gihef & Damien Vanders: Liverfool
Die wahre Geschichte des ersten Managers der Beatles

116 S., Edition 52, 18,00 EUR
Allan Williams eröffnet Ende der 50er Jahre in Liverpool das Jacarta, das auch von Stuart Sutcliffe und John Lennon besucht wird. Deren Band hieß da noch The Querrymen. Allein Williams wurde ihr Manager und vermittelte ihnen Auftritte als Begleitband für eine Stripperin und schickte sie schließlich nach Hamburg. Seit dort kennt man die Legende. Allan Williamson erzählt seine Geschichte, als er nicht mehr gebraucht wurde hatten die Beatles ihn gefeuert.

Danielle de Piccotto: We are gypsies now – Der Weg ins Ungewisse
240 S., Pb., Metrolit 2013 22,90 EUR
Die amerikanische Künstlerin Danielle de Piccotto, Mitgründerin der Love-Parade und Ehefrau von Alexander Hacke, dem Bassisten der „Einstürzenden Neubauten“, beschreibt in dieser Graphic Novel wie sie beide zusammen auf dem Sofa nur noch amerikanische TV-Serien sahen und dann eine Entscheidung treffen mussten. Sie entschließen sich, Haus und Haushalt aufzugeben, nicht mehr als Spielfigur den Regeln zu folgen, sondern die Dinge in die eigene Hand zu nehmen. Sie verkaufen das Haus, lösen die langfristigen Verträge, gehen zuerst für ein Filmprojekt nach Wien und anschließend mit den „Einstürzenden Neubauten“ auf eine ausgedehnte Europa-Tournee. „On the Road“ ist jeder Tag surreal, irgendwie magisch. Der Comic ist ein Leitfaden der Minimalismus-Bewegung geworden.

Bestelladresse:
Alle Titel können Sie überall im Buchhandel wie auch unter folgender Adresse erwerben:

Worms Verlag
Abt. Onlineshop
Kultur- und Veranstaltungs GmbH,
Von Steuben Str.5, 67549 Worms
Berthold Röth Tel. 06241-2000-314
e-mail: berthold.roeth@kvg-worms.de

Interkulturelle Buchneuheiten Liste 34

Juli 11, 2013

Die vorhergehenden Listen können noch allesamt im Archiv unter wormsverlag.wordpress.com abgerufen werden.

Seit dem 1. April sind die Integrationskursverordnung und die Regelungen für die Einbürgerung verändert: Seit dem 23. April gibt es einen neuen Abschlusstest für die Orientierungskurs („Leben in Deutschland“) und einen neuen Einbürgerungstest. wenn Menschen in Deutschland einwandern, vor allem wenn sie durch Familiennachzug kommen, absolvieren sie in der Regel zunächst einen Integrationskurs. Dort lernen sie Deutsch (600 Stunden), im anschließenden Orientierungskurs (60 Stunden) lernen sie die Grundlagen von Politik, Geschichte und Gesellschaft in Deutschland. Seit April 2013 sind einige Regelungen in diesem Zusammenhang geändert, vor allem gibt es den neuen Abschlusstest “Leben in Deutschland”. Wer hier nicht nur besteht, sondern etwas besser abschneidet, muss später für die Einbürgerung keinen Einbürgerungstest mehr machen. Unsere Broschüren für die TeilnehmerInnen informieren über rund 60 Themen rund um die Politik, die Geschichte und die Gesellschaft. Sie sind zum Selbststudium und als TN-Broschüren für Kurse geeignet. Und sie eignen sich auch zur Unterrichtsvorbereitung. Und wer sich als Deutsche/r informieren will, was Einwanderer über Deutschland lernen, darf die Broschüren natürlich auch bestellen. Wenn Einwanderer drei bis acht Jahre später die Voraussetzungen für die Einbürgerung erfüllen, muss auch ein Nachweis über Staatsbürger-Kenntnisse vorgelegt werden. Für die meisten ist das der Einbürgerungstest, der dann bestanden werden muss. Unsere Broschüren informieren über alle Themen und Fragen des Tests rund um Politik, Geschichte und Gesellschaft. Eine Übersicht hänge ich an. Die Broschüren sind zum Selbststudium konzipiert, können aber auch für Vorbereitungskurse oder Vorbereitungsabende genutzt werden. Der Einbürgerungstest selbst wurde zum April 2013 geändert, diese Broschüren berücksichtigen alle Änderungen! Und auch Deutsche, die sich über die Anforderungen einer Einbürgerung informieren wollen, können anhand dieser Broschüren mit allen Prüfungsfragen testen, ob sie genug über Deutschland wissen, um noch einmal die Staatsbürgerschaft erhalten zu können.

Orientierungskurs
Band 1: Politik in der Demokratie
Band 2: Geschichte und Verantwortung
Band 3: Mensch und Gesellschaft

Hefte der BRD-Dritte Welt pro Heft 2 Euro

Einbürgerungstest
Band 1: Leben in der Demokratie
Band 2: Geschichte und Verantwortung
Band 3: Mensch und Gesellschaft

Hefte der BRD-Dritte Welt pro Heft 2 Euro
Alle Hefte enthalten viele Einführungstexte zu den Themen der entsprechenden Kurse. Alle Hefte enthalten alle Prüfungsfragen des Tests „Leben in Deutschland“ (460 Fragen mit jeweils vier Antwort-Möglichkeiten). Alle Broschüren entsprechen dem Curriculum (Lehrplan) des BAMF und können in den Kursen verwendet werden. Alle Broschüren eignen sich auch zum Selbststudium und für das Training zum Bestehen der Prüfung.

Jan Christoph Heiser: Interkulturelles Lernen
Eine pädagogische Grundlegung

380 S., Pb., Königshausen & Neumann 2013 (erscheint 4.Quartal) 48,00 EUR
Interkulturelles Lernen scheint sowohl auf Erfordernis als auch Trend der Zeit zu sein: In allen pädagogischen Bereichen, beginnend mit frühkindlicher Erziehung über die schulische Bildung bis hin zu Assessment für Manager, ist interkulturelles Lernen scheinbar „conditio sine qua non“. Doch stellt sich dem Bildungstheoretiker die Frage, was dieses interkulturelle Lernen eigentlich ist. Was ist das Interkulturelle am Lernen? Ist es ein eigentümliches Lernen oder lediglich ein Lernvollzug wie jeder andere auch? Ist es eine politisch-ökonomisch motivierte Forderung ob weltweiter Vernetzung? Was hat es mit Kompetenz zu tun? Oder ist es nicht vielmehr ein integraler Bestandteil von Urteilskraft, Gemeinsinn, Aufklärung, Moralität,… – ganz einfach Bildung? Die Studie unternimmt den Versuch, die weitgediehene und differenzierte pädagogische Lerntheorie mit den Maßgaben der Interkulturellen Philosophie zusammen zu denken und weiter zu führen.

Wiebke Hartmann: Der Reisende ohne Schatten
Nachdenken über Migration, Identität, Heimat und Menschenrechte

350 S., Pb., Königshausen & Neumann 2013 (erscheint 3.Quartal) 40,00 EUR
Dieses Buch ist ein Plädoyer für Unterschiede. Es warnt vor den „dunklen“ Seiten von Mobilität, Migration und Globalisierung, vor der zunehmenden Vereinzelung der Menschen und ihrer Verlassenheit. Auf ganz persönlicher Ebene beschreibt es die Unmöglichkeit, durch Emigration dem „Schatten“ der Vergangenheit zu entfliehen. Und es zeigt die Folgen, wenn man den eigenen „Standpunkt“ in der Welt verliert. Es geht um: die historischen Aspekte der Migration; um transnationale Gemeinschaften und modernes „Nomadentum“; um Fernweh, Kulturschock und den Umgang mit fremden Lebenswelten; gesundheitliche Belastungen durch territoriale Mobilität; die Prägung durch Orte und den Bruch im Raum-Zeit-Kontinuum, den wir auf Reisen erleben; um Familienbindungen, die Distanzen überbrücken; Loyalität und Vertrauen als Voraussetzung des Zusammenlebens; um die Bedeutung der Sprache für unsere Wahrnehmung und unser Weltbild; Zugehörigkeit, kollektives Gedächtnis und nicht zuletzt um die Rolle der Geschichte für unsere Identität und Zukunftsperspektive. Den Anlass für die Reflexionen der Autorin bildet ihre Familiengeschichte, aus der leitmotivisch in Abschnitten erzählt wird. Beginnend mit der Heirat der norwegischen Großmutter kurz vor dem Ersten Weltkrieg mit einem Deutschen, dem sie in sein Heimatland folgt, endet sie mit dem Tod der ältesten Enkelin dieser Frau, die in Lateinamerika ermordet und in einem Massengrab verscharrt wird.

Robert Fuchs: Heirat in der Fremde
Deutschamerikaner in Cincinnati im späten 19.Jahrhundert

350 S., geb., Ferdinand Schöningh 2013 (erscheint Herbst) 39,90 EUR
Die deutschen Einwanderer in den USA bildeten in manchen Großstädten eine abgeschlossene Gesellschaft, die dazu tendierte „unter sich“ zu heiraten. Doch was bedeutete „unter sich“? Heirateten katholische Süddeutsche lieber protestantische Norddeutsche oder doch eher katholische Iren? Existierten schichtspezifische Unterschiede? Welche Rolle spielten Generationszugehörigkeit oder Alter? Welche Rolle spielte die Struktur des Heiratsmarkts? Diesen Fragen geht die vorliegende Studie anhand der deutschamerikanischen Community von Cincinnati um 1880 nach. Aktuelle Debatten über die angebliche Abschottung von Migrantengruppen und „Parallelgesellschaften“ erhalten so historische Tiefenschärfe.

Manfred Durzak: Literatur im interkulturellen Kontext
364 S., Pb., Königshausen & Neumann 2013 (erscheint 3.Quartal) 48,00 EUR
Inhalt: Einleitung – Deutschsprachige interkulturelle Literatur – die Beschreibung eines Phantoms? – Interkulturelle Spuren im Schreiben Johann Peter Hebbels. Seine Kalendergeschichte „Kannitverstan“ als literarisches Modell der Fremderfahrung? – Max Dauthendeys „japanische Novellen“ in „Die acht Gesichter am Biwasee“ – Literarischer Exotismus oder schon interkulturelle Literatur? – Elias Canetti. Formen des Umgangs mit dem „Fremden“. Am Beispiel der „Stimmen von Marrakesch“ – Elias Canetti – ein interkultureller, ein europäischer Autor? – Interkulturelle Erfahrungen im Roman. Am Beispiel von Dieter Fortes Buch „Das Muster“ – Schnittpunkte interkultureller Erfahrungen. Am Beispiel deutsch-türkischer Begegnung in Sten Nadolnys Roman „Selim oder die Gabe der Rede“ – Deutschland-Bilder in den Kurzgeschichten von Sinasi Dikmen – Vorurteile und Stereotypen in interkulturellen Kurzgeschichten der Gegenwart – Die Revision des kolonialen Blicks in Uwe Timms Romanen – Deutschsprachige interkulturelle Literatur – einmal anders betrachtet – Die Göttin Kali in Grass` Indienbuch „Zunge zeigen“ – „Domra“. Das indische Totenbuch von Josef Winkler – Produktive Indien-Rezeption. Martin Mosebachs Roman „Das Beben“ – „Indianess“ in deutscher Indien-Literatur. Am Beispiel von Thorsten Beckers Historien-Legende „Die Besänftigung“ – Deutsche Schriftsteller in Indien, indische Schriftsteller in Deutschland. Wechselseitige Fremdheitserfahrungen – Wie lässt sich eine Megapolis erzählen? Am Beispiel von Suketu Mehtas Bombay-Buch „Maximum City“ – Eva Demskis Thailand-Roman „Das siamesische Dorf“. Interkulturelles Erzählen oder orientalische Klischees? – Peter Schneiders Theaterstück „Totoloque. Das Geiseldrama von Mexiko-Tenochtitlan“ – Historienstück oder postkolonialer Text? – Westliche Zivilisation versus Afrika. Postkoloniale Motive in Urs Widmers Roman „Im Kongo“ – Die postkoloniale Literaturtheorie von Homi K. Bhabha – Can the Pundt be Understood? Überlegungen zu postkolonialen Thesen von Gayatri Spivak.

Maria E. Brunner / Nicoletta Gagliardi / Lucia Perrone-Capano (Hg.):
Deutsch-italienische Kulturbeziehungen als Seismograph der Globalisierung in Literatur, Übersetzung, Film, Kulturarbeit und Unterricht

300 S., Pb., Königshausen & Neumann 2013 (erscheint 4.Quartal) 39,80 EUR
Die deutsch-italienischen Kultur- und Literaturbeziehungen gestern und heute – Travelling concepts in der deutsch-italienischen/Interkulturellen Literatur – „Willkommen im Süden“: die Übersetzung einer kulturspezifischen italienischen Filmkomödie – Verborgene deutsch-italienische Kulturbeziehungen? Römer und Römerinnen im deutschen Drama des 19.Jahrhunderts – Ein interkultureller Blick auf Franco Biondis italienisch-deutsche Gedichte „Giri e rigiri, laufend“ – Werkstattbericht einer deutsch-italienischen Übersetzerin – Der Hortus conclusus als „metafora continua“ am Beispiel eines deutschen und eines italienischen Narrativs – Chronotopoi der Angst in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur – Metaphern für den Bereich „Sprache“ in italienisch-deutschen Sprachbiografien – Verwaltungssprache in Deutschland und Italien: Ein Vergleich – Arbeitsfelder und best practises des dt.-it. Kulturkontaktes im Goethe-Institut Neapel – Schulische Tätigkeiten des Italienischen Generalkonsulats Stuttgart und Integration der jungen Italiener im deutschen Schulsystem – Elternmentoren und –arbeit im dt.-it. Kulturkontakt und zur Förderung des Bildungssaldos von Kindern it. Zuwanderer; Projekt „Schulerfolg im Tandem“ – Der bilinguale dt.-ital. Zug der Wolfbuchschule Weilimdorf – Der bilinguale dt.-ital. Zug des Gymnasiums Königin-Katharina-Stift Stuttgart – Evaluierung von dt.-ital. bilingualem Unterricht: Foschungsstand und –desiderate – Grundschulen in Bayern – Ein Ort der Begegnung und der Isolation für mehrsprachige und monolinguale Kinder?

Juliane Müller:
Migration, Geschlecht und Fußball zwischen Bolivien und Spanien
Netzwerke – Räume – Körper

280 S., farbige Abb., Reimer 2013 (erscheint September) 39,00 EUR
Fußball-Ligen und –Clubs sind zentrale Vereinigungen von Arbeitsmigranten aus den Andenländern. Erst seit wenigen Jahren in Spanien und auf dem informellen Arbeitsmarkt beschäftigt, tragen sie hochformalisierte Ligen aus und setzen viel Energie in die Suche nach Sportanlagen und in interne Diskussionen. Juliane Müller untersucht die soziale Organisation der Ligen in Sevilla. Als Ethnografin hat sie in zwei Mannschaften mitgespielt und die Fußballpraxis bolivianischer Frauen hautnah erlebt. Welche Bedeutung hat populärer Frauenfußball im Herkunftsland; wie verändert sich die Spielpraxis, wenn Sport migriert? Die ethnologische Studie zeigt, dass Fußball nicht nur Leistungswettbewerb ist, sondern auch Ritual, Fest und Körpertechnik.

Josè Mourinho: Mourinho über Fußball – Das Spiel und ich
300 S., geb., Riva 2013 (erscheint Oktober) 19,99 EUR
Josè Mourinho ist eine Ausnahmeerscheinung. In dieser Autobiografie dokumentiert er nicht nur seine fantastische Fußballtrainerkarriere, sondern bietet zum ersten Mal auch detaillierte Einsicht in seine ausgefeilten Theorien und Analysen, die ihn von allen anderen Weltklassetrainern unterscheiden. Er spricht exklusiv über die kulturellen und mentalen Unterschiede im europäischen Fußball und verrät, wie er sein Team aufbaut. Was ist sein ganz spezielles Vorgehen, um sich vorzubereiten und um Spieler zu motivieren? Wie handhabt er komplexe Spielwechsel? Wen bewundert er und wen fragt er um Rat? Was denkt er über Schiedsrichter, Fans und Klubbesitzer? In seiner Autobiografie beantwortet er alle diese Fragen und gestattet zum ersten Mal einen intimen Einblick in die Denkweise eines Trainers, der ungern zweimal gegen die dieselbe Mannschaft verliert. Ein Muss für alle Fußballfans.

Beate Krafft-Schöning: Blutsbande
Wie aus einer arabischen Großfamilie in Deutschland der berüchtigte „Miri-Clan“ wurde. Eine Insiderin berichtet

250 S., geb., riva 2013 (erscheint September) 19,99 EUR
Arabisch-libanesische „Clans“ sorgen bundesweit immer wieder für Schlagzeilen. In Berlin, Bremen und Essen scheinen ganze Großfamilien mafiaähnlich organisiert dick im Geschäft zu sein. Ob Drogen- und Waffenhandel, Schutzgelderpressung oder Auftragsmord – die Aktenführung der Polizei beginnt bei so manchem „Clan-Mitglied“ bereits im zarten Alter von sieben Jahren. Spektakuläre Prozesse lassen die Öffentlichkeit erahnen, welche Machenschaften sich innerhalb der als geschlossene Gesellschaft wahrgenommenen Familienbande abspielen mögen. Niemanden gelang bisher der Blick hinter die Kulissen. Zu groß ist die Angst vor dem „Clan“. So wagt selbst die Polizei oftmals nur mit schwerem Gerät und in großer Mannstärke gegen dessen Mitglieder vorzugehen. Allen Warnungen zum Trotz begann die investigative Journalistin Beate Krafft-Schöning im Jahr 2008, zum arabisch-libanesischen „Miri-Clan“ in Bremen zu recherchieren. Sie begleitete zunächst Proteste gegen Mitglieder, las Polizeiakten und lernte schließlich zahlreiche „Miris“ persönlich kennen. So bekam sie Einblick in eine Lebenswelt, die von innen ganz anders aussieht, als sie draußen wahrgenommen wird. „Blutsbande“ ist eine Berichterstattung aus dem innersten Kreis des „Miri-Clans“ – spannend, sachlich und komplex – und zeigt ein bislang unbekanntes Leben unter deutschen Dächern, über das viele oft reden, ohne viel davon zu verstehen.

Ratislav Bachorar, Katharina Leitner, Hanns Matiasek:
Integration im Schützengraben. Personen mit Migrationshintergrund beim Militär im Kontext des Sozialen Friedens

215 S., Pb., Böhlau 2013 (erscheint Herbst) 29,90 EUR
Benötigen die Streitkräfte Personen mit Migrationshintergrund, um die erforderliche Stärke oder Zusatzqualifikationen zu erhalten? Oder ist es ein politischer Auftrag, der Streitkräfte als Spiegel der Gesellschaft vorgibt und diese als Integrationsinstrument nutzen will? Es sind spannende und richtungsweisende Fragen, denen ein junges Forscherteam im vorliegenden Band nachgeht und zu interessanten Ergebnissen kommt.

Andreas Deffner: Das Kaffeeorakel von Hellas
Alltag, Abenteuer und Krise in Griechenland

262 S., geb., Größenwahn Verlag 2013 (erscheint Herbst) 19,90 EUR
Andreas Deffner kennt die Gewohnheiten der Griechen – seit Jahren ist dieses Land seine „zweite Heimat“ geworden – der Alltag beginnt „relaxt“ mit kaffeetrinken und endet in irgendeinem unvorhergesehenen Abenteuer. In dieser Neuauflage liefert er Geheimnisse der Griechischen Küche. Nach jeder Geschichte wird das passende Rezept dazu serviert, denn Griechenland ohne Essen und Trinke, ist unvollkommen und wenn Sie Glück haben treffen sie auf eine/n der zahlreichen Kaffee-LeserInnen, die bei jeder Nachbarschaft zu finden sind.

Lisa Mittendrein: Solidarität ist alles was wir noch haben
Solidarische Ökonomie in der griechischen Krise

180 S., AG SPAK Bücher 2013 16,00 EUR
In Folge von Krise und Austeritätspolitik kämpft die griechische Bevölkerung heute mit dem Zusammenbruch der Wirtschaft, Arbeitslosigkeit, Armut, einem dysfunktionalen politischen System und gesellschaftlicher Desintegration. Doch der Widerstand ist groß und macht keine Anstalten zu brechen. Immer mehr Griechinnen und Griechen nehmen ihre Versorgung, den Zusammenhalt des Gemeinwesens und die Suche nach Alternativen selbst in die Hand: sie bauen eine Solidarische Ökonomie von unten auf. Quer durch Griechenland entstehen täglich neue soziale Zentren, Gemeinschaftsgärten, Umsonstläden, selbstverwaltete Läden und Cafes, kollektive Versorgungsstrukturen und viele andere Arten von kollektiven, selbstverwalteten Projekten. Die Autorin befasst sich in ihrem Buch mit den aktuellen Entwicklungen Solidarischer Ökonomie in Griechenland. Sie stellt konkrete Projekte vor und lässt deren AktivistInnen zu Wort kommen. Neben der Analyse der politischen und wirtschaftlichen Situation geht sie den Grundlagen und Einflüssen der Bewegung nach und zeigt, wie eine Vielzahl von Dynamiken zu ihrer Entstehung beigetragen haben. Sie untersucht die Frage, was Solidarische Ökonomie in der Krise für Einzelne wie für die Gesellschaft leisten kann und zeigt: Solidarische Ökonomie ist auch gemeinsame Selbsthilfe, aber sie ist auch und vor allem viel mehr.

Papadopoulos & Söhne FSK 0 – Ein Film von Marcus Markou
DVD, 109 Min., Good Movies 2013 (erscheint Dezember) 19,99 EUR
Harry Papadopoulos hat es geschafft. Der englische Geschäftsmann mit griechischen Wurzeln hat alles, was er sich wünscht: eine riesige Villa, Auszeichnungen ohne Ende, den Lebensstil der englischen Upperclass. Alles seins. Doch dann bricht die Finanzkrise aus und die Banken fordern die sofortige Rückzahlung aller Kredite. Harry verliert über Nacht alles. Ihm bleibt nur eine kleine, heruntergekommene Fish-&-Ship-Bude in einer fiesen Ecke Londons, die zur Hälfte auch noch seinem Bruder Spiros gehört, mit dem er kaum noch zu tun hat. Wohl oder übel vereint, beschließen sie, das Resteraunt wieder auf Vordermann zu bringen.

Christoph U. Schminck-Gustavus: Feuerrauch
Die Vernichtung des griechischen Dorfes Lyngiades am 3.Oktober 1943

352 S., geb., Dietz Verlag 2013 (erscheint September) 24,90 EUR
Ein bestürzendes Dokument deutscher Schande. Wie aus heiterem Himmel brannten deutsche Wehrmachtssoldaten 1943 ein griechisches Bergdorf nieder, töteten Frauen, Alte, Babys. Christoph Schminck-Gustavus reiste an den Ort, der noch heute vom Schrecken gezeichnet ist. Er hat die letzten Überlebenden des Massakers gefunden, ihre Berichte aufgezeichnet und Archive gesichtet: Die Rekonstruktion eines erschütterndes Verbrechens und seiner juristischen Verleugnung. Soldaten der Gebirgsdivision Edelweiß trieben die Einwohner in die Keller der Häuser, mähten sie mit Maschinengewehren nieder und zündeten das Dorf an. Fünf Menschen überlebten und krochen aus den brennenden Trümmern. Wegen der angeblichen Unterstützung von Partisanen fielen Hunderte Dörfer auf dem Balkan sogenannten „Sühnemaßnahmen“ zum Opfer. Weil deutsche Gerichte sich später die Rechtfertigung der Täter zu eigen machten und das Massaker von Lygiades als „Kampf gegen Partisanen“ einstuften, wurde das Kriegsverbrechen nicht verfolgt. Deutschland und Griechenland haben die Opfer für ihr Leiden nie entschädigt.

Tamara Ganjalyan, Balint Kovacs, Stefan Troebst (hrsg.)
Armenier im östlichen Europa – Eine Anthologie

528 S., Abb., geb., Böhlau 2013 (erscheint Herbst) 64,90 EUR
Der Auftaktband der neuen Reihe „Armenier im östlichen Europa“ präsentiert zentrale Texte zur Erforschung der armenischen Geschichte und Kultur teilweise erstmalig in deutscher Übersetzung. So spiegelt diese Anthologie in ihrer breiten thematischen Ausrichtung die zahlreichen historischen und aktuellen Facetten der Erforschung der Armenier in Osteuropa zwischen Narva und der Krim, zwischen Armenierstadt und Astrachan.

Marina Dmitrieva, Balint Kovacs, Stefan Troebst (Hrsg.)
Kunst der Armenier im östlichen Europa

224 S., Abb., geb., Böhlau 2013 (erscheint Herbst) 39,90 EUR
Der zweite Band versammelt Beiträge von Kunsthistorikern, Bauforschern, Ethnologen und Historikern zur Rolle der Armenier in der frühneuzeitlichen Kunstgeschichte Zentral- und Osteuropas. Behandelt werden sakrale Malerei und illuminierte Handschriften, Architektur und Städtebau, Kunsthandwerk und –sammlungen. Den geographischen Rahmen bilden die heutigen Staaten Polen, Ukraine, Belarus, Rumänien, Moldova und die Russländische Förderation. Die von armenischen Künstlern geschaffenen Werke spiegeln ihre multiethnische und plurikonfessionelle Umgebung wider, ohne dabei ihre Traditionen zu verleugnen.

Den folgenden Titel bitte direkt bestellen bei angegebener Adresse:

»Die auf den Weg ohne Heimkehr getrieben wurden – Lebenswege und Todeswege von Armeniern in literarischen Quellen« Ausgewählt und bearbeitet von Seyda Demirdirek und Corry Guttstadt

Das Buch umfasst 18 literarische Texte, die das Leben und das Schicksal von Armeniern zum Thema haben, die meisten sind von Armeniern verfasst, viele für dieses Buch von der Assoziation A ins Deutsche übersetzt worden. Die meisten Texte sind autobiografisch geprägte Texte von Armeniern, die einen Eindruck ihrer vielfältigen Lebensrealitäten in Anatolien vermitteln. Sie lebten in Großstädten und in kleinen Dörfern, sie wohnten in Ortschaften mit rein armenischer Bevölkerung und als Minderheit unter muslimischen Nachbarn und sie waren in allen Schichten der Bevölkerung vertreten. Im Mittelpunkt des Buches steht nicht der Völkermord, nur ein Teil der Texte bezieht sich direkt auf die Deportationen und Morde von 1915. Die durch die türkische Politik der Leugnung erzwungene Debatte über die Frage „War es ein Völkermord?“ und der daraus resultierende Druck auf die Armenier, immer wieder „beweisen“ zu müssen, dass es ein Genozid war, reduziert die Armenier auch in der kritischen Öffentlichkeit häufig auf ihr Schicksal als Opfer des Völkermords. Die ausgewählten Texte spannen zeitlich einen weiten Bogen. Einige stammen aus der Zeit von vor 1914 und geben einen Einblick in die Lebensbedingungen der Armenier gegen Ende des Osmanischen Reiches, andere datieren aus der jüngeren Vergangenheit und berichten vom Leben der überlebenden Armenier in der heutigen Türkei.Einige Hamburger werden einige der Texte aus der szenischen Lesung im Polittbüro kennen. Damals hatten mehrere Besucher gefragt, wo sie die Texte nachlesen könnten. Das ist nun möglich. Dabei sind eine ganze Reihe neue Texte hinzugekommen. Außerdem haben wir zwei Karten angefertigt, die Nicht-Türkei-Kundigen das Auffinden der erwähnten Orte erleichtern und somit auch eine räumliche Vorstellung davon geben, wo sich die Schilderungen abgespielt haben und wo überall in der Anatolien Armenier gelebt haben. Das Buch wurde von Anat Frumkin liebevoll layoutet und von der Druckerei Zollenspieker gedruckt. Die Herausgabe des Buches wurde finanziell gefördert von der Landeszentrale für Politische Bildung in Hamburg und ist im Hamburger Büro der LSZB (Dammtorstraße 14) kostenlos erhältlich. Der Band ist so konzipiert, dass er im Unterricht sowie in der politischen Bildungsarbeit einsetzbar ist.In Hamburg ist das Buch gegen eine Kostenpauschale von zwei Euro in den folgenden Buchhandlungen erhältlich: Schanzenbuch, Copyladen Schanzenblitz, Nautilus, Buchladen Osterstraße. In Berlin bei Schwarze Risse im Mehringhof oder bei der Edition Orient in der Muskauer Str. 4.
Zu bestellen ist das Buch gegen zwei Euro Kostenpauschale plus Versandkosten bei der Internationalen Kommunikationswerkstatt e.V.:
ikw.ikw.hamburg@gmail.com)

Dotschy Reinhard: Everybody`s Gypsy
Popkultur zwischen Ausgrenzung und Respekt

256 S., geb., Metrolit 2013 (erscheint September) 17,99 EUR
Vermittelt erstmals ein umfassendes Bild der gegenwärtigen Gypsy-Kultur. Über die zeitgenössische Gypsy-Kultur und ihren unterschätzten Einfluss auf unseren Alltag. Ein Roadtrip durch die Zentren des Pop mit Musik, Mode, Literatur, Kunst, Film und TV. Ein Lehrstück über gut gemeinten und schlecht gelebten Respekt, über Aneignung und Ausgrenzung. Dotschy Reinhard, geboren 1975, lebt und arbeitet in Berlin. Sie ist Musikerin und Autorin. In ihrer Musik verbindet sie Jazz, Bossa Nova und Gypsy Swing von Django Reinhardt, mit dem sie tatsächlich verwandt ist.

Balkan Melodie FSK 0 – Ein Dokumentarfilm von Stefan Schwietert
mit Gheorghe Zamfir, Le Mystere des Voix Bulgares, Ioan Pop, Aurelio Ioanita, Mahala Rai Benda,
DVD, 92 Min, good movies 2013 (erscheint September) 19,99 EUR
Der Film erzählt die Geschichte von Marcel und Catherine Celliers lebenslanger Liebe zu der Musik Südosteuropas. Mitten im Kalten Krieg wird der Schweizer Musikliebhaber Marcel Cellier magisch angezogen von den fremden Klängen Osteuropas. Auf eigene Faust reist er hinter den Eisernen Vorhang, um die Musik dieser Länder aufzunehmen. In unzähligen Radiosendungen und Millionen verkaufter Schallplatten macht Marcel Cellier die von ihm gesammelte Musik international bekannt und öffnet Musikern wie dem rumänischen Panflötenvirtuosen Gheroghe Zamfir und den legendären bulgarischen Frauenstimmen von „Le Mystere des Voix Bulgares“ den Weg zum Ruhm. Auf den Spuren der Celliers reist der Film nach Rumänien und Bulgarien, um die Protagonisten von damals wieder zu finden und den Reichtum ihrer Musik wieder aufleben zu lassen. Im Kontrast der Begegnungen von damals und heute wird auf sinnliche Art und Weise ein Stück Zeitgeschichte erfahrbar.

Tanja Zimmermann: Der Balkan zwischen Ost und West
Mediale Bilder und kulturelle Prägungen

368 S., Abb., , geb., Böhlau 2013 (erscheint Herbst) 49,90 EUR
Der Balkan ist nicht nur ein Produkt der kulturellen und politischen Imaginationen des Westens, sondern entstand vielmehr im Fadenkreuz der Blicke aus Ost und West. Als Zwischenraum bot er sich für die Übertragung unterschiedlicher kulturpolitischer Entwürfe eines „dritten Raumes“ an – vom Niemandsland bis zum jugoslawischen „dritten Weg“. Die medialen Gestalten des Balkans zeigen den Übergang fester Stereotypen in entfesselte, imaginäre Phantasmen. Die Autorin untersucht Balkan-Narrative in unterschiedlichen Medien seit dem Niedergang der philhellenischen Begeisterung 1830 bis zur post-jugoslawischen Periode.

Karl Kaser: Andere Blicke
Religion und visuelle Kulturen auf dem Balkan und im Nahen Osten

372 S., Abb., geb., Böhlau 2013 (erscheint Herbst) 49,00 EUR
Der „pictoral turn“, der seit der Mitte der 1990er Jahre die Geistes-, Kultur- , Religions- und Sozialwissenschaften beeinflusst, hat in seiner Theoriebildung bislang eine primär auf die westliche Welt bezogene Perspektive eingenommen. Es ist eines der Ziele des Buches, die Theoriebildung aus einem anderen Blickwinkel – dem des Balkans und des Nahen Ostens – zu erweitern.

Wolfgang Mitter, Sonja Steier: Politische Bildung in Ost- und Ostmitteleuropa
130 S., Pb., Böhlau 2013 (erscheint Herbst) 19,90 EUR
Bildung als Voraussetzung einer gelingenden politischen Sozialisation der nachfolgenden Generationen bleibt vor allem eine Aufgabe der Institution Schule als wichtigster nationalstaatlicher Agentur. Dies gilt für jede moderne Gesellschaft, insbesondere aber für die Gesellschaften in Mittel- und Osteuropa. Doch wie steht es nach zwei Jahrzehnten der Transformation und angesichts neuer globaler Herausforderungen um das Demokratieverständnis und die politische Bildung in den postkommunistischen Ländern? Welche Antworten liefern Bildungseinrichtungen und ihre pädagogischen Programme oder andere Formen politischer Bildung zu einer nachhaltigen Demokratieerziehung? Die Beiträge widmen sich diesen Fragen sowohl mit Blick auf einzelne Länder als auch im europäischen Kontext.

Mirjana Stancic: Verschüttete Literatur
Die deutschsprachige Dichtung auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien von 1800 bis 1945

328 S., Pb., Böhlau 2013 (erscheint Herbst) 39,00 EUR
Bis an die mittlere Adria und die Ebenen von Save, Drau und Donau reicht der Wirkungsraum der Literatur in deutscher Sprache in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien: ein Schatz, der hier gehoben wird. Anastasius Grün, Friedrich von Gagern, Roda Roda, Victor Tausk, Wilma von Vukelich und Franz von Werner (Murad Efendi) sind einige herausragende Autoren dieses multiethnisch und mehrsprachig geprägten Raums.

Görres-Gesellschaft (Hrsg.): Jahrbuch für Europäische Ethnologie
Dritte Folge 8 – 2013: Ungarn

240 S., Pb., Ferdinand Schöningh 2013 (erscheint Herbst) 24,90 EUR
aus dem Inhalt: Zur gegenwärtigen Situation der ungarischen Ethnologie. Forschungsschwerpunkte, Institute und fachinterne Beziehungen; Kulturraum Ungarn. Der Volkskunde-Atlas von Ungarn und die Methode der Clusteranalyse; Die Erforschung sakraler Kleindenkmäler in der ungarischen Ethnologie; Pater Rochus, der ungarische Gassner. Exorzismus, Volksfrömmigkeit und Katholische Aufklärung in Südungarn um die Mitte des 18.Jahrhunderts; Die Heiligsprechungsverfahren der hl. Margarete (1242 – 1271) im frühen 20.Jahrhundert; Kelemen Mikes (1690 – 1761) – der ungarische Goethe; Die ungarischen Schwaben. Zentrale Aspekte ihrer Geschichte; Donauschwaben-Forschung; Die neuen Vertriebenendenkmäler in Ungarn; Ungarische Migranten in den USA; Die Familie als Hintergrund der Traditionspflege, u.a.

Emmy Abrahamson:
Widerspruch zwecklos – oder – wie man eine polnische Mutter überlebt

3 CD, 3 Std. 46 Min., Hörcompany 2013 12,99 EUR
Das Jugendhörbuch (ab 13 Jahren) der hr2-Hörbuchbestenliste im Juni. Hat man es als Teenager besonders schwer, wenn man eine polnische Mutter hat? Und wer diese Geschichte über Pickel, polnische Schwarzarbeiter und wodkagetränkte Hochzeitsfeiern hört, der kann Alicja bald verstehen. Wie gut, dass der Junge Ola sich durch die Mutter nicht vergraulen lässt. Wunderbare Geschichte, von Fritzi Haberlandt schwungvoll vorgetragen.

Michael Ehrke / Elmar Römpcyk: Der steinige Weg nach Europa
Die Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung in Serbien und in den baltischen Staaten

280 S., Pb., Dietz Verlag 2013 24,00 EUR
Die Autoren beschreiben den Übergang von der kommunistischen Zentralverwaltung zu Demokratie und Marktwirtschaft in Mittel-, Ost- und Südosteuropa am Beispiel Serbiens und der drei baltischen Staaten und das Engagement der Friedrich-Ebert-Stiftung in diesem Prozess. Ihr hohes Ansehen in Serbien verdankt die Friedrich-Ebert-Stiftung der Tatsache, dass sie während der Milosvic-Diktatur und des Kosovokrieges das Land nicht verlassen und sich zusammen mit Teilen der Opposition weiterhin für Demokratie und Menschenrechte eingesetzt hat. Deshalb konnte sie in der kurzen demokratischen Regierungszeit von Zoran Djindjic Serbiens Weg in die UNO, IWF und Weltbank unterstützend begleiten. Das Engagement der Friedrich-Ebert-Stiftung in Estland, Lettland und Litauen begann unmittelbar nach dem Zusammenbruch der UdSSR. Sicherheitspolitik hatte für die gerade unabhängig gewordenen baltischen Staaten damals oberste Priorität. Seit die drei Länder der EU und der NATO beigetreten sind stehen jedoch neue Themen im Vordergrund des Dialogs mit der FES, so vor allem Demokratieentwicklung, soziale Gerechtigkeit, Energiepolitik und – ganz besonders – die Beteiligung am europäischen Diskurs.

Michael Hofmann / Inga Pohlmeier (Hrsg.)
Deutsch-Türkische und Türkische Literatur
Literaturwissenschaftliche und fachdidaktische Perspektiven

204 S., Pb., Königshausen & Neumann 2013 28,00 EUR
Deutschtürkische und türkische Literatur als Herausforderungen für den Deutschunterricht; Islamische Mystik in Feridun Zaimoglus Erzählung „Der Kranich auf dem Kiesel in der Pfütze“; Othello in Bielefeld. Selbstfindungsprozesse in Nuran David Calis „Der Mond ist unsere Sonne“; Die Erweiterung des deutschen schulischen Kanons durch die deutsch-türkische Literatur – Grundlagen und Perspektiven; Migrationsliteratur von deutsch-türkischen Autoren. Entwicklung und Behandlung im Deutschunterricht; Literatur und Migration. Eine empirische Studie zum Stellenwert deutsch-türkischer Literatur bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund; Zwischen 1900 und 2000: moderne türkische Weltliteratur; Türkische Literatur von Frauen. Ein Leitfaden; Mario Levi: ein jüdischer und türkischer Autor.

Saniye Uysal-Ünalan: Literarische Begegnungen mit dem Islam
Neue Identitätskonstruktionen in der türkisch-deutschen Gegenwartsliteratur

180 S., Pb., Königshausen & Neumann 2013 (erscheint 4.Quartal) 28,00 EUR
Während gesellschaftspolitische und mediale Diskurse spätestens seit dem 11.September 2001 den Islam endgültig zum Zeichen der kulturellen Differenz „machen“ und somit ein Konstrukt „Muslim“ wie auch „Islam“ als identitätsstiftendes Fremdbild generieren, arbeiten fiktionale Texte von türkisch-deutschen Schriftstellern diesem Abgrenzungsdiskurs vehement entgegen. Die türkisch-deutsche Gegenwartsliteratur scheint auf den medialen sowie öffentlichen Islam-Diskurs zu reagieren, indem sie präsente Imagines über den Islam übernimmt und diese kritisch widerspiegelt, aber auch nicht beachtete Dimensionen des Islam thematisiert, die so gar nicht mit den geläufigen Bildern kompatibel sind. So bringen die Texte von Zafer Senocak und Feridun Zaimoglu Facetten des Islam zum Vorschein, die eine implizite wie auch explizite Reaktion auf die medialen und gesellschaftlichen Islam-Konstruktionen darstellen und auch einen Anstoß zur kritischen Auseinandersetzung wie auch Reflexion im Umgang mit dem Islam vermitteln. Zum anderen bieten die Islam-Konstruktionen dieser beiden Autoren eine Basis für neue Identitätskonstruktionen im Sinne des „Neuen Deutschen“, innerhalb derer konträre Kategorien wie „deutsch“ und „muslimisch“ miteinander diskursiv in Beziehung gesetzt werden. Auf diese Weise werden Verhandlungsräume erschlossen, die einen Dialog zwischen dem Deutschen und dem Türkischen bzw. dem Islam möglich machen.

Songs of Gastarbeiter # 1
CD-Digipack mit Booklet, Trikont 2013 (erscheint Oktober) 17,99 EUR
Zusammengestellt von AYKU – das sind der Berliner Autor Imran Ayata und der Münchner Künstler Bülent Kullukcu. Die beiden wühlten in Archiven, durchforsteten Musiksammlungen ihrer Eltern und Bekannten, nervten Freunde und Fremde, um Songs der ersten Einwanderergeneration zu finden. Erstes Zwischenergebnis: über hundert Lieder, die von den ersten Jahrzehnten der Einwanderung in Almanya handeln. Eine Auswahl dieser Songs findet sich auf „Songs of Gastarbeiter # 1“, das Musiker aus der Türkei präsentiert. Ayata und Kullukcu geht es bei ihren Compilations weder um Vollständigkeit noch um ein Potpourri der Repräsentation. Ihr Kritierium ist ein einfaches: „Sie wählen Songs aus, die ihnen gefallen. AYKU heben musikalische Schätze, die Musikliebhabern in Deutschland kaum bekannt sein dürften und der Gefahr ausgesetzt sind, verloren zu gehen. Die allermeisten Songs ließen AYKU unberührt, bei einigen entschied sich das Duo für Remixe. Den Musiker Ozan Ata Canani baten die beiden, seinen Ohrwurm „Deutsche Freude“ im Studio neu aufzunehmen, weil von diesem Juwel keine hochwertige Aufnahme existierte. Die Lieder auf „Songs of Gastarbeiter # 1“ greifen Arbeitsbedingungen in den Fabriken auf. Sie erzählen vom Leben in Wohnheimen und dem neuen Alltag in Deutschland. Und immer wieder geht es um Sehnsucht und Liebe. Bemerkenswert auf diesem Album ist auch die musikalische Bandbreite der Songs. Mal reduziert auf Gesang und Saz, dann funky und groovige Tanzmusik oder ein musikalischer Rückgriff auf die deutsche Nationalhymne. Mit dabei u.a. Cem Karaca, Derdiyoklar, Seldar Bagcan, Özdemir Erdogan, Ozan Ata Canani, Gurbetci Riza, Asik Metin Türköz, Gülcan Opel.

Metin Eloglu: Fast eine Geschichte
173 S., binooki 2013 15,90 EUR
“Hätt ich nicht meinen gesunden Menschenverstand, ich könnte glatt verrückt werden. Da haben wir schon eine ganze Zeitlang Sommer, und trotzdem macht sich ein Wetter breit wie im tiefsten Februar. Am hellen Tage eine öde mitternächtliche Dunkelheit. Ich habe das Fleisch durch das Brot dividiert, das Ergebnis: Hunger. Ich konnte kaum sagen, warum das so war, aber obwohl ich in eine warme wattierte Jacke gehüllt war, ist mir plötzlich ganz kalt geworden, so ohne dich. Als ob ich erfrieren würde. Dabei hatte ich mit dem Trinken erst begonnen, als es bereits Tag wurde. Ist ja egal, was ich da soff. Schon der erste Schluck war mir verleidet; ich suchte einen ganz anderen neuen Geschmack; etwas, das noch niemand hatte kosten können, vielleicht etwas, das an einen leicht trüben, entfernten Himmel erinnerte, den man von den Fenstern aus nicht sehen konnte.”Die Erzählungen von Metin Elolu werfen kurze Schlaglichter auf eine längst vergangene Türkei und die Schattenseiten der Seelen ihrer Bewohner. Die Verlassenen, die Armen, Einsamen, die Trinker, Spieler und Träumer finden mit ihren Sehnsüchten Platz in diesem Buch – die Sehnsucht nach einem Leben, das mehr kennt als die aussichtslose Suche nach großem Glück oder Kleingeld für den Tag. In den abgelegenen Dörfern und den anonymsten Winkeln der großen Städte zeichnet Elolu Wege durchs Leben nach, ohne ihnen bis ans glückliche Ende zu folgen. Die Beobachtungen biegen vorher ab, brechen ab, lassen ungewisse Traurigkeit zurück und sind fast eine Geschichte.

Maria Skiadaresi: Das Herz nach Istanbul tragen
294 S., geb., Größenwahn Verlag 2013 (erscheint Herbst) 22,90 EUR
Orestis fliegt mit begründeter Angst geschäftlich nach Istanbul, dort lauert die Vergangenheit: Kindheit in Athen, Studium in England und eine Studienreise in die Türkei, die ihm das Unerwartete brachte: Murad – die Liebe seines Lebens. Nichts ist jemals für ihn klar geworden, nicht einmal die sexuelle Orientierung. Eine Liebeserklärung an Istanbul und eine Ode an die Liebe, die über Geschlecht und Nationalität steht, sich weder um sozialen Status noch um Ideologie schert und in jedem Körper ein zuhause finden kann, weiblich oder männlich – die Liebe kennt keine Unterschiede.

Mulis Ari / Christoph Straßer: Sie nannten mich Mehmet
Geschichte eines Ghettokindes

250 S., geb., riva 2013 (erscheint Oktober) 19,99 EUR
Neuer Zündstoff für das Brennpunktthema Migranten zwischen Kriminalität und perfekter Integration am Beispiel eines brisanten und berühmten Rechtsfalls, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte und wieder sorgen wird. Abgeschoben mit 14 Jahren – sein Fall bewegte die Republik. Muhlis Ari wurde in den 90er-Jahren als „Crime-Kid“, „Horror-Kid“, „Klaukind“ und „Schrecken von Neuperlach“ landesweit bekannt. Der Sohn türkischer Einwanderer, geboren in München, hatte bis zu seinem 14.Lebensjahr mehr als 60 Straftaten begangen, und galt als schwer erziehbar. Die Behörden gaben dem jugendlichen Serientäter das Pseudonym „Mehmet“, um ihn vor der Öffentlichkeit zu schützen. Dieser Name wurde zum Symbol für eine gescheiterte Integration und einen überforderten, ausländerfeindlichen Rechtsstaat, der das Kind schließlich minderjährig und ohne seine Eltern in die Türkei abschob. Mehmet sprach damals zwar bayrischen Dialekt, aber kein türkisch – die Türkei kannte er nur aus dem Urlaub. Authentisch und ohne zu beschönigen schildert „Mehmet“, der heute 28 Jahre als ist und noch immer unfreiwillig in der Türkei lebt, in diesem Buch, wie es so weit kommen konnte, dass er wie ein Staatsfeind des Landes verwiesen wurde, und erklärt, weshalb er unbedingt wieder nach Deutschland zurück will.

Andreas Herzau: Istanbul
144 S., geb., Hatje Cantz 2013 Sonderausgabe anstatt 35,00 EUR nur 14,95 EUR
Mit einem Essay der bekannten türkischen Schriftstellerin Elif Safak. Die Diskussion um einen möglichen EU-Beitritt der Türkei veranlasste Andreas Herzau (geb. 1962 in Mainz), sich dem Land an der Grenze zwischen Europa und Asien in einer fotografischen Spurensuche zu nähern. In Istanbul konzentrieren sich Herausforderungen und Chancen einer Metropole zwischen Tradition und Erneuerung. Die Aufnahmen zeigen etwa Arbeiter auf der Fähre von einem Kontinent zum anderen, Muslime im Gebet, Menschen vor Schaufenstern und Modeplakaten oder Szenen des pulsierenden Kunstmarkts. Dem Genre der Straßenfotografie verpflichtet, taucht der Künstler ins öffentliche Leben ein und erkundet die Stadt zu Fuß – sehend, laufend, wartend.

Materialdienst. Zeitschrift für Religions- und Weltanschauungsfragen 6/13
Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen 2013 3,00 EUR
u.a.: Der Boom des Irrationalen – Zur Psychodynamik alternativer Glücksrezepte (was auch als Folge der großen Migrationsbewegungen in Europa zu erklären sei); Ein Reiseführer ins Jenseits? – das tibetische Totenbuch; Islam – Schura in Rheinland-Pfalz gegründet

Materialdienst. Zeitschrift für Religions- und Weltanschauungsfragen 7/13
Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen 2013 3,00 EUR
mehrere Berichte zur Auseinandersetzung mit humanistischen und atheistischen Gruppen, Wie viel Religion verträgt der Staat?, Islamkritik und Islamfeindlichkeit

Blätter für deutsche und internationale Politik 6/13
Blätter Verlag 2013 9,50 EUR
u.a.: Dirk Niebel – Die Entwicklungsbremse; Tunesischer Herbst – Das Ringen um die Frauenrechte; Machtkampf im Sahel – Mali und die Folgen; Propaganda und Märtyrertum – Drei Jahrzehnte Videodschihad; China vor der Revolution? – die Kommunistische Partei und die Korruption; Kolonialismus auf Samtpfoten – Die Handelspolitik der Europäischen Union; Das Regime der Prekarisierung – Europas Politik mit Schuld und Schulden; Die große Transformation der Religionen

Hamideh Mohagheghi / Klaus von Stosch (Hg.)
Gewalt in den heiligen Schriften von Islam und Christentum

240 S., Pb., Ferdinand Schöningh 2013 (erscheint Herbst) 29,90 EUR
In den gesellschaftlichen und politischen Diskussionen wird oft eine direkte Beziehung zwischen Religion und Gewalt erörtert, die darauf zielt, die Religion schlechthin als Ursache der Gewaltbereitschaft anzuprangern. Die Quellen der monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam beinhalten ein Gewaltpotential, das im Laufe der Geschichte immer wieder von ihren Anhängern instrumentalisiert wurde. Diese Quellen können wir verstehen, wenn wir an ihre Aussagen nicht mit unserer heutigen Denkweise herangehen, sondern versuchen, sie aus der Perspektive ihrer Entstehungszeit zu erfassen. In diesem Buch haben sich christliche und muslimische Theologinnen und Theologen dem Thema Gewalt in der Bibel und im Koran gestellt. Anhand von Textbeispielen und hermeneutischen Zugangsweisen werden die Probleme angesprochen und Möglichkeiten zum Verständnis und zur Auslegung erörtert.

Wolfgang Gehrcke / Christiane Reymann (Hg.)
Syrien – Wie man einen säkularen Staat zerstört
und eine Gesellschaft islamisiert

187 S., Papyrossa 2013 9,90 EUR
Längst ist in Syrien der anfangs friedliche Protest in einen von außen geschürten und finanzierten bewaffneten Aufstand übergegangen, der einem demokratischen Wandel die Luft abwürgt. Medial und politisch werden im Westen nur jene Kräfte wahrgenommen, die den gewaltsamen Sturz von Baschar al-Assad betreiben. Andere Stimmen finden kein Gehör. Ebenso wenig wird die Frage erörtert, wie und unter welchen Bedingungen festgestellt werden kann, was eine Mehrheit der Syrer will. Das vorliegende Buch skizziert Wege zur Beendigung der Gewalt und zu Verhandlungslösungen. Namhafte syrische Regierungskritiker beleuchten aus eigener Erfahrung Aufgaben und Chancen gewaltfreier demokratischer Opposition. Autorinnen und Autoren aus Ägypten, Libanon und Deutschland ordnen den Syrienkonflikt in die Geschichte des Nahen und Mittleren Ostens und untersuchen seinen Stellenwert in der Politik der USA, der NATO, der Bundesrepublik, Israels und der aufstrebenden Regionalmacht Türkei.

Kambiz Djalali: Das Fremde ist dem Eigenen zu Eigen
Die klassische persische Dichtung im deutsch-französischen Raum
des 19.Jahrhunderts

440 S., Pb., Königshausen & Neumann (erscheint 4.Quartal) 49,80 EUR
Der Band analysiert einen trilateralen Kulturtransfer. Er wird als interkulturelle Vermittlung von persischer Lyrik verstanden, die auf drei Untersuchungsebenen beschrieben wird: Zunächst selektieren deutsche und französische Orientalisten, Dichter und Diplomaten das Werk gewichtiger persischer Dichter und würdigen dessen ästhetische Qualität. Die daraufhin einsetzenden deutsch-französischen Rezeptionsprozesse der klassischen persischen Dichtung erfolgen institutionell, medial und individuell. Sie vollziehen sich in deutschen und französischen Übertragungen, in Nachahmungen, in Formen kultureller Adaptionen und in Kommentarformen. Das Buch wendet den methodischen Ansatz des Kulturtransfers auf eine trilaterale Konstellation an und berücksichtigt wirtschaftliche, politische, ideologische und emotionale Antriebskräfte von deutsch-französischen Rezeptionsprozessen der klassischen persischen Dichtung im deutsch-französischen Raum des 19.Jahrhunderts. Es stellt sich in der Untersuchung heraus, dass das Fremde dem Eigenen stets zu Eigen ist.

Beatrice Minda – Iran. Interrupted
152 S., 92 Abb., geb., Hatje Cantz 2013 (erscheint Juli) 38,00 EUR
Privathäuser in Iran: Einblicke in eine verborgene Welt. Beatrice Minda (geb. 1968 in München) beschäftigt sich immer wieder mit dem Verhältnis von privatem Raum, Erinnerung und Geschichte. Nach der ausdrucksstarken Erkundung rumänischer Interieurs in ihrem Bildband „Innenwelt“ reist die Künstlerin für ihre neue Arbeit in die Islamische Republik Iran. Dort taucht sie in die weitgehend unbekannte Welt privater persischer Wohnräume und Innenhöfe samt ihren Abschottungen durch Gitter, Mauern oder undurchlässige Vorhänge ein. In einem Land mit mehrtausendjähriger Geschichte folgt Beatrice Minda dabei der Fährte einer teils massiv verschütteten Tradition und identifiziert – trotz aller historischen Brüche – verborgene Zeichen von Kontinuität. In den sensiblen Farbbildern wird sicht- und spürbar, wie sich die gegenwärtige Geisteshaltung der Bewohner ebenso wie historische, kulturelle und soziale Zusammenhänge im Privatraum spiegeln. Subtil kommt dabei die gesellschaftspolitische Dimension von „Iran.Interrupted“ zum Ausdruck.

Der Iran Job – Die Geschichte eines amerikanischen Baseballspielers im Iran
Ein Dokumentarfilm von Till Schauder FSK 12

DVD, 91 Min. Good Movies 2013 (erscheint September) 19,99 EUR
2008 nimmt der amerikanische Basketballspieler Kevin Sheppard das Angebot an, in der Iranian Super League zu spielen und stellt sich einer großen Herausforderung: Er soll das neu gegründete blutjunge Team A. S. Shiraz in die Playoffs führen. Während die Spannungen zwischen dem Westen und dem Iran zunehmen und die Eskalation kurz bevor zu stehen scheint, versucht Kevin, zwischen Sport und Politik zu trennen. Er muss feststellen, dass dies im Iran unmöglich ist. In dieser Zeit macht er die Bekanntschaft dreier unabhängiger und selbstbewusster Iranerinnen. Durch sie wird Kevins Wohnung zu einem Ort offener Diskussionen über Politik, Religion und Geschlechterrollen. Kevins Saison im Iran gipfelt in etwas Größerem als Basketball: in der aufkommenden und anschließenden Unterdrückung der „grünen Revolution“ im Iran.

Ein Augenblick Freiheit – Leben ist mehr als nur Sein
Ein Film von Arash T. Riahi FSK 12

DVD, 110 Min., Good Movies 2013 (erscheint Oktober) 19,99 EUR
Der Film erzählt die tragikomische Geschichte von drei Flüchtlingsgruppen: zwei ungleichen Freunden, einer Familie mit einem kleinen Jungen und zweier junger Männer, die zwei Kinder aus dem Iran zu ihren Eltern nach Wien bringen sollen. Alle treffen sich in einem Hotel in Ankara, um dort auf den positiven Bescheid ihrer Asylanträge zu warten. Der Film erzählt mit viel Facetten von den ersten freien Atemzügen nach einer langen Phase der Repression. Er erzählt vom Mut, sich auf die Suche nach einem besseren Leben zu machen. Und er wirft einen exemplarischen Blick auf das, was vor den Grenzen der EU geschieht. „Ein Augenblick Freiheit“ enthält genug dramatischen Stoff für eine ganze Reihe von Filmen, aber Fares Fares („Kops“, „Jalla! Jalla!“) in der Rolle des daueroptimistischen kurdischen Lebenskünstlers Manu macht den Film zu einer unvergleichlichen Gratwanderung zwischen Drama und Komödie.

5 Jahre Leben FSK 12 – Ein Film von Stefan Schaller
DVD, 96 Min., Good Movies 2013 (erscheint Dezember) 19,99 EUR
Der Film basiert auf der wahren Geschichte des Deutsch-Türken Murat Kurnaz, der insgesamt fünf Jahre von den USA in Afghanistan und Guantanmo gefangen gehalten wurde. Er ist nicht nur die Chronik eines unvorstellbaren Missbrauchs, sondern zeigt auch den Überlebenswillen eines Mannes, dem man alles genommen hat. Zugleich schildert der Film das Duell zweier außergewöhnlich starker Persönlichkeiten. Auf der einen Seite Murat Kurnaz, der seinem Leben einen neuen Sinn geben wollte, als er sich dem Islam zuwandte und nach dem 11.September nach Pakistan aufbrach, um eine Koranschule zu besuchen. Auf der anderen Seite Gail Holford, Verhörspezialist der US-Regierung, der alle Tricks von Manipulation bis Einschüchterung beherrscht und dessen Hauptziel es ist, Kurnaz ein Geständnis zu entlocken. Aber Kurnaz hat nichts zu gestehen, er ist unschuldig. So verstreichen Monate – Monate voller psychischer und physischer Folter – bis Kurnaz begreift, dass seine Weigerung, ein Geständnis zu unterzeichnen, das Einzige ist, was ihm bleibt.

Elfriede Paulenz: Die Frau des Islamisten
294 S., novum verlag 2013 14,10 EUR
Das Buch zeigt auf, wie sich islamistischer Terror, zunächst unbemerkt, in einer renommierten Hamburger Bürgerfamilie einnistet und dort Unheil verbreitet.

Rudolf A. Mark: Krieg an fernen Fronten
Die Deutschen in Zentralasien und am Hindukusch 1914 – 1924

304 S., geb., Ferdinand Schöningh 2013 (erscheint Herbst) 58,00 EUR
Einsatzgebiet Hindukusch – nicht erst für die Bundeswehr! Die muslimischen Völker der Region sollten während des Ersten Weltkriegs auf oft abenteuerlich erscheinende Weise zum Dschihad gegen Russland und Großbritannien aufgestachelt werden. Rudolf A. Mark schildert in seinem neuen Buch kaum bekannte deutsche Aktivitäten in Zentralasien während der ersten Jahrzehnte des 20.Jahrhunderts. Eine deutsche Geheimmission ins unter britischem Einfluss stehende Afghanistan war Teil dieser Bestrebungen. Auch Zehntausenden in Russisch-Turkestan inhaftierter österreichisch-ungarischer und deutscher Kriegsgefangener war eine Rolle in den Aufstandsplanungen zugedacht. Nach der Oktoberrevolution versuchten deutsche Politiker und Militärs, die nach Autonomie und Unabhängigkeit strebenden Muslime zwischen Wolga und Hindukusch zur machtpolitischen Eindämmung Russlands und zum weltwirtschaftlichen Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Kriegsende zu instrumentalisieren. Auch wenig bekannten Quellen und erstmals erschlossenem Archivmaterial vielfältiger Provenienz rekonstruiert der Autor die damaligen Pläne und Ereignisse. Ein vergessenes Kapitel deutscher Macht- und Großmachtpolitik!

Christian Koller: Die Fremdenlegion
Kolonialismus, Söldnertum, Gewalt 1831 – 1962

252 S., geb., Ferdinand Schöningh 2013 (erscheint Herbst) 29,90 EUR
Memoiren, Romane, Filme und Propagandaschriften haben den Ruf der Fremdenlegion als Sammelbecken von Kriminellen und Aussteigern, als sadistisch-militärische Hölle oder als exotische Lebenswelt romantischer Helden verbreitet. Christian Kollers faszinierendes Buch liefert die erste auf aktuellen sozial- und kulturgeschichtlichen Zugängen basierende Beschreibung dieser Söldnertruppe. Gestützt auf Selbstzeugnisse, Archivalien und Quellen zu den politischen und medialen Diskussionen über die Legion, beschreibt er deren Rolle als Instrument des Kolonialimperialismus, ihre nationale und soziale Zusammensetzung, ihre Darstellung und Mythisierung in Politik, Medien und Kultur. Auch die Identitätspolitik der Fremdenlegion, der eigene Blick der Legionäre auf Hierarchie, Disziplin, Kameradschaft, den mysteriösen „Cafard“, Alkohol, Prostitution und Homosexualität werden eingehend behandelt. Darüberhinaus findet das Verhältnis der Legionäre zu den kolonisierten Bevölkerungen eingehend Berücksichtigung – von kriegerischen Aufeinandertreffen bis zu mehr oder weniger gewaltgeprägten sexuellen Beziehungen.

Die Jungfrau, die Kopten und ich
FSK 12 – Ein Dokumentarfilm von Namir Abdel Messeh

DVD, 85 Min., good movies 2013 (erscheint Oktober) 19,99 EUR
Namirs Mutter ist eine koptische Christin. Sie ist überzeugt, dass sie auf einem Video aus ihrer ägyptischen Heimat eine Erscheinung der Jungfrau Maria gesehen hat. Ihr Sohn, der säkular in Frankreich aufgewachsen ist, will über das Phänomen einen Film drehen und reist zu seinen ägyptischen Verwandten. Er will den Zusammenhang zwischen der ägyptischen Zeitgeschichte und den Marienerscheinungen der koptischen Minderheit aufzeigen. Doch es gibt diverse Hindernisse: seine Eltern, die sich in den Film einmischen und seine Ideen kritisieren, sein französischer Produzent, der alle paar Wochen Änderungen vorschlägt, und nicht zuletzt das koptische Heimatdorf selbst. In schierer Verzweiflung beschließt Namir, seine eigenen Marienerscheinungen für den Film zu inszenieren. Aber dazu braucht er die Hilfe der Dorfbewohner und seiner Mutter, die, eigens angereist, am Set ungeahnte

Silvena Rowe: Orient Express
Unkomplizierte und schnelle Rezepte aus der orientalischen Küche

208 S., 82 Farbfotos, geb., AT Verlag 2013 (erscheint August) 24,90 EUR
Über 100 orientalische Köstlichkeiten, leicht, wohlschmeckend und schnell zubereitet. Geeignet für leichte Sommertage oder eine festliche Mezze-Tafel. Kraftvolle Aromenkombinationen mit modernem Touch. Dieses Buch ist ideal für alle, die nicht viel Zeit haben und dennoch die leichte, schmackhafte nahöstliche Küchen genießen möchten. Nach ihrem erfolgreichen Erstling „Granatapfel, Sumach & Zitrusduft“ geht es hier um all die delikaten kleinen Köstlichkeiten, wie man sie auf den Straßen und Märkten von Istanbul oder Damaskus findet: Köfte, Falafel und Pilaws, aber auch Süßes wie Vanille-Baklava oder Scholkoladen-Pistazien-Mousse. Mehr als 100 neue Rezepte, die sich für leichte Sommermahlzeiten ebenso eignen wie für eine große festliche Mezze-Tafel. Von der osmanischen Küche inspirierte Kreationen, in denen sich Honig mit Zimt, Safran mit Sumach vereinen und so Süßes mit Säuerlichem verschmilzt – gekonnt und mit einem meisterhaften modernen Touch für westliche Genießer umgesetzt. Eine unwiderstehlich leichte Küche mit eleganten und raffinierten Gerichten, die zugleich durch kraftvolle Aromen und ausgewogene Texturen bestechen.

Tom Franz: So schmeckt Israel
Meine Lieblingsrezepte aus der israelischen Küche,
gewürzt mit einer Prise Heimat

200 S., 100 Farbfotos, geb., AT Verlag 2013 (erscheint September) 24,90 EUR
Die kulinarische Welt Israels: eine Symphonie von Gerüchen, Aromen und Kulturen. Alle Sinne inspirierenden einfach nachzukochende Rezepte. Kochen hat für Tom Franz in erster Linie etwas zu tun mit Freude und der puren Lust am Leben. Speisen sind für ihn „Nahrung für die Seele“. Dabei entpuppt sich das Land, das zu 65 % aus Wüste und dem Toten Meer besteht, als ein wundersamer Garten Eden – mit Gemüse und Obst, das einen legendären Ruf besitzt. Ein Schlaraffenland. In diesem Buch öffnet Tom Franz einen Spalt zur Israelküche, die sich aus zahlreichen Erinnerungen an den heimatlichen Herd eingewanderter Juden speist. Israel ist ein kulinarischer Schmelztiegel. Immigranten aus ganz Europa, Russland und den USA, dem Fernen und Mittleren Osten haben das Land mitgeprägt. Mediterrane Zutaten, traditionell jüdische Küche, arabische Gewürze, moderne Rezepte: Diese ungeheure Vielfalt und diese unterschiedlichen Elemente verbinden sich zu spannenden Kombinationen. In Sachen Kulinarik ist Israel ganz auf der Höhe der Zeit. Sie zeichnet sich aus durch ihre Innovationsfreude und ihre Fähigkeit, über den Tellerrand zu schauen und fremde Elemente aufzunehmen. Ein ungewöhnliches Buch, ein großartiges Buch! Lasst uns Brücken bauen!

Alternative Tourism Group: Palästina Reisehandbuch
Geschichte – Politik – Kultur – Menschen – Städte – Landschaften

664 S., über 800 Farb- u. sw-Fotos, 60 politisch-historische Karten und Stadtpläne
geb., Palmyra Verlag 2013 29,90 EUR
Ein hochaktuelles Standartwerk! Das heilige Land beziehungsweise Israel/Palästina ist der Ursprungsort der drei großen monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam. Das Land zwischen dem Mittelmeer und dem Toten Meer ist daher bereits seit Jahrhunderten eines der weltweit bedeutendsten Pilger- und Reiseziele. Der Tourismus in den palästinensischen Gebieten Westjordanland, Gazastreifen und Ostjerusalem ist seit 1967 hauptsächlich geprägt von israelischen und ausländischen Reiseveranstaltern, die sich auf Israel beschränken und den besetzten Gebieten sowie den Palästinensern nur geringe Beachtung schenken und die Touristen meist nur sehr einseitig über die palästinensische Seite informieren. Ähnliches gilt für einen Großteil der Reiseliteratur über Israel: Palästina kommt – wenn überhaupt – nur am Rande oder als Teil Israels vor. Dem möchte diese Publikation entgegenwirken. Sie ist auf dem deutschsprachigen Markt die erste Veröffentlichung, die Palästina dezidiert aus palästinensischer Sicht darstellt. Neben der Beschreibung der wichtigsten Landschaften und Städte wie Jerusalem, Bethlehem, Hebron, Nablus und Gaza sowie der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten, vermittelt das Buch vor allem ein umfassendes Bild der Geschichte, Politik und Kultur der palästinensischen Gesellschaft mit ihren schwierigen Lebensbedingungen unter der de facto immer noch bestehenden israelischen Besetzung (Flüchtlingslager, Checkpoints, Trennmauer, israelische Siedlungen u.a.). Ein weiterer Schwerpunkt des Reisehandbuchs ist die „Nakba“, die Vertreibung und Flucht der Palästinenser 1948. Der Idee eines „Kulturtourismus“ folgend, widmet sich das Buch auch ausführlich den Begegnungsmöglichkeiten zwischen Touristen und Palästinensern. Ergänzt wird der Inhalt durch über 800 Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos sowie einen umfangreichen Info- und Serviceteil mit vielen praktischen Tipps, Karten, Stadtplänen, Webguide und nützlichen Adressen. Als Standartwerk richtet sich das Buch nicht nur an politisch, geschichtlich, kulturell oder religiös interessierte Reisende, sondern an alle, die grundsätzlich mehr über Palästina und die Palästinenser erfahren möchten. Die Alternative Tourism Group (Gruppe für Alternativtourismus, ATG) ist eine in Beit Sahour bei Bethlehem ansässige Nichtregierungsorganisation (NGO), die für Touristen Reisen und Begegnungen in Palästina organisiert. 2007 war die ATG Preisträgerin beim „ToDo! – Wettbewerb für sozial verantwortlichen Tourismus“.

The Invesible Men FSK 12 – Ein Dokumentar-Film von Yariv Mozer
DVD, 69 Min., good movies 2013 (erscheint Oktober) 19,99 EUR
Der Film erzählt die Geschichte von drei schwulen Palästinensern, die aus ihrem ursprünglichen Lebensumfeld fliehen mussten und sich jetzt illegal in Tel Aviv aufhalten. Louie, 32, der sich seit acht Jahren in Tel Aviv versteckt; Abdu, 24, der in Ramallah geoutet wurde und daraufhin von den palästinensischen Sicherheitskräften der Spionage beschuldigt und gefoltert wurde; und Faris, 23, der von der West Bank nach Tel Aviv vor seiner Familie floh, die ihn töten wollte. Um zu überleben, suchen sie Asyl in Drittländern, jenseits von Israel und ihrer Heimat Palästina…

Insa Meinen / Ahlrich Meyer: Verfolgt von Land zu Land
Jüdische Flüchtlinge in Westeuropa 1938 – 1944

352 S., geb. Ferdinand Schöningh 2013 (erscheint Herbst) 39,90 EUR
Geflohen und doch deportiert. Fluchten als Reaktion auf Verfolgung und Deportation zählten zu den wichtigsten Überlebensstrategien der Juden während der Zeit des Nationalsozialismus. Insa Meinen und Ahlrich Meyer begeben sich auf die Spuren von Juden aus Deutschland und Österreich, die ab 1938 vor der antisemitischen Gewalt nach Belgien flüchteten. Auch berichten sie erstmals über die schon im Zeichen des Genozid stehenden Fluchten von Juden innerhalb Westeuropas ab 1941/42. Der Leser bekommt ein eindrückliches Bild davon, welche immer neueren Anstrengungen die Menschen auf sich nahmen, um sich und ihre Familien vor dem Untergang zu bewahren. Im Mittelpunkt stehen die Rettungsversuche der vielen „namenlosen“ jüdischen Flüchtlinge. Ihre Schicksale werden aus verstreuten Akten, Karteien und Transportlisten der Todeszüge nach Auschwitz erschlossen. Das Buch würdigt diejenigen, die der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik zum Opfer fielen und über deren Widerstand bislang kaum etwas bekannt war.

Amos Oz: Unter Freunden
215 S., Suhrkamp 2013 18,95 EUR
In seinem neuen Erzählungsband knüpft Amos Oz an seine großen Erfolge an und kehrt zu seinen Wurzeln zurück, zu der Zeit, die ihn am meisten inspiriert hat: seine Kibbuz-Jahre. Die acht Erzählungen spielen im fiktiven Kibbuz Ikat und zeichnen prägnante und feinfühlige Porträts von Frauen und Männern, die ihren ganz eigenen Träumen und ihrem eigenen Schmerz nachhängen, immer im Schatten des großen Traums vom Kollektiv. Da ist Zvi, der pessimistische Gärtner, der alle im Kibbuz mit aktuellen Katastrophenmeldungen versorgt; David, der Lehrer, der die Frauen liebt; Nina, eine eigensinnige junge Frau, die es keine Nacht mehr mit ihrem Mann aushält; und Martin, ein Schuster, der den Holocaust überlebt hat. Oz tastet sich behutsam an seine Figuren heran, beobachtet sie, ihre Ängste, Hoffnungen und Sehnsüchte mit nüchternem Blick und mit großer Empathie. Jede dieser Geschichten ist ein literarisches Kleinod, alle zusammen ergeben sie ein Porträt einer großen Idee und einer ganz spezifischen Zeit.

Yoram Kaniuk: 1948
248 S., geb., Aufbau 2013 19,99 EUR
„Wir waren wie Kinder, geradezu unverschämt jung. Einfaltspinsel waren wir, Partisanen.“
Dies ist die Geschichte eines jungen Mannes, der voller Heldenmut die Schule verlässt und kurz darauf dem Tod in die Arme läuft. Der im Mut die Sinnlosigkeit erkennen muss, die historische Schuld bei allem Recht, die Naivität im Heroismus. Fünf Jahrzehnte konnte der große israelische Schriftsteller Yoram Kaniuk nicht über seine Erlebnisse im Unabhängigkeitskrieg von 1948 schreiben. Jetzt erzählt er in unwiderstehlich schönen Bildern und schockierenden Momentaufnahmen von dem Kampf, der zur Entstehung des Staates Israel führte. Mit historischer Karte, Zeittafel, Glossar und einem Porträt des Autors im Anhang. „Kaniuk hat sich nie gescheut, bis an die Grenze des Sagbaren zu gehen, und manchmal darüber hinaus.“ FAZ

Yehudit Sasportas – Seven Winters
224 S., 160 Abb., Pb., Hatje Cantz 2013 (erscheint August) 30,00 EUR
Monografie zu jüngeren Arbeiten der israelischen Künstlerin. Den Schwerpunkt dieser Publikation bilden Werke von Yehudit Sasportas (geboren 1969 in Ashdod, Israel) aus den letzten zehn Jahren. Neben sechs Skulpturen sind das die riesigen, dramatischen Tuschezeichnungen und Aquarellsskizzen der Serie „Shichecha“ der in Berlin lebenden Künstlerin, die ihre besondere Arbeitsweise erkennen lassen und hier zum ersten Mal reproduziert werden. Sie beziehen sich motivisch auf ein Moor in Norddeutschland und kreisen wie ein Mahlstrom um die Prozesse des Vergessens und Erinnerns. Zudem dokumentiert der Band ein Video von Yehudit Sasportas, das sich dem Ausstellungsensemble in Jerusalem widmet und die gesamte Installation in unterschiedlichen skulpturalen Zusammenhängen präsentiert. Die Künstlerin möchte mit ihrer Arbeit visuelle Brücken bauen und Rohmaterial heben, das in der Seele des Betrachters verborgen liegt. Sie demonstriert in ihrem Werk ein fortgesetztes Interesse daran, tiefere, verschüttete Schichten aufzudecken und deren politische, soziale und spirituelle Bedeutung für die sichtbare Welt „über Tage“ zu enthüllen.

Martin Hofbauer / Philipp Münch: Mali
272 S., Pb., Ferdinand Schöningh 2013 (erscheint Herbst) 14,90 EUR
Dieser neue „Wegweiser zur Geschichte“ bietet Hintergrundwissen zu Geschichte, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Malis, ohne das die aktuellen Ereignisse dort nur schwer einzuordnen sind. Über Jahrzehnte galt der westafrikanische Staat als politische „Vorzeigedemokratie“ auf dem Kontinent. Nur wenige kulturinteressierte Reisende und moderne Abenteurer suchten die Große Moschee des UNESCO-Weltkulturerbes in Djennè auf, besuchten das legendäre Timbuktu oder ließen sich von der atemberaubenden Schönheit der Wüste in ihren Bann ziehen. Mit dem Militärputsch in der Hauptstadt Bamako im März 2012 und dem Aufstand bewaffneter Gruppen im Norden des Landes änderte sich die Situation schlagartig. Der Einsatz französischer Streitkräfte im Januar 2013 dynamisierte die Situation noch weiter. Mali trat in das Blickfeld der Weltöffentlichkeit. Hier findet der Leser verständliche und zuverlässige Informationen über die historischen, politischen sowie kulturellen Zusammenhänge in der Krisenzone. Namhafte Fachwissenschaftler und andere ausgewiesene Sachkenner stellen die Entwicklungen bis zur Gegenwart übersichtlich dar. Der Band ist durchgehend mit farbigen Karten und Abbildungen sowie einem Serviceteil ausgestattet, der eine Zeittafel, Literaturtipps und Internetlinks umfasst.

Ahmadou Kourouma: Monnè. Schmach und Ärger
332 S., Diaphanes 24,80 EUR
Mit Hexerei, islamischen Gebeten, exzessiven Opfergaben und dem Bau eines massiven Schutzwalls will König Djigui Keita sein vollendetes Reich vor den vorrückenden französischen Eroberern schützen. Doch eines Tages steht plötzlich eine französische Kolonne vor ihm, die völlig unbehelligt über den verzauberten Hügel geritten kam und nun freundlich grüßt. Der intrigante Übersetzer, den die Franzosen mitbringen, gehört zu allem Überfluss zum Clan der Soumaré und ist für Djigui unantastbar. So nimmt die Kolonisierung – das größte »monnè«, die größte Schmach aller Zeiten – ungehindert ihren Lauf.Der Roman erzählt die Geschichte der französischen Kolonisierung Westafrikas als eine Geschichte der Missverständnisse. Voll beißender Ironie und mit unerschöpflichem Sprachwitz wagt dieses Buch den anderen Blick auf die afrikanisch¬-europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts und berührt grundsätzliche Fragen der Verständigung, der kulturellen Unterschiede und nicht zuletzt der fortwirkenden Stereotype. Ahmadou Kourouma war einer der bedeutendsten Autoren der afrikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Aus politischen Gründen verbrachte er die meiste Zeit seines Lebens im Exil in Algerien, Kamerun, im Togo und in Frankreich. Der aufklärerische, kritische und oft satirische Gestus seiner Romane brachte ihm den Ruf eines »afrikanischen Voltaire« ein. Sein Umgang mit der französischen Sprache ist geprägt von kritischer Aneignung, Umformung und spielerischer Unterwanderung der Kolonialsprache.

Alain Mabanckou: Zerbrochenes Glas
224 S., Liebeskind 18,90 EUR
»Zerbrochenes Glas« ist Stammkunde einer heruntergekommenen Bar in Brazzaville, deren Name Programm ist: »Angeschrieben wird nicht«. Tag für Tag versammelt sich hier ein Haufen skurriler Gäste, um Palmwein zu trinken und über das Leben zu schwadronieren. Der Kirche ist die Bar ein Dorn im Auge, denn manch einer der Gläubigen erliegt der Versuchung, die Messe zu schwänzen und stattdessen einen zur Brust zu nehmen. Doch die ständigen Anfeindungen lassen den Wirt kalt, schließlich nennt man ihn nicht umsonst »Sture Schnecke«. Und die Kundschaft zeigt sich solidarisch bis zum letzten Tropfen: Als »Zerbrochenes Glas« sich daranmacht, für die Nachwelt die Historie des Etablissements niederzuschreiben, erzählt jeder Gast nur allzu gerne die Geschichte seines Lebens … Alain Mabanckou wurde 1966 in der Republik Kongo geboren. Mithilfe eines Förderstipendiums verlässt er Ende der achtziger Jahre seine Heimat, um in Paris sein Jurastudium fortzusetzen. Danach Eintritt in einen französischen Wirtschaftskonzern, für den er fast zehn Jahre lang als juristischer Berater tätig ist. Während dieser Zeit erscheinen zwei Lyrikbände und sein Debütroman, für den er den »Grand Prix littéraire de l’Afrique noir« erhält. Weitere Romanveröffentlichungen folgen, darunter »African Psycho« (2003) und »Black Bazar« (2009). Mit seinem Roman »Stachelschweins Memoiren« gewinnt er 2006 den renommierten Prix Renaudot, 2012 wird er von der Académie française für sein Gesamtwerk mit dem Grand Prix de Littérature ausgezeichnet. Alain Mabanckou lebt abwechselnd in Paris und Los Angeles.

Sonja Malzner: „So sah ich Afrika“
Die Repräsentation von Afrikanern in plurimedialen Reiseberichten

der ersten Hälfte des 20.Jahrhundert
550 S., Pb., Königshausen & Neumann 2013 (erscheint 4.Quartal) 49,80 EUR
Die vorliegende Arbeit, die sich in die interkulturelle Literatur- und Medienwissenschaften einschreibt, unternimmt eine systematische Aufarbeitung der Repräsentation von Afrikanern im plurimedialen Afrika-Reisebericht der Blüte- und Endzeit des Kolonialismus (1885 – 1960). Zum ersten Mal wird diese besondere Ausprägungsform des Reiseberichts, die Fotografien und Texte miteinander verbindet, hinsichtlich ihrer Strukturen und Funktionen in ihrer formalen und editorischen Entwicklung, ihren internen Widersprüchlichkeiten und Ambivalenzen, der Heterogenität ihrer Afrika-Darstellungen sowie in ihren Verknüpfungen mit ihren politischen, ethnographischen und ästhetischen Diskursen einem „close reading“ unterzogen. Ausgehend von acht Einzelanalysen deutscher, schweizerischer, französischer und englischsprachiger Werke werden dabei unter Einbeziehung eines umfangreichen Referenzkorpus methodische Analyseelemente entwickelt, die auch auf andere Untersuchungsgegenstände übertragen werden können.

Martin Siefkes: Sprache, Glaube und Macht
Die Aufzeichnungen des Johannes Spiecker in Deutsch-Südwestafrika
zur Zeit des Herero-Nama-Aufstandes

204 S., Pb., Königshausen & Neumann 2013 (erscheint 3.Quartal) 29,80 EUR
Von 1905 – 1907 unternahm der Missionarsinspektor Johannes Spiecker eine Reise durch Deutsch-Südwestafrika, das heutige Namibia. Zu dieser Zeit fand der Aufstand der Herero und Nama gegen die deutsche Besetzung statt. Die Mission, die das Vertrauen der schwarzen Bevölkerung weit eher besaß als Kolonialregierung und Siedler, wurde dabei zu einer politischen Kraft. Sie schickte Boten aus, um die Aufständischen zur Aufgabe zu bewegen, und richtete Sammelstellen für Heimkehrer ein; diese wurden anschließend meist in Konzentrationslager verbracht, wo viele starben. Spieckers Rolle ist von besonderem Interesse, weil er bei Missionaren und Kolonialregierung ebenso Ansehen besaß wie bei den Stammeshäuptlingen. Er intervenierte für die Gefangenen und gegen die Vernichtungspläne deutscher Militärs. Um die Ausbreitung des Krieges zu verhindern, setzte er sich bei einem Gouverneur gegen einen Ovambofeldzug ein und reiste zudem – gegen die Anweisung der Deputation in Barmen – in die nördlichen Ovambogebiete, um Häuptling Nechale zu treffen. Diesem empfahl er eindringlich die Unterwerfung unter die Kolonialregierung. Spieckers Rolle ist also ambivalent; seine Einmischung in politische und militärische Entscheidungen könnte die Entwicklung des Krieges beeinflusst haben. Seine privaten Aufzeichnungen werden hier erstmals umfassend vor dem historischen Hintergrund ausgewertet.

Ulrich Seidl – Paradies: Liebe FSK 16
DVD, 121 Min., Good Movies 2013 (erscheint September) 19,99 EUR
Der erste Teil von Ulrichs Seidls „Paradies“-Trilogie: makellos schöne Bilder treffen auf gnadenlos bösen Witz. Teresa ist 40 Jahre alt, alleinerziehende Mutter und nicht mehr besonders gut in Form – null Sexualleben, unaufgeregter Lebensabend, unselbstständige Kinder. Was ihr am meisten fehlt, ist für sie jedoch unerschwinglich: das Gefühl, begehrt zu werden. Ihre Sehnsucht nach Liebe und der Marktwert ihres Körpers driften proportional auseinander. Im Urlaub in Afrika möchte Teresa davon eine Auszeit nehmen. An den weißen Stränden Kenias sind die Männer zahlreich und die Angebote noch viel mehr. Als so genannte Supermamas genießen Teresas Freundinnen die Liebesdienste junger schwarzer Beachboys, die sich so ihren Lebensunterhalt verdienen. Bedrängt von eifrigen Männern wird auch Teresa unversehens zur Sextouristin. Hier spricht man eine neue Sprache der Liebe, die auch Teresa verstehen kann. Nur wird Teresa auf der Jagd danach selbst zum Opfer…

Ulrich Seidl – Paradies: Glaube FSK 16
DVD. 113 Min., Good Movies 2013 (erscheint Oktober) 19,99 EUR
Der zweite Teil von Ulrich Seidls „Paradies“-Trilogie, ausgezeichnet mit dem Spezialpreis der Jury beim Filmfestival in Venedig 2012. Anna Maria ist mit Leib und Seele Katholikin. Sie rutscht auf Knien betend durch die Wohnung, ihr Haus hat mehr Kruzifixe als eine Kirche und zur Strafe für fremde Sünden peitscht sie sich gern mal aus. Ihren Jesus nimmt Anna Maria sogar mit ins Bett und den Urlaub verbringt sie damit, eine Wandermutter-Gottes-Statue von Haus zu Haus zu tragen, um Einwanderer vom christlichen Paradies zu überzeugen und Österreich wieder katholisch zu machen. Eines Tages kehrt ihr Ehemann Nabil, ein im Rollstuhl sitzender Moslem, nach Jahren der Abwesenheit aus Ägypten zurück. Ein Kleinkrieg um Ehe und Religion beginnt. Ihr Glauben wird auf eine harte Probe gestellt. Denn die Sehnsucht nach körperlicher Nähe bringt Anna Maria und ihre fanatische Mission doch an ihre Grenzen…

Ulrich Seidl – Paradies: Hoffnung FSK 12
DVD, 91 Min., Good Movies 2013 (erscheint November) 19,99 EUR
Der dritte Teil von Ulrich Seidls „Paradies“-Trilogie. Melanie ist ein schönes, junges Mädchen mit einem entscheidenden Problem: sie ist übergewichtig. Während ihre Mutter in Kenia Urlaub macht und ihre Tante Anna Maria in christlicher Mission um die Häuser zieht, bereist Melanie ein anderes Universum: die Welt der Kalorientabletten und der Sporterziehung. Zwischen Wiesenwanderungen und nächtlichen Kissenschlachten werden ihre Ferien mit anderen Jugendlichen im Diätcamp zu einer Zeit der Freundschaft und der Liebe. Melanie verliebt sich in einen 40 Jahre älteren Arzt, den Leiter des Camps. Sie kämpft um ihn mit der Ausschließlichkeit der ersten Liebe und will ihn aller Unschuld verführen. Der Doktor begehrt Melanie und versucht, gegen die Schuld dieser Liebe anzukämpfen, weiß er doch um ihre Unmöglichkeit. Seidl zeigt sich hier von seiner versöhnlichsten und unberechenbarsten Seite. Eine Reifeprüfung mit großer Zartheit und ungewohnter Heiterkeit.

Ulrich Seidl – Paradies Trilogie Liebe Glaube Hoffnung – Die Box
3 DVDs, Good Movies 2013 (erscheint November) 39,99 EUR
Die Suche nach dem Paradies vereint in Ulrich Seidls Spielfilm-Trilogie drei Frauen, die auf ganz unterschiedliche Art versuchen, einem Ideal nahe zu kommen, das vielleicht nur eine Illusion ist: eine lebenslustige Sextouristin in Kenia in „Paradies: Liebe“, eine streng katholische Missionarin in „Paradies: Glaube“ und eine junge, unerfahrene Frau im Diätcamp in „Paradies: Hoffnung“. Seidl erzählt ihre Geschichten mit großer Realitätsnähe, mit schwarzem Humor und in präzisen Bildkompositionen – den berühmten „Seidl-Tableaus“. Die Filme sind so unterhaltsam wie verstörend und konfrontieren den Zuschauer in teils skurrilen, teils zarten, teils brutalen Szenen mit sich selbst. Dabei gelang Seidl ein einzigartiger Coup: Jeder Teil der Trilogie feierte seine Weltpremiere auf einem der bedeutendsten internationalen Filmfestivals – „Liebe“ in Cannes, „Glaube“ in Venedig und „Hoffnung“ in Berlin.

Tabu – Eine Geschichte von Liebe & Schuld FSK 0, ein Film von Miguel Gomes
DVD, 111 Min., Good Movies 2013 (erscheint Oktober) 19,99 EUR
Die gläubige Rentnerin Pilar verbringt ihre Zeit damit, Gutes zu tun und anderen zu helfen. So sorgt sie sich auch um ihre einsame Nachbarin Aurora, eine exzentrische achtzigjährige Dame. Während sich Pilar ihrem katholischen Glauben widmet, verspielt Aurora ihr letztes Geld im Casino und verdächtigt ihre kapverdische Haushälterin Santa, sie mit Voodoo zu verhexen. Als Aurora im Sterben liegt, sucht Pilar auf ihren Wunsch hin einen gewissen Gian Luca Ventura. Sie findet ihn im Altersheim, und wie sich herausstellt, verbindet ihn mit Aurora eine Geschichte, die fünfzig Jahre zurückliegt, in der Zeit kurz vor dem Ausbruch des portugiesischen Kolonialkrieges. Gian Lucas Geschichte bringt eine von Liebe und Leidenschaft erfüllte Welt zum Leben, die an die Magie der goldenen Stummfilm-Ära des Hollywood-Kinos erinnert. Er beginnt seine Erzählung mit den Worten: „Aurora hatte eine Farm in Afrika, am Fuße des Monte Tabu..“

Das Bauhaus in Kalkutta
Eine Begegnung kosmopolitischer Avantgarden

176 S., 119 Abb., Pb., Hatje Cantz 2013 (erscheint August) 29,80 EUR
Neu entdeckt: gesellschaftliche Parallelen, kulturelle Verwandtschaften und gemeinsame Visionen der westlichen Nachkriegsmoderne und des postkolonialen Indien. Die Bauhausausstellung in Kalkutta 1922 war im internationalen Kunstbetrieb ein einmaliges Ereignis – ein Aufeinandertreffen künstlerischer wie intellektueller Verwandtschaften. Die westliche Moderne, die nach dem Ersten Weltkrieg auf der Suche nach geistiger und künstlerischer Erneuerung war, traf auf ihr indisches Pendant, das sich von den kolonialen Zwängen kulturell emanzipiert hatte. Werke von Paul Klee, Lyonel Feininger und Johannes Itten sowie von weiteren Bauhauskünstlern wurden bei diesem ersten internationalen Auftritt des Bauhauses neben Arbeiten moderner indischer Künstler wie Nandalal Bose, Sunayani Devi sowie Abanindranath und Gagenendranath Tagore präsentiert. Die Publikation zeigt auf, wie es zu dieser außergewöhnlichen Begegnung kam und stellt die damalige Ausstellung als exemplarischen Fall für eine Kunstgeschichte vor, die, statt über westöstliche Transformationen zu berichten, über gemeinsame Visionen schreibt.

Barbara Lukoschek: Ethik der Befreiung
Engagierter Buddhismus und Befreiungstheologie im Dialog

280 S., Pb., Ferdinand Schöningh 2013 (erscheint Herbst) 39,90 EUR
Globale Herausforderungen wie das Armutsproblem und die Wirtschaftskrise stellen die Weltreligionen vor die Aufgabe, einen Beitrag zur Orientierung zu leisten, der in die Tiefe der religiösen Welt- und Selbstdeutung des Menschen hineinreicht. Welche Wege der Analyse und Bewältigung weisen das Christentum und der Buddhismus auf? Und wie können sie sich diese gegenseitig ergänzen und bereichern? Der vorliegende Band entschlüsselt mit schwerpunktmäßigem Bezug auf den Jesuiten Aloysius Pieris und den Theravada-Mönch P.A. Payutto die ethische und soteriologische Systematik hinter den Positionen der Befreiungstheologie und des hierzulande noch kaum bekannten Engagierten Buddhismus. Wirtschaftsethisch konkretisiert wird der komparative Ansatz durch den interdisziplinären Brückenschlag zu den Wirtschaftswissenschaftlern Franz Josef Hinkelammert und Karl-Heinz Brodbeck. Die dialogische Betrachtung eröffnet gewinnbringende Perspektiven hinsichtlich der komplementären Pole Weisheit (Gnosis) und Liebe (Agape) sowie Freiheit und Hingabe.

The Beauty of Buddha
96 S., 80 farbige Abb., geb., Hirmer 2013 (erscheint September) 34,90 EUR
Text in deutsch, englisch und chinesisch. Faszinierende sensible Aufnahmen birmanischer Buddha-Köpfe der Sammlung Sabine Meister. Fotografie im Dialog mit der Kunst des Fernen Ostens. Meditative Konzentration in Buchform. Das Schaffen von Buddha-Figuren hat eine lange Tradition und reicht über 2500 Jahre zurück. Stets stellen die Meisterwerke dabei ein Ideal des menschlichen Seins dar. Sich als Künstler einem solchen Thema zu widmen, ist daher eine besondere Herausforderung. Meint man in der archetypischen Darstellung Buddhas nichts Neues mehr zu sehen, so entdeckt man bei genauerer Betrachtung doch entscheidende Unterschiede. Die Publikation zeigt die umfassende Buddha-Sammlung Sabine Meister aus der Perspektive des Künstlers und Fotografen Hubertus Hamm – faszinierend inszeniert und mehr als nur Fotografie. Vielmehr begab er sich intensiv in einen Dialog mit den aus Birma stammenden Meisterwerken. Er reflektiert als Mensch und Künstler, schafft Bildräume und fotografische Antworten. Er öffnet den Raum, den diese Werke in ihrer Gültigkeit für jeden haben können. Dieser Bildband offenbart dem Betrachter nicht nur die Schönheit der Sammlung Sabine Meister, sondern ermöglicht auch den Zugang zu der gestaltgewordenen Geisteshaltung des Zen.

Siebold-Wissenschaftsstiftung (Hrsg.)
Geschichte und Geschichtsbilder in den Beziehungen Japan – Europa

140 S., Pb., Königshausen & Neumann 2013 (erscheint 3.Quartal) 19,80 EUR
Philipp Franz von Siebolds Einfluss bei der Wiedereröffnung Japans gegenüber dem Westen – Die Geschichtsschreibung und das erzählerische Geschichtsbild im japanischen Altertum – Romantisch-sentimentale und spekulative Geschichtsbilder in den historischen Spielen des klassischen Puppentheaters (Ningyo joruri – Bunraku) – Geschichtsbilder im wahrsten Sinne des Wortes: Historische Photographien aus dem Nachlass des Japan- und Siebold-Forschers Friedrich M. Trautz (1877 – 1952) – Von Die Geisha zu My Japanese Boy – Einige Anmerkungen zu einem Paradigmenwechsel in der westlichen Populärmusik über Japan – Kohabilation? Nein danke! Meji-Japan und seine Fremden

Kimsooja – Unfolding
224 S., 122 farbige Abb., geb., engl. Sprache
Hatje Cantz 2013 (erscheint Oktober) 39,80 EUR
Nachschlagewerk und retrospektiver Werkkatalog zu den Arbeiten von Kimsooja. Die südkoreanische Künstlerin Kimsooja (geboren 1957 in Taegu) sorgt mit ihren auf Video festgehaltenen Skulpturen, Aktionen, Performances und Interventionen sowie durch zahlreiche Einzelausstellungen weltweit für große Aufmerksamkeit. In ihren zwei- oder dreidimensionalen künstlerischen Arbeiten untersucht sie eine alltägliche Aktivität. Zentrales Element ihres Werks ist ein „Bottari“, ein Matratzen- oder Bettbezug, der auch als Reisebündel dient und dann Hab und Gut birgt und schützt. In Korea werden diese Bezüge traditionell selbst genäht – eine Frauenarbeit, die Generationen umspannt und Individuen zusammenführt. Farbenfrohe Seidenstoffe, Wäschewaschen oder Nähen sowie eine Reihe von symbolhaften Verkörperungen der Künstlerin, etwa ihre Rolle als „Needle Woman“, stehen im Zentrum von Kimsoojas Werk, in dem sie nicht zuletzt die weibliche Seite der Conditio humana reflektiert. Die Monografie stellt erstmals die bedeutendsten Arbeiten der Künstlerin aus den letzten 30 Jahren im Überblick vor.

Shifting Gravity – World Biennial Forum Nr. 1
256 S., 60 Abb., Pb., Hatje Cantz 2013 20,00 EUR
Die globale Bedeutung von Kunstbiennalen. Vorm ersten World Biennal Forum im südkoreanischen Gwangju inspiert. Die weltweite Zunahme an Biennalen während der letzten Jahrzehnte – vor allem in Asien – führt zur Verlagerung der Schwerpunkte zeitgenössischer Kunst und zeigt, dass die Zusammenhänge von künstlerischer Produktion, repräsentativen Institutionen und sozialen Netzwerken neu organisiert werden. Biennalen sind nicht nur ein Spiegel der aktuellen Kunst für Experten, sondern ziehen auch ein zunehmend größer werdendes allgemeines Publikum an. Diesen Veränderungen ging das erste World Biennial Forum nach, das von der Biennial Foundation initiiert und von der Gwangju Biennale Foundation in Südkorea ausgetragen wurde. Die Publikation enthält die Beiträge und Ergebnisse des Forums. Die Texte behandeln etwa Fragen zur Demokratie oder vorherrschender Ästhetik und thematisieren Begriffe wie „Weltbürgertum“. Darüber hinaus werden einzelne Modelle von Biennalen vorgestellt. Die Entstehung und Geschichte von Biennalen kommt ebenso zur Sprache wie das Verhältnis zwischen der Kunst und anderen Disziplinen. Eine Auswahl der vorgestellten Biennalen: Biennale of Sydney, Chabi Mela, Emergency Biennale, Istanbul Biennial, Mediacity Seoul, Shanghai Biennale, Taipei Biennial.

Warhol in China
312 S., 290 Abb., geb., Hatje Cantz 2013 (erscheint August) 39,80 EUR
Massenproduktion als künstlerisches Ausdrucksmittel – Warhol meets Made in China.
Als Andy Warhol 1982 über Hongkong nach Peking flog und seine Eindrücke in knappen Tagebuchnotizen und ausführlich fotografisch festhielt, sah er sich einer chinesischen Hauptstadt gegenüber, die kaum kommerzielle Einflüsse zeigte und kurz vor einer gewaltigen Wende stand. Warhol gelangen an diesem entscheidenden Wendepunkt Fotos, die heute neben ihrem künstlerischen auch einen dokumentarischen Wert haben. Nach den dramatischen Verwerfungen der Kulturrevolution konnte in dem streng überwachten und gleichgeschalteten Riesenreich erst nach Maos Tod 1976 mit der vorsichtigen Öffnung des Landes eine Kunstszene entstehen. Neue künstlerische Strategien und Materialien hielten Einzug, die Künstler der Gruppe The Stars, unter ihnen Ai Weiwei, verarbeiteten offensiv Einflüsse von Andy Warhol und anderen Protagonisten der Pop-Art in ihren Werken. Andy Warhols millionenfach vervielfältigter Siebdruck „Mao“ (1972) wurde für sie zum Ausgangspunkt einer kritischen künstlerischen Auseinandersetzung mit den Symbolen der kommunistischen Staatsführung.

Carolyn und Chris Caldicott: World Food Cafe – quick and easy
Vegetarische Gerichte aus aller Welt

200 S. , Fotos, geb., Freies Geistesleben 2013 (erscheint Oktober) 19,90 EUR
Vegetarisches Street Food aus aller Welt. Reisende soll man nicht aufhalten – besonders dann nicht, wenn es Carolyn und Chris Caldicott sind, denn sie bringen Rezepte aus der ganzen von ihren Reisen für uns mit. Nach ihrem Bestseller „World Food Cafe“ (192 S., 7.Auflage, geb., Freies Geistesleben) ist der neue Band eine köstliche Fundgrube an vegetarischen Street-Food-Rezepten, die leicht zubereitet werden können und die weite Welt ohne großen Aufwand, dafür aber mit garantiertem Gaumenkitzel nach Hause holen. Die ergänzenden Reiseanekdoten und –fotos sorgen für zusätzliche Würze. Ausgewählte vegetarische Rezepte und Reisegeschichten aus Bangladesh, Bhutan, Burma, Chile, Kuba, Japan, Laos, Lappland und Helsinki, Namibia, Syrien, Vietnam.

Jean-Philippe / Mido & Hando Yousouf: Vietnam. 120 Originalrezepte
213 S., 215 Farbfotos, Dorling Kindersley 2013 26,95 EUR
Eigenständig, aber geprägt durch chinesische, thailändische und indische Einflüsse und die kulinarische Raffinesse der einstigen Kolonialmacht Frankreich, gilt die vietnamesische Küche als feinste Südostasiens. Die Brüder Yousouf, Restaurantbesitzer in Paris, stellen 120 einfache und authentische Rezepte ihrer Heimat vor, von leichten Suppen, variantenreichen Gemüse-, Reis- und Nudelgerichten über Fleisch und Fisch mit pikantwürzigen Saucen bis zu süßen Desert und frischen Getränken.

Junot Diaz: und so verlierst du sie
224 S., Pb., S. Fischer 2013 (erscheint September) 16,99 EUR
Der literarische Superstar des Amerikas von Barack Obama. Junot Diaz` neue Stories schlugen ein wie eine Bombe und machten ihn endgültig zum literarischen Superstar – samt ausverkauften Lesungen und Fans, die Straßenaufläufe verursachten. Diaz` Held Yunior taumelt durch sein Leben zwischen Karibik und New Jersey, er liebt mit aller Kraft und wird im Klammergriff des Machismo doch immer wieder schwach. Ehrlich und sexy, zum Weinen und zum Totlachen.

Eduardo Galeano: Kinder Tage
416 S., geb., Peter Hammer Verlag 2013 24,00 EUR
Eduardo Galeano ist besessen von dem Wunsch, Geschichte zu erinnern. Und immer tut er dies auf besondere Art: In sprachlich eleganten Miniaturen, kaum mehr als eine halbe Seite lang, erzählt er von kuriosen, empörenden, bemerkenswerten Begebenheiten. Sie spielen auf allen Kontinenten und handeln von allerlei Dingen. Doch immer geraten sie zu einer Anklage all derer, die die Welt in ihrem Sinne zu lenken wussten. Und zur Bekundung iefempfundener Solidarität mit den Unterdrückten. Kinder der Tage ordnet seine 365 pointierten Geschichten an der Chronologie des Kalenders vom 1. Januar bis zum 31. Dezember, wobei jede Geschichte mit dem jeweiligen Datum in Verbindung steht. Springend durch die Jahrhunderte und fortschreitend durch das Jahr zeigt Eduardo Galeano das immerwährende Prinzip von Oben und Unten, Macht und Ohnmacht. Die Leichtigkeit und der feine Humor nehmen den Geschichten nie die Schärfe, machen sie aber zum großen Lesevergnügen. Eduardo Hughes Galeano, 1940 in Montevideo/Uruguay geboren, war Chefredakteur der Wochenzeitung Marcha, Herausgeber von EPOCA, der Zeitschrift der „unabhängigen Linken“ in Uruguay und Chefredakteur der Zeitschrift CRISIS in Buenos Aires. Ab 1976 lebte er im spanischen Exil. 1985, nach der Beendigung der Militärdiktatur in Uruguay, kehrte er nach Montevideo zurück. Für seine literarische Arbeit erhielt er u.a. den Preis der „Casa de las Americas“ und den „American Book Award“. Er ist Ehrendoktor der Universitäten La Paz, Havanna und Neuquén/Argentinien. Zuletzt erschien im Peter Hammer Verlag Fast eine Weltgeschichte.

Norbert Ahrens: Podewins Verfolgung
360 S., geb., KulturMaschinen 2013 (erscheint August) 29,90 EUR
Ende der achtziger Jahre begibt sich der Journalist Oliver Podewin auf eine Reise durch Lateinamerika. Seine Aufträge verschlagen ihn nach Chile, El Salvador und Kolumbien. Während der politisch engagierte Journalist seinem Beruf mit Herzblut nachgeht, begegnet er mehrfach einem Mann, auf dessen linkes Handgelenk ein Raubvogel mit einer Beute im Schnabel tätowiert ist, jedoch ohne dass es zu einem Gespräch kommen würde. Zugleich wird Podewin anonym gedroht, er solle sich nicht mit Angelegenheiten beschäftigen, die ihn nichts angehen – er ahnt, dass es sich bei dem Mann, den er immer wieder zufällig trifft, um denselben handelt, der ihn warnt. Aber Podewin lässt sich nicht verfolgen, sondern nimmt selbst die Spur dieses geheimnisvollen Mannes auf: Wolf-Dieter Heinrich, ein Landsmann. Die Erlebnisse des Journalisten in diesem Politthriller machen die in den meisten Ländern Lateinamerikas zu dieser Zeit bedrohliche Atmosphäre spürbar. Die Reichen, auf welchen Wegen auch immer sie sich ihren Wohlstand erwirtschaftet haben, besitzen die Macht und verteidigen sie mit allen Mitteln. Oliver Podewin erlebt Militäts, Paramilitärs und die Guerilla in ihren verschiedenen Ausprägungen, und trotz aller Versuche, seine Neutralität zu bewahren, wird er mit Gewalt, Hass und Terror von allen Seiten konfrontiert.

Juan Riquelme Lagos: Der Schatten des Nachbarn
360 S., geb., KulturMaschinen 2013 (erscheint August) 29,90 EUR
Der Chile-Roman zum vierzigsten Jahrestag des Putsches. Was macht eine Diktatur mit den Menschen, die in Angst leben müssen? Wie verändern sich die Menschen, wenn diese Angst alle Bereiche ihres Lebens durchdringt? Wie verschiebt sich das eigene Wertesystem durch diese Angst? Mit großer Sprachkraft und subtilem Humor zeichnet Juan Riquelme Lagos das Bild einer sich verändernden Gesellschaft. Lagos` Roman steht damit inhaltlich, aber auch künstlerisch, in einer Reihe mit den großen Romanen über Diktatur und individuelles Erleben. Seine Protagonisten sind keine Helden, keine klassischen Widerstandskämpfer, es sind Menschen von nebenan, die Unscheinbaren, die sich unter dem Druck von Polizeistaat und chilenischem Faschismus radikal verändern. Die Gesellschaft mutiert… Ein Jahr nach dem Putsch gegen Allende zieht Julian, ein junger linker Chilene, mit seiner Frau und der gemeinsamen kleinen Tochter in eine Straße, in der fast nur Angehörige der Luftwaffe wohnen. Kaum hat er sich dort eingelebt, taucht ein neuer Nachbar auf: ein Agent der Geheimpolizei Pinochets. Auf der Ehe des Protagonisten lasten die Umstände: Die Liebe geht verloren. Es entwickelt sich eine Affaire mit der Nichte des Nachbarn. Die achtzehnjährige Lily wird nicht nur Liebhaberin, sondern auch Komplizin waghalsiger poltischer Manöver…

Fuck the Forest – Ficken für den Regenwald
FSK 16 – Ein Dokumentar-Film von Michal Marczak

DVD, 86 Min., good movies 2013 (erscheint November) 19,99 EUR
Sex haben und damit die Welt retten – eine Gruppe junger Idealisten kämpft mit außergewöhnlichen Mitteln für einen gesunden Planeten und den Erhalt der Erde. Eine Bewegung für freie Körper und freie Natur abseits der üblichen Moralvorstellungen. In dem Film begleitet Regisseur Michal Marczak die wohl skurrilste NGO der Welt. Junge Frauen und Männer veröffentlichen erotische Fotos und selbst gedrehte Amateursexvideos gegen Bezahlung auf ihrer Website. Um mit dem Geld Umweltschutzprojekte zu unterstützen. Ein Wohltätigkeitskonzept, das nicht überall auf Verständnis stößt. Hippiekultur und Nächstenliebe stehen Pate für die ungewöhnliche Bewegung. Von Berlin bis in die tiefen Wälder des Amazonas begleitet der Film Danny, Leona und ihre Freunde auf ihrer Mission. Um mit den Einnahmen ein Stück Land zu kaufen, die Ureinwohner zu unterstützen und ihren Beitrag zur Weltrettung zu leisten. Doch die Ureinwohner haben sich die Sache anders vorgestellt…..

Brasilien ist Gastland der Frankfurter Buchmesse 2013

Kersten Knipp: Das ewige Versprechen – Eine Kulturgeschichte Brasiliens
320 S., Suhrkamp 11,99 EUR
Ob in Musik, Malerei, Mode oder Architektur – Brasilien war immer schon stilprägend. Kersten Knipp geht der vitalen Geschichte dieser Kultur nach, deren Ausdrucks- und Strahlkraft gewaltiger ist denn je. Was also ist Brasilien, und wer sind die Brasilianer? Wie wurde Brasilien zu einem solchen Erfolgsmodell? Welche Verheißungen und Ideale halten bis heute ein so vielgestaltetes Land zusammen? Anekdotenreich, in großen und kleinen Geschichten erzählt Kersten Knipp von einem Land, das sein „ewiges Versprechen“ einzulösen begonnen hat. Brasilien boomt. Lange als Land der Zukunft beschworen, muss man mit Blick auf heutige Verhältnisse sagen: Die Zukunft ist jetzt! Das ewige Versprechen wirft einen lebhaften Blick auf die schillernde und faszinierende Vielfalt der brasilianischen Kultur, von den Anfängen bis in die Gegenwart.

Rio de Janeiro – Eine literarische Einladung
144 S., geb., Wagenbach 2013 (erscheint August) 15,90 EUR

Euclides da Cunha: Krieg im Sertào
783 S., geb., Suhrkamp 29,95 EUR
Es ist das Jahr 1893, die Republik Brasilien ist gerade gegründet worden. Der Wanderprediger Antonio Conselheiro lässt sich mit seinen Anhängern, den Ärmsten der Armen, in der wüstentrockenen Sertào-Gegend nieder. Nach kurzer Zeit leben 30 000 Menschen in der Siedlung namens Canudos. Alkohol, Prostitution und Privatbesitz lehnen diese streng Gläubigen ab, die säkularen Staatsreformen ebenfalls, und die Regierung schickt darauf Truppen. Es beginnt ein langer, unerbittlicher Vernichtungsfeldzug gegen die Aufständischen, in dem es Sieger nicht geben kann. „Krieg im Sertào“ erzählt die Geschichte einer so unfassbaren wie folgenreichen Episode der neu gegründeten Republik Brasilien. Euclides da Cunhas unverstellter Blick für das Menschliche und das Schreckliche machen diesen journalistischen Augenzeugenbericht zu einem monumentalen Abenteuerroman und zu einer anthropologischen Studie von bleibender Gültigkeit.

Patrick Melo: Leichendieb
208 S. , Tropen / Klett Cotta 2013 18,95 EUR
Ein Päckchen Kokain liegt neben der Leiche eines jungen Mannes. Der Finder beschließt, es zu verkaufen, und verstrickt sich damit in eine Welt aus Betrug und Erpressung. Um zu überleben, muss er bald schon eine Menge Geld auftreiben. Mit einem perfiden Plan macht er sich an die schwerreichen Eltern der Leiche heran. Patricia Melos »Leichendieb« ist ein spannender Thriller, der den Leser die moralischen Bedenken eines Mannes nachempfinden lässt, dessen kriminelle Handlungen sich wie eine Lawine steigern. Patrícia Melo bietet nicht nur ein bestechend genaues Porträt der Rauschgift-Mafia in Lateinamerika, sondern auch den Beweis, dass es manchmal nur eines winzigen Auslösers bedarf, um das Leben eines Menschen aus der Bahn zu werfen: In jedem steckt der Keim für das Böse. Patrícia Melo geboren 1962 in São Paulo. Die Autorin und Dramaturgin schreibt Romane, Hörspiele und Drehbücher. Die »Times« kürte Patrícia Melo zur »führenden Schriftstellerin des Millenniums« in Lateinamerika. Außerdem wurde ihr der »Prix Deux Océans« verliehen. Patrícia Melo lebt in der Schweiz.

Daniel Galera: Flut
427 S., Suhrkamp 22,95 EUR
Sein Vater erschießt sich vor seinen Augen, und was ihm bleibt, sind der alte Schäferhund und eine vage Sehnsucht nach Läuterung. Er bricht auf in den Süden und mietet sich in einem kleinen Ort an der Küste ein. Er findet Arbeit als Sportlehrer, lernt eine Frau kennen, unternimmt lange Wanderungen mit dem Hund, schwimmt Stunden am Stück ins offene Meer hinaus. Vor allem aber versucht er ein Familiengeheimnis zu ergründen – sein Großvater hatte in der Gegend gelebt, bis er unter ungeklärten Umständen verschwand. Doch ein empfindliches Handicap erschwert ihm die Suche, eine neurologische Erkrankung, er kann Gesichter nicht wiedererkennen. Seine Nachforschungen jedenfalls scheinen die Anwohner aufzuschrecken, Gerüchte machen die Runde, wird er bedroht? Wem kann er trauen, wenn schon nicht sich selbst und seinen Wahrnehmungen? Allmählich begreift er, dass er das gleiche Schicksal wie sein Großvater zu erleiden droht. Und plötzlich steht ihm das Wasser bis zum Hals. Man liest diesen Roman, weil man nicht aufhört, ihn zu lesen. Mit lichter, hypnotischer Kraft erzählt „Flut“ die epische Geschichte einer Suche über drei Generationen, die an die Grenzen des Menschenmöglichen führt. Daniel Galera, geboren 1979, ist der maßgebliche Autor der jüngeren Literatur Brasiliens. „Flut“ stand monatelang auf den brasilianischen Bestsellerlisten.

Joao Ubaldo Ribeiro: Brasilien, Brasilien
730 S., geb., Suhrkamp 19,95 EUR
Joao Ubaldo Ribeiro, einer der populärsten Schriftsteller Brasiliens, breitet vor unseren Augen ein üppiges, gewaltiges Panorama aus. „Brasilien, Brasilien“ erzählt von Menschen, ihren Taten und Untaten, ihren Leidenschaften und Kalkülen und lässt all die Kräfte und Widersprüche dieses überbordenden Landes spürbar und anschaulich werden.

Mario de Andrade: Macunaima. Der Held ohne jeden Charakter
217 S., geb., Suhrkamp 17,95 EUR
Macunaima vom Stamm der Tapanhumas lebt faul und sorglos im brasilianischen Urwald. Doch als sein Amulett verloren geht, muss er seiner Sippe den Rücken kehren und ausgerechnet nach Sao Paulo, in die erstaunliche Millionenstadt, wo alles voller Maschinen ist. Der „Held ohne jeden Charakter“ gerät dort in Bordelle, Militärparaden und an die Polizei, er begegnet Hexen, Guerillas und menschenfressenden Industriemagnaten. Und bekommt, unbedarft, wie er ist, die aberwitzigen Sitten seiner Zeit am eigenen Leib zu spüren. Die vitale Vielstimmigkeit und die Zerrissenheit des Landes werden in diesem Meisterwerk von 1928 erstmals mit fulminanter Stimme gefeiert.

Jo Soares: Sherlock Holmes in Rio
318 S., Suhrkamp 9,99 EUR
Rio, Ende des 19.Jahrhunderts. Eine kostbare Stradivari ist verschwunden, das Geschenk des Kaisers an seine Geliebte. Sarah Bernhardt, die gerade ein glänzendes Gastspiel gibt, empfiehlt natürlich ihren Freund Sherlock Holmes für die Aufklärung des Falls. In Brasilien angekommen, stürzen sich Sherlock und Dr. Watson sogleich in die sinnlichen Freuden der Stadt. Als aber ein Serienmörder auftaucht, muss Sherlock feststellen, dass südlich des Äquators begangene Verbrechen nicht mit einem „Ganz einfach, Watson“ zu lösen sind.

Marcelo Ferroni: Anleitung zum Guerillakrieg
Ein Che-Guevara-Roman

227 S., Suhrkamp 14,99 EUR
Ein Guerillatrüppchen aus stümperhaften Rebellen, angeführt von Che Guevara – ein abgehalfterter Held, der bizarre Befehle erteilt und jeden Tag neue Verschrobenheiten entwickelt, anstatt die CIA-Agenten unschädlich zu machen und seinen großen Traum von der Revolution in Bolivien zu verwirklichen.

Josè Mauro de Vasconcelos: Joaninhas Augen
240 S., geb., Freies Geistesleben 2013 (erscheint August) 19,90 EUR
Einer der bekanntesten und meist gelesenen Autoren Brasiliens. Aufgewachsen im kargen Landstrich Sertao, flüchtet Chicao vor der Dürre in die Stadt und lernt die bezaubernde Joaninha kennen. Sein Leben ist ein stetiger Wechsel zwischen Reisen und der Rückkehr zu der Frau, die er liebt. Alles scheint sich zum Guten gewendet zu haben – bis er bei dem alten Malachias eine Prophezeiung hört, die sein Leben für immer verändern wird.

Zukunft und Erinnerung
Deutsche Kunst auf der Biennale in Sao Paulo 1951 – 2012

336 S., 200 Abb., geb., Hatje Cantz 2013 (erscheint September) 35,00 EUR
Die Geschichte der deutschen Beiträge auf der Biennale von Sao Paulo. Der italienisch-brasilianische Industrielle Cicillo Matarazzo gründete 1951 die Biennale in Sao Paulo, die zweitälteste Kunstschau ihrer Art. Das erklärte Vorbild war von Beginn an die Mutter aller Biennalen in Venedig. Wie dort suchen die teilnehmenden Länder die Künstler aus und senden sie auf eigene Kosten nach Brasilien. Die junge Bundesrepublik maß der Weltkunstausstellung im fernen Sao Paulo stets große Bedeutung bei. Seit 1977 war auch die DDR vertreten, wenngleich mit einem sehr viel bescheidenerem Auftritt. Das reich bebilderte Buch dokumentiert erstmals alle deutschen Beiträge zu den bislang 30 Biennalen und beleuchtet sie im Kontext der Nachkriegskunstgeschichte und der Kulturpolitik. Archivstudien in Sao Paulo, Berlin und Stuttgart förderten eine Fülle nie veröffentlichter Dokumente und Fotos zutage. Mehrere Essays schildern die Gründung und die Geschichte der Biennale, die eng mit dem Schicksal der brasilianischen Moderne verbunden ist.

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Liste 6 der Buchneuheiten Avantgarde Trash Underground

Mai 29, 2013

Paul Werner: Polanski
320 S., Fotos, geb., Langen Müller 2013 (erscheint Juli) 22,99 EUR

Zu seinem 80.Geburtstag am 18.August 2013: Jeder seiner Filme ist ein Ereignis, von „Das Messer im Wasser“ (1962) über „Rosemaries Baby“ und „Chinatown“ bis zu „Der Gott des Gemetzels“. Für „Der Pianist“ erhielt er sogar den Oscar. Als Getriebener, geprägt von traumatischen Ereignissen von der Kindheit bis heute, erforschte er in seinen Filmen die menschlichen Abgründe. Polanskis Leben schwankt zwischen höchsten Auszeichnungen und Skandalen: Er ist seit Jahrzehnten Thema in der Presse. Paul Werner verbindet hier dieses kontroverse Leben und das Schaffen des Kultregisseurs zu einer faszinierenden Biografie.

Thomas Koebner: Roman Polanski. Der Blick des Verfolgten. Eine Biografie
280 S., Fotos,, geb., Reclam 2013 (erscheint im Juli) 24,95 EUR

Eine Würdigung des großen Regisseurs zum 80.Geburtstag am 18.August 2013. Biografie und Gesamtdarstellung seines Werks in einem. Filme von Roman Polanski haben selten ein Happy End, aber sie baden nicht in Lust an der Katastrophe. Irgendein Teufel steckt am Ende doch den Kopf aus der Hölle, das Böse fährt selbst in die Vampirkomödie mit dem ahnungslosen Professor Abronsius in die Welt hinaus, was Menschen angetan wird, das lässt sich nicht rückgängig machen. Die Konstellation von Verfolger und Verfolgten, Macht und Ohnmacht prägt alle großen Filme des Regisseurs, und eines bleibt immer gleich: Polanski sieht die Welt durch die Augen der Opfer, der Unschuldigen, der jedenfalls an den Katastrophen nicht schuldigen. Gerade weil Polanski seine eigenen Kindheitserfahrungen stark verfremdet, von Masken verhüllt in sein Werk hat einfließen lassen, rundet es sich doch aufs Ganze gesehen inzwischen zu einer Art „großen Konfession“. Kaum einem Künstler seiner Generation ist so viel Ruhm und Glück zuteil – und keinem sind in seinem Leben so tiefe Wunden geschlagen worden. Die große Biografie zum 80.Geburtstag nimmt die wechselvolle Lebenserfahrung und das vielgestaltige Werk zusammen in seinen Blick und lässt es sich wechselseitig erklären.

Peter Nau: Irgendwo in Berlin – Ostwestlicher Filmdivan
96 S., Pb., Verbrecher Verlag 2013 (erscheint im Juli) 12,00 EUR

Der große Filmkritiker Peter Nau schreibt über Berlinfilme – und damit über die Stadt, über ihr Antlitz im Film und über ihre Veränderung. Er beschreibt das bei Film aus Ost und West, und so auch wie dich Stadtteile sich selber sahen und wie sie sich gegenseitig. Der Band schließt mit dem Aufsatz über „Das Altern des Jungen Deutschen Films“.

Dietmar Dath & Swantje Karich: Lichtmächte
Kino – Museum – Galerie – Öffentlichkeit
256 S., Pb., diaphanes 2013 (erscheint September) 19,95 EUR

Ein Crashkurs in visueller Mündigkeit. Bilder, wohin man schaut – an der Wand wie in der Hand. Das Visuelle ist in Bewegung: Zwischen Massen-, Sammler- oder Bildungsgut verschieben sich die Grenzen. Das Kino lernt mit digitalen Produktions- und Verbreitungsbedingungen zu leben. Die Bildende Kunst sieht ihren Anspruch auf Autonomie von ökonomischen, ästhetischen und politischen Schocks erschüttert. Die gängige Kritik daran hat viele Namen: „Simulation“, „Kulturindustrie“, „Spektakel“. Wer so redet, spaltet die Welt: Auf der einen Seite stehen die Bilder, auf der anderen die kritischen Köpfe. Aber kritische Unschuld gibt es nicht. Wer das leugnet, versperrt den Weg zur visuellen Mündigkeit. Gerade aber sie kann andere Bilder denken als die herrschenden. Mal essayistisch, mal in Dialogform steckt „Lichtmächte“ entlang von Filmkritik, Kunstkritik, Kunstgeschichte und politischer Analyse die Probierfelder für ein aufmerksames, neues Sehen ab. „Gesellschaft ist, wenn Leute wissen, wie man anderen beim Schauen zuschaut“.

Tanja Langer: Der Maler Munch
224 S., mit Bildtafeln, geb., Langen Müller 2013 (erscheint Juli) 18,00 EUR

Eine literarische Biografie zum 150.Geburtstag von Edvard Munch im Dezember 2013. Es sind die Extreme, denen sich der große Maler Edvard Munch Zeit seines Lebens ausgesetzt hat. Tanja Langer schreibt hier keine klassische Biografie, sondern eine literarische Annäherung, ausgehend von seinen Bildern. Entstanden ist das spannende Portrait eines Menschen, der sich getrieben fühlte, sich selbst in eine Nervenheilanstalt einwies, grandiose Kunstwerke schuf und heute von der jungen Künstlergeneration wiederentdeckt wird. Die intensive Hassliebe zu Tulla Larsen, die Auseinandersetzung mit Fotografie, Munchs Ringen um Freiheit und Unabhängigkeit als Künstler, seine rastlosen Reisen von Paris, Berlin, Warnemünde über Kopenhagen bis Ekely – man wird Munchs Bilder mit ganz anderen Augen sehen.

Hans Dieter Huber: Edvard Munch. Tanz des Lebens. Eine Biografie
260 S., Abb., geb., Reclam 2013 (erscheint im November) 22,95 EUR

Edvard Munch war seiner Zeit weit voraus. Während er zu Lebzeiten mit seinen Gemälden Stürme der Entrüstung entfesselte, strömen die Menschen heute in seine Ausstellungen, werden Werke für Millionenbeträge international gehandelt. Der norwegische Künstler brach mit vielen tradierten Regeln der Malerei und malte nicht nur, was er erlebte, fühlte und erlitt, sondern entwickelte seine Gemälde sehr geplant und genau. Damit beeinflusste er vorauswirkend die Kunst des 20.Jahrhundert. Hans Dieter Huber wirft in dieser Monographie Schlaglichter auf den sprichwörtlich modernen Künstler Munch: Das Leben selbst, die Freunde und die Medien sind die Koordinaten, die für die Bestimmung des Menschen und Künstlers Munch entscheidend sind. „Eine Biografie über Edvard Munch zu schreiben, ist wie eine Bildinterpretation. Die Lebenswelt des Malers wird neu interpretiert“, sagt Hans Dieter Huber.

Olaf Peters: Otto Dix. Der unerschrockene Blick. Eine Biografie
260 S., Abb., geb., Reclam 2013 (erscheint September) 22,95 EUR

Otto Dix (1891 – 1969) prägte wie kaum ein anderer Maler das Gesicht der Weimarer Republik. Seine Bilder der Neuen Sachlichkeit wirken wie Ikonen einer so schillernden wie bedrückenden Zeit. Im Nationalsozialismus als „entartet“ geächtet, lebte er zurückgezogen am Bodensee und wandte sich unverfänglichen, z.T. christlichen Themen und der Landschaft zu. Nach 1945 setzte er seine Karriere trotz der vorherrschenden Abstraktion fort, erfuhr in beiden deutschen Staaten Anerkennung, ließ sich aber von keiner Strömung und Kulturpolitik vereinnahmen. Eine neue, kompakte Darstellung von Leben und Werk des Künstlers ist längst überfällig, gibt es doch seit Anfang der 90er Jahre keine neue, dem Forschungsstand berücksichtigende Gesamtdarstellung in dieser Form mehr. Olaf Peters verarbeitet zeitgenössische Quellen und Publikationen sowie den privaten Nachlass des Künstlers. Er stellt die Dix-Rezeption und die künstlerischen Strategien des Malers dar und ihm gelingt eine neue Analyse von Hauptwerken. Das Ergebnis ist eine fundierte, epochenübergreifende Gesamtdarstellung des von Brüchen gekennzeichneten Lebenswerks.

Karla Bilang: Frauen im „STURM“. Künstlerinnen der Moderne
220 S., zahlr. Abb., geb., Aviva 2013 (erscheint August) 19,90 EUR

Seit 1910 machte die legendäre Zeitschrift DER STURM von Herwarth Walden Berlin zu einem Zentrum der internationalen Avantgarde. Ab 1912 zeigte Walden die STURM-Ausstellungen in Berlin und in vielen europäischen Städten. Am 20.September 1913 eröffnete er den Ersten Deutschen Herbstsalon, an dem zahlreiche Künstlerinnen und Künstler teilnahmen. Der STURM verstand sich als Sammelbecken und Netzwerk der Moderne vom Expressionismus bis zur konstruktiven Kunst und zum Bauhaus-Design. In der Zeitschrift waren neben Grafik und Malerei auch Bühnenbilder und Figurinen des avantgardistischen Theaters, Künstlermanifeste und –essays vertreten. War die klassische Moderne eine männliche Erfindung, wie ein Blick in die Kunstgeschichtsschreibung glauben macht? Nach den Ausstellungen und den Publikationen des STURM waren am Durchbruch der Moderne wesentlich mehr Künstlerinnen beteiligt, als heute bekannt ist. Karla Bilang portraitiert die wichtigsten berühmten und wiederzuentdeckenden Künstlerinnen aus dem STURM und zeigt ein Panorama der weiblichen Avantgarde von Den Haag bis Stockholm, von Moskau bis Paris, von München bis New York, von Warschau bis Weimar, von Belgrad bis Berlin.

Das Hannover des Kurt Schwitters
48 S., Pb., zahlr. Abb., Edition A B Fischer 2013 (erscheint September) 12,00 EUR

Kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs zeigte der in Hannover geborene und lebende Werbegrafiker Kurt Schwitters in der Galerie „Der Sturm“ erste Bilder einer von ihm ins Leben gerufenen Kunstrichtung. Im Streit mit den Dadaisten der Hauptstadt hatte deren Wortführer Richard Huelsenbeck Schwitters als den „Caspar David Friedrich der dadaistischen Revolution“ bezeichnet. Doch der hatte sich durch eine so abwertende Äußerung nicht von seinem Konzept abbringen lassen und seine Idee weiterentwickelt. In einer seiner neuesten Collagen aus diversen Fundstücken hatte Schwitters auch den Fetzen eines Schriftstücks verklebt, auf dem das Wort „Kommerz“ gestanden hatte. Nun wurde die zweite Silbe nicht nur zum Teil eines Kunstwerks, sondern zum Namensgeber eines „dadaistischen Gesamtweltbildes“: MERZ. Schwitters stand in den kommenden Jahren für moderne graphische Entwürfe, die er vor allem für heimische Unternehmen wie die Keksfabrik Bahlsen oder für Pelikan-Tinte ausführte. Durch seine künstlerische Arbeit, die er parallel zum Broterwerb betrieb, gelangte er selbst bald zu internationalem Ruf, wie die Firmen seiner Heimatstadt. In einschlägigen Werken zur Kunstgeschichte der 1920er Jahre wird die Stadt Hannover vor allem durch Kurt Schwitters Wirken in einer Reihe mit den Zentren der dadaistischen Bewegung in Zürich, Berlin und Paris genannt. Hier in Hannover klebte eines Tages ein Plakat mit Schwitters wohl bekanntestem Gedicht „An Anna Blume“ an den Litfaßsäulen und sorgte für öffentliche Diskussionen. Hier entstand in seinem Atelier MERZbau, eine begehbare Skulptur, die über Jahre weiter ausgebaut wurde und schließlich durch mehrere Räume der Wohnung der Familie wucherte. Und hier hatte Kurt Schwitters seine eigenen literarischen Werke in Varietes und vor Publikum in seinem Atelier vorgetragen. Unter zunehmenden Druck ging er im Jahr 1937 ins Exil, denn die Nationalsozialisten hatten seine Kunst als „entartet“ geächtet. Zunächst lebte er in Norwegen, später in England, wo er 1948 verarmt starb. Seine Wohnung und der darin enthaltende MERZbau sind noch im Krieg zerstört worden, doch in Hannover sind noch zahlreiche Orte mit seinem Namen verbunden, die hier in Wort und Bild vorgestellt werden sollen.

Kai Schlüter (Hg.):
Günter Grass: Das Milch-Märchen – Frühe Werbearbeiten
48 S., mit DVD, geb., Ch. Links Verlag 2013 (erscheint Oktober) 49,90 EUR

Neu zu entdecken: Günter Grass als Werbetexter. 1952 treffen sich zwei deutsche Kunststudenten zufällig in Paris: Günter Grass und Karl Oppermann. In Berlin sehen sie sich wieder und studieren gemeinsam an der Hochschule für bildende Künste. Sie zeichnen und malen, Grass bildhauert. Beide schreiben Gedichte. Sie tauschen sich aus, werden Freunde. Als Oppermann 1955 Reklamechef der Meierei C. Bolle wird, beschäftigt er Grass als Werbetexter. Der ist mittellos, ohne Brotberuf und muss eine Familie ernähren. Grass textet eine Broschüre zum 75.Firmenjubiläum, schreibt das Treatment für einen Kinowerbespot und weitere Milchwerbung, die allerdings unveröffentlicht bleibt. Kai Schlüter trägt die veröffentlichten und unveröffentlichten Werbetexte von Grass zusammen, in denen dessen Talent schon aufblitzt. Die Arbeiten dokumentieren die Lebenssituation des Studenten in den 1950er Jahren; in einem beigefügten Interview erinnert sich Grass an die Zeit. Auf der DVD der historische Kinowerbefilm, Interviews und Lesungen von Grass.

Christiane Rösinger: Berlin – Baku
Meine Reise zum Eurovision Song Contest
224 S., geb., Fischer 2013 16,99 EUR

Christiane Rösinger, Liedermacherin und kritische Anhängerin des Eurovision Song Contest, fährt im Mai 2012 von Berlin nach Baku. Ohne Orientierungssinn und geographische Kenntnisse, aber mit einer seelenstarken Mitmusikerin und einem auf dem Gebrauchtwagenmarkt eilig erworbenen Fahrzeug. Sie begegnet bulgarischen Männern, die ihr Leben lang auf Ziegen starren, harrt aus im »einsamsten Frühstückssaal der Welt« und überschreitet in der Türkei die Cappuccinogrenze. Sie lernt, professionelle Auslandsdeutsche von Deutschen im Ausland zu unterscheiden, wird in Tiflis zum Bestandteil der Deutschen Woche und tritt endlich, nach 4800 staubigen Kilometern, auch in Aserbaidschan auf – weit weg vom offiziellen Sponsorenspektakel.

Fritz Egner: Mein Leben zwischen Rhythm & Blues
280 S., geb., mit Abb., Langen Müller 2013 (erscheint September) 22,99 EUR

Eine persönliche Reise durch vier Jahrzehnte Musikgeschichte. Er besitzt über 20.000 CDs und 25.000 Platten. Seit vier Jahrzehnten Fritz Egner auf Du und Du mit den Größten der Musikgeschichte. Angefangen hat alles mit einem Job als Studiotechniker bei AFN, der den Musikgeschmack einer ganzen Generation prägte. Bei Warner Brothers lernte er das Business hinter den Kulissen kennen. Und er traf sie alle, Stars wie James Brown, Prince, Diana Ross, Lionel Richie… Nun schreibt Fritz über „seine Musik“ – zum ersten Mal und mit der mitreißenden Begeisterung, für die seine Fans ihn lieben. Egner ist bekannt als Radio- und Fernsehmoderator. Mit „Fritz & Hits“ oder „Pop nach 8“ ist er einer der Stimmen Bayerns. Für ARD, ZDF und Sat.1 präsentierte er unvergessliche Sendungen wie „Dingsda“ oder „Die versteckte Kamera“.

Peter Hook: Unknown Pleasures
Die Joy-Division-Story
320 S., geb., Metrolit 2013 21,99 EUR

Der Autor war Bassist der Band Joy Division und veröffentlicht nach dreißig Jahren nun deren tragische Geschichte. Sie galten als eine der essentiellsten Post-Punk-Bands. Der 23jährige Sänger der Band, Ian Curtis, hatte sich 1980 das Leben genommen. Der Rest der Band machte weiter als New Order. Die beiden einzigen Studioalben von Joy Division haben die Popmusik bis heute geprägt. Zwei Filme gibt es inzwischen über die Band. Immer noch laufen die großen Songs wie „Love will tear us apeart“ oder „Transmission“. Peter Hook, der mit den anderen Bandmitgliedern später als „New Order“ weitermachte, schreibt authentisch über die damalige Zeit und das lohnt auch heute noch zu lesen.

Peter Kemper: The Beatles
220 S., Universal-Bibliothek Reclam 2013 (erscheint Juli) 5,00 EUR

Acht Jahre genügten, um Popgeschichte zu schreiben: 1962 feierten die vier Pilzköpfe aus Liverpool mit „Love me do“ ihren ersten großen Erfolg, 1970 hatten sie sich derartig zerstritten, dass die wohl einflussreichste Band der Popgeschichte sich auflöste. Die unvergessliche Zeit dazwischen erweckt Peter Kemper zu neuem Leben. Ergänzt wurde der Band für diese zweite Auflage u.a. um Forschungen zur Frühzeit in Liverpool und Hamburg oder die Rolle Yoko Onos – etwa bei missglückten Reunion-Versuchen. Das (auch posthume) musikalische Nachleben jedes einzelnen der Fab Four wird bis in die Gegenwart nachgezeichnet.

John Taylor: Gefährlich gute Grooves – Liebe, Tod & Duran Duran
416 S., zahlreiche Privatfotos von John Tayler, geb., Hannibal 2013 29,99 EUR

Für seine Band Duran Duran hat John Taylor einige der größten Songs unserer Zeit geschrieben, von der Disko-Debüt-Single „Planet Earth“ über die Musik für den „James Bond“-Film „Im Angesicht des Todes“ und den Klassiker „Wild Boys“ bis zu ihrem letzten Nr.-1-Album „All You Need is Now“. Duran Duran haben immer schon Musik gemacht, die direkt in die Beine geht. Dabei gehören die Stars des New Wave zu den Protagonisten der „New Romantic“-Welle Anfang der 1980er Jahre. John Taylor wurde in den Leserumfragen der Teeniemagazine auf der ganzen Welt in den 1980er-Jahren zum „Sexiest Male Popstar Alive“ gewählt.Zum ersten Mal erzählt John Taylor selbst die unglaubliche Geschichte seiner Band, die Geschichte von Träumen, die wahr wurden, aber auch von Alkohol, Drogen und den vielen Schattenseite des Show-Business. Als schüchterner kleiner Junge war er nicht gerade prädestiniert für eine Karriere als Popstar und geriet sogar in Panik, wenn Mädchen in seiner Nähe auftauchten. Aber als Nigel John Taylor seinen ersten Vornamen wegließ, zur Bassgitarre griff und mit seinem Freund Nick Rhodes die Band Duran Duran aufbaute, da änderte sich sein Leben gewaltig. Roger Taylor, dann Andy Taylor (beide nicht mit ihm verwandt) und zuletzt Sänger Simon Le Bon vervollständigten die Band. Gemeinsam erlebten sie eine atemberaubende Erfolgsgeschichte, und Poster mit ihren Fotos hingen plötzlich in den Zimmern von Millionen Teenies weltweit. John Taylor ist Bassist und Gründungsmitglied von Duran Duran. Bis heute hat die Band mehr als 80 Millionen Tonträger verkauft und wurde dafür mit sechs „Lifetime Achievement Awards“ belohnt, darunter BRIT- und MTV-Awards. Ihr aktuelles Album „All You Need is Now“ notierte in 15 Ländern auf Platz 1. John Taylor spielte dazu u.a. mit Musikern von Chic, den Sex Pistols und Guns N‘ Roses. Er lebt mit seiner Frau und den drei Kindern abwechselnd in Wiltshire/England und Los Angeles.

Micha-El Goehre: Höllenglöcken
280 S., Pb., Satyr Verlag 2013 (erscheint August) 14,90 EUR

Mit „Jungsmusik“ (Satyr Verlag 2011, 14,90 EUR), dem ersten Band der Trilogie um eine Clique Heavy-Metal-Fans, landete Goehre einen bei Publikum und Musikpresse viel beachteten Hit. Nun folgt Band 2, mit der die Coming-of-Age-Saga in die nächste Runde geht. Torben macht seiner Freundin aus Versehen einen Heiratsantrag. Doch ein echter Metaller macht keine Rückzieher. Bloß: Wie feiert man eine Metal-Hochzeit? Ist kirchliches Heiraten true? Und wohin fährt man in die Flitterwochen? Auf ein Festival? Während sich der Rest der Clique mit eigenen Problemen herumschlägt und der sympathisch-tumbe Sven seinen ersten Zombiefilm plant, schlägt das fiese Monster Schicksal härter zu als der Drummer von Cannibal Corpse, und die Clique muss sich der Erkenntnis stellen, dass Höllenglocken nicht nur bei AC/DC erklingen…

Thomas Meinecke: Analog – Kolumnen
120 S., Pb., Verbrecher Verlag 2013 (erscheint Oktober) 14,00 EUR

Thomas Meinecke erzählt von seinem Dasein als DJ, der Entstehung von Plattensammlungen, ersten Erfahrungen mit dem, was angesagt ist, und natürlich von Musik: über Musiker und Musikerinnen, Platten und Labels, Clubs und ein Lebensgefühl. Meinecke schildert, wie Techno und House die Menschen in London, Berlin, Schmalkalden, Bahia oder New York miteinander verbinden. „Analog“ versammelt die Kolumnen Meineckes aus dem Magazin Groove der Jahre 2007 bis 2013. Jeder Kolumne ist eine farbige Zeichnung von Michaela Malian zur Seite gestellt. Meinecke ist Schriftsteller, Musiker und DJ und 1980 Begründer der Band F.S.K. (Freiwillige Soziale Selbstkontrolle), die bis heute in fast gleicher Besetzung auftritt. Er hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Hörspiele veröffentlicht und dafür zahlreiche Preise erhalten.

Susanne Gretter (Hg.): Berlin bei Nacht. Neue Geschichten
264 S., Suhrkamp 2013 7,99 EUR

Durch den Kiez schleicht Nacht für Nacht ein weißer Fuchs. Ein Flaneur spaziert mit einem Müllbeutel in der Hand durch Mitte. Ein Nachtschwärmer sucht vergeblich nach den altvertrauten Orten. Jemand nimmt ein nächtliches Bad in der Spree. Ein anderer wirft einen Blick aus dem Fenster auf das Treiben in der Kastanienallee. In Friedrichshain heißt es: Schlange stehen, um ins Berghain zu gehen. Am Türsteher vorbei. Am Spreeufer setzt die Party-Taliban ihre Waffe ein: dröhnende Musik. Zwei D-Janes flirten mit dem Publikum. Flüchtige Glücksmomente. Tanzflächenglück. Eine Freundschaft schließen, die es ans Tageslicht schafft. Beim Spätkauf die Nacht ausklingen lassen. Und mit den Frühschichtlern in der S-Bahn sitzen. Berlin bei Nacht hat viele Gesichter. Ist nicht nur Kulisse, Bühne, Laufsteg, Tanz- oder Projektionsfläche, sondern verführerische und schmeichelnde Animateurin. Berlin und die Nacht, das beste Duo aller Zeiten. Davon erzählen neue Geschichten hellwacher Autorinnen und Autoren, Szenegänger und Kenner dieser Stadt. Mit Erzählungen von Imran Ayata, Bernd Begemann, Nora Bossong, Ann Cotten, Jens Friebe, Annett Gröschner, Anna Katharina Hahn, Gregor Hens, Dirk Knipphals, Bernadette La Hengst, Inka Parei, Angela Richter, Kathrin Schmidt, Claudius Seidl, Robert Stadlober, Jörg Sundermeier, Jenni Zylka und anderen.

Inger-Maria Mahlke: Rechnung offen
288 S., geb., Berlin Verlag 2013 19,99 EUR

»Inger-Maria Mahlke erzählt ebenso unbarmherzig wie liebevoll.« Thomas Hettche
Ein Panoptikum prekärer Existenzen bevölkert das Mietshaus im jüngst aufstrebenden Neukölln, und jeder hat hier eine Rechnung offen – mit den anderen, sich selbst und dem Leben: In ihrem neuen Roman erschafft die vielfach ausgezeichnete Autorin Inger-Maria Mahlke eine abgründige, denkwürdige Welt. Mit präzisem Blick für Feinheiten und Zwischenräume und großem Witz seziert sie eine Gesellschaft vor den tiefgreifenden Veränderungen unserer Zeit. Berlin-Neukölln: Dass der kaufsüchtige Claas Jansen eine leerstehende Wohnung im eigenen Mietshaus beziehen muss, hat weit mehr Gründe als die Bankenkrise. Und nicht nur er sieht sein früheres Leben in einem rasanten Abwärtsstrudel verschwinden. Am Scheidepunkt zwischen Kiezwirklichkeit und hipper Großstadt geht es um nicht minder Existenzielles. Jeder hat hier eine Rechnung offen: die afrikanischen Dealer, die ihre Schlepperkosten abarbeiten, die alzheimerkranke Alte und der Hochstapler, die Kurzzeit-Domina, ihr achtjähriger Sohn und andere Gestalten – eine globalisierte Notgemeinschaft. Sensibel, radikal und mit ganz eigenem Ton entwirft Inger-Maria Mahlke weit mehr als ein diagnostisches Zeitbild – eine große Parabel über die Abgründe des Lebens am Rande unserer gentrifizierten Welt. Inger-Maria Mahlke, geboren 1977 in Hamburg, wuchs in Lübeck auf, studierte Rechtswissenschaften an der FU Berlin und arbeitete am Lehrstuhl für Kriminologie. Preisträgerin des 17. Open Mike 2009 sowie des ersten Debütpreises des HarbourFront-Literaturfestivals 2010 für ihren Roman »Silberfischchen«. 2012 Ernst-Willner-Preis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt. Sie lebt in Berlin.

Klaus Beer: Route 66. Die Legende lebt
152 S., 139 Fotos, zwei farbige Karten, terra magica 2013
mit DVD-Farbfilm (92 Min.) und Top-Song „Get your Kicks on Route 66“
Der Bestseller in einer neuen Auflage erscheint September 19,99 EUR

Eine Hommage an die alte USA, gespickt mit großartigen Fotos. Klaus Beer hat mehrmals die 2448 Meilen von Chicago nach Los Angeles – quer durch drei Zeitzonen und acht Bundesstaaten – bereist, um den Mythos der legendären Route 66 aufzuspüren. In seinen Bildern fängt er aber nicht nur die Easy-Rider-Romantik mit alten Zapfsäulen und Blechschildern, Harley-Davidsons und Straßenkreuzern mit Heckflossen ein, sondern auch typisch amerikanische Szenerien: Die Häuserschluchten von Chicago, den Grand Canyon, Westerntowns und Indiandersiedlungen, Wüste und Naturwunder.

Christoph W. Bauer: In einer Bar unter dem Meer
220 S., geb., Haymon Verlag 2013 (erscheint August) 19,90 EUR

Erzählungen krachend wie ein Punksong, sanft wie ein Blick aufs Meer. Der Dichter mit dem Schlapphut, der Lehrer mit dem pissgelben Fahrrad, der Künstler in der pikanten Pose – die Figuren in diesen Erzählungen mögen auf den ersten Blick verschroben wirken. Dabei sind sie vertrauter, als einem lieb ist: Sie trauern verpassten Chancen nach, verrennen sich in Träume, sind unglücklich in ihren Berufen, sprechen von Treue und wandern von einem Bett ins andere, geben sich kühl und erfahren, im nächsten Moment innig und schmachtend. Temporeich und direkt sind Bauers Geschichten, und oft von einer bestechenden Komik. Sie sprechen an, was wir alle kennen: Einsamkeit, Sehnsucht, Liebe und Verlust. Und sind erzählt mit allen Instrumenten der Fantasie, des Punks und der Poesie.

Texte zur Theorie des Pop
400 S., Universal-Bibliothek Reclam 2013 (erscheint September) 8,80 EUR

Die Anthologie versammelt kanonische wissenschaftliche Texte der vergangenen 50 Jahre sowie journalistische Beiträge und theoretische Reflexionen von Pop-Akteuren selbst. Sie bietet einen Überblick über zentrale Positionen der internationalen und interdisziplinären Poptheorie: exemplarische Beispiele aus Deutschland, Großbritannien, Italien und den USA ebenso wie unterschiedlicher Fachdisziplinen. Die Anordnung der ausgewählten Texte folgt der Chronologie ihrer Erstveröffentlichung, um historische Entwicklungen nachvollziehbar zu machen. Knappe Einführungen in die einzelnen Texte zeigen zentrale Aspekte auf, ordnen sie in ihre Entstehungskontexte ein und verweisen auf Diskussionszusammenhänge und Rezeptionslinien.

Joachim Bessing: Untitled
304 S., geb., Kiepenheuer & Witsch 2013 19,99 EUR

Die Liebe in den Zeiten moderner Kommunikationstechnologie. Er ist Leiter des Stilressorts einer großen deutschen Wochenzeitung, sie eine Philosophin. Bei einem gemeinsamen Bekannten begegnen sie sich am Bücherregal, entdecken ihre gemeinsame Liebe zum antiken Philosophen Plotin – und dann ist nichts mehr, wie es war, nur sie leider immer noch verheiratet.Joachim Bessing schreibt in seinem zweiten Roman über die Liebe. Wie man da reingerät, was einen dort hält, warum man nicht mehr rauskommt. Sein Held, der all der Schauen, Events und Reiserei längst überdrüssig ist, will eigentlich endlich seinen Roman mit dem Titel »Der Mann, der bei der Welt am Sonntag Joachim Bessing war« zu Ende schreiben. Stattdessen stürzt er sich in die größte Liebe seines Lebens, die aber fast ausschließlich in E-Mails, SMS und Bildnachrichten stattfindet. Intensiver geht es kaum, komplizierter mit Sicherheit nicht, denn sie liebt ihn auch, will aber auf keinen Fall ihren Mann verlassen. Und so entwickelt sich der Reiz des Geheimnisses schnell zum Fluch. Mit diesem Roman ist Joachim Bessing ganz nah dran an der Gegenwart. Wie körperlich kann und muss Liebe noch sein, wie innig kann man sich mitteilen, wie nah kann man sich kommen? »Untitled« zeigt, wie es geht und trotzdem nicht klappt. Joachim Bessing, geboren am 26. Juni 1971, Autor mehrerer Bücher. »Untitled« ist sein zweiter Roman. Er lebt in Addis Abeba.

Selim Özdogan: DZ
344 S., geb., Haymon Verlag 2013 (erscheint August) 22,90 EUR

Die Geschichte zweier Brüder, eine Geschichte zweier Welten. Um seiner Mutter ihren letzten Wunsch zu erfüllen, macht sich Ziggy auf die Suche nach seinem Bruder Damian. Vor Jahren hat Damian Europa mit seinen strikten Gesetzen und Überwachungssystemen verlassen und eine Heimat in der DZ gefunden, einem Land, das unter der tropischen Sonne Südostasiens ein Leben in Freiheit und grenzenlosen Zugang zu Drogen verspricht. Während Ziggy in eine Welt von Chatrooms und Onlinecommunities einer modernen Drogenszene eintaucht, um dort eine Spur von Damian zu finden, stößt sein Bruder in der DZ auf eine neuartige Substanz, die den Geist für ungekannte Wahrnehmungen und Einsichten öffnet. Rasch erkennt Damian die Macht und die Gefährlichkeit dieser Substanz und beschließt, in den Untergrund abzutauchen. In seinem großen neuen Roman erzählt Selim Özdogan von der schönen neuen Drogenwelt des Internets, der Suche nach dem Glück und brüchigen Utopien. Er nimmt seine Leser mit auf eine atemberaubende Reise, die hinter unsere Horizonte führt.

Mariola Brillowska: Hausverbot
320 S., geb., Langen Müller 2013 (erscheint Juli) 19,99 EUR

Poesie meets Trash: Ein radikales Romandebüt. Überall, wo Lola erscheint, bekommt sie Hausverbot. 1981 verlässt die Zwanzigjährige ihre Heimat Polen , landet in Hamburg, bewohnt leerstehende Häuser, wird Ladendiebin und zettelt Schlägereien in Clubs an. Hausverbot. Nächste Tür. Auch die Kunstszene, wo sie Fuß zu fassen sucht, empfängt die Drama-Queen nicht mit offenen Armen. Aber sie weiß sich zu wehren und feiert gegen das Scheitern an, mit Chuzpe und Fantasie. Ein radikales Romandebüt, in dem es zur Sache geht: Irrwitzig, schonungslos, durchgeknallt.

Christoph Höhtker: Die schreckliche Wirklichkeit des Lebens an meiner Seite
248 S., geb., Berlin Verlag 2013 17,99 EUR

Ein hitzeflirrender Genfer Sommer, die japanische Kellnerin Mari mit den grünen Wunderpillen und eine Dienstreise in heikler Mission in Begleitung der allseits vergötterten Kollegin Céline – mehr braucht es nicht, um Frank Stremmer, vom Leben gelangweilter PR-Mann bei Suisse Forex, in andere Sphären zu katapultieren. Genf im Hochsommer 2008, neun entscheidende Tage im Leben von Frank Stremmer: Seine Freundin Marion hat sich für unbestimmte Zeit zurück nach Deutschland verabschiedet. Und Paul Carragher, sein vollalkoholisierter englischer Vorgesetzter, heckt einen dilettantischen Plan aus, um seinen Job und nicht zuletzt auch den von Stremmer zu retten. Doch der sonnt sich lieber mit der japanischen Kellnerin Mari an abgelegenen Stränden des Genfer Sees und gerät auf bunt schillernde Trips. Und neben Mari gibt es noch Céline, Stremmers extrem attraktive Kollegin. Sie begleitet ihn auf eine verhängnisvolle Dienstreise in geheimer Mission, denn Carraghers Plan zur Rettung in letzter Sekunde geht nicht nur schief – er gerät zur Farce. Christoph Höhtker, geboren 1967 in Bielefeld, studierte Soziologie, war Taxifahrer, Journalist, Werbetexter und Sprachlehrer. Er lebt und arbeitet seit 2004 in Genf.

Kim Young-ha: Der Sterbehelfer
288 S., Pb., konkursbuch Verlag Claudia Gehrke 2013 9,99 EUR

Seyon ist eine junge Frau aus Seoul, hübsch, verwöhnt und gelangweilt. Willenlos lässt sie sich treiben, wechselt ohne Anteilnahme von einem Liebhaber zum nächsten. Für sie, die nicht einmal dem Sex große Lust abzugewinnen vermag, hat einzig das Sterben noch einen gewissen Reiz. Der Erzähler, der uns Seyons Geschichte berichtet, hat zu ihr ein ganz besonderes Verhältnis, hat er sich doch darauf spezialisiert, lebensmüden Menschen den Selbstmord zu arrangieren. Kaum sind sie tot, wechselt er vom Sterbeassistenten zum Schriftsteller. Was er in den vorbereitenden Gesprächen erfahren hat, macht er sich jetzt zunutze und lässt die in den Tod Gegangenen als Protagonisten seiner Geschichten wieder auferstehen. Seyons Geschichte setzt sich an die Stelle von Seyons wirklichem Leben, über das der Autor nun in eigener Regie verfügt. Sein Denken, Handeln und Empfinden ist durch das Artifizielle geprägt. Eines Tages begegnet ihm in Mimi eine Frau, die ihn ganz besonders fasziniert. Diese Performance-Künstlerin hält die Frage nach Schein und Sein allein schon durch ihren Beruf ständig wach. Und seine Tätigkeit stellt dem Sterben als kreatürlichem Zu-Ende-Gehen den artifiziellen Akt des Sich-Tötens gegenüber. Die Kunst – das Geplante, willentlich Gestaltende – feiert über das vom Schicksal Gebende einen zweifelhaften Triumph. Der Roman ist ganz auf den Gegensatz Kunst und Wirklichkeit zugeschnitten. Er spielt das Thema auf verschiedenen Ebenen virtuos durch. Für diesen Roman, sein provokantes Debüt, erhielt Young-ha den koreanischen Literaturpreis für moderne Literatur. Seine Lesungen sind besucht wie Popkonzerte.

Daniel de Roulet: Kamikaze Mozart
280 S., geb., Limmat Verlag 2013 (erscheint im September) 31,80 EUR

Eine kleine Kriegsmusik: „So wurde uns die Geschichte der Atombombe noch nie erzählt“ (Aux Arts). Fumika, japanische Musikstudentin in Berkeley, verliebt sich in den Schweizer Physiker Wolfgang, der im Team von Robert Oppenheimer an der Atombombe baut. In Japan hat ihre Familie für sie einen Mann bestimmt, den sie noch nie gesehen hat und der Kamikaze-Anwärter bei der Luftwaffe ist. Nach dem Überfall der Japaner auf Pearl Harbour wird Fumika mit den anderen 130.000 „feindlichen Elementen“ interniert. In der Wüste von Santa Fe, wo die Internierten beim Bau von Wolfgangs Reaktor eingesetzt werden, sehen sie sich wieder. Wolfgang hat sich inzwischen ganz in den Dienst der „Bombe gegen die Nazis“ gestellt, und die Liebe zu einer „Feindin“ bringt ihn jetzt in Schwierigkeiten. „Kamikaze Mozart“ ist ein virtuoser Roman über das Wettrennen um die Atombombe: von Lise Meitners Entdeckung der Atomspaltung über den nicht mehr kriegsnotwendigen Abwurf der Atombome bis zur Kernschmelze in Lucens 1969, in der die Schweizer Träume von der „Bombe“ untergingen.

James Agee: Der Tramp und die Bombe
Der Film, den Chaplin nie drehte
208 S., Pb., diaphanes 2013 (erscheint September) 16,95 EUR

Idee zu einem Film und literarisches Meisterwerk zugleich: lyrisch, funkelnd, von unerhörter Präzision. Eine Atombombe explodiert über New York. Die entsetzlichen Auswirkungen hat niemand vorhergesehen: Kein menschliches Leben hat überlebt. Mit Ausnahme des Tramp. Durch die menschenleere Wüstenei eines post-apokalyptischen New York wankt Charlie Chaplin in seiner Paraderolle als Vagabund, dem nur sein tiefschwarzer Humor geblieben ist. Und er stößt auf weitere Überlebende: eine junge Frau, ein Neugeborenes – und ein Grüppchen Wissenschaftler, die sich inmitten der Ruinen eine Basis für ihre neue Weltordnung eingerichtet haben…. 1947 wendet sich James Agee an den von ihm hochverehrten Charlie Chaplin mit diesem Filmprojekt. Eine dunkle, hochkomplexe und dichte Geschichte, packend, bitter und bildgeschwängert. So drastisch wie unbeirrt manifestieren sich darin kollektive Ängste und der Wille zur ätzenden politischen Parodie gegen die antikommunistische Furor der McCarthy-Ära, dem Chaplin selbst ausgesetzt war. Nie realisiert und erst vor kurzem wiederentdeckt, entfaltet sich ein erstaunlicher Text auf der Schwelle zwischen Film und Literatur, zwischen Drehbuch, poetischer Novelle und politischer Satire. James Agee (1909 – 1955) war Dichter, Schriftsteller, Journalist und Drehbuchautor.

Friedrich Glauser: Der Chinese
Wachtmeister Studers dritter Fall
CD Live-Aufnahme über 6 Stunden, Limmat 2013 28,50 EUR

erscheint im September
Pründisberg: eine Armenanstalt, eine Gartenbauschule und eine Dorfwirtschaft. Aber auch zwei Tote. Denn die Taschentücher der Anna Hungerlott, die an Darmgrippe gestorben sein soll, weisen Arsenspuren auf. Und der Chinese liegt mit einem Schuss mitten durchs Herz im Novembernebel. Wachtmeister Studer beobachtet. Dass die Armenhäusler dünne Kohlsuppe löffeln, während der Armenvater erlesenen Wein trinkt, hat nichts mit den Morden zu tun, oder doch? Die Armenanstalt enthüllt mehr und mehr Züge eines korrupten Herrschaftssystems. Im selbstgerechten Zirkel der Aufsichtskommission fühlen sich zwei Mörder sicher… Die Lesung wurde im Auftrag des SYNDIKATS, Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur, anlässlich der Criminale 2013 in Bern, Burgdorf, Solothurn und Thun organisiert. Es lesen 27 bekannte Autoren.

Friedrich Glauser: Der Hellseherkorporal
und andere Geschichten aus der Fremdenlegion
140 S., Limmat 2013 (erscheint im September) 22,80 EUR

Zwei Jahre verbrachte Friedrich Glauser 1921 – 1923 in der Fremdenlegion. An diese Zeit erinnert der große Legionsroman „Gourrama“, aber auch in zahlreichen Erzählungen und Kurzgeschichten hat Friedrich Glauser seine Erlebnisse als Korporal der Fremdenlegion verarbeitet. Am Rand der Sahara stationiert, wurde Glausers Einheit nicht in kriegerische Konflikte verwickelt, die kleine Männerkolonie war mehrheitlich mit sich selbst beschäftigt, der Hierarchie, dem Mangel an Geld, Alkohol und anderen Genüssen, dem Überfluss an Arbeit und langer Weile. Es ist ein kleiner Kosmos von europäischen Männern mit bunten Lebensläufen inmitten arabischer Dörfer und Städtchen.

Gary Dexter: Der Marodeur von Oxford
304 S., Pb. , diaphanes 2013 (erscheint September) 16,95 EUR

Henry St. Liver ist in Gebieten unterwegs, die sein Kollege Sherlock Holmes nie betreten würde. London, 1892. Henry St. Liver und Olive Salter haben mit jeder Menge mysteriöser Ereignisse und beunruhigender Vorfälle zu tun: Exhibitionistische Adlige, diebische Nonnen, verschwundene Ritualgegenstände, marodierende Wesen unklarer Spezies und reichlich seltsame Gourmets bevölkern eine rätselhafte Welt, gegen die sich die simplen Verbrecherjagden der Kollegen Sherlock Holmes und Dr. Watson durchsichtig und eindimensional ausnehmen… St. Liver und Salter treiben sich in den unwahrscheinlichsten Gegenden der Psychopathia sexualis herum. Oscar Wilde hat ebenso seinen Gastauftritt wie Edgar Rampoe, der Erfinder der japanischen Kriminalliteratur. Very sophisticated, sehr witzig, manchmal schön geschmacklos und sprachlich ausgefuchst. „Penser Pulp“ für skeptische Freudianer, Conan Doylisten und Iwan-Bloch-Fans. Ein einziges Lesevergnügen.

Jerome Charyn: Unter dem Auge Gottes
256 S., Pb., diaphanes 2013 (erscheint September) 16,95 EUR

Good news: Isaac Sidel ist wieder da! Seit 1974 steigt der Cop aus der Bronx umso höher, je krimineller und mörderischer er agiert und je besser er als Mensch ist. Er ist inzwischen Vizepräsident der Vereinigten Staaten und muss dennoch New York City vor dem Zugriff gieriger Politicos beschützen. Mit Hilfe von Verbindungen, die tief in die Geschichte der jüdischen Mafia zurückreichen – und auch wenn er dazu raus muss aus dem Big Apple und dem mythischen Hotel Astonia. Ausgerechnet nach Texas. Jerome Charyn „ist einer unserer wagemutigsten Schriftsteller“, weiß die New York Times schon lange. In seinem breiten Oeuvre nehmen die Sidel-Romane einen wichtigen Platz ein und gehören zu den Großereignissen der zeitgenössischen Literatur. Sie sind harte Kriminalliteratur, urbane Mythomanien, metropole Visionen, realistische Alpträume und bewusstseinsverändernde Literatur.

David G. L. Weiss: Macht
420 S., geb., Langen Müller 2013 (erscheint August) 19,99 EUR

Klassentreffen sehen anders aus. Der grausige Selbstmord eines Schulfreundes ist eine böse Nachricht für Josephine Mahler, Dozentin für Ethnologie in Frankfurt. Die Rückkehr nach Wien wird für sie zur Konfrontation mit der Vergangenheit. Gemeinsam mit ihrer Jugendliebe, schlittert sie in tödliche Verstrickungen. Eine codierte Nachricht, ein silberner Ring mit Totenkopf, ein mittelalterliches Manuskript und ein berühmtes Gemälde führen zu der elitären Studentenverbindung Skull and Bones nach Yale. Als Mahler und Szombathy bei ihren Nachforschungen auch noch auf die Men in Black und den Terror von 9/11 stoßen und endlich verstehen, womit sie es in Wahrheit zu tun haben, ist es bereits zu spät.

Damir Karakas: Ein herrlicher Ort für das Unglück
280 S., geb., Dittrich 2013 (erscheint September) 19,80 EUR

Karakas schreibt über Menschen aus Osteuropa, die in den Westen stürmen, um ihre Träume zu verwirklichen, und deren Träume sich, dort angekommen, sehr oft in Alpträume verwandeln. Von der Mehrheit der Franzosen als Landstreicher und Penner verachtet und in Paris nicht akzeptiert, erzählt der Autor in seinem autobiografischen Roman von seinem „französischen Traum“, den er vergeblich zu verwirklichen sucht. Im Roman schildert er Paris aus der Sicht des Außenseiters. Paris erscheint als finsteres Loch, in dem sich die Einwanderer einander ähneln. Ein Leben in unerträglichen Wohnverhältnissen, Gelegenheitsjobs am Rande der Legalität. Straßenkünstler werden von der Polizei verfolgt. Der Leser erlebt Straßen und Ecken von Paris, berühmte Touristenziele, die als „Arbeitsplatz“ der Straßenkünstler einen ganz anderen Einblick gewähren. Der Balkan, dessen Armut der Held entflieht, holt ihn in Gestalt von Kriminellen ein. Als er es ablehnt, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen, muss er um sein Leben fürchten. Gleichzeitig macht der Protagonist eine Ausbildung an der Universität, besucht die faszinierenden Bibliotheken und Museen, führt intensive Gespräche mit anderen Künstlern. Aber Paris erlebt er als eine fremdenfeindliche Stadt, in der die Einflüsse der herrschenden Politiker und auch die rechtsextreme Partei Front National von Le Pen tiefe Spuren hinterlassen haben. Die Emigranten sind unerwünscht, vor allem, wenn sie aus Ländern stammen, die keine EU-Mitglieder sind. Bei einer Razzia wird der Protagonist von der Polizei abgeführt und grundlos inhaftiert. Die Untersuchungshaft verbringt er in apokalyptischen Katakomben, in denen einst, während der Revolution, die Insassen auf die Guillotine warteten. Trotz legaler Reisepapiere folgt nach einem Prozess die Abschiebung in sein Heimatland.

Lisa Kränzler: Nachhinein
292 S., geb., Verbrecher Verlag 2013 22,00 EUR

»Nachhinein« erzählt von der Entwicklung zweier Mädchen und ihrer sich verändernden Freundschaft. Zwischen ihnen gibt es einen wesentlichen Unterschied: Die eine wird behütet, geliebt, entschuldigt, darf sogar rebellisch sein, die andere hingegen ist arm, wird angegriffen und in ihrer Familie missbraucht. Aus diesem Grund ändert sich bald auch die Beziehung der Mädchen zueinander, die zunehmend von Liebe, Eifersucht und erwachender Sexualität, von Machtspielen und Grausamkeit geprägt wird. Bis die Ereignisse außer Kontrolle geraten … Im Juli 2012 erhielt Lisa Kränzler den 3sat-Preis beim Klagenfurter Bachmann-Wettbewerb für einen Auszug aus diesem Roman. »Ein sehr intensiver und durchkonstruierter Text, dabei aber nicht spröde – hier wird der Leser wieder seinen eigenen Kindheitserfahrungen ausgesetzt«, meinte Juror Paul Jandl.

Elisabeth Pfister: Wenn Frauen Verbrecher lieben
200 S., Pb., Ch. Links Verlag 2013 (erscheint September) 16,90 EUR

Warum bekommen Serienmörder waschkörbeweise Liebesbriefe? Auf Internetseiten suchen inhaftierte Männer Bekanntschaft mit Frauen – und erhalten zahlreiche Zuschriften. Nicht selten läuten später sogar die Hochzeitsglocken in der Gefängniskapelle. Es sind verurteilte Mörder, Totschläger oder auch Sexualverbrecher, in die sich Frauen verlieben. Elisabeth Pfister geht diesem Phänomen nach und fragt, wer diese Frauen sind, was sie antreibt. Ihre Motive scheinen so rätselhaft wie abgründig. Finden sie keinen Mann auf dem „freien Markt“? Leiden sie an einem Helfersyndrom? Oder suchen sie manchmal unbewusst die Wiederholung früherer Gewalt- und Missbrauchserfahrungen? Die Faszination der Gewalt, der diese Frauen erliegen, hat unterschiedliche Wurzeln und Hintergründe. Pfister strebt keine repräsentative Studie an, sondern versucht, anhand von authentischen, teils hochdramatischen und tragischen Schicksalen Antworten auf diese Fragen zu finden.

Mein heimliches Auge. Das Jahrbuch der Erotik XXVIII
320 S., Pb., konkursbuch Verlag Claudia Gehrke 2013 15,50 EUR

Erscheint im Oktober. Das Jahrbuch versammelt seit mehr als drei Jahrzehnten Originalbeiträge mit erotischen Bildern und Texten: Malerei, Kunst- und Privatfotografie, historische Fundstücke, Kurzgeschichten, Poetisches, Sachtexte, biografische Gespräche und dokumentarische Berichte aus dem Leben. Zart, hart, heiter, unterhaltsam, zum Nachdenken anregend, tragisch, leidenschaftlich, erregend und romantisch. Ein facettenreicher Einblick hinter die Oberfläche des nur scheinbaren „Anything Goes“. Das große Thema Liebe, Lust und Erotik, „multisexuell“ und schubladenübergreifend. „Frisch, authentisch und aktuell. Eine Wundertüte“ (HZ). „Dieses Buch wird Ihnen Schlemmeraugen machen… Einen nachdenklichen Beitrag über das Verstehen der Geschlechter versprechen dabei die ungeschürzten Dialoge.“ (Thüringer Allgemeine), „Frech und ohne Harmoniesüchtelei“ (Stuttgarter Zeitung).

Yigal Blumenberg / Wolfgang Hegener (Hrsg.)
Die „unheimliche“ Beschneidung.
Aufklärung und die Wiederkehr des Verdrängten
160 S., Pb., Brandes & Apsel 2013 (erscheint September) 15,90 EUR

Fünf Autoren aus den Bereichen Kultur- und Erziehungswissenschaften, Judaistik und Psychoanalyse gehen den Fragen und Argumenten nach, die in der Debatte um die Beschneidung von männlichen Säuglingen in der jüdischen Tradition eine zentrale Rolle spielen. Sie wollen aber auch eine offenkundige Wissenslücke schließen, die sich deutlich bemerkbar gemacht hat. Ein genuin aufklärerisches Werk! Wenn auch mittlerweile der Gesetzgeber die medizinisch nicht indizierte Beschneidung legalisiert hat, so darf vermutet werden, dass diese Debatte in der deutschen Gesellschaft noch kein Ende gefunden hat. Es spricht Vieles dafür, dass in dieser hitzigen Auseinandersetzung Geschichte wiederkehrt und mit dem Hinweis auf die sog. „Auschwitzkeule“ oder dem Vorwurf einer (sexuellen) Traumatisierung zurückgewiesen wird. Nicht selten entsteht der Eindruck, dass viele Diskutanten eher mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind und nicht den konkreten Dialog mit Juden (aber auch mit Muslimen) suchen. Die Autoren versuchen, u.a. auf diese Fragen Antworten zu formulieren: Wie hat sich die Tradition christlicher Stereotype über die jüdische Tradition entwickelt? Was ist jüdische Tradition? Ist sie Ausdruck einer überkommenen patriarchalen Religion?

Fedor von Zobeltitz (Hg.): Till Eulenspiegel
192 S., zahlr. Abb., reprint Verlag Leipzig 2013 (erscheint August) 24,90 EUR

Trotz eifriger Bemühungen von Germanisten und Historikern ist die Urheberschaft des Volksbuches nie endgültig geklärt worden. Aber das hat der Beliebtheit der Eulenspiegel-Geschichten keinen Abbruch getan. Schon die frühen Drucke des Volksbuches waren mit kleinen Holzschnitten verziert worden. Diese Tradition nimmt die 1924 erschienene Neuausgabe wieder auf. Die ganzseitigen Holzschnitte Bruno Goldschmitts überhöhen nicht nur die Eulenspiegeleien des beliebten Schalknarren auf sympathisch groteske Weise, sondern dokumentieren auch den hohen Rang der Buchillustration des frühen 20.Jahrhunderts.

Charles Dickens: Der Weihnachtsabend
128 S., illustriert, reprint Verlag Leipzig 2013 (erscheint August) 19,90 EUR

Hier liegt die wohl bekannteste Erzählung von Charles Dickens nun in einer bibliophilen Neuausgabe (neu gesetzt nach der Ausgabe Zürich 1918) vor. Die klassischen Illustrationen von Arthur Rackham geben der Geschichte eine ganz eigene Interpretation. Neu gesetzt, trägt die Ausgabe auch modernen Lesegewohnheiten Rechnung, so ist das Werk auch für den heutigen Leser geeignet. Das ideale Weihnachtsgeschenk!

Charles Dickens: Der Weihnachtsabend
160 S., illustriert, geb., Reclam 2013 (erscheint September) 12,00 EUR

Die Erzählung über den geizigen alten Scrooge, der in der Weihnachtsnacht Besuch vom Geist seines verstorbenen Teilhabers und von drei weiteren Geistern erhält und danach sein Leben ändert, gehört zu Dickens beliebtesten Werken. Die Erstausgabe erschien 1943 mit den Illustrationen von John Leech, danach haben, bis heute, weitere Künstler sich von der Geschichte inspirieren lassen. Zu den schönsten Illustrationen gehören die von Arthur Rackham, 1915 erschienen, die in dieser durchgehend vierfarbigen Ausgabe vollständig wiedergegeben sind.

Heinrich Heine: Elementargeister
120 S., Universal-Bibliothek Reclam 2013 (erscheint September) 4,00 EUR

Als eine Art Antwort auf das berühmte Deutschland-Buch der Madame de Stael konzipierte Heinrich Heine ein dreiteiliges Projekt über deutsche Literatur („Die romantische Schule“, UB 9831), deutsche Philosophie („Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, UB 2254) und über deutsche Mythologie und Volksglauben – dieser dritte Teil erhielt in der selbstständigen Publikation in Deutschland den Titel „Elementargeister“. Heine versucht hier, den interessierten Franzosen deutsche Sagen und Geistergeschichten näherzubringen, von Elfen, Nixen, Zwergen und Teufeln, und schließlich von marmornen Jungfrauen und Frau Venus selbst: das Buch schließt mit Heines Version der Tannhäuser-Sage.

Edgar Allen Poe: Der Rabe
64 S., illustriert, geb., reprint Verlag Leipzig 2013 (erscheint August) 16,90 EUR

Mit grandiosen Illustrationen und ergänzt um Poes Essay „Die Philosophie dichterischen Schaffens“ bietet diese zweisprachige Ausgabe die wohl vollkommenste Form, das Gedicht „Der Rabe“ von Edgar Allen Poe zu publizieren. Englisches Original und deutsche Übersetzung folgen Strophe für Strophe direkt aufeinander, unmittelbar begleitet von den unnachahmlichen Zeichnungen des Meisters der Buchillustration Gustave Dorè.

Andrew Miller: Friedhof der Unschuldigen
6 CDs, 450 Min., Audiobuch Verlag 2013 (erscheint August) 22,95 EUR

Paris 1785: Der junge Ingenieur Jean-Baptiste Baratte erhält von höchster Stelle einen Auftrag: Er soll den Friedhof der Unschuldigen demolieren, dessen Gestank die Stadtbewohner quält. Barette, fortschrittsgläubig und Anhänger Voltaires, engagiert einen Trupp aus Flandern. Die unheimlichen Arbeitstiere sollen die Skelette ausgraben und fortschaffen. Auf dem Friedhof schließt Baratte Freundschaft mit dem weltgewandten Organisten einer leer stehenden Kirche, durch den er Zugang zur zwielichtigen Schattenwelt von Paris erhält. Dort lernt er das Mädchen Heloise kennen und verliebt sich in sie. Und er trifft auf den freundlichen Arzt Guillotin, der den Friedhof anläßlich desStudiums menschlicher Verwesung aufsucht. Unterdessen künden bedrohliche Ereignisse von einer aufziehenden Gefahr.

Svestislav Basara: Die Verschwörung der Fahrradfahrer
464 S., geb., Dittrich 2014 (erscheint März 2014) 22,80 EUR

„Die Verschwörung der Fahrradfahrer“ ist ein jugoslawischer Kultroman, der im Original vor zwanzig Jahren erschien. Die Geschichte beginnt im staubigen Keller einer Bibliothek in der serbischen Provinz und führt den Leser durch das fantastische Labyrinth einer fiktiven Dokumentation über eine uralte Bruderschaft. Diese geheimnisvolle Organisation – ein mystischer Orden der Fahrradfahrer – leitet, kraft ihrer Beherrschung der Zukunft, die Geschicke der Menschheit. Die Fahrradfahrer treffen sich im Traum, in einer frei schwebenden durchsichtigen Kathedrale, wo sie auch Anweisungen von Ordensmitgliedern aus der Zukunft empfangen. Ebenso satirisch wie phantasievoll lässt der Autor eine Fülle exzentrischer Figuren auftauchen, erfundene und historische Gestalten – von Karl dem Grässlichen über Freud, Nietzsche, Sherlock Holmes bis hin zu Stalin. Basara bedient sich ihrer, um die Einheit von Raum und Zeit in Frage zu stellen, und außerdem die These zu beweisen, dass Geschichte nie objektiv erzählt wird, sondern von jedem, wie es ihm passt.

George Orwell: 1984
Ungekürzte Lesung über 744 Min. (13 Std.) auf 2mp3-CDS
Der Klassiker erstmals als Lesung , Hörbuch Hamburg 2013 19,99 EUR

Orwells Roman über die Zerstörung des Menschen durch eine perfekte Staatsmaschinerie ist längst zu einer scheinbar nicht mehr erklärungsbedürftigen Metapher für totalitäte Verhältnisse geworden. Mit atemberaubender Unerbittlichkeit zeichnet der Autor das erschreckende Bild eines Staates, der seine Bürger ständig überwacht und nicht nur ihr Denken, sondern auch die Vergangenheit manipuliert. Der literarische Erfolg von „1984“ verdankt sich einem beklemmenden Wirklichkeitsbezug, dem sich der Hörer nicht entziehen kann.

Christian Blees: Der Kaiser von Dallas
Die einzige Wahrheit über den Mord an John F. Kennedy (Hörspiel)
1 CD, 54 Min., Audiobuch Verlag 2013 (erscheint September) 14,95 EUR

Hörspiel-Parodie mit großartigen Sprechern und vielen Originalstimmen. Endlich aufgeklärt – ganz neue Erkenntnisse! 1963 wird John F. Kennedy heimtückisch ermordet. An der Alleintäterschaft von Lee Harvey Oswald gibt es bald Zweifel. War die Mafia beteiligt? Oder politische Konkurrenten? Im Jahr 2002 stößt der Journalist Christian Blees auf mysteriöse Tonbänder in englischer Sprache. Diese haben offenbar etwas mit dem Anschlag zu tun. Seine Recherchen führen Blees rund um den Erdball und schließlich zurück nach Deutschland. Hier trifft er einen ehemaligen Stasi-Mann, der behauptet, JFK ermordet zu haben.

Michael Ende: Momo
7 CDs, ungekürzte Lesung, Silberfisch 2013 (erscheint im September) 19,99 EUR

Zum 40jährigen Jubiläum die ungekürzte Lesung: Momo lebt am Rande einer Großstadt in den Ruinen eines Amphitheaters. Sie besitzt nichts als das, was sie findet oder was man ihr schenkt, und eine außergewöhnliche Gabe: Sie hat immer Zeit und ist eine wunderbare Zuhörerin. Eines Tages treten die grauen Herren auf den Plan. Sie haben es auf die kostbare Lebenszeit der Menschen abgesehen. Momo ist die Einzige, die ihnen noch Einhalt gebieten kann. Gert Heidenreich entführt den Hörer mit seiner warmen, dunklen Erzählstimme in Momos Welt.

Michael Ende: Momo. Das Hörspiel
3 CDs, Silberfisch 2013 (erscheint im September) 14,99 EUR

Zum Jubiläum auch die Hörspiel-Inszenierung des WDR mit Starbesetzung Rufus Beck, Karin Anselm, Peter Fricke u.v.a.

Max Kruse: Urmel saust durch die Zeit
3 CDs, Silberfisch 2013 (erscheint im September) 14,99 EUR

Sensationell: Max Kruse hat ein neues Urmel-Abenteuer geschrieben. Top-Sprecher Rufus Beck. Das Urmel ist abenteuerlustig wie eh und je. Versehentlich katapultiert sich das ewig neugierige Urmel in die Vergangenheit. Zum Glück sind Tim, Wawa und Ping dabei. Aber die Reise ist alles andere als harmlos! Vom Ufer der Ursuppe geht es über die Entwicklung des ersten Lebens und die Dinosaurier in die erste Siedlung der Menschen. Der Professor versucht, sie in die Gegenwart zurückzuholen – aber ob ihm das ohne Panne gelingt? Stimmzauberer Rufus Beck gibt Urmel und seinen sprachwitzigen Freunden fantastische Stimmen auf preisgekröntem Niveau.

Carl Djerassi: Der Schattensammler. Die allerletzte Autobiografie
544 S., geb., Haymon Verlag 2013 (erscheint August) 24,90 EUR

Die große Autobiografie der „Mutter der Pille“ Carl Djerassi. Die eindrucksvolle Lebensgeschichte eines der größten Chemiker und bedeutendsten Kunstsammler und –mäzene unserer Zeit gibt einen tiefen Einblick in sein ereignisreiches Leben: Geboren und aufgewachsen in Wien, musste seine Familie, als er 15 war, aufgrund ihrer jüdischen Herkunft zunächst nach Bulgarien und später in die USA flüchten. Mit der Entwicklung der Pille hat Djerassi die Gesellschaft grundlegend verändert, seine Ergebnisse zur Synthese von Cortison waren entscheidend für die weitere Forschung. Schonungslos offen lässt der nun knapp 90jährige sein Leben Revue passieren. Er erzählt von den wichtigsten Stationen seines beruflichen Werdegangs, seiner Leidenschaft für Kunst und Literatur sowie den prägenden Erfahrungen seines Lebens.

Erich Mühsam: Tagebücher
Band 5 / 1915 – 1916
320 S., geb., Verbrecher Verlag 2013 (erscheint November) 28,00 EUR

Das Jahr 1916. Ein Ende des Weltkriegs ist nicht abzusehen. Mühsam ist in München zur Untätigkeit verdammt. Seine Meinung darf er nicht öffentlich sagen, es ist einsam um ihn geworden. Also verfolgt er die Berichte von den vielen Fronten und macht sich sein eigenes Bild. Zerstörung, millionenfaches Leid, die Triumpfe der Militärtechnik mit U-Boot Krieg, Giftgas und die Bombardierung wehrloser Städte quälen ihn. Auch der Völkermord an den Armeniern, von der deutschen Politik gebilligt, beschäftigt ihn, doch es bleibt ihm nur, das Ausmaß für die Nachwelt fassbar zu machen. Nur die militärische Niederlage Deutschlands kann Europa retten, begreift er nun. Verzweifelt forscht er nach Möglichkeiten, die Wahrheit zu verbreiten, Widerstand und Revolte zu schüren. Doch seine Suche nach Verbündeten bei Schriftstellern wie Heinrich Mann oder bei linken Sozialdemokraten wie Karl Liebknecht führt nicht weit. Im Herbst 1916 endlich kommt es zu Protesten in München. Beginnt der Aufstand der Massen gegen den Krieg? Mühsam fasst neuen Mut und bereitet sich auf seine historische Rolle vor. Erich Mühsam, 1878 in Berlin geboren, war Dichter und politischer Publizist. Er war maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt, wo er zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt wurde. 1933 wurde er verhaftet und am 10.Juli 1934 im KZ Oranienburg ermordet.

Michael Meyen, Anke Fiedler: Wer jung ist, liest die „Junge Welt“
Die Geschichte der auflagenstärksten DDR-Zeitung
240 S., Abb., Ch. Links Verlag 2013 (erscheint September) 29,90 EUR

Die Geschichte der erfolgreichen Jugend-Zeitung der DDR. Aufstieg und Fall einer Zeitung, die einst eine Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren erzielte. So funktionierte die „Bild-Zeitung des Ostens“. Die Macher von damals und heute kommen zu Wort. „Warum hat die DDR eigentlich keine Bild-Zeitung?“, fragt ein Besucher aus dem Westen einen Genossen. „Na, wir haben doch die Junge Welt!“. Beim „Neuen Deutschland“ waren sie neidisch, wenn die Parteiführer das „bessere Zentralorgan“ lobten, und die Leser sich auf Mittwoch freuten, wenn es in der Rubrik „Unter vier Augen“ Partner- und Sexualtipps gab, und auf Montag, wenn gute Fußballreportagen im Blatt waren. Unerbittlich wurde aber auch hier der Feind bekämpft, ob kritische Filmemacher oder Mahnwächter in einer Kirche. Michael Meyen und Anke Fiedler haben die „Junge Welt“ noch einmal gelesen, 20 Jahre nachdem die Auflage von anderthalb Millionen Exemplaren täglich auf ein paar Tausend schrumpfte. Sie haben mit den Machern von einst und heute gesprochen, in den Archiven von Partei, FDJ und Staatssicherheit gegraben und dabei die Geschichte einer Zeitung zutage gefördert, die wie kein anderes Blatt für das Wachsen und Vergehen der DDR steht.

Peter O. Chotjewitz: Mein Freund Klaus
576 S., geb., Neuausgabe, Verbrecher Verlag 2013 (im Oktober) 32,00 EUR

Der Brisanz des Materials entspricht die Radikalität der literarischen Mittel. In diesem Roman liegen die Fakten auf dem Tisch. Kühn im Aufbau schreibt Chotjewitz über seinen Freund Klaus Croissant, der als Strafverteidiger schikaniert, als angeblicher Drahtzieher des internationalen Terrorismus verfolgt und nach der Annexion der DDR durch die Bundesrepublik 1990 wegen staatsfeindlicher Agententätigkeit abermals verurteilt wurde. Penibel recherchiert, detailgetreu und kühl erzählt, steht der Roman in einer Linie mit Chotjewitz skandalösem Romanfragment über die RAF aus dem Jahr 1978 „Die Herren des Morgengrauens“.

Dario Fo, Gianroberto Casaleggio, Beppe Grillo
5 Sterne – Über Demokratie, Italien und die Zukunft Europas
192 S., Pb., Tropen 2013 (erscheint am 21.Juni) 14,95 EUR

In den ersten zwei Wochen im italienischen Original wurde es bereits 50 000 mal verkauft und schoss sofort in die Top Ten der dortigen Bestsellerliste. Es ist eine Abrechnung und zugleich ein Manifest für ein ganz anderes Europa. „Wir erleben eine historische Veränderung – der Kultur, der Politik, der Wirtschaft. Dieser Bewegung geht es nicht darum, irgendwelche Allianzen zu diskutieren. Es geht darum, dass die Bürger selbst Teil des Staats werden.“ (Beppo Grillo). Alles über die 5-Sterne-Bewegung Beppo Grillos und den politischen Wandel Europas. Drei Intellektuelle, die Italien nachhaltig prägen, machen Europa und dem Rest der Welt ein beispielloses Phänomen verständlich. Sie schlagen neue Wege der direkten Demokratie für Italien, Europa und der Welt im digitalen Zeitalter vor: provozierend, ironisch, kreativ und konstruktiv. Italien muss endlich die Hydra der Korruption besiegen. Es braucht ein Wirtschaftssystem, das den Menschen und nicht den Banken dient. Dario Fo, Grillo und Casaleggio fordern die italienische Gesellschaft und die europäischen Demokratien heraus. Sie wollen die Spielregeln ändern: nicht irgendwann, sondern jetzt! Politik darf sich nicht mehr in Machtspielen erschöpfen. Politik muss es den Bürgern wieder ermöglichen, authentisch und verantwortungsbewusst aktiv zu werden. Auf einem imaginären Spaziergang von Athen nach Piräus rufen die drei Autoren die erste Demokratie in Athen und ihre Bedeutung für uns in Erinnerung. Sie diskutieren Vorschläge, beschreiben ihr Programm und blicken nach vorn auf die Herausforderungen der Zukunft. Es werden Fragen zu Arbeitsmarkt, Euro, Einwanderung, Steuern und Demokratie überraschend, witzig, originell und konstruktiv beantwortet. Dario Fo, geboren 1926, Nobelpreisträger für Literatur im Jahr 1997, engagiert sich für eine Kultur des sozialen Engagements. Seine Theaterstücke werden in Italien und dem Ausland erfolgreich aufgeführt, seine Werke in viele Sprachen übersetzt. Fo ist mit der Schauspielerin und politischen Aktivistin Franca Rama verheiratet. Gianroberto Casaleggio, geboren 1954 in Mailand, war Geschäftsführer bei Olivetti. Er gründete den Internetdienst Webegg. Heute ist er Unternehmer und besitzt eine Agentur, die den Internetauftritt Grillos betreut. Beppe Grillo, geboren 1948 in Genua, erfolgreicher Komiker und Schauspieler, sowie einer der weltweit beliebtesten Blogger. 2007 gründeten Casaleggio und Grillo ihre politische „5-Sterne-Bewegung“, die sie seither im Internet auf- und ausbauten. In Italien und in der ganzen Welt genießt ihr Blog große Aufmerksamkeit und hohes Ansehen.

Mark Fisher: Kapitalistischer Realismus ohne Alternative?
Eine Flugschrift 120 S., VSA Verlag 12,80 EUR

Es ist einfacher geworden, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus. Gerade kulturelle Fiktionen, die ein Wissen davon, dass Dinge anders sein könnten, lange in sich trugen, scheinen dieses verloren zu haben. In diesem äußerst anregenden Essay umkreist Mark Fisher die Wirkmächtigkeit, die dem Kapitalismus trotz seiner offensichtlichen Schwächen innewohnt. Die Überlegungen zur aktuellen kulturellen Malaise erweitert er zu einer Kritik am postfordistischen Arbeitsregime. Seine Untersuchungsfelder findet der Autor vor allem in zeitgenössischer Populärkultur wie Filmen (Children of Men, Heat, Der Pate), Musik (Gangsta Rap) und Literatur (Ursula Le Guin, James Ellroy, David Peace). Darüber hinaus nimmt er – aus seiner Lehrtätigkeit in einer Weiterbildungseinrichtung zwischen Sekundarstufe und Universität schöpfend – Formen heutiger Adoleszenzkultur in den Blick, in der er Angst, Zynismus und depressive Hedonie regieren sieht. Mark Fisher ist Kulturjournalist für The Wire, frieze, Sight & Sound und den New Statesman sowie für seinen eigenen Blog k-punk. Er ist außerdem Dozent für Philosophie am City Literary Institute London und Visiting Fellow am Centre for Cultural Studies, Goldsmiths, University of London.

Die Konsensfabrik. Noam Chomsky und die Medien
Teil 1: Gedankenkontrolle in einer demokratischen Gesellschaft
Teil 2: Widerspruch anregen!
Ein Film von Mark Achbar und Peter Wintonick
DVD, Farbe, 167 Min, engl. mit deutschen Untertiteln
Absolut Medien 2013 (erscheint August) 14,90 EUR

„Es ist die Verantwortung der Intellektuellen, die Lüge als solche zu entlarven und durch die Wahrheit zu ersetzen“ (Noam Chomsky). Die Massenmedien sind für gesellschaftliche Eliten von entscheidender Bedeutung. Noam Chomsky zeigt auf, wie die „vierte Gewalt im Staat“ in der täglichen Berichterstattung den in Wirtschaft und Politik dominierenden Gruppen zur Legitimation ihrer Macht verhilft. Diesen Prozess nennt er „die Herstellung des Konsens“. Die Flut der Informationssendungen reduziert sich auf eine sich ständig wiederholende Präsentation etablierter Standpunkte. So werden viele Menschen zur unkritischen Akzeptanz der herrschenden Meinung manipuliert. Chomsky will den Betrachter ermutigen, sich als „intellektuelle Selbstverteidigung“ dieser systematischen Desinformation zu entziehen. Weltweit auf Festivals ausgezeichnet, erscheint dieser Klassiker hierzulande erstmals auf DVD.

Wolfgang Sternstein: „Atomkraft – nein danke!“
Der lange Weg zum Ausstieg – Die Geschichte der Anti-Atomkraft-Bewegung
224 S., Pb., Fotos, Brandes & Apsel 2013 (erscheint Oktober) 19,90 EUR

Der Streit um die Atomkraft gehört zu den bedeutendsten innenpolitischen Ereignisse der deutschen Nachkriegspolitik. Whyl, Brokdorf, Wackersdorf und Gorleben haben sich tief ins Gedächtnis der Menschen eingeprägt. Sternsteins Buch über die Anti-Atomkraftproteste spiegelt das kollektive Gedächtnis einer erfolgreichen Bürgerbewegung wider. Mit der Laufzeitverlängerung im Herbst 2010 schien der Kampf gegen die Atomindustrie verloren. Doch nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima kam mit dem Beschluss zum Atomausstieg die endgültige Wende. Diese Energiewende gründet nicht zuletzt in der engagierten Bürgerbewegung gegen die Atomkraftwerke, die vor vierzig Jahren am Oberrhein ihren Anfang nahm. Dabei wird deutlich, wie viel Kreativität, Geduld, Mut und Opferbereitschaft Bürgerinnen und Bürger in diesen umweltpolitischen Kampf eingebracht haben und welchen unerwarteten Konflikten sie gegenüberstanden, die sie lösen mussten. Sternstein beschreibt die Ereignisse aus der Perspektive eines teilnehmenden kritischen Beobachters, um Mut zu machen, sich in Bürgerinitiativen und sozialen Bewegungen zu engagieren und auf gewaltfreiem Wege Lösungen zu finden.

Christoph Narholz: Die Politik des Schönen
307 S., Pb., Edition Suhrkamp 2012 16,00 EUR

In “Die Politik des Schönen” unternimmt Christoph Narholz nichts geringeres als den Versuch, Kant als den eminent gegenwärtigen Begründer einer Theorie des Glücks zu verstehen. Kernstück seiner Analyse ist eine Neuinterpretation des berüchtigten kategorischen Imperativs, die jede rigoristische Lesart zurückweist. So ist es Narholz möglich, über eine libertäre, von den gängigen Mustern abweichende Rekonstruktion der kantischen Anthropologie und Psychologie die sperrige Transzendentalphilosophie völlig neu zu beleuchten: als ethische Erkenntnistheorie, die im Vernunftbegriff des Glücks aus der Postulatenlehre am Ende auf eine empirische Theologie zielt. Die konstruktivistisch modernisierte Transzendentalphilosophie erlaubt eine Ethik, welche vom orthodoxen Kant den Universalismus, von Marx die Empörungsbereitschaft, von Sloterdijk und Nietzsche die Feier und psychologische Aufklärung übernommen hat – von allen das Beste.

Henry David Thoreau: Vom Wandern
80 S., Universal-Bibliothek Reclam 2013 (erscheint Juli) 5,00 EUR

„Alles Gute ist wild und frei!“ Thoreaus berühmter Essay gilt in seiner zivilisationskritischen Haltung als eine der wichtigsten Gründungsurkunden auch und besonders für den Naturschutz: Eingängig schildert er seine Schwierigkeiten mit der Verstädterung bzw. der Abstumpfung der Nicht-Landbevölkerung und entwirft mit Witz und zuweilen sogar bissigem Humor ein Gegenbild.

Jocho Yamamoto: Die Lebensweise eines Samurai. Aus dem „Hagakure“
96 S., Universal-Bibliothek Reclam 2013 (Erscheint Juli) 5,00 EUR

Das „Hagakure“, eine der wichtigsten Quellen zur Alltagsgeschichte in Japan, gibt Handlungsanweisungen, wie sich ein Samurai korrekt zu verhalten hat – eine wichtige Angelegenheit in Zeiten des Friedens und des damit verbundenen Ansehensverlust durch Arbeitslosigkeit. Erst im 20.Jahrhundert wurde der Text zum Klassiker. Max Seinsch stellt, fußend auf seiner Gesamtausgabe der ersten zwei Bücher in der Reclam Bibliothek, die wichtigsten Stellen in einer kleinen Leseausgabe zusammen.

COMICS

Robert Crumb: Mister Nostalgia
92 S., geb., Reprodukt 2013 (erscheint November) 29,00 EUR

Mister Nostalgia, der dritte Band einer bibliophilen Robert-Crumb-Edition, zelebriert die Schönheit einer nahezu vergessenen Kunstform: In den 16 Geschichten des Buchs widmet sich Robert Crumb seiner großen Leidenschaft, dem Country Blues. Er huldigt den musikalischen Helden der 1920er Jahre, Charley Patton oder Blind Lemon Jefferson; der Musik des einfachen Volks, in der sich für ihn die wahre Seele Amerikas manifestierte. In meisterhaften Zeichnungen setzt Robert Crumb den Bluesmen ein ungeschöntes, persönlich geprägtes Denkmal, erzählt von ihrem Alltag, ihrer Einsamkeit, der Zerrissenheit zwischen Sex und Religion, Blues und Gospel.

David Zane Mairowitz & Robert Crumb: KAFKA
176 S., Pb., Reprodukt 17,00 EUR

In ihrem Sachcomic KAFKA haben David Zane Mairowitz und Robert Crumb höchst anschaulich all das zusammengetragen, was Sie über Franz Kafka wissen sollten: von seiner Kindheit bis zum posthumanen Kafka-Kult; über die Konflikte, die der Schriftsteller mit sich selbst und anderen, allen voran mit seinemVater, auszutragen hatte. Immer wieder geht es um Kafkas Zerissenheit vor dem Hintergrund seiner deutsch-tschechischen Nationalität und der jüdischen Kultur. Die Stationen von Kafkas Leben werden ergänzt durch Briefe und Auszügen aus seinen Romanen und Kurzgeschichten. Die Biografie mit den Zeichnungen von Robert Crumb ist mittlerweile selbst ein Klassiker. Lange vergriffen, legt Reprodukt das Buch nun neu überarbeitet vor.

Julie Birmant und Clement Oubrerie: Pablo 2 – Apollinaire
88 S., Pb., Reprodukt 2013 (erscheint September) 20,00 EUR

Zweiter von insgesamt vier Bänden über den bekanntesten Maler der Welt. Der Pariser Montmarte, 1905: der junge Katalane Pablo Picasso macht moderne Kunst, doch noch zeigt die Welt seinem Werk die kalte Schulter. Als der brotlose Künstler zu allem Überfluss von seiner Muse Fernande Olivier verlassen wird, entwerfen der Dichter Max Jacob und Guillame Apollinaire einen aberwitzigen Plan, ihren Freund Pablo wieder aufzurichten. Und dann ist da Gertrude Stein, die nun in Pablos Leben tritt, eine schrullige Amerikanerin, die seine Kunst nicht nur erkennt, sondern auch kauft….

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Alle Titel können Sie überall im Buchhandel wie auch unter folgender Adresse erwerben:

Worms Verlag
Abt. Onlineshop
Kultur- und Veranstaltungs GmbH,
Von Steuben Str.5, 67549 Worms
Berthold Röth Tel. 06241-2000-314
e-mail: berthold.roeth@kvg-worms.de

Interkulturelle Buchneuheiten Liste 33

Mai 29, 2013

Die vorhergehenden Listen können noch allesamt im Archiv unter wormsverlag.wordpress.com abgerufen werden.

Rita Kuczynski: Was glaubst du eigentlich?
Weltsicht ohne Religion
180 S., Pb., Ch. Links Verlag 2013 (erscheint September) 16,90 EUR

Woran glauben die, die nicht an Gott glauben? Etwa 35 % der Menschen in Deutschland sind konfessionslos. Dennoch leben Menschen ohne Religion nicht orientierungslos in dieser Welt, nur weil sie keinen Gott als letzte Instanz haben. Sie lösen ihre Gewissensentscheidungen, beantworten ihre Fragen nach den „letzten Dingen“ auf eigene Weise. Deutschland ist also längst in einer Phase der Säkularisierung angekommen, in der verschiedene Grundüberzeugungen in einer weit gespannten Vielfalt nebeneinander bestehen. Dennoch spielen die Lebensansichten der Bekenntnislosen außerhalb der Statistik nahezu keine Rolle. In den Medien kommen sie kaum vor. 80 Nichtreligiöse aus Ost- und Westdeutschland haben Rita Kuczynski erzählt, woran sie denn glauben, da sie nicht an Gott glauben. Die Autorin gibt aufschlussreiche Einblicke, worin sie den Sinn ihres Lebens sehen, was das Maß ist, an dem sie ihre Werte bilden, wie sie Trost finden und welche Vorstellungen sie vom Sterben und einem Weiterleben nach dem Tod haben.

Philip Athans: Jeder kann Papst
Wie gründe ich eine Religion – in fünf Schritten
240 S., geb., Eden Books 2013 (erscheint im Juni) 12,95 EUR

Ein unterhaltsamer und informativer Ratgeber für Glücksritter, die den schnellen Weg zum Reichtum suchen. Wer träumt nicht davon, von zahlreichen Menschen angehimmelt zu werden und ein Leben in Reichtum und Überfluss zu führen? Das Gründen einer eigenen Religion kann einem gleich beide Wünsche erfüllen – solange man die eigene Glaubensrichtung gut durchdacht hat und sie erfolgreich zu verkaufen weiß. Das Buch stellt eine humorvolle und lehrreiche Starthilfe zur Gründung der eigenen Religion dar und hilft den angehenden Gurus unter uns, die schwierigsten Hürden auf dem Weg zum religiösen Oberhaupt mit Leichtigkeit zu meistern. Mit einem Augenzwinkern erklärt Philip Athans in diesem Geschenkbuch, was es bei der Gründung der eigenen Religion zu beachten gilt. Er hilft bei der Konzeption der neuen Glaubensrichtung und gibt hilfreiche Tipps, wie man es schafft, die eigene Religion möglichst bekannt zu machen und eine breite Anhängerschaft zu gewinnen. Ganz nebenbei vermittelt das Buch darüberhinaus theologisches Grundwissen in einer unterhaltsam aufbereiteten Form.

Rocco A. Errico: Die Mysterien der Schöpfung
Die Schöpfungsgeschichte der Genesis aus aramäischer Sicht
160 S., Pb., Verlag H. J. Maurer 2013 16,90 EUR

Ein neuer frischer Blick auf die biblische Schöpfungsgeschichte, Undogmatisch, auf dem Wissen um die Kultur und die Sprache des antiken Nahen Ostens basierend. Inspirierend, überkonfessionell und in seiner Art einzigartig auf dem deutschen Buchmarkt. Die Mysterien der Schöpfung bietet einen ganz neuen und frischen Blick auf die Schöpfungsgeschichte, wie sie in der Genesis des Alten Testaments aufgezeichnet ist. Dr. Rocco Errico arbeitet hierzu mit seiner eigenen Übersetzung des Bibeltexts aus dem aramäischen Peschitta-Manuskript. Dieses ist durch seine Unverfälschtheit und seine Direktheit der Sprache ein einzigartiges Dokument. Die frühe mesopotamische Welt mit ihrer alten nahöstlichen Kultur, ihrer Götterwelt und ihren mystischen Vorstellungen ist der Hintergrund für die biblische Schöpfungsgeschichte. Von dieser alten Welt eine Vorstellung zu bekommen ist die Voraussetzung dafür, diesen Schöpfungsmythos besser begreifen zu können. Dieses Buch ist kein Vers-für-Vers-Kommentar zu Genesis I und es beabsichtigt keine religiös-dogmatische Annäherung an den Text. Auch will Dr. Errico kein bestimmtes konfessionelles Glaubenssystem vertreten. Er will vielmehr helfen aufzuklären, was in der Schöpfungsgeschichte bis heute falsch verstanden wird. Dazu präsentiert der Autor nicht nur Erkenntnisse aus der Bibelforschung, sondern auch aktuelles Wissen aus der Quantenphysik, um seinen eigenen einfachen und inspirierenden Zugang zu den historischen Fakten zu eröffnen. Dr. Rocco A. Errico ist einer der wichtigsten Aramäisch-Gelehrten unserer Zeit. Sein Spezialgebiet ist die Auslegung der Bibel vor dem Hintergrund der antiken semitischen Kultur und der aramäischen Sprache. Seit über 40 Jahren ist er ein begabter Redner, der seine Zuhörer fasziniert und inspiriert, wenn er in ihrem Geist die Welt der Bibel zum Leben erweckt. Er lebt in Atlanta/Georgia, wo er Geistliche ausbildet und Bücher schreibt.

Roland Herpich / Andreas Goetze (Hg.): Toleranz statt Wahrheit?
Herausforderung interreligiöser Dialog
Berliner Reihe für Ökumene, Mission und Dialog, Band 1
256 S., Pb., Wichern Verlag 2013, (erscheint August) 14,95 EUR

Toleranz ist kompliiziert: Wie gehe ich mit denen um, die etwas anderes glauben als ich? Die Beiträge des Bandes bieten jüdische, christliche und muslimische Perspektiven auf die Frage, wie und ob der Wahrheitsanspruch mit Toleranz zusammengeht. Gibt es eine „spirituelle Toleranz“? Was meinen wir, wenn wir von Mission oder interreligiösem Dialog sprechen? Warum soll man überhaupt einen interreligiösen Dialog führen? Der Focus dieses Bandes liegt auf Berlin, der europäischen Stadt mit den meisten Religionsgemeinschaften, und auf neuen spirituellen Zugängen zum Islam.

Marianne Suhr: Wir sind angekommen. Interviews mit Eingewanderten
144 S., Pb., be.bra Wissenschaft Verlag 2013 16,95 EUR

Migration und damit einhergehende Probleme sind jahrhundertealte Phänomene. Gerade die Geschichte Berlins kann nicht losgelöst von der Einwanderung verschiedenster Bevölkerungsgruppen seit der Gründung der Stadt betrachtet werden. Marianne Suhr versammelt in ihrer empirischen Studie 25 Interviews mit Menschen, die nach Deutschland eingewandert sind, zurzeit in Berlin leben und von sich sagen: „Wir sind angekommen“.

Mariola Brillowska: Hausverbot
320 S., geb., Langen Müller 2013 (erscheint Juli) 19,99 EUR

Poesie meets Trash: Ein radikales Romandebüt. Überall, wo Lola erscheint, bekommt sie Hausverbot. 1981 verlässt die Zwanzigjährige ihre Heimat Polen , landet in Hamburg, bewohnt leerstehende Häuser, wird Ladendiebin und zettelt Schlägereien in Clubs an. Hausverbot. Nächste Tür. Auch die Kunstszene, wo sie Fuß zu fassen sucht, empfängt die Drama-Queen nicht mit offenen Armen. Aber sie weiß sich zu wehren und feiert gegen das Scheitern an, mit Chuzpe und Fantasie. Ein radikales Romadebüt, in dem es zur Sache geht: Irrwitzig, schonungslos, durchgeknallt.

Norbert Mappes-Niediek: Arme Roma, böse Zigeuner
Was an den Vorurteilen über die Zuwanderung stimmt
208 S., Pb., Ch. Links Verlag 16,90 EUR

Dieses Buch erschien im letzten Jahr genau im richtigen Moment, als der verstärkte Zuzug von Roma aus Serbien und Montenegro nach Deutschland – speziell ins Ruhrgebiet – einsetzte, und kurz vor der Eröffnung des Berliner Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas und wurde somit ein Erfolgstitel des Links-Verlages, der gleich in die 2.Auflage gehen konnte. Warum kommen die Roma in Osteuropa aus ihrem Elend nicht heraus? Sind sie arm, weil sie diskriminiert werden, oder werden sie diskriminiert, weil sie arm sind? Sind sie arbeitsscheu, kriminell und womöglich dümmer als andere? So wird oft gefragt, wenn auch meistens hinter vorgehaltener Hand. Und die Antwort kennt man natürlich: „Typisch Roma.“ Der langjährige Balkan-Korrespondent Mappes-Niedieck unternimmt einen Faktencheck und kommt zu überraschenden Befunden. Zugleich kritisiert er die europäische Roma-Politik und die von ihr beförderte „Gypsy industry“ fundamental und zeigt alternative Wege auf.

Elisabeth Kaestli: 7 Brüder, 7 Schwestern
Eine kosovarische Familie in der Welt
200 S., farbige Fotos, Limmat 2013 (erscheint im November) 29,50 EUR

Die 14 Geschwister Reka wurden in einem Bergdorf im Kosovo geboren. Armut und politische Unterdrückung zerstreuten sie nach und nach in alle Winde, über die Schweiz und Deutschland bis Kanada. Heute treffen sie sich wieder Sommer für Sommer am großen Gartentisch in Kacanik, dem Städtchen, in dem die Familie ab 1979 wohnte und wo noch zwei Brüder leben. Es ist der Ort der Träume der Emigrierten, der Mittelpunkt des weitgespannten Familiennetzes. Die Geschwister Reka erzählen vom kargen ländlichen Leben in den 1960er Jahren, vom zähen Willen für eine bessere Zukunft, von Emigration und Flucht, von Solidarität, Fremdsein und Dazugehören. Es ist die Chronik einer Großfamilie aus dem Dorf, die zu einer Weltfamilie wurde und die sich ihre Herzlichkeit und den starken Zusammenhalt bewahrt hat.

Timon Perabo, Jeton Neziraj: Sehnsucht im Koffer
Geschichten der Migration zwischen Kosovo und Deutschland
224 S., Pb., be.bra Wissenschaftverlag 2013 19,95 EUR

Das Buch versammelt autobiografische Geschichten von Menschen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten aus dem Kosovo nach Deutschland kamen, die hier ein neues Zuhause gefunden haben oder zurückgekehrt sind. Jeton Neziraj und Timon Perabo haben sie notiert – aus einem kosovarischen und einem deutschen Blickwinkel auf das Thema Migration.

Damir Karakas: Ein herrlicher Ort für das Unglück
280 S., geb., Dittrich 2013 (erscheint September) 19,80 EUR

Karakas schreibt über Menschen aus Osteuropa, die in den Westen stürmen, um ihre Träume zu verwirklichen, und deren Träume sich, dort angekommen, sehr oft in Alpträume verwandeln. Von der Mehrheit der Franzosen als Landstreicher und Penner verachtet und in Paris nicht akzeptiert, erzählt der Autor in seinem autobiografischen Roman von seinem „französischen Traum“, den er vergeblich zu verwirklichen sucht. Im Roman schildert er Paris aus der Sicht des Außenseiters. Paris erscheint als finsteres Loch, in dem sich die Einwanderer einander ähneln. Ein Leben in unerträglichen Wohnverhältnissen, Gelegenheitsjobs am Rande der Legalität. Straßenkünstler werden von der Polizei verfolgt. Der Leser erlebt Straßen und Ecken von Paris, berühmte Touristenziele, die als „Arbeitsplatz“ der Straßenkünstler einen ganz anderen Einblick gewähren. Der Balkan, dessen Armut der Held entflieht, holt ihn in Gestalt von Kriminellen ein. Als er es ablehnt, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen, muss er um sein Leben fürchten. Gleichzeitig macht der Protagonist eine Ausbildung an der Universität, besucht die faszinierenden Bibliotheken und Museen, führt intensive Gespräche mit anderen Künstlern. Aber Paris erlebt er als eine fremdenfeindliche Stadt, in der die Einflüsse der herrschenden Politiker und auch die rechtsextreme Partei Front National von Le Pen tiefe Spuren hinterlassen haben. Die Emigranten sind unerwünscht, vor allem, wenn sie aus Ländern stammen, die keine EU-Mitglieder sind. Bei einer Razzia wird der Protagonist von der Polizei abgeführt und grundlos inhaftiert. Die Untersuchungshaft verbringt er in apokalyptischen Katakomben, in denen einst, während der Revolution, die Insassen auf die Guillotine warteten. Trotz legaler Reisepapiere folgt nach einem Prozess die Abschiebung in sein Heimatland.

Zlatko Pakovic: Die gemeinsame Asche
120 S., geb., Dittrich 2013 (erscheint September) 14,80 EUR

Der Roman erzählt über vier Generationen die Geschichte einer Familie. Ein Lebensweg von Serbien in die australische Emigration und wieder zurück in ein Belgrad, das sich – wie in einer futuristischen Vision – während ihrer Abwesenheit in eine kosmopolitische Weltstadt entwickelt hat. Hauptfiguren sind Igor, Ljudmila und Aurora: Der Sohn, der im Laufe des Romans Vater und Großvater wird, die Emigrantentochter und das Enkelkind, das in serbisch-australischer Ehe zur Welt kommt. Es ist ein Roman der Reifungsprozesse, der Beziehungen zwischen Eltern und Kindern. Ein Roman über das Erinnern – und das Vergessen. Pakovic erzählt seine Geschichte in kurzen Bildern und mit sehr reduzierten Erzählaussagen. Die Qualität des Romans liegt in der feinen poetischen Suggestivität seiner Sprache.

Svestislav Basara: Die Verschwörung der Fahrradfahrer
464 S., geb., Dittrich 2014 (erscheint März 2014) 22,80 EUR

„Die Verschwörung der Fahrradfahrer“ ist ein jugoslawischer Kultroman, der im Original vor zwanzig Jahren erschien. Die Geschichte beginnt im staubigen Keller einer Bibliothek in der serbischen Provinz und führt den Leser durch das fantastische Labyrinth einer fiktiven Dokumentation über eine uralte Bruderschaft. Diese geheimnisvolle Organisation – ein mystischer Orden der Fahrradfahrer – leitet, kraft ihrer Beherrschung der Zukunft, die Geschicke der Menschheit. Die Fahrradfahrer treffen sich im Traum, in einer frei schwebenden durchsichtigen Kathedrale, wo sie auch Anweisungen von Ordensmitgliedern aus der Zukunft empfangen. Ebenso satirisch wie phantasievoll lässt der Autor eine Fülle exzentrischer Figuren auftauchen, erfundene und historische Gestalten – von Karl dem Grässlichen über Freud, Nietzsche, Sherlock Holmes bis hin zu Stalin. Basara bedient sich ihrer, um die Einheit von Raum und Zeit in Frage zu stellen, und außerdem die These zu beweisen, dass Geschichte nie objektiv erzählt wird, sondern von jedem, wie es ihm passt.

Manfred Quiring: Der vergessene Völkermord
Sotschi und die Tragödie der Tscherkessen
200 S,, Abb., Pb., Ch. Links Verlag 2013 (Erscheint Oktober) 16,90 EUR

Wenn Wladimir Putin im Februar 2014 die Olympischen Winterspiele in Sotschi eröffnet, wird er weiterhin beharrlich über das Schicksal der Volksgruppe schweigen, deren letzte Hauptstadt Sotschi war und auf deren letzen Schlachtfeldern nun Sportwettkämpfe stattfinden: die Tscherkessen. Im 19.Jahrhundert wurden sie nach mehreren Jahrzehnten russischer Eroberungsversuche zu Hunderttausenden aus ihrer angestammten Heimat im Kaukasus in die Türkei und Nahost vertrieben oder ermordet. Ihre letzten Siedlungsgebiete befanden sich zwischen Kaukasus und Schwarzem Meer. Manfred Quiring erzählt die Geschichte dieses Volkes und wirft einen Blick auf die aktuelle Situation der Tscherkessen, von denen viele wieder in den Kaukasus zurückkehren möchten, was russische Behörden verhindern. Er schildert den Kampf der Tscherkessen um Anerkennung und gegen das Vergessen ihrer Vertreibung und Ermordung. Mit einem Vorwort des Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir, dessen tscherkessische Vorfahren im 19.Jahrhundert aus dem Kaukasus in die Türkei vertrieben wurden. Erste Darstellung auf dem deutschen Markt zu diesem brisanten Thema. Sotschi ist Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2014 und Spielstätte bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018. Durch populären Stil ideal geeignet für die politische Bildungsarbeit.

Selim Özdogan: DZ
344 S., geb., Haymon Verlag 2013 (erscheint August) 22,90 EUR

Die Geschichte zweier Brüder, eine Geschichte zweier Welten. Um seiner Mutter ihren letzten Wunsch zu erfüllen, macht sich Ziggy auf die Suche nach seinem Bruder Damian. Vor Jahren hat Damian Europa mit seinen strikten Gesetzen und Überwachungssystemen verlassen und eine Heimat in der DZ gefunden, einem Land, das unter der tropischen Sonne Südostasiens ein Leben in Freiheit und grenzenlosen Zugang zu Drogen verspricht. Während Ziggy in eine Welt von Chatrooms und Onlinecommunities einer modernen Drogenszene eintaucht, um dort eine Spur von Damian zu finden, stößt sein Bruder in der DZ auf eine neuartige Substanz, die den Geist für ungekannte Wahrnehmungen und Einsichten öffnet. Rasch erkennt Damian die Macht und die Gefährlichkeit dieser Substanz und beschließt, in den Untergrund abzutauchen. In seinem großen neuen Roman erzählt Selim Özdogan von der schönen neuen Drogenwelt des Internets, der Suche nach dem Glück und brüchigen Utopien. Er nimmt seine Leser mit auf eine atemberaubende Reise, die hinter unsere Horizonte führt.

Blätter für deutsche und internationale Politik 4/13
130 S., Blätter Verlag 2013 9,50 EUR

u.a. „Deutsche auf Widerruf“ (Optionspflicht), Grillos Italien – Patt aus Protest, Islamismus oder neuer Aufbruch? Tunesien zwei Jahre nach der Revolution

Blätter für deutsche und internationale Politik 5/13
130 S., Blätter Verlag 2013 9,50 EUR

u.a. Auf dem rechten Auge blind: Wo steckt der Antisemitismus, Schweden: Migration für Markt und Menschenrechte, Syrien und die iranisch-israelische Koalition, Gegen das teure Leben: Afrika steht auf, Oslo ist tot: Wie weiter, Israel?, Transformation tut Not: 12 Jahre Weltsozialforum, Der argentinische Papst: Zur Ambivalenz von Kirche und Macht in Lateinamerika

Materialdienst. Zeitschrift für Religions- und Weltanschauungsfragen 4/13
Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen 3,00 EUR

u.a. Streitfall islamische Theologie in Deutschland – Mouhanad Khorchides Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ und die Folgen, Wie hält es der Staat mit der Religion? – Herausforderungen in einer multireligiösen Gesellschaft,

Materialdienst. Zeitschrift für Religions- und Weltanschauungsfragen 5/13
Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen 3,00 EUR

u.a. Friedensrichter, Streitschlichter, Schariagerichtshöfe – Ist die Rolle der Vermittler auf den säkularen Rechtsstaat übertragbar?, Ein Segen vom Haar des Propheten – der islamische Verein für wohltägige Projekte,

Friedrich Glauser: Der Hellseherkorporal
und andere Geschichten aus der Fremdenlegion
140 S., Limmat 2013 (erscheint im September) 22,80 EUR

Zwei Jahre verbrachte Friedrich Glauser 1921 – 1923 in der Fremdenlegion. An diese Zeit erinnert der große Legionsroman „Gourrama“, aber auch in zahlreichen Erzählungen und Kurzgeschichten hat Friedrich Glauser seine Erlebnisse als Korporal der Fremdenlegion verarbeitet. Am Rand der Sahara stationiert, wurde Glausers Einheit nicht in kriegerische Konflikte verwickelt, die kleine Männerkolonie war mehrheitlich mit sich selbst beschäftigt, der Hierarchie, dem Mangel an Geld, Alkohol und anderen Genüssen, dem Überfluss an Arbeit und langer Weile. Es ist ein kleiner Kosmos von europäischen Männern mit bunten Lebensläufen inmitten arabischer Dörfer und Städtchen.

Walter Posch: Iran am Scheideweg
Zwischen Revolution und islamischem Populismus
200 S., Pb., Dietz Verlag 2013 (erscheint Oktober) 18,90 EUR

Wie gefährlich ist der Iran wirklich? Wohin steuert der Iran? Wer hat das Sagen im Land? Wird es eine Annäherung an die USA geben? Der Iran ist keine religiöse Diktatur, er ist das Land des islamischen Populismus, wo liberale und konservativ-nationale Schiiten um die politische Vorherrschaft ringen. Der Iran ist „jung“ und reich an Öl und Bodenschätzen. Und er ist das Land der Parallelkulturen und Parallelgesellschaften, mit gebildeter, nach Westen orientierter Stadtbevölkerung und Millionen armer, rückständiger Landbewohner. Walter Posch, Iranexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, nimmt die Innenpolitik der Jahre 2007 – 2012 in den Blick, er untersucht die Wahlen, fragt nach den sozialen und kulturellen Verwerfungen unter Ahmadinedschad und den Verbindungen zwischen der iranischen Atom- und Außenpolitik, die trotz verbaler Muskelspiele militärisch immer sehr moderat war. Bis heute hat noch keine iranische Regierung einen Krieg begonnen, und auch der Blick nach Westen scheint nicht so sehr von Stolz und Verachtung, sondern dem Wunsch nach Anerkennung bestimmt zu sein.

Marianne Elliott: Mit dem Herzen einer Kriegerin
Mut und Mitgefühl in Afghanistan
380 S., Pb., Aurum 2013 (erscheint im September) 19,95 EUR

Die bewegende Geschichte einer mutigen Frau. Wie Yoga im täglichen Leben und bei großen Herausforderungen hilft. „Ein tolles Buch; eine Art „Eat,Pray,Love“ in Afghanistan, bei dem es um Leben und Tod geht“ (Susan Pilver, US-amerikanische Bestsellerautorin).
„Alles wird gut gehen, Marianne“, versichert mir mein Chef. „Solange niemand Amanullah Khan umbringt, hast du nichts zu befürchten.“ Um 9 Uhr am Sonntagmorgen macht er sich auf den Weg. Um die Mittagszeit ist Amanullah Khan tot. Im Jahr 2006 arbeitet die neuseeländische Anwältin Marianne Elliott als Menschenrechtsbeauftragte für die Vereinten Nationen in Afghanistan. Kurze Zeit nach ihrer Ankunft, als sie die alleinige Verantwortung für das UN-Büro in Herat übernimmt, wird einer der Stammesfürsten ermordet. Elliott berichtet über ihre Erfahrungen in einem der gefährlichsten Krisengebiete der Welt und darüber, was es heißt, unter großer Belastung sein Herz und seinen Verstand zusammenzuhalten. Es ist die ehrliche und bewegende Geschichte einer Frau, die für Frieden und Gerechtigkeit ihr Leben aufs Spiel setzt. Marianne Elliott aus Neuseeland ist Autorin, Menschenrechtsaktivistin und Yogalehrerin. Nach mehreren verantwortungsvollen Tätigkeiten für die UN unterrichtet sie heute vor allem Yoga und schreibt einen erfolgreichen Blog (www.marianne-elliott.com).

Irene Allenfeld: Der Kipod. Geschichten von Damals
180 S., Pb., Aviva 2013 (erscheint August) 14,90 EUR

Die lose miteinander verbundenen episodenhaften Erzählungen beginnen in der Kindheit der Protogonistin Ruth in der NS-Zeit und führen mit Unterbrechungen bis zum Sechs-Tage-Krieg 1967 in Israel. In den autobiografisch gefärbten Episoden geht es um Zugehörigkeit und Fremdheit, um Konflikte zwischen Siegern und Besiegten und um ein immerwährendes Zwischen-den-Stühlen-Sitzen der Protagonistin Ruth. Ruth wächst im Berlin der Dreißiger Jahre auf. Wegen der jüdischen Wurzeln des bereits als Kind getauften Vaters muss die völlig assimilierte deutsch-jüdische Familie Verfolgung durch die Nationalsozialisten fürchten. Die Kinder lernen, die jüdische Abstammung ihres Vaters nicht zu erwähnen. Nach dem Krieg kommt Ruth unter anderem mit einer Kinderverschickung nach Norwegen und erfährt später als Au-Pair-Mädchen in Paris, mit welchen Vorurteilen das französische Bürgertum lebt. Auf ihren Reisen nach Jerusalem sucht sie das Judentum und entdeckt gleichzeitig das Schicksal der Palästinenser. Sie erkennt bald, wie unentwirrbar der Konflikt zwischen diesen beiden Völkern ist, mit denen sie die große Liebe zum Land Israel teilt. Eindrucksvolle Kehrtwendungen und nicht ohne Stacheln – „Kipod“ bedeutet auf Hebräisch Igel. Geschichten von Damals, aber nicht von gestern.

Yigal Blumenberg / Wolfgang Hegener (Hrsg.)
Die „unheimliche“ Beschneidung.
Aufklärung und die Wiederkehr des Verdrängten
160 S., Pb., Brandes & Apsel 2013 (erscheint September) 15,90 EUR

Fünf Autoren aus den Bereichen Kultur- und Erziehungswissenschaften, Judaistik und Psychoanalyse gehen den Fragen und Argumenten nach, die in der Debatte um die Beschneidung von männlichen Säuglingen in der jüdischen Tradition eine zentrale Rolle spielen. Sie wollen aber auch eine offenkundige Wissenslücke schließen, die sich deutlich bemerkbar gemacht hat. Ein genuin aufklärerisches Werk! Wenn auch mittlerweile der Gesetzgeber die medizinisch nicht indizierte Beschneidung legalisiert hat, so darf vermutet werden, dass diese Debatte in der deutschen Gesellschaft noch kein Ende gefunden hat. Es spricht Vieles dafür, dass in dieser hitzigen Auseinandersetzung Geschichte wiederkehrt und mit dem Hinweis auf die sog. „Auschwitzkeule“ oder dem Vorwurf einer (sexuellen) Traumatisierung zurückgewiesen wird. Nicht selten entsteht der Eindruck, dass viele Diskutanten eher mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind und nicht den konkreten Dialog mit Juden (aber auch mit Muslimen) suchen. Die Autoren versuchen, u.a. auf diese Fragen Antworten zu formulieren: Wie hat sich die Tradition christlicher Stereotype über die jüdische Tradition entwickelt? Was ist jüdische Tradition? Ist sie Ausdruck einer überkommenen patriarchalen Religion?

Terra Incognita? Der Treffpunkt schwarzer Frauen
250 S., Fotos, geb., Limmat 2013 (erscheint Dezember) 34,00 EUR

sichtbar – unsichtbar – Schwarze Frauen in der Schweiz. Im Jahr 1993 wurde der Treffpunkt Schwarzer Frauen in Zürich gegründet. Die Aktivistinnen engagierten sich in konkreter frauenpolitischer Arbeit, berieten Migrantinnen, unterstützten schweizerische Institutionen und bekämpften rechtliche und gesellschaftliche Diskriminierung Schwarzer Frauern. 1997 wurde ihnen der erste Förderpreis der Stadt Zürich für die Gleichstellung verliehen. Die Beratungsarbeit des Treffpunkts hat vielen Schwarzen Frauen in den letzten zwanzig Jahren ihre Integration in die schweizerische Gesellschaft erleichtert – und tut dies immer noch. „Es gibt über 519 Millionen 870 Tausend Schwarze Frauen auf diesem Planeten. Mehr oder weniger. Es gibt sie auf allen sieben Kontinenten, in fast jedem Land. Also egal, wohin wir gehen, eine von uns war schon dort.“ (Sandra Sharp, 1993). In der Schweiz wurden Schwarze Frauen lange nicht zur Kenntnis genommen, sondern allenfalls neugierig beäugt. Fehlende Wertschätzung erzeugte Verunsicherung und Isolation, Isolation wiederum Abhängigkeit von Ehemännern und Arbeitgebern. Die Eröffnung des Treffpunkts Schwarzer Frauen 1993 in Zürich sollte dies entscheidend ändern. Der Treffpunkt feiert dieses Jahr sein zwanzigjähriges Bestehen. Das Buch dokumentiert die Arbeit der Aktivistinnen und beleuchtet die Geschichte und Situation Schwarzer Frauen in der Schweiz. Thematische Artikel, Portraits und Gespräche zeichnen ein facettenreiches Bild ihrer Lebenswelten.

Ines Neubauer: Prostitution in Bamako, Mali
Akteurinnen zwischen Geld und Moral
144 S., Pb., Brandes & Apsel 2013 (erscheint September) 17,90 EUR

Ein differenziertes Bild jenseits gängiger Klischees auf die Prostitution in Malis Hauptstadt Bamako. Ines Neubauer kommt zu einem Schluss, der weit verbreiteten Auffassungen widerspricht: Sie beschreibt eine, wenn auch keineswegs konfliktlose, Einbindung der Prostitution in eine afrikanische Stadtgesellschaft und weniger deren Ausgrenzung und Unterdrückung. Menschenhandel, Sklaverei, Armut, Unterdrückung und sexuelle Ausbeutung der Frau in patriarchalen Gesellschaften. Das sind die mit Prostitution in Afrika überlicherweise verbundenen Assoziationen. So unbestritten das alles, oft in erschreckenden Dimensionen, existiert, bleibt doch die Frage, ob das unhinterfragt zu verallgemeinern ist. Ines Neubauer war vor Ort in Bamako und ist dem nachgegangen. Sie hat mit Prostituierten gesprochen, ihren Kunden, Polizisten und Vertretern von NGOs und auch mit unbeteiligten Bürgern. Herausgekommen ist ein facettenreiches Bild: Prostitution ist in Bamako kein gesellschaftlich scharf um- und abgegrenzter Beruf, sondern in das soziale Netz der Stadt verwoben, in dem Prostituierte eher informell aktiv sind und kaum von Zuhältern drangsaliert oder rechtlichen Zwängen unterworfen werden.

Andrea Jeska: SIMBABWE – Agonie oder Aufbruch?
180 S., Pb., Brandes & Apsel 2013 (erscheint August) 19,90 EUR

Wie konnte es soweit kommen, dass Simbabwe nach der kolonialen Befreiung zu einem unfreien Staat mit einer kleptokratischen Nomenklatura wurde? Die Journalistin Andrea Jeska kennt das Land gut, sie lässt Farmer und Politiker, Anwälte, Frauenrechtlerinnen und Priester zu Wort kommen. Simbabwe ist nicht Mugabe, und seine Macht ist brüchig. Hinter den Kulissen findet längst eine Entwicklung ohne ihn statt. Seit mehr als 20 Jahren liegt Simbabwe in zivilisatorischen Trümmern. Die einstige Kornkammer des südlichen Afrikas ist ein Armenhaus, Menschenrechte werden missachtet, Lebenserwartung und Alphabetisierungsrate sind geschrumpft, die Wirtschaftskraft ist flügellahm. Aufstieg und Untergang hängen am Staatspräsidenten Robert Mugabe. Einst Befreier von weißer Herrschaft, ist er längst der Unterdrücker seines Volkes. Doch auch in diesen Zeiten der kollektiven Angst beweisen die Menschen Courage und Fantasie. Simbabwe liegt geostrategisch im Zentrum internationalen Begehrens. Ausländische Investoren stehen bereit, angelockt von Gold und Diamanten, Platin und Kupfer. Unter einer neuen Regierung könnte Simbabwe ein Modellland für gerechte Landaufteilung werden. Von der gegenwärtigen Umverteilung von Ackerflächen profitieren die Kleinbauern.

Galsan Tschinag: Houguvaj
Schamanengesänge für Himmel und Erde
60 Min, CD, Aurum 2013 14,95 EUR

Gedichte und Gesänge des mehrfach ausgezeichneten Bestsellerautors. Authentische Klänge einer ursprünglichen Kultur. Die Originalstimme des großen Schamanen. Galsang Tschinag ist Herz und Rückgrat seines Volkes und Wanderer zwischen Ost und West, der Nomaden- und der Fortschrittswelt, ist Dichter, Häuptling, Schamane. Die Tuwa-Nomaden pflegen einen achtsamen Umgang mit der Erde und all ihren Geschöpfen. Die tiefe Anerkennung der Erde wird zur Dankbarkeit und spirituellen Haltung. Galsan Tschinag, eigentlich Irgit Schynykbajoglu Dschurukuwaa, wurde 1943 in der Mongolei als Sohn tuwinischer Nomaden geboren, mit 4 Jahren begann seine Ausbildung zum Schamanen. 1962 studierte er ein Leipzig Germanistik. Von ihm sind 30 Bücher in deutscher Sprache erschienen. Galsan Tschinag lebt in Ulan Bator / Mongolei und bei den Tuwa-Nomaden des Hochaltai.

Christoph Moeskes (Hg.): Nordkorea – Einblicke in ein rätselhaftes Land
200 S., farbige Abb., Pb., Ch. Links Verlag 2013 (erscheint Oktober) 19,90 EUR

Nordkorea gilt als rätselhaftes Land. Es bedroht die Nachbarn mit der Atombombe, kann seine Bevölkerung nicht ausreichend ernähren und betreibt geheime Straflager. Gleichzeitig wird das Bild einer heilen Welt vermittelt, huldigen Staat und Einwohner dem gerade amtierenden Führer wie einer Gottheit – nach Kim Il Sung und seinem Sohn Kim Jong Il nun dessen Sohn Kim Jong Un. Schrill die Aufmärsche, bis zu 20 Meter hoch die Statuen, beängstigend präzise die Massengymnastik. Trotz der vorsichtigen Öffnung scheint die Demokratische Volksrepublik noch immer wie von einem anderen Stern. Die 3., aktualisierte und vollständig überarbeite Auflage dieses Bandes versammelt Berichte von 20 Autoren – Journalisten, Wissenschaftler, Mitarbeiter von Hilfswerken, Künstler und Touristen -, die ein überraschend facettenreiches Bild von der Lebenswirklichkeit Nordkoreas zeichnen.

Daniel de Roulet: Kamikaze Mozart
280 S., geb., Limmat Verlag 2013 (erscheint im September) 31,80 EUR

Eine kleine Kriegsmusik: „So wurde uns die Geschichte der Atombombe noch nie erzählt“ (Aux Arts). Fumika, japanische Musikstudentin in Berkeley, verliebt sich in den Schweizer Physiker Wolfgang, der im Team von Robert Oppenheimer an der Atombombe baut. In Japan hat ihre Familie für sie einen Mann bestimmt, den sie noch nie gesehen hat und der Kamikaze-Anwärter bei der Luftwaffe ist. Nach dem Überfall der Japaner auf Pearl Harbour wird Fumika mit den anderen 130.000 „feindlichen Elementen“ interniert. In der Wüste von Santa Fe, wo die Internierten beim Bau von Wolfgangs Reaktor eingesetzt werden, sehen sie sich wieder. Wolfgang hat sich inzwischen ganz in den Dienst der „Bombe gegen die Nazis“ gestellt, und die Liebe zu einer „Feindin“ bringt ihn jetzt in Schwierigkeiten. „Kamikaze Mozart“ ist ein virtuoser Roman über das Wettrennen um die Atombombe: von Lise Meitners Entdeckung der Atomspaltung über den nicht mehr kriegsnotwendigen Abwurf der Atombome bis zur Kernschmelze in Lucens 1969, in der die Schweizer Träume von der „Bombe“ untergingen.

Alfonsina Storni: Cuca
Erzählungen, Kolumnen, Provokationen
240 S., geb., Limmat Verlag 2013 (erscheint Oktober) 29,90 EUR

Zum 75.Todestag am 25.Oktober 2013 erstmals auf Deutsch: Prosa von Alfonsina Storni. Das Lied „Alfonsina y el mar“ ging mit Mercedes Sosa um die Welt, doch wer kennt Alfonsina Storni, eine der Wegbereiterinnen der lateinamerikanischen Literatur in Argentinien? Dieser Band legt erstmals Erzählungen, Kolumnen, Essays, Aphorismen und Gedichte auf Deutsch vor, die für Stornis Selbstverständnis, ihre Tessiner Herkunft und ihr Naturverständnis bedeutsam sind, darunter auch einige Neuentdeckungen. Rund 20 Jahre lang schrieb Alfonsina Storni für argentinische Wochenzeitschriften und Zeitungen, so auch in der wichtigsten Tageszeitung „La Nacion“. Darin erforschte sie die Goldenen Zwanziger Jahre in Buenos Aires, sie beobachtete die Menschen im Großstadtdschungel, die Frauen, die Männer, beim Flanieren, beim Shopping, beim Tango, aber vor allem bei der Arbeit. Sie schrieb kämpferisch, aber leicht und mit einer unnachahmlichen Ironie über die Geschlechterverhältnisse. Auch ihre Erzählungen sind spielerische Experimente und nähern sich teilweise dem Surrealismus an.

BRASILIEN
Gastland der Frankfurter Buchmesse 2013 und Gastgeber der Fußball-WM 2014 sowie der Olympischen Sommerspiele 2016

Jens Glüsing: Brasilien – Ein Länderportrait
200 S., Pb., Ch. Links Verlag 2013 (erscheint Oktober) 16,90 EUR

Geschrieben von Spiegel-Korrespondent Jens Glüsing, der seit über 20 Jahren in Brasilien lebt. „Brasilien ist kein Land für Anfänger“, hat der große Bossa Nova – Komponist Antonio Carlos Jobim („The Girl from Ipanema“) einmal gesagt. Es blickt mehr nach innen als nach außen, es ist sich selbst genug. Den Europäern diente Brasilien immer als Projektionsraum ihrer eigenen Sehnsüchte und Ängste. Heute ist das größte Land Lateinamerikas ein aufkommender Wirtschaftsgigant und rückt in den nächsten Jahren als Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und der Olympischen Spiele 2016 in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Jens Glüsing entwirft sein Brasilienbild einerseits aus der Sicht eines Korrespondenten – also mit dem Blick nach außen; gleichzeitig versucht er das Land von innen zu verstehen – aus der Sicht eines Deutschen, der seit über zwanzig Jahren dort lebt. Glüsing kennt fast alle Winkel dieses Riesenlandes und schildert seine sehr persönlichen Eindrücke in Reportageform. Ein Buch für Touristen und für solche, die gekommen sind, um zu bleiben.

Stefan Zweig: Brasilien. Land der Zukunft
4 CDs, 320 Min., Audiobuch Verlag 2013 (erscheint September) 19,95 EUR

Lesung in Auszügen. Stefan Zweig reiste in den 30er Jahren mehrfach nach Südamerika, begeisterte sich für Kultur und Lebensart der Brasilianer und schrieb einen Klassiker der Reiseliteratur: „Brasilien. Land der Zukunft“. In brillantem Stil erzählt er anschaulich von portugiesischen Abenteurern, begeisterten Missionaren und gierigen Goldgräbern. Später geht es dann um Kaiser, Kaffee und Kautschuk. Die Schattenseite der Entwicklung: Sklaverei. Doch als Zweig in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts Rio besucht, lernt er eine tolerante Gesellschaft kennen, die ihm, dem in Europa Verfolgten, Hoffnung für die Zukunft gibt.

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Alle Titel können Sie überall im Buchhandel wie auch unter folgender Adresse erwerben:

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Kultur- und Veranstaltungs GmbH,
Von Steuben Str.5, 67549 Worms
Berthold Röth Tel. 06241-2000-314
e-mail: berthold.roeth@kvg-worms.de

Liste 5 der Buchneuheiten Avantgarde – Underground – Trash

Mai 21, 2013

Die vorhergehenden Listen können noch allesamt im Archiv unter wormsverlag.wordpress.com abgerufen werden.

Klaus Theweleit: Buch der Königstöchter
Das Pocahontas-Projekt / Buch 2:
Königstöchter. Von Göttermännern und Menschenfrauen

Ca. 700 S., Pb., Stroemfeld 2013 38,00 EUR
Am Anfang war die Einwanderung. Am Anfang von was? Am Anfang von dem, was wir heute »Europa« nennen. So ca. 2000 Jahre v. u. Z. (-2000) wandern verstärkt und in mehreren »Wellen« Indogermanen von Nordosten her in die Gebiete ein, die wir heute als »Griechenland« kennen. Die hießen nicht immer so. Wie deren vorgriechische Bewohner sich nannten, wissen wir nicht. Sie schrieben nicht; sie wurden ausgelöscht; oder den Einwandernden assimiliert. Alle Namen, die wir heute haben, sind die der siegreichen Neuankömmlinge; Namen der Kolonisatoren, der »Griechen« eben (die auch noch nicht schrieben als sie eintrafen). Die »Griechen« entwickelten dabei eine besondere Kunst der Erzählung (bzw. des Gesangs); Formen, die wir heute als »Mythos« bezeichnen. Erste Funktion dieser Mythos-Erzählungen war es, die eigenen (Un)Taten zu verschönern; auf deutsch (bzw. griechisch): die eigenen Taten der Landnahme als Taten von Göttern und Titanen zu besingen – ein Dreh, aus dem Worte wie »Genie« und »genial« sich gebären ließen. Der historisch-alte Grieche fühlt sich als göttlich (so wie heute jeder durchschnittliche Amerikaner). (Und jeder durchschnittliche eurasiatische I-pod-Besitzer wahrscheinlich auch. I-pod = I-god). Zur Landname braucht man Medien (nicht nur das Pferd, auf dem Mann reitet). Das Medium, das »die Griechen« wählen, ist der Körper von Königstöchtern; Töchtern der einheimischen Lokalherrscher, die von den Göttern der Griechen (insbesondere Zeus, Poseidon, Apoll) beschlafen (= vergewaltigt) werden. Die kolchische Königstochter Medea, die Ostfrau vom Ende des Schwarzen Meers, mytho-historisch etwa anzusetzen um -1400, die dem seefahrenden Griechen Jason (= Götterabkömmling), in den sie sich »verliebt«, das Goldene Vließ ausliefert, ist schon eine Spätfigur dieses Prozesses.Die Schrift-Heroen Hesiod und Homer stehen nicht – wie heutige Medienlegende will – am Anfang einer neuen Großkultur (der unseren); sie bilden zunächst einmal einen Endpunkt: sie schreiben auf (mit der neuen Medientechnologie des griechischen Vokalalphabets), was in den 1000 Jahren, die hinter ihnen liegen, griechische Einwanderer sich ausgedacht, erzählt bzw. gesungen haben: bis hin zu ihnen nur mündlich kolportierte, weitergegebene und variierte Geschichten von Göttern, die Menschenfrauen beschlafen, Königstöchter, welche ihnen Kinder zu gebären haben: die sog. Heroen; Perseus, Theseus, Herakles usw.; letzterer z. B. ist der Sohn, den Gottvater Zeus in die Königstochter Alkmene pflanzt in der berühmten thebanischen Nacht, in der es den Ehemann Amphitryon in zweifacher Ausfertigung gibt. So wie Zeus (als Schwan) die schöne Helena in die Königstochter Leda pflanzt, aus deren Schönheit dann der Trojanische Krieg erwächst (wo durch den Fall Troias das nördliche heutige Kleinasien unter griechisch kolonisiertes Gelände fällt). All dies ist Stoff der singenden Griechen spätestens seit der sog. Palastkultur; Kultur von Mykene (ab etwa -1600). Buch der Königstöchter zeichnet den Weg der griechischen Landnahme über die Körper von ca. 30 geschwängerten Königstöchtern nach, deren Vaterkönige (infolge dieser »Schwängerungen ohne Ehemann«) ihre Töchter großenteils verstoßen und (infolge der sich anschließenden »mythologischen« Auseinandersetzungen) ihr Land – an die einwandernden Griechen – verlieren. Eben so, wie der »Indianer-König« Powhatan in Virginia, Nordamerika, sein Land an die englischen Einwanderer verliert, nachdem seine Tochter Pocahontas (mythologisch exakt nach Medea-Modell die Retterin des Kolonisten John Smith) in die Hände der englischen Götter geraten war; so wie der reale Prozeß bei normaler Einwanderung und Landnahme eben verläuft: die einheimischen Männer werden erschlagen, die Frauen vergewaltigt. Manchmal entsteht eine neue Mischbevölkerung wie in Mexiko: die Chicanas/Chicanos, la raza; (positiv konnotiert); eingeleitet über die mythohistorische Kazikentochter La Malinche, der es gelingt, an der Seite des Conquistadors Cortés eine feurige Kämpferin für die Sache der Spanier (und Christin) zu werden; die Sache der Götter, nachdem ihre eigene Kultur sie zur Sklavin degradiert hatte. Am Anfang war die Einwanderung: auch von dem, was heute »Amerika« heißt. Da muß die Landnahme nicht erst entschlüsselt werden. Sie liegt auf der Hand bzw. in amerikanischer Erde in Form gebleichter Knochen sog. Indianer bzw. auf dem Grund des Atlantischen Ozeans als breite Straße afrikanischer Knochen – wie Amiri Baraka schreibt – (und zwar in Gedichtform schreibt, als poetisch-historischer Tiefseetaucher, dem– mit allem Jazz der Welt im Ohr, mit aller black music,das aufgebrezelte Geschwätz von »kein Gedicht mehr nach Auschwitz« so egal ist, wie der jüdische Anspruch auf das Recht der historisch beispiellosen Vernichtung in der Shoah durch die deutschen Nazis). »Shoah« ist ein Permanentfaktum wenn nicht der »Menschheitskultur «, dann zumindest der Geschichte der eurasiatischen Populationen, der glorreichen Ackerbauern- und Siedlergeschichte. Ich wäre nicht unbedingt so stolz wie die heutige Türkei es ist auf ihre Erstkultivierung der Äcker und Seßhaftwerdung umherziehender Sammler und Jäger im sog. Fruchtbaren Halbmond ca 10.000 Jahre v. u. Z.: auf die Erfindung der Wiege also des Kriegs als Zivilisierungsmittel; die Erfindung von Mord und Totschlag; die Erfindung des Leichenhaufens als permanenter Einrichtung vorm Palast des Herrschers. Eine Erfindung, in der es den »Gegensatz« von Orient und Okzident übrigens nicht gibt; ca. 9000 Jahre lang nicht gibt, bis einwandernde Indogermanen aus Zentralasien, sich selbst so nennende »Griechen« mit ihrem Gewaltherrscher Zeus auf dem Panier (dem ersten weltbekannten Groß-Arier), diesen Graben zu graben und dann zu zementieren beginnen (mit Eisenwaffen, Schiffbau, schicken Säulentempeln und phonetischer Alphabetschrift.*). Differenzierungen: Medea – die sich in den Kolonisator »verliebt« – gibt es (schon in der antiken Literatur) – in vielen Wendungen. Nicht immer ist sie die, als die sie heute (eher moritatenmäßig) den Stadttheatern geläufig ist: die Mutter mit dem Messer. Beim Autor des »Argonautenepos « Apollonius v. Rhodos (um -250) gelangt sie heil als Ehefrau des griechischen Vließräubers Jason in dessen Heimatstadt Iolkos in Thessalien; und das Epos endet, bevor sie überhaupt ihr erstes Kind gebiert. Solche Wendungen der Geschichten haben immer ihren politischen Hintergrund im jeweiligen Herrschaftsgebilde, in welchem die Autoren schreiben, sowie in ihrer eigenen Interessenlage (und ihren poetischen Qualitäten selbstverständlich). Medea bei Euripides in Athen ist eine andere als bei Apollonius im hellenistischen Alexandrien, bei Ovid im augusteischen Rom oder bei Seneca unter Nero.Besonders kraß ist das zu studieren am Fall der mythohistorischen phönizischen Königstochter Dido, später Königin von Karthago. In ihrer Figur (in der literarischen Denunziation ihrer Figur) handelt der römische
Hofschriftsteller Vergil sowohl die militärische Vernichtung der Stadt Karthago (-141) als gerechtfertigt ab; wie auch den gerade eben vom Römer Octavian erzwungenen Selbstmord der nordafrikanischen Königin Kleopatra nach ihrem fehlgeschlagenen Versuch, in einer einzigen neuen Dynastie zu vereinigen: fehlgeschlagen zunächst mit Gaius Julius Cäsar und dann mit dem Feldherrn Marcus Antonius. Der erste wird ermordet (sein Sohn mit Kleopatra namens Kaisar war als Thronfolger vorgesehen), der zweite wird besiegt vom späteren Augustus. Vergil besingt den Sieger Augustus in seiner Aeneis, macht böse Hexen aus Dido/Kleopatra und verschafft Rom eine neue historische Genealogie (= geboren aus den Aschen des nur durch griechischen Betrug besiegten Troja). Auf diese Weise sind »mythische« und politische »Realgeschichte « unentwegt miteinander verzahnt. Buch der
Königstöchter folgt der Spur der kolonisierenden Landnahme von den Körpern der frühen gottgeschwängerten prä-griechischen Königstöchter – die in den Bildern der großen Renaissancemaler und der späteren europäischen Malerei nicht ohne Grund eine furiose Auferstehung erleben – über die Asiatin Medea, die phönizisch/karthagische Dido, zur mexikanischen Malinche, zur nordamerikanischen Pocahontas (und einigen weiteren) bis hin zu James Camerons 3D-Film Avatar (2009). Auch Cameron (Landnehmer im Bereich digitaler Film erfindungen) erobert sein technologisches Neuland und entfaltet seine »Utopie« einer neuen WeltallÖkologie über den Körper einer (halb göttlichen, halb animalischen, computeranimierten) Häuptlingstochter, Pocahontas 2010.

Peter Geimer: Derrida ist nicht zuhause
Begegnungen mit Abwesenden

256 S., geb., Philo Fine Arts 2013 20,00 EUR
Was eigentlich sieht der bildungsbeflissene Urlauber, wenn er bei der Besichtigung von Albert Einsteins Berner Arbeitszimmer belehrt wird, genau hier sei die Spezielle Relativitätstheorie entwickelt worden? Warum vertieft sich der Leser in eine Sondernummer über die „Dekonstruktion der Philosophie“ in ein Foto, das nicht Jacques Derrida, sondern seine Pfeifensammlung zeigt? Und ist der Herr, der zufällig neben Derrida saß, als dieser in einem der Cafes von Montparnasse portraitiert wurde, jetzt Teil der Philosophiegeschichte? „Reliquien, Reste, Zeugs“ bezeichnet der renommierte Literaturkritiker und Philosoph Peter Geimer neben seinen Abhandlungen zu Wissenschafts- und Bildgeschichte als Schwerpunkte seiner Forschung. Seine jetzt vorgelegte Portraitsammlung entspinnt sich in einem kunstvoll gewobenen Netz aus wechselseitigen Bezügen zwischen realen Orten, rätselhaften Gegenständen und historischen Persönlichkeiten. So offenbart sich die Faszination intellektueller Stars als Phänomen und zugleich Paradoxon: Denn Star ist nur, wer noch da gesucht wird, wo er längst nicht mehr ist. Peter Geimers „Begegnungen mit Abwesenden“ sind eindrückliche Portraits, u.a. von William Turner, Martin Heidegger, Marcel Proust – und natürlich Jacques Derrida.

Christian Y. Schmidt: Wir sind die Wahnsinnigen
Joschka Fischer und seine Frankfurter Gang

400 S., Verbrecher Verlag 2013 18,00 EUR
Er war Straßenkämpfer, Oppositionsführer, Außenminister und Vizekanzler. Er war lange Zeit der beliebteste Politiker Deutschlands. Doch der Aufstieg des Joschka Fischer hat sich anders vollzogen, als dieser es darstellt. Wie wurde der Linksradikale zum Staatsdenker und schließlich zum Unternehmer in eigener Sache? Christian Y. Schmidt zeigt, wie Fischer und seine Gang es geschafft haben, aus der Sponti-Szene heraus wichtige Posten in Frankfurt am Main und Hessen zu erobern – und wie sie dabei ihre früheren Ideen und Ideale verleugneten. Auch 15 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen ist diese biografische Studie noch immer aktuell – und liegt endlich wieder in erweiterter Neuausgabe vor. Christian Y. Schmidt, 1956 geboren, war bis 1996 Redakteur des Satiremagazins Titanic. Seitdem arbeitet er als freier Autor und ist Senior Consultant der Zentralen Intelligenz Agentur sowie Rotationskommunist. 2008 erschien das Reisebuch »Allein unter 1,3 Milliarden«, 2009 der China-Crashkurs »Bliefe von dlüben« und 2010 die autobiografische Skizze »Zum ersten Mal tot«. 2011 erschien im Verbrecher Verlag »Im Jahr des Tigerochsen«, 2013 folgte »Im Jahr des Hasendrachen«.

Peter O. Chotjewitz: Mein Freund Klaus
576 S., geb., Neuausgabe, Verbrecher Verlag 2013 (im Oktober) 32,00 EUR
Der Brisanz des Materials entspricht die Radikalität der literarischen Mittel. In diesem Roman liegen die Fakten auf dem Tisch. Kühn im Aufbau schreibt Chotjewitz über seinen Freund Klaus Croissant, der als Strafverteidiger schikaniert, als angeblicher Drahtzieher des internationalen Terrorismus verfolgt und nach der Annexion der DDR durch die Bundesrepublik 1990 wegen staatsfeindlicher Agententätigkeit abermals verurteilt wurde. Penibel recherchiert, detailgetreu und kühl erzählt, steht der Roman in einer Linie mit Chotjewitz skandalösem Romanfragment über die RAF aus dem Jahr 1978 „Die Herren des Morgengrauens“.

David Graeber: Direkte Aktion
450 S., Pb., Edition Nautilus 2013 (erscheint im März) 24,00 EUR
Der Occupy-Aktivist und Ethnologe David Graeber legt hier ein Standartwerk vor. Er beschreibt was Direkte Aktion ist und wie sie funktioniert. Entstanden ist ein vielfältiger, spannender und höchst lesenswerter Jetzt-schon-Klassiker über zivilgesellschaftliches Engagement und die Grundlagen der Basisbewegungen.

Dario Fo, Gianroberto Casaleggio, Beppe Grillo
5 Sterne – Über Demokratie, Italien und die Zukunft Europas

192 S., Pb., Tropen 2013 (erscheint am 21.Juni) 14,95 EUR
In den ersten zwei Wochen im italienischen Original wurde es bereits 50 000 mal verkauft und schoss sofort in die Top Ten der dortigen Bestsellerliste. Es ist eine Abrechnung und zugleich ein Manifest für ein ganz anderes Europa. „Wir erleben eine historische Veränderung – der Kultur, der Politik, der Wirtschaft. Dieser Bewegung geht es nicht darum, irgendwelche Allianzen zu diskutieren. Es geht darum, dass die Bürger selbst Teil des Staats werden.“ (Beppo Grillo). Alles über die 5-Sterne-Bewegung Beppo Grillos und den politischen Wandel Europas. Drei Intellektuelle, die Italien nachhaltig prägen, machen Europa und dem Rest der Welt ein beispielloses Phänomen verständlich. Sie schlagen neue Wege der direkten Demokratie für Italien, Europa und der Welt im digitalen Zeitalter vor: provozierend, ironisch, kreativ und konstruktiv. Italien muss endlich die Hydra der Korruption besiegen. Es braucht ein Wirtschaftssystem, das den Menschen und nicht den Banken dient. Dario Fo, Grillo und Casaleggio fordern die italienische Gesellschaft und die europäischen Demokratien heraus. Sie wollen die Spielregeln ändern: nicht irgendwann, sondern jetzt! Politik darf sich nicht mehr in Machtspielen erschöpfen. Politik muss es den Bürgern wieder ermöglichen, authentisch und verantwortungsbewusst aktiv zu werden. Auf einem imaginären Spaziergang von Athen nach Piräus rufen die drei Autoren die erste Demokratie in Athen und ihre Bedeutung für uns in Erinnerung. Sie diskutieren Vorschläge, beschreiben ihr Programm und blicken nach vorn auf die Herausforderungen der Zukunft. Es werden Fragen zu Arbeitsmarkt, Euro, Einwanderung, Steuern und Demokratie überraschend, witzig, originell und konstruktiv beantwortet. Dario Fo, geboren 1926, Nobelpreisträger für Literatur im Jahr 1997, engagiert sich für eine Kultur des sozialen Engagements. Seine Theaterstücke werden in Italien und dem Ausland erfolgreich aufgeführt, seine Werke in viele Sprachen übersetzt. Fo ist mit der Schauspielerin und politischen Aktivistin Franca Rama verheiratet. Gianroberto Casaleggio, geboren 1954 in Mailand, war Geschäftsführer bei Olivetti. Er gründete den Internetdienst Webegg. Heute ist er Unternehmer und besitzt eine Agentur, die den Internetauftritt Grillos betreut. Beppe Grillo, geboren 1948 in Genua, erfolgreicher Komiker und Schauspieler, sowie einer der weltweit beliebtesten Blogger. 2007 gründeten Casaleggio und Grillo ihre politische „5-Sterne-Bewegung“, die sie seither im Internet auf- und ausbauten. In Italien und in der ganzen Welt genießt ihr Blog große Aufmerksamkeit und hohes Ansehen.

Julian Assange: Cypher Punks
200 S., Pb., Campus 2013 16,99 EUR
Dieses Buch ist eine Kampfansage. Sie stammt von einem der Freiheitskämpfer des Internetzeitalters: Julian Assange – US-Staatsfeind Nr.1 und weltweit gesuchter Netzwerkaktivist. Das Internet ist eine riesige Spionagemaschine, sagt Assange. Alles, was wir hier übertragen, wird gespeichert und ausgewertet. Regierungen weltweit greifen nach der Netzkontrolle. Ihre Komplizen, Unternehmen wie Google, Facebook, PayPal und Co, sind längst in das Geschäft mit den Daten eingestiefen und verkaufen sie meistbietend. User aller Länder vereinigt euch und schlagt zurück fordert der Mitbegründer von WikiLeaks.

Adam Wilson: Flatscreen
352 S., geb., Metrolit 2013 21,99 EUR
Jedes Zeitalter hat seine eigenen Antihelden. Heute sitzen sie vor Flachbildschirmen und führen im Netz eine bedeutungslose Schattenexistenz. Adam Wilson zeichnet in seinem Roman den Cyberloser schonungslos und doch liebevoll. Sein Bademantel ist das Gegen(kleidungs)stück zum Superheldenkostüm. Das rote, gelbe, knallbunte Cape von Superman und Co. Ist ein Zeichen für die Energie und Geschwindigkeit der Kämpfer für das Gute. Männer aber, die sich außerhalb der Nasszelle oder des Spa in einem Bademantel blicken lassen, gelten spätestens seit „The Big Lebowski“ als Verlierer und Slacker, denen es zu anstrengend ist, ein Versprechen einzuhalten oder morgens eine Hose anzuziehen. Eliah Schwartz, 20 Jahre / Body Mass Index 25+ / Kontostand: (-), ist so ein Typ, der oft im überdimensionierten Frottee-Airbag durch die Vorstadt radelt und ein ranziges Phlegma ausstrahlt. Eli nimmt zu viele Drogen, kennt zu wenige Menschen und ist mit den Figuren auf Flachbildschirm per Du, den Soap-Opera-Aphoristikern und Facebook-Feinden. Wer denkt, dass die Story vom Verlierer im Bademantel seid dem Dude (Jeff Bridges!) auserzählt ist, muss „Flatcreen“ lesen.

Friedrich Glauser: Dada und andere Erinnerungen aus seinem Leben
128 S., geb., Limmat Verlag 24,50 EUR

Friedrich Glauser
160 S., mit Fotos, Limmat Verlag 32,00 EUR
Erinnerungen von Emmy Ball-Hennings, J. R. von Salis, Berthe Bendel, Hulda Messmer, Ernst Messmer, Martha Meyer-Messmer, Martha Ringier, Josef Halperin, Friedrich Witz u.a.

Hannes Binder: Glauser
Sieben gezeichnete Geschichten von, zu, mit und um Friedrich Glauser
560 S., geb., Limmat Verlag 68,00 EUR
„Im dicken Wunderwerk sind Romane und Geschichten versammelt, aber auch frei flottierende Bildergeschichten nach Glauser-Motiven wie „Wachtmeister Studer im Tessin“, „Glausers Fieber“ oder „Dada“. Gerade letztere ist ein atemberaubender Bilderbogen von höchster Kunstfertigkeit. Dada geht hier in den Surrealismus über.“ (Strapazin)

Friedrich Glauser: Kif
Friedrich Glauser liest seine Erzählung „Kif“
Digitales Hör- und Lesebuch, 10 S., 15 Min., Limmat Verlag 6,00 EUR
Lesen Sie „Kif“ und lassen Sie sich die Erzählung gleichzeitig von Friedrich Glauser vorlesen! Im beigefügten Tondokument – der einzigen Originalaufnahme mit Friedrich Glausers Stimme aus dem Jahr 1937 – liest der Autor seine im selben Jahr entstandene Erzählung über seine erste Erfahrung mit Haschisch vor.

Franz Jung: Das Trottelbuch
96 S., geb., Edition Nautilus 2013 (erschienen 9.Januar) 14,00 EUR
Zum 50.Todestag von Franz Jung am 21.Januar 2013 sein skandalöses Buch als Sonderausgabe. Als vor 100 Jahren das Trottelbuch erschien, war das ein fulminantes Debüt eines Autors, der später zu einer Legende wurde. Ein „junger Wilder“, der in München und Berlin in der literarischen Subkultur verkehrte, provozierte die bürgerlichen Vorstellungen zutiefst. In einem Cafehaus sitzen ein paar junge Männer, trinken und lesen sich ihre Texte vor. Heftig, abgehackt und assoziativ hält die Künstlerboheme mit ihren Saufgelagen und ihrer Wut auf Gutbürgerliche Einzug in die Literatur. Der Zerfall der bürgerlichen Identitäten, der Geschlechterrollen, die Befreiung der Sexualität – der Einbruch der Moderne in die psychologische Verfasstheit finden sich in der Figur des „Trottels“ wieder, der willensschwach, dämonisch und barbarisch auftritt und zutiefst einsam bleibt. Franz Jung hatte in Leipzig, Jena und Breslau Volkswirtschaft, Jura, Kunst und Theologie studiert und war 1911 nach München gezogen. Hier war er in engen Kontakt mit Erich Mühsam und der Münchner Boheme. 1913 zog er nach Berlin und gehörte dort zum Kreis der Künstler, aus denen die Dada-Bewegung entstand. Jung führte ein abenteuerliches Leben als Roman- und Theaterautor, Herumtreiber und revolutionärer Aktivist.

Erich Mühsam: Tagebücher
Band 5 / 1915 – 1916

320 S., geb., Verbrecher Verlag 2013 (erscheint November) 28,00 EUR
Das Jahr 1916. Ein Ende des Weltkriegs ist nicht abzusehen. Mühsam ist in München zur Untätigkeit verdammt. Seine Meinung darf er nicht öffentlich sagen, es ist einsam um ihn geworden. Also verfolgt er die Berichte von den vielen Fronten und macht sich sein eigenes Bild. Zerstörung, millionenfaches Leid, die Triumpfe der Militärtechnik mit U-Boot Krieg, Giftgas und die Bombardierung wehrloser Städte quälen ihn. Auch der Völkermord an den Armeniern, von der deutschen Politik gebilligt, beschäftigt ihn, doch es bleibt ihm nur, das Ausmaß für die Nachwelt fassbar zu machen. Nur die militärische Niederlage Deutschlands kann Europa retten, begreift er nun. Verzweifelt forscht er nach Möglichkeiten, die Wahrheit zu verbreiten, Widerstand und Revolte zu schüren. Doch seine Suche nach Verbündeten bei Schriftstellern wie Heinrich Mann oder bei linken Sozialdemokraten wie Karl Liebknecht führt nicht weit. Im Herbst 1916 endlich kommt es zu Protesten in München. Beginnt der Aufstand der Massen gegen den Krieg? Mühsam fasst neuen Mut und bereitet sich auf seine historische Rolle vor. Erich Mühsam, 1878 in Berlin geboren, war Dichter und politischer Publizist. Er war maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt, wo er zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt wurde. 1933 wurde er verhaftet und am 10.Juli 1934 im KZ Oranienburg ermordet.

Ju Innerhofer: Die Bar – Eine Erzählung
224 S., geb., Metrolit 2013 16,99 EUR
Was New York in den letzten Jahrzehnten war, ist Berlin heute: Magnet für Hedonisten weltweit. Einer der Gründe: nirgends sonst wird so hart gefeiert. Innenaufnahmen des Exzesses. Die Autorin Innerhofer kennt das Berliner Nachtleben. Vom Ausgehen – und weil sie in einigen der wichtigsten Clubs der Stadt gearbeitet hat. Sie weiß um die Freiheiten der Nacht, den Exzess, die Gemeinschaft. Der Club als Heterotopie – als Ort, an dem die draußen geltenden Gesetze suspendiert sind. Innerhofer weiß auch, wie man sich nach zwei Tagen Selbstauflösung fühlt und wie ein Club riecht, wenn alle Gäste gegangen sind. Nun hat sie einen Roman geschrieben, der all dieses Wissen verdichtet: „Die Bar“. In 30 Jahren wird er dieselbe kopfschüttelnde Ehrfurcht auslösen, mit der wir heute auf den Wahnsinn von Woodstock zurückblicken.

Yok: Punkrocktarif
Mit dem Taxi durch die extreme Mitte

154 S., Gegen-Kultur Verlag 2012 10,00 EUR
Der Autor ist eine Autonomen-Legende, Punkrocker, früher bekannt als Quetschenpaua, Sänger der „Tod- und Mordschlag“ und „Revolte Springen“ – seine Lieder waren Hymnen der Bewegung. Nun hat er lesenswerte Taxifahrten-Berichte aus Berlin verfasst. Lesenswerte Lektüre.

Colin MacInnes: Absolute Beginners
320 S., geb., Metrolit 2013 19,99 EUR
In diesem bereits 1959 erschienen Buch wird die Urszene der britischen Jugendbewegung beschrieben: den Split in Teddy Boys und Mods. Die Jugendkultur der Teddy-Boys, elegant gekleidete Rockabilly-Fans, wurde langsam durch die Roller-fahrenden Mods abgelöst. Die Mods übernahmen von den Teds den Hang zu schmal geschnittenen Anzügen und guten Schuhen, hörten aber Jazz und Soul. Ihr Mode- und Musikgeschmack unterschied sie von ihren großen Gegnern, den Lederjacken-tragenden Rockern, die mit den Teds die Vorliebe für Rock `n`Roll teilten. Aus diesen beiden britischen Subkulturen entwickelte sich ein Gutteil jener Jugendbewegungen, die Großbritannien – und weite Teile des Westens – in den folgenden Jahrzehnten prägen sollten.

Frank Schäfer: Metal Störies
Der heißeste Scheiß auf Gottes großer Festplatte

144 S., geb., Metrolit 2013 16,99 EUR
Heavy Metal gilt vielen als zu brachial im Sound, zu simpel in den Texten und zu albern in der Inszenierung der meist langhaarigen Musiker. Wie ignorant dieser Langweiler-Konsens ist, zeigt das Buch „Metal Störies“. Darin erzählt der Autor, 1966 geboren, vom Aufwachsen in der westdeutschen Provinz, vom ersten Golf mit übersteuerter Musikanlage, wilden Festivalerfahrungen, Luftgitarrengeschwadern – und der Rolle, die Death Metal bei der Bewältigung von Liebeskummer spielen kann. Wer das liest, dem wächst Heavy Metal nicht nur zwangsläufig ans Herz. Man versteht auch, worum es dieser Musik und ihren Fans geht.

Max Dax, Anne Waak (Hrsg.)
Spex – Das Buch. 33 1/3 Jahre Pop

480 S., geb., Metrolit 2013 28,00 EUR
Die Zeitschrift Spex als bloße Musikzeitschrift abzutun, wäre eine Untertreibung. In dem Magazin wurde und wird der bessere, weil spannendere Kulturjournalismus geprobt, der die großen Thesen nicht fürchtet und sich gerne auch im Ton vergreift. Spex war nach den Hippies das Sprachrohr der nächsten Generation, der Punk- und New Wave-Bewegung. Jedoch ging es nie nur um Musikstile. Bis heute spiegelt sich in Spex die Avantgarde gesellschaftlicher Entwicklungen. Oder besser, eine Art Monitor, auf dem sich bunt und grell abspielt, was sich im Rest der Gesellschaft erst langsam und diffus formt. Das lesen zu können, zu deuten und zu bewerten, war und ist die Kompetenz der Spex.

Peter Hook: Unknown Pleasures
Die Joy-Division-Story
320 S., geb., Metrolit 2013 21,99 EUR
Der Autor war Bassist der Band Joy Division und veröffentlicht nach dreißig Jahren nun deren Geschichte. Der 23jährige Sänger der Band, Ian Curtis, hatte sich 1980 das Leben genommen. Die beiden einzigen Studioalben haben die Popmusik bis heute geprägt. Zwei Filme gibt es inzwischen über die Band. Immer noch laufen die großen Songs wie „Love will tear us apeart“ oder „Transmission“. Peter Hook, der mit den anderen Bandmitgliedern später als „New Order“ weitermachte, schreibt authentisch über die damalige Zeit und das lohnt auch heute noch zu lesen.

Alen Mescovic: Ukulele Jam
352 S., geb., Metrolit 2013 21,99 EUR
Hier setzt ein junger Bosnier seinen Erlebnissen im jugoslawischen Bruderkrieg die Unbeschwertheit und den Willen zur unversehrten Jugend entgegen: Mit viel Witz und unaufdringlicher Klugheit – und dem Sound der 90er. Ein smartes Stück Popliteratur unter Granatenbeschuss.

Thomas Meinecke: Analog – Kolumnen
120 S., Pb., Verbrecher Verlag 2013 (erscheint Oktober) 14,00 EUR
Thomas Meinecke erzählt von seinem Dasein als DJ, der Entstehung von Plattensammlungen, ersten Erfahrungen mit dem, was angesagt ist, und natürlich von Musik: über Musiker und Musikerinnen, Platten und Labels, Clubs und ein Lebensgefühl. Meinecke schildert, wie Techno und House die Menschen in London, Berlin, Schmalkalden, Bahia oder New York miteinander verbinden. „Analog“ versammelt die Kolumnen Meineckes aus dem Magazin Groove der Jahre 2007 bis 2013. Jeder Kolumne ist eine farbige Zeichnung von Michaela Malian zur Seite gestellt. Meinecke ist Schriftsteller, Musiker und DJ und 1980 Begründer der Band F.S.K. (Freiwillige Soziale Selbstkontrolle), die bis heute in fast gleicher Besetzung auftritt. Er hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Hörspiele veröffentlicht und dafür zahlreiche Preise erhalten.

Bettina Vibhuti Uzler: Party am Abgrund
Meine Nomadenjahre im Drogen- und Technorausch

Eine Aussteigerin erzählt
288 S., Pb., Eden Books 2013 12,95 EUR
Die Autorin verliert sich im Nomadendasein in der Technoszene bist ein spiritueller Meister ihr zurück ins Leben hilft. Die Techno- und Ravekultur erfreut sich seit einigen Jahren wieder wachsender Beliebtheit. Anhänger der Szene sehnen sich nach einem Kick im Alltag, wünschen sich Abwechslung und Euphorie. Insbesondere bei jungen Menschen wird das Bedürfnis nach einem Aussteigerleben immer größer. Viele der Technobegeisterten greifen dabei regelmäßig zu verbotenen Substanzen, um ihre Körper in Extremzustände zu versetzen. Das Buch gibt einen ungeschminkten Einblick in die Drogen- und Technoszene und zeichnet das packende Portrait einer Subkultur. Mit 23 Jahren wird Bettina Vibhuti Uzler als Drogenkurierin erwischt und landet im französischen Frauenknast. Nach ihrer Freilassung wird sie Teil der Freetekno-Bewegung, reist durch Europa und organisiert illegale Partys. In der Technoszene findet sie ein Zuhause. Doch auf die Ekstase folgt der Absturz: Bettina lebt ohne Dach über dem Kopf und verliert sich im Drogenrausch. Ein spiritueller Meister hilft ihr schließlich, aus der Szene auszusteigen. In ihrem Buch erzählt sie fesselnd von ihren waghalsigen Höhenflügen, ihrem Absturz und ihrem Weg ins neue Leben. Heute arbeitet sie als Therapeutin in eigener Praxis am Institut für Beziehungsdynamik in Berlin. Ein mitreißender Bericht einer jungen Frau auf Sinnsuche und ein gewagtes Portrait der Drogen- und Technoszene aus der Perspektive einer Aussteigerin.

Pussy Riot ! Ein Punk Gebet Für Freiheit
144 S., Edition Nautilus 2012 9,90 EUR
Pussy Riot ist ein feministisches Kunst-Performance-Kollektiv aus Moskau. Gegründet 2011, machen sie öffentliche Performance-Auftritte als Angriff auf die russische Politik. Im Februar 2012 wurden drei Mitglieder der Gruppe verhaftet, nachdem sie in der Christi-Erlöserkirche in Moskau in bunten Strumpfmasken mit einem „Punk-Gebet für Freiheit“ gegen Putin protestiert hatten. Maria Aljochina, Nadescha Tolokonnikowa und Jekaterina Samuzewitsch wurden zu feministischen Ikonen, ihre Verhaftung und die Gerichtsverhandlung wurden von Aktivisten und Künstlern in der ganzen Welt solidarisch begleitet und sie waren auch nominiert für den „Preis für das Unerschrockene Wort“ der Lutherstädte durch die Stadt Wittenberg. Trotz der Unterstützung und der Medienaufmerksamkeit in Russland und im Ausland wurden sie im August 2012 schuldig gesprochen und zu zwei Jahren Haft im Straflager wegen „Rowdytum aus religiös motiviertem Hass“verurteilt.

Yoko Ono: Half-A-Wind Show
208 S., geb., Prestel 2013 39,95 EUR
Yoko Ono ist eine der einflussreichsten Künstlerinnen unserer Zeit. Die anlässlich ihres 80.Geburtstags erscheinende Publikation präsentiert eine charakteristische Auswahl der letzten 60 Jahre ihres Schaffens und beleuchtet so die mediale Vielfalt im Werk der Künstlerin sowie die zentralen Themen ihr 0Euvres. Besondere Aufmerksamkeit liegt auf den Arbeiten aus den 1960er- und 70er-Jahren, ihrem Einfluss auf Fluxus-Bewegung, Konzepts- und Performance-Kunst, Environments, Film und Musik sowie ihrem Einsatz für den Frieden. Dies ist die erste Werkübersicht zu Yoko Ono in deutscher Sprache.

tender to all gender – A compilation by Hugs & Kisses magazine
TRIKONT CD US-0448
Peaches / Light Asylum / Junior Senior / Tubbe / Lesbians On Ecstasy / Scream Club / Scott Matthew / Kumbia Queers / Hungry Hearts / Kids on TV / Bernadette LaHengst / Hard Ton Disco Queen / Crazy Bitch In A Cave / Rae Spoon / Sookee / Princessin Hans
Fragwürdig, seltsam, leicht verrückt – wer sich die ursprüngliche Bedeutung des englischen Wortes „queer“ ansieht, stößt auf viele Übersetzungen. Nur wenige davon waren sonderlich schmeichelhaft als damit vor einigen Jahren noch vornehmlich Homosexuelle bezeichnet, genauer: beschimpft wurden. Heute hat queer nicht nur für all jene, die sich selbst so bezeichnen, einen durchweg positiven Klang. Queer, das steht längst für selbstbewusste Normabweichung und Vielfalt, für Eigensinn und sexuelle Emanzipation. Nun aber muss man die Bedeutung von queer abermals erweitern: queer steht auch für musikalische Bandbreite. Denn das nicht kommerzielle Szenemagazin „Hugs and Kisses“, das seit fünf Jahren alle 6 Monate erscheint, hat den Sound ihrer Freund_innen, ihrer Szene, ihrer Partys auf einem bemerkenswerten Sampler kompiliert. Er heißt wie das Motto der Zeitschrift – tender to all gender – und zeigt das ganze Spektrum jener Musik auf, die im queeren Kosmos gehört, geliebt und gelebt wird. Auf dem Sampler haben sich die unterschiedlichsten Künstler_innen zusammengefunden: bekannte Namen und Newcomer, Undergroundstars und Tanzflächengrößen, Trashvirtuosen und Chartskompatible. Ihr Umfang reicht dabei weit über das hinaus, was seit Discozeiten unter „irgendwie anders als heterosexuell“ geprägten Klängen verstanden wird: Vom nostalgisch aufgepeppten HipHop-Funk Can I Get Get Get des dänischen Popduos Junior Senior als Auftakt bis zu Princessin Hans’ theatralischen Gypsyrock Passive Aggressive Romantic Obsessive Richtung Finale, vom federleichten Eurodance In Your Face der norwegischen Performance-Gruppe Hungry Hearts bis zur elektronischen Politkparole Free Pussy Riot der kanadischen Exilberlinerin Peaches.
Daneben steht der getragene technoide New Wave des Berlin-Münchner Elektroduos Tubbe (5 Minute Love), Kumbia Queers fröhlich verspielter Balkan-Housepop Tiro Al Blanco, Unterbrochen von Elektroclash der populären Sorte – zum Beispiel von den kanadischen Kids on TV und dem New Yorker Neo-Indiewave-Duo Light Asylum. Tender to all gender versammelt also eine Menge dessen, was das Herz mit größerem Hang zu digitalen als analogen Klängen begehrt: deutschsprachigen Breakbeat-Rap der Feministin „Quing of Berlin“ namens Sookee oder Crazy Bitch In A Caves operettenhaft androgyne New Disco Dance All Night aus Wien. Partyorientierte Technonummern wie Party Time von Scream Club, natürlich hochpolitische Mitdenklieder à la Ein Mädchen namens Gerd von der Popaktivistin Bernadette La Hengst. Die Zusammenstellung ist bei aller tanzbaren Elektroniklastigkeit ebenso umfassend wie abwechslungsreich und dabei ziemlich emblematisch fürs Lebensgefühl des independent Undergrounds. Was sie allerdings nicht ist und nicht sein will, ist eine Antwort auf die Frage: was ist queere, geschweige denn homosexuelle Musik? tender to all gender liefert weder Definitionen noch Schubladen – nicht mal eine Orientierungshilfe. Die 16 wohlsortierten Stücke zeigen bloß auf, welche Möglichkeiten es gibt, sich jenseits der heteronormativen Wirklichkeit Gehör zu verschaffen. Das Geschlechterverhältnis aktiv durchbrechen tun höchstens die Künstler_innen und dahinter; ein wie auch immer geartetes Selbstbewusstsein queerer Musik formt sich am Ende erst im Ohr des Publikums. „Es geht uns schließlich nicht um Gleichmacherei“, sagt Christiane Stephan, Herausgeberin der Hugs and Kisses. Statt alle über einen Kamm zu scheren, will ihr Magazin samt Compilation lieber „alle möglichen Geschlechter in ihren Unterschieden feiern“. Sie nennt das „Identität als Prozess“. Musik ist da nur der Schlüssel ins Universum der Andersartigkeit, die tender to all gender feiert, als gebe es ein Morgen. Und sei es mit den Mitteln des Pop.

Kate Bornstein: Ein schädlicher Einfluss – Mein mutiges Leben
Die wahre Geschichte eines netten jüdischen Knaben, der bei Scientology landete und zwölf Jahre später zu der hinreißenden Lady wurde, die sie heute ist
352 S., Pb., Eden Books 2013 14,95 EUR
„ich wurde als Mann geboren, und meine Unterlagen sagen jetzt, ich sei eine Frau – aber ich bezeichne mich nicht als Frau, und ich weiß, dass ich kein Mann bin“ (Kate Bornstein). Allein in Deutschland vermerkt das Transsexuellengesetz derzeit 11.514 betroffene Personen, nach Schätzungen kann jedoch von ca. hundertsiebzigtausend Fällen ausgegangen werden. Das Buch stellt den authentischen Bericht einer Betroffenen dar und schildert eindringlich die Suche nach der eigenen Identität. Gleichzeitig bietet es einen Blick hinter die Kulissen der umstrittenen Organisation Scientology. Al Bornstein durchlebt eine behütete Kindheit. Doch schon früh hat er das Gefühl, im falschen Körper zu stecken. Mit Anfang zwanzig überzeugen ihn Scientologen, dass Körper lediglich die Hüllen geschlechtsloser Seelen sind. Er tritt der Sekte bei und bleibt zwölf Jahre lang ein ranghohes Mitglied. Als er erfährt, dass die von ihm akquirierten Spendengelder veruntreut werden, fällt er vom Glauben ab. Al verlässt die Sekte und macht sich mutig auf den Weg, sein eigenes Schicksal zu ergründen. Er wird zu Kate Bornstein, die heute in New York lebt und eine glückliche Beziehung mit einer Frau führt. Kate Bornstein ist eine in der Szene bekannte Transgender-Aktivistin, die bereits mehrere erfolgreiche Bücher veröffentlicht hat. Die ungewöhnlichste Autobiografie des Jahres verbindet mit der Suche nach sexueller, spiritueller und sozialer Identität mehrere hochrelevante Themen.

Ernst Horst: Die Nackten und die Tobenden
FKK – Wie der freie Körper zum deutschen Kult wurde

320 S., Blessing 2013 29,99 EUR
Nacktkultur, Nudismus, Freikörperkultur: FKK ist das gemeinsame textilfreie Schwimmen, Sonnenbaden und Ballspielen in der freien Natur. Der FAZ-Mitarbeiter Ernst Horst schreibt über die heroische Epoche des deutschen FKK zwischen 1949 und 1970 als Gegenbewegung im Wirtschaftswunderland. Reichlich illustriert mit schönen nostalgischen, pittoresken, manchmal exzentrischen Abbildungen aus FKK-Zeitschriften.

Clarisse Thorn: Fiese Kerle?
Unterwegs mit Aufreißern. Ein hautnahes Experiment

352 S., Pb., Eden Books 2013 9,95 EUR
Liebe, Sex, Männlichkeit: Wie Aufreißer ticken – und warum Frauen auf sie reinfallen. Pick-Up-Artists haben es sich zum Ziel gesetzt, ihre Verführungskünste zu perfektionieren, um so eine möglichst große Anzahl an Frauen ins Bett zu bekommen. In den USA bereits seit einigen Jahren eine florierende Subkultur, zählt mittlerweile auch die größte deutsche Aufreißer-Community an die hundertausend Mitglieder. Der bekannteste Pick-Up-Artist ist wohl die Kultfigur Barney Stinson aus der TV-Serie „How I Met Your Mother“. Das Buch bietet einen Blick hinter die Kulissen der Aufreißerszene und begleitet Pick-Up-Artists auf ihren Streifzügen. Die junge Autorin Clarisse Thorn ist in diese Szene eingetaucht, um zu verstehen, wie diese Männer ticken. Hautnah erzählt sie von ihren Erlebnissen in der Aufreißerszene und beleuchtet die Schattenseiten dieser Subkultur. Auch ihr eigenes Liebesleben nimmt Clarisse Thorn unter die Lupe und analysiert es mithilfe der Konzepte, die in der Pick-Up-Szene populär sind. Die ausgeklügelten Taktiken der Pick-Up-Artists helfen ihr dabei, neue Erkenntnisse über zwischenmenschliche Beziehungen und das Flirtverhalten von Männern und Frauen zu gewinnen. Clarisse Thorn ist eine feministische Autorin, die SM praktiziert und bereits mehrere Bücher veröffentlicht hat. Auf ihrem Blog schreibt sie über Feminismus, BDSM und Polyamorie. Sie lebt in San Francisco. Aufreißen als Volkssport ist ein Trendthema! Humorvoller Blick einer jungen Feministin auf die umstrittene Szene mit überraschenden Erkenntnissen.

Michael Diers, Lars Blunck, Hans Ulrich Obrist (Hg.)
Das Interview – Formen und Foren des Künstlergesprächs

344 S., geb., Philo Fine Arts 2013 22,00 EUR
Interviews mit Künstlern haben im Kunstbetrieb seit jeher einen hohen Stellenwert. Was darin an künstlerischen Selbstaussagen zusammengetragen wird, dem kommt der Status einer autoritativen Quelle zu, auf die man sich als Zeugnis beruft. Substituiert also das Interview die Kritik in der Kunstkritik oder entlastet die Kunstgeschichte von der Bürde es Interpretierens? Oder ist es hilfreiches, gar notwendiges Instrument im Diskursfeld der Kunst? Der aufschlussreiche Sammelband geht auf eine internationale Tagung an der Hochschule für Bildende Kunst Hamburg zurück. Er befragt das Künstlerinterview aus verschiedenen Perspektiven nach seinen Potentialen und Problematiken, indem er dessen Traditionen und Funktionen ebenso beleuchtet wie seine Formate, seinen Status und Modus. Zur Sprache kommen auch künstlerische Strategien von Andy Warhol bis Anri Sala, die sich des Interviews als Dispositiv bedienen. Mit Beiträgen von Oskar Bätschmann, Lars Blunck, Matteo Buioni, Hubertus Butin, Michael Diers, Julia Gelshorn, Isabelle Graw, Hans Ulrich Obrist, Peter Schneemann, Gregor Stemmrich und Philip Ursprung.

Sabine Scholl: Mein Alphabet der Männer
224 S., geb. mit Lederimitat, Metrolit 2013 16,99 EUR
Herausgeberin Scholl präsentiert Männer von A – Z in kaum seitenlangen Geschichten auf ihren Status als Lustlieferant. Die Erzählerin erwartet von den Männern weder Unterhaltszahlungen noch emotionale Geborgenheit, sondern einfach nur guten, aufregenden Sex. Scholl versöhnt Eleganz und Pornografie, Feminismus und Erotik. Ein Titel gegen die Lustfeindlichkeit des deutschen Alice-Schwarzer-Feminismus.

Peter Nau: Irgendwo in Berlin – Ostwestlicher Filmdivan
96 S., Pb., Verbrecher Verlag 2013 (erscheint im Juli) 12,00 EUR
Der große Filmkritiker Peter Nau schreibt über Berlinfilme – und damit über die Stadt, über ihr Antlitz im Film und über ihre Veränderung. Er beschreibt das bei Film aus Ost und West, und so auch wie dich Stadtteile sich selber sahen und wie sie sich gegenseitig. Der Band schließt mit dem Aufsatz über „Das Altern des Jungen Deutschen Films“.

Maike Albath: Rom, Träume?
Morante, Moravia Pasolini, Gadda und die Zeit der Dolce Vita

280 S., geb., Berendorf (erscheint August 2013) 25,00 EUR
Mit die schönsten Seiten in der italienischen Nachkriegsgeschichte wurden in Rom zur Zeit des Dolce Vita geschrieben. Während Fellini seine Filme dreht, in denen neben Marcello Mastroianni auch ein gewisser Paparazzo auftrat, drängelten sich Hollywoodschauspieler auf der für Amerikaner ebenso schicken wie billigen Via Veneto. Die Kulturlandschaft jener Zeit wurde aber geprägt von den Freunden um Elsa Morante, Alberto Moravia, Carlo Emilio Gadda, Ennio Flaiano und Pier Paolo Pasolini. Sich mischten sich mit polarisierender Stimme in das politische und kulturelle Geschehen. Mit ihren Büchern und heiß umstrittenen Filmen schrieben sie ein bis heute unvergängliches Kapitel italienischer Kulturgeschichte. Und sie deuteten eine Entwicklung, die Italien nicht loslässt: der viel zu rasante Aufstieg der Medienlandschaft. Maike Albath, geboren 1966 in Braunschweig, lebt in Berlin. Sie ist Literaturkritikerin, hat mehrere Jahre in Turin und Padua gelebt und ist eine der profiliertesten Kennerinnen der italienischen Gegenwartskultur. Ihre Arbeit wurde 2003 mit dem Adolf-Kerr-Preis für Literaturkritik belohnt. 2010 erschien im Berenberg Verlag „Der Geist von Turin. Pavese, Ginzburg, Einaudi und die Wiedergeburt Italiens nach 1943“, ein Buch, das Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung) „so elegant, wie unaufdringlich“ fand.

Tom Folson: Dennis Hopper . Die Biografie
geb. , mit Abb., Blessing 2013 22,99 EUR
Das große Leben eines rebellischen Künstlers. Dennis Hopper konnte seine Autobiografie nicht vollenden: Für dieses Buch standen Bestsellerautor Tom Folsom Hoppers beste Freunde, seine Weggefährten und Widersacher zur Verfügung.

Hans Schmid: Frankenstein Bd.1 (1818 – 1931)
ca. 560 S., ca. 120 Fotos, geb., beleville verlag 48.00 EUR
Hans Schmid: Frankenstein Bd. 2 (1931 – 2013)
ca. 560 S., ca. 120 Fotos, geb., beleville verlag 48,00 EUR
Eine Literatur-, Film- und Familiengeschichte in zwei Bänden
Erscheint in den nächsten 18 Monaten
Als Mary Shelley 1818 „Frankenstein“ veröffentlichte und damit eine der großen Mythen der Populärkultur begründete, war der Roman so aktuell und politisch so brisant, dass sie ihn 1831 für eine Neuauflage umschreiben musste. Das Buch entstand im Zentrum der skandalumwittertsten Familien des 19.Jahrhunderts und ist zugleich das Produkt einer Zeit, in der sich die moderne Medizin entwickelte und der menschliche Körper zur Ware wurde, in der die Armut zum Verbrechen erklärt wurde und sich die Medien erstmals für das Phänomen des Serienmords interessierten. Das alles und noch viel mehr ist in „Frankenstein“ enthalten. Trotzdem wäre der Roman in Vergessenheit geraten, und seine Autorin würden wir nur noch als die Witwe eines berühmten Dichters kennen, wenn es nicht die unautorisierten Bearbeitungen für die Theaterbühne gegeben hätte, die den Stoff erst populär machten und dem Mythos das uns vertraute Gesicht gaben. Die Geschichte von Frankenstein im Film beginnt mit Thomas Alva Edison, dem Vater der Glühbirne, führt hinein in einen der legendären, mit der Erfindung des elektrischen Stuhls endenden Wirtschaftskriege des ausgehenden 19.Jahrhunderts und erreichte zur Zeit der Weltwirtschaftskrise einen ersten künstlerischen Höhepunkt. Die beiden Frankenstein-Filme von James Whale, die Boris Karloff zum Star machten, erzählen von Tabuthemen wie körperlichen und seelischen Verstümmelungen bei Kriegsteilnehmern, Arbeitslosigkeit und einer kriminalisierten Sexualität. Sie begründen eine Tradition des subversiven Horrorfilms in Amerika und entstanden paradoxerweise in den Universal Studios, deren Gründer, der deutsche Immigrant Carl Laemmle, die Firma als Familienunternehmen führte und am liebsten nur Filme für die ganze Familie gemacht hätte, mit Hunden und kleinen Kindern. Ein Familienunternehmen mit interessanter Psychodynamik war auch die Firma Hammer, die den Horrorfilm mit rotem Blut auf halbnackten Busen revolutionierte, Zensoren die Schamesröte ins Gesicht trieb und so erfolgreich Gewalt mit Sex kombinierte, dass sie mit dem „Queens Award to Industry“ ausgezeichnet wurde. Die Hammer schenkte dem Genre mit Peter Cushing und Christopher Lee zwei seiner größten Stars, machte Frankenstein zu seinem eigenen Monster und leitete mit dieser Grenzverwischung eine neue Phase ein, in der sich der Horrorfilm so modernisierte, dass er, obwohl oft totgesagt, bis heute sehr lebendig geblieben ist und weiter seine subversive Wirkung entfalten kann. „Frankenstein“ spürt der skizzierten Entwicklung nach, schreibt sie fort in die Gegenwart und berichtet außerdem über alles, was Sie schon immer über Frankenstein wissen wollten, aber bisher nie zu fragen wagten: Vom Liebesleben der Mary Shelley und vom Monster verschleppte Jungfrauen als Heiligenbild bis zum Geschlechtsteil von Elvis Presley und zur Gallenblase von Andy Warhol. Aufwendigst recherchiert und reichhaltigst bebildert: Das definitive, das ultimative Werk zu Frankenstein und seinen Geschöpfen.

James M. Cain: Abserviert
272 S., geb., Metrolit 2013 19,99 EUR
Niemand konnte die Figur der Femme fatale so beschreiben wie der 1977 verstorbene Schriftsteller James M. Cain. Seine Hard-Boiled-Krimis „Mildred Pierce“ und „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ gehören längst zum Kanon der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Das nun sein bislang verschollen geglaubter letzter Roman erscheint ist eine literarische Sensation. Caine, der Schöpfer des Krimi Noir, galt zu seinen Lebzeiten vielen als einer der wichtigsten Autoren der USA – Camus hielt ihn für den begnadetsten überhaupt. Oft wiederkehrendes Motiv seiner Romane sind Dreieckskonstellationen, in denen eine Femme Fatale zwei Männer um den Verstand bringt, in der Habgier, Hass und falsch verstandene Liebe das Übelste der Menschen nach außen kehrt. Und so ist die Joan in diesem Roman nicht nur eine alleinerziehende Mutter, die nach einer gescheiterten Ehe auf sich alleine gestellt ist und alles für das Wohl ihres Kindes zu tun bereit ist. Sondern sie ist auch die kalt berechnende, um ihre sexuelle Anziehungskraft wissende Frau, die einen vermögenden, alten Mann heiratet und gleichzeitig eine Affäre mit einem jungen, attraktiven Träumer beginnt und bedingungslos ihren Weg geht. Cains Sinn für die menschlichen Abgründe und der lakonische Stil, mit dem er den tiefen Fall seiner Figuren beschreibt, machen „Abserviert“ zu einem späten, posthumen Meisterwerk. Neun Jahre lang hat der Lektor Charles Ardai aus verschiedenen Quellen und Manuskripten Cains letzten Roman zusammengefügt und es hat sich gelohnt.

Antonio Callado: Der Tote im See
Leben und Verschwinden des Colonel Fawcett im brasilianischen Regenwald
144 S., geb., Berenberg (erscheint August 2013) 20,00 EUR
Warum machten sich Anfang der fünfziger Jahre ein paar Journalisten auf den Weg in den brasilianischen Regenwald, um einen Engländer zu suchen, der dort dreißig Jahre zuvor auf der Suche nach einer verschwundenen Stadt verschollen war? Und wieso geht das heute noch jemanden an? Die Antwort liefert diese abenteuerliche Reportage aus der Zeit, als sich Brasilien vom Provinzgigant in einen Protagonisten modernster Entwicklung zu verwandeln begann. Im Auftrag eines publicityhungrigen Medienmoguls besuchte Callado jene indigenen Brasilianer, die damals noch gar nicht wussten, dass sie Brasilianer waren und nichts dabei fanden, jemanden verschwinden zu lassen. Was die Reporter bei ihrer Suche nach Percy Fawcett – dem Vorbild für Steven Spielbergs Indiana Jones – entdeckten, daraus entstand dieses in Brasilien bis heute legendäres Buch. Antonio Callado, geboren 1917, arbeitete während des Zweiten Weltkriegs in London für die BBC, schrieb später für alle wichtigen Zeitungen in Brasilien, berichtete über den Vietnam-Krieg und veröffentlichte Theaterstücke und Romane (darunter „Quarup“, sein bekanntester Roman, der auch auf Deutsch erschienen ist). Als er 1997 in Rio de Janeiro starb, war er einer berühmtesten Journalisten des Landes und ist es geblieben.

Altaf Tyrewala: Das Ministerium der verletzten Gefühle. Gedicht
96 S., Pb., Berenberg 2013 englisch /deutsch 19,00 EUR
„Diese Stadt, diese Stadt“ – ratlos und empört, fasziniert und entsetzt sieht man mit Alta Tyrewala auf seine Heimat Mumbai und die 18 Millionen Menschen, die hier tagtäglich versuchen, sich ein Leben im Chaos zu erkämpfen. Und oft genug verlieren. Der Teeverkäufer Ganesh zum Beispiel, dessen Straßenstand einer Bushaltestelle Platz machen muss und der sogar beim Selbstmord noch Pech hat. Oder Bhanu, eine Dalit, die in einer Hütte neben dem Luxushochhaus ihres Herrn verreckt. Tyrewala lässt sie in seinem zornigen Langgedicht atemlos vorüberziehen und schafft ein einzigartiges Panoptikum des Lebens in einer entfesselten Metropole unter den Bedingungen des globalisierten Kapitalismus; ein einem Land, das sämtliche Widersprüche dieser schönen neuen Welt auf sich vereinigt. Ein „Waste Land“ für unsere Zeit. Altaf Tyrewala, geboren 1977 in Mumbai, Indien, studierte Betriebswirtschaft in New York City und lebt seit 1999 wieder in Mumbai. 2006 erschien sein erster Roman „Kein Gott in Sicht“ in deutscher Übersetzung (Suhrkamp). 2011 war er Gast des Berliner Künstlerprogramms DAAD.

COMICS

Derf Backderf: Mein Freund Dahmer
224 S., Pb., Metrolit 2013 22,99 EUR
Jeffrey Dahmer, genannt das „Milwaukee-Monster“, ermordete zwischen 1978 und 1991 in den USA siebzehn junge Männer. Er verstümmelte die Leichen, löste sie in Säure auf, verspeiste sie zum Teil. 1994 erschlug ihn ein Mitgefangener im Gefängnis. Derf Beckderf ist einer der wichtigsten Comickünstler der USA. Er ist Träger des Robert F. Kennedy Journalism Award und wurde zweimal für den Eisner Award nominiert. Backderf war Klassenkamerad von Jeffrey Dahmer und vielleicht sein einziger Freund. Wer seine Geschichte liest, entdeckt hinter dem „Milwaukee-Monster“ den Menschen Jeffrey Dahmer.

Danielle de Piccotto: We are gypsies now – Der Weg ins Ungewisse
240 S., Pb., Metrolit 2013 22,90 EUR
Die amerikanische Künstlerin Danielle de Piccotto, Mitgründerin der Love-Parade und Ehefrau von Alexander Hacke, dem Bassisten der „Einstürzenden Neubauten“, beschreibt in dieser Graphic Novel wie sie beide zusammen auf dem Sofa nur noch amerikanische TV-Serien sahen und dann eine Entscheidung treffen mussten. Sie entschließen sich, Haus und Haushalt aufzugeben, nicht mehr als Spielfigur den Regeln zu folgen, sondern die Dinge in die eigene Hand zu nehmen. Sie verkaufen das Haus, lösen die langfristigen Verträge, gehen zuerst für ein Filmprojekt nach Wien und anschließend mit den „Einstürzenden Neubauten“ auf eine ausgedehnte Europa-Tournee. „On the Road“ ist jeder Tag surreal, irgendwie magisch. Der Comic ist ein Leitfaden der Minimalismus-Bewegung geworden.

Alle Titel können Sie überall im Buchhandel wie auch unter folgender Adresse erwerben:

Worms Verlag
Abt. Onlineshop
Kultur- und Veranstaltungs GmbH,
Von Steuben Str.5, 67549 Worms
Berthold Röth Tel. 06241-2000-314
e-mail: berthold.roeth@kvg-worms.de

Interkulturelle Buchneuheiten Liste 32

April 29, 2013

Die vorhergehenden Listen können noch allesamt im Archiv unter wormsverlag.wordpress.com abgerufen werden.

Seit dem 1. April sind die Integrationskursverordnung und die Regelungen für die Einbürgerung verändert: Seit dem 23. April gibt es einen neuen Abschlusstest für die Orientierungskurs („Leben in Deutschland“) und einen neuen Einbürgerungstest.

Orientierungskurs
Band 1: Politik in der Demokratie
Band 2: Geschichte und Verantwortung
Band 3: Mensch und Gesellschaft

Hefte der BRD-Dritte Welt pro Heft 2 Euro

Einbürgerungstest
Band 1: Leben in der Demokratie
Band 2: Geschichte und Verantwortung
Band 3: Mensch und Gesellschaft

Hefte der BRD-Dritte Welt pro Heft 2 Euro
Alle Hefte enthalten viele Einführungstexte zu den Themen der entsprechenden Kurse. Alle Hefte enthalten alle Prüfungsfragen des Tests „Leben in Deutschland“ (460 Fragen mit jeweils vier Antwort-Möglichkeiten). Alle Broschüren entsprechen dem Curriculum (Lehrplan) des BAMF und können in den Kursen verwendet werden. Alle Broschüren eignen sich auch zum Selbststudium und für das Training zum Bestehen der Prüfung.

Katrin Reiners: Interkulturelle Musikpädagogik
98 S., Wißner Verlag Augsburg 2013 19,80 EUR
Über Sinn- und Zweckhaftigkeit des interkulturellen Musikunterrichts

Klaus Theweleit: Buch der Königstöchter
Das Pocahontas-Projekt / Buch 2:
Königstöchter. Von Göttermännern und Menschenfrauen

Ca. 700 S., Pb., Stroemfeld 2013 38,00 EUR
Am Anfang war die Einwanderung. Am Anfang von was? Am Anfang von dem, was wir heute »Europa« nennen. So ca. 2000 Jahre v. u. Z. (-2000) wandern verstärkt und in mehreren »Wellen« Indogermanen von Nordosten her in die Gebiete ein, die wir heute als »Griechenland« kennen. Die hießen nicht immer so. Wie deren vorgriechische Bewohner sich nannten, wissen wir nicht. Sie schrieben nicht; sie wurden ausgelöscht; oder den Einwandernden assimiliert. Alle Namen, die wir heute haben, sind die der siegreichen Neuankömmlinge; Namen der Kolonisatoren, der »Griechen« eben (die auch noch nicht schrieben als sie eintrafen). Die »Griechen« entwickelten dabei eine besondere Kunst der Erzählung (bzw. des Gesangs); Formen, die wir heute als »Mythos« bezeichnen. Erste Funktion dieser Mythos-Erzählungen war es, die eigenen (Un)Taten zu verschönern; auf deutsch (bzw. griechisch): die eigenen Taten der Landnahme als Taten von Göttern und Titanen zu besingen – ein Dreh, aus dem Worte wie »Genie« und »genial« sich gebären ließen. Der historisch-alte Grieche fühlt sich als göttlich (so wie heute jeder durchschnittliche Amerikaner). (Und jeder durchschnittliche eurasiatische I-pod-Besitzer wahrscheinlich auch. I-pod = I-god). Zur Landname braucht man Medien (nicht nur das Pferd, auf dem Mann reitet). Das Medium, das »die Griechen« wählen, ist der Körper von Königstöchtern; Töchtern der einheimischen Lokalherrscher, die von den Göttern der Griechen (insbesondere Zeus, Poseidon, Apoll) beschlafen (= vergewaltigt) werden. Die kolchische Königstochter Medea, die Ostfrau vom Ende des Schwarzen Meers, mytho-historisch etwa anzusetzen um -1400, die dem seefahrenden Griechen Jason (= Götterabkömmling), in den sie sich »verliebt«, das Goldene Vließ ausliefert, ist schon eine Spätfigur dieses Prozesses.Die Schrift-Heroen Hesiod und Homer stehen nicht – wie heutige Medienlegende will – am Anfang einer neuen Großkultur (der unseren); sie bilden zunächst einmal einen Endpunkt: sie schreiben auf (mit der neuen Medientechnologie des griechischen Vokalalphabets), was in den 1000 Jahren, die hinter ihnen liegen, griechische Einwanderer sich ausgedacht, erzählt bzw. gesungen haben: bis hin zu ihnen nur mündlich kolportierte, weitergegebene und variierte Geschichten von Göttern, die Menschenfrauen beschlafen, Königstöchter, welche ihnen Kinder zu gebären haben: die sog. Heroen; Perseus, Theseus, Herakles usw.; letzterer z. B. ist der Sohn, den Gottvater Zeus in die Königstochter Alkmene pflanzt in der berühmten thebanischen Nacht, in der es den Ehemann Amphitryon in zweifacher Ausfertigung gibt. So wie Zeus (als Schwan) die schöne Helena in die Königstochter Leda pflanzt, aus deren Schönheit dann der Trojanische Krieg erwächst (wo durch den Fall Troias das nördliche heutige Kleinasien unter griechisch kolonisiertes Gelände fällt). All dies ist Stoff der singenden Griechen spätestens seit der sog. Palastkultur; Kultur von Mykene (ab etwa -1600). Buch der Königstöchter zeichnet den Weg der griechischen Landnahme über die Körper von ca. 30 geschwängerten Königstöchtern nach, deren Vaterkönige (infolge dieser »Schwängerungen ohne Ehemann«) ihre Töchter großenteils verstoßen und (infolge der sich anschließenden »mythologischen« Auseinandersetzungen) ihr Land – an die einwandernden Griechen – verlieren. Eben so, wie der »Indianer-König« Powhatan in Virginia, Nordamerika, sein Land an die englischen Einwanderer verliert, nachdem seine Tochter Pocahontas (mythologisch exakt nach Medea-Modell die Retterin des Kolonisten John Smith) in die Hände der englischen Götter geraten war; so wie der reale Prozeß bei normaler Einwanderung und Landnahme eben verläuft: die einheimischen Männer werden erschlagen, die Frauen vergewaltigt. Manchmal entsteht eine neue Mischbevölkerung wie in Mexiko: die Chicanas/Chicanos, la raza; (positiv konnotiert); eingeleitet über die mythohistorische Kazikentochter La Malinche, der es gelingt, an der Seite des Conquistadors Cortés eine feurige Kämpferin für die Sache der Spanier (und Christin) zu werden; die Sache der Götter, nachdem ihre eigene Kultur sie zur Sklavin degradiert hatte. Am Anfang war die Einwanderung: auch von dem, was heute »Amerika« heißt. Da muß die Landnahme nicht erst entschlüsselt werden. Sie liegt auf der Hand bzw. in amerikanischer Erde in Form gebleichter Knochen sog. Indianer bzw. auf dem Grund des Atlantischen Ozeans als breite Straße afrikanischer Knochen – wie Amiri Baraka schreibt – (und zwar in Gedichtform schreibt, als poetisch-historischer Tiefseetaucher, dem– mit allem Jazz der Welt im Ohr, mit aller black music,das aufgebrezelte Geschwätz von »kein Gedicht mehr nach Auschwitz« so egal ist, wie der jüdische Anspruch auf das Recht der historisch beispiellosen Vernichtung in der Shoah durch die deutschen Nazis). »Shoah« ist ein Permanentfaktum wenn nicht der »Menschheitskultur «, dann zumindest der Geschichte der eurasiatischen Populationen, der glorreichen Ackerbauern- und Siedlergeschichte. Ich wäre nicht unbedingt so stolz wie die heutige Türkei es ist auf ihre Erstkultivierung der Äcker und Seßhaftwerdung umherziehender Sammler und Jäger im sog. Fruchtbaren Halbmond ca 10.000 Jahre v. u. Z.: auf die Erfindung der Wiege also des Kriegs als Zivilisierungsmittel; die Erfindung von Mord und Totschlag; die Erfindung des Leichenhaufens als permanenter Einrichtung vorm Palast des Herrschers. Eine Erfindung, in der es den »Gegensatz« von Orient und Okzident übrigens nicht gibt; ca. 9000 Jahre lang nicht gibt, bis einwandernde Indogermanen aus Zentralasien, sich selbst so nennende »Griechen« mit ihrem Gewaltherrscher Zeus auf dem Panier (dem ersten weltbekannten Groß-Arier), diesen Graben zu graben und dann zu zementieren beginnen (mit Eisenwaffen, Schiffbau, schicken Säulentempeln und phonetischer Alphabetschrift.*). Differenzierungen: Medea – die sich in den Kolonisator »verliebt« – gibt es (schon in der antiken Literatur) – in vielen Wendungen. Nicht immer ist sie die, als die sie heute (eher moritatenmäßig) den Stadttheatern geläufig ist: die Mutter mit dem Messer. Beim Autor des »Argonautenepos « Apollonius v. Rhodos (um -250) gelangt sie heil als Ehefrau des griechischen Vließräubers Jason in dessen Heimatstadt Iolkos in Thessalien; und das Epos endet, bevor sie überhaupt ihr erstes Kind gebiert. Solche Wendungen der Geschichten haben immer ihren politischen Hintergrund im jeweiligen Herrschaftsgebilde, in welchem die Autoren schreiben, sowie in ihrer eigenen Interessenlage (und ihren poetischen Qualitäten selbstverständlich). Medea bei Euripides in Athen ist eine andere als bei Apollonius im hellenistischen Alexandrien, bei Ovid im augusteischen Rom oder bei Seneca unter Nero.Besonders kraß ist das zu studieren am Fall der mythohistorischen phönizischen Königstochter Dido, später Königin von Karthago. In ihrer Figur (in der literarischen Denunziation ihrer Figur) handelt der römische
Hofschriftsteller Vergil sowohl die militärische Vernichtung der Stadt Karthago (-141) als gerechtfertigt ab; wie auch den gerade eben vom Römer Octavian erzwungenen Selbstmord der nordafrikanischen Königin Kleopatra nach ihrem fehlgeschlagenen Versuch, in einer einzigen neuen Dynastie zu vereinigen: fehlgeschlagen zunächst mit Gaius Julius Cäsar und dann mit dem Feldherrn Marcus Antonius. Der erste wird ermordet (sein Sohn mit Kleopatra namens Kaisar war als Thronfolger vorgesehen), der zweite wird besiegt vom späteren Augustus. Vergil besingt den Sieger Augustus in seiner Aeneis, macht böse Hexen aus Dido/Kleopatra und verschafft Rom eine neue historische Genealogie (= geboren aus den Aschen des nur durch griechischen Betrug besiegten Troja). Auf diese Weise sind »mythische« und politische »Realgeschichte « unentwegt miteinander verzahnt. Buch der
Königstöchter folgt der Spur der kolonisierenden Landnahme von den Körpern der frühen gottgeschwängerten prä-griechischen Königstöchter – die in den Bildern der großen Renaissancemaler und der späteren europäischen Malerei nicht ohne Grund eine furiose Auferstehung erleben – über die Asiatin Medea, die phönizisch/karthagische Dido, zur mexikanischen Malinche, zur nordamerikanischen Pocahontas (und einigen weiteren)
bis hin zu James Camerons 3D-Film Avatar (2009). Auch Cameron (Landnehmer im Bereich digitaler Film erfindungen) erobert sein technologisches Neuland und entfaltet seine »Utopie« einer neuen WeltallÖkologie über den Körper einer (halb göttlichen, halb animalischen, computeranimierten) Häuptlingstochter, Pocahontas 2010.

Daniela Meisel: Der Himmel anderswo
240 S., geb., Picus 2013 21,90 EUR
Zwei Flüchtlinge trotzen dem Schicksal und verfolgen ihre Suche nach dem Glück: Ist ihre Liebe groß genug für ein Happy End?

Alen Mescovic: Ukulele Jam
352 S., geb., Metrolit 2013 21,99 EUR
Hier setzt ein junger Bosnier seinen Erlebnissen im jugoslawischen Bruderkrieg die Unbeschwertheit und den Willen zur unversehrten Jugend entgegen: Mit viel Witz und unaufdringlicher Klugheit – und dem Sound der 90er. Alen Meškovic ist der Salinger der Vertriebenen. »Lustig wie Nick Hornby und zugleich von einer Ernsthaftigkeit, die man nicht missverstehen kann.« – Ekstra Bladet. Der Autor lebt in Kopenhagen und ist längst in der Multikulti- und Migrationsdebatte eine wichtige Stimme. Eine wirklich offene Gesellschaft bewertet Einwanderer nicht mit Checklisten, sondern bietet ihnen Kanäle und Möglichkeiten, ihren Egoismus, ihre Lebenslust und Kreativität auszuleben – davon profitieren am Ende dann alle. Zum Beispiel durch ein gutes Buch. Mescovic plant die Geschichte von Miki weiterzuschreiben. Denn die wahre Geschichte einer Flucht endet nicht, wenn man in Sicherheit ankommt. Sie fängt erst an.

Rolf Bauerdick: Zigeuner
Begegnungen mit einem ungeliebten Volk

352 S., DVA 2013 22,99 EUR
ub schreibt im Buchjournal: „Als Reporter hat Rolf Bauerdick in Europa viele Menschen getroffen, die sich Tzigani, Cigany, Zingaros, Gitanos oder Zigeuner nennen – auch Sinti oder Roma aber nicht „Sinti und Roma“. Reportagen führten ihn in verfallene Dörfer, Armenviertel und auf Müllhalden, doch auch auf die Spuren von Deutschen, deren Grabsteine sie als „Zigeunerbürgermeister“ oder „Zigeunerprinzessin“ verewigen. Bauerdicks Buch ist voller Sympathie für stolze und großzügige Menschen wie auch für kinderreiche, analphabetische Arme, die ihr Glück dort suchen, wo sie am unwillkommensten sind. Zornig zeigt er sich über selbst ernannte Funktionäre und Experten, die eine Fürsorge für „Sinti und Roma“ heucheln, die sie gar nicht leisten können. Leider habe er kaum einen Roma getroffen, der für die Wurzeln seiner Misere ein Stück Verantwortung bei sich selber gesucht, geschweige denn gefunden hätte. Fürsorge allein kann da nicht helfen . Sie käme einer Entmündigung gleich.

Norbert Mappes-Niediek: Arme Roma, böse Zigeuner
Was an den Vorurteilen über die Zuwanderung stimmt

208 S., Pb., Ch. Links Verlag 16,90 EUR
Dieses Buch erschien im letzten Jahr genau im richtigen Moment, als der verstärkte Zuzug von Roma aus Serbien und Montenegro nach Deutschland – speziell ins Ruhrgebiet – einsetzte, und kurz vor der Eröffnung des Berliner Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas und wurde somit ein Erfolgstitel des Links-Verlages, der gleich in die 2.Auflage gehen konnte. Warum kommen die Roma in Osteuropa aus ihrem Elend nicht heraus? Sind sie arm, weil sie diskriminiert werden, oder werden sie diskriminiert, weil sie arm sind? Sind sie arbeitsscheu, kriminell und womöglich dümmer als andere? So wird oft gefragt, wenn auch meistens hinter vorgehaltener Hand. Und die Antwort kennt man natürlich: „Typisch Roma.“ Der langjährige Balkan-Korrespondent Mappes-Niedieck unternimmt einen Faktencheck und kommt zu überraschenden Befunden. Zugleich kritisiert er die europäische Roma-Politik und die von ihr beförderte „Gypsy industry“ fundamental und zeigt alternative Wege auf.

Feridun Zaimoglu
Der Mietmaler. Eine Liebesgeschichte

136 S., geb., Langen-Müller 2013 19,99 EUR
Sonja tobt. Und kurz darauf verschwindet sie. Zurück bleibt der Maler, der die Frauen liebt, die »mit ihren frisch gecremten glänzenden Gesichtern«. Der, wenn er eine Frau sieht, sofort zum Skizzenblock greifen und sie porträtieren muss. Er ist ein einsamer Tagträumer, ein »Bilderkrämer«, den im Viertel alle kennen. Eines Tages erreicht ihn der Auftrag, eine Frau aus der nahen Stadt zu malen. Er klingelt, überreicht Mozartkugeln, zeigt ihr seine Mappe mit Zeichnungen von Frauen. Edouard und Nora, Maler und Modell, Mann und Frau, das Spiel beginnt. Feridun Zaimoglu, geboren 1964 im anatolischen Bolu, studierte Kunst und Medizin in Kiel, wo er seither als Schriftsteller und Maler lebt. Der vielseitige Autor wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem »Preis der Literaturhäuser« (2012). Zu seinen bekanntesten Publikationen zählen die Romane »Kanak sprak« (1995), »German Amok« (2002), »Liebesbrand« (2008) und »Ruß« (2012).

Tellia / Löffler: Deutschland im Werte-Dilemma
Kann der Islam wirklich zu Europa gehören?

224 S., geb., Olzog Verlag 2013 26,90 EUR
Nach welchen Werten wollen wir uns richten?

Abdullah Öcalan
Die Roadmap für Verhandlungen.
Gefängnisschriften

146 S., geb., Pahl-Rugenstein 2013 14,90 EUR
Die »Roadmap für Verhandlungen« zur Beilegung des türkisch-kurdischen Konflikts ist ein außergewöhnliches Dokument. Sie bildete das Herzstück des geheimen Dialogprozesses zwischen Abdullah Öcalan, dem inhaftierten Vorsitzenden der PKK und dem türkischen Staat, der 2009 begann und Mitte 2011 abgebrochen wurde. Auch für alle weiteren Gespräche ist sie von zentraler Bedeutung. Öcalan definiert hier die für den Beginn eines wirklichen Friedensprozesses nötigen Schritte. Gleichzeitig skizziert er eine echte Lösung für die kurdische Frage. Jenseits traditioneller Lösungsmodelle wie Eigenstaatlichkeit oder territorialer Autonomie zeichnet er die Vision einer demokratischen Nation und einer gemeinsamen Heimat für alle Staaten, in denen Kurden leben – ja, für den gesamten Mittleren Osten.

Abbas Khider: Brief in die Auberginenrepublik
160 S., geb., Edition Nautilus 2013 18,00 EUR
Bereits in der 2.Auflage ! Oktober 1999 – im Irak herrscht Saddam Hussein, in Libyen Gaddafi, in Ägypten Mubarak, in Syrien Hafiz al-Assad und in Jordanien König Abdullah II bin Hussein. Die arabische Facebook und Twitter-Revolution gegen die Despoten ist noch fernste Zukunft. Einen Brief an der Zensur vorbeizuschicken, ist ein langwieriges und gefährliches Abenteuer. Das nach dem Golfkrieg verhängte Handelsembargo treibt die irakische Bevölkerung ins Elend – einzig Auberginen gibt es im Überfluss, sodass die Iraker ihrem Land den Beinamen »Auberginenrepublik « verpasst haben. Salim, ein ehemaliger Student, schlägt sich im libyschen Exil als Bauarbeiter durch. Er war wegen des Besitzes verbotener Bücher verhaftet worden. Über seinen Onkel ist ihm die Flucht aus dem Irak gelungen, doch er hat nie wieder von seiner Familie, seinen Freunden und vor allem von seiner Geliebten Samia gehört, deren Namen er auch unter Folter nicht preisgegeben hatte. Nun erfährt er in Bengasi von einem die ganze arabische Welt überspannenden Netzwerk von illegalen Briefboten und wagt es, Samia einen Brief mit einem Lebenszeichen zu senden… Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren. 1996 floh er nach einer Verurteilung aufgrund »politischer Gründe« und nach einer zweijährigen Gefängnisstrafe aus dem Irak. Von 1996 bis 1999 hielt er sich als illegaler Flüchtling verschiedenen Ländern auf, seit 2000 lebt er in Deutschland. Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft in München und Potsdam. Lyrik in verschiedenen Publikationen. Zurzeit lebt Abbas Khider in Berlin. Mit seinem vielbeachteten Debütroman Der falsche Inder (Herbst 2008), den er in deutscher Sprache verfasste, war er auf vielen Literaturveranstaltungen zu Gast, so auf dem Erlanger Poetenfestival 2008, der LitCologne 2009, den 6. Coburger Literaturtagen 2009, dem Internationales Literaturfestival Berlin 2009. Von der Heinrich-Böll-Stiftung erhielt er eine Einladung zu einem Festival in Beirut (April 2009), vom Goethe-Institut zu Lesungen in Jordanien und Syrien (Mai 2009).
2009 erhielt er das Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste Berlin, vom Deutschen Literaturfonds bekam er außerdem ein Arbeitsstipendium der Autorenförderung (2009-2010). Seit 2010 ist Abbas Khider Mitglied des PEN. Im März 2010 wurde Abbas Khider mit dem Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis geehrt. Die Laudatio (© Robert-Bosch-Stiftung) bei der Preisverleihung hielt Hubert Spiegel. »Abbas Khiders tragikomischer, oft sogar burlesker Roman ist ein wirklichkeitsnahes, modernes Flüchtlingsmärchen über ein ernstes und bewegendes, seit Jahren aktuelles politisches Thema«, so die Jury über ihre Wahl. Mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ehrt die Robert-Bosch-Stiftung seit 1985 herausragende literarische Leistungen in deutscher Sprache, verfasst von Autorinnen und Autoren, deren Muttersprache oder kulturelle Herkunft nicht die deutsche ist. Die irakische Gesellschaft für Kulturförderung (I.C.S.A.), die 2005 von einigen irakischen Künstlern und Politikern gegründet worden ist und mit dem irakischen Kultusministerium kooperiert, verlieh ihm 2010 die Ehrenurkunde für Literatur

Susanne Schanda: Literatur der Rebellion
Ägyptens Schriftsteller erzählen vom Umbruch

250 S., Pb., Rotpunktverlag 2013 29,90 EUR
Schanda porträtiert ägyptische Autorinnen und Autoren als Aktivisten für Freiheit und Demokratie. Mit farbigen Bildteil.

Saphia Azzeddine: Zorngebete
128 S., geb., Wagenbach 2013 16,90 EUR
Eine Kindheit im Ziegenlederzelt, umgeben von Bergen und Wüste. Schafe als Gefährten. Nicht hinterfragte Gesetze als Norm. Jbara lebt mit ihren Eltern und Geschwistern in einem winzigen, ärmlichen Dorf und rechtet mit Allah, ihrem zugleich einzigen Vertrauten. Die Freiheit fährt zweimal pro Woche im Bus vorbei, doch eines Tages fällt – Allah sei Dank – ein rosa Koffer mit Rollen vom Gepäckdach herunter. Jbaras Aussteuer für ein neues Leben, das sie sich unter vielen Opfern und mit Einsatz ihres Körpers erkämpfen wird. Aus Jbara wird Scherezade, aus Scherezade schließlich Khadija. Sie verliert ihre Unschuld, ihre Heimat und zwei Zähne, doch nie ihren derben Humor und den Glauben an Gott. Azeddines Debüt ist ein tabuloser Monolog, das zornig-zärtliche Gebet einer jungen Frau im Maghreb, ein außergewöhnlicher Bildungsroman. Saphia Azzedine, 1979 in Agadir, Marokko geboren, kam mit neun Jahren nach Frankreich. Sie studierte Soziologie, verbrachte ein Jahr in Houston, arbeitete als Diamantenschleiferin in Genf und etablierte sich dann als Drehbuchautorin und Schriftstellerin. Ihr erster Roman „Zorngebete“ wurde bereits als Theaterstück inszeniert und ins Spanische, Italienische und Schwedische übersetzt. Die Verfilmung ihres zweiten Romans „Mein Vater ist Putzfrau“ war auch in den deutschen Kinos zu sehen.

Chef Ramzis: Arabisches Kochbuch
168 S., vierfarbig illustriert, Olms Verlag 2012 29,80 EUR
Die Nr. 1 der arabischen Kochwelt als Deutsch-Arabische Ausgabe, d.h. Texte auf deutsch und arabisch. Chef Ramzi, der berühmte Fernsehkoch, ist davon überzeugt, dass die Liebe zum Essen Menschen einander näher bringen kann. In diesem Buch weiht er in die Geheimnisse der traditionellen arabischen, vor allem der libanesischen Küche ein, die von würzigen Kibbeh bis hin zu süßer Baklawa reicht. Das Buch, hier erstmals in deutscher Übersetzung, wurde bisher über 150 000 mal verkauft und erhielt in der französischen Ausgabe 2003 den Preis „Bestes arabisches Kochbuch der Welt“.

Jürgen Bellers, Markus Porsche-Ludwig (Hg.)
Christenverfolgung in islamischen Ländern

176 S. LIT aktuell, Bd. 3, 2011 19,80 EUR
Die Verfolgung von Christen im islamischen Raum gehört zu den verdrängten Themen der westlichen Informationsgesellschaften. Die Verfolgung ist aktuell: sie nimmt zu, von der Diskriminierung, Vertreibung bis zum Massenmord. Die mögliche Demokratisierung der islamischen Welt wird daran zunächst wenig ändern. Die gesellschaftlichen Konflikte werden eher zu einem Ansteigen führen, wie Berichte aus Ägypten zeigen. In zahlreichen islamischen Ländern ist das Verschwinden der christlichen Minderheiten abzusehen. Ein Blick auf die Christenverfolgung im kommunistischen China rundet den Band ab.
Jürgen Bellers ist Professor fur Politikwissenschaft an der Universitat-Gesamthochschule Siegen. Markus Porsche-Ludwig ist Professor für Politikwissenschaft und Öffentliches Recht an der Nationalen Dong Hwa Universität in Hualien, ROC Taiwan.

Sybille Biermann-Rau: An Luthers Geburtstag brannten die Synagogen
Eine Anfrage

352 S., Calwer 2012 14,95 EUR
Warum konnte die Zerstörung jüdischen Lebens im Nationalsozialismus überhaupt geschehen inmitten eines Volkes, das sich zum Christentum bekennt? Dieser bleibend brennenden Frage für einen größeren Leserkreis verständlich nachzugehen, ist das Anliegen der Autorin Sibylle Biermann-Rau. Besonderes Augenmerk legt sie auf die judenfeindliche Tradition, die bei den Protestanten auch durch Luther genährt worden ist und im Dritten Reich Solidarität mit den Juden verhinderte. Eine der wenigen Ausnahmen war die Pädagogin Elisabeth Schmitz (1893–1977). Deutlich wird der lange Weg in der evangelischen Kirche nach 1945, um Judenfeindschaft zu überwinden. Mitten in der Luther-Dekade stellt dieses Buch schließlich die Anfrage an die Kirche, einen weiteren Schritt zu tun und sich insbesondere von Luthers Judenfeindschaft öffentlich und ausdrücklich zu distanzieren. Das Buch bietet eine Fülle von Anregungen für Religionsunterricht, Erwachsenenbildung und Gemeindearbeit.

Gilad Atzmon: Der wandernde – Wer?
Eine Studie jüdischer Identitätspolitik

238 S., Pb., Zambon 2012 12,00 EUR
Jüdische Identität ist engst mit einigen der schwierigsten und strittigsten Probleme unserer Zeit verknüpft. Ziel dieses Buches ist es, viele dieser Kernpunkte für die Diskussion zu öffnen. Da Israel sich öffentlich als „jüdischer Staat“ definiert, sollten wir fragen, wofür „Judentum“, „Jüdischkeit“, „jüdische Kultur“ und „jüdische Kultur“ stehen. Gilad Atzmon untersucht die tribalen Aspekte, wie sie in den säkularen jüdischen politischen Diskurs – sowohl den zionistischen als auch den antizionistischen und sogar den der jüdischen Linken – eingelagert sind: die „Holocaust-Religion“, die Bedeutung von „Geschichte“ und „Zeit“ sowie die antinichtjüdischen Ideologien in ihren verschiedenen Formen. Er fragt, was Diaspora-Juden veranlasst,sich mit Israel zu identifizieren und seiner Politik anzuschließen. Der verheerende Zustand unseres Weltgeschehens erfordert dringend eine konzeptionelle Wende in unserer intellektuellen und philosophischen Einstellung zu Politik, Identitätspolitik und Geschichte. “Der wandernde -WER?” ist DAS Buch für jeden Interessierten, der den Unterschied zwischen Judentum, Jüdischkeit und Zionismus verstehen will. Eine philosophische Meisterleistung eines Menschenfreundes und brillanten Jazz Musikers und Ausnahmekünstlers, eines wahren Freundes der Palästinenser und ihrer berechtigten Anliegen. Mit diesen stichhaltigen Fakten, engagiert und provokant, fasziniert Gilad Atzmon den Leser von der ersten bis zur letzten Seite.

Yotam Ottolenghi / Sami Tamimi
Jerusalem – Das Kochbuch

320 S., geb., Dorling Kindersley 2013 24,95 EUR
Yotam Ottolenghi und Sami Tamimi stellen die typische Küche ihrer Heimatstadt vor. Die Jerusalemer Küche spiegelt die kulturelle Vielfalt der Stadt wider und sorgt für ein wahres Feuerwerk der Aromen. Von Latkes über Safranhähnchen bis zum Reispudding mit Rosenwasser.

Katrin Pieper: Jüdische Feste, Geschichte(n) & Gerichte
80 S., geb., BuchVerlag für die Frau 2013 9,90 EUR
Das jüdische Kalenderjahr entdecken – mit seinen Festen, Traditionen & kulinarischen Besonderheiten! Mit 30 koscheren Rezepten.

Indra Wussow (Hg.): Ankunft eines weiteren Tages
Zeitgenössische Lyrik aus Südafrika

157 Seiten, Verlag Das Wunderhorn 2013 19.80 EUR
Eine südafrikanische Dichtergeneration zwischen Aufbruch und Ernüchterung, zwischen Gewinnen und Verlusten. Seismographen eines gesellschaftlichen Umbruchs, der Identitäten und Prägungen auf den Kopf stellt. Die Suche nach eigener Identität, das Gefühl von Isolation und Fremdheit, die Intimität des Privaten als Rückzug vor dem Ungefähren eines nur rudimentär ausgehandeltem Gesamten, verbinden sich hier mit den großen politischen und gesellschaftlichen Themen und beleuchten so wichtige Themen wie Besitz und Verlust, Freiheit und Ohnmacht, Gewalt und Glück. Acht unterschiedliche Stimmen bilden ein eindrucksvolles Klanggewebe und zeugen von der Stärke südafrikanischer Lyrik und ihrem rebellischen Geist in schwierigen Zeiten. Mit Gedichten von Gabeba Baderoon, Vonani Bila, Rustum Kozain, Kgafela oa Magogodi, Mbali Kgosidintsi, Charl-Pierre Naudé, Karin Schimke und Phillippa Yaa de Villiers. Ausgewählt von Indra Wussow. Sylvia Geist, geboren 1963 in Berlin, veröffentlichte Gedichtbände, u.a. Vor dem Wetter (Luftschacht 2009) sowie Prosa, zuletzt den Erzählband Letzte Freunde (Luftschacht, 2011). Sie erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Lyrikpreis Meran (2002), ein Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Edenkoben (2006) und die Adolf-Mejstrik-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung (2008). Sylvia Geist lebt als freie Autorin und Übersetzerin (John Ashbery, Peter Gizzi u.a.) in Hannover und Vancouver. Indra Wussow studierte Literaturwissenschaft, lebt in Johannesburg/Südafrika und auf Sylt. Sie arbeitet als Autorin, literarische Übersetzerin und Kuratorin für verschiedene internationale Einrichtungen. 2002 gründete sie auf Sylt die von ihr geleitete Stiftung kunst:raum sylt quelle. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst. 2008 eröffnete die Stiftung eine Dependance in Johannesburg, das Jozi art:lab.

David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte
783 S., Suhrkamp 2013 29,95 EUR
Dieses Sachbuch über den Kongo wurde nach 250.000 verkauften Exemplaren der niederländischen Ausgabe ein internationaler Bestseller. Denn die Geschichte des Landes – so groß wie Westeuropa – ist faszinierend.

Bartholomäus Grill: Ach, Afrika
432 S., Pantheon 14,99 EUR
Journalist Grill war überall von Kamerun bis Sansibar, von Kapstadt bis Dakar und somit bietet das Buch einen Überblick über ganz Afrika.

Martin Sturmer: Afrika!
192 S., UVK 29,00 EUR
Journalist Sturmer zeigt auf, dass Afrika sehr vielfältig ist und zu einseitig dargestellt wird.

Dominic Johnson: Afrika vor dem großen Sprung
108 S., Wagenbach 9,90 EUR
„Der taz-Redakteur beschreibt den wirtschaftlichen und politischen Wandel Afrikas im Übergang zum 21.Jahrhundert. Er zeigt Möglichkeiten und Risiken an konkreten Beispielen wie dem atemberaubenden Verbreitungstempo der Mobilkommunikation auf. Von den wirtschaftlichen Ambitionen der „afrikanischen Löwen“ über die Erblast des Kolonialismus und der Welle der zweiten Revolutionen, welche viele Diktatoren hinwegfegten, bis zur heutigen Gründerzeitstimmung beschreibt Johnson extrem verdichtet, aber sehr anschaulich, wie Afrika zum Sprung ansetzt – in eine Zukunft, die so offen ist wie nie zuvor“ (ts im Bücher-Magazin)

Lemah Roberta Gbowee: Wir sind die Macht
288 S., Klett-Cotta 21,95 EUR
Die Autorin erhielt 2011 den Friedensnobelpreis. Sie trotzt der Gewalt auf den Straßen Liberias mit ihrem unermüdlichen Engagement um Frieden – gegen Korruption und Bürgerkrieg.

Chinua Achebe: Alles zerfällt
240 S., S. Fischer 19,99 EUR
Der Afrika-Roman, der die moderne afrikanische Literatur begründete und die Weltliteratur prägte – endlich in neuer Übersetzung! Chinua Achebe erzählt von Verrat und Rache, von Leidenschaften, die keine Ruhe finden, und von Sehnsüchten, die keine Zukunft haben. Okonkwo, stark und jähzornig, stösst sich an den strengen Stammesregeln und zerbricht an dem Regime der britischen Kolonialherren. In seinem Meisterwerk beschreibt Achebe den Konflikt einer archaischen Kultur in einer Sprache, die rituell-sprichwörtlich, dokumentarisch und wunderbar poetisch ist: Mit diesem Roman erhielt der Kontinent eine Stimme.

Maryse Conde: Segu. Die Mauern aus Lehm
640 S., Unionsverlag 12,95 EUR
Blüte und Untergang der mächtigen Stadt Segu am Niger sind eng verknüpft mit dem Schicksal Dusika Traorés, Oberhaupt einer wohlhabenden Familie und ein Vertrauter des Königs. Es sind Zeiten des Umbruchs: Der Islam dringt in Afrika immer weiter vor, christliche Missionare und europäische Kolonisatoren kommen ins Land, der Sklavenhandel blüht. Dusikas Familie aber verliert immer mehr an Einfluss, bis sie schließlich auseinanderbricht.Maryse Condé hat die faszinierende Geschichte einer versunkenen Welt geschrieben. Sie erzählt von Kriegern und religiösen Eiferern, von Händlern und Bauern, von Eroberern und Sklaven und immer wieder auch vom Schicksal der Frauen. Maryse Condé, 1937 auf Guadeloupe geboren, studierte Literaturwissenschaften und lebte viele Jahre in Westafrika. Sie arbeitete für die BBC in London und war Dozentin für die Literatur der Antillen u. a. an der Sorbonne in Paris. Für Segu wurde sie 1988 mit dem LiBeraturpreis ausgezeichnet. Maryse Condé lebt in New York und in Guadeloupe.

Ahmadou Kourouma: Monnè. Schmach und Ärger
332 S., Diaphanes 24,80 EUR
Mit Hexerei, islamischen Gebeten, exzessiven Opfergaben und dem Bau eines massiven Schutzwalls will König Djigui Keita sein vollendetes Reich vor den vorrückenden französischen Eroberern schützen. Doch eines Tages steht plötzlich eine französische Kolonne vor ihm, die völlig unbehelligt über den verzauberten Hügel geritten kam und nun freundlich grüßt. Der intrigante Übersetzer, den die Franzosen mitbringen, gehört zu allem Überfluss zum Clan der Soumaré und ist für Djigui unantastbar. So nimmt die Kolonisierung – das größte »monnè«, die größte Schmach aller Zeiten – ungehindert ihren Lauf.Der Roman erzählt die Geschichte der französischen Kolonisierung Westafrikas als eine Geschichte der Missverständnisse. Voll beißender Ironie und mit unerschöpflichem Sprachwitz wagt dieses Buch den anderen Blick auf die afrikanisch¬-europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts und berührt grundsätzliche Fragen der Verständigung, der kulturellen Unterschiede und nicht zuletzt der fortwirkenden Stereotype. Ahmadou Kourouma war einer der bedeutendsten Autoren der afrikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Aus politischen Gründen verbrachte er die meiste Zeit seines Lebens im Exil in Algerien, Kamerun, im Togo und in Frankreich. Der aufklärerische, kritische und oft satirische Gestus seiner Romane brachte ihm den Ruf eines »afrikanischen Voltaire« ein. Sein Umgang mit der französischen Sprache ist geprägt von kritischer Aneignung, Umformung und spielerischer Unterwanderung der Kolonialsprache.

Maaza Mengiste: Unter den Augen des Löwen
290 S., Wunderhorn 24,80 EUR
»Unter den Augen des Löwen« erzählt am Beispiel einer Familie die blutigen Umbrüche im Äthiopien der 1970er Jahre. Während furchtbare Hungersnöte den Norden des Landes heimsuchen, wächst in der Landeshauptstadt Addis Abeba der Widerstand gegen den alten Kaiser Haile Selassie. Dawit, der Sohn des bekannten Arztes Hailu, schließt sich gegen den Willen des Vaters einer revolutionären Studentengruppe an. Als der Kaiser 1974 tatsächlich gestürzt und die jahrhundertealte Monarchie gewaltsam abgeschafft wird, kommt eine kommunistische Gruppierung an die Macht, die das Land in einen verheerenden Bürgerkrieg führt. In den Kriegswirren gerät Hailu in Schwierigkeiten, als ein Folteropfer unter seiner Hand verstirbt, das der politischen Führung noch wertvolle Informationen hätte preisgeben sollen. Dawit geht erneut in den Untergrund. Inzwischen ist sein enger Kindheitsfreund Mickey zu einem hochrangigen Polizisten aufgestiegen. Familienbande und Freundschaften sehen sich brutalen Prüfungen ausgesetzt.

Nuruddin Farah: Gekapert
464 S., Suhrkamp 26,95 EUR
Mit »Gekapert« vollendet der große afrikanische Erzähler Nuruddin Farah den Romanzyklus über seine Heimat Somalia. Er zeichnet ein tief bewegendes und bestürzendes Bild eines zerrissenen Landes. Jebleeh, der seit Jahren in Amerika lebt, kehrt für einen Besuch in seine Heimatstadt zurück, begleitet von seinem Schwiegersohn Malik, einem Journalisten, der über die Unruhen in der Region schreiben will. Im Jahr 2006 ist Mogadischu vom Bürgerkrieg gezeichnet, die Stimmung beklemmend. Das Chaos einer von Warlords besetzten Stadt, das Jebleeh von seinem letzten Besuch erinnert, ist nun einer unheimlichen Ruhe gewichen, die von den allgegenwärtigen peitschentragenden Männern in weißen Mänteln – den Schergen der islamistischen Organisation Al-Shabaab – noch verstärkt wird. Unterdessen landet Maliks Bruder Ahl auf der Suche nach seinem verschwundenen Sohn in Puntland, einer Region, die allgemein als Unterschlupf der Piraten bekannt ist. Und während die Somalier sich gegen die äthiopische Invasion wappnen, Piraten die Seewege verunsichern, werden die Brüder immer tiefer in die Wirren des Bürgerkriegs hineingezogen.

Ngùgì Wa Thiong`O: Der Herr der Krähen
944 S., A 1 Verlag 29,90 EUR
Ausgangspunkt dieses geistreichen satirischen Romans ist das gigantische Bauvorhaben „Marching to Heaven“, ein moderner Turmbau zu Babel, das dem despotischen Herrscher der fiktiven Freien Republik Aburiria Weltgeltung verschaffen und ein monumentales Denkmal setzen soll. Der Herrscher ist umgeben von persönlichen Beratern, allen voran den Ministern Machokali und Sikiokuu, die ständig darum bemüht sind, dem gottgleichen Herrscher ihre Ergebenheit zu beweisen und sich eine vorteilhafte Position zu sichern. Das Bauprojekt „Marching to Heaven“ jedoch kann nur mit einem Kredit der Global Bank in New York realisiert werden.Als Titus Tajirika zum ersten Vorsitzenden des Baukomitees für „Marching to Heaven“ ernannt wird, bilden sich vor dessen Büro zwei endlose Warteschlangen – eine aus denjenigen, die auch ein Stück vom Kuchen abbekommen wollen (indem sie Umschläge voller Bargeld zurücklassen), und eine, die sich aus den zahllosen Arbeitslosen des Landes speist. Diese Menschenschlangen entwickeln sich bald zu einer landesweiten Epidemie. Während der Herrscher und sein Außenminister Machokali in die USA reisen, um positiv auf die Vertreter der Global Bank einzuwirken, gerät Tajirika ins Blickfeld von Staatsminister Sikiokuu. Die Delegation in New York hingegen sieht sich einer plötzlich auftretenden, rätselhaften Krankheit des Herrschers gegenüber. Hoffnung verspricht allein der unfreiwillig zu Ruhm und Ansehen aufgestiegene Herr der Krähen – ein Zauberer, Heiler und Wahrsager… “Herr der Krähen” ist eine lebendige, ausdrucksstarke Satire über den Prototyp des afrikanischen Despoten, die mit tiefgründigem Humor die Lebensbedingungen in einer zunehmend globalisierten Welt thematisiert. Ngugi wa Thiong’o gelingt mit diesem Roman eine umfassende Parabel auf die sozialen, politischen und kulturellen Verhältnisse auf dem afrikanischen Kontinent und dessen Beziehung zum Westen. Ngugi wa Thiong’o wurde 1938 als Sohn einer Bauernfamilie in Kamirithu/Limuru in Kenia geboren. 1967 wurde er Dozent für Literatur an der University of Nairobi, wo er bis 1977 lehrte. Wegen seiner kritischen Auseinandersetzung mit dem postkolonialen Kenia und eines regierungskritischen Theaterstücks wurde er 1977 ohne Anklage inhaftiert und erst nach einer Kampagne von Amnesty International ein Jahr später aus dem Gefängnis entlassen. Nachdem sein Leben unter dem Regime von Daniel arap Moi bedroht wurde, ging er 1982 ins Exil nach London. 1989 übersiedelte er in die USA, wo er heute an der University of California in Irvine Englische und Vergleichende Literaturwissenschaften lehrt.

Ngùgì Wa Thiong`O: Träume in Zeiten des Krieges (Kindheit)
224 S., geb., A 1 Verlag 22,80 EUR
„Ich weiß nicht, welchen Platz ich unter den vierundzwanzig Kindern meines Vaters und seiner vier Frauen vom Alter her einnahm, aber ich war das fünfte Kind im Haus meiner Mutter.“ Ngugi wa Thiong’os liebevolle Mutter Wanjiku ist es, die nach dem Zerwürfnis mit dem Vater dem Heranwachsenden Schutz und Geborgenheit bietet und den Boden für seine Träume bereitet. Indem sie ihm den Besuch einer Schule ermöglicht und er ihr im Gegenzug verspricht, sein Bestes zu tun und sie nicht zu enttäuschen, schließen die beiden einen Pakt, der von nun an das Leben des Jungen bestimmt. Geboren im ländlichen Limuru-Distrikt in Zentralkenia, wächst Ngugi im Schatten des Zweiten Weltkriegs auf, unter britischer Kolonialherrschaft und der entstehenden Mau-Mau-Befreiungsbewegung, der sich auch sein Bruder „Good Wallace“ anschließt. Vor diesem Hintergrund erzählt Ngugi wa Thiong’o von seiner Kindheit, von einem einfachen, harten und entbehrungsreichen Leben im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Mit vielWärme berichtet er von kindlichen Freuden, herben Enttäuschungen, vom überwältigenden Erlebnis des Lesens und Schreibens, über Ängste, Demütigungen und das allmähliche Gewahrwerden politischer Zusammenhänge. Mit großer Ruhe und poetischer Kraft schildert Ngugi ein Stück Kolonialgeschichte; aus kindlich-jugendlicher Sicht zeichnet er ein eindringliches Bild der kolonialen Wirklichkeit der dreißiger bis fünfziger Jahre. Ngugi wa Thiong’os Erinnerungsbuch liest sich dabei wie ein Roman über das Erwachsenwerden – fesselnd, zärtlich, schockierend und bisweilen komisch. Und es zeigt den Autor auf dem Höhepunkt seines literarischen Schaffens.

Ngùgì Wa Thiong`O: Im Haus des Hüters (Jugendjahre)
256 S., geb., A 1 Verlag 19,90 EUR
Es herrscht Ausnahmezustand in Kenia, der bewaffnete Aufstand der Mau-Mau-Bewegung für die Unabhängigkeit Kenias ist 1955 auf dem Höhepunkt. Für den sechzehn Jahre alten Ngugi wa Thiong’o wird die renommierte Internatsschule, die Alliance High School in Kikuyu, zu einem Refugium, das die Grausamkeiten des Krieges von ihm fernhält. Er taucht ein in eine geordnete Welt aus Bildung, Religion und Gemeinschaftserfahrung. Als er jedoch nach dem ersten Trimester erstmals nach Hause zurückkehrt, findet er kein Zuhause mehr vor. Sein Dorf wurde zerstört, seine Familie zwangsumgesiedelt. Die politische Wirklichkeit bricht nun mit unbarmherziger Härte in seine Welt ein und macht auch vor den Toren der Schule nicht halt. Es kommt zur Verhaftung seines älteren Bruders Good Wallace, der auf der Seite der Aufständischen steht, und schließlich zu einer willkürlichen Festnahme Ngugis. Mit “Im Haus des Hüters” legt der kenianische Erzähler Ngugi wa Thiong’o nach “Träume in Zeiten des Krieges” den zweiten Band seiner Lebenserinnerungen vor. Mit großer suggestiver Kraft zeichnet der Autor das eindrucksvolle Bild eines Heranwachsenden auf der Suche nach seinem Platz in der Welt und gibt einen unmittelbaren Einblick in jenen Bereich, in dem sich das Persönliche mit dem Politischen verbindet. Frei von vordergründiger Wertung ist dieses Buch ein einzigartiges Dokument der gesellschaftlichen Umbrüche in der Endzeit des britischen Kolonialismus.

Aminatta Forna: Ein Lied aus der Vergangenheit
656 S., DVA 18,90 EUR
Ein mitreißendes Afrika-Epos über die Macht der Liebe. Westafrika, Anfang der Nullerjahre: Der Psychologe Adrian Lockheart, soeben aus England eingetroffen, kämpft mit dem Staub und der Hitze Sierra Leones – und mit dem Schweigen eines Volkes, dem er helfen will, die Schrecken der Vergangenheit zu überwinden. Im Krankenhaus in Freetown findet er unerwartete Freundschaft bei Kai, einem jungen Kollegen, und Elias, einem Patienten, der auf dem Sterbebett damit hadert, während des Krieges den Weg des geringsten Widerstandes gegangen zu sein. Als Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verschmelzen beginnen, kristallisiert sich heraus, dass die drei Männer durch mehr verbunden sind, als sie ahnen: durch die Liebe ein und derselben Frau. Ein bildkräftiges Epos voller Sprachmagie über gewöhnliche Menschen, die mit ungewöhnlichen Umständen kämpfen müssen; ein Roman über Freundschaft, Verständnis, Absolution und die Unauslöschbarkeit der Vergangenheit; über Reisen, Träume und Verluste und über die Macht der Liebe. Aminatta Forna wurde in Glasgow geboren, wuchs in Sierra Leone auf und kehrte als Erwachsene nach England zurück. Nach einer preisgekrönten Karriere als Journalistin für BBC Television arbeitet sie nun ausschließlich als Schriftstellerin. Ein Lied aus der Vergangenheit ist ihr zweiter Roman; er wurde u.a. mit dem Commonwealth Writer’s Prize ausgezeichnet und stand auf der Shortlist des Orange Prize. Aminatta Forna lebt heute in London.

Alain Mabanckou: Zerbrochenes Glas
224 S., Liebeskind 18,90 EUR
»Zerbrochenes Glas« ist Stammkunde einer heruntergekommenen Bar in Brazzaville, deren Name Programm ist: »Angeschrieben wird nicht«. Tag für Tag versammelt sich hier ein Haufen skurriler Gäste, um Palmwein zu trinken und über das Leben zu schwadronieren. Der Kirche ist die Bar ein Dorn im Auge, denn manch einer der Gläubigen erliegt der Versuchung, die Messe zu schwänzen und stattdessen einen zur Brust zu nehmen. Doch die ständigen Anfeindungen lassen den Wirt kalt, schließlich nennt man ihn nicht umsonst »Sture Schnecke«. Und die Kundschaft zeigt sich solidarisch bis zum letzten Tropfen: Als »Zerbrochenes Glas« sich daranmacht, für die Nachwelt die Historie des Etablissements niederzuschreiben, erzählt jeder Gast nur allzu gerne die Geschichte seines Lebens … Alain Mabanckou wurde 1966 in der Republik Kongo geboren. Mithilfe eines Förderstipendiums verlässt er Ende der achtziger Jahre seine Heimat, um in Paris sein Jurastudium fortzusetzen. Danach Eintritt in einen französischen Wirtschaftskonzern, für den er fast zehn Jahre lang als juristischer Berater tätig ist. Während dieser Zeit erscheinen zwei Lyrikbände und sein Debütroman, für den er den »Grand Prix littéraire de l’Afrique noir« erhält. Weitere Romanveröffentlichungen folgen, darunter »African Psycho« (2003) und »Black Bazar« (2009). Mit seinem Roman »Stachelschweins Memoiren« gewinnt er 2006 den renommierten Prix Renaudot, 2012 wird er von der Académie française für sein Gesamtwerk mit dem Grand Prix de Littérature ausgezeichnet. Alain Mabanckou lebt abwechselnd in Paris und Los Angeles.

Josè Eduardo Agualusa: Barraco tropical
336 S., A 1 Verlag 22,80 EUR
Dem Schriftsteller Bartolomeu Falcato fällt eine Frau buchstäblich vor die Füße. Allerdings nicht aus heiterem Himmel, sondern aus einem Unwetter heraus, und es ist klar, dass sie nicht freiwillig gestürzt ist. Bei der Toten handelt es sich um Núbia de Matos, Model und angebliche Ex-Geliebte der Präsidentin. Nur fünf Tage zuvor hatte sie Falcato in der Abflughalle des Flughafens angesprochen, ihn bedrängt und pikante Details aus den Hinterzimmern der politischen Eliten erzählt. Doch statt sich um die Aufklärung des mysteriösen Todesfalls kümmern zu können, wird Falcato selbst zum Verfolgten. Ominöse Anrufer warnen ihn, in seineWohnung zurückzukehren. Und auch seine Frau darf nicht wissen, was er zur fraglichen Zeit am fraglichen Ort zu suchen hatte, und vor allem nicht, mit wem… Was folgt, ist eine rasante Odyssee durch den Untergrund und die Abgründe der angolanischen Hauptstadt Luanda. 24 Stunden, in denen Falcato selbst in einen Strudel aus skrupelloser Gewalt, Leidenschaft und Eifersucht gerät. Und dann sind da noch die schwarzen Engel, die auf den Dächern der Hochhausruinen tanzen, die seit dem Ölboom überall in Luanda in den Himmel ragen. Hirngespinste? Realität gewordene afrikanische Mythen? José Eduardo Agualusa schafft in seinem im Jahr 2020 angesiedelten Roman ein filmisches und poetisches Panoptikum Angolas aus vermeintlichen Trugbildern und politischer Realität. José Eduardo Agualusa, geboren 1960 in Huambo/Angola, studierte Agrarwissenschaft und Forstwirtschaft in Lissabon. Er veröffentlichte Gedichte, Erzählungen und Romane, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Für seinen Roman “Das Lachen des Geckos” wurde er 2007 mit dem britischen Independent Foreign Fiction Prize ausgezeichnet. Er lebt als Schriftsteller und Journalist in Portugal, Angola und Brasilien.

Imraan Coovadia: Gezeitenwechsel
288 S., Wunderhorn 24,80 EUR
Es gab nichts in diesem Zimmer, das sie überrascht hätte. Sie verstand genau, was sich ereignet hatte. Sie hatte das schon am Morgen gewusst. Sie hatte es schon am Tag vorher, im Monat vorher, im Jahr vorher und tatsächlich seit ihrer Geburt gewusst.Der gewaltsame Tod ihres Ehemannes, des indischen Arztes und Virologen Arif, führt Nafisa in eine Welt, in der illegaler Organhandel, Erpressung und pseudowissenschaftliche Debatten zur Realität geworden sind. Nafisa begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit in ein „spiegelverkehrtes“ Land, entdeckt dabei die sozialen und politischen Eruptionen im heutigen Südafrika mit seinen Widersprüchen und Enttäuschungen und kämpft, selbst Ärztin, mit archaischen Vorstellungen von Leben und Tod, von Triumph und Scheitern, von Schweigen und Schuld. Nichts ist sicher, nichts hat Bestand und auch die Menschen ihres Umfelds sind nicht die, die sie zu sein scheinen. Dieser Roman ist ein Parforceritt durch die Seele eines Landes im Umbruch.

Tendai Huchu: Der Friseur von Harare
280 S., Peter Hammer Verlag 19,90 EUR
Für die junge Frisörin Vimbai läuft es gut in ihrem Salon. Erstens arbeitet sie nicht in irgendeinem, sondern in dem Salon von Harare. Zweitens ist sie die Talentierteste in ihrem Team. Die großen Damen der Stadt – sogar die Ministerin – wollen allein von ihr frisiert werden, denn nur sie weiß mit ihnen umzugehen. Doch dann kommt eines Tages Dumisani, ein neuer Kollege in den Salon und alles wird anders. An den außergewöhnlich begabten und charmanten jungen Mann verliert Vimbai schon bald ihre besten Kundinnen. Vollends aus dem Gleichgewicht gerät ihr Leben aber, als Dumi plötzlich ohne Bleibe ist und in dieser Notlage bei ihr einzieht. Vimbai erzählt ihre spannende Geschichte mit Witz und einer guten Portion Zynismus. Bevölkert mit lebensvollen Figuren aus allen Schichten zeigt sie die Stadt Harare als einen vitalen Ort, doch entgehen ihrem unbestechlichen Blick nicht die Zeichen von Verzweiflung und Gewaltbereitschaft, die das geschäftige Treiben durchziehen. Tendai Huchu hat aus einer einfachen, aber emotional komplexen Situation einen wunderbaren Roman gesponnen, der ein großes afrikanisches Tabuthema aufgreift: die Homosexualität. Ein echtes Lesevergnügen und gleichzeitig das authentische Bild einer geschundenen Stadt. Tendai Huchu, geboren 1982 in Bindura, Zimbabwe, besuchte die Churchill High School in Harare, bevor er an der University of Zimbabwe Bergbautechnik studierte. Heute lebt er als Podologe und Schriftsteller in Edinburgh/Schottland.

Helon Habila: Öl auf Wasser
240 S., Wunderhorn 24,80 EUR
Port Harcourt, Nigeria, im Delta des Niger. Eine Frau verschwindet.Dies wäre keine Nachricht in den Medien wert, handelte es sich nicht um eine Britin, die Ehefrau eines hochrangigen Mitarbeiters einer ausländischen Ölgesellschaft, die im Delta und vor der Küste Öl bohren. Die Entführung ist offensichtlich das Werk einer Rebellengruppe, die gegen die Ölgesellschaften kämpfen, die das Land ausbeuten und zerstören. Als eine Lösegeldforderung eingeht, wittert der junge Journalist Rufus die Chance zu einer großen Story und macht sich mit dem gealterten Starreporter Zaq auf die Suche nach der Entführten. Es wird eine Reise ins Delta des Nigers hinein, ins „Herz der Finsternis“, in eine apokalyptische Welt. Mit wachsendem Entsetzen nimmt Rufus die Zerstörung der Umwelt wahr, die Eskalation der Gewalt, die je eigenen Profitinteressen, die die widerstreitenden Kräfte – Ölgesellschaften, Polizei und Armee, Politiker und lokale Würdenträger auf der einen Seite, die Rebellen mit ihren Sympathisanten auf der anderen – in den Auseinandersetzungen verfolgen, die Entmenschlichung auf beiden Seiten der Front. Opfer sind in jedem Fall die einfachen Menschen, Fischer zumeist, die im Delta des Flusses leben. Sie haben nicht die Mittel, sich zur Wehr zu setzen, ihre Dorfgemeinschaften werden zwischen den Fronten zerrieben, sie verlieren ihre Lebensgrundlage, werden vertrieben, müssen fortziehen, hin zur großen Stadt, an deren Rand sie stranden.Hoffnung vermittelt einzig ein Dorf auf der kleinen Insel Irikefe, das einen humanistischen, egalitären Gegenentwurf lebt, ähnlich dem, den Wole Soyinka in „Zeit der Gesetzlosigkeit“ beschreibt: im Einklang mit der Natur, ihren Rhythmen und Gesetzen folgend. Hier findet Rufus‘ nach einem Brand körperlich und seelisch schwer verletzte Schwester Boma Ruhe, hier findet Rufus eine Liebe, hier schließt Zaq seinen Frieden …Doch auch hier ist nicht alles so, wie es scheint. Wie überhaupt nichts so ist, wie es an der Oberfläche aussieht. Das Grab der Britin ist leer. Nur ein Stein ist darin begraben …„Öl auf Wasser“ ist Bildungsroman und Umweltkrimi zugleich, Politthriller und anrührende Liebesgeschichte.»Ein schlanker, atmosphärischer Roman – teils Thriller, teils Betrachtung der todbringenden Kosten der Ölpolitik in der Region. Ein klassischer Bildungsroman.« Daily Mail»Habilas Stil hat jene Mischung aus Eleganz und verdammt guter Geschichte, die wir mit Conrad und Graham Greene verbinden. Großartig.« The Times»Meisterhaft. Baut auf der Tradition des klassischen Detektivromans auf und funktiniert zugleich auf einer tiefer gehenden, metaphorischen und philosophischen Ebene. Habila besitzt die filmische Fähigkeit, Szenen in das Bewusstsein zu brennen.« Independent»Liest sich wie eine post-koloniale Antwort auf Conrads Herz der Finsternis.« Financial Times

Taiye Selasi: Diese Dinge geschehen nicht einfach so
400 S., geb., S. Fischer 2013 21,99 EUR
Die literarische Sensation aus Amerika – ein großer kosmopolitischer Familienroman. Sechs Menschen, eine Familie, über Weltstädte und Kontinente zerstreut. In Afrika haben sie ihre Wurzeln und überall auf der Welt ihr Leben: bis plötzlich der Vater in Afrika stirbt. Nach vielen Jahren sehen sie sich wieder und machen eine überraschende Entdeckung. So wurde noch kein Familienroman erzählt.

Carlos Moore: Fela Kuti! This Bitch of a Life
382 S., Haffmanns & Tolkemitt 19,90 EUR
Fela Kuti, Vater des Afrobeats, hat nach seinem Tod 1997, eine beeindruckende Discografie hinterlassen, die gerade in CD-Werkausgaben wieder aufgelegt wird. Dies ist nun die ruhelose Lebensgeschichte des Rebellen und Panafrikanisten. Es geht um Felas Musik, seinen politischen Protest, seinen Hang zum Mystizismus. Enthalten sind auch Interviews mit 15 von Kutis Ehefrauen.

Zakes Mda: Der Walrufer
231 Min. 3 CDs (Afrika erzählt… Steinbach Sprechende Bücher) 9,99 EUR
Ein afrikanischer Liebesroman – melancholisch, lyrisch, schockierend. Hermanus an der südafrikanischen Küste ist die Welthauptstadt der Wale. Der Walrufer ist ein Eigenbrötler. Er lebt abseits des Tourismusrummels in einer Hütte, und wenn er eine gewisse Melodie auf seinem Horn anstimmt, kann er die Wale zu sich locken – besonders ein Glattwalweibchen, das er Sharisha nennt. Während er den Wal umwirbt, wird er selbst von Saluni umworben, die so leichtsinnig ist wie der Walrufer vorsichtig… “Mda vermittelt in diesem Roman mit einer knappen, präzisen Sprache, dass die wesentlichen Dinge des Lebens Bestand haben über die menschlichen Irrungen hinweg. Sei es Apartheid, ANC-Regierung oder ein neues Tourismusprogramm – allein die Liebe zählt.” Stuttgarter Zeitung

Fatou Diome: Der Bauch des Ozeans
192 Min., 3 CDs (Afrika erzählt…Steinbach Sprechende Bücher) 9,99 EUR
Aufgestiegen in Frankreichs literarische “Champions League” . Europa ist kein Paradies für Einwanderer, das musste die aus dem Senegal stammende Salie nach einer kurzen Ehe mit einem Weißen erfahren. Trotzdem will ihr kleiner Bruder Madické nach Frankreich, um als Fußballer reich und berühmt zu werden. Doch die Träume, die beide auf der kleinen Insel Niodior inmitten des Ozeans ersinnen, stoßen auf ein Hindernis: die Wirklichkeit. Wie Salie dennoch einen Weg zwischen Desillusionierung und Hoffnung findet, ist das kleine Wunder dieser Geschichte. “Fatou Diomes Roman liest sich wie eine Wundertüte, prall gefüllt mit witzigen, respektlosen, poetisch munter ausufernden Bildern.” Franziska Wolffheim / Brigitte
“Gedeck bringt mit verschiedenen Stimm- und Tonlagen sowie dem jeweils richtigen Tempo die Emotionen zum Klingen. Mal nimmt sie sich zurück, mal geht sie aus sich heraus, lässt leise Töne wirken oder ihre Stimme beben.” hörBuch Bibel 2010

Antilopenmond. Afrikanische Liebeslyrik
45 Min., 1 CD (Afrika erzählt… Steinbach Sprechende Bücher) 14,99 EUR
Aufregend, vielfältig, inspirierend und mit viel Musik . Afrikanische Romane sind aufregend, vielfältig, inspirierend. Für afrikanische Lyrik gilt dies umso mehr. Mit ihrem Bilderreichtum, ihren lautmalerischen Sprachspielen, ihrer Nähe zum Liedhaften entfalten sie alle Facetten afrikanischer Erzählkunst. Aus einer Verbindung von Lyrik und Musik können wir an der Sehnsucht, dem Schmerz und der Leidenschaft Afrikas unmittelbar teilhaben.

Patrice Nganang: Hundezeiten
245 Min, 4 CDs (Afrika erzählt… Steinbach Sprechende Bücher) 19,99 EUR
“Wenn man unter den Menschen überleben will, muss man wissen, wozu sie fähig sind.” Patrice Nganang Mboudjak ist ein Kneipenhund, durch dessen Augen und Nase wir das Treiben in Yaoundé miterleben. Die Stadt ist in Aufruhr. Noch sind die Kneipen in der Lage, die Gemüter mit Alkohol, Klatsch und der Aussicht auf amouröse Abenteuer zu besänftigen. Durch seinen Platz unter dem Tisch findet Mboudjak jede Menge Grundsätzliches und Komisches zu der Frage: Was ist der Mensch? Lebensvoll und intelligent entwirft Patrice Nganang ein vitales Bild des heutigen Kamerun. “Ein vielfarbiges, detailgenaues Bild der Lebensbedingungen und Sehnsüchten in den Armenvierteln seiner Geburtsstadt Yaoundé.” epd

Ahmadou Kourouma: Die Nächte des großen Jägers
282 Min., 4 CDs (Afrika erzählt… Steinbach Sprechende Bücher) 19,99 EUR
Bis heute eine der wichtigsten Aufarbeitungen der afrikanischen Diktaturen. Sechs Nächte lang lässt sich Koyaga, der große Jäger, Krieger und schließlich Präsident einer fiktiven Republiken in Westafrika, sein Leben von einem Griot erzählen. Aus dem Lobgesang seines Hofpoeten wird zusehends eine dramatische Anklage gegen die Diktatur schlechthin.
“Kourouma ist ein großartiger, gleichzeitig afrikanisch traditioneller und moderner Roman gelungen.” Neue Zürcher Zeitung “Voller Witz und Phantastik, spannend, informativ…” Uwe Timm in DIE ZEIT

Nuruddin Farah: Geheimnisse
357 Min., 5 CDs (Afrika erzählt… Steinbach Sprechende Bücher) 19,99 EUR
Eine Familiensaga, voller Mythen, sinnlich und kraftvoll. Mogadischu 1991: Eine Woche vor Ausbruch des Bürgerkrieges erhält der junge Computerspezialist Kalaman überraschend Besuch von seiner Kindheitsliebe. Mit ihrer sexuellen Energie zieht sie nicht nur Kalaman in ihren Bann, sie ruft die zentralen Figuren seiner Familie auf den Plan, und zwingt sie einen nach dem anderen ihre sorgsam gehüteten Geheimnisse preiszugeben. “Die ‘Geheimnisse’ offenbaren eine fremde, zaubervolle Welt in einer fast lyrischen Dichte und Bildlichkeit der Sprache.” FR “Der Autor überzeugt durch eine besonders farbige, anschauliche Erzählweise, mit der er – frei von plakativen Übertreibungen – in eine für Europäer fremde Welt führt.” SZ

Wole Soyinka: Akè. Jahre der Kindheit
372 Min., 5 CDs (Afrika erzählt… Steinbach Sprechende Bücher) 19,99 EUR
“Soyinka findet das verlorene Kind in uns allen wieder.” The New York Times In seiner zauberhaften und detailgenauen Kindheitserinnerung erzählt der Nobelpreisträger über seinen Geburtsort Aké, eine Missionsstation in Nigeria. Er erzählt über die Liebe zu seiner “wilden Christin”, wie er seine Mutter nennt, über den ihn prägenden Zwiespalt zwischen den christlichen Werten seines Vaters und den afrikanischen Traditionen und Riten seines Großvaters. Sein Abschied aus dem Elternhaus ist in seiner historischen Gleichzeitigkeit ein Symbol für den Aufbruch afrikanischer Völker in die Unabhängigkeit. “Aké ist ein wunderbar gezeichnetes Bild einer Kindheit, geschrieben von einem Schriftsteller, dessen Gefühl für Komik und Tragik in seiner Einheit einen wichtigen Beitrag zur zeitgenössischen Englischen Literatur liefert.” The New Standard

Mariama Bà: Ein so langer Brief
181 Min., 3 CDs (Afrika erzählt… Steinbach Sprechende Bücher) 19,99 EUR
Der preisgekrönte und leidenschaftliche Lebensbericht einer afrikanischen Frau. In den vierzig Tagen ihrer Trauerzeit schreibt Ramatoulaye einen bewegenden Brief an ihre beste Freundin aus Kindertagen. Ihr Mann wurde durch einen Herzschlag mitten aus dem Leben gerissen, sie aber hatte ihn schon viel früher verloren, als er sie wegen einer zweiten Frau verließ. Sie durchbricht die Mauer des Schweigens, die Frauen in den islamisch-afrikanischen Gemeinschaften umgibt, und findet zu einem neuen Selbstbewusstsein.
“Mariama Bâ gelang es, in einer Geschichte festzuhalten, was viele bewegt und was viele ändern wollen.” Die Welt , “Nachhaltig spricht Nina Petri die Geschichte und schafft eine inbrünstige Gemeinschaft zwischen der Vorleserin und dem Hörer. Ein aufrüttelndes und ehrliches Hörbuch.” http://www.freiberg-objectiv.de

Chinua Achebe: Okonkwo oder das Alte stürzt
294 Min., 4 CDs (Afrika erzählt… Steinbach Sprechende Bücher) 9,99 EUR
“Das existentiell Bedrohendste für ein Volk ist der Verlust von Selbstachtung und Würde.” Chinua Achebe . Okonkwo, Mitglied des Stammes Ibo, ist die tragische Hauptfigur dieses mitreißenden Romans. Als er nach siebenjähriger Verbannung in sein Heimatdorf zurückkehrt, verteidigt er unbeirrt die Würde seiner Gemeinschaft gegen die Machenschaften der Missionare und die militärische Übermacht der englischen Kolonialherren. Bis die eigenen Leute ihn im Stich lassen… “Eine der kräftigsten und subtilsten Stimmen Afrikas. Ein unnachgiebiger Lehrer und Moralist, und vor allem ein großer Erzähler.” Stiftungsrat für den Friedenspreis d. dtsch. Friedenspreis

Aniceti Kitereza: Die Kinder der Regenmacher
200 Min., 3 CDs (Afrika erzählt…Steinbach Sprechende Bücher) 19,99 EUR
Das authentischste Erzählwerk aus der Vorzeit der Kolonisierung . Dies ist die Geschichte der zärtlichen Liebe von Myombekere und seiner Frau Bugonoka, die sich vergeblich ein Kind wünschen und deswegen beinahe auseinander geraten. In liebevoller, auch humorvoller Weise erzählt Kitereza eine Dorfsaga aus dem Volk der Kerewe. Er nimmt uns mit auf eine Reise in die afrikanische Vergangenheit, auf der viel Wundersames und Erstaunliches über die Sitten und Gebräuche der Kerewe-Gesellschaft zu erfahren ist. Und noch viel mehr… “Nie vorher wurde ein solcher Roman in Afrika niedergeschrieben und nie wird ein solches Buch je wieder geschrieben werden können.” WDR, Köln , “Was ich hier schreibe, ist für euch. Damit ihr wisst, wo ihr herkommt. Nur so werdet ihr begreifen, wer ihr seid und wohin ihr geht.” Aniceti Kitereza

Meshack Asare: Die Katze sucht sich einen Freund
46 Min, 1 CD , Steinbach Sprechende Bücher 9,99 EUR
Wenn Freunde wichtiger sind als alle Schätze Afrikas… Ob Meshack Asare über die Freundschaft zwischen einer Katze und den wilden Tieren der Savanne, zwischen einem kleinen Jungen und einem geheimnisvollen Trommelmännchen oder einem behinderten Jungen und seinem klugen Hund erzählt, alle seine Geschichten handeln letztlich davon, dass es nicht leicht ist, wahre Freunde fürs Leben zu finden, und dass auch in Afrika gute Freunde wertvoller sind als Gold und alle Schätze dieser Welt. Inszenierte Lesung mit ghanaischen Kinderliedern von Adjiri Odametey,gesprochen von Jens Wawrczeck, Oliver Rohrbeck und Andreas Fröhlich

Kofi Annan: Ein Leben in Krieg und Frieden
464 S., DVA 26,99 EUR
Der frühere UN-Generalsekretär der Vereinten Nationen, der für seine Bemühungen den Friedensnobelpreis bekam, blickt auf die weltweiten Konflikte der letzten 20 Jahre zurück. Er übernimmt dabei die Verantwortung für das Scheitern von Friedenseinsätzen, plädiert aber für eine Organisation wie die Vereinten Nationen. Enthalten sind Anekdoten aus seinen Gesprächen mit z.B. Saddam Hussein oder George W. Bush.

Sonja Wegner
Zuflucht in einem fremden Land
Exil in Uruguay 1933-1945

376 Seiten, Assoziation A 2013 22,00 EUR
Ein Rechtsanwalt aus Berlin, der fern der Heimat eine deutschsprachige Radiosendung gründet, ein junger Mediziner mit musikalischer Ausbildung, der den Chorgesang populär macht, ein kleiner Junge, der von Indianern und Krokodilen träumt und später Regisseur wird, eine junge Frau mit Kind und einem blinden Ehemann, die auf dem Land ein Hotel eröffnet und Gedichte schreibt – sie und etwa 10.000 andere fanden als von den Nazis verfolgte Juden Zuflucht in Uruguay. Das Buch zeichnet das Schicksal der Emigranten nach und zeigt, in welchem Ausmaß sie in NS-Deutschland ausgeplündert und entrechtet wurden; wie schwierig es unter diesen Bedingungen war, Deutschland zu verlassen, ein Aufnahmeland zu finden und die Ausreise zu organisieren. Und es beschreibt die Möglichkeiten, die ihnen Uruguay bot, wo sie offen aufgenommen wurden. Sie konnten dort arbeiten, sich politisch organisieren und bekamen Unterstützung von der ortsansässigen Bevölkerung. Obwohl Uruguay in Relation zu seiner Einwohnerzahl mehr Flüchtlinge aufnahm als etwa Argentinien oder die USA wurde das kleine Land in Südamerika als Exilland bisher kaum wahrgenommen. Sonja Wegner, die für ihre Studie in der Einwanderungsbehörde von Montevideo umfassend recherchiert hat, ist eine exemplarische Länderstudie zum deutschsprachigen, jüdischen Exil gelungen, die eine wichtige Forschungslücke schließt. Dabei zitiert sie aus zahlreichen Interviews, Briefen und Akten mit dem Ziel, den Emigranten ihre Stimme zurückzugeben und sie als handelnde Personen in den Vordergrund zu stellen. Porträts, Fotos und Dokumente runden den liebevoll illustrierten Band ab.

Antonio Callado: Der Tote im See
Leben und Verschwinden des Colonel Fawcett im brasilianischen Regenwald

144 S., geb., Berenberg (erscheint August 2013) 20,00 EUR
Warum machten sich Anfang der fünfziger Jahre ein paar Journalisten auf den Weg in den brasilianischen Regenwald, um einen Engländer zu suchen, der dort dreißig Jahre zuvor auf der Suche nach einer verschwundenen Stadt verschollen war? Und wieso geht das heute noch jemanden an? Die Antwort liefert diese abenteuerliche Reportage aus der Zeit, als sich Brasilien vom Provinzgigant in einen Protagonisten modernster Entwicklung zu verwandeln begann. Im Auftrag eines publicityhungrigen Medienmoguls besuchte Callado jene indigenen Brasilianer, die damals noch gar nicht wussten, dass sie Brasilianer waren und nichts dabei fanden, jemanden verschwinden zu lassen. Was die Reporter bei ihrer Suche nach Percy Fawcett – dem Vorbild für Steven Spielbergs Indiana Jones – entdeckten, daraus entstand dieses in Brasilien bis heute legendäres Buch. Antonio Callado, geboren 1917, arbeitete während des Zweiten Weltkriegs in London für die BBC, schrieb später für alle wichtigen Zeitungen in Brasilien, berichtete über den Vietnam-Krieg und veröffentlichte Theaterstücke und Romane (darunter „Quarup“, sein bekanntester Roman, der auch auf Deutsch erschienen ist). Als er 1997 in Rio de Janeiro starb, war er einer berühmtesten Journalisten des Landes und ist es geblieben.

Omair Ahmad: Jimmy, der Terrorist
200 S., Draupadi Verlag 2012 16,00 EUR
Ein indischer Roman über die Werdegänge sogenannter Terroristen. Nach einem Attentat stürzen sich die Medien auf diese Meldung und glänzen dabei durch ihre Oberflächlichkeit. Anhand einer Vater-Sohn-Beziehung wird die gesellschaftlich-politische Unterdrückung in Indien aufgezeigt, die Diskriminierung hinduistischer Schüler an städtischen Elitenschulen, ein staatliches Sterilisationsprogramm, das arme Muslime betrifft, Folterungen von Muslimen durch die Polizei, fanatische Hindus die Muslime attackieren. Ein trauriger Roman, der aufzeigt, wie Terrorismus überhaupt entstehen kann.

Altaf Tyrewala: Das Ministerium der verletzten Gefühle. Gedicht
96 S., Pb., Berenberg 2013 englisch /deutsch 19,00 EUR
„Diese Stadt, diese Stadt“ – ratlos und empört, fasziniert und entsetzt sieht man mit Alta Tyrewala auf seine Heimat Mumbai und die 18 Millionen Menschen, die hier tagtäglich versuchen, sich ein Leben im Chaos zu erkämpfen. Und oft genug verlieren. Der Teeverkäufer Ganesh zum Beispiel, dessen Straßenstand einer Bushaltestelle Platz machen muss und der sogar beim Selbstmord noch Pech hat. Oder Bhanu, eine Dalit, die in einer Hütte neben dem Luxushochhaus ihres Herrn verreckt. Tyrewala lässt sie in seinem zornigen Langgedicht atemlos vorüberziehen und schafft ein einzigartiges Panoptikum des Lebens in einer entfesselten Metropole unter den Bedingungen des globalisierten Kapitalismus; ein einem Land, das sämtliche Widersprüche dieser schönen neuen Welt auf sich vereinigt. Ein „Waste Land“ für unsere Zeit. Altaf Tyrewala, geboren 1977 in Mumbai, Indien, studierte Betriebswirtschaft in New York City und lebt seit 1999 wieder in Mumbai. 2006 erschien sein erster Roman „Kein Gott in Sicht“ in deutscher Übersetzung (Suhrkamp). 2011 war er Gast des Berliner Künstlerprogramms DAAD.

Mo Yan: Frösche
8 CD, 10 Std., 27 Min., Hörbuch Hamburg 2013 24,99 EUR
Nun auch als Hörbuch und gleich auf der Hörbuch-Besten-Liste: Der Literaturnobelpreisträger Mo Yan hat die Form des Briefromans gewählt, um ein ernstes Thema anzusprechen: die Einkindpolitik Chinas. Dabei erzählt er von der Ärztin Gugu, die tausende Kinder auf die Welt brachte, aber auch dafür sorgte, dass viele Babys erst gar nicht geboren wurden. Zu dieser verstörenden Geschichte setzt Gert Heidenreich mit seiner ruhig sonoren Stimme einen wohltuenden Kontrast.

Michael Langoth: Mekong Food
224 S., geb., Styria 39,99 EUR
Asia-Kochfans brauchen dieses Buch!

Chainarong F. Toperngpong: Das (Baan) Thai-Kochbuch
Bilder, Geschichten, Rezepte

160 S., Jackoby & Stuart 2013 19,95 EUR
Familienrezepte mit Anekdoten aus dem väterlichen Resteraunt, Küchenbackround-informationen und spannende landeskundliche Appetithäppchen.

SOULFOOD – Food & Music. Fat & Yummy
TRIKONT US-0442, Box-Set: 20,00 EUR
Kochbuch 156 Seiten mit 68 Rezepten & CD mit 18 Tracks und Booklet

Trina Hahnemann: Die skandinavische Küche
224 S., Christian 2008 29,95 EUR

Renè Redzepi: Noma – Zeit und Ort in der nordischen Küche
368 S., Edel 2011 49,95 EUR

Russell Norman: Die venezianische Küche
322 S., Christian 36,99 EUR

Micaela Stermieri: Tutti a tavola!
Meine italienischen Familienrezepte

224 S., Fackelträger 2013 19,95 EUR

Dario Santangelo / Diego Santangelo: Neapel sehen und genießen
Neopolitanische Lebensart

288 S., geb., Styria 39,99 EUR
180 traditionelle Rezepte

Valerie Terrier Robert:
Ma France. Die besten Rezepte der französischen Landküche

192 S., geb., Heel 2013 24,95 EUR
Ein Buch zum Schwelgen und Schlemmen. Die besten Familienrezepte aus allen Regionen Frankreichs – ergänzt um charmante Anekdoten.

Susanne Lücke-David: Das Europäische Brotbackbuch
96 S, 32 farbige Abb., Verlag Moritz Schäfer 19,95 EUR
Die Autorin, promovierte Kunsthistorikerin und Archäologin, hat eine Leidenschaft für gutes Brot. Für sie ist Brot ein Eckpfeiler der Esskultur und ein Gradmesser der Qualität einer Küche. Sie begann schon in den 1970er Jahren quer durch Europa Rezepte und Informationen rund ums Brot zu sammeln. Als Kolumnistin beim ZEITmagazin publizierte sie dann die ersten Bauernbrotrezepte und löste damit eine Selberbackwelle aus, die bis heute nicht verebbt ist. Sie ist Verfasserin mehrerer einschlägiger Bücher, von denen das vorliegende eine aktualisierte, erweiterte Ausgabe ihrer ersten Publikation zum Thema Brot darstellt. Entstanden ist so eine Zusammenstellung von Bauerbrotrezepten, die gleichzeitig häufig uraltes bäuerliches Kulturgut vor dem Vergessen bewahrt. Von Kastenweißbrot aus Irland über französische Pain boulot, mediterranes Maisbrot und donauschwäbisches Bierhefebrot geht die europäische Brotbackreise weiter bis zu baltischen Kuckeln oder dem schwedischen Vörtbröd. Aber auch heimische Rezepte wie Rievekuchen, Schwarzwälder Bauernbrot, hessisches Korbbrot, Schux`n aus dem Chiemgau oder Thüringer Trogkuchen werden beschrieben. Die Rezepte beinhalten u.a.: Kastenweißbrote, freigeschobene Weizenbrote mit Hefe, Mischbrote mit Hefe, Brote mit Sauerteig und Hefe, Kleingebäcke aus Brotteig, süße Brote, Brote aus glutenfreiem Mehl, Rezepte mit Altbackenem, Schmuckbrote. Wichtige Regeln und Tipps zum Brotbacken, sowie umfangreiche Hintergrundinformationen zu den Backzutaten, zu der Teigbereitung, zum Backvorgang, zur Aufbewahrung des Brotes usw. runden das Werk ab.

Bestelladresse:

Alle Titel können Sie überall im Buchhandel wie auch unter folgender Adresse erwerben:

Worms Verlag
Abt. Onlineshop
Kultur- und Veranstaltungs GmbH,
Von Steuben Str.5, 67549 Worms
Berthold Röth Tel. 06241-2000-314
e-mail: berthold.roeth@kvg-worms.de

10 Jahre Worms Verlag

April 11, 2013

10 Jahre Worms Verlag – Verlag für Regionalia, Nibelungen und Judaica

Der Worms-Verlag wurde als Projekt der Nibelungenmuseum-Betriebs GmbH (heute: Kultur- und Veranstaltungs GmbH) im Jahr 2003 gegründet. Das erste Produkt war neben den Museumskatalogen die Broschüre „Facetten eines Epos“ zu den Nibelungen und Worms. Es folgten weitere „Nibelungen“-Produkte: Programmbücher der Nibelungen-Festspiele, Tagungsdokumente der Nibelungen-Symposien und sehr bald stellte sich heraus, dass die Stadt Worms aus unterschiedlichen Anlässen zu Ausstellungen und historischen Jubiläen Publikationen erstellt, denen aber eine umfassende lokale und regionale Vertriebsmöglichkeit fehlte.

Es wurde daher ein Regionalverlags- Konzept entwickelt nachdem der Worms-Verlag Printprodukte und andere Verlagsprodukte (CD, DVD) herstellen sollte, die nicht auf dem Markt privater Anbieter, sondern nur über öffentliche Zuschüsse und im öffentlichen Interesse herstellbar sein würden. Durch die Vernetzung mit Fachverwaltungen und örtlichen Vereinen konnten für zahlreiche Produkte Zuschüsse generiert und projektnah umgesetzt werden. Satz und Druck werden jeweils an private Anbieter vergeben. Bei Ausschreibungen kommen oft lokale Anbieter aus der Kreativwirtschaft zum Zug. Das Label „Worms-Verlag“ wird gleichzeitig zum Stadtmarketing eingesetzt – alle Verlagsprodukte tragen den Stadtnamen nach außen.

2005 wurde für die Abwicklungen des Verlages der Buchhändler Berthold Röth angestellt. Erst dadurch war es möglich, den Buchhandel professionell zu bedienen, da dieser Markt besondere Fachkenntnisse in der Abwicklung verlangt. Kurz zuvor war das Buch „Siegfried – Schmied und Drachentöter“ erschienen, das zwar wie alle vorherigen Titel über eine ISBN verfügte und in großen Feuilletons wie „Spiegel“ und „Zeit“ rezensiert wurde, aber dennoch erstmal kaum Abverkauf fand. Aus verlegerischen Unkenntnissen wurden damals die Titel nicht auch ans VLB gemeldet und waren im Handel somit nicht auffindbar. Dies als Beispiel was an Wissen und Kenntnissen in einem Verlag notwendig sind und für eine Stadt als Verleger ohne professionelle Fachkräfte nicht geleistet werden kann. Durch Eintragen der Titel ins VLB verkaufte sich bis heute das Buch auch als Backlist-Titel, was auch für alle anderen Bücher gilt. Bis zum jetzigen Verlagsstand war es ein langer Weg. Barsortimente winkten damals dankend ab, denn mit städtischen Verlagen habe man keine guten Erfahrungen gemacht. Es war mühsame Kleinarbeit den Sortimentern und Zwischenhändlern deutlich zu machen, dass es sich beim Worms Verlag um einen ganz „normalen“ Verlag auch handelt, der über Verkehrsnummer verfügt, über BAG-Anschluss (Buchhändlerische Abrechnungsgesellschaft) und all das andere was in Verlagen eigentlich Alltagsgeschäft ist. Mittlerweile ist der Verlag in den Barsortimenten auch gelistet, ist einer Verlagsauslieferung angeschlossen und verfügt auch über eine Verlagsvertretung

2006 kam das erste Heimatjahrbuch der Stadt Worms heraus und wird seitdem jährlich mit vielen ehrenamtlichen Autoren und Redaktionsmitgliedern gemeinsam erstellt. Der Verlag erweiterte sich in der Folge auf lokale und regionale Produkte und Kooperationen. Seitdem sieht sich der Verlag vor allem als Regionalia-Verlag und besetzt damit als kleiner Verlag eine Nische, die ihm große Verlage von vorneherein auch gar nicht streitig machen. Diese Nische enthält natürlich großes Potential, das noch nicht komplett ausgenutzt ist, aber stetig wächst.

Am Gesamtprogramm heute ist leicht zu ersehen, dass neben den rein städtischen Publikationen immer mehr Kooperationen mit Vereinen und regionalen Netzwerkpartnern hinzukamen, aber auch Auftragsarbeiten das Programm von Jahr zu Jahr erweiterten. Strukturiert wurde das Programm dabei durch Kulturprofile (Nibelungen, Luther, Jüdisches Worms) sowie die Stadt- und Regionalgeschichte. Immer mehr Autoren fragen an, ob sie im Verlag veröffentlichen können und finanzieren teilweise dies auch selbst. Als städtische Einrichtung handelt der Verlag nicht gewinnorientiert, erhält in solchen Fällen eine Vertriebsprovision, die Verkaufserlöse gehen ansonsten direkt an die Autoren, die in Eigenverlag nicht über das gebotene Vertriebssystem verfügt hätten. Bei den eigen aufgelegten Produktionen handelt es sich um Titel, die aus städtischer Sicht notwendig sind, die aber kein wirtschaftlich orientierter Verlag ohne hohe Zuschüsse zu verlangen produzieren würde. Auch unter diesen Gesichtspunkten ist das Betreiben eines eigenen Verlages günstiger.

Als Programmbezeichnung wurde Regionalia, Nibelungen und Judaica gewählt, da auch sehr früh eine Broschüre zu „Raschi“ im Programm war. Auf Judaica zu setzen war vorausschauend, denn es kamen einige weitere jüdische Titel hinzu. Vor allem durch den Antrag der Städte Speyer, Worms und Mainz als Schum-Städte ins Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen zu werden wird dieses Segment sich erweitern und an Bedeutung gewinnen. Neben den Sachbuchtiteln im Verlag – es gibt nur ein einziges belletristisches Mundart-Buch bisher – ist für 2014 auch ein historischer Roman zum jüdischen Worms geplant. Damit wird – inzwischen waren als viertes Standbein bereits Bücher zu Kunst hinzugekommen – auch Belletristik als fünftes Standbein ein Rolle spielen.

Der Worms Verlag pflegt inzwischen eine umfangreiche Backlist. Bis auf wenige vergriffene Titel sind alle Veröffentlichungen lieferbar gehalten und werden bei Bedarf nachgedruckt. Gerade diese umfangreiche Backlist macht das Verlagsprogramm für den Handel attraktiv und sorgt für Umsätze, denn im Gegensatz zu den Anfangsjahren des Verlages – wo Neuproduktionen sich nur bei Erscheinen gut verkauften und dann ohne weitere Nachfragen im Lager stapelten – haben in 2012 die Umsätze mit der Backlist die Einnahmen der Neuheiten sogar überschritten, was für einen Verlag sehr gesund ist. Neuheiten stellen darüber hinaus ja auch die Backlist von morgen dar. Das starke umfangreiche Backlistprogramm ist somit inzwischen das Rückgrat des Verlages. Auch in vergleichbaren Verlagen dauert es mitunter zwei bis drei Jahre bis ein Titel nach seiner Veröffentlichung seinen Weg in den Markt gefunden hat, dann aber plötzlich hohe Auflagen erreichen kann. Jeder unabhängige kleine Verlag – der nicht auf Bestseller aufgestellt ist – arbeitet ganz bewusst mit der Backlist und setzt so auf dauerhafte Qualität. In den letzten Jahren behauptete sich der Worms Verlag sehr deutlich gegen den allgemeinen rückläufigen Trend der Umsatz- und Absatzentwicklung des Buchhandels. Entgegen den Rückgängen innerhalb der Branche nehmen die Umsätze Jahr für Jahr stetig zu. Das macht deutlich, dass das Potential noch nicht ausgeschöpft ist und die Werbe- und Vertriebsmaßnahmen erfolgreich verlaufen.

Der Worms-Verlag hat sich in seinem zehnjährigen Jubiläum von einem Kleinverlag zu einem mittleren Verlag entwickelt. Der Verlag ist zu einer Institution geworden, die innerhalb der Ämter und Verwaltungen der Stadt Worms nicht mehr wegzudenken ist. Es kam zu immer mehr Kooperationen bei Titelproduktionen. Beispielsweise veröffentlicht inzwischen das Stadtarchiv viele seiner Bücher nicht mehr in Eigenproduktion, sondern nutzt den Worms-Verlag als Vertrieb, auch mit der Stadtentwicklung oder den Hafenbetrieben wurde in solcher Form kooperiert. Für die Kooperationspartner ist ein verlässlicher Vertrieb gewährleistet. Gleiches gilt für Autoren, die zwar auf eigene Kosten produzieren, aber das Vertriebssystem selber nicht bewältigen könnten.

Als Nibelungenbuch-Verlag ist der Verlag überregional inzwischen „der“ anerkannte Fachverlag. Das Logo und der Verlagsname machen dabei zudem eine nicht zu vergessende Werbung für die Stadt Worms.

Seit Herbst 2010 erscheint halbjährlich ein kleines Verlagsverzeichnis. Verlagsvorschauen wie bei anderen Verlagen können aber nicht erstellt werden. Titel im Worms Verlag erscheinen mitunter ohne eingeplant gewesen zu sein sehr kurzfristig oder verzögern sich.
Der Verlag präsentiert sich auf kleineren regionalen Buchmessen genauso wie auf der Frankfurter Buchmesse. Im Internet ist er unter http://www.worms-verlag.de vertreten sowie im Web 2.0 auf den Social Media Seiten (Facebook, Twitter und Blogg).

Lieferbar sind derzeit 82 Titel, nur einige wenige wurden nach Abverkauf bislang nicht wieder nachgedruckt.

Bücherliste Avantgarde – Underground – Trash Nr. 4

April 10, 2013

Die vorhergehenden Listen können noch allesamt im Archiv unter wormsverlag.wordpress.com abgerufen werden.

Cord Riechelmann: Krähen. Ein Portrait
155 S., Matthes & Seitz 2013 18,00 EUR
Die Familie der Krähen, wissenschaftlich Corvidae, ist eine in der Entwicklungsgeschichte der Singvögel relativ junge Familie. Sie umfasst 123 Arten, zu denen auch Elstern und Häher zählen; ihre engsten Verwandten sind die Paradiesvögel. Anders als diese kommen die meist schwarz gefärbten Krähen beinahe überall auf der Erde vor. Die Mythen, die sie von jeher begleiten, sind ebenso dunkel wie sie und handeln fast immer von Übel und Tod. Selbst die zunehmende Erforschung ihrer herausragenden Intelligenz konnte sie nicht von ihrem schlechten Ruf befreien. Im Gegenteil: Dass Krähen über ein Gedächtnisvermögen verfügen, das sogar jede menschliche Kapazität übersteigt, scheint nur ein weiterer Ausweis ihrer Unheimlichkeit zu sein. Cord Riechelmann, »der einzige wirkliche Tierjournalist, den wir haben« (Jakob Augstein), erzählt die erstaunliche Natur- und Kulturgeschichte dieser klugen Vögel und stellt zwanzig Krähenarten vor, die er selbst auf fünf Kontinenten beobachten konnte. Sein Tierportrait vermittelt nichts weniger als den unvoreingenommenen Blick auf das scheinbar Vertraute. Cord Riechelmann, geboren 1960 in Celle, studierte Biologie und Philosophie an der Freien Universität Berlin. Er war Lehrbeauftragter für das Sozialverhalten von Primaten und für die ›Geschichte biologischer Forschung‹. Außerdem arbeitete er als Kolumnist und Stadtnaturreporter für die ›Berliner Seiten‹ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sein Hauptinteresse gilt den Lebens bedingungen von Natur in der Kultur städtischer Lebensräume. Er lebt als Publizist und Autor in Berlin.

Simone Stölzel: Nachtmeerfahrten: Die dunkle Seite der Romantik
350 S. , geb. Die Andere Bibliothek 2013 36,00 EUR
Limitierte Ausgabe; zweifarbig gedruckt auf geglättetem, holzfreiem Designpapier; farbiges Vor- und Nachsatzpapier; gebunden in rotes Comtesse-Leinen mit einer Linienprägung; geprägtes Etikett, Fadenheftung und Lesebändchen. Eine literarische Reise durch die dunkle Seele der Romantik – Von Lüsten, Wahn und anderen Zwängen*Die Visionen der Romantik haben die europäische Kultur der vermeintlich aufgeklärten Moderne geprägt – so viel epochaler Anfang war nie. Ob in der Philosophie, der Literatur oder der Kunst, die Romantik war eine wunderbare Neuaneignung unseres Welt- und Selbstverständnisses.*Zu ihrer Konsequenz geführt aber wird die romantische Idee erst in der Schwarzen Romantik – erst diese leuchtet die Abgründe der Seele, das uns Fremde, die andere Seite der Vernunft aus und lässt die Utopie vom besseren Menschen brüchig aussehen.*Die Kulturwissenschaftlerin Simone Stölzel unternimmt essayistische »Nachtmeerfahrten«, literarisch-anthologische Erkundungen der schillernden schwarzromantischen Bilder- und Symbolsprache. *Nachtmeerfahrten beleuchtet die dunklen, die anderen Seiten berühmter Autoren – die wir neu entdecken, neu lesen lernen: Tieck, Heine oder Hoffmann und Hauff, Gautier, Byron, Shelley und Stoker, Maupassant, Stevenson, Poe und Meyrink, Huysmans oder Kubin – die Liste ist lang und Nachtmeerfahrten geleiten uns in eine Welt der Geister und Schatten, die gerahmt und illustriert wird von Werken der bildenden Kunst. Die Autorin Simone Stölzel, geboren 1965, lebt als promovierte Kulturwissenschaftlerin und Publizistin in Berlin. Sie veröffentlichte u.a. zu Valenciennes, Cioran und Maugham, aus dessen Werken sie auch übersetzt hat. Zuletzt erschien mit Thomas Stölzel W. Somerset Maugham, Leben und Werk (2010); 2012 erscheint Unendliche Weiten,Lösungsorientiert denken mit Captain Kirk, Mr. Spock und Dr. McCoy.

Das neue Gänsehaut-Lesebuch
240 S., dtv 2013 8,90 EUR
Diese schaurig-schöne Anthologie lädt ein, wieder der Grusellust zu frönen. Das neue Gänsehaut-Lesebuch versammelt die schrecklichsten Geschichten berühmter Schriftsteller aus aller Welt: Sie erzählen von geisterhaften Kindermädchen, gepfählten Schiffskapitänen und verzweifelt umherirrenden Seelen. Mitreißend und psychologisch feinsinnig geschrieben entführen ›Sleepy Hollow‹ & Co in die düsterromantische Welt des Schauers.
Mit Erzählungen von Edith Wharton, Wilhelm Hauff, Washington Irving, Nathaniel Hawthorne, Edgar Allan Poe, Iwan S. Turgenjew, Heinrich Seidel, Guy de Maupassant, H.P. Lovecraft, Mr. R. Jame und F. Scott Fitzgerald.

Evert Konrmayer: Das kulinarische Necronomicon
Die etwas andere Rezeptsammlung

590 S., Gebrüder Kornmayer 24,95 EUR
Am Anfang steht die Warnung: „Dieses Buch ist ethisch nicht korrekt“. Frittierte Hühnerköpfe, Pinguin-Jakobsmuschel-Ragout. Ein schaurig-schönes Gruselkabinett der Kochkunst, in Samt gebunden und mit alten Zeichnungen illustriert.

Georg Seeßlen: Träumen Androiden von elektronischen Orgasmen?
Sex-Fantasien in der Hightech-Welt 1

156 S., Bertz und Fischer 2011 9,90 EUR

Georg Seeßlen: Der virtuelle Garten der Lüste
Sex-Fantasien in der Hightech-Welt II

212 S., Bertz und Fischer 2011 9,90 EUR

Die nach-humane Zukunft hat schon begonnen: Menschen werden immer weiter umgebaut, verbessert, verschönert (mehr oder weniger), sie werden maschinell, pharmakologisch und chirurgisch in den Postmenschen verwandelt, sie sollen immer länger gesünder, jünger und attraktiver erscheinen, und was mit Anti-Aging-Cremes beginnt, soll mit dem perfekten Menschendouble enden. Maschinenwesen, denkende Roboter, lebende Computerprogramme, Klone, Androiden, gentechnisch veränderte, alters- und leidenslose, transhumane Lebewesen, wie immer sie auch ausschauen, eher Monster oder eher Supermensch, irgend etwas und irgend jemand kommt da in der Zukunft, was mehr als Mensch ist. Und man weiß nicht so recht, ob diese Wesen asexuell, hypersexuell oder metasexuell sein werden. Von dem Tag an, da Frankensteins Braut sich in ihren Schöpfer verliebte, entwickelte sich eine lange Reihe der grotesken, gefährlichen und hier und da poetischen Liebesgeschichten zwischen Menschen und Postmenschen, zwischen Körper und Maschine, zwischen Wirklichkeit und Simulation. Zweifellos verschwinden die sexuellen Impulse nicht, wenn der Mensch nicht mehr vom Weibe, sondern in den Labors geboren wird. Nur: Wohin damit? Das Bildnis des sexuellen Postmenschen wird aus Begehren und Angst zusammengesetzt. Langweilig ist das nicht. Die populäre Kultur hat also schon lange damit begonnen, sich Bilder zu machen vom Post-Menschen mit seinen Konflikten zwischen dem Maschinellen und dem Sexuellen. Wird sich der neue Mensch noch verlieben können? Wird es Mischehen zwischen Menschen und sexy Robots geben? Können Postmenschen, deren Gehirne durch interne Festplatten erweitert sind, sich sexuelle Identitäten programmieren lassen? Kippt die gute alte Sexualität bei der einen oder anderen “Spezies” in bloße Fress- und Zerstörungslust? Und wie erotisch ist eigentlich dieses Menschenbasteln, von dem die Wissenschaftler in der Fiktion wie in der Wirklichkeit besessen scheinen? Sind romantische Vampire die besseren Liebhaber? Hat Lara Croft Stalker? Kann man noch Sex haben, wenn keine Kamera eingeschaltet ist? Was ist noch “echt” an Deutschlands neuestem Supermodel. Ein Streifzug durch die populäre Mythologie, von der Science-Fiction zum Porno, vom Videogame zum Trash-Fernsehen, von der sexuellen Prothese zur Fickmaschine, von der Wissenschaft zum Märchen (und zurück).

Georg Seeßlen: Das zweite Leben des „Dritten Reichs“
(Post)nazismus und populäre Kultur. Teil 1

232 S. , Bertz und Fischer 2013 9,90 EUR
(Post)nazismus und populäre Kultur. Teil 2
180 S., Bertz und Fischer 2013 9,90 EUR
Der Nazismus ist nicht Geschichte. Seine ideologischen Elemente leben fort in alltäglichen Mythen und in der populären Kultur, und sie überstehen auf bizarre Weise die Attacken der Aufklärung. Die faschistische Bildermaschine ist nicht im Museum eingeschlossen, sie taucht in immer neuen Variationen auf, nicht nur an den rechten Rändern, sondern auch im Zentrum der Gesellschaft. Georg Seeßlen analysiert in drei Bänden die Schnittstellen von historischem Faschismus und Gegenwartskultur: den Kult um Leni Riefenstahl und die Ufa-Nostalgie, die Renaissance von Nazi-Kunst und -Kitsch, die Revision der Geschichte durch die unentwegte Produktion von Faschismus-Bildern in Film und Fernsehen, in Comics, Regenbogenpresse, Heftromanen und populärer Musik. Georg Seeßlen, geboren 1948, zählt zu den angesehensten und bekanntesten (Film-)Publizisten. Texte über Film, Kultur und Politik für “Die Zeit”, “Der Spiegel”, “taz”, “konkret”, “Jungle World”, “epd Film” u.v.a. Zahlreiche Bücher zum Film und zur populären Kultur, u.a.: “Martin Scorsese”; “Quentin Tarantino gegen die Nazis. Alles über INGLOURIOUS BASTERDS”; “Blödmaschinen. Die Fabrikation der Stupidität” (zusammen mit Markus Metz); “Tintin, und wie er die Welt sah. Fast alles über Tim, Struppi, Mühlenhof & den Rest des Universums”; “Sex-Fantasien in der Hightech-Welt” (3 Bände).

Christian Y. Schmidt: Wir sind die Wahnsinnigen
Joschka Fischer und seine Frankfurter Gang

400 S., Verbrecher Verlag 2013 18,00 EUR
Er war Straßenkämpfer, Oppositionsführer, Außenminister und Vizekanzler. Er war lange Zeit der beliebteste Politiker Deutschlands. Doch der Aufstieg des Joschka Fischer hat sich anders vollzogen, als dieser es darstellt. Wie wurde der Linksradikale zum Staatsdenker und schließlich zum Unternehmer in eigener Sache? Christian Y. Schmidt zeigt, wie Fischer und seine Gang es geschafft haben, aus der Sponti-Szene heraus wichtige Posten in Frankfurt am Main und Hessen zu erobern – und wie sie dabei ihre früheren Ideen und Ideale verleugneten. Auch 15 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen ist diese biografische Studie noch immer aktuell – und liegt endlich wieder in erweiterter Neuausgabe vor. Christian Y. Schmidt, 1956 geboren, war bis 1996 Redakteur des Satiremagazins Titanic. Seitdem arbeitet er als freier Autor und ist Senior Consultant der Zentralen Intelligenz Agentur sowie Rotationskommunist. 2008 erschien das Reisebuch »Allein unter 1,3 Milliarden«, 2009 der China-Crashkurs »Bliefe von dlüben« und 2010 die autobiografische Skizze »Zum ersten Mal tot«. 2011 erschien im Verbrecher Verlag »Im Jahr des Tigerochsen«, 2013 folgte »Im Jahr des Hasendrachen«.

Das Ende der Enthaltsamkeit
Über Bars, Cocktails, Selbstermächtigung und die Schönheit des Niedergangs

192 S., geb. , Edition Nautilus 2013 19,90 EUR
In sieben mysteriösen Zirkeln und unter prophetischer Mitgift von 21 trinkfesten Autorinnen und Autoren fächert die Cocktailbar »Golem« am Hamburger Fischmarkt die Welt der Spirituosen mit Humor, kritischer Distanz, historischem Bewusstsein und heiterm Wahnsinn auf: Roger Behrens schreibt Anmerkungen zum Alkohol (Rausch versus Genuss), Thomas Ebermann fragt sich, was Herbert Marcuse über Hedonisten dächte, gäbe es sie im Golem, Tino Hanekamp berichtet vom Saufen mit Don Quixote, Heinz Strunk stellt Trinker gegen Abstinenzler (also Gut gegen Böse), Georg Seeßlen begeistert mit dem Titel »Zwei Bier – Einakter«, Fahim Amir wagt sich in das bisher noch recht unerforschte spannungsreiche Themenfeld Tiere-Alkohol-Psychoanalyse und so manches mehr, unter anderem von Kerstin Stakemeier, Hermann L. Gremliza, Armin Chodzinski, Nis-Momme Stockmann, Dirk von Lowtzow. Neben Praktischem – wie 16 Rezepten für exquisite Cocktails, der Anleitung für die perfekte Hausbar und illustrierten Beispielen für die Eleganz der Dekadenz – geben die Herausgeber einen Einblick in die Geheimnisse der Selbstermächtigung (oder das, was sie dafür halten). Alvaro Rodrigo Piña Otey, geboren 1980 in Chile. Mit den Eltern Flucht nach Deutschland, Kindheit und Jugend in Hamburg-Wandsbek. Beginn und Abbruch diverser Ausbildungen und Studien – Tätowierer, Pyrotechniker, Wirtschaft, Geschichte & Literatur –, Arbeit als Tourmanager, Clubbetreiber und Veranstalter, heute Betreiber des Golem. Anselm Lenz, geboren 1980 in Hamburg, Dramaturg an diversen Staatstheatern und Festivals, u. a. am Schauspielhaus Hamburg, wo er die Szene- und Stadtkulturreihe »Explosion« betreute. Eigene Film-, Theater- und Textarbeiten, seit 2012 Mitgründer und Hausdichter des Golem.

Colin MacInnes: Absolute Beginners
320 S., geb., Metrolit 2013 19,99 EUR
In diesem bereits 1959 erschienen Buch wird die Urszene der britischen Jugendbewegung beschrieben: den Split in Teddy Boys und Mods. Der Erzähler, ein literarischer James Dean, rebelliert gegen alles, was ihm gegen den Strich geht. Seine Freunde sind die Transen und Dealer, sein Zuhause die verrauchten Jazz Clubs und die Straßen, auf denen es bald zu Gewaltausbrüchen kommt – den berüchtigten Notting Hill Riots. “A book of inspiration” – Paul Weller

Alen Mescovic: Ukulele Jam
352 S., geb., Metrolit 2013 21,99 EUR
Hier setzt ein junger Bosnier seinen Erlebnissen im jugoslawischen Bruderkrieg die Unbeschwertheit und den Willen zur unversehrten Jugend entgegen: Mit viel Witz und unaufdringlicher Klugheit – und dem Sound der 90er. Alen Meškovic ist der Salinger der Vertriebenen. »Lustig wie Nick Hornby und zugleich von einer Ernsthaftigkeit, die man nicht missverstehen kann.« – Ekstra Bladet. Und das Büchermagazin endet seinen langen Beitrag zum Buch mit: „Das Flüchtlingslager, in dem sowohl Bosnier als auch Serben und Kroaten leben, ist ein verkleinertes Abbild Ex-Jugoslawiens. Der Krieg geht hier weiter, von Balkon zu Balkon. Während die Davongekommenen einander Schläge androhen, versucht Mikis Kumpel Igor, ein zwanzigjähriger Berufssoldat, in wenigen Tagen Urlaub so viel Leben abzubekommen, wie er kann. Und so oft er sich den Eintritt leisten kann, geht Miki ins Ukelele, eine Underground-Disco, in der Megadeath, Iron Maiden und Nirvana gespielt werden. Ungefähr sechzig Song- und Albumtitel werden im Buch erwähnt. Diese Soundtitel bilden den Soundtack dieser verrückten Zeit, als der Nationalismus jeden Aspekt des Lebens vergiftete. Musik wurde zum Mittel der Propaganda. Mescovic: „Für uns Jugendliche waren Heavy Metal, Punk, Grunge etc. eine Möglichkeit, uns diesem maskulinistischen, militärischen, fremdenfeindlichen Wertesystem zu entziehen. Während die Balkanländer nach dem Zerfall von Titos Jugoslawien ihre nationalen Identitäten fanden, schufen auch wir unsere Identitäten – genau wie alle anderen Teenager der Welt“.

Daniel Ryser: Slime
Deutschland muss sterben

288 S., geb., Heyne 2013 19,99 EUR
»Sich fügen heißt lügen.« Über 30 Jahre Punkrock und Revolte: Die legendäre Hamburger Band Slime erzählt ihre Geschichte, ungeschönt und aus erster Hand. Wegbegleiter und Bewunderer wie Campino, Jan Delay und Rocko Schamoni kommen mit persönlichen Anekdoten zu Wort. Ergänzt um bislang unveröffentlichtes Archivmaterial, entsteht das Porträt einer außergewöhnlichen Band und ihrer Zeit. Sie waren und sie sind Deutschlands radikalste Punkband. 1979 in Hamburg gegründet, richteten sich Slime mit Texten wie »Deutschland muss sterben« und »Wir wollen keine Bullenschweine« gegen den Staat, die Polizei, Faschismus und Kleinbürgerlichkeit und lieferten die Parolen für eine wachsende autonome Szene. Straßenschlachten mit Neonazis und Polizisten und die Beschlagnahmung des Albums Slime 1 förderten ihren Nimbus als Kämpfer gegen das System. Gleichzeitig wurde ihnen der kommerzielle Erfolg von Teilen der Punkszene zum Vorwurf gemacht. Dennoch stehen Slime bis heute sinnbildlich für den musikalischen Widerstand. Dieses Buch erzählt erstmals die ganze bewegte Geschichte der umstrittenen Band und ihres Umfelds: von Bandproben im Luftschutzbunker, von Hausbesetzungen in der Hamburger Hafenstraße, vom Aufstieg des FC St. Pauli vom Stadtteilklub zum gefeierten Kultverein, vom Ärger mit der Zensur und mit den Hells Angels. Daniel Ryser, geboren 1979, lernte das journalistische Handwerk beim St. Galler Tagblatt und arbeitete ab 2005 für fünf Jahre als Reporter für die Wochenzeitung WOZ. 2008 wurde er für ein Interview mit dem serbischen Fußballspieler Ivan Ergi? mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet. Im Echtzeit Verlag erschienen von ihm Feld-Wald-Wiese. Hooligans in Zürich und Yello – Dieter Meier und Boris Blank. Er lebt in Zürich und arbeitet als Reporter für Das Magazin.

Aleister Crowley: Tagebuch eines Narren
448 S., geb., Scipio 29,90 EUR
‘Jeder Mann und jede Frau sind ein Stern.’ AC Der vorliegende Roman, geschrieben vom “wickedest man in the world” (verderbtesten Mann der Welt), wie die britische Presse Aleister Crowley titulierte, erschien unter dem Titel “Diaries of a Drug Fiend” erstmals 1922. Aleister Crowley verarbeitet darin mehrere Jahre seines Lebens bis hin zu den Erfahrungen in der von ihm gegründeten Abtei Thelema auf Sizilien. ‘Tu was du willst, soll sein das ganze Gesetz.’ AC Die Neugestaltung einer Gesellschaft, die den individuellen Willen als höchste ethische Instanz ansieht, war für Crowley spätestens seit der Niederschrift des “Liber L. vel Legis” (Das Buch des Gesetzes, ca. 1904) höchstes Lebensziel. ‘Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen.’ AC Crowley war zunächst Mitglied des Golden Dawn, maßgeblichen Einfluß übte er später auf den O.T.O. aus. 1925 wurde er auf dem als Weida-Konferenz bekanntgewordenen Treffen europäischer Okkultisten gar als “Lehrer der Welt” ausgerufen.
‘Es gibt kein Gesetz jenseits von: Tu was Du willst.’ AC Bis an sein Lebensende vertrat Crowley vehement die “Thelema-Gesetze”. Edward Alexander “Aleister” Crowley (1875-1947) war ein bekannter Bergsteiger, Okkultist, Lebemann, Drogenkonsument, Sexualmagier und Literat. Heute wird er von vielen als Ahnvater der New-Age-Bewegung angesehen, von anderen als Begründer des Satanismus diffamiert. Auszug: „Als Ehemann war es meine Pflicht, so viele Juwelen für Lou zu kaufen wie ich mir leisten konnte. Andererseits mußte man vorsichtig sein. Ich kaufte die erwähnten Stücke, bezahlte sie und widerstand der Versuchung, eine grüne Krawattennadel mit einer Perle für mich zu kaufen, obwohl ich sie gern gehabt hätte, da sie mich jedes Mal, wenn ich sie angesteckt hätte, an Lous Augen erinnert hätte. Aber sie war wirklich ziemlich teuer, und Mr. Wolfe hatte mich ernstlich davor gewarnt, mich zu verschulden. Also bezahlte ich den Rest von dem Zeug und wir verschwanden. Wir überlegten uns, zum Essen in das Bois zu fahren; im Taxi nahmen wir noch etwas Schnee, und Lou fing an zu weinen, weil ich mir nichts gekauft hatte. Also nahmen wir noch etwas mehr Schnee. Wir hatten reichlich Zeit, denn niemand ißt vor zwei Uhr. Wir kehrten zum Juwelier zurück und kauften die grüne Perle, und das erregte Lou derartig, daß das Taxi zum Flugzeug wurde…“

Tarek Ehlail: Piercing is not a crime
33 bestechende Anekdoten aus dem Leben eines Bodypiercers

288 S., Pb. , Schwarzkopf & Schwarzkopf 2013 9,95 EUR
Piercing is not a crime lautet das Motto des Piercingstudios, in dem sich Schulabbrecher Tarek seine Brötchen verdient. Schnell wird ihm klar: Kaum ein Ort eignet sich besser für ausgiebige Sozialstudien – denn hier geben sich Menschen aller Altersklassen, sozialer Schichten und Nationalitäten die Klinke in die Hand und konfrontieren den jungen Piercer mit immer neuen, teilweise zweifelhaften Ansinnen. Aber auch die diversen Außeneinsätze haben es in sich: So wird Tarek zum Beispiel auf eine Piercingparty in einen Swingerclub gerufen, unternimmt eine Nadelstichexpedition ins Getto von Kairo und verhilft einem skurrilen SM-Pärchen im örtlichen Puff durch das Stechen eines Hodenrings zu einem ganz besonderen Start in die Ehe. Angesichts nekrotischer Brustwarzen, spritzender Eiterbrünnchen und versilberter Genitalien bewegen sich die 33 Geschichten für den Leser oft am Rande der Schmerzgrenze. Doch Tarek Ehlail führt ihn mit einer gesunden Portion Sarkasmus und erfrischender Ehrlichkeit durch jede noch so heikle Situation. Denn ein Piercer verliert auch bei den abenteuerlichsten Kundenwünschen nicht die Nerven – so ist der Job. TAREK EHLAIL, 31, lebt an der A7 zwischen Hamburg und der Saarprovinz. Seine Karriere verlief ungewöhnlich: Vom Schulabbrecher wurde er zum Piercer, vom Piercer zum Filmregisseur (Chaostage; Gegengerade). Der Autodidakt und Hansdampf in allen Gassen hegt den simplen Wunsch, schon mit 35 in Rente zu gehen und dann nur noch seinen Hund Gassi zu führen. Piercing is not a crime ist sein erstes Buch.

Frank Spilker: Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen
160 S., geb., Hoffmann & Campe 2013 19,99 EUR
Alles geht den Bach runter. Die Freundin ist weg, sein Graphikbüro in Hamburg pleite – Thomas Troppelmann wächst alles über den Kopf. Er setzt sich in den Zug, lässt sich durch Deutschland und durch seine Erinnerungen treiben, bis er sich in einem Kurort wiederfindet, in dem er schon als Kind nicht sein wollte … Frank Spilker, Kopf der legendären Hamburger Band “Die Sterne”, erzählt eine Geschichte vom Niedergang, und das so lässig und lakonisch, dass man seinem Helden liebend gern folgt. Beängstigende Anwandlungen plagen Thomas Troppelmann. Unvermittelt schlägt er sich durchs Walddickicht, während er eigentlich im Büro in Hamburg-St. Pauli sitzt. Seit ihn seine Freundin verlassen hat, läuft sein Leben aus dem Ruder. Die Aufträge zum Artwork von Plattencovern sind dramatisch geschwunden. Und jetzt wird er mit seinem Graphikbüro “Tropical Design” auch noch aus den Räumen geworfen, weil er es versäumt hat, den Mietvertrag zu verlängern. Da bleibt nur eins: rein in den Zug und raus aus Hamburg. Doch je länger die Fahrt dauert, desto unübersehbarer die Anzeichen, dass etwas Gespenstisches im Gange ist, dessen Ausmaße Thomas noch nicht einmal ahnt. Frank Spilker wurde 1966 in Herford geboren und lebt heute in Hamburg. 1987 gründete er die Band »Die Sterne«, die seit Anfang der 1990er mit Liedern wie »Was hat dich bloß so ruiniert« oder »Fickt das System« zu den einflussreichsten musikalischen Formationen in Deutschland zählt. Neben den »Sternen« betrieb Spilker auch Soloprojekte wie die »Frank Spilker Gruppe« und schrieb Filmmusik.

Heinz Strunk: Junge rettet Freund aus Teich
288 S., geb., Rowohlt 2013 19,95 EUR
Der Held dieses Romans heißt Mathias Halfpape, so wie Heinz Strunk auch, bevor er sich Heinz Strunk nannte. Erzählt wird eine Kindheit und frühe Jugend in Harburg und Umgebung; es ist ein wunderbarer, von Melancholie, Schmerz und Liebe erfüllter Rückblick, ein Buch, mit dem Heinz Strunk einen neuen Ton findet und sich ganz und gar treu bleibt.

Elisabeth Rank: Bist du noch wach?
256 S., geb., Bloomsbury 2013 17,99 EUR
Mit wem soll man darüber reden, dass es niemanden mehr gibt, mit dem man über alles reden kann? Rea und Konrad sind Mitbewohner – und die allerbesten Freunde. Doch je näher Reas 30. Geburtstag rückt, desto deutlicher spürt sie ihre Unzufriedenheit: Sie hat das Gefühl, alle Clubs gesehen, alle Erfahrungen gemacht und alle wilden, schönen Sonnenuntergänge erlebt zu haben. Permanent muss sie sich hinterfragen: Kommt jetzt der nächste Schritt? Was hat ihr die Stadt noch zu bieten? Konrad scheint seinen Weg bereits geplant zu haben: ohne Rea. Und er hat plötzlich eine Freundin; die erste in all den Jahren. Rea erträgt die neuen Schritte in der Wohnung nicht, die neuen Geräusche. Also flüchtet sie in die Sorglosigkeit eines Urlaubs – nur, um dort die Verfahrenheit ihrer Lage noch deutlicher zu spüren. Freunde: sie sind die Familie, die wir uns selbst aussuchen. Ihnen vertrauen wir oft mehr an als jedem anderen. Aber wie stabil sind unsere Wahlverwandtschaften? Elisabeth Rank schreibt nicht über den großen Streit, sondern über eine langsame Entwöhnung, ein Sich-Auseinanderleben mit dem eigenen Lebensplan. Elisabeth Rank wurde 1984 in Berlin geboren. Hier hat sie auch Publizistik, Kommunikationswissenschaften und Europäische Ethnologie studiert. Seit zehn Jahren schreibt sie als freie Autorin für verschiedene Magazine und Publikationen. Tagsüber ist sie außerdem als Kreative in Sachen Digitale Markenführung beschäftigt. Ihr erster Roman “Und im Zweifel für dich selbst” erschien 2010.

Andy Stanton: Mr. Gum und der sprechende Kirchturm
CD, Sauerländer Hörbuch 2013 12,95 EUR
Das neueste Hörbuch aus der Reihe um Mr. Gum. Zwar eigentlich für Kinder, aber gesprochen von Harry Rowohlt macht das auch Erwachsenen Spaß. Diese Reihe ist Kult! Der Geist des sagenumwobenen Mächtigen Fieslings ist nach Bad Lamonisch zurückgekehrt. Zumindest behauptet Uromimi, dass dieser ihr in einem Kirschbaum erschienen ist. Die gesamte Dorfbevölkerung folgt ihr in den Wald, um sich davon zu überzeugen. Und tatsächlich – der Kirschbaum redet. Alle sind sofort vom sprechenden Gehölz in den Bann gezogen. Nur Polly und Björn Schneyder zweifeln, denn der angebliche Fiesling klingt verdächtig nach Mr Gum …

Jeff Lindsay: Dexter
772 Minuten ungekürzte Lesung auf 1 MP3-CD, Radioropa 19,95 EUR
Ein Forensiker, der in seiner Freizeit blutige Selbstjustiz übt. Der bereits fünfte Teil der Romanreihe handelt von entführten Mädchen und Kannibalismus. Geschrieben sind diese Romane sehr schwarzhumorig und hatten auch TV-Serie großen Erfolg. Leider wurde die 5.Staffel als sie im letzten Jahr auf DVD erschien nirgendwo mehr groß beworben, was leider den Eindruck erweckte, dass das Interesse an „Dexter“ langsam sich bereits dem Ende neigt. Das ist aber schade, denn dieser Serienkiller ist uneingeschränkt zu empfehlen. Wenn man Dexter noch nicht kennt, sollte man mal zum Hörbuch greifen – aber wenn man ihn kennt ebenso.

Robert Pobi: Bloodman
5 CDs, Hörbuch Hamburg 2012 14,99 EUR
Niemand würde Jake Cole trauen. Das Leben auf der Straße hat ihn hart gemacht. Trotzdem ist er einer der besten Sonderermittler des FBI. Keiner versteht Tatorte so gut wie der Mann mit den vielen Tattoos. Doch dann tauchen die brutal zugerichteten Leichen einer jungen Frau und ihres Sohnes auf. Für Jake gibt es keinen Zweifel: Der Mörder seiner Mutter ist zurück. Die Jagd nach ihm treibt Jake an den Rand des Wahnsinns, denn der Bloodman kennt ihn gut. Besser als Jake sich selbst.

Max Landorff: Die Stunde des Reglers
CD, Argon 2012 19,95 EUR
Fass die Vergangenheit nicht an – du wirst es nicht überleben. Gabriel Tretjak hat sich in die Berge über dem Lago Maggiore zurückgezogen. Hier findet er die Ruhe, die er jetzt braucht – nachdem sein altes Leben in die Luft gesprengt worden ist. Doch dann taucht die Quantenphysikerin Sophia Welterlin auf und bittet ihn, den Regler, um Hilfe: Sie wird bedroht. Jemandem missfällt ihre Forschungsarbeit am Europäischen Kernforschungszentrum CERN. Tretjak ist bereit, in ihre Wirklichkeit einzudringen, solange ihn das von seiner eigenen ablenkt. Als er aber von den Toten erfährt, die ebenfalls Gabriel Tretjak geheißen haben, wird er tiefer in seine eigene Vergangenheit gezerrt, als ihm lieb ist.
Detlef Biestedt liest Max Landorffs Thriller »präzise scharf wie ein Fleischermesser« (Alex Dengler, denglers-buchkritik.de).

Wiebke Lorenz: Alles muss versteckt sein
9 ½ Std., MP3-Audio auf CD-ROM, Radioropa 2012 19,95 EUR
ABGRÜNDIG UND SUPERSPANNEND “Ihre Gedanken sind mörderisch, ihre eigene Angst davor unaussprechlich: Nach einem Schicksalsschlag erkrankt Marie an aggressiven Zwangsgedanken, betrachtet sich als Gefahr für sich selbst und andere. Monatelang kämpft sie gegen die grausamen Mordfantasien an, die wie Kobolde durch ihren Kopf spuken, ständig verbunden mit der Panik, sie könne diese furchtbar realen Fantasien eines Tages nicht mehr kontrollieren und in die Tat umsetzen. Und dieser Tag kommt, als Marie neben ihrem toten Freund erwacht, der mit einem Messer auf grausamste Weise niedergemetzelt wurde. Am Ende eines Gerichtsprozesses wird sie aufgrund ihrer Schuldunfähigkeit zum Maßregelvollzug in der forensischen Psychiatrie verurteilt. Dort sucht Marie verzweifelt nach Erinnerungen an die Mordnacht, denn für Marie selbst sind die Geschehnisse wie ausgelöscht. Nur ihr Arzt Jan scheint sie zu verstehen und ihr helfen zu wollen. Aber schon bald wächst in Marie der Verdacht, dass in Wahrheit vielleicht nichts so gewesen ist, wie es scheint …” Wiebke Lorenz, geboren 1972 in Düsseldorf, hat Anglistik, Germanistik und Medienkommunikation studiert und bei verschiedenen Zeitschriften, Rundfunk- und Fernsehsendern gearbeitet. Heute arbeitet sie als freie Journalistin und Autorin in Hamburg.

Hugh Howey: Silo
544 S., geb., Piper 2013 19,99 EUR
Seit Generationen leben die Menschen unter der Erde. Was aber, wenn das Leben im Silo nicht das ist, was es zu sein scheint? Was, wenn der Blick nach draußen nicht durch eine Scheibe, sondern auf einen Bildschirm fällt? – Dann wird Neugier lebensgefährlich. Selbst für Juliette Nichols, die für die Sicherheit im Silo verantwortlich ist … Drei Jahre nach dem mysteriösen Tod seiner Frau Allison setzt Sheriff Holston seiner Aufgabe ein Ende und entschließt sich, die strengste Regel zu brechen: Er will das Silo verlassen. Doch die Erdoberfläche ist hoch toxisch, ihr Betreten bedeutet den sicheren Tod. Holston nimmt das in Kauf, um endlich mit eigenen Augen zu sehen, was sich hinter der großen Luke befindet, die sie alle gefangen hält. Seine Entdeckung ist ebenso ungeheuerlich wie die Folgen, die sein Handeln nicht zuletzt für seine Nachfolgerin Juliette hat … Hugh Howeys verstörende Zukunftsvision ist rasanter Thriller und faszinierender Gesellschaftsroman in einem. »Silo« handelt von Lüge und Manipulation, Loyalität, Menschlichkeit und der großen Tragik unhinterfragter Regeln. Hugh Howey, Jahrgang 1975, verdiente sein Geld als Skipper, Bootsbauer, Dachdecker und Buchhändler, während er nebenbei seinen ersten Roman schrieb. Mit dem von ihm im ebook selbst verlegten Thriller »Silo«, der als Erzählung gedacht war und so überwältigend viele Leser fand, dass schließlich ein ganzer Roman daraus wurde, gelang ihm der internationale Durchbruch. Hugh Howey lebt mit seiner Frau in Jupiter, Florida.

Madison Smartt Bell: Die Farbe der Nacht
240 S., geb., Liebeskind 2013 18,90 EUR
»Wie mein Herz frohlockte, als die Türme einstürzten!« Tagsüber arbeitet Mae als Croupière in einem Casino in Nevada, nachts streift sie allein durch die Wüste. Als sie im Fernsehen einen Bericht über den Anschlag auf das World Trade Center sieht, werden alte Erinnerungen wach. Die Kamera fängt das Bild einer Frau ein, die verletzt auf dem Bürgersteig kniet. Blut läuft ihr aus den Mundwinkeln, wie damals, als Mae sie das letzte Mal sah, doch nicht aus denselben Gründen. Dreißig Jahre zuvor waren Mae und Laurel Teil einer Hippie-Kommune, die grausame Morde beging. Als die Kommune von der Polizei ausgehoben wird, können Mae und Laurel als Einzige fliehen. Beide gehen mit falscher Identität in den Untergrund, ihre Wege trennen sich … bis die Schatten der Vergangenheit sie einholen. Nach dem Einsturz der Zwillingstürme packt Mae ihr Gewehr und macht sich auf den Weg nach New York. Denn niemand kann seinem Schicksal entkommen. Madison Smartt Bell wurde 1957 in Nashville, Tennessee geboren. Er studierte Literaturwissenschaften in Princeton und lebte danach als freier Autor einige Jahre in London und New York. Er lehrte Kreatives Schreiben an verschiedenen amerikanischen Universitäten, u.a. am renommierten Iowa Writers’ Workshop und der Johns Hopkins University, zurzeit ist er Professor für Englische Literatur am Goucher College in Virginia. Seit 1983 hat Madison Smartt Bell 13 Romane veröffentlicht, bekannt wurde er mit seiner monumentalen, von der Presse gefeierten Roman-Trilogie über die Haitianische Revolution. Er lebt in Baltimore.

Daniel Woodrell: Der Tod von Sweet Mister
192 S., geb., Liebeskind 2012 16,90 EUR
Ein Sommer wie ein schleichender Übergang ins Verhängnis. Der dreizehnjährige Shug Akins wächst auf dem weiten Ozark-Plateau im Süden Missouris heran, ein Außenseiter inmitten der maroden Sehnsüchte des amerikanischen Hinterlands. Seine Mutter Glenda, eine verblühende Schönheit, hängt an der Flasche, während sein Vater Red die Familie mit unberechenbarer Gewalt tyrannisiert. Als Red beginnt, Shug zu Einbrüchen anzustiften, gerät das labile Gleichgewicht ins Schwanken. Shug lernt zu stehlen, zu lügen – und aufzubegehren. Gerade da taucht Jimmy Vin Pearce auf, mit seinem grünen Ford Thunderbird und der Verheißung auf eine andere, bessere Welt. Doch als Glenda sich mit ihm einlässt, entlädt sich ein lange unterdrücktes Gemisch aus Eifersucht und Hass, und der Traum von der Lebensflucht wird zur tödlichen Falle … Mit der Unausweichlichkeit einer antiken Tragödie beschreibt Daniel Woodrell die Eskalation menschlicher Passion in urwüchsige Gewalt. Mit jeder neuen Seite verwischt er die Grenzen zwischen Notwehr und Mord, Rache und Befreiung – und führt seine Figuren an jenen unheilvollen Scheidepunkt, an dem das letzte Opfer auf dem Weg zur Erlösung die eigene Unschuld ist. Daniel Woodrell, 1953 geboren, wächst in St. Louis und Kansas City auf. Mit siebzehn verlässt er die Highschool und meldet sich bei den Marines. Nach dem College nimmt er am renommierten Iowa Writers’ Workshop teil. Sein Romandebüt »Cajun-Blues« erscheint 1986. Für den Roman »Tomato Red« erhält er 1999 den Preis des amerikanischen P.E.N., im selben Jahr verfilmt Ang Lee seinen Roman »Wer mit dem Teufel reitet«. 2010 wird die Verfilmung von »Winters Knochen« beim Sundance Film Festival als bester Film ausgezeichnet und für vier Oscars nominiert. Daniel Woodrell lebt mit seiner Frau in Missouri.

Edward Lee: Flesh Gothic
448 S., Pb., Festa 2012 13,95 EUR
Dein eigen Fleisch sei der Tempel des Bösen … Das Luxusanwesen von Reginald Hildreth in Florida war berüchtigt. Die schlimmsten Orgien sexueller Tortur sollten darin stattfinden. Und tatsächlich: Als die Beschwörung des Dämons Belarius misslingt, bleiben von den 26 Gästen nur Fleischfetzen zurück – und der Hausherr ist spurlos verschwunden. Seine Frau kann das alles nicht glauben. Deshalb heuert sie eine Gruppe übersinnlich begabter Menschen an, die die Vorfälle untersuchen sollen. Doch das finstere Labyrinth der 66 Zimmer wird von gefährlichen Kreaturen heimgesucht. Ereignete sich doch kein »magischer Unfall«, sondern hat Hildreth erreicht, was er beabsichtigte? Wurde ein Tor zur Hölle geöffnet? Schlimmer als der Marquis de Sade. Himmel, woher hat Lee solche Ideen? Der Verlag warnt ausdrücklich: Edward Lee ist der führende Autor des Extreme Horror. Seine Werke enthalten überzogene Darstellungen von sexueller Gewalt. Wer so etwas nicht mag, sollte die Finger davon lassen. Für Fans dagegen ist Edward Lee ein literarisches Genie. Er schreibt originell, verstörend und gewagt – seine Bücher sind ein echtes, aber schmutziges Erlebnis.

Edward Lee: Der Besudler auf der Schwelle
Ein pornografischer Cthulhu-Mythos Roman

352 S., geb., Festa 39,95 EUR
Leider nicht bei uns, sondern nur beim Verlag direkt zu beziehen: http://www.festa-verlag.de
Hazel Greene ist nicht nur eine Nymphomanin, sie steht zudem auf die irrsinnigsten Fetische, die man sich nur vorstellen kann. Das verkompliziert ihr Leben schon mehr als genug. Doch als sie die attraktive (und hochschwangere) Lehrerin Sonia Heald auf einem Ausflug in die einsamen Wälder New Englands begleitet, wird sie in einen Strudel aus lüsternem Wahnsinn und sexueller Abartigkeit gerissen. Warum brachte sich der Vorbesitzer der Waldhütte um? Was hat es mit den Andeutungen über den »leuchtenden Trapezoeder« auf sich? Ist para-dimensionaler Sex möglich? Hazel hat nie an Geister und Dämonen geglaubt – und schon gar nicht, dass sie es mal mit ihnen treiben wird … Hier ist sie, die genial-perverse Fortsetzung von H. P. Lovecrafts Erzählung ›The Haunter of the Dark‹, wie sie nur der obszöne Provokateur Edward Lee schreiben konnte. Zweifellos einer der versautesten Romane aller Zeiten. Horror goes Porno.
Achtung: Dieser Privatdruck hat keine ISBN. Er gelangt also nicht in den offiziellen Buchhandel. Dieses Buch gibt es nur beim Festa Verlag.

Wayne Simmoni: Zum Sterben schön (Zombie-Roman)
280 S., Voodoo Press 2012 12,95 EUR
Ein Sonntagmorgen im Frühling: Gerade will Star ihren ersten Kunden für heute tätowieren, als die Welt urplötzlich in eine üble Schieflage gerät. Belfasts verkaterte Nachteulen fallen in einen noch tieferen Schlaf als gewöhnlich, und Sekundentode verursachen ein heilloses Verkehrschaos, Brände und Flugzeugabstürze. In den Nachwehen des Chaos begibt sich eine Gruppe Überlebender auf Sinnsuche durch die postapokalyptische Stadt. Der alternde Radiomoderator Sean Magee findet sein Heil zusammen mit Jungfrauenkiller Barry Rogan in einer Hotelbar. Die ehemalige IRA-Aktivistin Mairead Burns und Soldat Roy Beggs verbünden sich zwangsläufig, um Ordnung in eine Kommune zu bringen, während andernorts ein geheimnisvoller Prediger verstörte Überlebende aus den Schatten lockt, indem er ihnen Erlösung verspricht.

Adam Nevill: Der letzte Tag
592 S. , Heyne 2013 14,99 EUR
Kyle Freeman, ein aufstrebender junger Dokumentarfilmer, erhält das beste Angebot seines Lebens: Er soll einen Beitrag über eine mysteriöse Sekte drehen, deren Mitglieder zusammen mit ihrer Anführerin Schwester Catherine ein grausames Ende fanden. Kyle und sein Kameramann Dan gehen an die Arbeit, doch bald machen seltsame Geräusche und merkwürdige Erscheinungen die Dreharbeiten zum Horrortrip. Schwester Catherine mag zwar tot sein, das hält sie aber noch lange nicht davon ab, Dan und Kyle die Hölle auf Erden zu bereiten …

Susanne Picard: Dunkelmond
496 S., Bastei Lübbe 2013 15,00 EUR
Die Elben haben die Welt mit Krieg überzogen und die Menschheit versklavt. In dieser finsteren Zeit verdingt sich die junge Sanara als Schankmädchen in einem Wirtshaus. Niemand ahnt, welche Fähigkeiten sie verbirgt: Sanara gebietet über die Magie der Seelen und sie könnte deshalb der Schlüssel zum Frieden sein. Denn einer Legende nach, kann nur eine Seelenherrin die Völker versöhnen und die Menschen aus der Sklaverei befreien. Susanne Picard ist eine der großen neuen Fantasy- und Genreautorinnen, die es lohnt zu lesen.

Grabeskalt
Klassische Horror- und Schauergeschichten.
Friedhof der Kuscheltiere – Frankenstein – Dracula

7 CDs, Der Hörverlag 2012 19,99 EUR
Was ist besser, als Horrorgeschichten zu lesen? Horrorgeschichten zu hören! Wenn das Grauen unter die Bettdecke kriecht und in der Phantasie die Figuren ein Eigenleben bekommen, wenn die Musik eine bedrohliche Atmosphäre aufbaut und das Wolfsgeheul durchs Zimmer hallt, ist an Schlafen nicht mehr zu denken. Aber wer will schon schlafen, wenn er die Nacht stattdessen bei wohliger Gänsehaut mit dem Fürst der Vampire oder Frankensteins Monster verbringen kann?

Enthält:
Stephen King, Friedhof der Kuscheltiere
Bram Stoker, Dracula
Mary Shelley, Frankenstein

Stephen King, 1947 in Portland, Maine, geboren, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Schon als Student veröffentlichte er Kurzgeschichten, sein erster Romanerfolg, “Carrie”, erlaubte ihm, sich nur noch dem Schreiben zu widmen. Seitdem hat er weltweit 400 Millionen Bücher in mehr als 40 Sprachen verkauft. Im November 2003 erhielt er den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk. Mary Wollstonecraft Shelley (1797-1851) wurde im englischen Somers Town geboren. 1814 folgte sie dem Dichter Percy Bysshe Shelley auf den Kontinent und lebte dort mit ihm zusammen. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete sie ihn 1816. Gemeinsam mit Lord Byron unternahmen beide eine Schweizreise, während der der Roman «Frankenstein» entstand. Percy Shelley starb bereits 1822; daraufhin kehrte Mary Shelley nach England zurück und widmete sich ganz der Herausgabe der Werke ihres Mannes.
Abraham Stoker, geboren 1847 in Dublin, war bis zu seinem achten Lebensjahr durch eine Krankheit ans Bett gefesselt. Nach Abschluss seines Studiums begann er zunächst eine Beamtenlaufbahn, zog aber bald nach London, wo er 27 Jahre lang als Sekretär und Manager des Shakespeare-Darstellers Henry Irving tätig war. 1912 starb Stoker arm und unbekannt in London, genau zehn Jahre bevor sein Dracula durch Murnaus Film Nosferatu zum dunkelsten Held der Weltliteratur wurde. Heute kennt man Bram Stoker fast ausschließlich als den geistigen Vater von Dracula, obwohl er auch Kurzgeschichten, Theaterkritiken, Vorträge und 16 weitere Romane verfasste. Felix von Manteuffel, geboren 1945, steht seit über 30 Jahren auf den großen Bühnen. Daneben ist er regelmäßig im Fernsehen zu sehen und spielte im Kinofilm “Requiem für eine romantische Frau”. Seine markante Charakterstimme ist aus zahlreichen Hörbüchern bekannt. Konstantin Graudus absolvierte seine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg. Seit 1989 ist der populäre Schauspieler in vielen Filmen zu sehen, u.a. in “Curiosity and the Cat”, “Sissy” und “C’est la vie” unter der Regie von Daniel Cohn-Bendit. Darüber hinaus spielte er in unzähligen TV-Serien wie z.B. “City Express”, “Großstadtrevier”, “Für alle Fälle Stefanie”, “Balko”, “Doppelter Einsatz”, “Non Stop Comedy”. Von 1990 bis 1993 war er u.a. unter der Regie von Ulrich Heising, Peter Löscher und Michel Bogdanov am Deutschen Schauspielhaus Hamburg tätig. Außerdem ist er ein gefragter Synchron- und Hörbuchsprecher, seine Stimme ist u.a. in den Hörspielen “Herr Lehmann” von Sven Regener, “Der Zauberberg” von Thomas Mann oder “Das Glasperlenspiel” von Hermann Hesse zu hören. Andreas Fröhlich, bekannt geworden durch seine Rolle als Bob Andrews in „Die drei ???”, ist auch als Synchronsprecher (John Cusack, Edward Norton und Gollum aus „Herr der Ringe”) sehr erfolgreich. Für Random House Audio hat er u.a. Teil 1-3 der Eragon-Saga gelesen. László Kish, geboren 1957 in Basel, ist seit über 30 Jahren auf Theaterbühnen in Deutschland und der Schweiz zu sehen. Außerdem hat er in vielen Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt. Bekannt wurde Kish durch seine Rolle als Tatort-Kommissar von Burg. Jens Wawrczeck wurde 1963 in Dänemark geboren und begann bereits mit elf Jahren eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. Beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg stand er u. a. für Astrid Lindgrens Die Brüder Löwenherz vor dem Mikrofon. Seit Beginn der Serie ist er die Stimme von Peter Shaw in Die drei ???. Seine schauspielerische Ausbildung erhielt Jens Wawrczeck in Hamburg, New York und Wien. Für seine Rolle als Edgar in King Lear bekam Jens Wawrczeck 1995 den Hersfeldpreis der Kritiker sowie den Publikumspreis. Zahlreiche Auszeichnungen folgten für seine Hörspielaufnahmen. Bis heute ist Jens Wawrczeck dem Medium Hörspiel treu geblieben und findet dort immer wieder Möglichkeiten, die unterschiedlichsten Charaktere zu gestalten, wie z.B. in Erebos von Ursula Poznanski sowie in Baudolino und Der Friedhof von Prag von Umberto Eco. Unter seinem Hörbuchlabel AUDOBA veröffentlicht er eigene Produktionen und ist außerdem immer wieder auf der Bühne zu sehen. Aktuelles unter http://www.jenswawrczeck.de Christian Redl, geboren 1948 in Schleswig, gehörte – nach der Schauspielausbildung in Bochum und Engagements in Wuppertal, Bremen und Frankfurt – von 1980 bis 1993 dem Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg an, arbeitete mit Peter Zadek und Luc Bondy zusammen. Nach seiner ersten Kino-Hauptrolle in Uwe Schraders ‘Sierra Leone’ (1987) war Christian Redl auch verstärkt in Kino und TV zu sehen, so z. B. in ‘Bunte Hunde’ (1995). Für seine Rollen in ‘Der Hammermörder’ (1989) und ‘Angst’ (1994) wurde er jeweils mit dem “Adolf-Grimme-Preis” ausgezeichnet. Seine Stimme lieh der Schauspieler dem Hörverlag bereits für Moritz Rinkes “Die Nibelungen” und J.R.R. Tolkiens “Der Herr der Ringe” und Leon de Winters “Malibu”. Hansa Czypionka wurde 1958 in Sandhorst bei Aurich in Nierdersachsen geboren. Er ist ein deutscher Schauspieler, der hauptsächlich in Fernsehrollen zu sehen ist. Bekannt wurde er u. a. durch seine Rolle als Privatdetektiv in Doris Dörries Happy Birthday, Türke, für die er 1992 den Bayrischen Filmpreis bekam. Czypionka spielte in dem für einen Oscar nominierten Film Jenseits der Stille und Im Winter ein Jahr von Caroline Link mit.

Dark Mysteries: Narbenherz
CD, Winterzeit 8,99 EUR
Horrorthriller Inszenierte Lesung; ERWACHSENE – ab 16 Jahren
Nach einer Idee von Patrick Savage, ca. 56 Minuten
Eine sehr gut gemachte Horror-Reihe, die man sich mal anhören könnte. „Narbenherz“ ist die fünfte Geschichte in dieser Reihe: 13. Januar 1993: Er hat mir sein Herz geschenkt – wie schon sechs vor ihm. Jetzt brauche ich nur noch drei – dann erfüllt sich mein Schicksal.

Daniel Kulle: Ed Wood – Trash und Ironie
200 S., Bertz und Fischer 2012 19,90 EUR
Edward D. Wood jr., so lautet ein populäres Urteil, ist der schlechteste Regisseur aller Zeiten. Und dieser Titel ist nicht einmal ungerechtfertigt: Seine Filme strotzen vor handwerklichen Fehlern, Patzern und logischen Umgereimtheiten. Wackelnde Pappkulissen, nuschelnde Schauspieler oder selbstgebastelte Special Effects unterscheiden sich so gründlich von der herkömmlichen Hollywoodästhetik, dass es Spaß macht, diese Filme als Trash zu genießen. Das Buch geht am Beispiel Ed Woods der Frage nach, was eine Rezeption von schlechten Filmen als Trash bedeutet: Warum sind Filme wie GLEN OR GLENDA (1953), BRIDE OF THE MONSTER (1955) oder PLAN 9 FROM OUTER SPACE (1959) nicht nur schlecht, sondern grandios schlecht? Was heißt es, einen Film als Trash ab- und ihn im selben Zug ironisch aufzuwerten? Welche ästhetischen Merkmale sind es, die eine solche Rezeption begünstigen? Ausgehend von einer kulturellen Theorie des Mülls und einer romantischen Konzeption von Ironie entwickelt der Autor eine Theorie des Trash, die sich aus einer Ästhetik des Inkonsistenten, des Billigen und Dilettantischen ergibt. Und er klärt die Frage, wie Filme so schlecht sein können, dass sie schon wieder gut sind. Daniel Kulle war wissenschaftlicher Mitarbeiter der Film- und Medienwissenschaft in Zürich und Bonn und forschte zu Trash und Exploitation, Raumtheorie, Queer Cinema und transmedialem Erzählen. Dissertation über Ed Wood und den Trash. Derzeit bereitet er in Hamburg ein Forschungsprojekt zur Kinästhetik des Actionfilms vor.

J. W. Rinzler: Star Wars
Entstehungsgeschichte, Hinter den Kulissen, Blaupause

336 S., geb., Panini 149,00 EUR
Die Star-Wars-Saga ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Phänomen in der Geschichte des SciFi-/Fantasy-Films. Ebenso phänomenal und einzigartig sind die vielen Geschichten, die sich hinter den Kulissen abspielten und von denen jede für sich zur Genese eines beispiellosen Kults beitrug. Dieser reich bebilderte großformatige Band gewährt einen ganz besonderen Einblick in das Star-Wars-Universum. Von den Anfängen Mitte der 70er-Jahre bis zum Abschluss der neuen Trilogie bietet das Star-Wars-Buch exklusive Hintergründe mit unzähligen Fotos und Anekdoten sowie jeder Menge original Blaupausen und Bauanleitungen aus einer weit, weit entfernten Galaxie. Großformat: 31,5 x 37,5 cm, über 500 Fotos und Illustrationen, über 250 Pläne, Zeichnungen und Entwürfe der Figuren, Schiffe und Sets! 10 große Faksimiles der einfallsreichsten Erfindungen der Saga, Sammlerausgabe, nummeriert und limitiert auf 1977 Exemplare!

Henning Engelke (Hrsg.): Film als Raumkunst
Historische Perspektiven und aktuelle Methoden

368 S., Schüren 2011 38,00 EUR
Die Auseinandersetzung mit filmischer Raumkonstruktion zieht sich wie ein roter Faden durch die Theoriegeschichte des Films. Bereits 1916 entwarf Hugo Münsterberg ein Modell filmischer Darstellungsformen in räumlichen Begriffen. Von den klassischen Filmtheorien Rudolf Arnheims, Béla Balázs’, André Bazins oder Siegfried Kracauers, über die semiotisch-psychoanalytische Ideologiekritik der 1970er Jahre bis hin zu phänomenologischen Ansätzen oder Gilles Deleuzes philosophischer Kinotheorie bildete der Raum einen zentralen Aspekt filmtheoretischer Diskurse. Der Band Film als Raumkunst greift die fruchtbaren Ansätze der älteren Forschungstradition wieder auf und setzt sie zugleich kritisch in Beziehung zu den neueren Richtungen. Auf dieser Grundlage eröffnen sich neue Perspektiven für eine Auseinandersetzung mit kinematographischer Räumlichkeit auch im Rahmen einer kunsthistorischen Bildwissenschaft. Neben den historischen Erscheinungsformen und theoretischen Implikationen filmischer Raumkonstruktion thematisieren die Beiträge des Bandes methodische Voraussetzungen einer kunsthistorischen Filmanalyse in der Auseinandersetzung mit den Disziplinen Film- und Medienwissenschaft, Literaturwissenschaft, Philosophie und Musikwissenschaft. Die Fallstudien und theoretischen Untersuchungen des Bandes reichen vom frühen Film bis hin zu den Ästhetiken von Videospielen und computergenerierten Bildern; die narrativen Raumkonstruktionen des Spielfilms werden ebenso berücksichtigt wie Positionen der Filmavantgarde und Videokunst.

Gunnar Landsgesell, u.a.: Real America – Neuer Realismus im US-Kino
208 S, Schüren 2012 19,90 EUR
Als vor wenigen Jahren zum ersten Mal neue US-amerikanische Independent-Filme für internationale Aufmerksamkeit sorgten, ahnte kaum jemand, dass das zeitgenössische US-Kino zu einem künstlerischen Höhenflug ansetzen würde: Ein neues, realistisches Kino, das einen unverstellten Blick auf amerikanische Lebensverhältnisse warf, brach sich Bahn. Seither tauchen, quer über die Vereinigten Staaten verstreut, Namen und Filme auf, die sich auf eindringliche und innovative Weise dem Alltag der Menschen in ihrer Heimat stellen: Debra Granik, Kelly Reichardt, Ramin Bahrani, Courtney Hunt, Matthew Porterfield und noch einige andere werfen einen neuen Blick auf die amerikanische Wirklichkeit. Real America nähert sich diesem Kino anhand thematischer und ästhetischer Kriterien: Anhand dreier ausführlicher Essays widmet sich das Buch dem produktionstechnischen Hintergrund der Filme und ihren internationalen Erfolgen, analysiert das gesellschaftspolitische Umfeld der Erzählungen und deren bis zum italienischen Neoverismo zurückreichende, realistische Tradition, und beleuchtet nicht zuletzt die für die Filme wichtigen Schauplätze, die der klassischen amerikanischen Landschaftsdarstellung eine neue Richtung geben. Real America ist die erste in Buchform erscheinende, umfassende Untersuchung des jungen amerikanischen Independentfilms und wird durch eine ausführliche Filmografie mit Einzelanalysen der wichtigsten Filme vervollständigt. Behandelte Filme (Auswahl): First, Last and Deposit (Peter Hyoguchi, 2000) | George Washington (David Gordon Green, 2000) | Mountain State (Bill Brown, 2003) | Down to the Bone (Debra Granik, 2004) | In Between Days (So Yong Kim, 2006) | Hamilton (Matthew Porterfield, 2006) | Half Nelson (Ryan Fleck, Anna Boden, 2006) | Chop Shop (Ramin Bahrani, 2007) | Shotgun Stories (Jeff Nichols, 2007) Off the Grid: Life on the Mesa (Jeremy and Randy Stulberg, 2007) | Below Sea Level (Gianfranco Rosi, 2008)| Frownland (Ronald Bronstein, 2008) | Frozen River (Courtney Hunt, 2008) | Winter’s Bone (Debra Granik)

Thorolf Lipp: Spielarten des Dokumentarischen
Einführung in Geschichte und Theorie des Nonfiktionalen Films

144 S., Buch und DVD, Schüren 2012 19,90 EUR
Der Nonfiktionale Film fasziniert durch seine enorme Bandbreite an Subgenres. Man redet unter anderem von Dokumentarfilm, Dokumentation, Langzeitbeobachtung, ethnographischem Film, Feature, Reportage, Doku, Doku-Drama, Docutainment oder Mockumentary. Aber bezeichnen diese Begriffe wirklich alle eine eigenständige dramaturgische Form? In dieser kompakten, multimedialen Einführung in Geschichte und Theorie des Nonfiktionalen Films wird die These vertreten, dass es im Grunde nur fünf Spielarten des Dokumentarischen gibt, die durch deutlich voneinander unterscheidbare narrative Strukturen gekennzeichnet sind. In der Reihenfolge ihres historischen Auftretens sind dies:

1. Plotbasierter Dokumentarfilm (um 1920)
2. Nonverbaler oder Symphonischer Dokumentarfilm (um 1925)
3. Documentary (um 1930)
4. Direct Cinema (um 1960)
5. Cinéma Vérité (um 1960)

Diese Spielarten werden anhand von fünf frühen Filmen, die zu stilbildenden Prototypen wurden, vorgestellt und analysiert: Welche Zusammenhänge gibt es zwischen den historischen Bedingungen, den jeweils verfügbaren technischen Möglichkeiten und den daraus resultierenden narrativen Strukturen? Welche Themen lassen sich mit welchen Formen besonders gut umsetzen, welche kommunikativen Ziele besonders gut erreichen? Auf der fast dreistündigen Begleit-DVD wird die These des Buches anhand einer Fülle an klassischen und zeitgenössischen Filmausschnitten vertieft und veranschaulicht. Überdies wurde zu den fünf Prototypen je ein Beispielfilm zum gleichen Thema „Tankstelle” produziert. Einerseits wird so die Bandbreite nonfiktionaler Filmdramaturgie schematisch deutlich. Durch die thematische Übereinstimmung wiederum, werden die Stärken und Schwächen eines jeweiligen Ansatzes gut erkennbar. Als Einstiegslektüre für Studierende an Universitäten, Fach- und Filmhochschulen konzipiert, richtet sich dieses Projekt gleichwohl auch an alle Filminteressierten, die nach einer kompakten, multimedialen Einführung in Geschichte und Theorie des nonfiktionalen Films gesucht haben

COMICS

Jose-Louis Boquet , Catel Muller :
Die Frau ist frei geboren – Olympe de Gouges

480 S., geb., Splitter 2013 36,80 EUR
Von Montauban 1748 bis zum Pariser Schafott 1793: Fünfundvierzig Jahre des außergewöhnlichen Lebens einer Frau und die Erfindung einer neuen Idee in Europa: der Kampf für die Rechte der Frauen. In einer bürgerlichen Familie in der Provinz geboren, vermutlich als uneheliches Kind eines Dramatikers, hat Marie Gouze, genannt Olympe de Gouges, die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts durchquert, wie es nur wenige Frauen taten. Als Schriftstellerin und engagierte Polemikerin grenzt sie sich durch ihren unabhängigen Geist und die mitunter radikale Originalität ihrer Standpunkte ab. Sie setzt sich für die Abschaffung der Sklaverei und insbesondere für die bürgerlichen und politischen Rechte der Frauen ein. Wegen ihrer Ablehnung von Robespierre und den Verfechtern der Revolution wird sie während der Terrorherrschaft guillotiniert. Catel und Bocquet schildern in romanhafter und doch historisch präziser Weise das Leben dieser besonderen Frau, deren Ideale ihrer Zeit voraus waren und die Kernwerte unserer heutigen Gesellschaft bilden. Ein wunderbares Frauenporträt und eine leidenschaftliche Hommage an eine der wichtigsten Figuren des Feminismus.

Jeff Lemire: The Nobody
144 S., Panini 2013 19,95 EUR
In der kleinen Stadt Large Mouth ist nie viel los – bis Griffen auftaucht, ein Fremder, der von Kopf bis Fuß in Mullbinden eingewickelt ist. Getrieben von Neugier entdeckt ein einsames junges Mädchen namens Vickie die tragische Geschichte seiner Vergangenheit und des bizarren Unfalls, der ihn grausam entstellt hat. Aber verbergen die Bandagen mehr als nur Narben? Als sich eine Reihe von Verbrechen ereignet, wendet sich das ruhige Stadtvolk gegen Griffen, jagt ihn und droht, ein schockierendes Geheimnis zu enthüllen. Eine Graphic Novel in Schweiß, Weiß und Blau. THE NOBODY greift H.G. Wells’ klassische Figur aus The Insivible Man auf und versetzt sie in eine moderne Kleinstadt, um mit ihm als Chiffre Themen wie Identität, Furcht und Paranoia auszuloten und die Art, wie sie eine kleine Gemeinschaft auf sich selbst zurückwerfen und selbst die unschuldigsten Freundschaften zerstören können. Jeff Lemire ist der Schöpfer der gefeierten, für den Eisner- und einen Harvey Award nominierten Essey-County-Trilogie und von SWEET TOOTH. Jeff Lemire, geboren 1976 am Eriesee in Kanada, ging zunächst zur Filmhochschule, doch da er ein eher stiller Mensch ist, entschied er sich schließlich für die Comics. In dieser Branche ist er einer der bemerkenswertesten Newcomer der vergangenen Jahre. Bereits für seinen Erstling Lost Dogs erhielt er den Xeric Award. In den Jahren 2008 bis 2009 folgte die Trilogie Essex County für Top Shelf, die für einen Eisner und einen Harvey Award nominiert wurde und mehrere weitere Preise und Nominierungen erhielt. Die Verfilmung des ersten Teils von Essex County ist in Vorbereitung. Bei Vertigo erscheint seit 2009 seine Scifi-Reihe Sweet Tooth, und außerdem arbeitet er intensiv am Relaunch des DC-Universums mit: Animal Man, Superagent Frankenstein und Justice League Dark zahlen zu den bei Publikum und Kritik beliebtesten Serien. Bei Top Shelf ist zuletzt seine Graphic Novel Underwater Welder erschienen. Jeff Lemire lebt in Toronto/Kanada mit Frau und Sohn.

Jean Philipps / Ed Brubaker: Fatale
Bd. 1: Den Tod im Nacken

136 S., Panini 2013 16,95 EUR
Nichts, was das preisgekrönte Team von CRIMINAL und INCOGNITO bisher produziert hat, konnte Sie auf FATALE vorbereiten. Nicolas Lash stolpert über ein Geheimnis, das ihn auf einen unvorstellbar dunklen Pfad führen wird … hin zu einer verführerischen und ewig jungen Frau, die seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts auf der Flucht ist. Und im San Francisco der 1950er Jahre begegnet der Reporter Hank Raines derselben Frau und bekommt es plötzlich mit einem korrupten Cop und einem Mann zu tun, der mehr Monster als Mensch ist. Aber wer ist Josephine und was ist ihr Geheimnis? Und wie viele Männer werden für sie sterben und töten? FATALE verschmilzt Noir- und Horrorelemente zu einer fesselnden Saga, die ihresgleichen sucht. „Es dürfte schwer sein, in der Comic-Branche aktuell ein besseres Team als Brubaker und Phillips zu finden.“ – Comic Aliance „FATALE ist unheimlich, brillant und möglicherweise das Beste, was Ed Brubaker und Sean Phillips je gemacht haben. Und das will schon etwas heißen.“ – IGN „Fatale ist nicht nur eine einzigartige Variation des Genres, sondern der Beginn von etwas völlig Neuem, das die Welt noch nicht gesehen hat.“ – Broken Frontier

Jeff Lemire: Superagent Frankenstein
Bd. 1: Die Auferstehung der Toten

224 S. , Panini 2013 19,95 EUR
Die “Superhumane & absonderliche Defensiv-Exekutive” S.H.A.D.E. schützt die Welt vor Gefahren, von denen nur wenige wissen. Außerdem ist S.H.A.D.E.s bester Agent im Kampf gegen Ungeheuer und Abartigkeiten selbst ein Monster: Frankenstein! Der untote Prinz der Vergeltung ist die Geheimwaffe im Ringen mit der Finsternis. Und oft die letzte Hoffnung der Menschheit …

Robert Kirkmann: Dieb der Diebe
Bd. 1: Ich steige aus

152 S., Panini 2013 16,95 EUR
Conrad Paulson lebt ein gefährliches Doppelleben. Denn in Wahrheit ist er der legendäre Meisterdieb Redmond. Es gibt nichts, was er nicht stehlen kann. Nichts, was er nicht haben kann. Außer das private Glück, das er hinter sich zurückließ. Welcher Coup kann Redmond retten, wenn die Kluft zwischen ihm und seiner Ex-Frau immer größer wird, sein Sohn im Gefängnis landet und das FBI den brillanten Dieb ein für alle Mal dingfest machen will? Für alle Fans von CRIMINAL und Ocean’s Eleven. Dieser Band versammelt die US-Hefte 1-7 der neuen Top-Serie von Bestseller-Autor Robert Kirkman (The Walking Dead, Invincible) und Nick Spencer (Morning Glories), mit Artwork von Noir-Spezialist Shawn Martinbrough (THE LOSERS, MARVEL NOIR: LUKE CAGE). ROBERT KIRKMAN veröffentlichte ab dem Jahr 2000 erste Comics im Eigenverlag, ehe er zum US-Verlag Image wechselte. Dort erschienen seither Titel wie Tech Jacket, Invincible, The Astounding Wolf-Man, HAUNT und natürlich der Zombie-Bestseller The Walking Dead, der zuletzt erfolgreich als TV-Serie adaptiert wurde. Für Marvel arbeitet Kirkman an CAPTAIN AMERICA, Marvel Team-Up, Destroyer, Die ultimativen X-Men und Marvel Zombies. Inzwischen ist Kirkman als erstes Nichtgründungsmitglied Geschäftspartner bei Image, wo er 2010 das von ihm betreute Imprint Skybound einführte. Außerdem ist er einer der wichtigsten Befürworter des Creater-Owned-Gedankens, der besagt, dass Künstler die rechtliche und inhaltliche Kontrolle über ihre Werke behalten. NICK SPENCER gab 2009 sein Comic-Debüt. Mit Serien wie Existence 2.0, Forgetless, Shuddertown und MORNING GLORIES macht er sich rasch einen Namen als einer der vielversprechendsten neuen Autoren des Mediums. Für DC und Marvel schrieb er THUNDER Agents, Action Comics, Iron Man 2.0, Spider-Island: Cloak & Dagger, Ultimate Comics X-Men und Secret Avengers. SHAWN MARTINBROUGH ist seit den 90ern als Zeichner und Inker aktiv. Sein Portfolio umfasst u.a. Challengers of the Unknown, Action Comics, Angeltown, Bullseye: Perfect Game, The Losers, DMZ, Batman: Detective Comics, Marvel Noir: Luke Cage und Marvel Maximum 50: Punisher. 2007 veröffentlichte der Noir-Spezialist das Zeichen-Handbuch How to Draw Noir Comics: The Art and Technique of Visual Storytelling.

Arthur de Pins: Zombillennium 02 – Humankapital
56 S., Egmond Ehapa 2013 15,00 EUR
Die Arbeitslosigkeit im Nachbardorf ist hoch – und Zombillennium als einziger Arbeitgeber weit und breit stellt nur Untote ein! Dementsprechend hoch ist die Wut der noch recht lebendigen Dorfbewohner auf den Freizeitpark der Monstrositäten. Als sich ein paar von ihnen unter das Personal mischen, bricht Chaos aus … Zombillennium ist ein herrlich schwarzhumoriger Spaß mit enormen Kultpotential. Das fand auch die Jury des internationalen Comicfestivals in Angoulême 2012 und verlieh Zombillennium den Prix Jeunesse! Arthur de Pins, geboren 1977, studierte Art Deco und Animation. Seitdem fühlt er sich in diversen künstlerischen Medien zuhause: Ob Kurzfilm (u.a. Geraldine), Graphic Novel (La Révolution des crabes), Werbung (u.a. Nutella) oder Comic (u.a. Péchés Mignons) – de Pins scheint sämtliche mediale Spielarten zu beherrschen. Die Besonderheit seines Stils liegt darin, dass er alle Zeichnungen am Computer in Vektorgrafik anlegt, ohne dass sein Artwork dadurch an Dynamik oder Eleganz verliert. Die Comicwelt wartet gespannt auf Band 3 seiner Ausnahmereihe Zombillennium!

Levin Kurio: Welten des Schreckens – Argstein, der Erlkönig
68 S., Weissblech Comic Verlag, 7,80 EUR
Insgesamt gibt es inzwischen 6 Bände von dieser interessanten Heftreihe.
WELTEN des SCHRECKENS # 5 wartet mit einer kleinen Sensation auf: Endlich gibt es wieder eine nagelneue Geschichte aus dem ARGSTEIN-Wald! Der Erlkönig greift mit seinen spillerigen Fingern nach des kleinen Knaben Seele – wird der Förster ihn aufhalten können?
Außerdem: Es geht rasant weiter mit KALA! Die Urzeitamazone hat mit ihren Gefährten die Schlucht überquert … doch sie ahnt, dass sie noch nicht in Sicherheit ist. Aliens planen eine Invasion in Die Chroniken von Sol … und dann geht es in eine groteske Schreckenswelt: Begleitet David Gnotz in einen furchtbaren Alptraum … denn er ist Gefangener des Horrorheftes!

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